Kommentare - Interview: "Schavans Plagiat war geschickt gemacht"

06. Februar 2013 - 15:22 Uhr

Annette Schavan fühlt sich unfair behandelt. Die Bildungsministerin bestreitet eine Täuschungsabsicht und will gegen die Aberkennung des Doktortitels klagen. Wie ist das Urteil der Uni Düsseldorf zu bewerten? Der Plagiatsexperte Stefan Weber sagt im Interview: Die Uni konnte gar nicht anders handeln.

Artikel auf tagesschau.de

Kommentare

@Mantasto

Ja, das ist in der Tat ziemlich unbedarft nachgefragt. Vielleicht hilft ihnen eine bodenständige Analogie:

Wenn ich hergehe, eine Partitur von Mozart als meine eigene ausgebe, und damit bei einem Nachwuchswettbewerb den Hauptpreis einstreiche - wäre das o.k.?

RÜCKTRITT!

Frau Schavan ist für ihr Amt untragbar. Wie man Plagiate anfertigt, sollen die Schüler und Studenten weiß Gott nicht lernen. Die Frau hat keine Vorbildwirkung mehr und kann ihr Amt damit nicht mehr angemessen ausfüllen.

Respekt fehlt gänzlich?

Den Dr.-Titel hat Frau Schavan lange sicher gut gebrauchen können. Daß sie ihn nun und damit wohl ihren gesamten Hochschulabschluß verloren hat, ist schon Schaden genug.
Eine eventuelle Klage würde Ihnen dann auch noch womöglich eine gewisse Überheblichkeit und gänzlich fehlenden Respekt vor der Uni und damit der Wissenschaft bescheinigen. Eher abzuraten, Frau Wissenschafts-Ministerin.

@ cowboy8

Habe mir mal Ihre diversen Beiträge in Threats zur Causa Schavan angeschaut und stimme Ihnen gerne zu - aber nur, wenn für Frau Schavan ab sofort das gleiche Recht wie für Normalbürger gilt, die versuchten, sich Vorteile durch eine "unrechtmäßig aufgepeppte" Doktorabeit zu ergattern.

Erschwerend wirkt zweifellos, daß Frau Schavan sich nicht zunächst mit einem Diplom und jahrelanger wissenschaftlicher Arbeit in irgendwelcher Praxis begnügte, und erst aufgrund solcher Erfahrungen dann promovierte, sondern sich für eine "Direktpromotion" entschied. Was soviel heißt wie: Ich brauche keine Praxis; meine gewichtige wissenschaftliche Grundlagenarbeit genügt vollauf als akad. Spitzenleiszung und mithin zur Erlangung der Doktorwürde.

Offen ist auch die Frage, welche monetären Vorteile Frau Schavan bis heute durch den Schwindel hatte und noch künftig durch Politikerruhegelder hat.

Vielleicht hätte Frau Schavan eher Literatur studieren und Goethes Mephisto analytisch reflektieren sollen.

@karwandler

"Glauben Sie allen Ernstes, ein Verwaltungsgericht würde dazu ein neues Beweisverfahren eröffnen?"

Natürlich wird es das. Wenn eine Behörde (in diesem Fall die Universität Düsseldorf) einen Verwaltungsakt (in diesem Fall: Entzug des Doktorgrades) erlässt, und dieser Verwaltungsakt wird vor Gericht angegriffen, dann nimmt das Gericht natürlich eine Beweisaufnahme vor. Die Entscheidung der Behörde ist für das Gericht nicht verbindlich (andernfalls hätte ja die ganze Verwaltungsgerichtsbarkeit keinen Sinn). Und das Gericht ist auch, anders als hier teilweise behauptet wurde, nicht auf Verfahrensfragen beschränkt, sondern kann durchaus selbst überprüfen, ob die sachlichen Voraussetzungen für einen Entzug vorliegen.

Nebelkerzen.

Warum wird promoviert? Wir sind Menschenkinder - natürlich, damit Ansehen und Einkommen steigen und die eigene Eitelkeit befriedigt wird.

Es wäre doch sicherlich interessant gegenzurechnen wie hoch der "geldwerte Vorteil" mit Doktor-Titel in all diesen Jahren war. Ob der/die Arbeitgeber in den letzten 33 Jahren Regreßansprüche geltend machen? Hihi.

