Kommentare - Kommentar zu Griechenland: Ohrfeige fürs EU-Spitzenpersonal

05. Juli 2015 - 22:24 Uhr

Die EU-Politiker stehen nach dem griechischen Referendum in der Pflicht, meint Ralph Sina - auch wenn sie das "Nein" schlecht dastehen lässt. Sie müssen jetzt erneut mit den Griechen verhandeln, um das größte Chaos in dem Krisenland zu verhindern.

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Kommentare

@ fathaland slim um 00:07

"Und ja, natürlich muß das demokratisch passieren, aber nicht plebiszitär, nach der Methode "Wollt ihr die totale EU?". Dazu ist das Thema zu komplex.

Vielleicht wäre es ja zielführend, noch mal die Absichtserklärungen der Gründerväter der europäischen Einigung und die darin festgelegten langfristigen Ziele zu lesen."

Mit der Salamitaktik rein in den Super Staat. Ich denke das es immer mehr Bürger gibt die diesen "Herrschaften" aus Brüssel oder selbst ihren eigenen Regierung keine 50 Cent anvertrauen wollen. Schon gar nicht einen ganzen Kontinent irgendwelchen Wirrköpfe wie es Jean Monnet war.
Aus ganzem Herzen, nein danke!!!

00:28 von Pilepale

"Griechenland wurde offiziel für Pleite erklärt und trotzdem...

... wären die "Demokratien" der Euro-Länder bereit diesem Pleitestaat weitere Gelder bzw. Kredite zu gewähren."

Die griechische Zahlungsunfähigkeit hat formal der EFSF festgestellt. Und das war nach Ausfall der Zahlung an den IWF. Das letzte Angebot gab es knapp eine Woche vorher, und das ist hinfällig.

Morgen ist wieder Börsentag, die Ratingagenturen werden GR jetzt sicher auch auf Zahlungsausfall stellen. Damit ist dann Exitus. Da können Verhandlungsteams gerne nach Brüssel reisen, geben wird es dort nichts mehr. Höchstens Beileidsbekundungen.

00:30, karwandler

>>"Nutzen Sie keine Schlupflöcher, die ihnen Ihr Staat bietet, um weniger Geld auszugeben?"

In erster Linie lege ich Wert darauf, dass der Staat möglichst wenig davon bietet. Weil der Gedanke 'Andere trifft's auch' beruhigt.<<

Sie sind wirklich ein weißer Rabe. Millionenseller wie "Tausend legale Steuertricks" wurden also nicht für Sie geschrieben. Trotzdem verkauften sie sich in Deutschland millionenfach.

Vielleicht sitzen Sie ja wirklich zu Recht auf dem hohen moralischen Roß. Die meisten, die sich hier echauffieren, aber wohl nicht.

Ich kenne meine Mitmenschen und mache mir da keine Illusionen.

00:30, karwandler

Ich würde generell gerne wissen, welche staatlichen Wohltaten die Griechen denn eigentlich Ihrer Ansicht nach so schamlos in Anspruch genommen haben. Ich war oft in Griechenland und kann nicht bestätigen, daß die Menschen da in Saus und Braus gelebt hätten. Und jetzt natürlich sowieso nicht.

Eher ärmlich. Und jetzt richtig arm.

@ Andreas Bieler:

"Deutsche Gelder an Griechenland sind nie an die Griechen gegangen, sondern wurden dazu benuetzt, Kredite deutscher und franzoesischer Banken zu bezahlen.

Klar.
Dafür ist das Geld von den deutschen und französischen Banken aber zuvor an die Griechen gegangen. Oder fallen Schulden vom Himmel? Nein, irgend jemand hat sie gemacht und verschwendet.

@fathaland slim, um 23:57

Ihre Argumentation führt in letzter Konsequenz zu der Konstruktion, die Osama Bin Laden bemühte, um die zahlreichen zivilen Opfer beim Angriff auf das World Trade Center zu rechtfertigen.

