Kommentare - Frauenrechtlerinnen in Afghanistan: "Die Arbeit war nicht vergebens"

19. August 2021 - 08:35 Uhr

Für Frauenrechtlerinnen ist die Lage in Afghanistan nach dem Sieg der Taliban besonders bedrohlich. Monika Hauser von medica mondiale schildert im Interview, wie ihr Verein versucht, Frauen aus Kabul herauszubringen - und was von ihrer Arbeit bleibt.

Artikel auf tagesschau.de
Schlagwörter der Meldung:

Kommentare

Frauenrechte !

In D sind Frauen sicher ein Stück besser dran, obwohl es auch viele Männer immer noch nicht kapiert haben und auch nicht wollen, dass Frauen auch in allen Bereichen des Lebens die gleichen Rechte haben, dass sie gleich ge- und beachtet, respektiert und akzeptiert werden, wie all die Testosteron gefüllten Männer.
Dass sich in Afghanistan in den letzten Jahren was in dieser Richtung deutlich verändert und verbessert hat, wird jetzt sehr wahrscheinlich durch die Taliban- Männerwelt wieder zerstört. Dies ist echt traurig, und zugleich mehr als beschämend für die westlichen Länder insgesamt, weil die nur Wert auf den militärischen Bereich legten, und dabei die Zivilgesellschaft und deren Entwicklung nie beachteten und wirklich förderten, so dass all die Menschen an den Veränderungen aufbauen könnten. Ich hoffe, dass die Weltgemeinschaft die Taliban dazu bewegt, sich sehr gemäßigt zu verhalten und ihren Zusagen Taten folgen lassen. Man muss nicht abgöttisch leben, es geht auch normal !

"Die Arbeit war nicht vergebens"

Ein vermeintliches Zitat, dass in dem Interview gar nicht auftaucht. Ich dachte, es gäbe journalistische Standards, die so etwas verbieten würden.

Sehr bewegende Interviews der jungen Frauen

Man darf in Zukunft für den Aufbau Afghanistans nur noch auf Frauen setzen.

Jegliche Gespräche mit Männern dort - ob Taliban oder nicht Taliban - sind die Zeit nicht wert. Man hat den Eindruck, die können sich gar nicht merken, was am Vortag besprochen wurde.

Frauenrechte !

Was auch klar fest zu stellen ist, dass immer noch in vielen Ländern, vor allem in den muslimischen, nur die Männer die Hauptfiguren sind. Und leider kriegen es demokratisch regierte Länder nicht auf die Reihe, diesen klare Grenzen zu setzen, durch Boykotte, durch Sanktionen, damit all diese eingebildeten Herren mal beginnen, nach zu denken.
Nein, es werden riesige Sportveranstaltungen nach Katar gegeben, obwohl bekannt ist, dass Katar Terroristen unterstützt, die Menschrechte in massiver Weise immer verletzt, die Frauen quasi einsperrt, nur weil dort halt extrem viel Geld sitzt und zu verdienen gibt.
Das ist das Schlimmste an der ganzen Situation, dass das Geld immer vor Menschen- oder Frauenrechten zählt, egal in der Politik oder beim Sport. Und leider gibt es deutsche Funktionäre, die ganz offen mit Diktatoren, Königen und Prinzen speisen, ohne einen Funken Scham und Moral.

AufgeklärteWelt - kleinlich

"Die Arbeit war nicht vergebens"
Ein vermeintliches Zitat, dass in dem Interview gar nicht auftaucht. Ich dachte, es gäbe journalistische Standards, die so etwas verbieten würden.

Das Zitat ist authentisch von Monika Hauser.
Ja, es gibt journalistische Standards und sie sind der ARD wichtig und werden keineswegs verletzt.

09:03 von AufgeklärteWelt

" "Die Arbeit war nicht vergebens"
Ein vermeintliches Zitat, dass in dem Interview gar nicht auftaucht. Ich dachte, es gäbe journalistische Standards, die so etwas verbieten würden. "

Zitat aus dem Artikel :

"Diese gesellschaftliche Bewusstseinsarbeit war nicht vergebens und ist nicht verschwunden. Ich baue hier auf die junge Generation, die den Umgang mit sozialen Medien gewohnt ist, die an der Uni war und dort hoffentlich bleiben kann. Ich glaube, dass diese Kraft auch weiterhin da sein und sich nicht von den Taliban einfach verdrängen lassen wird"

Verhandeln mit den Taliban?

Wenn eine deutsche Delegation mit den Taliban verhandeln sollte, würde ich als Regierung diese Delegation rein mit Frauen besetzt.

Ein interessantes Interview!

Ein interessantes Interview! Vielleicht haben ja die vergangenen 20 Jahre, in denen die westliche Präsenz da war und Fortschritte bzgl. Menschenrechte (und entsprechend Rechte für Frauen) gebracht haben, in der afghanischen Bevölkerung eine gewisse Geisteshaltung (oder Bewusstsein) in Gang gesetzt, wovon jetzt - trotz Herrschaft durch die Taliban - profitiert wird. Insofern weiß ich nicht, ob es richtig ist, dass jetzt alle, die als „gefährdet“ bezeichnet werden, das Land verlassen sollen - vielleicht bleiben sie in Afghanistan, weil man sie da braucht als Unterstützung für die Errungenschaften.
Ja, schwierig zu beurteilen, was da alles jetzt auf die Menschen zukommt. Wie erwähnt, sollte die Entwicklungshilfe nicht gleich auf „0“ runtergefahren werden, das bringt den Menschen dort nur Nachteile; aber man muss auch unsererseits Bedingungen für eine weitere Entwicklungshilfe stellen.
Es ist zu befürchten, dass andere (Russland, China) uns den Rang ablaufen und das Vakuum besetzen.

@ 08:59 von Traumfahrer

Das sehe ich etwas anders: Es gab viele Initiativen, NGO's und Hilfswerke, die sich in den vergangenen Jahren sehr für die Zivilgesellschaft eingesetzt haben und im Bereich Bildung und Kultur viel bewegt haben. Das wirklich schlimme und desaströse ist, dass viele dieser Fortschritte jetzt massiv bedroht sind. Und dafür hat der letztlich strategielose Truppenabzug eine Mitverantwortung.

Frauenrechte !

