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Humankapitalvernutzung à la Billiglohnland

Dass beim Einsturz eines Fabrikgebäudes im Billiglohnland Bangladesch mindestens 413 Lohnabhängige getötet und mehr als 2400 verletzt worden sind, hat seinen Grund in der Logik der dort herrschenden freien Marktwirtschaft.
Da dortige Unternehmer auf dem Weltmarkt Textilwaren gewinnbringend verkaufen wollen, minimieren sie ihre Produktionskosten, indem sie Näherinnen und Näher für einen Hungerlohn in maroden Sweatshops Waren produzieren lassen. Die Lohnabhängigen sind gezwungen, diese lebensbedrohende Lohnarbeit zu verrichten, weil sie sonst ihren Lebensunterhalt nicht bezahlen könnten.
Die Empörung der Lohnabhängigen über die Profit heckenden Fabrikbesitzer lässt vermuten, dass Bangladeschs Lohnabhängige sich organisiert dagegen wehren werden, als betriebswirtschaftliches "Humankapital" vernutzt zu werden, um die Unternehmerkassen in Bangladesch und andernorts zu füllen.

"Ich will mein T-Shirt für 1,99€

bei KiK kaufen! Da kann ich keine Rücksicht auf Textilarbeiter in Bangladesch, Indien oder Pakistan nehmen."

Solange sich an dieser Mentalität bei uns nichts ändert, kann die EU beklagen solange sie will.

Vielleicht haben es die hohen Herren und Damen bei der EU noch nicht verstanden, aber esgeht hier einzig und allein um PROFIT.
Und wenn es um Profit geht, interessieren weder die Arbeitsbedingungen in Asien noch gesetzliche Mindestlöhne in Deutschland.

Ich habe noch nie irgendetwas bei Kik, Takko u.s.w. gekauft. Mir sind Modetrends aber auch egal. Wenn ich Kleidung kaufe, darf sie ruhig etwas mehr kosten, muss aber auch lange halten.

Handeln müssen vor allem die Konsumenten

Wieder ein Unfall in Bangladesch, bei dem die Menschen dort die westliche Konsumgier mit dem Leben bezahlen. Warum aber fordert die EU ausgerechnet die Regierung in Bangladesch zum Handeln auf und nicht die eigenen Buerger? Bangladesch und die dortigen Firmen sind nur Getriebene eines Konsumverhaltens von Leuten, die sich zu jeder Saison in Billig-Laeden wie H&M oder Zara komplett neu einkleiden zu muessen glauben, um einem sinnlosen Modeverstaendnis hinterherzuhecheln.
Zunaechst einmal muessten die Labels, welche in der eingestuerzten Fabrik haben fertigen lassen, oeffentlich gemacht werden. Dann sollte eine Kennzeichnungspflicht fuer die Kleidungsstuecke eingefuehrt werden, die dem Konsumenten eine fundierte Kaufentscheidung ermoeglicht, am besten ein einfaches Ampelsystem. Und die Alternativen sollten mehr Oeffentlichkeit bekommen, wie z.B. Hess Natur und aehnlich ethisch eingestellte Marken. Das Bewusstsein der Konsumenten wird sich nicht schnell genug ändern.

Edelwarenproduktion?

Gehe ich recht in der Annahme, dass auch die teuren Textilwaren - etwa die von Benetton - von Näherinnen und Nähern im Billiglohnland Bangladesch produziert werden, wo das so genannte Humankapital für einen Hungerlohn in maroden Sweatshops sich vernutzen lassen muss, um die Unternehmerkassen in Bangladesch und anderswo zum Klingeln zu bringen?

Die EU und damit wir alle...

... fordern "Dhaka" zum Handeln auf. Wie schön, da werden sich die die dort unter unwürdigsten Bedingungen schufften damit wir von Jahr zu Jahr in immer mehr Überfluss leben können sicher ein großes Loch in den oft hungrigen Bauch freuen.

Wie wäre es, wenn wir, wenn die EU, mal selbst handeln würde, und zwar nach konsequent wie sie es machen würde wenn es um originär europäische Interessen ginge und nicht um Leben oder Tod von ein paar abhängig beschäftigten Hunderleidern am anderen Ende der Welt?
Wenn unsere eigenen Interessen betroffen sind dann ist die EU schnell mit Einführbestimmungen, Standards und Normen, Deklarationspflichten und Allerlei mehr zu Hand was eben diese Interessen (meist weniger die der Bürger und mehr die der großen Unternehmen) schützt.
Wie wäre es mit Deklarationspflichten für Textilien, mit einem großen Label dem man entnehmen kann zu welchem Hungerlohn ein Kleidungsstück produziert wurde? Blöde Idee, ich weiß, denn dann kauft ja keiner mehr das Billigzeug.