Wie bei Skandälchen dieses Kalibers üblich spricht in 2 Monaten niemand mehr davon, der bundesdeutschen Medienlandschaft, in der jede Agenturmeldung mit dem Gießkannenprinzip durchgereicht wird, sei Dank. Ist es nicht bezeichnend, daß ausgerechnet das internette schavanplag die Maschinerie losgetreten hat? Wer ist das überhaupt, und warum sind so viele, und ausschließlich, Unionspolitiker von Plagiatsvorwürfen betroffen?

Als dann. Mal schauen, was als nächstes kommt. Bin schon ganz gespannt. Trägt überhaupt jemand aus der Opposition einen Doktor-Titel, auf den man sich stürzen könnte? Und wer tut's dann?

Good night and good luck.

Bundestagswahl

Das muß auch eine Freundschaft zwischen Merkel und Schavan aushalten. Frau Schavan muß jetzt, besonders im Hinblick auf ihre dämliche Bemerkung bei dem Fall Guttenberg, schon aus Anstand als Ministerin zurücktreten. Wenn sie taktieren möchte, würde das der Frau Merkel bis zur BW täglich auf die Füße fallen. Es wird sich zeigen, ob Schavan Anstand hat oder auch nur eine blasse ergeizige Frau ist, wie so viele hierzulande.

@19:53 — MyBrainHurts

"Wie bei Skandälchen dieses Kalibers üblich spricht in 2 Monaten niemand mehr davon"

Ich sehe das anders. Der Name "Schavan" wird wie "von Guttenberg" noch lange damit in Verbindung gebracht werden. Und je länger ihre Klagerei dauern wird, desto mehr wird es sich einprägen, weil es immer wieder in den Medien ein Thema sein wird.

...zum Schutz der Wissenschaft ?

Sind dafür nicht die Universitäten mit ihren Professoren und Doktorväter und Prüfungsausschüssen da?
Es stimmt schon traurig, doch hat die Doktorenflut eine Doktoreninflation ausgelöst - eine Entwertung der Wissenschaft. Was will man da noch schützen.
Mit Schuld sind die überspannten Forderungen der Wirtschaft und Öffentlichkeit, wobei die einen mit dem Doktortitel ihrer Mitarbeiter Renomee und Kasse machen wollen, die anderen nach "Oben" schauen wollen, ein Vorbild brauchen.
Dabei ist eine echte Doktorarbeit nur eine schmale Spektrallinie in dem breiten Spektralbereich der Wissenschaft und dazu noch eine mit kleiner Amplitude, wenn es sich um Plagiate handelt.
Diese scheinen sehr verbreitet und beliebt zu sein, sichern sie doch ein gutes Einkommen und gesellschaftliches Ansehen-solange es keiner merkt.
Drum püfe wer sich ewig bindet
an einen schwarzen Doktorhut!
Der Ruf, die Ehre schnell entschwindet
wenn man nicht gut zitieren tut!
Zum Humoris Causis reicht es immer.

re schnitte

Ich bezweifle, dass das Gericht eine erneute Prüfung der Dissertation auf Plagiatsverdacht vornimmt.

Aber wir können das ja in aller Ruhe abwarten ...

Man sollte auch nicht außer

Man sollte auch nicht außer acht lassen, dass die meisten(oder alle) Plagiatsäfferen von den Mitgliedern der Unionsparteien und der FDP verursacht werden.

Verjährungsfrist

Was für ein Quatsch. Wenn man eine Verjährungsfrist für das Plagiieren einführt, dann sollte man auch eine Verjährungsfrist für den Doktorgrad einführen.

Warum sollte man sich mit etwas, das man einmal vollbracht hat ein Leben lang betiteln können, und etwas wogegen man verstoßen hat mit der Zeit nicht mehr von Belang sein?

