Kommentare - Ärztemangel auf dem Land: Strukturell unterversorgt

12. Februar 2022 - 08:52 Uhr

Viele ältere Menschen, wenige Arztpraxen - das ist Situation in vielen ländlichen Regionen. So auch in Brandenburg. Selbst Prämien locken neue Ärzte kaum. Von Andre Kartschall und Daniel Friedrich.

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Arzt aus Überzeugung und Berufung

Immer weniger junge Menschen entscheiden sich, den langen Weg bis zum „fertigen“ Arzt zu gehen. Es hängt nicht zuletzt an den Zugangsbeschränkungen zum Studium. Wer einen NC von „nur“ 1,2 hat, der ist zum Teil schon „zu schlecht“. Mir wäre ein Arzt lieber, der aus Überzeugung seine Zeit und Kraft den Patienten widmet und in den Naturwissenschaften fit ist statt auf seinem Zeugnis in Politik und Religion oder Erdkunde zu glänzen.

Ein grundsätzliches Problem

Jährlich verlassen circa. 130.000 High Potentials (darunter auch viele Ärzte) die Bundesrepublik weil denen hier die Rahmenbedingungen (z.B. Steuerlast) nicht gefallen. Das sind Menschen die hier bei uns in der Bundesrepublik für viel Geld ausgebildet wurden. Ich habe hier ehrlich gesagt auf die FDP gehofft, das die Rahmenbedingungen schafft um diese Fachkräfteabwanderung zu reduzieren. Aber leider kommt von denen da nicht viel und Grüne/SPD haben da sowieso eine andere Stossrichtung. Die wollen die Belastungen für dieses Klientel noch erhöhen. So wird das nichts.

Strukturpolitik = unnütze "Kosten"

Zur Steigerung der Gewinne, Boni, Renditen etc. bei Niedrighaltung der Steuern (Erbschaft, Vermögen etc.) konnte man sich eine echte Strukturpolitik "nicht leisten", denn die Schwarze Null war das Optimum. Bus- und Bahnlinien weg, Krankenhäuser und Äzte, ja gar Läden weg. Zurück zum Baumhaus für Selbstversorger! Juhu!

Ich bin da zwar kein Spezialist, aber….

Ich bin da zwar kein Spezialist, aber meiner Meinung nach ist unser Gesundheitssystem total marode und bedarf der schnellstmöglichen Reformierung. Aber Lauterbach scheint mit seinem Agieren in der Corona-Krise scheinbar für nichts anderes mehr Zeit zu haben oder ist er gar überfordert? EU-weit betrachtet bekommt der Einzahler (GKV) für seine Beiträge nur eine unterdurchschnittliche Versorgung und das bei uns in Deutschland. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und dann sind wir auch bei der Ärzteschaft. Da gibt es einige die verdienen sich sprichwörtlich dumm und dämlich (z.B. Radiologen), während der Landarzt am unteren Ende angesiedelt ist. Jobs die nicht attraktiv sind, werden nunmal ungern genommen und der Leidtragende dieser verkorksten Politik ist der Patient.

Mein Hausarzt

ist auch schon ü 60
Wie es weiter geht, das wird man dann sehen.
Trotzdem lebe ich gerne auf dem Land.
Auch wenn ich manchmal auf das Auto angewiesen bin,
( ich vermeide es so gut es geht ) habe ich hier ein gutes Auskommen.
Das Leben in der Stadt kann und will ich mir einfach nicht leisten.

Wo ist das Problem?

Warum wird das nicht so geregelt, dass neue Ärzte erst ein paar Jahre als Landarzt arbeiten müssen, bevor die eine Zulassung für andere Bereiche bekommen?
Genau so kann man auch die Abwanderung von Spezialisten ins Ausland verzögern.
Immerhin bekommen solche Menschen eine Ausbildung auf Staats - bzw Steuerkosten.
Da kann man ein bisschen Solidarität erwarten.
Zumindest aber könnten mit einer Prämie von 55.000€ ein paar Menschen motiviert werden, eine Ausbildung zur Pflegekraft zu absolvieren.
Und, natürlich auch mit anständigen Gehältern und Arbeitsbedingungen.