Leider gibt es eine Kanzlerin in D, die so viel hätte tun können, für die Rechte der Frauen, aber sie war zu beschäftigt mit dem Aussitzen von Problemen, mit dem Bewerben von Skandalfirmen bei Diktatoren, und dem Absägen von hoffnungsvollen Menschen in D, die nicht in ihr Schema passten.
Für Afghanistan sehe ich schwarz, weil ich den Taliban kein Wort glaube, was sie jetzt noch so von sich geben. Denn die neuesten Sätze deuten schon an, in welche Richtung es gehen wird, wenn ein Rat von durch geknallten Klerikern, die allesamt Männer sind, bestimmt wie Frauen sich zu kleiden und verhalten sollen. Anscheinend müssen diese Herren erst einmal lernen, sich zu benehmen, wenn sie ein Knie oder mehr von einer Frau sehen, und vor allem lernen, dass Frauen auch Menschen sind, die die gleichen Rechte haben. Da haben die westlichen Länder einiges verschlafen, was dies angeht, dies zu fördern, dass die Frauen noch mehr entwickeln können, und die Männer es noch deutlicher kapieren !

Befürchte Ärger

Ich sehe das von der praktischen Seite.Warum sich in die Gegebenheiten von anderen Staaten einmischen.Wenn wir afghanische Frauen nach Deutschland holen werden ihre Männer sich das sicher nicht gefallen lassen.

@ 09:03 von Tada

Wie kommen Sie darauf, dass "jegliche Gespräche mit Männern dort - ob Taliban oder nicht" wertlos und vergeblich sind? Es gibt viele Männer, die die Menschenrechte, Frauenbildung, Kultur und faire Rechtssprechung sehr unterstützen und in diesem Sinne klar gegen die Richtung der Taliban stehen.

@Traumfahrer und @Tada

Sorry, aber Ihre „Männerschelte“ („wie all die Testosteron gefüllten Männer“ und „Jegliche Gespräche mit Männern dort - ob Taliban oder nicht Taliban - sind die Zeit nicht wert“) bringt doch nichts, weil es viel zu pauschal ist. Glauben Sie nicht, dass es in Afghanistan auch Männer gibt, die sich für mehr Rechte auch für Frauen einsetzen?

Lasst den

Afghanen ihr Leben selbst leben ohne äußere, bevormundente Einmischung.

@ Tada

Zitat: "Jegliche Gespräche mit Männern dort - ob Taliban oder nicht Taliban - sind die Zeit nicht wert."
#
Leider kann das zukünftig weder politisch noch finanziell von der Staatengemeinschaft gewürdigt werden. China und die Sowjetunion sind dabei, Afghanistan zu ihrem Vasallen zu machen, hofieren die Taliban nach Kräften.
Nicht nur die Männer Afghanistans sind auf Jahrzehnte für den Westen verloren, nicht nur die Männer ...

Tada

Endlich mal ein realistischer und auf den Gegebenheiten des Landes basierender Vorschlag.

08:59 von Traumfahrer

"In D sind Frauen sicher ein Stück besser dran, ..."

Nur ein Stück? Ich glaube da sind etwas die Relationen verschoben.

"Ich hoffe, dass die Weltgemeinschaft die Taliban dazu bewegt, sich sehr gemäßigt zu verhalten und ihren Zusagen Taten folgen lassen. Man muss nicht abgöttisch leben, es geht auch normal !"

Und wenn sich die Taliban nicht dazu bewegen lassen? Was dann...? Dann könnten wir vielleicht mit der NATO da einmarschieren. Hatte ja bis neulich auch ganz gut geklappt.

@ 09:03 von AufgeklärteWelt

Das Zitat aus dem Bericht ist "Diese gesellschaftliche Bewusstseinsarbeit war nicht vergebens und ist nicht verschwunden." Und es ist okay, wenn das in einer Überschrift verdichtet wird zu "Die Arbeit war nicht vergebens." Wo da journalistische Standards verletzt werden, kann ich nicht erkennen.

@08:59 von Traumfahrer

Also ich bin der Meinung, dass in Deutschland Frauen mindestens genauso gut dran sind wie Männer. Darüber hinaus wäre es schön, wenn sie Ihren vor überbordendem Sexismus nur so strotzenden Kommentar irgendwie belegen würden. Warum sind Frauen hier nur "ein Stück besser dran"? Welche Rechte haben Frauen hier nicht? Inwiefern werden Frauen hier nicht geachtet? Was ist an Testosteron so schlimm (haben Frauen übrigens auch)?

09:18 von Wolf1905

"Ein interessantes Interview! Vielleicht haben ja die vergangenen 20 Jahre, in denen die westliche Präsenz da war und Fortschritte bzgl. Menschenrechte (und entsprechend Rechte für Frauen) gebracht haben, in der afghanischen Bevölkerung eine gewisse Geisteshaltung (oder Bewusstsein) in Gang gesetzt, wovon jetzt - trotz Herrschaft durch die Taliban - profitiert wird. "

Leider war die Entwicklung in den letzten Jahren auch ohne Taliban aus unserer Sicht etwas entgegenläufig. Ich zitiere aus Wikipedia:

"Im März 2021 verbot das afghanische Erziehungsministerium allen Mädchen über zwölf Jahren, in Anwesenheit von Männern zu singen."

Weitaus schlimmer jedoch dies, ebenfalls aus Wikipedia:
"Der Eheliche Beischlaf ist seit 2009 in Artikel 132 des Gesetzes zur Regelung des Familienlebens verpflichtend."

Furchtbar!

wenn es denn jemals

in Afghanistan (in den letzten Jahrzehnten) so etwas wie Frauenrechte gegeben haben sollte, dann werden sie jetzt wieder eingestampft, da mache ich mir keine Illusionen.
Denn wenn es etwas gibt, was die Taliban der Zivilbevölkerung sympathisch macht, dann die Aussicht, dass diese die alten Rollenbilder wieder etablieren, und sei es auf noch so gewalttätige und menschenverachtende Weise. Das infrage stellen des Patriarchats verunsichert doch dort jeden "normalen" Mann mehr als alles andere, und die seit Urzeiten so erzogenen Machos sehnen sich nach vertrauten Sitten und Gebräuchen.
Hier wird sich meiner Überzegung nach auch erweisen, dass solche Nebensächlichkeiten wie die Entwicklung der Zivilgesellschaft den langjährigen Besatzern nicht wichtig genug sind, um hierfür etwas zu tun. Das erfodert nämlich Nachhaltigkeit, und dafür war und ist militärische Strategie und Taktik noch niemals gedacht. Was anders können die aber nicht.

Frauenrechtlerinnen in Afghanistan

Islamische Gelehrte sollen nun über Frauenrechte entscheiden.
Da diese wohl alle Hardliner sein werden, ist das Schlimmste zu befürchten.