Billig, oder einfach nur gierig?

Zitat: "Der italienische Konzern Benetton bestätigte eine "einmalige Bestellung".
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Gehören die jetzt zu den Billig-Klamotten?
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Gruß, zopf.

Was für ein Hohn ! Die EU macht sich sorgen....

In der Öffentlichkeit macht sich die EU Sorgen über die Arbeitsbedingungen und im Hinterzimmer sorgen Sie selber für solche Arbeitsbedingungen in der EU !
Nein ich gehöre nicht zur AfD, das vorab.
Aber seit wir den Euro eingeführt haben sind die Arbeitsbedingungen in Deutschland immer schlechter geworden genauso wie der Schutz des Arbeitnehmers.
Es ist traurig was in Bangladesh unter staatlicher Aufsicht passieren konnte, aber hier in Deutschland wird auch auf solche Arbeitsbedingungen hin gearbeitet. Das merkt man vor allem daran das der Arbeitnehmerschutz immer weicher wird und die Mindestlöhne nicht wirklich verabschiedet werden. Aber der Schutz des Arbeitgebers wird immer weiter erhöht und die Hürden für Firmengründer auch.

Es ist halt ein zweischneidiges Messer, wenn man andere Länder kritisiert, sich aber selber insgeheim solche Zustände wünscht, damit man die Massen leichter kontrollieren kann.

Die Zeit naht

in denen es hier bei uns auch so aussieht.
Die Anfänge sind ja mit den Minilöhnen ja gemacht - leider!

@ mw2010

"Warum aber fordert die EU ausgerechnet die Regierung in Bangladesch zum Handeln auf und nicht die eigenen Buerger? "

Weil genau die dortige Regierung für die gesetzlichen Rahmenbedingungen verantwortlich ist.

"Bangladesch und die dortigen Firmen sind nur Getriebene eines Konsumverhaltens von Leuten, die sich zu jeder Saison in Billig-Laeden wie H&M oder Zara komplett neu einkleiden zu muessen glauben, um einem sinnlosen Modeverstaendnis hinterherzuhecheln."

Das ist einzig und alleine eine Sache zwischen dem Verkäufer hier in Deutschland und den Produzenten dort in Bangladesch. Getrieben werden diese Unternehmen nur von ihrer eigenen Gewinnmaximierung. Der Verbraucher hat damit absolut nichts zu tun.

@ GeMe

""Ich will mein T-Shirt für 1,99€ bei KiK kaufen! Da kann ich keine Rücksicht auf Textilarbeiter in Bangladesch, Indien oder Pakistan nehmen."

Das sehe ich nicht so. Der Verbraucher entscheidet nicht über die Höhe des Preises und auch nicht über die Höhe des Lohnes in der Produktion.

Würden Sie etwa nackt rumlaufen nur weil Sie kein T-Shirt mehr für 1,99 Euro bekommen? Wahrscheinlich nicht. Wenn es also keine T-Shirts mehr für 1,99 Euro gibt kauft man sie halt für 3, 4 oder 5 Euro.

Es muss endlich ...

... auch hierfür eine Kennzeichnung her!

Solange der Verbraucher nämlich direkt beim Kauf nichtan die Sklavenarbeit erinnert wird, kauft er/sie eben billig.

Die Werbung lullt den Verbraucher komplett ein.

Der Staat muss hier eindeutig vorlegen.

Und nicht nur bei T-Shirts aus Bangladesh - überall, wo der Verbraucher belogen wird, Arbeitskräfte ausgebeutet werden, muss es strenge Regeln, Kontrolle und Verbrauchertransparenz geben.

Aber da unser gesamtes Wirtschaftssystem auf Lug und Trug und Ausbeutung beruht, wird es so etwas vorerst nicht geben.

Die Verbraucher sind Schuld?

Davon bin ich nicht überzeugt. Im Gegenteil! Jeder kauft so, dass er sein persönlichen Kosten-nutzen-Verhältnis findet. Das würde er auch, wenn die Preise höher wären. Wer sagt schon: "na gut, wenn das T-Short mehr als 2€ kostet, gehe ich eben nackt"? Das ist Unsinn.
Es ist auch nicht gerade sozial, nicht die Waren aus solchen Herkunftsländern zu kaufen. Uns träfe es am wenigsten, die paar € mehr für Waren aus anderen Ländern würde uns nicht oder kaum weh tun. Aber der Markt funktioniert anders. Wenn nicht mehr aus einem Land gekauft wird, wird dort ganz schnell die Produktion eingestellt, also gar keine Löhne mehr gezahlt. Kurz wer wäre der Betroffene?
Eine Lösung des Problems ist also wo anders zu suchen... !

