Ihre Meinung zu: Interview zum Auschwitz-Prozess: "Korrigieren, was schief lief"

21. April 2015 - 16:24 Uhr

Lange hat es die deutsche Justiz vermieden, NS-Mittäter zur Verantwortung zu ziehen. Jetzt kommt mit Oskar Gröning ein KZ-Buchhalter vor Gericht. ARD-Rechtsexperte Bräutigam hält dies für ein wichtiges Signal. Die Justiz habe dazugelernt.

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Kommentare

"der Angeklagte (Demjanjuk) ist aber vorher gestorben"

... und darum wird jetzt dieser Mann als Musterfall genommen? Der Sinn erscheint mir dadurch nicht weniger zweifelhaft.

Ein Strafprozess soll doch wohl über persönliche Schuld befinden. Hier aber geht es darum, so der Artikel, allgemein zu "korrigieren was schief ging" und um "historische und politische Aufarbeitung". Warum also gerade dieser Mann?

Interessanter wäre wohl eher, wer wann welche Ermittlung verhindert hat!

Die Letzten werden die Ersten sein.

Letztlich ist es vor allem auch die Buße dieses Mannes selber. Die Schuld liegt viel tiefer, dem kein Gericht dieser Welt gerecht werden kann. Die Schuld hat auch eine gesellschaftlich-historische Dimension. Und sehen wir unsere gegenwärtige Welt an, so muß an der Aufrichtigkeit der Aufarbeitung stark gezweifelt werden.

Korrigieren, was schief lief?

Was soll denn bitte im Fall Gröning korrigiert werden? Was ist denn in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts schief gelaufen? Gegen Gröning war bereits damals im Zusammenhang mit den Frankfurter Auschwitzprozessen strafrechtlich ermittelt worden. Allerdings wurde er durch den hessischen Generalstaatsanwalt Bauer nicht angeklagt. Das spricht doch für sich. Fritz Bauer hätte ihn mit auf die Anklagebank gesetzt, wenn das Ermittlungverfahren dafür Belastbares ergeben hätte. Gröning hat sicher nicht damit gerechnet, für seine SS-Tätigkeit noch strafrechtlich verfolgt zu werden, sonst hätte er im Jahr 2005 der BBC bestimmt kein Interview für deren Auschwitz-Dokumentation gegeben. Gröning hat gute Chancen, vom Beihilfe-Vorwurf freigesprochen zu werden. Die Rechtsauffassung des Langerichts München ist doch sehr fragwürdig. Für eine Verurteilung braucht's immer noch den Nachweis individueller Schuld, die bloße Anwesenheit im KZ und die Kenntnis von den Massenmorden reichen da nicht aus.

Rechtsfragen für wen zentral?

Seit wann kann im Falschen etwas richtig gemacht werden? Insgesamt haben nahezu alle den reibungslosen Ablauf der Tötungsmaschinerie gewährleistet, auch der Bäcker um die Ecke. Nicht nur, dass er das System mit seiner Arbeit aufrecht erhielt und darauf achtete, dass die einschlägigen Bestimmungen beim Verkauf eingehalten wurden, er finanzierte das alles auch noch mit seinen Steuern. Doch was hatten sie für eine Wahl? Die eigentlichen Stützen des Systems war die Beamtenschaft, vor allem die Richter selbst und sonstige Gerichtsbedienstete, die Staatsanwälte, Vollzugsbeamten und Polizei.

Dieser Fall sollte schnell mit einem Freispruch abgeschlossen werden. Wenn die Staatsanwaltschaft will, kann sie ja dann zum BGH gehen. Doch da keine weiteren Fälle zu erwarten sind, wäre das das letzte was wirklich wichtig wäre.

Gröning

war Schreibtischtäter - sonst nichts
Lasst diesen Greis wenigstens in Frieden sterben, denn seine Vergangenheit hat ihn schon längst "überholt"
Ist eine moralische "Schuld denn strafbar"???
Dann müßten unsere gesamten Poliker auf die Anklagebank -

WO FÄNGT DIE TÄTERSCHAFT AN......

Bei allem Respekt und Verständnis, ich halte diese extensive Auslegung der Täterschaft/Mittäterschaft für falsch. Wenn es jetzt zu diesem Prozess kommt, wann kommt es dann zu einem Prozess in Den Haag vor dem internationalen Gerichtshof gegen die Allierten die durchaus wesentlich mehr Hilfe hätten leisten können. Und da geht es um Millionen. Ich möchte lieber es nicht weiter ausführen.

Im Westen nichts neues

"tageschau.de: Müssten jetzt nicht noch viel mehr Leute auf die Anklagebank: Köche, Wachleute, Hausmeister etc.?

Bräutigam: Die Zentralstelle in Ludwigsburg zur Aufklärung von NS-Verbrechen ermittelt weiter intensiv. Anfang Mai 2013 wurde zum Beispiel der ehemalige KZ-Koch Hans Lipschis in Baden-Württemberg verhaftet. Gegen ihn wird es zwar nicht zum Prozess kommen, weil er nicht mehr verhandlungsfähig ist. Aber das zeigt, wie die Beihilfe zum Mord inzwischen von vielen Justizbehörden verstanden wird."

Busfahrer, Köche und Sekretärinnen des MfS wurden ja auch mit Mielke persönlich in einen Topf geworfen.

Meine tiefste Verneigung

Die großen Fische sind wohl schon alle gestorben, dann zieht man eben die verbleibenden Kofferträger zur Verantwortung. Nach der Frage "warum wurde er früher noch nicht angeklagt" stellt sich ebenso die Frage "warum wird er noch angeklagt"?
Meine tiefste Verneigung vor der Verantwortung, die der Angeklagte eingesteht und vor der Bitte um Verzeihung an die Opfer. Es stellt sich aber auch die Frage, ob Vergeben und Verzeihen (NICHT Vergessen!) im Zusammenhang mit dem Holocaust nicht auch ein zutiefst anerkennenswertes und menschliches Zeichen gegenüber den Tätern wäre.

