Kommentare

nicht die Ausbildung sondern der Beruf ist das Problem

Ich bin einer der angesprochenen Medizinstudenten.
(In dem Rahmen darf mein Nutzername gerne sarkastisch aufgefasst werden)

Und ich kann sagen, dass zumindest in Düsseldorf nicht zu wenig in Richtung Allgemeinmedizin ausgebildet wird.

Im Gegenteil. Im Unterricht der eher spezialisierten Fachrichtungen kriegt man teilweise totales wischi-waschi Beigebracht mit dem Verweis darauf, dass wir ja alle politisch bedingt zu Hausärzten gemacht werden sollen. Im Examen bringts nichts, denn da werden auch die nächsten 20 Jahre noch nur "Kolibris" gefragt, die man als Hausarzt nicht sieht, und auch nicht diagnostizieren können muss!

Im Allgemeinmedizin Unterricht hingegen kriegt man mit, dass man intellektuell nicht gefordert wird und die "spannenden" Fälle an den Facharzt überweisen muss. Außerdem ist die Arbeitssituation und Aufstiegschancen schlecht.

Den Studenten kann man auch noch 10 Jahre gehirnwaschen. Solange der Berufsalltag sich nicht ändert, wird es weiterhin kaum jemand machen.

Das Problem ist weniger die absolute Bezahlung...

... sondern a) das Budget und b) die Regresse.
Budget bedeutet: Ich habe einen definierten Umsatz im Quartal. Wenn ich den überschreite, habe ich umsonst gearbeitet. Leider weiß ich aber erst am Ende des Quartals, wenn ich die Abrechnung mache, ob ich mein Regelleistungsvolumen (das Budget) überschritten habe. Da ist es schon zu spät, um Urlaub zu machen. Ein Jahr (!) später wird dann mein Regelleistungsvolumen um diesen Betrag erhöht, oder auch gesenkt, wenn ich weniger Umsatz gemacht habe.
Regreß bedeutet: Ich habe einen gewissen Betrag an Hilfs- und Heilmitteln sowie Medikamenten, den ich verordnen kann. Verordne ich mehr, darf ich die Differenz aus eigener Tasche bezahlen. Leider aber ist auch das eine diffuse Ziffer, die ich nicht im Blick habe. Ich erfahre also erst bis zu drei Jahre (!) später, ob ich zuviel verordnet habe und darf mich dann in einem aufwendigen Prozeß dafür rechtfertigen.
Das sind die absoluten Killer jeder Investitionsbereitschaft unter jungen Ärzten.

Hinzu kommt...

ein gewaltiges Anspruchsdenken unter den Patienten, die jede Massage, eine milbendichte Bettwäsche oder die Knieorthese ("die kostet ja 70 €! Aber ohne kann ich nicht Bergwandern gehen") selbstverständlich auf Kassenrezept erstattet haben wollen, was zu zähen und lästigen Streitereien führt und mit dem, was ich mir ursprünglich unter dem Job vorgestellt habe, nicht mehr viel zu tun hat.
Ein Kollege von mir hat im dritten Quartal (im Sommer) insgesamt 8 Kollegen vertreten, hat in dieser Zeit fast 300 Patienten in Vertretung behandelt. Damit hat er sein Budget überschritten und bekommt maximal die Hälfte dieser Fälle tatsächlich bezahlt. So will ich arbeiten!
Weg mit dem Budget weg mit den Regressen für Landärzte und sieh da, es klappt auch mit dem Doktor!

Lieber Halbgott...

... natürlich ist der Job als Hausarzt nicht mit der Spannung zu vergleichen, die in einer brummenden Notaufnahme herrscht, wo es um Leben oder Tod geht, wo Diagnostik betrieben wird, daß es kracht und die Spannung steigt, ob die Verdachtsdiagnose und die Therapie tatsächlich richtig ist. Kommt der Patient durch? Sieben Personen ringen um sein Leben.
Das passiert nun in einer Hausarztpraxis eher selten. Aber die Allgemeinmedizin hat durchaus auch ihre Vorzüge und je älter man wird (und je mehr Kinder man hat), desto weniger lockt einen der Notaufnahmen-Kick und der damit verbundene Streß.
Die eigentliche Herausforderung an der Allgemeinmedizin ist, daß man unter den 97% Pillepalle, Schnupfennasen, Kreuzschmerzen, Ehekrisen und Doc-Holidays die paar Fälle herausfischen muß, bei denen es tatsächlich ernst ist.
Und wenn man gelernt hat, Patienten zu führen und zu begleiten, dann hat das seinen Reiz und macht wirklich Spaß.

Die Situation wird schon wirklich krass...