Nein, ich denke nicht, dass das ein treffender Vergleich ist. Der griechische Staat ist desolat und die griechische Gesellschaft hat sich jahrzehntelang korrumpieren lassen. Jetzt ist das System zusammengebrochen, und man hätte in der Tat die Chance gehabt, Fehlentwicklungen beim Namen zu nennen und zu korrigieren.

Leider hat die Syriza-Regierung hier komplett versagt, indem sie alles Üble an den EU-Institutionen festmacht und so die Verantwortung der Griechen für ihre eigenen Fehlentwicklungen negiert. Das ist in meinen Augen nicht nur verantwortungs-, sondern auch würdelos - da ja im Augenblick so viel von "Würde" gesprochen wird. Und es ist unsolidarisch denjenigen Landsleuten gegenüber, die in den letzten Jahrzehnten unter Korruption und Nepotismus gelitten haben.

00:49, Pilepale

"@ fathaland slim um 23:35

Die Idee des EU Superstaates kann wirklich nur von jemanden kommen der ideologisch total verblendet ist oder im Elfenbeinturm in Brüssel sitzt."

Bei mir trifft ersteres zu. Ich halte mich nämlich nicht in irgend welchen Brüsseler Türmen auf. Da könnte ich ja runterfallen.

00:41, Ralf Stein

"Da stimmen 11 Millionen Griechen darüber ab, was die restlichen 500 Millionen Europäer zu tun haben?"

Nein. Sie haben darüber abgestimmt, ob sie sich dem Austeritätsdiktat von IWF, EZB und EU-Kommission weiterhin unterwerfen wollen.

Über nicht mehr und nicht weniger.

00:52, g-muy

"Die Ohrfeige fürs EU-Spitzenpersonal hätte es schon 2001 beim Eintritt Griechenlands in EU geben müssen, als von Griechenland nachweislich falsche Finanzdaten vorgelegt wurden.Da gab es kein Referendum aller EU-Bürger über die Frage ob Griechenland trotz gefälschtem Haushaltsdefizit Mitglied der EU werden dürfe, das EU-Spitzenpersonal hatte entschieden: JA. Ist das Alles schon vergessen?"

Ich finde, man sollte schon darauf achten, daß man nicht "Eurozone" mit "EU" verwechselt, wenn man als qualifizierter Mitkommentator wahrgenommen werden möchte.

Die Beitrittsverhandlungen Griechenlands zur EWG, der Vorläuferorganisation der EU, begannen 1976 und wurden am 1. Januar 1981 abgeschlossen. Seitdem ist Griechenland zehntes Mitglied der EU bzw. damals noch der EWG. Es gab schon 1961 Verhandlungen, aber dann kam der US-unterstützte Militärputsch dazwischen, und eine Militärdiktatur wollte man dann doch nicht in der EWG haben.

00:52 von Pilepale

"Demnach wird die EU zahlen müssen da ja offensichtlich mindestens Griechenland nicht für einen Stop der nächsten Geld Tranche in den Reihen der EU wählen wird."

Das Programm ist bereits Ende Juni ausgelaufen, da gibts gar nichts mehr zu entscheiden. Automatische Auszahlungen, die nur durch einstimmigen Gemeinschaftsbeschluss hätten verhindert werden können, gab es da nicht. Sowas hätte auch nie jemand beschlossen.

"Die Schulden übernehmen? Nein. Schuldenscheine Abschreiben werden sie aber und nicht nur von Griechenland."

Die Schulden haben grundsätzlich erst mal Bestand. Allerdings fragt sich, wer eher verzichten kann...die EU+EZB+IWF auf künftige Rückzahlungen von gezahlten Hilfsgeldern oder Griechenland auf dringend benötigtes Geld, um seine aktuellen Ausgaben, nicht zuletzt im Inland (Gehälter, Pensionen, Renten) bestreiten zu können. Wir merken frühestens in 5 Jahren etwas davon. Kommt Griechenland solange ohne Geld aus?