Feigenblatt und Alibifunktion

Jetzt - 70 Jahre nach Kriegsende - wird die Justiz "aktiv".

Vor Jahrzehnten wäre es bitter notwendig gewesen, aber politisch unerwünscht und nicht durchsetzbar.

Wer kann ernsthaft bestreiten, dass dahinter ein System steckt?

Mit solchen Alibiprozessen wird die Vergangenheit nicht bewältigt. Der braune Sumpf lebt weiter.

Nicht nur die Politik, sondern auch und vor allem die - doch angeblich unabhängige - Justiz und das ganze Volk hat versagt.

Wir - das Volk - wollten eine ernsthafte juristische Aufarbeitung nicht. Vielmehr haben wir zugelassen, dass der Großteil der Haupttäter nicht belangt wurde.

Eine jämmerliche Vorstellung. Eine neue Verhöhnung der Opfer, wenn nun wenige alte Greise mit über 90 Jahren vorgeführt werden.

@kladdaradatsch - ???

Zitat: "Meine tiefste Verneigung vor der Verantwortung, die der Angeklagte eingesteht......"

Wer Beihilfe zu 300.000 Morden geleistet hat, egal wie lange es her ist, hat in meinen Augen jeglichen Respekt verloren, selbst wenn er (sehr spät, wahrscheinlich drückt ihn sein nicht mehr fernes Ableben..) bereut.

Gruß rambospike

juristische und/oder ethische Bewertung

Nicht immer ist dies im Ergebnis das selbe.
Ich verstehe Beihilfe als aktive, die Tat befördernde Handlung im Wissen um die Tat.
Der Angeklagte war Mitglied der SS. In Auschwitz wurden nur solche SS-Angehörigen eingesetzt, die im NS-Sinn verlässlich waren.
Die Mordideologie war jedem eingesetzten SS-Angehörigen bekannt und gehörte zu seiner Überzeugung.
Soweit dazu.
Wichtig ist aber vor allem der Prozess als solches, nicht das Strafmaß und auch nicht das Urteil.
Entscheidend ist, dass solange es möglich ist, vor der Öffentlichkeit und vor der Welt, begangenes Unrecht in einem rechtsstaatlichen, demokratischen Verfahren verhandelt wird. Das stellt den Rechtsfrieden her und soll den Opfern Namen und Würde wieder zurückgeben.
Für die vermutlichen Täter gibt dies andererseits die Möglichkeit sich vor der Öffentlichkeit mit ihren Handlungen auseinanderzusetzen und dazu Stellung zu beziehen.
Von daher ist dieser Prozess sinnvoll und zu begrüßen.

@17:30 kladd.-- Opfersein ist VIELLEICHT sagbar, aber Tätersein?

"Nach der Frage 'warum wurde er früher noch nicht angeklagt' [...]"
In meinen Augen auch ggf. deshalb, weil ein Teil Deutschlands sehr lange Zeit pastellbraun blieb, während der andere im Altrosa daherdümpelte.

Angesichts des aktuellen Falls stelle ich mir die Frage und es ist wohl eine, die für uns Nachgeborene entscheidend ist: welche psychologischen Auswirkungen hat es auf die Nachfolgegenerationen, wenn die Vorfahren einserseits Opfer vs. andererseits Täter waren?

Beide Gruppen leben mit extrem schwer zu verarbeitenden Erlebnissen, wobei bei den Opfern ggf. das Erlebte irgendwann vielleicht sagbar und irgendwie bearbeitbar wird, aber bei den Tätern und deren Familien? Da MUSS ja gerade extrem verdrängt worden sein, bis heute! Es geht mitnichten um "Mitleid" mit den Täter(innen), sondern wir sollten uns fragen, welche Konsequenzen die Täterschaft bis heute haben kann - DIESE Fragen sollten wir aus dem aktuellen Fall ableiten und gemeinsam weiterschaun.

Gröning

Zitat:
Aus einem anderen Medium (leider nicht die TS, von der man gute Information erwartet), geht hervor das er dreimal um Versetzung an andere Stelle gebeten hatte. das letzte Versetzungsgesuch wurde genehmigt und er ging an die Front.
Ist Gröning die letzten 70 Jahre deshalb ein "schlechter Mensch gewesen"?
Hört doch endlich auf, die Vergangenheit " neu zu beleben" das begangene Unrecht in ein "mediengerechtes Spektakel zu rücken"
Davon werden die Toten nicht mehr lebendig
Und mit der moralischen " Schuld " muß er ganz alleine fertig werden.

Eine Verurteilung ist das Mindeste ...

Als Interessierter aller Ausschwitz- dokumentationen, erinnere ich mich noch sehr gut an das Interview, welches Groenning gegeben hat. Er hat nicht nur die Aktivitäten der SS durch seine fachliche Arbeit unterstützt ,er hat sich sogar noch persönlich bereichert dadurch dass er das er bei seiner Arbeit im KZ auch Geld und Gold unterschlagen hat. In einem Interview Äußerte er sich das er von der SS verdächtigt wurde und in dem er die Rückwand seines bereits mit einer bereits Plombe versehenen Spint das unterschlagene Diebesgut entnahm, sich der Verfolgung durch seine SS Vorgesetzten entziehen konnte. In diesen Interview hat er gar nichts bereut im Gegenteil er hat selbstbewusst zu seinen Taten gestanden. Wir wissen das die Nachkriegsjustiz in Deutschland zu 80 Prozent aus bereits im Nationalsozialismus aktiven Juristen bestanden hat. Diese hierarchisch geprägte System haben nicht einmal die 68- er von ihren Ämtern entfernen können. Der deutsche Obrigkeitsstaat lebt heute noch weiter.