Wenn man so eine Verjährugsfrist für die Doktorarbeiten einführen würde, dann hätten sie auch das andere Problem gelöst. Man könnte dann höchstens noch einführen, dass man bei einmaligem Plagiieren nicht mehr für eine andere Doktorarbeit zugelassen wird. Das fänd ich ne super Idee. Dann würden sich auch nicht so viele Esel als Spitzenpferd ausgeben :)

Ist eigentlich auch logisch. Als ob ich jetzt noch mal die gleichen guten Noten in der Schule schreiben würde wie damals. Das meiste vergisst man doch wieder. Und genauso hat so ein "Doktor" sicherlich auch nicht mehr alles im Kopf, was er in seiner Arbeit vor Jahrzehnten geschrieben hat.

@karwandler

Das wird das Gericht tun müssen, das ist seine Pflicht. Wenn Schavan klagt, dann muss das Gericht ermitteln, ob die Universität rechtmäßig gehandelt hat. Und dazu gehört auch, dass die Voraussetzungen für einen Entzug des Grades vorliegen. Natürlich kann es dabei zum selben Ergebnis kommen wie die Universität. Aber ein schlichtes "Die Universität hat gesagt, dass Schavan plagiiert hat, also sparen wir uns die Diskussion und gehen automatisch davon aus, dass das stimmt" wird das Gericht sicher nicht von sich geben.

@19:48 — Zwicke

"Erschwerend wirkt zweifellos, daß Frau Schavan sich nicht zunächst mit einem Diplom und jahrelanger wissenschaftlicher Arbeit in irgendwelcher Praxis begnügte, und erst aufgrund solcher Erfahrungen dann promovierte, sondern sich für eine "Direktpromotion" entschied."

Zweifellos. Gewisse Erfahrungen mit wissenschaftlichen Arbeiten tun vor einer Promotion sicherlich gut. Mangelnde Erfahrung damit könnte aber auch wieder für Nachlässigkeit sprechen und weniger für Vorsatz.

@ tobeorwhat

Der Reim klingt aber sehr nach Busch, Sie Schlingel. :)

Und noch nicht einmal zitiert ham sie. Tse. ;)

(Nur ein Spaß)

@18:39 — Null Komma Einstein

"100 Seiten einer Dissertation sprechen aber eine andere Sprache."

Man sollte da schon genau formulieren. Im Artikel steht genau:

"Die Gesamtdokumentation [also das Gutachten darüber] der Plagiatsstellen umfasst rund 100 Seiten, und das macht das Ausmaß ihres Vorgehens deutlich."

auf schavanplag heisst es:

"Insgesamt gibt es 97 Seiten im Haupttext der Dissertation von S. 11 bis 335, auf denen Übernahmen aus 45 Quellen nicht oder nicht ausreichend kenntlich gemacht werden. Bei 63 von 131 einzelnen Fragmenten..."

Fragmenten!

re cowboy8

"Man sollte da schon genau formulieren. Im Artikel steht genau:

"Die Gesamtdokumentation [also das Gutachten darüber] der Plagiatsstellen umfasst rund 100 Seiten, und das macht das Ausmaß ihres Vorgehens deutlich.""

Wie Sie da mal richtig herausstellen, ist also das Gutachten nicht einfach nur eine Summe von schavanplag-Funden, sondern geht im Detail auf den Zusammenhang zwischen Diss. und Vorlagen ein.

Toll. Jahrzehnte nach Abgabe

Toll. Jahrzehnte nach Abgabe der Doktorarbeit fällt plötzlich jemandem auf, dass da was nicht stimmt. Spricht ja sehr für die Prüfer der Uni.

Und mit welchem Stolz das Erkennen einer "Fälschung" aus dem vorigen Jahrtausend auch noch zu Tage getragen wird. Frau Schavan soll abdanken, weil sie "kein Vorbild mehr sein kann". Also sind Menschen, die andere, die in ihrem Leben viel Gutes geleistet haben, in den Dreck ziehen, die besseren Vorbilder? Traurig.

Gleiche Interpretationsweise

"Schavan hat immer wieder so getan, als habe sie sich mit Primärliteratur, mit Denkern beschäftigt. Die Interpretation dieser Denker hat sie jedoch immer wieder aus anderer Literatur übernommen, ohne sie zu nennen."

