Kommentare

Östliche Partner, Menschenrechte und Todesstrafe

Insgesamt finde ich den Hintergrundbericht recht gelungen, vor allem weil auf jedes Land eingegangen wird. Es hätte aber gerne auch etwas ausführlicher sein können. Da es in erster Linie um wirtschaftliche Zusammenarbeit geht, wäre für jedes Land interessant gewesen z.B. Einwohnerzahl und wirtschaftliche Kennzahlen zu nennen.

Was ich mir aber nicht verkneifen kann, ist noch etwas zu Weißrussland zu sagen: Nachdem, was wir alles von den wirklich üblen Machenschaften unserer Politik (Finanzierung von Entführung und Folter) durch den NDR erfahren haben, sollte man den Ball gaaaanz flach halten, wenn man Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern anprangert. Todesstrafe? Praktiziert der westliche 'Partner' ebenfalls. Und wie war das noch mit der Ausrüstung (u.a. Schlagstöcke) die Deutschland an die weißrussische Polizei geliefert hat?

schwachsinniges Grossmachtdenken der EU

die gesamte Osterweiterung ist ein Großmachtdenken von EU-Politikern, das an der Realität vorbei geht. Allein schon die Aufhebung der Visapflicht: wir haben uns genug Probleme damit aufgehalst, dass wir damit leichtfertig umgegangen sind.
Zudem gibt es keine wirklichen vernünftigen Grund, wieso diese Länder an die EU gebunden werden sollen.
Dieses dumme Denken ist nach dem Fall der UDSSR entstanden, als man fälschlich das mit einem Sieg des Neokapitalismus gleichsetze und westliche Wirtschaftsinteressen ob vermeintlich neuer Märkte den Osten überschwemmten, mit allen negativen Auswirkungen.
Wer diese Länder kennt, weis, dass das Denken dort - auch in der Bevölkerung - meilenweit von unserem westlichen Denken abweicht, und das wohl auch noch für mindestens zwei Generationen, vermutlich länger.

Das wird nicht einfach !

Russland will wieder stark sein und seine alten Partner lieber wieder unter seiner Fuchtel haben . Da ist die EU ein Dorn im Auge . Denn dann sind diese Länder vielleicht noch in der Nato und automatisch der alte Gegner USA . Putin ist ein ehemaliger KGB Mensch gewesen , also durch die Sowjetunion groß geworden . Und wer will da nicht wieder ein großes Land regieren . Wieder in der Welt was sein . Also werden die ehemaligen Partner unter druck gesetzt und bedroht . Denn was kann der Russe gut ,:" Drohen wie der russische Bär ! " . Für Europa und für die Welt und für die Menschen , weil sie erfahren könnten , was Demokratie bedeutet und Toleranz . Russland ist da noch weit weg !

Östliche Staaten und EU

Noch nicht einmal wir, die Gründerstaaten der EU sind zusammengewachsen ! Auch wir müssen uns oft zusammenraufen ! Denke nur an den Euro, der auch noch nicht überall offizielles Zahlungsmittel ist, denke an GB, die immer eine Extra-Wurst serviert bekommen usw. usf.
Lassen wir um himmels Willen diesen "neuen östlichen Staaten" Zeit, sich an Europa anzunähern, sich gefühlsmäßig und auch sonst heimisch zu fühlen.
Ich glaube, wenn man uns "Gründerstaaten" auch diese Zeit gegeben hätte, sich anzunähern und nicht gleich "mit dem Hammer alles übegestülpt" bekommen hätte, würden wir heute vlt. nicht so große Schwierigkeiten haben !
Zeit ist sooooo wichtig für Neuerungen !

15:26, mr_mad_man

"Nachdem, was wir alles von den wirklich üblen Machenschaften unserer Politik (Finanzierung von Entführung und Folter) durch den NDR erfahren haben, sollte man den Ball gaaaanz flach halten, wenn man Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern anprangert. Todesstrafe? Praktiziert der westliche 'Partner' ebenfalls. Und wie war das noch mit der Ausrüstung (u.a. Schlagstöcke) die Deutschland an die weißrussische Polizei geliefert hat?"

Abgesehen davon, daß mir bisher nicht bekannt war, daß der Norddeutsche Rundfunk Folter und Entführungen finanziert, ist für mich die Tatsache, daß auch "bei uns" einiges im Argen liegt, kein Grund, nicht auf eklatante Menschenrechtsverletzungen in einem Land, dessen Diktator sich ausdrücklich auf Hitler beruft, hinzuweisen.

Selbstverständlich ist es ein Skandal, daß deutsche Behörden die weißrussische Polizei ausrüsteten, und natürlich sind die Hinrichtungen in den USA nicht hinzunehmen.

Man sollte aber nicht das eine mit dem anderen relativieren.

Man sollte aber nicht das

Man sollte aber nicht das eine mit dem anderen relativieren.
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Noch schlimmer, man sollte sich nicht hinstellen als Saubermann, wenn man bis zu den Knöcheln im Dreck steckt. Das ist dann nämlich diese sogenannte Doppelzüngigkeit.