Das Dilemma ist der Gehorsam

Letztlich läuft bei der Bewältigung der Vergangenheit alles darauf hinaus, dass sich die Mitläufer hätten wehren und Befehle verweigern müssen gemäß dem Motto "Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt".

Aber wie ist es denn heute? Von Untergebenen wird überall Gehorsam gefordert. Ganz explizit gilt dies im Beamtenrecht. Wer einen Befehl verweigert, der wird gefeuert.

Konkret: Heute gilt Homosexualität als o.k. Was ist mit den Richtern, die zuvor Homosexuelle verurteilt haben?
Und ebenso: Was ist mit den Richtern, die das Recht auf Kriegsdienstverweigerung gebrochen haben oder Berufsverbote ausgesprochen haben? Was ist mit den Beamten, die sich an der Abschiebung von Flüchtlingen beteiligen? Was ist mit den Soldaten, die im Kosovo oder in Afghanistan waren?

Die Geschichte wird alle diese Menschen schuldig sprechen an Vergehen gegen die Menschlichkeit.

Die einzige Lehre besteht darin, dass wir heute mehr denn je Menschen (insbesondere Staatsdiener) brauchen, die Befehle verweigern!

@ha_roscha

"Entscheidend ist, dass solange es möglich ist, vor der Öffentlichkeit und vor der Welt, begangenes Unrecht in einem rechtsstaatlichen, demokratischen Verfahren verhandelt wird."
Ich kann ich ihre Aussage in vollem Umfang unterstreichen. Mord verjährt nicht!
Zahlreiche Täter kamen unbehelligt davon. Das ist der eigentliche Skandal. Im Nachkriegsdeutschland wurde der Holocaust völlig verdrängt. Erst der Frankfurter Generalstaatswalt Fritz Bauer brachte die NS- Verbrechen mit den Auschwitz Prozessen ab 1963 zurück ins kollektive Gedächtnis. Erst dies machte eine gesellschaftliche Aufarbeitung möglich. Trotzdem hat das deutsche Rechtssystem eine Verfolgung und Bestrafung in all den Jahren erschwert und behindert. Es geht auch um eine späte Genugtuug der bis heute Überlebenden! Vergeben, angesichts des Ausmaßes der damaligen Verbrechen - diese Vorstellung fällt mir schwer. Vergeben können nur die Überlebenden selbst. Und nein auch ein alter Mann hat kein Mitleid verdient!

Ein glück dass unsere Gerichte nichts

wichtigeres zu tun haben als 70 Jahre alte, äusserst fragwürdige Fälle wieder aufzuwärmen. Dafür zahlt man doch gerne Steuern!

Aufarbeitung

Wir Deutsche haben die Aufarbeitung des Faschismus nicht nur verschlafen, sondern es auch juristisch verhindert, denn wer erst nach 70 Jahre nach dem Endes des Faschismus da was vors Gericht bringen will, der muss sich schon fragen, warum erst jetzt?
Ach auch die ehemalige DDR hatte es nicht wirklich getan, denn auch dort hatte man sehr viele Beteiligte SS-Leute in Ruhe gelassen und den Deckel drauf getan.
Darum sollten wir Deutsche uns heute mit unserer Heuchelei, wenn es um die Aufarbeitung anderer Verbrechen in der Welt geht, etwas zurückhalten.

Finde es wird höchste Zeit

dass die Gesetzeslage endlich so geändert wird dass auch schon verstorbenen Nazischergen endlich noch der Prozess gemacht werden kann!

......

Ich finde es unwürdig halbtote Greise vor Gericht zu zerren.
Was will man von so einem Prozess erwarten?
Haftfähig ist er eh nicht mehr, also kann man sich den ganzen Zirkus auch gleich sparen. Ferner besteht keine Hoffnung mehr auf "Besserung" oder Sühne.
Einen Gleichheitsgrundsatz kann ich hier auch nicht erkennen. Wie viele dunkelbraune Gesellen haben sich bis in die 80er im Staatsdienst oder als Industrielle straffrei gehalten? Aber da hätte man ja in der Riege der Unberührbaren aufräumen müssen....
So bleibt Recht Recht und Gerechtigkeit Gerechtigkeit.
Unvereinbar.

P.S. Von Kollektivschuld kann ich auch ohne eine braune Gesinnung zu haben nichts mehr hören. Ich komme aus einer Generation, deren Großeltern zu Kriegsende noch in die Windeln gemacht haben. Würde man denn heute den Nachkommen amerikanischer Sklaventreiber noch eine Schuld zusprechen?

Und andere....

Und andere Nazis konnten danach große Politkarriere im Bundestag machen. Manche brachten es zu Ministerposten.
Man hofierte sie und klopfte ihnen auf die Schulter.
Zum Tod bekamen sie noch Ehrungen und teils Staatsbegräbnisse hinterhergeworfen.

Wieder andere (Köche, Buchhalter etc) werden nach 70 Jahren angeklagt.

Soll das ein Ausgleich sein????

Ach du meine Güte ...

das ist nun etwas am Thema vorbei aber mir ist gerade etwas gravierendes aufgefallen.

Nicht nur das ich gestern mein 4jähriges Jubeleum als Kommentator hatte, nein ich habe auch am 20.04. meinen Führerschein gemacht ... ok ein ganz schlechter Joke, aber das bringt mich wirklich zum Nachdenken.

@kladdaradatsch
"Es stellt sich aber auch die Frage, ob Vergeben und Verzeihen (NICHT Vergessen!) im Zusammenhang mit dem Holocaust nicht auch ein zutiefst anerkennenswertes und menschliches Zeichen gegenüber den Tätern wäre."