Ich kenne zwar die Stellen nicht, an denen Fr. Schavan aus anderer Literatur abgekupfert haben soll aber nehmen wir mal folgendes an: Frau Schavan zitiert etwas unter korrekter Angabe der Quellen und interpretiert es dann in der selben Art und Weise wie es in einer dritten Literaturquelle getan wird, ohne diese Quelle jedoch zu kennen. In vielen Faellen gibt es dann nur wenige Moeglichkeiten, solch eine Interpretation fachkundlich auszudruecken so dass auch der Wortlaut der Interpretation aehnlich oder gar (fast) gleich zur dritten Quelle klingt. Eine Beweisfuehrung in der Mathematik muss im Falle einer einzigen eineindeutigen Loesung fuer ein Problem immer gleich sein, egal wieviele Personen den Beweis fuehren. Da kann man nicht einfach irgendwas anderes hinschreiben.

@witzlibitzli

Guttenberg hat nicht in Bamberg sondern Bayreuth und Schavan nicht mit summa cum laude, sondern mit magna cum laude promoviert. Beschäftigen Sie sich doch bitte etwas ausführlicher mit dem Thema, bevor Sie sich selber so bloßstellen. In dem Interview wurde doch deutlich gesagt, dass es praktisch nicht möglich war, Schavans Plagiat mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln zu identifizieren. Also was genau werfen Sie Schavans Prüfern denn vor?

Ein langer Rechtsstreit...

... könnte nicht nur für Schavan nach hinten losgehen - und das im Bundestagswahljahr.

Haben Schavan und ihre Parteifreunde eigentlich noch nie was vom Streisand-Effekt gehört?

Trotzdem noch eine Leistung...

Ich behaupte jetzt mal ganz frech, dass es mindestens 80% der Deutschen nicht schaffen würden, eine Doktorarbeit erfolgreich zu erstellen, auch wenn sie alle möglichen Plagiate ohne Zitat anbringen dürften. Insofern sollte man doch mal den Ball flach halten. Auch kann ich mir kaum vorstellen, dass es viele Doktorarbeiten gibt, die ein monatelanges Durchleuchten von "Berufsaktivisten" ohne Beanstandungen überstehen würden. Ich verstehe ja, dass alle Promovierten eisern den Ruf ihres Doktortitels verteidigen, mir scheint da aber auch ein bißchen Scheinheiligkeit im Spiel zu sein. Da es in Zeiten der unendlichen globalen Informationsvernetzung ziemlich unmöglich ist, das Rad neu zu erfinden, sollte man sich auch über realistischere Bestimmungen für die Anfertigung von Doktorarbeiten Gedanken machen.

Plagiat? Ein Beispiel

Hier das erste Beispiel eines gemäß schavanplag eindeutigen Plagiats:

Schavan:
"Durch die Gründung und Erhaltung von politischen Gemeinwesen schließlich schafft menschliches Handeln die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen und damit für Geschichte."

Angebliches Original:
"[...] das Handeln schließlich, soweit es der Gründung und Erhaltung politischer Gemeinwesen dient, schafft die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen, für Erinnerung und damit für Geschichte."

So, Kollegen, klingt ähnlich. ABER: Wer, der nicht vom Fach ist, kann sagen, ob das eine geistige Leistung ist oder ob das ein banaler Gedanke ist, auf den jeder kommen kann und den folglich auch jeder ähnlich formuliert? Möglicherweise gehört das auch zum allgemeinen Wissensschatz in dem Fachgebiet. Was weiß ich?

Der Punkt ist, man muss auch den Inhalt verstehen können, um eindeutig beurteilen zu können, ob es sich hierbei um ein Plagiat handelt. Der Gutachter der Uni Düsseldorf ist fachfremd.

Dieser Beitrag der Tagesschau ist vorbildlich

So sieht guter Journalismus aus. Statt emotional für die eine oder andere Sicht Partei zu ergreifen, interviewt die Tagesschau einen Experten, der sich mit dem Thema sowie der konkreten Arbeit befasst hat, und dazu kompetent Stellung beziehen kann.

Die Fragen von Eckart Aretz sind kritisch, so dass der Experte gerade auch auf die schwierigen Punkte eingehen muss und eingeht.

Dafür fünf Sterne! ;-)

@ MarcoScherer

Sie unterstellen, Frau Schavan habe "in ihrem Leben viel Gutes geleistet". Wären Sie wohl so freundlich, ein paar Beispiele zu nennen? Vielen Dank.

