Experte zur Lage der Unis: Geld ist da, aber nicht für die Lehre

21. Mai 2014 - 16:56 Uhr

In der Forschung geht es in Deutschland bergauf. Doch das könnte sich bald ändern, denn den Hochschulen fehlt es an Geld. Hier müssten sich Bund und Länder endlich bewegen, fordert Wolfgang Marquardt vom Wissenschaftsrat im Gespräch mit tagesschau.de.

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Kommentare

... wird nur kurzfristig gedacht und auf Bildung, also auf die Situation der Zukunft, nicht viel Wert gelegt. Als Beispiel die Verteilung der Studienzuschüsse an der FAU (Erlangen): Das meiste Geld geht allein schon für die Finanzierung der Übungen drauf, weil vorne und hinten das Geld feht. Für alles weitere, wie Druckkontingent, bleibt nichts übrig. Und an der Philosophischen Fakultät fällt einem im wahrsten Sinne des Wortes die Decke auf den Kopf, das Gebäude ist mehr als nur sanierungsbedürftig.

Wann hört man endlich auf Geld für solchen Plunder wie die Elbphilharmonie auszugeben und fördert stattdessen das aller wichtigste, die Ausbildung der nächsten Generation - durch Bildung?

Dazu verweise ich lapidar auf die www.nachdenkseiten.de Rubrik Hochschulen & Wissenschaft vom 17.02.2014 und 19.05.20147 beide von Wolfgang Lieb.
Thema: Gehaltsteigerung von 70% bzw eine Steigerung um vier bis fünf Besoldungsgruppen.
Lesen bildet in diesem Fall wirklich - und lässt fassungslos staunen.

Geld ist da, aber nicht dort, wo es hingehört. Das ist in Deutschland doch völlig normal. Darum geht es ja in Deutschland laut bestimmter Medien und Regierung bergauf: Nämlich immer langsamer...

Ich bin wirklich erstaunt. Dort steht dass z.B. der Rektor der RWTH Aachen magere 150000 Euro Brutto Jahresgehalt hat. Dabei trägt er die Verantwortung über mehr als 45.000 Menschen (Studenten + Mitarbeiter).
Man überlege was ein Manager eines entsprechenden DAX Unternehmens verdienen würde.

Unis werden heutzutage von riesigen Verwaltungsabteilungen einfach zutode verwaltet. Da werden den Fakultäten vom Controlling künstlich bürokratische Hürden für Umbaumaßnahmen, Instandsetzungen, Renovierungen, Modernisierungen u. Beschaffung in den Weg gelegt, dass es schlimmer nicht mehr geht. Wenn der Verwaltungsaufwand für eine Material-Bestellung über 1000 Euro, für Suche, Begründung, Bewilligung, Eingabe ins SAP-System und schlussendlich die Auslösung einer solchen Bestellung standardmäßig 15h Arbeitszeit in Anspruch nimmt, dann kostet nur der Verwaltungsaufwand für einen solchen Vorgang, gemessen am Brutto-Stundenlohn mal 1000 Euro u. mehr - was für eine Verschwendung. Oder dass das Streichen eines Büros mit 20 qm Fläche uniintern 3000 Euro kostet, aber eine Poliklinik, welche Patienten versorgt, Studenten ausbildet u. Forschung betreiben soll im Jahr lediglich 5000 Euro an Investmitteln u. drei Arztstellen hat...grotesk. "Unis brauchen weniger Verwaltung u. mehr Inovation"

Das ist doch schon seit Jahrzehnten so, dass für FESTANGESTELLTE kein Geld mehr da ist. Das höchste der Gefühle sind Zeitverträge, aber für die gibt es ein Limit von 7 Jahren ... und dann darf man so nicht mehr angestellt werden.

Das ist eines der Beispiele, wo Deutschland "von der Substanz lebt", die wir uns in den 60ern und 70ern aufgebaut haben ... und langsam kaputtgespart wird.

Die Unis/der Staat sollten sich mal wieder auf die eigentliche Funktion der Universität besinnen: Grundlagenforschung und Lehre. Die Forschung wird, wie beschrieben, in den letzten Jahren besser gefördert. Zwar kein Anlass für Freudentänze, aber sonst wird in der Bildung ja immer gespart, weil es erst einmal so unauffällig für einen Großteil der Bevölkerung ist.
Die Lehre wird allerdings kläglich vernachlässigt. Ich verstehe nicht, wie Politiker so dumm sein können, eine höhere Abiturienten- und Uniabsolventen-Quote zu fordern, ohne die damit einhergehenden Kosten zu verbinden. Man hat früher immer angegeben, was ein Studienplatz den Staat bis zum Abschluss kostet, um darauf hinzuweisen, wie teuer Studienabbrecher (und Langzeitstudierende) den Staat kommen. Wenn nun aber doppelt so viele Leute studieren, steigen die Kosten nicht? Bei einer Vorlesung mag es zutreffen, bei einem Seminar (eigentlich) aufgrund der Größenbegrenzung nicht. Einziger Ausweg: Betreuungsqualität senken.