Und nun etwas zum Thema:
Jemanden eine Straftat zu vergeben, oder zu verzeihen ist für den Betroffenen ein sehr großer Schritt. Fraglich bleibt ob der Straftäter diesen Sprung über den eigenen Schatten respektiert und diesem Schritt genauso viel Respekt zollt wie der Betroffene.
Für ein menschliches Miteinander wäre Vergeben und Verzeihen Schlüsselwerte, denn alle Menschen machen Fehler und Menschen sind nicht unfehlbar.

Merkwürdig

Ist in Deutschland ein NS-Richter nach 1945 angeklagt ... geschweige verurteilt ... worden?
Nein? Das finde ich sehr merkwürdig!

@zefix um 18:18:

Bitte die Hinweise beachten. Da wird unter "mehr zum Thema" auf einen Artikel des NDR verwiesen in dem auf die Versetzungen berichtet wurde.

Etwas fehlt im Satz

"Zum einen war die juristische Bewertung mancher Taten eine andere als heute. Fast noch gravierender finde ich aber, dass in weiten Teilen der Gesellschaft gar nicht der Wille da war, die Verantwortlichen - schon gar nicht die großen Fische - zur Rechenschaft zu ziehen."
Zur Rechenschaft ziehen können nur Gerichte, nicht "die Gesellschaft".
Deshalb ein persönliches Erlebnis.
1995 (erst!) distanzierte sich der Deutsche Richterbund von der NS-Justiz. Meine Frage (als Schöffe ) in einer Verhandlungspause an einen Brufsrichter, warum das so spät. Antwort: Wäre das früher gekommen, hätte man sich vieleicht von einem Kollegen distanzieren müssen.

Gerichtsverfahren gegen Menschen von über 90 Jahren??

Hallo zusammen,

Zuerst mal: ich will diese NS-Verbrechen nicht verharmlosen und ich finde es richtig, dass solche NS-Verbrechen von Amts wegen verfolgt und aufgearbeitet werden müssen von der Gesellschaft und der Politik. Aber ich finde es persönlich falsch, hier Menschen im Alter von 93 Jahren noch auf die Anklagebank zu bringen.

Das hat etwas mit Menschlichkeit zu tun, dass man eigentlich keine Menschen mehr vor Gericht bringt, die schon über 90 Jahre alt sind. Denn: diese Menschen leben eh nicht mehr lange und sind auch kaum noch haftfähig. Darüber hinaus ist für die der normale Tod eh schon die Höchststrafe, die es für sowas geben kann. Solchen alten Leuten sollte man keine Gerichtsverfahren mehr zumuten sondern denen die letzten Jahre des Lebensabends in Freiheit lassen.

Von daher kann man hier keine normalen Strafverfahren mehr gegen solche Leute führen. Hier sollte der Schwerpunkt eher auf die Aufarbeitung und auf die Aufklärung und Mahnung für die Zukunft gelegt werden.

Ich meine: solche Verfahren hätten früher kommen müssen

An euch alle - darunter auch an Herrn Bräutigam:

Solche Strafverfahren gegen die führenden Köpfe und die Mitläufer hätten viel früher kommen müssen, als die noch wesentlich jünger waren. Aber so langsam aber sicher ist es zu spät dafür. Die meisten von denen sind eh schon verstorben laut heute.de und die die noch leben, sind schon hochbetagt und damit nicht mehr haftfähig.

Von daher frage ich mal, was man sich von solchen Strafverfahren gegen diese alten Menschen verspricht. Ist es so etwas wie ein Gefühl der Genugtuung oder ist es ein Gefühl der persönlichen Rache oder was ist es, was uns dazu treibt??

Ich persönlich würde hier ein ganz anderes Vorgehen anstelle eines Gerichtsverfahrens vorschlagen, etas was symbolisch gemeint ist und genauso der Aufarbeitung nützen könnte.

Wie wäre es, wenn man ein Treffen mit denen arrangieren, sie mit den Fakten konfrontieren und sie danach zur Rede stellen würde und die erforderlichen Fragen stellt??

Wäre sowas nicht besser??

Schuld ist keine absolute Größe

Niemand kann etwas dafür, an welche Stelle ihn die Weltgeschichte gestellt hat. Wer da nicht mitmachen möchte und lieber den fast sicheren Tod an der Front in Kauf nimmt, dem ist nichts vorzuwerfen.

Die Aufklärung wird nun Aufgabe von Wissenschaft und Forschung

Darüber hinaus sehe ich es so, dass hier die Aufarbeitung Aufgabe von Wissenschaft und Forschung und Aufgabe der Dokumentationszentren und Museen wird und weniger Aufgabe der Justiz.

Von daher fände ich diesen Vorschlag, den ich in meinem vorigen Kommentar gemacht habe, eigentlich besser.

Denn von einem Schuldspruch gegen diese hochbetagten Menschen hat doch niemand mehr etwas. Weder bringt es die Toten zurück, noch ist hier eine Haftstrafe sinnvoll weil diese Menschen eben schon so alt sind. Darüber hinaus würde ein solches Gerichtsverfahren diese alten Menschen nur unnötig gesundheitlich belasten.

Von daher: hier sollte man anders an die Sache herangehen. Man sollte hier mal ein Treffen mit diesen Beschuldigten durchführen, sie dabei mit den Fakten konfrontieren und sie dann anschließend zur Rede stellen und die Fragen stellen.

Auf diesem Wege könnten wir viel mehr erfahren, als wenn wir sie vor Gericht zerren.

@18:36 corigallo -- Vorsicht: Diabolus ex machina ?

Es ist völlig richtig, die Ablehung der grausamsten, unglaublichen und zutiefst verstörenden Verbrechen der Nazis und ihrer Schergen immer wieder scharf zu betonen, vor allem auch, um keiner Identifikation mit den Aggressoren im Sinne eines Stockholmsyndroms Vorschub zu leisten.