Und in D?
Artikel 3 Abs.2 GG: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt."
Dies jedoch ist noch lange NICHT erreicht.

Und wenn wir das nicht einmal geschafft haben, welch unerreichbare Illusion war das dann in Afghanistan, Frauen mehr Rechte zuzugestehen?

09:13 Günter Schollatur

„Wenn eine deutsche Delegation mit den Taliban verhandeln sollte, würde ich als Regierung diese Delegation rein mit Frauen besetzt.“

Hahahahaha. Der ist gut. Die holen die Ergebnisse raus, gell, weil die Taliban sich schämen oder ärgern. Hahahahaha. Ist der gut. Hahahahaha.

@ Wolf1905

Zitat: "Wie erwähnt, sollte die Entwicklungshilfe nicht gleich auf „0“ runtergefahren werden, das bringt den Menschen dort nur Nachteile; aber man muss auch unsererseits Bedingungen für eine weitere Entwicklungshilfe stellen."
#
Da gebe ich Ihnen Recht. Allerdings haben wir in absehbare Zukunft keine zuverlässige Möglichkeit zu kontrollieren, was mit Entwicklungshilfe oder IWF-Geldern passiert. Nachdem die Hilfsorganisationen sich zurückgezogen haben, bleiben nur die Infos durch Talibantreue Leute dort.
Und die vielen 10 tsd. Taliban wollen, ganz untypisch, Kohle sehen ... westliche Kohle ... um nach 20 Jahren Widerstand auch damit belohnt zu werden.
Die vielen Jungfrauen im Fall eines Todes "im Feld" reichen nicht mehr, sind da jetzt eher eine "Investition in die Zukunft ".

@ Wolf 1905

Insofern weiß ich nicht, ob es richtig ist, dass jetzt alle, die als „gefährdet“ bezeichnet werden, das Land verlassen sollen - vielleicht bleiben sie in Afghanistan, weil man sie da braucht als Unterstützung für die Errungenschaften.

Das können nur die AktivistInnen vor Ort entscheiden. Wenn Sie raus wollen, ist es unsere humanitäre Pflicht, Sie raus zu holen.

Das Interview mit Frau Hauser geht unter die Haut.

Wer anders als Frau Hauser könnte die Zustände in Afghanistan aus der Sicht der Frauen treffender schildern als sie?

In vielen Punkten hat sie wohl vollkommen Recht, leider auch darin, dass das archaische Frauenbild nicht nur in den Köpfen der Taliban, sondern in der Männerwelt, gerade auf dem Lande, bis heute verbreitet festsitzt.

Und ja, wenn die Gesellschaft freier und auch demokratischer werden sollte, hätte der Fokus weitaus intensiver auf den Wandel in den Männerköpfen gelegt werden müssen und nicht vorwiegend auf militärische Erfolge.

Die Taliban besiegen bedeutet nur die Abschaffung eins der Probleme, es blieben noch genügend andere innerafghanische.

Traurig: Die Perspektive, die Frau Hauser für die Frauen aufzeigt, welche sich in den vergangenen Jahren besonders stark engagiert haben:

Ihnen bleibt nur die Flucht...

Frauenrechte

Da lese ich in Interviews mit afghanischen Frauen in zwei unterschiedlichen gemeinnützigen Organisationen: eine Sichtweise, die besagt, man arbeite seit Jahrzehnten in stetem Kontakt mit den Taliban, weil die neben der "offiziellen" Regierung in Kabul die "inoffizielle" stellten. Die Taliban der neuen Generation seien gebildet, Mädchen wie Jungen haben die Schule besucht. Die zweite Sichtweise besagt, man fürchte die Taliban, kenne nur Unterdrückung und die Gangart der alten, bislang gestoppten Denkweisen und Strukturen. Nun befürchte man einen Rückfall in die alten Rollenfunktionen der Frauen. Zusammengefasst kann man sicherlich davon ausgehen: Frauenrechte und Rollenverteilung werden einen Einbruch erfahren. Gebildet sein, heißt für mich nicht zwangsläufig, dass Taliban Freiheiten und Religion sehr viel anders bewerten als zuvor. Verfolgung und Unterdrückung gehören mit in dieses Kapitel. Und die westlichen Werte werden geschliffen werden. Afghanistans Reformwerk endet.

@Günter Schollatur um 09:13

„Verhandeln mit den Taliban? Wenn eine deutsche Delegation mit den Taliban verhandeln sollte, würde ich als Regierung diese Delegation rein mit Frauen besetzen.“
Warum? Um die Taliban zu brüskieren? Um gleich zu Beginn auf Konfrontation zu gehen? Glaube nicht, dass dies eine sinnvolle Strategie wäre.

@ Wolf 1905

Es ist zu befürchten, dass andere (Russland, China) uns den Rang ablaufen und das Vakuum besetzen.

In humanitärer Hinsicht haben diese beiden autoritären Regime keine Ambitionen. Rein wirtschaftlich gesehen können und wollen wir sie eh nicht aufhalten.

"Auslegungssache "

Zitat: "Die Taliban sagen, sie würden niemandem etwas antun, der nach der Scharia lebt. Aber das ist eine Sache der Auslegung."

Klar, jetzt tut man so, als wäre Sharia eine Sache der Auslegung. Sind sie ja auch, nur wenn Grundlage der Auslegung religiöse Schriften einer Steinzeit-Religion, dann ist die "Auslegung" der Sharia überall die gleiche, mit den gleichen fatalen Folgen für die Frauenrechte, sei es im Iran oder Afghanistan unter den Taliban.

Man sollte auch endlich mal zur Kenntnis nehmen, dass die Mehrheit in islamischen Ländern die Sharia vor einer weltlichen Gesetzgebung befürworten, lt. dem Pew Research Institute sind es für Afghanistan sogar 99 %.

https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenrechte_unter_den_Taliban

https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenrechte_im_Iran

"https://www.pewforum.org/2013/04/30/the-worlds-muslims-religion-politic…"

@ Günter Schollatur, um 09:13

“Wenn eine deutliche Delegation mit den Taliban verhandeln sollte, würde ich als Regierung diese Delegation nur mit Frauen besetzt.“

Verführerischer Gedanke, aber natürlich aus verschiedenen Gründen unrealistisch.