Verantwortlichkeit der Professoren

Im Verwaltungshandbuch der Uni "http://www.uni-erlangen.de/universitaet/organisation/verwaltung/zuv/ver…"

ist zu lesen, dass "Die Betreuung von wissenschaftlichen Arbeiten ist originäre Aufgabe der Hochschule und Dienstaufgabe der an die Hochschule berufenen Professorinnen und Professoren (vgl. Art. 9 Abs. 3 Nr. 3 BayHSchLG)" Mit Rücksicht auf diese Verpflichtung ist es daher ausgeschlossen,
• diese Betreuung in Nebentätigkeit durchzuführen."

Neben dem finanziellen Vorteil, den Frau (noch) Dr.Schavan in den zurückliegenden Jahren durch den Dr. Titel erlangt hat, stellt sich doch auch noch die Frage: Welche Verantwortung -eben auch finanzieller Art- tragen die Professoren, die eine solche Arbeit abnehmen und dafür lt. Dienstvertrag vom Dienstherren stundenausgleich erhalten, welches letztendlich aus Steuermitteln finanziert wird.
Müssen die betroffenen Professoren nun auch Schadensersatz leisten ?

Schavan und Gewissen

Soso, über Gewissensbildung hat Frau Schavan also promoviert...

Wie wäre es, wenn sie jetzt in einer ehrlichen und regelkonformen Arbeit ihr eigenes Vorgehen unter Gesichtspunkten der Gewissensbeeinflussung und -verzerrung reflektieren und aufarbeiten würde?

Generell sollte immer wieder einmal das Gewissen von Verantwortungsträgern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf den Prüfstand kommen.

Was mich nachdenklich stimmt:

es fallen anscheinend fast nur Politiker der aktuellen Regierung über diese Plagiatsvorwürfe.

Gibt es in anderen Parteien weniger Doktoren, sind diese ehrlicher gewesen oder liegt es an den Fächern, in denen der Doktortitel erworben wurde??? (Naturwissenschaftler müssen mehr eigene Versuche machen und auswerten, sind also eher faktenbasiert und machen ein plagiat schwieriger. Unsere liebe Kanzlerin kann sich wohl entspannt zurücklehnen.)

Um einen schalen Beigeschmack zu vermeiden, sollten alle unsere Würdenträger mit Dr. Titel geprüft werden. Die Idee mit der zentralen Prüfungsstelle für Doktor- Arbeiten finde ich super. Eine anonyme Prüfung ohne persönlichen Bezug wäre wohl die einzige Möglichkeit, den Doktortitel wieder als zu rehabilitieren

...ich frage mich, wieviele

...ich frage mich, wieviele der hier Kommentierenden sich die Mühe gemacht haben, tatsächlich die beanstandeten Stellen zu lesen. Es handelt sich nämlich fast durchweg um Primärquellen, deren Zusammenfassung, in eigene Worte umformuliert, oder deren Zitatangaben aus der Sekundärliteratur übernommen wurden, nicht aber um komplette deutende Absätze (anders als bei Herrn G.).
Es sind also nicht die ERGEBNISSE anderer, die Frau Schavan als ihre eigenen angab, sondern die Darstellung der Forschungsgeschichte, der Interpretationsgrundlagen, bei der klar unzureichend zitiert wurde. Aber der Grad wird für "eigene wissenschaftliche Leistung", also für die Interpretation verliehen, und - soweit ich sehe - wird in diesem Bereich nichts Wesentliches bemängelt.
Ich kenne tatsächlich nicht den Zitierbrauch der pädagogischen Forschung in den 1970er Jahren (der nicht dem Lehrbuch entsprechen muss); CDU-Freund bin ich nicht - aber ich fürchte, hier wird aus politischen Gründen einer Frau Unrecht getan.

Wer den Sumpf nicht trockenlegen will ...