Kein Schuldenschnitt

Ein Schuldenschnitt im Zusammenhang der Verschuldung bei anderen Staaten wäre eine unerlaubte Form der Staatsfinanzierung und damit nicht möglich. Man könnte aber die Raten etwas strecken.

00:58, Pilepale

"Mit der Salamitaktik rein in den Super Staat."

Ja genau. Das war der Plan von Anfang an. Und der war überhaupt nicht geheim. Und die Parteien, die ihn vorantrieben, wurden immer wieder gewählt. Parteien, die das nicht wollten, wurden eher wenig gewählt, obwohl es sie gab.

01:13, ahr66

" Der griechische Staat ist desolat und die griechische Gesellschaft hat sich jahrzehntelang korrumpieren lassen. "

Der griechische Bürger hat, genau wie der deutsche Bürger, jahrzehntelang mehr oder weniger erfolgreich versucht, über die Runden zu kommen, seine Kinder großzuziehen und sich was fürs Alter zurückzulegen. Der war nicht korrumpiert, dazu war er tagaus, tagein viel zu sehr damit beschäftigt, das nicht leichte Leben in einem wirtschaftliche schwachen Staat zu meistern. Da machte niemand große Sprünge, und Geld gab es da nie viel. Ich weiß das, weil ich als Musiker durch (u.a.) ganz Europa gereist bin und deswegen Vergleichsmöglichkeiten habe, die ich am eigenen Leibe erfahren habe.

In Griechenland wurde ich immer schlecht bezahlt, was aber mit großer Gastfreundschaft wettgemacht wurde.

@ ahr66 um 01:13

"Leider hat die Syriza-Regierung hier komplett versagt, indem sie alles Üble an den EU-Institutionen festmacht und so die Verantwortung der Griechen für ihre eigenen Fehlentwicklungen negiert. Das ist in meinen Augen nicht nur verantwortungs-, sondern auch würdelos - da ja im Augenblick so viel von "Würde" gesprochen wird. Und es ist unsolidarisch denjenigen Landsleuten gegenüber, die in den letzten Jahrzehnten unter Korruption und Nepotismus gelitten haben."

Die Griechischen Regierungen die diese Schulden aufgebaut haben und es bis heute nicht schafften die Ausgaben auf einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu drücken haben ganz sicher eine Mitschuld. Nur die Frage lautet doch auch warum diesem Staat vor 5 Jahren und sogar noch vor einer Woche Kredite angeboten wurden obwohl klar sein sollte dass dieser Staat Zahlungsunfähig ist?

Beruhigt die Gemüter!

Besonnen betrachtet, müssen sich BEIDE Seiten bewegen!

In Brüssel gibt den Gedanken, die Austeritätspolitik zu verlassen. Aber nicht nur für Griechenland. Die Gleichbehandlung der Bürger erfordert die Anwendung der Politik auf alle Bürger Eurozone!

Eine Förderung GR wäre politisch nur vertretbar, wenn GR sich zu einem funktionierenden Staat entwickelt. GR muss sich also reformieren.

Ironischerweise haben Griechen auch die Reformen abgewiesen. Das stärkt nicht Tsipras, sondern erzeugt starken Widerstand in der Eurozone.

Das wurde von Volker Perthes, SWP, vorhergesagt:
https://twitter.com/volkerperthes/status/617287593101787136

Wer die Austeritätspolitik ändern will, muss jetzt Syriza zu Reformen bringen, ehe man in Brüssel Mehrheiten gewinnen kann.

Bis dahin wird man GR nur notdürftig unterstützen.

Das ist der Schaden, den das Referendum angerichtet hat!

01:13, ahr66

"Leider hat die Syriza-Regierung hier komplett versagt, indem sie alles Üble an den EU-Institutionen festmacht und so die Verantwortung der Griechen für ihre eigenen Fehlentwicklungen negiert. "

Die Syriza negiert nicht die Verantwortung der griechischen Regierungen der letzten Jahrzehnte, darunter eine rechtsextreme Miltärjunta, die 7 Jahre herrschte, für Fehlentwickungen, sie weigert sich aber, anzuerkennen, daß das griechische Volk als Buße dafür verhungern soll. Drastisch ausgedrückt.