Teurer Preis

Man muss sich einfach auch mal klar machen, dass die Frauenrechte sich eben nicht aus der Gesellschaft heraus entwickelt haben, sondern nur durch den Einfluss externer Kräfte.
.
Da ist es nun kein Wunder, dass diese jetzt auch recht schnell wieder einkassiert werden.
Wäre es anders, würde sich diese Frage ja gar nicht stellen und auch die Männer, die keine Taliban sind, würden sich mehr für ihre Frauen einsetzen. Machen sie aber nicht.
.
Letztlich haben also externe Kräfte mit Geld und Soldaten dafür gesorgt.
.
Insgesamt entsteht eh das Bild, dass man sich hier wunderbar verkohlt haben hat. Nur externe Soldaten konnten die Sicherheit aufrecht erhalten. Die eigenen Kräfte waren "unmotiviert".
.
Es ist gut sich für Frauenrechte einzusetzen, allerdings hat das neben zig tausend Toten Soldaten eben auch zig Milliarden gekostet, um am Ende in 2 Wochen mehr oder weniger abgeschafft zu werden.
.
In Afghanistan gab es zu keinem Zeitpunkt eine moderne liberale Gesellschaft. Nur eine gewollte.

um 09:03 von AufgeklärteWelt

["Die Arbeit war nicht vergebens"]

Ein vermeintliches Zitat, dass in dem Interview gar nicht auftaucht. Ich dachte, es gäbe journalistische Standards, die so etwas verbieten würden."

Das ist natürlich schwer zu verkraften angesichts der komplexen Bedrohungen, mit denen es vor allem die Frauen in Afghanistan mal wieder zu tun haben. Nett, daß Sie Anlaß geben, dem von Ihnen beanstandeten, zu verbietenden (welches Strafmaß wäre Ihnen denn recht?) Verkürzungsfrevel die Gelegenheit anbieten, unparaphrasiert noch mal in Langform zu erscheinen im Original. Ich bin sicher, Frau Hauser hat dem ohne Zögern zugestimmt.

[Diese gesellschaftliche Bewusstseinsarbeit war nicht vergebens und ist nicht verschwunden. Ich baue hier auf die junge Generation, die den Umgang mit sozialen Medien gewohnt ist, die an der Uni war und dort hoffentlich bleiben kann. Ich glaube, dass diese Kraft auch weiterhin da sein und sich nicht von den Taliban einfach verdrängen lassen wird.]

Gibt's inhaltliche Einwände?

Warum ein robustes Mandat?

Warum braucht es eigentlich ein "robustes" Mandat, um viele Menschen auszufliegen?

Hätte ein "normales" Mandat, das ja schon zu Selbstverteidigung berechtigt, nicht genügt?

Es ist das erste "robuste" Mandat nach dem 2. WK und musste nun völlig überstürzt beschlossen werden.

Jetzt zu sagen

was passieren wird, oder wie es in paar Monaten aussieht, weiß wohl keiner, ob sich jemand traut eine Prognose abzugeben, weiß ich natürlich nicht.
Gelder die ins Land gegeben werden, weiß am Ende niemand wo sie versickern, man kann sicher Pläne machen wie es weitergehen soll, aber das alles ist sehr vage.
Eine Veränderung im Land, kann nur von innen kommen, und das ist ein langer Prozess.

Am 19. August 2021 um 09:13 von Günter Schollatur

Zitat: Wenn eine deutsche Delegation mit den Taliban verhandeln sollte, würde ich als Regierung diese Delegation rein mit Frauen besetzt.

Das ist ein guter Trick, den ich auch schon angewandt habe, wenn ich Verhandlungen von vorneherein platzen lassen wollte und trozdem sagen wollte, ich hätte es ja versucht.

Man muss nur für die Gegenseite eine Verhandlungsathmoshäre schaffen, die für diese inakzeptabel ist.

Soviel zum angeblich nutzlosen Einsatz

"Aber es ist in den vergangenen 20 Jahren an drei Standorten in Afghanistan eine sehr kraftvolle Frauenarbeit aufgebaut worden. Die Juristinnen haben Frauen strafrechtlich verteidigt, die Gewalt erlebt haben. Sie haben Ehemänner hinter Gittern gebracht, die ihre Ehefrauen fast totgeprügelt haben. Sie haben Tausende Frauen ins Leben zurückholen können..."

Wer es jetzt immer noch nicht begriffen hat, was in den letzten 20 Jahren geschehen ist, will es einfach nicht wahrhaben. Wo sind denn hier nun die lautstarken Foristen, die fast schon in Panik verfallen, wenn sie das Wort "Flucht" auch nur lesen?

Der Einsatz in Afghanistan endet leider sehr unrühmlich! Aber er war dennoch nicht vergebens. Denn plötzlich haben die Frauen eine Stimme, die man vorher nie gehört hat! Und ich hoffe, diese Stimme wird nicht verstummen!

Nicht so missionarisch, bitte

Wie kommen wir Westlichen eigentlich dazu, immer alles besser zu wissen und besser zu machen als die Anderen?
Ist es denn so, daß 100% der Frauen in Afghanistan gegen einen sog. "Gottesstaat" sind? Und wir sie retten müssen? In ein System, was wir uns aufgebaut haben?
Woher kommt die Unterstützung der Taliban?
Von islamischen Nachbarstaaten!
Die müssten wir dann auch irgendwie mal zu unseren Werten bringen, oder was??

Nein, nein, nein

Es darf jetzt kein "Wir haben alles richtig gemacht" oder "Es war alternativlos" geben!

"Nation building" und der Versuch, Demokratie militärisch zu exportieren sind blanker Unsinn. Jeder Militärexperte kann dies bestätigen.

Dass fremde Werte und Kulturen nicht militärisch exportiert werden können , hat die afghanische Armee eindrucksvoll gezeigt. Die Soldaten haben sich nicht mit den Werten der ausländischen Truppen, Beratern und Hilfsorganisationen identifiziert. Sie hatten keinerlei Motivation, für diese Werte, die sie nicht als die eigenen ansahen, zu kämpfen.

Ausländische Interventionen werden von der Bevölkerung als Einmischung betrachtet. Daher sind diese von vornherein zum Scheitern verdammt.

In Zukunft darf es keine militärische Intervention in fremden Staaten mehr geben. Nicht durch Deutschland, nicht durch die NATO und nicht durch die UN.

