Kommentare - EU einig über strengere Regeln für Ratingagenturen

28. November 2012 - 01:27 Uhr

Lange Zeit fand die Arbeit der Ratingagenturen kaum Beachtung. Seit der Finanzkrise ist das anders. Die Länder-Ratings von Moody's, Fitch oder Standard & Poor's lösten teils heftige Reaktionen auf den Märkten aus und sorgten oft für Unverständnis. Die EU will den Agenturen nun schärfere Regeln auferlegen.

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Länderbewertungen sollten

Länderbewertungen sollten ganz verboten werden . Ein Staat ist kein Wirtschaftsunternehmen. Ich finde dieses Verhalten pervers. Es bedeudet, dass Agenturmitarbeiter darüber entscheiden, wie ein Land geführt werden soll. Dafür sind vom Volk gewählte Personen zuständig und keine, zumal Amerikanische, Firmen, deren Daseinsberechtigung und Macht ich nicht nachvollziehen kann.

Daumen hoch!

Ich finde auch, dass viele Staaten und Unternehmen von den Rating-Agenturen zu schlecht bewertet werden.

Zum Beispiel hat Moody's das hochsolide EU-Land Griechenland am 22.12.2009 nur mit "A2" bewertet. Fitch hat Griechenland am 12.05.2009 gar nur mit "A" bewertet. Und Standard & Poor hat im September 2008 die hochsolide Investmentbank Lehman Brothers bloß mit "A" bewertet.

Endlich wird das "Daumen Senken" Folgen haben. Daumen hoch! Wer hier eine Spur Ironie findet, darf sie behalten.

Ratingagenturen bei Staatsbewertungen überfordert

Ratingagenturen sind für die Bewertung von Staaten ungeeignet, denn Staaten sind keine Unternehmen, die von den Regularien des Marktes abhängig sind. So ist insbesondere die Bezeichnung eines "Staatsbankrotts" völliger Unsinn, da Staaten, im Gegensatz zu Unternehmen, diverse Möglichkeiten zur Sanierung bzw. Umgestaltung ihres Haushalts haben - sie können z.B. eine Währungsreform durchführen (in Frankreich schon sehr oft geschehen), die Rückzahlungen von Schulden gänzlich unterlassen (z.B. Ghana) oder zeitlich beliebig aufschieben. Auch andere Staaten, die in engerer wirtschaftlicher oder politischer Verbindung zu ihnen stehen, können jederzeit einen teilweisen oder gänzlichen Schuldenschnitt (z.B. Großbritannien für Guyana) vornehmen, wodurch die betroffenen Staaten vollständig saniert werden. Sie können sogar die Gläubiger in Haft nehmen lassen (Frankreich), um dadurch ihre Schulden los zu werden... Ratingagenturen haben da nichts verloren, sie unterstützen mit Ratings nur Spekulanten

@ Impartial - so einfach ist das nicht, die Ratingagenturen

haben ihren Sitz zwar in den USA, unterhalten in Europa und anderen Erdteilen jedoch Agenturen, die dort selbstverständlich haftbar gemacht werden können. Eine Schadensersatzklage gegen z.B. eine deutschen Dependance in Milliardenhöhe könnte dann schnell das Aus für die Ratingagentur bedeuten. Bei Verstößen gegen die Zahlung von Strafen könnten dann auch internationale Haftbefehle erlassen werden, die je nach Rechtslage auch in anderen Staaten vollstreckbar oder zumindest zur Festnahme und Auslieferung führen könnten - die Reisemöglichkeiten der Manager dieser Ratingagenturen würden sich sehr schnell auf ein Minimum beschränken... Und wer weiss, wenn die Europäer mit solchen Regeln anfangen, könnten schnell andere Staaten folgen und die USA wären dann evtl. sehr schnell isoliert. Auch wäre es denkbar, dass auf Grundlage von Ratings Spekulationsgeschäfte verboten werden könnten, was direkte Auswirkungen auf den Markt hätte. Letzlich gehören aber die Spekulanten hinter Gitter!

Die finsteren Zeiten der ...

...Überbringer schlechter Nachrichten wollen wir doch nicht mehr. Heute werden die Herolde & Co. zwar nicht mehr physisch geköpft. Angeblich schuld sind sie dennoch bei jedem staatlich vermasseltem Haushalt-Übel.

Ich denke, dass man in einer Demokratie jedem Journalisten wie auch allen den Wirtschaftsfachleuten/-journalisten der Rating-Agenturen jede verfassungsmäßig garantierte Informationsfreiheit verteidigen sollte.

Wird leider nicht

Wird leider nicht funktionieren.
Wie will man Agenturen von außerhalb der EU zur Rechenschaft ziehen?
Das ist doch wieder reiner "WIR TUN WAS" Aktionismus. Ein Gesetz ohne Zähne.