Kritik an konkreten Konditionen sollte wohl erlaubt sein

In dem Referendum geht es nicht - wie Schulz boshafterweise unterstellt - darum, Geld ohne Konditionalitäten zu bekommen, sondern den Weg zu einem ausgeglichenen Haushalt selbst bestimmen zu dürfen. Syriza hat das von Anfang an betont und rote Linien klar benannt. Es gab kein großes strategisches Spiel, sondern schlichtweg eine politische Auseinandersetzung darüber, was wirtschaftlich gewollt ist: Die Eurogruppe mit ihrem - an dieser Stelle sogar nicht mal wertend gemeinten - neoliberalen Modell: Angebotsorientiert, auf Wachstum ausgelegt, schlanker Sozialstaat. Oder ein klassisch sozialdemokratisches Modell mit starkem Sozialstaat, der dann eben über mehr Steuern finanziert wird (damit ist Spanien bis 2010 im übrigen gut durch die Krise gekommen, bis Merkel und Sarkozy Zapatero zum Einknicken brachten). Versteckt wird das hinter einer Rhetorik, die jede nicht neoliberale Position als Wahnsinn deklariert und die Eurogruppenposition als technische und schlicht wahre Lösung verkauft.

"Die griechische

"Die griechische Zahlungsunfähigkeit hat formal der EFSF festgestellt."

Wann soll das denn gewesen sein und warum werden diesem Staat dann weiterhin Kredite angeboten?

Was hat sich denn bitte in dieser einen Woche geändert dass das Angebot aus Brüssel hinfällig sei?

Die Verlogenheit EUROPAS rächt sich

Die Angebote Europas an Griechenland waren eben nicht großzügig: Auf die "angebotenen" 35 Mrd. Investitionszulagen hatte Griechenland sowieso Anrecht, der Schuldenschnitt wurde NICHT thematisiert und Rentenkürzungen waren sehr wohl Bestandteil der europäischen "Großzügigkeit". (Ein Lob übrigens an dieser Stelle an die Sendung "Günter Jauch", wo ENDLICH, ENDLICH einmal die diesbezüglichen hohlen Phrasen in einem eingespielten Faktencheck pulverisiert wurden und in der die ausgezeichnete taz-Journalistin Ulrike Hermann in kurzen prägnanten Äußerungen die Griechenland-Problematik objektiv darlegte.)
Sicher, der erratisch-populistische Verhandlungsstil Syrizas mit der EU war und ist nicht hilfreich - aber am Ende des Tages müssen sich die EU-Technokraten wohl oder übel aus ihrer neoliberalen Kuschelecke herausbewegen, wenn sie den Begriff "europäische Solidarität" wirklich substantiell mit Leben erfüllen wollen. Es rächt sich, dass sie das bisher NICHT gemacht haben.

@fathaland slim, um 02:11

Die Syriza negiert nicht die Verantwortung der griechischen Regierungen der letzten Jahrzehnte, (...) sie weigert sich aber, anzuerkennen, daß das griechische Volk als Buße dafür verhungern soll.

Für mich stellt es sich so dar, dass die Syriza-Regierung von Anfang an innergriechische Reformen unter den Vorbehalt eines Entgegenkommens der Troika/"Institutionen" gestellt hat. Was ein fatales Signal nach innen wie nach außen war und ist, denn es degradiert fundamentale Voraussetzungen für eine Gesundung des griechischen Staates und der griechischen Gesellschaft zu einem beliebigen Stück Verhandlungsmasse.

Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, den Schwung des Wahlsiegs dafür zu nutzen, diese zweifellos notwendigen innergriechischen Reformen anzugehen, und zwar auch als klares Signal nach außen ("wir ändern was - ihr dann aber bitte auch"). Man hat sich anders entschieden und fährt jetzt einen gefühlsbetont-nationalen Kurs. Leider!