@ 09:23 von Augustus Cäsar

Der Einsatz für allg. Menschenrechte wurde aus guten Gründen nach dem 2. Weltkrieg über die nationalen Rechte gestellt. Insofern ist Ihre schnöde und saloppe Aufforderung "Lasst den Afghanen ihr Leben selbst leben ohne äußere, bevormundente Einmischung." ein Schlag ins Gesicht all der afghanischen Frauen und Männer, die anders leben möchten als die Taliban ihnen vorschreiben. Der Einsatz für Menschenrechte, Frauenrechte, Recht auf Bildung und Kultur und faire Rechtssprechung ist keine "bevormundende Einmischung". Nirgendwo auf der Welt.

@ Tada, um 09:03

Was Sie vorschlagen liegt leider (noch...?) in vollkommen ferner Zukunft.

Im Augenblick bleibt realistischerweise nichts anderes, als in Gesprächen auszuloten, worüber die Verhandlungsführer der Taliban mit sich reden lassen und wo man an ihre Grenzen stößt.

Und:
Inwieweit die Taliban eventuelle Zugeständnisse einhalten - etwas, bezüglich dessen man hüben wie drüben derzeit berechtigte Bedenken hat.

um 09:32 von pemiku

"Und in D?
Artikel 3 Abs.2 GG: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt."
Dies jedoch ist noch lange NICHT erreicht.

Und wenn wir das nicht einmal geschafft haben, welch unerreichbare Illusion war das dann in Afghanistan, Frauen mehr Rechte zuzugestehen?"

Sie wollen doch wohl nicht ernsthaft die Situation hier mit der in Afghanistan vergleichen, oder? Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Dort wurden Frauen (fast) totgeprügelt! Erzählen Sie den afghanischen Frauen einmal, dass auch in Deutschland eine Ungleichbehandlung zwischen Frau und Mann stattfindet. Die werden vermutlich Sie dann verprügeln! Während wir uns über Bezahlungen am Arbeitsplatz Gedanken machen (was natürlich auch nicht ok ist), geht es in den Ländern um das nackte Überleben!

Natürlich ist auch unsere Gesellschaft nicht perfekt. Aber der Vergleich verbietet sich eindeutig!

Es mag sein, dass die Taliban …

… inzwischen gelernt haben, wie man spricht bei Interviews oder Pressekonferenzen vor internationalen Medien, und dass Steinzeitfundamentalismus nicht gut ankommt.

Aber ich glaube kein Wort von den mantraartig abgespulten Beteuerungen, dass Frauen nichts zu befürchten hätten etc. pp.

Es hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert außer der Tatsache, dass man gelernt hat, wie Politiker zu sprechen.

@ 09:31 von frosthorn

In der Besorgnis darüber, dass die Frauenrechte unter der Herrschaft der Taliban wieder "eingestampft" werden, stimme ich mit Ihnen überein. Der pauschalen Beurteilung, dass alle afghanischen Männer die gewalttätige und frauenverachtende Haltung teilen, möchte ich widersprechen.

Es war nicht nur "vergebens" ...

... es war auch extrem destruktiv.

Das Ansehen der NATO und der westlichen Welt ist völlig zertrümmert. Es wurde ein Versprechen gegeben, dass nicht eingehalten werden konnte.

Die NATO muss wieder zurück, auf ihre Ursprungsbestimmung, ein Verteidigungsbündnis zu sein. Nicht mehr und nicht weniger.

Kein "Nation Building", kein "Demokratie Export"!

Duplizität eines Staates namens Afghanistan

Taliban stellen einen Großteil der Einwohner Afghanistans, durchziehen überall, gerade im ländlichen Raum die verwaltenden und herrschenden Ebenen. Und darunter erleben wir liberale bis radikale Kräfte. Wir haben mit Individuen auch im Islam zu tun. Islamistische, terroristische Strömungen sind Teil dieser Bevölkerung. Minderheiten in Afghanistan begegnen die Taliban mehr oder weniger offen. Die Regierung Kabuls selbst war, sehen wir jetzt, "offizielle" Vertreterin zum Ausland gewesen. Liberale Menschen haben sich dort wiedergefunden. Wurde sie nur geduldet und diente als Adressat? Man wird es näher untersuchen müssen. Aber: über allem schwebt das Dach des Islam mit allen Ausrichtungen. Darin finden sich die Frauen wieder. Der Aufbau und die Sensibilisierung für Menschen- und Frauenrechte hat stattgefunden. Aber war eher eine positive Begleiterscheinung der präsenten ausländischen Streitkräfte. Nun sind die Taliban aus dem Schattendasein heraus und am Zuge. Da ist Skepsis angebracht.

Frauen als Objekt männlicher Disposition

Respekt für den Mut vieler Afghaninnen, die sich in den vergangenen Jahren ihren Platz in der Gesellschaft stückweise erkämpft haben.

Rechte für Frauen sind nirgendwo heruntergefallen, sondern mussten schon historisch in so gut wie allen Gesellschaften erkämpft werden. Auch Selbstverständlichkeiten wie Schulbildung, das Wahlrecht, Autofahren, selbständig das Hausverlassen, einen Beruf nachgehen und anderes mehr sind im Zuge des fundamentalistischen Fiebers zum Objekt männlicher Disposition geworden.

Egal ob dafür religiöse Auslegungen, die dazu oft noch falsch sind, herangezogen werden oder ideologisch begründete rückwärtsgewandte "Frauen-an-den Herd Phantasien", sie alle sind menschenfeindlich. Den afghanischen Frauen bleibt zu wünschen, dass sie wenigstens einen Teil ihrer Freiheiten retten können.

Wer jetzt fragt ...

... "Was hätten wir denn tun sollen?" oder "Hätten wir einfach zuschauen sollen?" hat gar nichts verstanden.

Demokratie und freiheitliche Werte können NICHT militärisch exportiert werden.

Re : Bobinho

Nein das denke ich nicht, denn selbst die politische Elite zeigt gerade im Wahlkampf ein deutliches Bild, in dem Mann ziemlich sexistisch und unflätig Frauen angreift, bei jeder Gelegenheit diskeditiert, aber selbst den großen Gockel raushängt, viel verspricht, um danach nichts zu halten. Und leider hatten wir eine Kanzlerin, die nicht wirklich eine Frau repräsentierte, die sich vehement für alle Frauen dieser Welt einsetzt, weil ihr Macht, Geld und mit den Großen mitspielen wichtiger war.
Nein ein nochmaliges Einmarschieren wäre nicht geeignet, sondern eine totale Isolation der Taliban, sie sozusagen aushungern, und nebenbei die moderaten Kräfte so gut es geht unterstützen. Ja die westlichen Länder haben gewaltige Fehler gemacht, die sich nicht wiederholen dürfen. Da sollten sich alle beteiligten an die Nase fassen und gründlich alles auf arbeiten, ohne jegliche Schonung. Ob dies allerdings überhaupt passiert, bei diesen Gestalten, die nie zu ihren Fehlern stehen können ????

