Interview zu Roten Khmer: "Opfer und Täter wohnen Tür an Tür"

07. August 2014 - 14:38 Uhr

Das Urteil gegen die letzten lebenden Rote-Khmer-Anführer sei "kein Ruhmesblatt", sagt ARD-Korrespondent Robert Hetkämper. Im Interview mit tagesschau.de erklärt er, warum der Prozess wenig Gerechtigkeit bringt und die Kambodschaner eher vergessen wollen.

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Kommentare

"Gewisser Gleichmut"

Ein schöner Euphemismus für "wen kümmert's".

35 Jahre nach Hundertausenden Toten zwei 80-jährige zu "Lebenslang" zu verurteilen ist ein schlechter Witz. Diese Farce hätte man sich auch ganz sparen können.

Der Vergleich zu Deutschland

Der Vergleich zu Deutschland und Japan hinkt doch ziemlich stark.
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Vor allem da die Deutschen und Japaner überwiegend Täter waren und die Opfer andere... während die Khmer Rouge eine Gruppe war, die die Verbrechen am gesamten eigenen Volk begangen.
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Die japanischen Täter wollen sich auch bis heute nicht erinnern... den deutschen Tätern lag wenigstens ein gewisser Simon Wiesenthal im Nacken und eine Jugend, die das totschweigen der Väter nicht hinnahm. In Japan ist man nach 70 Jahren dabei sich selbst als Opfer zu sehen.

Zunächst sollte man.....

....sich mal ernsthaft fragen, wer da alles so lange diese längst fällige Abrechnung mit der mörderischen Vergangenheit Kambodschas verhindert hat???

Auch hier in (West)Deutschland gab es genügend Sympathisanten, die erfolgreich jede Diskussion über die Ereignisse nach dem 17. April 1975 mit fadenscheinigen Argumenten weggewischt haben.

dann bleibt es Phnom Penh

vielleicht ja erspart, dass an erster Adresse ein gigantisches Mahnmal errichtet wird, dass an die Opfer dieser Schreckensherrschaft erinnern soll.

"Opfer und Täter wohnen Tür an Tür" ....

...und: Diese Täter haben heute hohe Dienstränge in Hun Sens Armee, Polizei und Justiz....fahren dicke Autos, sind selber fett geworden und wohnen in den besseren Vierteln von Phnom Penh.

*selbst gesehen und erlebt.

Danke, R. Hetkämper

für ein vielschichtiges Bild ohne einfache (Schein-)Wahrheiten.

Wer sich dem Thema Rote Khmer...

..mal nähern will, dem sei der Film "Killing Fields" empfohlen. Sicher, ein Spielfilm, aber ein guter der es schafft, diese grausige Zeit zu skizzieren.

Kunststück

Es ist schon ein Kunststück das Interview über die Roten Khmer zu führen, ohne ein einziges Mal das Wort Kommunismus oder Kommunist in den Mund zu nehmen.
Dafür wird aber tatsächlich der deutsche Nationalsozialismus im Interview ausdrücklich erwähnt.

Die Roten Khmer waren Kommunisten und sie haben im Namen des Kommunismus auf grausamste Art und Weise Völkermorde begangen. Das sollte man auch deutlich als Warnung für die heutige Jugend und auch manchen linken Romantiker aussprechen.

"Die Roten Khmer waren

"Die Roten Khmer waren Kommunisten und sie haben im Namen des Kommunismus auf grausamste Art und Weise Völkermorde begangen. Das sollte man auch deutlich als Warnung für die heutige Jugend und auch manchen linken Romantiker aussprechen."

Genauso ist es.....

....und man sollte hierzulande mal diese Diskussion auf das Dazutun der sogenannten "68er" ausweiten!!!

Ein Beispiel:

http://www.mao-projekt.de/BRD/VLB/Roter_Morgen/RM_1975_16.shtml

Vergessen oder verdrängen ?

TS Report: "Vielleicht ist es auch eher die südostasiatische Mentalität, nicht bis zum Letzten nach Gerechtigkeit zu suchen, sondern eher nach Ausgleich und Vergessen"

Wir können das schwer verstehen und würden alles bis ins kleinste Detail aufarbeiten.

Ich frage mich, was für die Menschen und das menschliche Miteinander besser ist. Denn darum geht es.

Opfer und Täter

Vielleicht könnten von diesem Volk (bzw. der ost-asiatischen Mentalität) die übrigen Völker dieser Welt etwas lernen. Nämlich dass es nicht darum gehen kann irgendeine Art von Gerechtigkeit zu schaffen, die für die eine oder andere Seite niemals gerecht sein wird. Oder vielleicht sogar Rache zu üben.
Es geht darum einen neuen Anfang zu machen. Ohne die Fehler, welche vorher von wem auch immer gemacht wurden, zu wiederholen.
Die Kämpfe in der Ostukraine und in Palästina würden sich einfacher lösen lassen, wenn man danach nicht jedes Fehlverhalten an den Pranger stellen, und sich gegenseitig anklagen und Wiedergutmachung fordern würde .
Und dazu der Rest der Welt von außen hochnäsig zuschaut und seine Kommentare abgibt. Und das, im Falle der westlichen Welt, mit einer Humanistischen Ethik, die Jahrhunderte gebraucht hat sich zu entwickeln , und auch bei uns noch nicht in allen Bevölkerungsgruppen 100%ig angekommen ist.