Kennzeichnungspflicht

Fänd ich ja auch gut.
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Ich wäre auch bereit mehr für Kleidung zu bezahlen, wenn die Qualität stimmt und ich wüßte, daß die Arbeiter unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten und gerecht entlohnt würden.
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Nur, wer wird das kontrollieren?
Welches Unternehmen wird als erstes betrügen?
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Gruß, ein ziemlich desillusionierter zopf.

@zopf: Das Problem von Kontrolle und möglichem Betrug...

...gibt es doch immer und überall.

Die einfache Lösung ist die eines hohen Kontrolldrucks und empfindlicher Strafen.

Wer als Unternehmer mit Betrug Millionen "verdienen" kann und im Fall des Erwischt-werdens nur Strafen zu "fürchten" hat die locker aus der Portokasse gezahlt werden können wird sicher häufig versucht sein zu betrügen.
Geht eine Strafe aber beispielsweise deutlich über den durch den Betrug entstandenen Schaden hinaus und sind die Verantwortlichen im Zweifel persönlich haftbar, dann fällt die Versuchung schon merklich geringer aus.

Und den Kontrolldruck könnte man erhöhen, indem man auch die nachgelagert erzielten Gewinne mit abschöpft. Betrügt der Produzent, dann müssten auch alle Zwischenhändler und der Endverkäufer ihre auf Basis dieses Betrugs erzielten Gewinne abgeben, vorzugsweise an die die um gerechten Lohn und akzeptable Arbeitsbedingungen betrogen wurden.

Wie genau H&M, C&A oder Benetton wohl hingucken würden, wenn der eigene Gewinn davon abhinge?

Klar, boykottieren --

das ist immer die erste Reaktion in den Foren.
Und vor allem werden die Billig-Läden angeklagt. Natürlich sind sie diejenigen, die die meiste Ware aus diesen Ländern zum kleinsten Preis einkaufen und den natürlich dort verlangen.
Früher gab es meist ein Etikett in der Kleidung mit "Made in China" oder " in Bangladesh" in "..Vietnam" o.ä. Heute fehlt das meistens.
Wer der Illusion anhängt, Artikel teurer Marken würden unter besseren Lohnbedingungen hergestellt, irrt . Vor einiger Zeit habe ich einen dünnen Leinenschal von Tom Hilfinger zum stolzen Preis von € 85 mir angeschaut. An einem Ende versteckt ein Schildchen "Made in India". (Da hat sich eine Näherin was getraut!) Der Schal hat in Indien nicht mehr als 30-40 Cent gekostet. Was die jeweiligen Arbeiter davon gesehen haben, wird einen Bruchteil davon betragen. Nun dürfen wir raten, wo der Restbetrag geblieben ist.
Da mag jeder entscheiden, wen er boykottiert und wie.
Teuer muss nicht gut bedeuten.

@ 13:45 von jbolten

Zitat: "...gibt es doch immer und überall."
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Deshalb bezeichnete ich mich ja als desillusioniert.
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Zitat: "Geht eine Strafe aber beispielsweise deutlich über den durch den Betrug entstandenen Schaden hinaus und sind die Verantwortlichen im Zweifel persönlich haftbar, dann fällt die Versuchung schon merklich geringer aus."
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Stimmt schon, wird aber leider nicht oder nur extrem selten durchgeführt.
Im Zweifelsfall winden sich die Verantwortlichen mit dem Totschlagargument "Arbeitsplätze" heraus und schon kippen unsere Politiker um.
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Naja, bei allem Geunke plädiere ich aber schon für eine Kennzeichnungspflicht und sowas wie ein Fair-Labour-Label.
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Gruß, zopf.

Wir sind alle Teil der Ausbeutung

Die Kathastrophe von Bangladesh zeigt nur einen Aspekt der Ausbeutung von armen Leuten durch die reichen Unterdrücker! Die Fabrikbesitzer müssen unbedingt bestraft werden, aber wer bestraft die Menschen, die diese Fabrikbesitzer reich machten und machen? Wer bestraft die Politiker, die selbst bei uns einen Mindestlohn verhindern, und die Aufstocker in die KIK oder andere Billigst-Geiz ist Geil Discounter treiben, und wer bestraft die Markenhersteller deren Produkte auch durch die Ausbeutung der ärmsten Menschen dieser Welt auf unsere Märkte kommen und für nichts als Gewinnmaximierung der Textilimporteure gut sind?
Wer kauft seine Kleidung in Fair-Trade Läden? Wer kann es sich leisten? Und wer könnte es sich leisten, und jagt trotzdem Schnäppchen. Jetzt lockt die Frau ohne Kinn mit erneuten Anreizen, wenn die Ausbeuter doch bitte ein paar Standards einhalten, damit die Gebäude der Sklavenfabriken nicht immer gleich einstürzen. Wie verlogen ist das denn?