...und ich glaube, dass sich da auch die Abschaffung der Studiengebühren rächt. Es war von Anfang an klar, dass die fehlende Summe doch niemals vom Staat aufgefangen werden kann oder wird. Möglicherweise mag das an anderen Unis oder in anderen Fachbereichen anders sein, aber beispielweise in Bochum hatte sich damals mit den Studiengebühren die Qualität der Lehre in der Biologie stark erhöht! Neue, moderne Geräte (sowohl für die Labore, als auch für die Seminarräume), Geld für mehr Tutoren und weitere Angebote...
Natürlich ist freie Bildung für alle eine schöne Idee, aber wenn man die höchste Qualität will, sollte es einem auch etwas wert sein. Man muss sich mal überlegen was an Geld bei einer Auslastung von 160% reinkäme und welche Möglichkeiten die Uni dann hätte diesen Leuten ein gescheites Studium zu ermöglichen! Jetzt sind die Unis vollkommen überfordert...auch nicht schön.

Ja, mit diesem Slogan warben SPD und Grüne vor der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg um studentische Wählerstimmen. Mit Erfolg, versprachen sie doch die Abschaffung der Studiengebühren. Jetzt darf wieder die Sprechstundenhilfe das Medizinstudium für den Sohn ihres Arbeitgebers stärker mitfinanzieren. Gerecht, wenn der Student (und später i.d.R. besser Verdienende) keinen Eigenbeitrag leistet? Welcher Handwerksgeselle wünschte sich nicht auch eine völlig staatlich finanzierte Höherqualifikation!
Wieder mal SPD-Populismus pur, dessen Folgen man jetzt unschwer erkennt: die Unis sind unterfinanziert wie noch nie. Pro Jahr fehlt ein 2-stelliger Millionenbetrag.
Aber wenns um Wählerstimmen geht, waren Kretschmann und Schmid noch nie besonders zimperlich. Und versprechen konnte man den Unis ja viel. Aber nichts davon halten.
Nach Hilfe vom Bund plärren und auf eigene Einnahmen verzichten, das ist typisch. Und sehr billig.

"Es war von Anfang an klar, dass die fehlende Summe doch niemals vom Staat aufgefangen werden kann oder wird." (@Bedi)

Was genau? Es ist durchaus ein Unterschied ob der Staat für die Kosten nicht aufkommen kann - da ihm die finanziellen Mittel fehlen - oder nicht aufkommen will, da er die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung stellen mag, ggf. um den Bundeshaushalt nicht zu belasten. Bei der Abschaffung der Studiengebühren wurde bedacht wie die mangelnden Einnahmen ausgeglichen werden können, nämlich indem Bund und Länder das Kooperationsverbot endlich aufheben, sodass der Bund bei der Finanzierung der Bildung eingreifen kann.

Wenn die Politik dies nicht geregelt bekommt, dann wäre es unvernünftig die Lasten auf die Studierenden umzulegen; der Bund hat die finanziellen Möglichkeiten und wenn diese nicht genutzt werden, dann ist es Unwille oder Unvermögen, dass mitspielt. Für beides sollten Studierende nicht aufkommen sollen. Bildung ist etwas "wert"; man zahlt immerhin Steuern.

"Jetzt darf wieder die Sprechstundenhilfe das Medizinstudium für den Sohn ihres Arbeitgebers stärker mitfinanzieren."
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das argument ist echt sinnig. hätte die mutter der sprechstundenhilfe dem jetzigen chef ihrer tochter das studium nicht mitfinanziert, dann wäre diese jetzt arbeitslos....
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ebenso die ganzen facharbeiter: gäbe es keine ingenieure, danke, arbeitslos....

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und so weiter....