"Und jetzt sollen noch die Täter, immer noch frei herumlaufen und sogar zu 'Opfer' eines Systems stilisiert werden?" Ich glaube, dass die Mehrheit der Deutschen Öffentlichkeit heutzutage das bisher mitnichten tut.Ihre Mahnung ist nichtsdestoweniger völlig richtig, denn Verstehen/Erklären sind niemals mit Exkulpieren zu verw.

"Der Holocaust bleibt eine Singularität der Geschichte, unvergleichbar."Einerseits haben Sie Recht, er ist DER Kulturbruch der Moderne, aber andereseits hatte er seine kulturellen und sozio-psychologischen Vorläufer, ich möchte Sie vor dem Heraufbeschwören eines "Diabolus ex machina" warnen, Diabolus ist stets die Wiederkehr des vermeintlich Fremden: des Verdrängten Eigenen.

Was soll das,dem Buchhalter wird der Prozess gemacht..

und wo ist der Prozess für diejenigen die die Hauptrolle gespielt haben und in der ersten Reihe waren?
Es scheint sich hier um ein Trostpflaster Prozess zu handeln,bei dem auch nur das nicht schiessende Personal angeklagt wird.

Wo sind die die Massaker in Italien ,Griechenland und anderswo in Europa verübt haben?
Wann hat man hier versucht diesen den Prozess zu machen?

Und jetzt nimmt man einen 93 jährigen und stellt ihn vor Gericht.
Das ist mittlerweile ein ganz anderer Mensch und hat mit dem damaligen eigentlich nicht viel mehr gemeinsam.
Mit 93 wäre es mir sowas von Egal was nun kommt,das Leben ist gelebt.
Es bewahrheitet sich der Spruch die kleinen hängt man und die grossen lässt man laufen.

Noch was zu Herrn Bräutigam - Sinn des Prozesses??

Außerdem möchte ich gerne auf diesen Punkt von Herrn Bräutigam eingehen:

Frank Bräutigam: Ich finde diesen Prozess absolut sinnvoll.

Herr Bräutigam: was ist denn an diesem Prozess sinnvoll?? Wenn etwas daran Sinn macht, dann die gechichtliche Aufklärung und die Mahnung für die Zukunft.

Beim NS-Unrecht bin ich kein Freund von Schlussstrichen.

Aber dieser wird kommen, wenn der letzte NS-Schärge irgendwann in den nächsten Jahren verstorben sein wird.

Mord verjährt nicht, auch Beihilfe zum Mord nicht.

Und genau dass ist der Fehler in unserer Rechtsprechung. Jeder Verurteilte hat irgendwann - sofern er keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt - eine zweite Chance verdient.

Das ist die Leitlinie, die ja gerade mit Blick auf die NS-Vergangenheit eingeführt wurde.

Diese Leitlinie gehört eher in Richtung Aufklärung und Mahnung für die Zukunft (in Form von Gedenken und Erinnerung) geändert.

Natürlich ist dieser Prozess ein Symbol,

das nicht einer gewissen Lächerlichkeit entbehrt.
Der störungsfreie Übergang von einer Regierungsform zu nächsten ist wohl nicht zu bewerkstelligen ohne die Hilfe der Vorgänger. Das war nach der Wende nicht anders: Herr Modrow saß plötzlich im EU-Parlament. Wie haben wir uns gewundert!
So war natürlich auch die Justiz nach dem Kriegsende mit Nazis durchtränkt, und Herr Adenauer hat sämtliche Augen zugedrückt, obwohl er doch ein bekennender Demokrat war. Machtgewinn und Machterhalt standen schon immer über rechtlichen Bedenken.
Verurteilte Schergen des KZ Buchenwald wurden Mitte der Fünfziger begnadigt, aber Ilse Koch, eine Randfigur, musste an Stelle Ihres Mannes bis zu Ende leiden.

Handlangerprozeß

Wo bleiben die Prozesse gegen die Hintermänner? Es waren doch Nachbarn, Richter, Bügermeister, Abgeordnete und die Gestapo (auch die später bei dem BND untergekommenen) dabei.

Delayed Justice

Grönings moralische Schuldbekenntnis ist eine seltene Ausnahme, welche in der Urteilsfindung des Prozesses angemessen
berücksichtigt werden muß. Darüber hinaus sollte der Beklagte einen weitergehenden Schritt tun und um Vergebung für seine Taten bitten. Das Recht Ihm diese im moralischen Sinne zu erteilen kann ausschließlich den Opfern und deren Nachkömmlingen zugesprochen werden.
Gröning hat im Rahmen des Prozesses die Chance, einen Beitrag zur Aufklärung der Nazisozialistischen Verbrechen zu leisten.
Wenn er zudem ehrliche Räue zu erkennen gibt,wäre eine milde Bestrafung begrüßenswert. Ich finde,das die Urteilsverkündung von Vertretern der Opfergemeinschaft vorgenommen werden sollte.Die entscheidende Beseitigung des Nazisozialismus und andere Formen
des Totalitarismus wird jedoch nicht vor Gericht erreicht werden.Hierzu bedarf es der weltweiten Durchsetzung der liberale Demokratie als einzig legitime Staatsform. Zitat G.W. Bush:You can't put democracy and freedom back into a box.