Die UMSETZUNG von Reformen in GR muss erzwungen werden

In einem Punkt haben die Repräsentanten der EU allerdings Recht: Griechenland muss in der Tat GEZWUNGEN werden, über Reformen nicht nur zu reden, sondern sie auch nachvollziehbar zu implementieren. Und es ist richtig, dass die EU in dieser Hinsicht weiterhin den Druck auf Griechenland aufrecht erhält. Nur sollte dies eben transparent und nachvollziehbar geschehen - und dabei insbesondere die reale Aussicht z.B. auf den notwendigen Schuldenschnitt als "Gegenleistung" in Verhandlungen seitens der EU eingebracht werden. Genau Letzteres ist bisher nicht geschehen - ein ganz zentrales Versagen der EU bis zum heutigen Tag. Und es ist, bei aller offenbarter stumpfsinniger Rabulistik, letztlich das essentielle Verdienst Syrizas, genau auf einen Schuldenschnitt zu insistieren.
Und gerade für uns Deutsche hat neulich erst Thomas Piketty in der ZEIT in Erinnerung gerufen, dass Deutschland "nie bezahlt hat":

"http://www.zeit.de/2015/26/thomas-piketty-schulden-griechenland"

Die Gläubiger/ die EU macht es sich zu einfach!

Nach der Haftungsfrage wäre es klar:
Die Überschuldung wäre selbstverschuldet, die Griechen haftbar und jedes entgegenkommen karitativ.

Leider ist es nicht so einfach:

Es gibt ZUM EINEN eine moralische Verantwortung der nutznießenden Exportländer, die im Interesse ihres (virtuellen) Gewinnes wegschauten.

ZUM ANDEREN muss eines Not entsprechend groß sein, um sich zu solch kamikazeartiger Defensive zu entscheiden!

EU-Länder mit griechenland-niedrigerem Lebensstandard als Argument greift nicht, könnte man auch gegen Deutschland führen.

Rückblick:
Volksaufstand in der DDR, ausgelöst durch Arbeitsnormerhöhung um 10%.
Abwertung DDR-Mark auf wirtschaftl. tragfähiges Niveau?: Hätte wieder zu Aufstand geführt ("Entweder kommt die DM zu uns oder wir zur DM!").

Wie verhielten sich die Deutschen bei solchen Kürzungen? Im besten Fall wohl nicht anders.

Wir müssen uns jetzt entscheiden:
Für ein sozial stabiles Europa oder gleichgültig allen Wohlstand behalten!

Dies ist meine Ansicht.

Wie wäre es denn umgekehrt?

Sowohl die Solidargemeinschaft als auch die gemeinsame Währung bringen Rechte aber auch Pflichten mit sich. Griechenland mag die Demokratie erfunden haben - sicher aber nicht die Selbstreflexion.

Wie wäre die Situation umgekehrt? Würde denn Griechenland bedingungslos Milliarden bereitstellen, auch wenn man ihnen die Hand wegschlägt und sie auch noch als Terroristen bezeichnet?

@fathaland slim, um 01:55

Der griechische Bürger (...) war nicht korrumpiert (...). Da machte niemand große Sprünge, und Geld gab es da nie viel.

Das habe ich doch gar nicht als Vorwurf an Einzelne gemeint. Aber wenn z.B. schon seit Jahrzehnten medizinische Behandlungen oder Gewerbegenehmigungen nur mit "fakelaki" richtig funktionieren, dies zwar niemand wirklich gut oder richtig findet, aber gleichzeitig niemand so richtig dagegen aufsteht, weil die individuellen Folgen nicht tragbar erscheinen, dann haben wir eine korrumpierte Gesellschaft. Dass dabei einige Wenige mehr profitieren, die meisten aber nur wenig, liegt halt daran, dass Korruption volkswirtschaftlich kein Erfolgsrezept ist. Dennoch gibt es sie.

Syriza hatte die Möglichkeit hier etwas zu bewegen. Sie haben sich leider entschlossen, das als nachrangig zu betrachten und versuchen sich lieber zuerst an einer Neudefinition des europäischen Finanzsystems - mit höchst unsicheren Erfolgsaussichten.