... muss die Frösche fragen.
Warum sich tagesschau.de ausgerechnet Herrn Priv. Doz. Dr. Stefan Weber als "Plagiatsexper-ten" zum Interview ausgesucht hat, ist nicht zu verstehen. Da hätte man genauso gut einen Akti-visten vom schavanplag selbst zum Gespräch bitten können.
Herr Weber betreibt nämlich das gleiche Geschäft, allerdings in Österreich - vergleiche zum Bei-spiel Wikipedia unter:
"xxx://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Weber_(Medienwissenschaftler)"
Weber ist nicht nur Plagiatsjäger, sondern sozusagen auch "Kopfgeldjäger", das heißt, er nimmt von Dritten Aufträge entgegen, bei ihm vom Auftraggeber benannten Personen Plagiate zu fin-den. So ließ er sich von den österreichischen Grünen beauftragen, beim damaligen konservativen Wirtschaftsminister Johannes Hahn nach Plagiaten zu suchen. Er scheiterte damit jedoch - trotz mehrerer Anläufe.
Man kann sich fragen, warum ausgerechnet eine Person dieses Schlages von tagesschau.de als Experte präsentiert 2wird.

@HelmesOne77: wenn Du mir die Bemerkung erlaubst...

... Frau Schavan befasst sich in ihrer Arbeit rein abstrakt mit Ethik und Gewissen. Und, so muss man hinzufügen, sie hat den Text darüber ja auch zu einem grossen Teil gar nicht selbst verfasst.

@hans_im_glueck

"
"Dass dabei manchmal gleiche "Wortgebilde" herauskommen, die aber wissentlich nicht abgeschrieben wurden"

Glauben Sie wirklich was Sie da schreiben?
"

Für Geisteswissenschaften kann ich da nicht mitreden, aber bei meiner Dissertation ist das ähnlich gewesen. Im Rahmen der 4 jährigen Diskussionen auf Fachkongressen und des Bewegens innerhalb der Primärliteratur habe ich mir automatisch und unbewusst auch einen Grossteil fremder Formulierungen quasi als Wortschatz ageeignet- insbesondere da ich auf Englisch geschrieben habe.

Bei meiner Doktorarbeit wurde ich übrigens nie instruiert, wie ein richtiges Zitieren zu erfolgen hätte.

Zum Glück besteht die Leistung bei mir als Chemiker im experimentellen Teil der Arbeit und der Beschreibung und Analyse dieses Parts im Vergleich zum Stand der Technik- Plagiieren (auch unbewusst) ist so kaum im relevanten Umfang möglich. Aber korrekt zitiert habe ich garantiert nicht immer- ich weiss ja noch nicht einmal wie das wirklich ginge...

@GeMe

"Frau Schavan hat nich per "Copy and Paste" gearbeitet, sondern immer zumindest ein klein wenig umformuliert und von daher geschickter gearbeitet als Herr zu Guttenberg.
"

Nein, sie hat so gearbeitet wie es üblich (Stand der Technik) war. Ich habe es in Referaten etc. damals in den 80ern / frühen 90ern genauso gemacht. Computer und CopyPaste gab es damals noch nicht. Geschrieben wurde per Hand und Schreibmaschine...

Moment mal...

...da sitzt eine Bundespolitikerin gutbetucht im Amt und Würden, weil sie seit 1975 politisch katholisch in der CDU gezielt Parteikarriere machte. Mag sein, daß ein Doktorgrad für eine politische Karriere nicht zwingend nötig war - doch hilfreich war das allemal. Schon als Kultusministerin im eher damals CDU-konservativen Baden-Württenberg, und später freilich auch innerhalb der CDU-dominierten Regierung.

Ja, es mag sein, daß Frau Schavan bisher gute Arbeit leistete - aber das gilt auch für den kriminellen XYZ, der als "unechter" Arzt auch gute Arbeit leistete - bis er enttarnt wurde und nun für viele Jahre im Gefängnis sitzt.

Um Mißverständnissen gleich vozubeugen - natürlich ist betrügerische Anmaßung fachlicher Qualifikationen zum eigenen Vorteil immer strafbar und strafrechtlich zu ahnden, um die Rechtsstaatlichkeit zu wahren - aber nur dann, wenn der Fall von vornherein klar ist. Das aber ist schwierig bei politischen Amts- und Würdenträgern - weil da andere Geseze gelten...