Hier spricht ein "echter" Mann

"Ich sehe das von der praktischen Seite.Warum sich in die Gegebenheiten von anderen Staaten einmischen.Wenn wir afghanische Frauen nach Deutschland holen werden ihre Männer sich das sicher nicht gefallen lassen." @Anton2
.
Jawoll, Muddi gehört an den Herd! Und der Mann trifft alle Entscheidungen. Das führt allerdings in vielen Fällen zu Scheidungen.

09:20 von Traumfahrer

"Leider gibt es eine Kanzlerin in D, die so viel hätte tun können, für die Rechte der Frauen, aber..."

Bitte nennen Sie mir ein Recht, welches die Kanzlerin hätte für die Frauen einführen können. Nur eines. Ein Recht, das nur Männer in Deutschland haben.

Am 19. August 2021 um 09:30 von Bobinho

Zitat: Weitaus schlimmer jedoch dies, ebenfalls aus Wikipedia:
"Der Eheliche Beischlaf ist seit 2009 in Artikel 132 des Gesetzes zur Regelung des Familienlebens verpflichtend." Furchtbar!

Bei uns wurde diese Verpflichtung immerhin bereits 1975 abgeschafft.

Allerdings hat noch im Jahr 2000 ein Familiengericht einer Frau den Unterhalt wegen Verweigerung des ehelichen Beischlafs gekürzt. Das Gericht sah darin ein offensichtlich schwerwiegendes, eindeutig Fehlverhalten gegen den Unterhaltsverpflichteten.

@ 09:03 von Tada <> Sie sagen es

"Man darf in Zukunft für den Aufbau Afghanistans nur noch auf Frauen setzen.
Jegliche Gespräche mit Männern dort - ob Taliban oder nicht Taliban - sind die Zeit nicht wert."

D'accord!

Wäre schön, wenn den Frauen die Möglichkeit gegeben würde.

Im Zweifel sollten sie geschlossen auswandern und die Zottelbärte alleine ihren Kram machen lassen.

Das wird leider Flachs & Satire bleiben.

Re : pemiku !

Das ist wohl das absolut größte Problem, dass Männer und Frauen zwar nach dem Gesetz in D gleichberechtigt sind, aber in der Realität dies in vielen Fällen noch sehr lange nicht. Das fängt Unten an, bis ganz nach Oben, in allen Schichten, egal ob in der Familie, beim Sport, oder in den Behörden oder Politik. Es wird noch lange Männer geben, die dies nicht wirklich kapieren.
In Afghanistan wurde zu lange Krieg geführt, und die gesellschaftlichen Belange nicht wirklich im großen Rahmen bedacht und gefördert, so dass eine neue Identität entstehen hätte können, und ein neues Bewusstsein. Das hat der Westen völlig verpennt, auch wenn kleine Samen entstanden sind, die nun zu verwelken drohen !

09:32 von pemiku

"Und in D?
Artikel 3 Abs.2 GG: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt."
Dies jedoch ist noch lange NICHT erreicht."

Also in dem Deutschlan in dem ich lebe schon. Wenn es "noch lange" nicht erreicht ist, werden sie mich bestimmt gleich aufklären auf welchen Gebieten Frauen in Deutschland nicht gleichberechtigt sind.

Ach ja, Frauen können den Tatbestand §183 StGB nicht begehen. Würde mir jetzt so einfallen.

um 09:21 von SinnUndVerstand @ 09:03 von Tada

,,Wie kommen Sie darauf, dass "jegliche Gespräche mit Männern dort - ob Taliban oder nicht" wertlos und vergeblich sind? Es gibt viele Männer, die die Menschenrechte, Frauenbildung, Kultur und faire Rechtssprechung sehr unterstützen und in diesem Sinne klar gegen die Richtung der Taliban."

Leider sind diese Männer nach hier dokumentierter Lesart zu dumm, sich die Konsequenzen eines Ritts auf den Rollen eines Jets im Abflug vorzustellen. In einem Beitrag vorgestern gelesen. Daß Todesangst ein Motiv sein könnte, um alternativlose Handlungen zu vollziehen, ist scheinbar exklusiv. Kaum vorstellbar, daß sogar Frauen sich mit so kalter Ignoranz brüsten können. Wenn doch, aber bitte in keiner Position, in der Verantwortung gefragt ist. Das Interview aber macht Hoffnung. Es ist durchaus möglich, daß die Verkleidung, mit der die Taliban nun über die Weltbühne flaniert, mit Einwirkung der Arbeit der vielen Initiativen in den Familien entstanden ist. Ob das tatsächlich Mäßigung bedeuten kann...

Merkwürdig an der Sache ist, dass

ein ehemaliger Bundeswehrarzt, der dort mehrere Mädchenschulen (vor allem im Gebieten, die von den Taliban kontrolliert wurden) aufgebaut hat, von einer Besserung der Lage überzeugt ist. Der Mann ist seit 20 Jahren vor Ort und weiß, wovon er spricht. Auch bisher wurden die Mädchenschulen durch die Taliban unterstützt, da diese Wert auf Bildung auch bei Frauen legen. Wieso liest man davon auf TS nichts?

09:33 von Dr.Hans

09:13 Günter Schollatur
„Wenn eine deutsche Delegation mit den Taliban verhandeln sollte, würde ich als Regierung diese Delegation rein mit Frauen besetzt.“

Hahahahaha. Der ist gut. Die holen die Ergebnisse raus, gell, weil die Taliban sich schämen oder ärgern. Hahahahaha. Ist der gut. Hahahahaha.

Ich mag ja intelligente Kommentare in diesem Forum, und es ist schön, dass es es recht viele davon gibt.

Ihrer gehört so gar nicht dazu.

Und er macht ihr persönliches Frauenbild deutlich. Insofern ist er wenigstens erhellend.

Warum ...

... ist es eigentlich für so viele so schwer zu verstehen, dass die Werte und Normen unserer westlichen Zivilisation in vielen Ländern nicht gelten?

Der Westen glaubt, dass er anderen Ländern vorschreiben kann, welche Werte und Normen dort zu gelten haben. Afghanistan ist nur eines unter vielen Beispielen, dass der Westen sich kolossal irrt.

Die Menschen in anderen Ländern wollen vom Westen nicht kulturell bevormundet werden. Punkt.