@Brandon23, um 02:27

Kritik an konkreten Konditionen sollte wohl erlaubt sein

Das Hauptproblem in den Verhandlungen waren m.E. weniger "unterschiedliche Auffassungen", wie eine Sanierung zu bewerkstelligen sei, sondern das Fehlen eines stimmigen Konzepts auf Seiten der griechischen Regierung. Wer, wie Varoufakis, mit dem unverhohlenen Anspruch in Verhandlungen geht, die europäische Finanzordnung neu zu definieren, sollte mehr in der Hand haben als jeweils eiligst zu Fristabläufen kompilierte Stichpunktlisten.

Außerdem verkennt die verengte Wahrnehmung der Situation als "Neoliberalismus vs. Wachstumspolitik" die vielen Besonderheiten, die die Lage in verschiedenen Staaten unterschiedlich machen. Platt gesagt: Spanien hatte eine (leidlich) funktionierende Verwaltung aber das Problem einer riesigen Immobilienblase. In Griechenland haben sich (mangels Masse?) keine solchen Blasen entwickelt, dafür gibt es keine funktionierende Verwaltung. Unterschiedliche Bedingungen, unterschiedliche Lösungen.

Die Griechen haben klar entschieden - akzeptieren wir das doch

Ich finde die Aufregung vollkommen unnötig. Es ist klar: Das griechische Volk hat entschieden, sich gemeinsam mit ihrer Regierung Tsipras selbst aus dem Sumpf zu ziehen, Es will keine Vorschläge und Vorschriften von außen - dann ist es aber logisch, dass von "außen" auch keine Unterstützung kommt - denn ohne Bedingung das hart verdiente Geld der Steuerzahler an Griechenland zu verschenken wird es nicht spielen.
Daher möglichst geordneter Ausstieg aus dem EURO und wenn ihnen die EU auch zu viel Vorschriften macht aus der EU - die Regierung Tsipras wird wohl wissen, wie das geht und wie Griechenland dann wieder zu Wohlstand kommt. Uns andere Europäer geht das nichts mehr an - das haben die Griechen beschlossen. "
Wenn sich jemand Angst um die soziale Lage in Griechenland macht, dann werden diejenigen, die Lust haben privat iGeld spenden - die Staaten werden das im Rahmen ihrer Entwicklungsländerbudgets ergänzen

@ 03:14 von AtdT

"Wie wäre es denn umgekehrt", die Frage ist durchaus berechtigt. Ich stimme Ihnen zu bei Ihren Bedenken, die (in Ihrem fiktiven Beispiel) wohlhabenden Griechen sträubten sich weniger dagegen, für die Fehler (oder ineffizienz, je nach politischem Betrachtungswinkel) der anderen aufzukommen.

Aber der Konfliktpunkt für die Griechen wäre letztlich doch derselbe:

Der griechische Wohlstand bestünde ebenfalls überwiegend dank ihrer Exportstärke der vergangenen Jahre, ein oder mehrere andere Länder hätten sich unter dem Druck der griechischen Effizienz überschuldet und Griechenland stünde nun am Scheideweg mit der Entscheidung: zwischen einer sozialen stabilisierung Europas durch Helfen oder dem gleichgültigen behalten des Wohlstandes (dessen Anspruch zumindest kontrovers wäre) und des riskierens damit verbundener sozialer Konflikte und den Zerfall eines friedlichen Europas.

Real ist die Situation jetzt aber umgekehrt - leider umgekehrt oder zum Glück umgekehrt?

2 Szenarien für die Zukunft

2 Szenarien für die Zukunft fallen mir spontan ein.

1. Wieso lassen wir nicht das dt. Volk per Volksentscheid über mehr Kredite und Schuldenschnitt ohne Gegenleistung für Griechenland abstimmen?

oder, falls euch das zu reaktionär und rechtslastig ist..