@AbseitsDesMains

"Es ist schon ein Kunststück das Interview über die Roten Khmer zu führen, ohne ein einziges Mal das Wort Kommunismus oder Kommunist in den Mund zu nehmen."

Ich erlebe das erste mal in einem Forum, dass sich jemand über ein objektives Interview aufregt.

Falsche Annahme

Die roten Khmer waren keine Kommunisten, sondern haben sich diesen Begriff nur zu Eigen gemacht. Es handelte sich schlichtweg um Mörder. Ihr Handeln hatte mit Kommunismus überhaupt nichts zu tun. Derartige Massenmorde gab es ja nicht in den Warschauer Pakt Staaten, die zwar auch den Begriff "Kommunismus" für sich in Anspruch nahmen, obwohl auch ihre Politik damit nicht viel zu tun hatte. So wie das Verhalten einiger westlicher Nationen eben nicht viel mit Demokratie oder Christlichkeit zu tun hatte/hat.

@Mayaguez_75

Der Zusammenhang zwischen Kommunismus, heutigen Linken und Roter Khmer erschliesst sich mir nicht.

Ist doch kein Wunder

Gleichmacherei funktioniert auf Dauer nur wenn man alles "aussondert" was nicht auf Linie ist.

Deswegen gibt es auch keinen einzigen sozialistischen staat auf dieser Welt, sondern nur Diktaturen, die wie z.B Nordkorea zujm Teil schon faschistische Strukturen haben.

Auch wenn es im Warschauer Pakt keine Massenmorde gab, so waren es trotzdem Diktaturen mit massivst Korrupten Führungsriegen die Ihre eigenen Länder Jahrzentelang gegen die Wand fahren liessen.

Die Leute können auf den Westen spucken wie sie wollen, diese Dystopien kann sich niemand der einem klaren Verstand unterliegt wünschen.

kommunismus

Das Label Kommunismus trifft im Fall Kambodscha kaum - es wird meist im Zusammenhang mit alten Abrechnungen gegenüber den hiesigen 68ger verwendet.

Man vergisst schnell, dass es das "kommunistische" Vietnam war, die die Roten Khmer zurückgedrängt haben. Als Reaktion darauf wurden die Khmer Rouge vom Westen unterstützt, auch mit deutschen Waffen (siehe Wikipedia). Ebenso wurde ihnen der Sitz in der Uno weiter zugestanden.

Wenn man über die Wurzeln dieser Tragödie nachdenken will, kommt man einerseits mit den Begriffen Nationalismus (alle Khmer Rouge waren/sind glühende Nationalisten) und einer "maoistischen" Autarkie weiter. Das als antiimperialistischer Impuls, weniger als "kommunistisches" Ziel.

Wenn man sich einen aufschlussreichen Film zum Thema anschauen will, dann unbedingt:
Enemies of the People, von 2009, ua. gedreht von einem Khmer: Thet Sambath. Am Ende steht ein aufschlussreiches Interview mit dem jetzt verurteilten Bruder Nr 2, Nuon Chea, kurz vor seiner Verhaftung.

Was für Kommunisten?

Die Roten Khmer waren soweit Kommunisten, wie die krude Davidianer-Sekte von Waco (Texas) Christen waren:
sie hatten da mal was läuten gehört und glaubten das für sich adaptieren zu können, am Ende pervertierten sie die ursprüngliche Idee und scheiterten auf ganzer Linie.

Speziell die Roten Khmer wurden als ursprünglich maoistisch-nationalistische Guerillabewegung durch den über alle Maßen brutalen Krieg der USA erst erfolgreich und später durch vietnamesische Kommunisten gestürzt und vertrieben - ein Fakt, der gerne unter den Tisch fällt.
Genauso wie die Tatsache, daß sie zeitweise aus taktischen Gründen die Unterstützung der USA und anderer westlicher Länder genossen...

Das Netz ist voller Informationen, warum werden sie nicht genutzt?

Unterstützer der RotenKhmer in Deutschland

Ich kann mich noch gut daran erinnern, daß es zu der Zeit, als in Kambodscha die Roten Khmer wüteten, hier bei uns in Deutschland viele Unterstützer dieser Herrschaft gab. Die organisierten sich zum Beispiel in sogenannten Kampuschea-Komitees und waren ansonsten Mitglieder oder Sympatisanten maoistischer K-Gruppen, wie KPD-AO, KBW, etc. Auf Kommunisten, die Stalin kritisch gegenüber standen, schauten sie mit Verachtung und nannten sie Revisionisten, was wohl so viel wie Weicheier bedeuten sollte.
Und wo sind diese Leute heute?
Fast ausnahmslos bei den Grünen. Heute unterstützen sie Gauck und denunzieren alles Linke als stalinistisch.
Schaut Euch doch Antje Vollmer oder Ralf Fücks, den Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung an. (Böll kann nichts dafür.)
Ich kenne keinen von den damaligen Unterstützern der Roten Khmer, der heute ehrlich zu dem steht, was er früher gemachthat.

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