... wenn ich in einem Krankenhaus anrufe und auf deutsch sage, daß ich eine Approbation habe, dann bin ich auch schon engagiert, wenn ich mich nicht zu heftig dagegen wehre. Letztens flatterte ein Brief ins Haus von einer psychosomatischen Klinik, in der ich vor ein paar Jahren einen Weiterbildungskurs absolviert habe. "Wollen Sie bei uns arbeiten?"
Verdiene dort tariflich ca. 1/3 mehr als als Assistenzarzt in einer Praxis und kann inzwischen durchaus meine Bedingungen mitdiktieren, z.B. nur Teilzeitarbeit oder nicht mehr als 1-2 Nachmittage. Warum soll ich da in eine Praxis wechseln?
Bei meiner letzten Praxisstelle, das ist schon ein paar Jahre her, suchten meine Chefs eine Nachfolgerin für mich (mein Weiterbildungsabschnitt war zu Ende). Nach Inserieren in drei einschlägigen Blättern kam ein Anruf: "Was ist eigentlich mit ihrer bisherigen Assistentin? Möchte die vielleicht bei uns arbeiten?"
Wenn all diese Ärzte in Rente gehen, dann ist Schicht im Schacht. Politisch gewollt?

Aus patientensicht ist das

Aus patientensicht ist das (im ländlichen Raum) zum Teil nicht mehr wirklich lustig, wenn von der kassenärztlichen Vereinigung Landkreise und kreisfreie Städte gegeneinander ausgespielt werden: Beispiel Vilsbiburg (Landkreis Landshut, Niederbayern):
Drei Ärzten im Vilsbiburger Krankenhaus wurde kurz hintereinander (und sehr knapp vor Auslaufen der Zulassung) die erneute Zulassung durch die kassenärztliche Vereinigung verweigert. Hauptgrund war (anscheinend) dass das Landshuter Krankenhaus innerhalb der zulässigen Erreichbarkeitsgrenze ist. So weit so gut. Allerdings ist der Landkreis Landshut zum Unterhalt einer entsprechenden medizinischen Mindestsicherung seiner Bewohner verpflichtet. Allerdings liegt das Krankenhaus Landshut in der kreisfreien Stadt Landshut und somit nicht im Gebiet des Landkreises. Alles sehr kurzfristig...
Quelle: http://idowa.de/lokales/artikel/2012/12/19/ein-schlag-gegen-das-krankenhaus

Landarzt? Hausarzt? Was ist das?

Wenn der Landarzt sich in der Stadt niederläßt ist er
ein Stadtarzt? Die Begrifflichkeiten sind mir ein wenig
zu banal. Dazu gehört auch AllgemeinMediziner.
Was ist allgemein?

Wenn man so anschaut wie Politik dieses Thema behandelt,
dann muss man feststellen: Allgemeinarzt ist eine/r, die/der von vielem/allem etwas weiß. Aber eben nichts richtig. Und so einer/m soll man sein Leben anvertrauen?

Allgemeinmedizinern geht es wie den Hausfrauen. Sie machen die wichtigsten Jobs hier auf dieser Erde.
Aber sie erfahren kaum Anerkennung, Respekt und Achtung.
Und schon gar keine angemessene Entlohnung für ihren
Einsatz und ihre Mühen.

Aber so sägen wir uns den Ast ab, auf dem wir eigentlich sicher sitzen wollten.

Vielleicht sollte man mal

dieses System der Abrechnung für die medizinischen Leistungen überdenken, ja gewaltig umkrempeln.
Da sitzen Sachbearbeiter, Abteilungsleiter und Geschäftsführer etc. in irgendwelchen Kr...kassen...Verein.. und schlucken den Teil unserer Gesundheitsbeiträge, die anderweitig fehlen. Da viele dieser Posten gut dotiert werden, wird sich auch wegen Lobbyarbeit nichts dran ändern. Mittlerweile melden ja auch schon Krankenhäüser Insolvenz an, wie soll man da als Hausarzt zurechtkommen?

@victoria

Natürlich gibt es auch Vorzüge dieses Facharztes. Nur ist das Kollektiv derjenigen, die dadurch angesprochen werden eher gering.
Sie sprechen ja auch die Kollegen mit Kindern an. Ich stell es mir äußerst schwer vor, ein kleines Kind großzuziehen, wenn ich in einer Allgemeinarztpraxis niedergelassen wäre. Vorausgesetzt diese liegt nicht im Zentrum Düsseldorfs wo ich in Rufweite die nächsten 5 Praxen habe.
Kinderwunsch paart sich meist mit Möglicher Teilzeitstelle...und das geht nur, wo nicht die Hütte brennt.

Ich muss auch nicht immer Action haben, deswegen zieht es mich nach dem Studium ins Labor. ...mag auch nicht unbedingt jeder, aber ich muss mich nicht mit Krankenkassen&Co Prügeln.

Haus- und Landarztprobleme

Die Probleme der Ärzteverteilung (hier: niergelassene Ärzte) sind größtenteils durch die eigene Berufsgruppe
der Ärzte selbst verschuldet. Gleiches gilt für die "angeblich schlechte" Bezahlung. Solange es sich die Ärzte gefallen lassen, von ihren Funktionären gegängelt zu werden, obwohl sie auf diese verzichten könnten, sollten sie nicht die Allgemeinheit auffordern ihre Probleme zu lösen. Und schon gar nicht sollten sie der Allgemeinheit ständig und immer höhere finanzielle Forderungen stellen. Selbst wenn einem niedergelassenen Arzt monatlich 2000,00 Euro mehr zugestanden werden, ändert sich seine Arbeitssituation nicht - im Gegenteil, er beklagt sich sechs Monate später genau aus dem selben Grund wieder. Folglich: Keine finanziellen Verbesserungen an die Ärzte.

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