@ all

Fuer so falsch halte ich die Idee der Ratingagenturen gar nicht. Als Anleger will ich vorher aus einer unabhaengigen Quelle wissen, wie wahrscheinlich es ist, dass ich meine Anlage nach Ablauf auch wieder zurueck bekomm, quasi eine Schufa fuer Unternehmen und Staaten.

Im nicht vorhandenen Idealfall, wuerde ich dann aber immernoch getreu dem Motto "Don't shoot the messenger!" die Fehler fuer die schlechten Ratings nicht bei den Agenturen sondern bei den Managern und Politikern suchen.

Dass in der Realitaet mit den Ratingagenturen einseitig Politik betrieben wird (pro US/ contra EURO) und die Agenturen mit den Bewertungen teils wohl auch nicht ganz so genau liegen und v.a. nicht unabhaengig sind, sollte auch klar sein.

Im Endeffekt wird es wohl nur dazu fuehren, dass die Agenturen vorsichtiger werden und eher zu spaet oder nie warnen bevor sie einen Fehler machen.

Daumen senken kann künftig Folgen haben

Endlich die Lösung!!

Wo doch die Agenturen die ersten waren, die einst das angeblich solide Griechenland als unsolide darstellten, die Politiker über die Abwertung empört waren und obwohl GR noch sehr viel spter beteuerte, keine Kredite zu brauchen.

So etwas untergräbt die Kreditwürdigkeit eines Landes und jetzt haben wir den Salat. Es wäre doch so schön gewesen, wenn private Gläubiger immer noch den Beteuerungen der Poliker glauben würden und Griechenland Geld leihen/schenken würden. Dann bräuchte der Steuerzahler nicht zu helfen, Schäuble und Merkel hätten eine ruhige Nacht und die Bombe würde vor der nächsten Wahl nicht hochgehen.

Es könnte alles so schön sein, wenn....

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Gute Sache, zugleich ein 2 Schneidiges Schwert.

Ich finde diese Regelung vernünftig, weil offen gelegt werden muss, nach welchen Kriterien ein Staat oder Unternehmen bewertet wurde und somit der Staat oder das Unternehmen auch Einspruch gegen diese Beurteilung einlegen kann, was die Spekulanten, die die Krise noch verstärken, den Wind aus den Segeln nimmt bzw. das „Geschmäckle“ Moodys & Co würden für die Spekulanten arbeiten entkräftet.

Allerdings könnte es damit auch passieren, das AAA+ Staaten sich schneller als gewünscht, auf den Status eines Ramschniveau wieder finden (Übertrieben) und ich gespannt bin, welche Bewertung Deutschland erhalten wird, wo Wir 2 Billionen Miese abstottern bzw. eindämmen müssen.

„Schaun wa Mal“ wie der Kaiser sagt, was jetzt für Bewertungen mit dieser Regelung herauskommen.

LG Coolchen

Blackbox

DIese Bewertungsagenturen agieren von außen betrachtet wie riesige Brutmaschinen, wo vorne Daten reinfließen, hinten Bewertungen wieder rauskommen, und keiner weiß, was im Reaktor eigentlich passiert.

Wichtiger als eine Verklagbarkeit erscheint mir der Zwang zur Offenlegung der Bewertungsmethodologien, um die Beurteilung gegenbewerten zu können.

Genau die Methoden aber könnten diese Rateagenturen als 'Firmen-' oder 'Geschäftsgeheimnisse' zu verschweigen geneigt sein. Und sei es unter dem Vorwand, damit die konkurrierenden Agenturen diese nicht selber verwenden können.

Vorgänge in den Rateagenturen leicht nachzuvollziehen

@fa66
Wenn man sich die bekannten wesentlichen Eingangs- und Ausgangdaten anschaut, dann kann man sehr genau die Vorgänge in den Rateagenturen teilweise leicht nachvollziehen.

Nehmen wir als Beispiel Frankreich.

Bekannte Eingangsdaten (aus dem Kopf - ohne nachzuschauen):

Nettostaatsverschuldung 80% / BIP
Haushaltsdefizit: 4% / BIP
Handelsbilanzbefizit: 3% / BIP
Steuerquote: 55%

Ausgangsdatum Fitch (gehört zu 50% einem Franzosen):

AAA - absolute Bestnote - beste Bonität - besser geht es gar nicht.

Ausgangsdatum S&P, Moodys: jeweils eine Stufe unter der absoluten Bestnote.

Hintergrundwissen: würde die Benotung von Frankreich gesenkt, hätte Frankreich ein noch größeres Problem mit der Refinanzierung seiner Staatsschulden und die westliche Welt in eine noch größere Wirtschaftskrise stürzen.