ICH - ZEITZEUGE,

Anfang der fünfziger Jahre geboren, kann berichten: Deutschland hat seit unrühmlichen Kriegsende, woimmer es ging, verschleiert: Es gab rel. wenig verurteilte Nazis - man half vielen ausser Landes zu kommen, andere wurden gleich wieder "installiert" (Justiz, Behörden,...). Gefahndet wurde nur halbherzig...In den Schulbüchern stand nicht die ganze Wahrheit. Die Bevölkerung wurde weiterhin politisch blind geführt, nicht aufgeklärt. So wusste kein Mensch, dass es keinen Friedensvertrag gab. Ministerpräsidenten mussten wegen ihrer ehemaligen Nazi-Vergangenheit zurücktreten.
Wie wir wissen, läuft das rechte Gedankengut heutzutage immernoch und weitverbreitet, nicht nur über den BND, sondern in die ganze Welt hinaus.... ukrainische Nazis, burische Nazis, US-Nazis,
ungarische Nazis, ...
Deutschland hat nicht aufgearbeitet, sondern geschwiegen. Eltern haben ihren Kindern erzählt - aber das Wichtige verschwiegen,nämlich: Wie ging es ihrem Gewissen? Und was haben wir daraus gelernt?

bin ich auch täter

weil ich aus angst gemacht habe was der chef wollte, wodurch andere betrogen wurden, nur weil ich meine Arbeit nicht verlieren wollte?
Wer weiß, wie vielen es so ergeht.
Denn sagste was, fliegste und kriegst vom Amt noch ne Sperre.
Und Menschen wie Göning im dritten Reich gab es mehr als genug, nur hätten die was gesagt, wären sie erschossen worden.
Fatit: Die kleinen hängt man, die grossen lässt man laufen.

Gefreiter vor Gericht

Ich frage mich ernsthaft wo ihr die "Journalisten" und " Juristen" hernehmt die behaubten dieser Prozess waere eine gute Sache. Glaubt ihr denn wirklich ein Gefreiter haette etwas aendern koennen?
Mir wird echt schlecht wenn ich derartige Berichterstattungen von einer angeblich neutralen Presse lesen muss. Ich habe bisher noch kein Wort darueber gelesen was Herr Groening gemacht haben soll das Ihn in irgendeiner besonders herausragenden Weise Schuldig macht. Dass das System damals schlecht war, daran besteht doch kein Zweifel, aber nur weil jemand zur falschen Zeit am falschen Ort war ...

Wenn man anfängt Köche anzuklagen, wird es langsam absurd.

Von dort ist es nur ein kleiner Schritt Jeden der mittelbar mit der Wirtschaft des 3. Reichs und seiner Tötungsmaschinerie zu tun hatte wegen Beihilfe zum Mord anzuklagen.
"Wieso ist ein Koch schuldiger am Massenmord als die Hersteller der SS-Uniformen", muss man dann fragen?

den Letzten beissen die Hunde...

Gröning hat sich, entgegen vieler Zeitgenossen, bereits zu Lebzeiten schuldig bekannt. Er wurde bereits in den 70ger Jahre freigesprochen, weil er nicht selber getötet hat. Er war - wie er es selber bekannte - ein "Rädchen im Getriebe"...und konnte, nur aufgrund einer aktuellen Gesetzesänderung, sozusagen als einer der letzten noch lebenden Mittäter, vor Gericht gestellt werden. Um das klarzustellen: Ich hätte mir eine schonungslose Be- und Verurteilung aller dieser Beteiligten über 70 Jahre BRD gewünscht! Dieses Verfahren nun erscheint mir als ein rechtfertigender Schauprozess,... während in Leipzig u.a.w. die neue Nazi-Generation aufmarschieren darf...

@ Taraphir (20:28): Gröning hat bereits um Vergebung gebeten

hi Taraphir,

Darüber hinaus sollte der Beklagte einen weitergehenden Schritt tun und um Vergebung für seine Taten bitten.

Das hat er schon getan. Das können Sie hier beim NDR:

http://tinyurl.com/llep7mw
ndr.de: Auschwitz-Prozess: SS-Mann gesteht Mitschuld

"Zu dieser moralischen Schuld bekenne ich mich auch hier, mit Reue und Demut vor den Opfern. Über die Frage der strafrechtlichen Schuld wird dieses Gericht zu befinden haben", sagte Gröning weiter.

Oder auch hier bei n-tv.de:

http://tinyurl.com/lmk52w8
n-tv.de: Buchhalter von Auschwitz gesteht umfassend

"Für mich steht außer Frage, dass ich mich moralisch mitschuldig gemacht habe", sagte der Angeklagte Oskar Gröning vor dem Landgericht in Lüneburg. Er räumte ein, 1942 gleich bei seiner Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz von der Vergasung der Juden erfahren zu haben. "Ich bitte um Vergebung. Über die Frage der strafrechtlichen Schuld müssen Sie entscheiden."

@hoheshaus

"Deutschland hat seit unrühmlichen Kriegsende, woimmer es ging, verschleiert"

Ich bin Anfang der 60er geboren, in den 70ern in NRW aufs Gymnasium gegangen, und kann das nur bestätigen: Das Dritte Reich existierte im Schulplan praktisch nicht. Weder in Politik noch in Geschichte. Bei uns hörte die Geschichte ca. 1937 vor den großen Ferien auf und ging 1949 nach den großen Ferien weiter. Die Zeit dazwischen stand zwar im Schulbuch, aber niemand hat uns je davon erzählt. Es gab eine Vernichtungsmaschinerie, einen Krieg, eine Kapitulation? Wer sich nicht persönlich für Geschichte interessierte, hätte das nie erfahren. Und daß es keinen Friedensvertrag gab, daß wir eigentlich immer noch im Kriegszustand waren bis 1990, ist mir (und vielen anderen) erst klargeworden, als es die 2+4-Verhandlungen gab.

@ Taraphir (20:28): Gröning wollte raus aus Auschwitz

@ Taraphir

Grönings moralische Schuldbekenntnis ist eine seltene Ausnahme, welche in der Urteilsfindung des Prozesses angemessen berücksichtigt werden muß.

Ja, dass ist selten, aber er hat Mut gezeigt und auch nicht nur um Vergebung gebeten sondern er hat auch selbst sehr viel zur Aufklärung beigetragen. Wussten Sie eigentlich, dass Gröning sogar raus wollte au diesem KZ?? Wussten Sie, dass er selbst dreimal um Versetzung gebeten hatte nach einem traumatischen Erlebnis in Auschwitz-Birkenau??