"Die einfache Lösung ist die

"Die einfache Lösung ist die eines hohen Kontrolldrucks und empfindlicher Strafen. "

Na dann führen Sie doch mal beides z.B. in Bangladesch ein !

Eine einfache Lösung gibt es eben einfach nicht. Billige Textilien nicht zu kaufen ist leider auch keine.

Europa und USA gegen höhere Arbeitssicherheit in China

Die Europäer und Amerikaner mögen guten Arbeitnehmerschutz z.B. in China nicht wirklich. Obwohl strenge Arbeitsschutzvorschriften in China oft nur auf dem Papier stehen und darum von Unternehmen mit guten "Beziehungen" zu den Funktionären dieses Staates leicht umgangen werden können, bekämpften die Amerikanische und die Europäische Handelskammer im Jahr 2006 Pläne der chinesischen Regierung zur Verbesserung des Arbeitnehmerschutzes in China.

Quelle: China Labour Bulletin im Research Report “Going it Alone – The Workers’ Movement in China (2007-2008)”

@jbolten, 13:45 - Realitätstauglich?

Gehe ich recht in der Annahme, dass Bangladeschs Staatsapparat die dortigen Textilwarenunternehmer schärfer kontrollieren soll, sodass deren lohnabhängigenfeindlich minimierten Produktionskosten durch höhere Ausgaben für Arbeitsschutzmaßnahmen und Löhne steigen?

Gehe ich also recht in der Annahme, dass der Staatsapparat dafür sorgen soll, dass die Textilwarenunternehmer Bangladeschs auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig sind, obgleich er an deren betriebswirtschaftlicher Geldvermehrung, die für Lohnabhängige mitunter tödlich ist, in Form von Steuereinnahmen partizipiert?

Oder könnte es sein, dass die lohnabhängigen Näherinnen und Näher im Billiglohnland Bangladesch sich organisiert dagegen wehren müssen, als billiges "Humankapital" in maroden Sweatshops vernutzt zu werden, um Unternehmergewinne zu generieren?

@China

Ich versuche eher "Made in China" wann immer es möglich ist NICHT zu kaufen. Und da bin ich nicht der einzige.

Wer die dortigen Arbeitsbedingungen kennt, kann die dortigen Begebenheiten nicht unterstützen.

Daher: Kauft "Made in Europe" ;)

ist Bangladesch nicht selber Schuld, dass sie

überhaupt solche Arbeitsbedingungen zulassen! Man kann es ja nicht immer einseitig betrachten und muss es auch Vorort sehen, dass die korrupte Regierung nichts dafür unternehmen möchte! Aber selbst die einfachen Menschen diese Bedingungen einfach akzeptieren.

Ja klar, ich finde es ja gut, dass EU jetzt wegen den Arbeitsbedingungen Druck macht und für etwas bessere Arbeitsbedingungen sorgt! Aber wenn die Arbeitnehmer in Bangladesch nicht energischer für ihre eigene gute Arbeitsbedingungen klagen, muss man sich nicht wundern, dass sich die Lage dann nicht verbessern wird!

Man sollte die Spreu vom Weizen trennen

Es gibt hart arbeitende Unternehmer und es gibt Kriminelle. Die Unternehmer erkennt man daran, dass bei ihnen alle Bedingungen korrekt erfüllt sind, vor allem die Bezahlung der Arbeitskräfte. Wer aber Menschen, vor allem Frauen und Kinder für Hungerlöhne 7 Tage die Woche 12-14 Stunden am Tag arbeiten lässt (Bericht über Textilarbeit in dieser Gegend), ist kein Unternehmer, sondern ein Krimineller. Man muss nur entsprechende Richtlinien festlegen und polizeilich hart durchgreifen. Ganz einfach! Das ist auch im Interesse des Staates, denn Gewinne werden beiseite geschafft, Lohn wird im Land konsumiert. Ganz einfach.

@ 17:05 von Anonym187

Die Menschen in der dritten Welt haben meist nur eine Wahlmöglichkeit:
Mach den Job, oder hungere.
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Wer sich beschwert, fliegt raus.
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Gruß, zopf.

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