Interventionen sind sinnlos und völlig vergeblich. Es wird Zeit, dass Politiker und NGOs dies endlich lernen und respektieren.

@ 09:03 Tada

Ihren Absolutismus in Ehren, aber Sie bedienen sich damit dem Element, dass sie sicher ablehnen würden, sollte zum Beispiel eine muslimische und damit zumeist männliche Regierung fordern, sie wolle nur mit Männern sprechen. Wären Sie dann auch noch Feuer und Flamme für pauschale Denkmuster?

Hintergrundinformationen zum Thema stets willkommen, copy nicht

Zum Thema des Gesamtkomplexes, auch zur Frage des ts-Beitrages "was hat es (für wen) gebracht hat dort 20 lange Jahre vor Ort zu sein, empfehle ich das aktuelle SPIEGEL- "Spitzengespräch".

https://twitter.com/MFeldenkirchen/status/1428047637979279363?s=20

Die Gesprächsreihe von Martin Feldenkirchen, hier mit einem BW-Afghanistan-Veteranen und dem hoch kompetenten Spiegel-Korrespondenten Christian Reuter erspart einem viel Zeit sich über unzählige Copy&Paste-Attacken hinwegzuscrollen, die aus dem rechtsextremen identitären Umfeld stammen und trotz existierender Forenregeln hier täglich durchgewunken werden.

09:37 von harry_up

"Und ja, wenn die Gesellschaft freier und auch demokratischer werden sollte, hätte der Fokus weitaus intensiver auf den Wandel in den Männerköpfen gelegt werden müssen und nicht vorwiegend auf militärische Erfolge."

Wieviele Jahre mag es dauern eine archaische Stammeskultur ins 21. Jahrhundert zu befördern? 20 Jahre sind nicht genug. Die Grundlage für einen Wandel in der Gesellschaft liegt im Willen etwas zu ändern.

@AufgeklärteWelt, 09:03 Uhr

"Die Arbeit war nicht vergebens" - dies ist nicht nur die Einschätzung von Frauenrechtlerinnen, sondern auch vielen engagierten Helferinnen und Helfern vor Ort, die zumindest in einem kleinen Zeitfenstern, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu besseren Bildungsmöglichkeiten, eine erhöhte Sicherheit vor dem Zugriff radikaler Kräfte und ein kleines Stück Lebensqualität schaffen konnten. Man wird natürlich kritisch hinterfragen müssen, ob ein kulturell, religiös und wirtschaftlich von westlichen Werten weitgehend losgelöstes Land bereit und in der Lage ist, sich zu öffnen oder in den traditionellen Stammeskulturen zu verharren. Wir sollten uns auch nicht anmaßen, mit fast schon missionarischem Eifer dort "eine vermeintliche bessere Welt" zu implantieren. Irgendwann wird man sich tatsächlich eingestehen müssen, dass die Afghanen ihr Schicksal nun selbst in die Hand nehmen sollten.

09:31 von frosthorn

… Das infrage stellen des Patriarchats verunsichert doch dort jeden "normalen" Mann mehr als alles andere, und die seit Urzeiten so erzogenen Machos sehnen sich nach vertrauten Sitten und Gebräuchen. …

Und an dieser Stelle drängt sich eine Frage auf: Wer genau erzieht die Jungen denn zu Machos?

Es ist nicht jeder kleine Bub in einer Koranschule, wo er täglich indoktriniert wird. Und einen entscheidenden Anteil an der Erziehung haben noch immer die Mütter.

Die Taliban selbst rekrutieren sich ja zu einem großen Teil aus Bürgerkriegswaisen, die in Pakistan einer jahrelangen Gehirnwäsche unterzogen wurden.

Re : mispel !

Erstes Beispiel, der Fußball, da spielen die Frauen auch in einer Bundesliga. Sie werden aber noch immer nicht gleich bezahlt wie die Herren der Gesellschaft, über die Männer- Bundesliga wird im Vergleich zu den Frauen um ein Vielfaches mehr berichtet.
Dann die in meinen Augen unwürdigen Angriffe auf bestimmte Frauen in der Politik, auch gerade jetzt im Wahlkampf. Ich habe nichts gegen eine Kritik, aber so mancher Herr haut da unter die Gürtellinie, und zeigt nicht wirklich Achtung und Respekt, wie es in einer gleich berechtigten Gesellschaft sein sollte. Und leider wird noch zu oft sexistische Werbung betrieben und gezeigt, die so überhaupt nicht sein müsste und sollte. Aber für das liebe Geld und mehr Einfluss sind anscheinend alle Mittel recht !
Und obwohl ich selbst ein Mann bin, geht mir das Wort "meine Frau" gehörig auf den Wecker, denn ich bin zwar mit einer Frau verheiratet, aber sie ist nicht mein "Besitz", sondern meine Lebensgefährtin. Da beginnt es schon, in den Gedanken.

@Günter Schollatur um 09:41

Mein Post: "Es ist zu befürchten, dass andere (Russland, China) uns den Rang ablaufen und das Vakuum besetzen."
Ihre Antwort: "In humanitärer Hinsicht haben diese beiden autoritären Regime keine Ambitionen. Rein wirtschaftlich gesehen können und wollen wir sie eh nicht aufhalten."
Das sehe ich anders bzgl. den wirtschaftlichen Möglichkeiten: gestern kam ein Bericht über die Bodenschätze, die es in Afghanistan gibt und die für die Zukunftstechnologien von Bedeutung sind. Also wenn wir uns nicht komplett von China abhängig machen wollen, sollten wir - so jedenfalls meine Meinung - dies jetzt nicht den Russen und Chinesen überlassen.
Sicher, jetzt gerade zählt alleine die humanitäre Hilfe, nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten - aber man sollte den Blick schon auch in die Zukunft richten.

Oder so

„Noch in den 1960er-Jahren konnten Frauen ohne die Unterschrift des Ehemannes keinen Job annehmen. Das Gesetz gegen Vergewaltigung in der Ehe ist in Deutschland erst 1997 eingeführt worden.“
In Deutschland hat mehrere Jahrhunderte gebraucht (gegen massiven Widerstand unserer Religionsanführer bis heute!), Frauenrechte umzusetzen und selbst in der BRD ist festzustellen, dass es bis jetzt ca 75 Jahre gedauert hat und immer noch nicht vollständig gelungen ist.
In Friedenszeiten.
Die hat es in Afghanistan seit Tausenden von Jahren gar nicht gegeben.
Wenn die Taliban nun also behaupten, dass der Krieg dort vorbei sei, sollten wir der afghanischen Gesellschaft ebenfalls 75 Jahre Zeit geben, sich zu einer halbwegs gerechten Gesellschaft mit zu entwickeln. Allein die religiösen Grundlagen liegen im Islam 600 Jahre hinter den christlichen zurück. Da wäre also noch viel mehr Zeit zu veranschlagen.
Solche Entwicklungen müssen aber von Innen heraus erfolgen, nicht durch Gewalt von außen.