Ich hoffe, das erklärt, wie die Vorgänge in der Blackbox Ratingagentur funktionieren. Bei einigen anderen Staaten wie den USA sieht es ähnlich aus.

Dagong bewertet Frankreich übrigens mit A+.

Nachtrag

Ein wichtiges Eingangsdatum in die Bewertung von Frankreich habe ich vergessen. Es sei hier noch nachgetragen:

Wirtschaftswachstum: 0%

wirklich witzig!

Als ob es die US-Rateagenturen irgendwie kümmern würde, wer hier was sagt oder will!
Es wird weiter gehen, wie bisher. Mit unseren US-hörigen Politikern, wobei mir die deutschen besonders hörig erscheinen, ist keine Änderung zu machen.
Die ganze Sache hat irgendwie den Annschein politischen Aktionismusses. Wir wissen zwar nicht was oder wie, doch wir tun mal eben was, um dem dummen Volk zu zeigen, wie kompetent und handlungsfähig wir doch sind.
Doch es werden wieder mal nur Placebos verteilt. US-Ratingagenturen dürften hier gar nichts zu sagen haben. Immerhin sind die durch ihre "Eigentumsverhältnisse" zwangsläufig in ihren Entscheidungen befangen. Zudem ist es ein Unding, daß PRIVATE Firmen Staaten bewerten.

@ B.Conny

sehr gut zusammengefasst!
Ja wenn ich eine bedeutende Ratingagentur besäße, würde ich auch die Gunst der Stunde nutzen und im entscheidenden Augenblick, den Daumen senken.
Es geht dabei nicht um Millionen Euro oder Dollar, nein es geht um Milliarden!

Aber ob diese Entscheidung gegen das Geschäftsgebaren der betreffedene RA etwas bewirkt, ist wohl anzuzweifeln.

Nachvollziehbare Grundlagen

Mir erscheinen zwei Grundlagen extrem wichtig:

1. Die Ratingagenturen müssen für ihre Aussagen haften. Vor allem persönliche Haftung.

2. Es muss offengelegt werden mit wem sie wirtschaftlich verflochten sind.

Wenn ich diese Informationen/Sicherheit habe können sie ihr Rating ohne Einschränkung fortführen.

Mit dem Finger auf andere zeigen

Der Vorschlag gleicht wieder einmal einem Finger, der auf andere zeigt. Sicherlich kann man über die Rolle der Ratingagenturen im aktuellen Fall der Schuldenkrise geteilter Meinung sein. Allerdings sollte man sich einmal fragen, warum diese Firmen so viel Macht haben. Das liegt im wesentlichen daran, daß alle Schuldtitel, insbesondere auch solche, die die Eurostaaten selbst emittieren, mit Klauseln versehen sind, die dafür sorgen, daß die Benotungen der Ratingagenturen Einfluß auf den Zinssatz haben. Dies geschieht zwar nicht mit Bezug auf einzelne Firmen, aber oftmals in Form von "an den nationalen Börsen anerkannte Bewertungsunternehmen". Da es aber nur eben besagte "großen Firmen" gibt und "die kleineren" kaum Beachtung finden, entsteht genau die vieldiskutierte, bekannte Situation.
Es wird also wieder mal nicht vor der eigenen Türe gekehrt, sondern den Schmutz beim Nachbarn bemängelt. Bekanntermaßen ist das einfacher.

Die Stimme der Vernunft? Kein Anschluss unter dieser Nummer!

1. Die EU .. will also Ratingagenturen haftbar machen? Diese Information ist genauso pauschalisierend wie inhaltsfrei. Ich würde gern wissen wer oder welches Gremium sich diesen Vorschlag ausgedacht hat.

2. Da mir genauerer Infos leider fehlen bleibe ich bei der "die EU" Floskel. Die EU möchte also ausländische Privatunternehmen zur Verantwortung ziehen, deren alleinige Aufgabe es ist, ihren Auftraggeber glücklich zu machen?
Erstens ist die Funktionsweise besagter Agenturen schon lange bekannt und zweitens bekommt die EU ja nicht mal die Banken in ihren eigenen Länder in den Griff. Diese haben wissentlich und aus Profitgier/Ignoranz die Krise mitverschuldet, in letzter Zeit übrignes unter zunehmender EU Schirmherrschaft.

Für mich klingt das mal wieder nach typisch sinnfreiem überstürztem EU-Lobby-Aktivistmus. Hautsache man kann mehr Dinge "regeln",sich profilieren und hauptsache keine Namen, war schliesslich "die EU".
Investigativer Journalismus klingt für mich übrigens auch anders.