@Verantwortlichkeit der Professoren - 21:20 — Euro-Made

Ich danke für Ihren Beitrag, dessen Inhalt ich nur zu genau aus dem Leben erfahren habe.
Die ben.-Professoren sind vom Schadenersatz nur bei grob fahrlässigem Verstoß gegen diese bezahlten Leistungen oder Vortäuschen dieser Leistung (ich zit Sie:"Mit Rücksicht auf diese Verpflichtung ist es daher ausgeschlossen,
• diese Betreuung in Nebentätigkeit durchzuführen."Neben dem finanziellen Vorteil, den Frau (noch) Dr.Schavan in den zurückliegenden Jahren durch den Dr. Titel erlangt hat, stellt sich doch auch noch die Frage: Welche Verantwortung -eben auch finanzieller Art- tragen die Professoren, die eine solche Arbeit abnehmen und dafür lt. Dienstvertrag vom Dienstherren stundenausgleich erhalten, welches letztendlich aus Steuermitteln finanziert wird.
Müssen die betroffenen Professoren nun auch Schadensersatz leisten ? "<
N-Tätigkeit ja-nein ist schwer beweisbar.
Behauptet werden darf, dass sie allemal für die Beschädigung des Amtes und der Person prozessual sich zu verantworten haben!

@myBrainhurts

"Es wäre doch sicherlich interessant gegenzurechnen wie hoch der "geldwerte Vorteil" mit Doktor-Titel in all diesen Jahren war. "

Wohl nicht so wirklich hoch- ich wusste bis zur Diskussion um die Aberkennung ja noch nichtmal was davon.

Bei Geisteswissenschaftlern ist die Doktorarbeit überwiegend brotlose Kunst, daher äussert sich das nicht wirklich im Gehalt (zumindest in D- da gibt es Studien)- bei Naturwissenschaftlern ist das anders...

Der Doktor-Titel bringt bares Geld - jeden Monat

Ich habe mal irgendwo gelesen (sorry, die Quelle weiß ich nicht mehr, könnte aber nachgeforscht werden), dass ein Doktor-Titel im Schnitt über EUR 4.000,- monatlich im Gehalt mehr bringen soll.... Wie gesagt: nicht EUR 4.000,- im Monat, sondern 4.000,- zusätzlich oben drauf. Im Durchschnitt.

Gesetzt den Fall es würde stimmen (traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast!), dann ist die Versuchung schon verlockend groß, beim Beschaffen eines Titels mehr oder weniger hartnäckig nach zu helfen. Von der gesellschaftlichen Anerkennung noch gar keine Rede.

Das kann ich verstehen.

Ein Bekannter von mir hat so einen Dr.-Titel. Er fährt ein altes, klappriges Auto, aber es ist faszinierend zu sehen, welche Türen aufgehen, wenn "Herr Doktor" beim Vorstand einer großen Firma um einem Termin bittet! Da musste ich einige Male anerkennend staunen!

re skywalker

"Bei meiner Doktorarbeit wurde ich übrigens nie instruiert, wie ein richtiges Zitieren zu erfolgen hätte."

Dazu wird man eigentlich auch nicht für die Dissertation instruiert - das lernt man im Proseminar im 1./2. Semester.

Jedenfalls zu meiner Zeit ...

cowboy8

Sie haben die Problematik des Plagiats ganz offensichtlich immer noch nicht erkannt. Hier geht es nicht um die Umformulierung, sondern darum, dass Schavan aus Sekundärquellen abgeschrieben, aber gleichzeitig nur die Primärquellen angegeben hat. Damit hat sie zwangsläufig bei den Prüfungsgutachtern den Eindruck erweckt, dass es Ihre eigene Leistung war, diese Primärquellen zusammenzutragen und daraus entsprechende Schlüsse zu ziehen (wenn es sich um Allgemeinwissen handeln würde, würde sie nicht die Primärquellen angeben und die Sekundärquelle unterschlagen!). Faktisch hat sie in dem Punkt aber sich selber nur die Leistung eines Anderen, nämlich dem Autor der Sekundärquelle, angeeignet und als ihre eigene Leistung verkauft. Ein solches Vorgehen kann man übrigens auch als Fachfremder erkennen und beurteilen.

re Skywalker

Ich kenne den Effekt, dass man sich Texte, als eigenen Wortschatz aneignet. Vor allem, wenn man viel mit der sog. Primärliteratur zu tun hat.