Die Bildung und alle damit verbundenen Kosten sollten grundsätzlich vom Bund finanziert werden, damit unsere zukünftige geistige Elite nicht in sanierungsbedürftigen Räumen unterrichtet werden. Das unsere Hochschulen zu über 100% ausgelastet sind was die Studierenden betrifft, macht wenig Sinn, wenn dadurch ein Dozent es mit bis zu 70 Studenten zu tun hat, statt wie im internationalen Vergleich wo es nur 20 im Durchschnitt sind.
Deswegen solllte auch der Numerus clausus ( beschränkte Zulassung zum Studium ) eingeführt werden damit der Unterricht durch eine geringere Teilnehmerzahl auch individueller gastaltet
werden kann und damit auch eine höhere Qualität hat. Denn Deutschland verfügt über keine großartigen Rohstoffe und deshalb ist das Wissen und die Forschung unser größtes Kapital von der unsere Wirtschaftskraft abhängt!

Ich habe zu einem hohen Betreuungsverhältnis eine gespaltene Meinung. Ein Studium ist kein Kindergarten oder keine Schule, der Student soll eine gewisse Selbstständigkeit erlangen. Auch ist nicht das Verhältnis Professor/Student entscheidend, sondern wie viele Tutorien es gibt. Ein wesentlicher Punkt ist dass es wieder möglich gemacht werden muss, dass die Bearbeitung der Übungsblätter in die Endnote einfliesst. Was nutzen viele Betreuer, wenn keine Aufgaben selbst gerechnet werden? Wichtig ist auch, dass Unipraktika gut ausgerüstet sind für Experimente und dergleichen.

Sind wir zufällig an der gleichen Universität beschäftigt? - Oder hat SAP "im Rahmen der freien Marktwirtschaft" (also durch Lobby-Arbeit und vielleicht den einen oder anderen Umschlag) auch andere Universitäten usurpiert?

Es gibt gewisse gesellschaftliche Kreise, auch an den Unis, die können den Hals nicht voll genug kriegen, und bei den "Gemeinkosten", sprich Verwaltung, Angestellte etc. wird eingespart, dass sich die Balken biegen.
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Meine Tochter, Studentin, muss die meisten Dinge per Internet regeln, selbst die Einsicht einer Klausur muss sie per Internet bestellen. Personal zur Besprechung von Anträgen etc. gibt´s nicht genug. Die Klausur bekommt sie nicht zurück, meist sind auch keine Korrekturen erkennbar, nur globale Statements am Ende wie "Etwas präziser formulieren!". Das ganze ist ein pädagogischer Hohn sondergleichen. Und Leute sind Professoren, da fällt einem intelligenten Menschen nix mehr ein, wenn der/die in einer Vorlesung 300 Mal "Ähm" sagt.
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Wie gern denke ich noch an das Sekretariat der Musikhochschule, wo man jederzeit aufkreuzen und Hilfe finden konnte. Aber das ist lange her. Heute steht man schon mit 200 Leuten bei der Immatrikulation in der Schlange, alle zu 8 Uhr hinbestellt!

... mittels Lehrauftrag ausgebeutet und verschlissen!

Wie kann es sein, dass Hochsschullehrer, die unsere akademische Elite ausbilden, die Hälfte vom geforderten gesetzlichen Mindestlohn bekommen?

Geld für normale Arbeitsverhältnisse sparen sich die Unis.

Und haben dann noch die Frechheit, diejenigen, die mal den Mund aufmachen - oder auch diejenigen, die aich die ständige selbstfinanzierte Weiterbildung nicht mehr leisten können, auf die Straße setzen.

@DeHahn: MEine Frau hat gerade ihren Lehrauftrag verloren, weil sie den Unterricht noch altmodisch durchführt und eben nicht per Multiple-Choice und Internetkurs ersetzem wollte (selbstverständlich hätte sie den Internetkurs unbezahlt aufbauen müssen).

Ja, die Behauptung, dass Bildung vor dem prekären Arbeitsverhältnis schützt, ist nur eine weitere Lüge der Politik und Wirtschaft.

Die Frage ist auch, ob die damaligen Überlegungen zur Kompensation der wegfallenden Studiengebühren nur den damaligen Stand bedacht hatte oder auch den wachsenden Zustrom an Studenten in den Folgejahren. Natürlich muss man sehen wo sich die Studentenzahl, besonders nach den doppelten Jahrgängen, einpendeln wird, aber mit Studiengebühren brächten zusätzliche Studenten immerhin zusätzliches Geld mit. Ob sich die Staatsbürokratie ähnlich flexibel an die Situation anpasst ist für mich fraglich.

Ich sage nicht, dass der Staat nicht seine Möglichkeiten ausschöpfen würde, aber ich bin mir sicher, dass der Weg über die Studiengebühren der bessere war und den Unis mehr ermöglicht als der Bund.