17:29, Liane8151

"Ich glaube, wenn man uns "Gründerstaaten" auch diese Zeit gegeben hätte, sich anzunähern und nicht gleich "mit dem Hammer alles übegestülpt" bekommen hätte, würden wir heute vlt. nicht so große Schwierigkeiten haben !"

Liebe Liane, wenn fast 70 Jahre nicht genügend Zeit sind, dann weiß ich es wirklich nicht. Es mag, wenn man den historischen Prozess außer acht lässt, so aussehen, als ob hier was Knall auf Fall übers Knie gebrochen wurde, aber dem ist beileibe nicht so.

Auch der Euro wurde nicht von heute auf morgen aus der Taufe gehoben, das dauerte Jahrzehnte. Selbstverständlich wurden hier Fehler gemacht, aber die führe ich auf die wirtschaftsliberale Ausrichtung der EU zurück, nicht auf einen Mangel an Zeit.

Dumm ! Nur, geht Europa schon bis zum Ural.

ohne Worte

18:29, Voronezh

"Noch schlimmer, man sollte sich nicht hinstellen als Saubermann, wenn man bis zu den Knöcheln im Dreck steckt. Das ist dann nämlich diese sogenannte Doppelzüngigkeit."

Ich stecke weder bis zu den Knöcheln im Dreck, noch stelle ich mich als Saubermann hin. Ich nehme mir aber, als Staats- und Weltbürger, das Recht heraus, unhaltbare Zustände zu kritisierten, wo ich sie sehe.

Diese Aufgabe hat auch die Presse. Und allein die Tatsache, daß die Presse in Deutschland wirkt, entbindet sie nicht von der Pflicht, auf unhaltbare Zustände hinzuweisen, und zwar ganz egal wo, und ohne den Hinweis, daß die anderen ja auch....

Die Tagesschau berichtet über Hinrichtungen in den USA, Weißrussland, Iran, Saudi-Arabien usw. wenn es anliegt. Das ist ihre Pflicht als Medium in einem Land, in dem die Pressefreiheit Verfassungsrang hat.

Ihnen ist vielleicht aufgefallen, daß es regierungsamtliche Verlautbarungen der USA oder Deutschlands zum Thema Menschenrechte in Weißrussland nicht gibt.

Die EU kämpft mit allen

Die EU kämpft mit allen Mitteln um ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss auszuweiten. Trotz wirtschaftskrise in der Währungsunion und einem Legitimationsproblem da die supranationalen Strukturen ein Demokratiedefizit aufweisen. Das beeinträchtigt jedoch nicht das Großmachtdenken. Es besteht kein ernsthaftes Interesse dieser Länder in die EU aufzunehmen. Durch ein Assoziierungsabkommen möchte man aber strategisch die Länder an die EU binden damit die von Russland initiierte Wirtschaftsunion nicht zustande kommt. Ein Kampf um Märkte und der Versuch Russland politisch und wirtschaftlich zu schwächen. Die Ex-sowjetrepubliken bemühen sich schon seit Mitte der 90er auf eine wirtschaftsunion zu einigen. Es gab viele Rückschläge aber dann hat es doch 2010 funktioniert. Seither interveniert die EU massiv um eine Kooperation dieser Länder zu verhindern.

Georgien, Armenien und Aserbaidschan in Europa?

Geografisch haben diese Länder nicht das geringste mit Europa zu tun und kulturell nur sehr eingeschränkt. Warum also assoziieren und damit eine Vollaufnahme einleiten?

Einigermaßen sinnvoll wird das erst, wenn auch die Türkei aufgenommen ist, die jetzt noch zwischen Europa und diesen Ländern liegt.

Und da sieht man doch mal wieder die USA um die Ecke lugen. Die Nato als deren verlängerter Arm in Europa, würde sich zu gern auch im Osten arrondieren. Um so besser, wenn man die finanziellen Lasten dabei den Europäern aufhalsen kann. Nicht umsonst machen die USA Europa schon seit langem mächtig Druck, die Türkei aufzunehmen.

Wir haben aber noch genug an den letzten politisch motivierten Neuzugängen zu knabbern und wollen erst mal die Baustellen Rumänisen und Bulgarien in Ordnung bringen, ehe über Erweiterungen nachgedacht werden kann.