Am 19. August 2021 um 09:13 von Günter Schollatur

Wenn eine deutsche Delegation mit den Taliban verhandeln sollte, würde ich als Regierung diese Delegation rein mit Frauen besetzt.
#
#
Deutschland/EU/USA haben immer betont, mit Terroristen wird nicht verhandelt. Durch welche umstände wird sich jetzt nicht mehr an seine eigenen Werte gehalten?
Sollte es zu Gesprächen kommen, glauben Sie ernsthaft das Sie den Frauen in Afghanistan etwas gutes tun diese Teilnehmer nur mit Frauen zu besetzen?

09:41 von Blitzgescheit

„… Klar, jetzt tut man so, als wäre Sharia eine Sache der Auslegung. Sind sie ja auch, nur wenn Grundlage der Auslegung religiöse Schriften einer Steinzeit-Religion, dann ist die "Auslegung" der Sharia überall die gleiche, mit den gleichen fatalen Folgen für die Frauenrechte, sei es im Iran oder Afghanistan unter den Taliban. …“

Das alte und das neue Testament sind auch aus der Steinzeit. Man kann die Bibel wie auch die Sharia menschlich oder unmenschlich auslegen- und darauf kommt es an.

Ich kenne einige Familien, die seit 2015 zu uns gekommen sind. Die Mütter, oft alleinerziehend, kämen gar nicht auf die Idee, ihre Töchter anders als muslimisch zu erziehen. Und es sind glückliche und zufriedene Töchter.

Was ich zB leider von den in christlichen Einrichtungen vergewaltigten Jungen auch 20 oder mehr Jahre (!) später immer noch nicht sagen kann.

Jede Wette: die würden alle eine menschliche Auslegung der Sharia einem unmenschlichen christlichen Korpsgeist vorziehen.

@ Oppenheim um 9.39 Uhr, Frauenrechte, Schulen, Taliban

"Da lese ich in Interviews mit afghanischen Frauen in zwei unterschiedlichen gemeinnützigen Organisationen: eine Sichtweise, die besagt, man arbeite seit Jahrzehnten in stetem Kontakt mit den Taliban, weil die neben der "offiziellen" Regierung in Kabul die "inoffizielle" stellten." So ist es.
Ich bekomme (bekam bis jetzt) regelmäßig Post eines Schulprojektes. Auch dort konnte nur mit Protektion, vielleicht nur mit inoffiziellem Einverständnis der Taliban, unterrichtet werden. Die"äußeren" Regeln mussten eingehalten werden, aber es gab guten Unterricht, z.B. Alphabetisierung, Mathe, auch Naturwissenschaft, medizin. Grundlagen ... Ich hoffe, aber ich glaube kaum, dass sich die regionalen, evtl. toleranteren Talibangruppen, es sich momentan leisten können, solche Entwicklungsprojekte, Schulen, medizin. Hilfseinrichtungen zu unterstützen.
Es ist traurig, was dort jetzt alles den Bach runtergeht.

Re : SinnUndVerstand !

Ja das ist richtig, es waren NGO`s und Hilfswerke, aber nicht die politisch Verantwortlichen, die auch in den oberen Etagen mit zu Veränderungen drängen hätten sollen. Mit Krieg alleine wird nichts verändert, sondern mit reden und andere Möglichkeiten aufzeigen, mit dazu beitragen, dass die Korruption nicht so stark ausufert, und und und. Aber die politisch Verantwortlichen waren mit Geldscheffeln beschäftigt, haben den Flaschen das Vertrauen gegeben, und keinen Zentimeter weiter gedacht.
Und letztendlich dieser wahnwitzige Vertrag mit den Taliban, die ein "bunter Haufen" von extrem Gläubigen sind, und keiner wirklich beurteilen kann, ob sie sich an Vereinbarungen halten. Nun noch dieser planlose Abzug ohne über die Konsequenzen nach zu denken, war der Gipfel des Scheiterns !

Am 19. August 2021 um 09:21 von SinnUndVerstand

Es gibt viele Männer, die die Menschenrechte, Frauenbildung, Kultur und faire Rechtssprechung sehr unterstützen und in diesem Sinne klar gegen die Richtung der Taliban stehen.
#
#
Haben Sie die letzten sieben Tage geschlafen?
Wo hat sich jemand gegen diese Terroristen gestellt?

@frosthorn Zitat: "wenn es

@frosthorn
Zitat:
"wenn es denn jemals in Afghanistan (in den letzten Jahrzehnten) so etwas wie Frauenrechte gegeben haben sollte, dann werden sie jetzt wieder eingestampft, da mache ich mir keine Illusionen."
Frauenwahlrecht wurde Mitte der 60er Jahre eingeführt - unter dem regierenden König und nicht unter den Kommunisten - die kamen später
Zitat:
"Denn wenn es etwas gibt, was die Taliban der Zivilbevölkerung sympathisch macht, dann die Aussicht, dass diese die alten Rollenbilder wieder etablieren, und sei es auf noch so gewalttätige und menschenverachtende Weise."
Das haben bereits die Mudjahedin in ihren eroberten Gebieten während des Kampfes gegen die Sowjettruppen so gehalten - Sprich Burka usw.
Die Taliban (erster Generation) wurden auch von den politisch aktiven Frauen zunächst begrüsst - beendeten sie den Bürgerkrieg der Warlords untereinander.
Man erwachte jedoch sehr schnell!
kann man sich z.B. in der Doku "Afghanistan - unser geschundenes Land" anschauen

Bei all dem Schimpfen …

… auf den möglicherweise versuchten „Demokratie-Export“ begebe ich zu bedenken, dass schon Ahmad Shah Massoud dort die Demokratie als die erstrebenswerteste Staatsform ansah und alles dafür tat, diesen Traum zu verwirklichen.

Er wird in Afghanistan noch heute sehr verehrt und seine Ideen gingen weitgehend auf in der demokratischen Wahl von 2004.

Insofern geht der immer wiederkehrende Vorwurf des „Überstülpens unserer Werte“ an der Wirklichkeit vorbei.

Darstellung: