Afganischer Soldat im Gespräch mit einem ISAF-Soldaten

Ihre Meinung zu Interview: "Der Afghanistan-Abzug kommt zu früh und zu spät"

Noch gut zwei Jahre, dann sollen Afghanistans Sicherheitskräfte das Kommando von den ISAF-Truppen übernehmen. Doch das Land ist noch nicht bereit für den Abzug, sagt Politologe Thomas Ruttig im Gespräch mit tagesschau.de - auch, weil der Westen in den vergangenen Jahren viel falsch gemacht hat.

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12 Kommentare

Kommentare

MyNung
Der Ansatz ist gescheitert!

"Sämtliche zivilen Aspekte [...] wurden völlig in den Hintergrund gedrängt. Diese Umdefinierung [...] war der große Fehler."

Ich nenne das ein Eingeständnis, dass der Ansatz von vorneherein zum Scheitern verurteilt war. Man kann einem Land wie Afghanistan nicht einfach ein westliches System überstülpen.

Respektiert man die Sitten und Gebräuche eines Volkes nicht, werden noch so viele Soldaten keine Stabilität zaubern können. Exzesse wie die Koranverbrennungen (tun natürlich nur wenige Soldaten) zeigen, dass da keine Grundlage für respektvolle Zusammenarbeit ist.

Gast

Der größte Fehler war, die Bundeswehr ohne ausreichende Technik nach Afghanistan zu schicken und dann noch ihre Kompetenzen zu beschneiden. Dort wo die Bundeswehr eingesetzt wurde ist inzwischen der größte Unruheherd. Es ist bereits zwei Jahre her, seitdem die Bundeswehr keine Mädchenschulen mehr sichern kann, weil sie sich wegen fehlender Technik und Kompetenz zurückziehen musste. Dagegen verwalteten die Amerikaner ihren Teil mit ausreichender Technik und umfassender Kompetenz. Im Vergleich zum Anfang ist daher der amerikanisch verwaltete Teil Afghanistans einer der friedlichsten und sichersten geworden. Dort wurde der Grundstein für einen verheißungsvollen Wideraufbau gelegt.

Gast
Eine verlorenen Sache von Beginn an...

Alle diesbezüglichen Analysen und Wertungen, die den Afghanistaneinsatz betreffen, enden in einem sowohl als auch, in einem teils zu früh und teils zu spät, in einer bezeichnenden Ambivalenz!

Die Politik wird gnadenlos von der Wirklichkeit eingeholt- der Krieg wurde mit Lug und Trug begonnen und wird ebenso beendet werden, wenn man „Mission accomplished“ deklariert und nach über 10 Jahren Krieg die fragwürdige und fragile Sicherheit am Hindukusch als militärisch-politischen Erfolg den Bürgern verkaufen möchte.

Die Rechnung ohne die Warlords, Clan-Chefs und Taliban zu machen, zeigt wie unbedarft, ja schon dumm, sich die Alliierten und somit auch unsere Regierung in dieses Abenteuer gestürzt haben, deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass man sich jetzt mit Trug- und Zerrbildern den Einsatz schönreden und die vielen Opfer und den viel zu hohen Preis relativieren will.

Es gibt keine Kultur des Scheiterns- insbesondere nicht für militärische Einsätze!

Gast

Die Bundesregierung zeichnet da ein völlig anderes Bild der dortigen Sicherheitslage. Was bleibt ist der Eindruck, dass man versucht sich klammheimlich vom Acker zu machen. Afghanistan wird wieder in die Hände der Warlords oder der Taliban fallen und alles war umsonst. Die eher für schlichtere Gemüter vorgesehene Begründung des Krieges „Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt“ gerät im Nachgang zum Witz.
Die Öffentlichkeit wurde und wird schlichtweg belogen.

Kurt von Hammerstein
@Didi

In einem Punkt sind Sie und ich uns wohl einig (und jener Herr Ruttig, n. b.) - dass dieser Einsatz in vielerlei Hinsicht ziemlich vermurkst wurde (ich würde sagen, "Obwohl man was hätte machen können", Sie wohl eher "da man ohnehin wenig machen konnte" - Resultat ist aber das Gleiche).

Ich habe unlängst noch mal den alten Clausewitz durchgelesen, und bin auf ein paar Sprüche gestoßen, die hier ganz angebracht wären:

"Der Angriff soll einem kräftig getriebenen Pfeil und nicht einer Seifenblase gleichen, die sich bis zum Zerplatzen ausdehnt."

"Menschen mit wenig Verstand können nicht entschlossen sein. Sie können in schwierigen Fällen ohne Zaudern handeln, aber dann tun sie es ohne Überlegung."

Wäre es allzu "old school", wenn man sämtliche Politiker zwingen würde, Clausewitz zu lesen?

Zwicke
@19:33 — Didi

Obwohl Ihre Kritiken oft zutreffend sind, vermisse ich doch die konstruktiven Elemente.

Wie hätte Ihrer Meinung nach das Afghanistan-Engagement a priori grundsätzlich, oder de facto besser gestaltet werden müssen?

Vielleicht machen Sie sich die freundliche Mühe einer Stellungnahme.

Gruß, Zwicke.

Dark Chaos
Dürfen wir nicht?

Wir dürfen Afghanistan also nicht "fallen lassen"? Sollen wir uns etwa ewig um ein Land kümmern, das selbst an seinen Problemen Schuld ist und unsere Hilfe garnicht will? Auf eigene Rechnung? Ja sicher doch, das steht total zur Debatte. Der werte Herr Ruttig sollte sich schämen, deutsches Geld dafür zu verlangen.

Zwicke
@19:57 — Kurt von Hammerstein

Erlaube mir Ihnen zuzustimmen. Clausewitz hat bleibende Wahrheiten (Zweck-Ziel-Mittel-Achse) postuliert.

Gast
Kurt von Hammerstein 19:57

Ah, Sie wollen Politker zwingen? Und wen wollen Sie noch zwingen?

Clausewitz ist hier nicht angebracht, ich nehme nur mal die beiden von Ihnen zitierten Sätze in der Annahme, dass sie korrekt sind.

1. Es geht in Afghanistan nicht um Angriff!

2. Neben "wenig" und "viel" Verstand gibts noch Qualitätsunterschiede, um es mal so salopp zu sagen wie Herr Clausewitz daherkommt.

Den Rest spar ich mir.............

weltoffen
Gescheitert ???

oder nicht??,teilerfolg,oder auch mehr,das wird erst die zukunft zeigen.!!!
Opfer hat es leider gegeben, auf allen seiten,aber die gab es schon vorher,meistens auch Zivilisten, Frauen und Kinder, und zwar durch die Taliban und die verschiedenen Warlords,das wird hier gerne vergessen.
Ich spreche meinen Respect aus, fuer die Truppe der BW die dort Ihr Leben aufs spiel gesetzt haben,und hoffe das Alle gesund nach Hause kommen.

Kurt von Hammerstein
@denk-mal

Es geht vielleicht bei der Gesamtstrategie nicht um Angriff, im alltäglichen militärischen Umgang aber sehr wohl. Die Bundeswehrkräfte sind a) zu wenige und b) zu sehr verteilt. Das hier ist eine Kampfmission, es finden gezielte Bodenangriffe statt (wenn Sie sich mit den einzelnen militärischen Operationen beschäftigt hätten), egal, wie der Einsatz offiziell betitelt wird.

Und: Sicher gibt's Qualitätsunterschiede. Aber an dem, was sich die Politik so geleistet hat, möchte man doch ernsthaft am Verstand gewisser Personen zweifeln. Politische Schnellschüsse, die nimandem etwas bringen, leere Sprüche für etwas Publicity, und eigentlich freundliche Ahnungslosigkeit - oder so stellen sich die Herrn Politiker zumindest immer wieder dar.

Mit "zwingen" meinte ich, dass es wünschenswert wäre, wenn sich diejenigen, die unsere Soldaten losschicken, um sie auf irgendwelchen namenlosen Winkeln am Gesäß der Welt verrecken zu lassen, vielleicht etwas militärisches Grundlagenwissen aneignen würden.

Martin Schodlok
Afghanistan und der Kämpfer für Frieden und Freiheit

Afghanistan sollte sich daran erinnern, was 1988 passierte.
Als die Sowjets Afghanistan noch besetzt hielten, brachen 20.000 Menschen von Pakistan aus unbewaffnet nach Afghanistan auf, um den wichtigsten Partner des Mahatma Gandhi zur Ruhe zu betten: Khan Abdul Ghaffar Khan.

Schon bevor Osama bin Laden aktiv wurde, hatte Khan eine islamisch begründete Bewegung für Fieden und Freiheit initiiert: Die Khudai Khidmatgar - Strikt gewaltfrei im Protest gegen die westlichen Besatzer.

Dr. Wardak und ich suchten Aufmerksamkeit für Khan auf dem Kongress „Afghanistanprotest“ in Bonn zu erregen. Nun plane ich das Königspaar von Jordanien auf "Khan-Islam" aufmerksam zu machen, um sie als Multiplikatoren zu gewinnen. Königin Rania ist ja im Internet präsent mit ihren Widerreden gegen alle, die Terror mit Islam zu begründen suchen.

"Khan-Islam" hat das British Empire zum Einlenken bewegt.
Damit ist ein Potential gegeben, das Entspannung in Afghanistan befördern kann.

Muss ich erst selber hin?