Der 93-Jährige schilderte auch grausame Vorgänge, die sich vor seinen Augen abspielten. Auf der Suche nach entflohenen KZ-Insassen wurde er Zeuge einer Vergasung in einem dafür umgebauten Bauernhof und hörte die langsam verstummenden Schreie der Opfer. Nachdem er sah, wie ein SS-Mann ein zurückgelassenes Baby gegen einen Lastwagen schlug und tötete, habe er Vorgesetzte eingeschaltet und um seine Versetzung an die Front gebeten, schilderte Gröning.

Groenning Geständnis gibt es schon 2005(BBC - Interview)

Es hat wenig mit einer Sensation zu tuen wenn jemand sich schuldig fuer die Beihilfe an Verbrechen ausspricht und das dazu befindliche Gestaendnis damals ohne Reue bei der BBC im Rahmen einer Ausschwitzdokumentation bereits vor 10 Jahren veröffentlich wurde. Groenning war kein einfacher Mitläufer ,den der hätte sich nicht ohne Skrupel noch persönlich am Eigentum von Juden bereichert, indem er das ihm anvertraute Geld und Gold teilweise unterschlagen hat..Fuer alle interessierten befindet sich unter Youtube eine Dokumentation.

@ Taraphir (20:28): Gröning hat schon einiges aufgeklärt

@ Taraphir

Gröning hat im Rahmen des Prozesses die Chance, einen Beitrag zur Aufklärung der Nazisozialistischen Verbrechen zu leisten.

Auch dass hat er inzwischen getan:

http://tinyurl.com/llep7mw
ndr.de: Auschwitz-Prozess: SS-Mann gesteht Mitschuld

Er räumte ein, gleich bei seiner Ankunft in Auschwitz 1942 von der Vergasung der Juden erfahren zu haben.

Ausführlich schilderte der 93-jährige Gröning, wie er im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz auf der Suche nach entflohenen KZ-Insassen Zeuge einer Vergasung in einem dafür umgebauten Bauernhaus wurde und dabei die langsam verstummenden Schreie der Opfer gehört habe. Nachdem er gesehen hatte, wie ein anderer SS-Mann ein zurückgelassenes Baby gegen einen Lastwagen schlug und tötete, habe er Vorgesetzte eingeschaltet und um seine Versetzung an die Front gebeten, schilderte Gröning. Ihm sei aber gesagt worden, es gebe keine Möglichkeit, dort herauszukommen.

@ Taraphir (20:28): hier mehr aus Grönings Aussage für Sie

@ Taraphir,

hier noch mehr aus der Aussage von Gröning beim NDR:

http://tinyurl.com/llep7mw
ndr.de: Auschwitz-Prozess: SS-Mann gesteht Mitschuld

Grönings Verteidiger Hans Holtermann hatte vor Prozessbeginn erklärt, sein Mandant habe andere Aufgaben als Demjanjuk gehabt. Zudem sei Auschwitz kein reines Vernichtungslager gewesen." Es wird vom Gericht zu prüfen sein, ob seine Aufgabe als strafbare Beihilfe zu werten ist", so Holtermann. Dem Angeklagten sei zugutezuhalten, dass er in früheren Gerichtsverfahren gegen andere SS-Männer ausgesagt habe, betonte der Verteidiger. Er verwies auch auf drei Versetzungsanträge, die sein Mandant während der Zeit in Auschwitz-Birkenau gestellt habe. Dem dritten wurde demnach stattgegeben. Gröning soll in den letzten Kriegsmonaten an der sogenannten Ardennen-Offensive gegen die Alliierten teilgenommen haben.

@ riewekooche (20:53): bei uns war das Thema extrem gründlich

hi riewekooche

Ich bin Ende der 70ger gebohren und in Bayern aufs Gymnasium gegangen.

Aber: bei uns im Schulplan existierte das Dritte Reich dagegen sehr gründlich. Das umfasste nicht nur je ein Besuch im KZ Buchenwald und Dachau, nein wir mussten sogar eine schriftliche Klausur darüber schreiben, die sogar ziemlich streng benotet wurde. Und bei diesen KZ-Besuchen wurden wir sogar durch diese Häuser mit den Verbrennungsöfen getrieben. Und dabei ist eine Mitkameradin aus meiner Klasse sogar umgekippt und musste ins KKH eingeliefert werden. Ich war dabei, als sie in den RTW gehoben wurde.

Bei uns hörte die Geschichte ca. 1937 vor den großen Ferien auf und ging 1949 nach den großen Ferien weiter. Die Zeit dazwischen stand zwar im Schulbuch, aber niemand hat uns je davon erzählt.

Bei uns ging die Geschichte los von etwa 1930 und ging durch ohne Pause bis 1945! Und dazu eben diese KZ-Besuche und die Klausur darüber.

@ riewekooche (20:53): man hätte es schon erfahren können

@ riewekooche

Wer sich nicht persönlich für Geschichte interessierte, hätte das nie erfahren.

Doch, man hätte es erfahren können durch eigene Besuche in den Konzentrationslagern und den Dokumentationszentren, man hätte es über Angehörige erfahren können so wie ich es erfahren habe, man hätte es über einen Besuch im Haus der Deutschen Geschichte in Berlin erfahren können (ein Museum) und über weitere Wege.

Und daß es keinen Friedensvertrag gab, daß wir eigentlich immer noch im Kriegszustand waren bis 1990, ist mir (und vielen anderen) erst klargeworden, als es die 2+4-Verhandlungen gab.

Und ich habe darüber hinaus erfahren, dass dieser 2+4-Vertrag kein eigentlicher Friedensvertrag ist, sondern eigentlich die Überleitung zu einem Friedensvertrag bilden soll. Dieser 2+4-Vertrag ist eigentlich kein richtiger Friedensvertrag. Von daher haben wir bis heute keinen echten Friedensvertrag, weil weder unsere Regierung noch die USA daran interessiert sind.