Dennoch, oder gerade deshalb, darf einem nicht der Fehler passieren, diese Texte in einer eigenen Arbeit, als eigene Gedanken auszugeben; weder vorsätzlich, noch fahrlässig.

Es ist meiner Meinung nach kein großer Aufwand, darauf hinzuweisen, dass diese und jene Stelle, oder gar ein gesamter Abschnitt von externer Literatur entstammen.

Die sollte beim allgemeinen Erklärbär-Blabla (den jeder hasst, der aber dennoch wichtig ist) so sein.

Und es sollte vor allem beim entscheidenden Wissenschaftlichen Teil, der die EIGENE Erkenntnis darlegen soll, so sein.

.

Auch schlampiges und faules Arbeiten ist schlechtes Arbeiten und einer wissenschaftlichen Arbeit nicht würdig... vor allem keiner Diss, oder Habil.

20:36 — cowboy8

Sie schreiben u.a: "Mangelnde Erfahrung damit könnte aber auch wieder für Nachlässigkeit sprechen und weniger für Vorsatz."

>> Das glauben Sie doch hoffentlich selbst nicht angesichts einer erkennnar angestrebten und konsequent durchgezogenen politischen Karriere von Frau Schavan?! Weil früher mal galt: Wenn ich es geschafft habe, kann mir keiner mehr was. Dumm nur, daß sich heute der Wind gedreht hat und man nun die Qualifikationen von "angeblichen" Führungskräften durchleuchtet und hinterfragt. Und siehe da - von Guttenberg, Hohlmeier (die Strauss-Tochter), Koch-Mehrin, Chatzimakakis, und nun Frau Schavan. Alles politische Karrieristen. Bezeichnenderweise sind keine Sozis oder Grüne dabei. Auch keine dunkelroten. Und auch Frau Merkel ist bisher unbeleckt - die Grundlagen ihrer Promotion sind sis heute unbekannt. Wer kann auch russische Studuenunterlagen ermitteln oder gar bewerten? Wielleicht der Kremel? Au waia...

Und nun satteln Sie Ihr Pferd. lieber @Cowboy...

Eine lächerliche Diskussion

Entschuldigung bitte aber in meinen Augen ist diese Diskussion einfach nur lächerlich! Nach über 30 Jahren kramt irgend so ein chronisch unterbeschäftigter eine Doktorarbeit aus und entdeckt darin ein paar Fehler und darum wird der Titel nach über 30 Jahren aberkannt weil wir ja ach so "richtig" sein müssen. Richtig wäre es die Universität zu bestrafen die scheinbar zu keiner Zeit diese Arbeit überprüft hatte und den akademischen Grad einfach so verliehen hat! Wenn der Titel aber tatsächlich nach der Klage die folgen wird aberkannt werden sollte würde ich doch bitte alle Universitäten deutschlandweit dazu zwingen die Doktorarbeiten der vergangenen 50 Jahre auf ihre Korrektheit zu überprüfen denn ich möchte in einem Land leben in dem kein Unterschied zwischen "Medienwirksam" und "Normalbürger" gemacht wird. Diese Geschichte ist leider eine Farce, eine ziemlich schlechte noch dazu und lächerlich. Spitzt eure Heuschaufeln und tränkt die Ölfackeln nach ... der Mob wird bald weiterziehen.

Schachmatt !

Annette Schavan ist im Ausland und kann sich nicht verteidigen , brillianter Schachzug , allerdings unfair!
Die Universität Düsseldorf sollte die Doktorarbeiten von allen Menschen die von ihnen einen Doktortitel erhalten haben überprüfen lassen.
Denn es ist jawohl anzunehmen , dass während der letzten 30 Jahre bei anderen Doktortiteln genauso schlampig durchgesehen wurde wie bei Frau Schavan.
Sonst ist das Urteil ungerecht , diese Uni hat sich selbst disqualifiziert.

@Skywalker

Bei meiner Doktorarbeit wurde ich übrigens nie instruiert, wie ein richtiges Zitieren zu erfolgen hätte.

Das ist ja auch ein bisschen spät. In der Schule oder spätestens im Grundstudium sollte man es aber schon gelernt haben.

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