2. Wieso gewährt(e) man Griechenland nicht eine temporäre Pause, legt alle
Schulden für 10 Jahre auf Eis, dann kann das Land sich reformieren und wettbewerbsfähig werden, bestimmt kann es dann auch wieder Schulden bedienen. Im Endeffekt würde kein Mensch/Land/Institution einen Cent verlieren?

oder war das jetzt zu kommunistisch und linkslastig?
xoxo

@Kesselzwerg, um 22:56

Menschen, deren Gesundheitssystem durch das Diktat der Troika zusammengebrochen ist

Das Fehlen funktionierender Sozialsysteme hat nicht die Troika zu verantworten. Das waren die gewählten griechischen Regierungen davor, die die "soziale Frage" lieber mit einem intransparenten und ungerechten System aus Früh- und Zusatzrenten und Gefälligkeitseinstellungen in den Staatsdienst bedient haben, als ein funktionierendes Sozialsystem aufzubauen. Und die griechische Gesellschaft, die es teils ungerührt, teils zähneknirschend hingenommen hat, dass man für bestimmte Dienstleistungen in diesem System eben bestimmte "Vorleistungen" erbringen muss. Nur haben wir inzwischen tragischerweise eine Situation erreicht, in der zunehmend weniger Menschen zu diesen "Vorleistungen" in der Lage sind.

Mehr Geld in diesem ungerechten System hilft nicht wirklich. Stattdessen muss es dringend reformiert werden. Gerade einer linken Partei stünde das gut zu Gesicht.

Griechenland

das Mutterland der Demokratie,deren Bürger/innen von den MSM auf das schäbigste diffamiert wurden, hat einen entscheiden Hinweis an Europa gesendet.
Ich hoffe, dass diese Botschaft ankommt und freue mich für das griechische Volk,
von Politikern regiert zu werden, die einfach mal ein Risko eingehen.
Diese hatten persönlich viel zu verlieren, sie sind in der Sache standhaft geblieben und werden
Europa nun ein anderes Profil verleihen.
Respekt für diesen Mut. Ich bin dafür, alle Europäer sollten gegen EU-Diktatur, IWF - Schuldenkslaverei und US-Bevormundung zusammen aufstehen.
Bevor die EU die Demokratie in Europa ganz eliminiert…

Stimme nicht zu

Die Griechen sind in Zugzwang. Deren Verhandlungsteam muss nun die Quadratur des Kreises hinbekommen.

Könnten wir nicht auch mal ein Referendum in Deutschland und Finnland abhalten ob und unter welchen Konditionen wir bereit sind Griechenland weiter Geld zu geben?

Zudem warum sollten wir überhaupt was tun. Tzipras und Co haben doch immer gesagt sie wollen kein drittes Programm und bräuchten kein Geld. Na also Zielvorgabe erreicht.

So und jetzt mal Überspitzung beendet. Die Grundsittuation ist unverändert. Griechenland braucht Geld will es aber ohne Konditionen. Und das ist einfach nicht redlich.Zudem in den anderen 18 Demokratien die dann zahlen sollen unvermittelbar. Und es birgt die Gefahr das in anderen Krisenländern Partien ans die Macht kommen die das selbe Spiel treiben werden. Und da wären die Summen schlicht zu hoch.

Nationalismus.

Diese deutschtümelnde Ignoranz gegenüber Ursache und Folgen der Austeritätspolitik hier im Forum zeigt die erschreckenden Lücken in Wissen und sozialer Solidarität vieler Deutscher.
Statt Solidarität mit dem griechischen Volk zu zeigen in seiner Verzweiflung wird hier immer wieder die ganze BILD-ARD-ZDF -RTL-Propaganda
wiederholt und einem herzlosen gegen andere gerichteten nationalistischen Wir-Gefühl gehuldigt.
"Wir" sind die deutschen Arbeitnehmer und die griechischen Arbeitnehmer.
Die Armen wissen leider oft nicht, wer ihr Feind ist.