@ Taraphir (20:28): auch Ihr Wunsch nach Reue ist schon erfüllt

@Taraphir

Wenn er zudem ehrliche Räue zu erkennen gibt,wäre eine milde Bestrafung begrüßenswert.

Auch diese Wunsch von Ihnen ist bereits erfüllt:

http://tinyurl.com/llep7mw
ndr.de: Auschwitz-Prozess: SS-Mann gesteht Mitschuld

"Für mich steht außer Frage, dass ich mich durch meine Tätigkeit in Auschwitz moralisch mitschuldig gemacht habe an der millionenfachen Ermordung von Menschen, von denen die allermeisten Juden waren", sagte der Angeklagte am ersten Verhandlungstag vor dem Lüneburger Landgericht. "Zu dieser moralischen Schuld bekenne ich mich auch hier, mit Reue und Demut vor den Opfern. Über die Frage der strafrechtlichen Schuld wird dieses Gericht zu befinden haben", sagte Gröning weiter.

Von daher sollte man Herrn Gröning hier nicht mehr vor Gericht ziehen und ihm eine Haftstrafe ersparen auch auf Grund seines schon hohen Alters (93 Jahre).

interessant wäre wer

Das so lange blockierte und warum. Wer hat da wen beschützt? Am deutschen Justizsystem gibt es noch viel aufzuarbeiten.

Schon vor 60 Jahren mehr als erforderlich

Hatte Deutschland Angst, vor 60 Jahren keine Parteiführer an der Macht zu haben und keine Gerichtspräsidenten, Polizeipräsidenten, Generäle in der Bundeswehr und usw. zu haben, weil viele der Verbrecher danach in Ämtern waren als Vertreter und einflussreichen Stellen in Deutschland eingeschleust wurden. Schützende Hand wurde danach doch nicht in die Hand gebissen, die fütterten. Nun danach erforderlich, aber viel zu spät, viel um Jahrzehnte danach zu spät, meine ich. Aber der Geist danach lebt in Deutschland noch in vielen Köpfen hier, denke ich. Es wurde übernommen, denken wir in den Strafgesetzbüchern, in den Strafprozessordnungen, die hier auch zum tragen noch kommen. Im Namen des Volkes, das Volk ist doch teilweise nur als Schöffe oder Publikum, da wären Reformen mehr als notwendig auch in dieser Hinsichten, denke ich. Und nicht nur nach 7 Jahrzehnten danach.

Das hier von ihm zeigt: er wurde wohl korrumpiert

Und dass hier aus seinen Ausführungen:

http://tinyurl.com/nb5gh8u
n24.de: Als dem SS-Mann Gröning das "Herz stehen blieb"

"Es war korrupt und größenwahnsinnig, was da passierte", sagt er. "In mir ist alles zusammen gebrochen. Ich hatte Angst um die Zukunft." Eins aber wusste er damals, nämlich was das Vergehen der Menschen war, die ermordet wurden und deren geraubtes Geld er zählte: "Die Juden hatten nichts getan, sie waren eben Juden." Das reichte, um sie zu vernichten, zu Hunderttausenden.

zeigt: Gröning war keiner der mit diesen Tötungen direkt zu tun hatte. Er wurde von dieser SS korrumpiert und wurde dadurch zum Mitläufer. Und er wollte - wie er ganz eindeutig sagt - raus aus Auschwitz und er ist innerlich an diesem Gräuel auch zerbrochen. Auch er scheint bis heute darunter zu leiden und er war wohl auch selbst schon ein solcher Lagerhäftling.

Den Kleinen hängt man am Strick.....

....den Großen am goldenen Faden!

Recherchiert man in Wiki,dann erfährt man das Strafmaß der,nach den Nürnberger Prozessen gefassten und verurteilten Kriegsverbrecher.
Die verbüßten zum Teil nur einen Bruchteil der verhängten Strafen.
Todesurteile wurden in lebenslanger Haft umgewandelt und nach einigen Jahren Haft wurden die Verurteilten begnadigt.

Mein Urteil für Oskar Gröning lautet deshalb:

"Lebenslang, zur Bewährung ausgesetzt."

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Es darf nicht vergessen werden was geschehen ist, dennoch sollte 70 Jahre nach Ende des 3. Reiches die andauernde Selbstkasteiung ein Ende haben.
Eine immer wieder beschworene Kollektivschuld macht das Leiden nicht ungeschehen.
Anstatt immer wieder ( TV, Zeitungen, Internet ) auf den Verbrechen des damaligen Regimes herumzukauen, und auch noch den letzten Meldezettelträger vor Gericht zu zerren, sollten wir uns auf die Bekämpfung aktuellen Unrechts konzentrieren.
P.S. Deutschland ist bei weitem nicht das einzige Land mit einem dunklen Kapitel in seiner Geschichte, nur ist bei uns das Mass an Aufarbeitung höher ... und mittlerweile überschritten.

Altersdemenz?

Wenn ich lese, wie hier von allen Seiten bedauert wird, dass der arme, alte Mann noch vor Kadi geschleppt wird, mache ich mir ernsthaft Sorgen ob all die Ermahnungen und Nazi-Dokumentationen wider das Vergessen vielleicht doch nur Lippenbekenntnisse einer selbst vergesslich gewordenen Generation sind.
Meine Generation hat glücklicherweise mit dieser Vergangenheit und dem Gefühl der Schuld nur noch wenig zu tun, aber wir werden hoffentlich hellhörig wenn, wie in den Kommentaren zu lesen, die Verwaltung von 300.000 vergasten und zu Tode geackerten Menschen mit einem 'Schwamm drüber -lasst dem Mann seinen Frieden' unter den Tisch gekehrt werden soll! Dieses Urteil steht moralisch nur den Überlebenden und rechtlich der Justiz zu aber nicht meinen Großeltern, Eltern oder mir!

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