"...und ich glaube, dass sich da auch die Abschaffung der Studiengebühren rächt. Es war von Anfang an klar, dass die fehlende Summe doch niemals vom Staat aufgefangen werden kann oder wird"

Eher das Zweite. Natürlich könnte der Staat das auffangen, wenn er denn wollte.

Knapp 600 Mio wird die Elbphilarmoni in Hamburg kosten. Würde man diese Summe in die Hamburger Uni stecken, würden wir in die Zukunft investieren und nicht irgendwelche Besserverdienenden, die Musik hören wollen bezuschussen.

Ähnliche Beispiele finden sich eigendlich in jedem Bundesland. Warum müssen eigendlich jährlich hunderttausende Steuergelder ausgegeben werden, um zum Beispiel jährlich den Rheingold in Braunschweig aufzuführen. Die Besucher dieser Veranstaltung sind ausnahmslos so genannte "Honoratioren" der Stadt. Da wird dann die Eintrittskarte mit über 160 EURO pro Nase subventioniert. Die können das doch bitte selber zahlen, wenn sie das so toll finden. Und so weiter....

Ich arbeite seit über 10 Jahren als akademischer Forscher - ich habe an Universitäten in Deutschland, USA, England und Schottland gearbeitet.

Im Vergleich zu den anderen Ländern sind die Bedingungen an deutschen Unis für akademische Forscher (die noch keine Professoren sind) vergleichsweise katastrophal. Man hat zum Teil ein riesen Lehrdeputat, muss viele administrative Aufgaben übernehmen, hat kaum eine rechtliche Vertretung (in Bayern kein "Betriebsrat" für wiss. Angestellt) etc. - und soll dann mit der internationalen Konkurrenz in der Forschung mithalten.

Kein Wunder, dass viele ins Ausland gehen. Und was bedeutet das für Deutschland? Das viele begabte und ehrgeizige Forscher, die hier für (fast) umsonst sehr gute Schul- und Unibildung genossen haben, natürlich lieber ins Ausland gehen, und Deutschland verliert dieses Potential.

Verbessert die Arbeitsbedingungen für die Wissenschaftler hier - dann profitiert Ihr auch mehr von dem Geld, das Ihr in unsere Bildung gesteckt habt.

"Natürlich ist freie Bildung für alle eine schöne Idee, aber wenn man die höchste Qualität will, sollte es einem auch etwas wert sein. "

Hierzu auch noch eine Bemerkung: Wenn Sie eine Familie haben und 2-3 Kinder und alle wollen studieren , bringt sie das an den Rand des Ruins. Schon ohne Studiengebühren.

Wenn Sie natürlich zu den Besserverdienenden gehören oder gar reich sind, können Sie das zahlen. Aber schon der normale Durchschnittsverdiener hat kaum noch eine Chance das zu wuppen. Von Geringverdienern ganz zu schweigen.

Sie zahlen ja auch ohne Studiengebühren schon bis zu 200 EURO Verwaltungsgebühren pro Semester. Hinzu kommt das Zimmer für den Nachwuchs und der Lebensunterhalt und Fahrtkosten und Lehrmittel. Da sind Sie pro Nase schon ohne Studiengebühren bei bis zu 1000 EURO pro Kind. Bei drei Kindern kann sich das auf 3000 EURO summieren. Welcher Normalverdiener kann das denn bezahlen?

Ich würde mir fast wünschen, die Ergebnisse des Bundesberichtes Forschung und Innovation wären negativ ausgefallen. Denn welches Signal sendet er denn an die Große Koalition? Das alles in Ordnung sei in der deutschen Wissenschaftslandschaft!

Dass das Gegenteil der Fall ist, ist seit mindestens zehn Jahren bekannt: Dass das Geld für den akademischen Mittelbau fehlt und demnach für ordentliche Lehre und, in Hinblick auf die Lehrenden, für eine Wissenschaftskarriere mit Perspektive. Derzeit führt der Weg dank des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes fast unvermeidlich irgendwann in die Arbeitslosigkeit - bei höchster Qualifikation.

Die Parallelen zum generellen Arbeitsmarkt sind mehr als deutlich: Solange die Wirtschaftskraft wächst, ist völlig egal, ob prekäre Arbeitsverhältnisse vorherrschen oder nicht. Es läuft doch alles super, was gibt es zu meckern?

Ich freue mich schon auf das Sich-auf-die-Schultern-Klopfen der GroKo! Weiter so!

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