Eine Ohrfeige für Europas Bürger

Seit 1981 bezahlen wir für Griechenland als Nettozahler der EWG, EG und jetzt EU. Seit 1981 hat es Griechenland nicht geschafft, einen funktionierenden Staat aufzubauen.
.
Seit 5 Jahren pumpen wir Steuerzahler in Europa und Deutschland extra Milliarden in diesen Staat. Um uns so behandeln zu lassen? Das ist eine Ohrfeige für fast jeden Bürger Europas.

Herr Sina hat Recht

Es ist wirklich eine unglaubliche Zumutung, sich mit dieser griechischen Regierung weiter abgeben zu müssen. Man braucht Herrn Schäuble nicht unbedingt zu mögen, aber wie er seit Monaten beherrscht und sachlich mit den Griechen verhandelt, die ihn ohne Anstand und Respekt auf das Übelste beleidigen, das ist äußerst bewunderswert. Wie sehr muß sich dieser Mann wohl beherrschen? Ich an seiner Stelle würde mit Varoufakis kein Wort mehr wechseln, ihm auch nicht mehr die Hand geben (in meiner Phantasie drängen sich noch ganz andere Rachegelüste auf). Schäuble zeigt hier äußerste Professionalität und Staatsräson der BRD gegenüber.
Wenn Herr Sina das Abstimmungsergebnis als schallende Ohrfeige für die EU-Spitzen deutet, kann ich das nicht nachvollziehen.
Für Juncker trifft es zu, sonst nicht. Insofern bin ich schadenfroh, hat sich doch Juncker ohne Mandat in die Verhandlungen eingemischt und mit seiner demonstrierten Sympathie für Tsipras die Verhandlungsposition der Euro-Länder untergraben.

Gestern Abend wurde bei

Gestern Abend wurde bei Günther Jauch Auszüge aus dem letzten Verhandlungspapier , worüber die Griechen abgestimmt haben, veröffentlicht.
Daraus geht hervor das Gabriel und Schulz gelogen haben. Schulz behauptete es würden keine Rentenkürzungen mehr verlangt. Aus dem Papier geht klar hervor das min. 1 % des BIP von den Rentnern eingespart werden sollte sowie bei den Mini-Renten. Desweiteren behauptete Gabriel und Juncker ( der Bock den man zum Gärtner machte) man würde die GR mit 35 Milliarden unterstützen. Diese 35 Milliarden stehen den GR eh zu , sind also keine extra Hilfe. Apropo Hilfe, Deutschland hat bisher keinen einzigen Euro für GR bezahlt, im Gegenteil, es hat durch diese Misere mehrere Hundert Millionen an Zinsen verdient. Eine Tolle Hilfe nenn ich das. Endlich ist mit Tsipras einer auf der Bühne der dem Volke die Wahrheit sagt und sie teilhaben lässt.
Juncker Gabriel und Schulz sind gestern Abend bei Günther Jauch der Lügen überführt worden !

@Werner40

22.42
"Geld gegen Reformen" hört sich nett und sinnvoll an, ist aber Schwachsinn wenn die geforderten Reformen Unsinn sind (wie z.B. fast alle Staatsbediensteten zu entlassen). Unsere "Experten" gehen da mit ihren vorgefassten Meinungen an die Sache heran und sind nicht bereit sich auch nur ein bisschen auf die griechische Seite einzustellen. "Menschen entlassen" und "Tafelsilber veräußern" sind die einzigen Ideen die die in Brüssel haben ... die Steuerbetrüger zu verfolgen war NIE eine Forderung der Troika. Man fragt sich nur warum ...

@Riner Bros

Ich gebe Ihnen Recht.
Das Versagen sitzt in Berlin und Brüssel und belügt uns nach Strich und Faden. Diese Leute sollten nicht über die Griechen herziehen, sondern sollten mal vor der eigenen Türe kehren. Das würde allen restl. EU-Vertretern mal ganz gut tun. Alle EU-Mitglieder brechen die selbst festgelegten Regeln!
Passt die Überschrift: "Spitzenpersonal", wo bitte? Mir fällt da leider kein euop. Spitzenpersonal ein?

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