17:42 von fathaland slim

„ist für mich die Tatsache, daß auch "bei uns" einiges im Argen liegt, kein Grund, nicht auf eklatante Menschenrechtsverletzungen in einem Land, dessen Diktator sich ausdrücklich auf Hitler beruft, hinzuweisen"

man sollte aber auch die eigenen Misstände immer im Auge haben und sich vorwiegend auf die Behebung dieser konzentrieren. Einige EU-Länder wie die baltischen Staaten honorieren faschistische organisationen und feiern die Kollaborateur des Hitlerregimes. Auf solche Misstände müssten die Medien öfters hinweisen. Vielleicht fördert es ja die allgemeine akzeptanz andere Länder ständig zu kritisieren

@fathaland slim

...."wenn fast 70 Jahre nicht genügend Zeit sind, dann weiß ich es wirklich nicht."
Nicht böse sein, aber 70 Jahre sind wirklich nur ein kleiner Punkt in der Geschichte Europas !
Wenn man bedenkt, dass Europa aus ganz vielen Völkern und Staaten mit teilweise ganz anderen Geschichten und Mentalitäten, ganz zu schweigen, von den verschiedenen Sprachen, besteht, können wir wirklich nicht erwarten, in 70 Jahren zusammen gewachsen zu sein !
Dazu gehören viel mehr Zeit und Geduld !
Bedenken Sie bitte auch, das Nord- und Süd-USA auch heute noch miteinander Schwierigkeiten haben, obwohl sie zumindest eine gleiche Sprache haben.
Also : Europa ist eine wunderbare Idee, aber sie ist noch lange nicht zu Ende gedacht !
Deshalb müssten wir für uns und auch für neue Staaten viel mehr Zeit haben, um zusammen zu wachsen !

17:24 von cotche Das wird nicht einfach !

Die EU möchte immer stärker werden und die schwache position der östlichen Länder ausnutzen. Da ist Russland ein Dorn im Auge. Denn wenn dieser Länder sich der östlichen wirtschaftsunion anschlißen werden sie zum Gegnern der EU und USA. Barosso als alter Kapitalist möchte seine Macht ausweiten, seine Weltgeltugnsanspruch bekräftigen. Also werden die auserwählten potenziellen partner unter Druck gesetzt, wie die Ukraine wo man eine rechtskräftig verurteilte Verbrecherin befreien möchte als vorbedingung zur partnerschaft. Und was können die Europäer gut? Länder zur kapitalistischen Vasallen mittels ökonomischer Abhängigkeit machen.
Ein Perspektivenwechsel um auf den populismus hizuweisen mancher Autoren

20:07, john777777

" Einige EU-Länder wie die baltischen Staaten honorieren faschistische organisationen und feiern die Kollaborateur des Hitlerregimes. Auf solche Misstände müssten die Medien öfters hinweisen."

Das tun sie, ansonsten wüssten wir es ja nicht. Außerdem haben Sie Ungarn vergessen. Und den NSU in Deutschland. Und und und. Finden Sie alles in unseren Medien.

Aber ständig finden sich Leute, denen die Berichterstattung über eins dieser Themen nicht passt, und da wird dann immer gern auf andere gezeigt, um dieses Thema, das gerade nicht passt, zu relativieren.

20:19, Liane8151

Liebe Liane, der Vergleich mit den USA greift nun wirklich nicht. Erstens haben die Nord- und Südstaaten keine Schwierigkeiten mehr miteinander, und zweitens gab es in den USA mal einen Bürgerkrieg, aus dem zahlreiche Animositäten entstanden. Bis dahin war alles easy, aber so ein Krieg, auch wenn er nur 6 Jahre dauerte, macht viel kaputt. da können alle Europäer ein Lied von singen.

Außerdem würde ich Ihnen empfehlen, sich mit europäischen Herrscherdynastien zu beschäftigen. Die Nationalstaaten, wie wir sie heute kennen, sind eine relativ junge Erfindung.

Am russischen Hof wurde französisch gesprochen, am preußischen auch, und Holland und Spanien waren mal ein Land.

Das sind nur ein paar Beispiele, die mir einfielen, während ich das hier schrieb.....

Das mit den anderen Mentalitäten ist auch so ein Ding. Ich bin mit 12 Jahren von Solingen nach Niedersachsen gezogen, das war schon heftig. Da wo ich herkam wurde gern geredet, in meiner neuen Heimat galt ich als Laberkopp.

@ Liane8151

Ich verstehe Ihre Meinung, die Langfristigkeit des Zusammenwachsens betreffend. Aber wenn man Prozessen, die länger als eine Generation dauern immer wieder eine Wartefrist gibt, kann man ja nie anfangen, weil eben immer noch etwas nicht ganz ausgereift ist.

Sie sagen, die europäischen Staaten sind sich noch nicht nahe genug gekommen. Dann bringen Sie als Beispiel die USA, die Ihrer Meinung nach auch noch immer "gespalten" ist. Nach Ihrer Theorie müsste das ja jetzt heißen, dass es für Nordamerika besser wäre, 94 einzelne Staaten zu haben, statt drei Bundesstaaten (Kanada, USA, Mexiko).

Als Bürger Kaliforniens kann ich bestätigen, dass zwischen den Staaten der USA gewaltige Unterschiede bestehen (es gibt einige Staaten, in denen ich nicht tot übern Zaun hängen möchte).

Aber gerade diese Vielfalt ist es, die uns als Nation prägt. Auf unserem Wappen steht "e pluribus unum" - Aus Vielen Eins geworden.

Schade, dass Europa das nicht begreift.

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