Die Diskussion geht am Kern

Die Diskussion geht am Kern vorbei Die Überlassung der Kreditvergabe ausschließlich dem privaten Sektor hat sich historisch als Irrtum erwiesen. Privatleute verfolgen private Interessen und haben nicht das Ganze im Blick. Die Folgen werden heute immer deutlicher: Einige Finanzgewaltige formen sich durch Kreditvergabe und Bewertungsmonopole die Welt, die ihren Wunschvorstellungen entspricht. Und diese Wuschvorstellungen schützen in erster Linie nur ihre alten Investionen. Sie führen nicht in eine Zukunft für alle!

An schlechten Noten war früher immer der Lehrer schuld

Die amerikanische Politik hat schon immer die Wirtschaft (v.a. Grossbanken) kontrolliert und beeinflusst und damit auch Einfluss genommen auf die Wirtschaft u. die Politik einzelner Länder oder ganzer Erdteile.
Es ist daher anzunehmen, dass auch Rating-Agenturen beeinflusst werden zumal sie im geo-politischen Einflussbereich amerik.Interessen liegen.

Trotzdem - übertreiben lässt sich diese Einflussnahme nicht. Die Ergebnisse der Ratingagenturen mögen in Einzelfällen kritikwürdig sein - dass deren Arbeit jedoch komplett in die Tonne zu treten ist, dieser Eindruck lässt sich kaum vermitteln.

Und wenn es künftig gelingt, deren Methodik etwas näher zu beleuchten, dann könnte man sich mit der Existenzberechtigung der Rating-Agenturen am Ende noch anfreunden.

Und was das im Beitrag erwähnte Unverständnis betrifft - das kennen wir ja von der Schule. An schlechten Noten war immer der Lehrer schuld.....

Wer die Musik bezahlt, bestimmt was gespielt wird !

Ich weise darauf hin, dass eine Ratingagentur, privatwirtschaftliche Unternehmen sind, die von Banken, Versicherungsagenturen …. also auch Privatwirtschaft, beauftragt werden. Privatwirtschaft zu Privatwirtschaft und nicht zu Länder und Volkswirtschaften. Wer die Musik bezahlt, bestimmt was gespielt wird – will heißen, wer garantiert die Unabhängigkeit des Ergebnisses vom Wunsch des Auftraggebers?
Stimme @Impartial zu, was nutzt es, wenn im EU-Bereich tolle Regeln gelten, aber die, die Weltmacht erlangt haben, in den USA sitzen?
@B.Conny – Diese „Dependance“ einer Ratingagentur ist entweder schnell geschlossen, schnell Insolvent gemeldet oder noch nicht mal als rechtseigene Form niedergeschrieben. Auch wird es in EU keine Milliarden-Prozesse geben und, die EU hat keine Sanktionsmöglichkeit außerhalb der EU – also was soll´s.
Und wenn´s nicht der Daumen ist, dann räuspert sich einer halt nur.
Solange die RA nicht Weltweit geächtet werden, bringt das EU-Gesetz gar nichts.

Die Ratings Europäischer Staaten sind realistisch...

...die der USA hingegen ein Witz. Entsprechend wird man mit strengen Regeln in der EU nichts erreichen. Die US-Agenturen sind im Wirtschaftskrieg der Europäischen Politik mal wieder einen Schritt voraus...

Solche strengeren Regeln

Solche strengeren Regeln finde ich verfehlt. Man sollte die ganzen Ratinganforderungen aber aus allen Gesetzen streichen und fertig. Dann wäre die Macht der Ratingagenturen gebrochen.

Auch wenn der Daumen hoch geht kann es teuer werden!!!

Die Überschrift im Artikel ist etwas falsch oder verkürzt. Denn auch wenn eine Agentur den Daumen fälschlicherweise hoch hält macht sie sich haftbar gegenüber denjenigen Anlegern die darauf vertrauen und dann ggf. ausfallen.
Nach deutschem Recht gibt es übrigens schon jetzt die Möglichkeit der Haftung der Agenturen, wenn aufgrund einer verschuldeten Fehleinschätzung eine Anlage getätigt wurde und der Gläubiger ausgefallen ist.

Im Prinzip

finde ich Ratingagenturen richtig und gut, wenn sie denn seriös arbeiten. Dies ist bei den drei Großen in den USA aber nicht der Fall, weil sie mit den Wall-Street-Zockern unter einer Decke stecken, wie jüngst bei Arte berichtet.
Dass man dem nun entgegenwirkt und die RA bei fahrlässiger oder falscher Benotung bestraft, ist vollkommen richtig. Allerdings wird die Bestrafung wahrscheinlich wieder geringer ausfallen, als der Nutzen durch Unehrlichkeit.

Stimmt !!!!

Der anmaßenden und überheblichen Vorgehensweise dieser selbsterannten Konjunkturhüter sollte man einen vollständigen Riegel vorschieben.

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