Erziehung und Ausprägung von Selbstsucht und Egoismus

Die logische Folge dieses Gesellschaftssystems, in dem die übergroße Mehrzahl aller Bürger zuerst an sich selber denkt und ans Geld. Es wird - wie ganz natürlich - schon lange vor dem Berufswunsch im Schulalter von Kindesbeinen an anerzogen, dass man nur erfolgreich sein kann und in dieser Welt bestehen, wenn man sich durchsetzt und (um Macht, Einfluß und gehobenen Wohlstand) mit ausgefahrenen Ellenbogen kämpft. Das Gegenteil von Empathie-, Gerechtigkeits- und Gleichheitsausbildung ist diese Individualismusausbildung.
Sypathische Personen wie der Linken-Präsidentschaftskandidat Gerhard Trabert (ich würde seine Intention mit der Albert Schweitzers vergleichen) sind immer seltenere Ausnahmen.

Altes Problem

neu aufgelegt und gut beschrieben, ja der Tank muss voll sein, all das kenne ich sehr gut von eigenen erleben.
Ohne Auto geht auf dem Dorf so gut nichts, Praxisräume zu finden sollte nicht zu schwer sein, die alten aufgegebenen werden meist auch gerne verkauft an Nachfolger, die aber fehlen.
Ist nicht die einzige Region wo das so ist, auch Arbeit gibt es nur in den nahen Großstadt, Bahnstrecken aufgegeben und der Bus 2-3 mal am Tag.
Geld ist am Ende nicht die Lösung wie man sieht, man muss den Job auf dem Land schon lieben, reich wie erhofft wird man dabei natürlich nicht, geht in der Stadt wesentlich schneller.
Lösung sehe ich auch keine.

Ich hatte im Urlaub mal die…

Ich hatte im Urlaub mal die Gelegenheit in der Pause zwischen 2 Tauchgängen mit einem Landarzt zu sprechen. Er hat mir erzählt das er das Glück hat das seine Frau sehr gut verdient, sonnst hätte er seine Praxis längst schließen müssen da es sich nicht rechnet. Das Problem bei Landärzten sind die relativ wenigen Patienten die auch meist noch sehr verstreut leben. Die meiste Zeit läuft die Behandlung gerade bei älteren Menschen nur als Hausbesuche, da es auch so gut wie keinen Nahverkehr gibt. Er hat mir erzählt das ein Arzt in der Stadt teilweise mehr als 100 Patienten am Tag versorgt sind es auf dem Land meist nur 15 und davon kann man nicht leben.
@eine_anmerkung 9:28 Uhr Trefflich beschrieben.

09:21 Uhr von eine_anmerkung

Zitat:
"Jährlich verlassen circa. 130.000 High Potentials (darunter auch viele Ärzte) die Bundesrepublik weil denen hier die Rahmenbedingungen (z.B. Steuerlast) nicht gefallen."

Ich glaube, die "Steuerlast" spielt die kleinste Rolle. Gerade freiberufliche Ärzte können da viel machen. Da trifft schon eher das später beschriebene Beispiel zu, dass ein Landarzt nicht genug Patienten am Tag hat, um davon leben zu können. Ich glaube, der würde gerne richtig viel Steuern zahlen, wenn er die entsprechenden Einnahmen hätte.

Wenn ich dann noch die Regelungen für junge Ärzte sehe, die im Krankenhaus arbeiten wollen ist es mir klar, dass die lieber ins Ausland gehen, wo sie geregelte Arbeitszeiten haben und Wertschätzung (z.B. von Beginn an ein ordentlichesGehalt) erfahren und auch noch die Zeit zum Forschen bekommen.

@ 09:28 Uhr von eine_anmerkung. Ich

„ … unser Gesundheitssystem total marode und bedarf der schnellstmöglichen Reformierung. Aber Lauterbach scheint mit seinem Agieren in der Corona-Krise scheinbar für nichts anderes mehr Zeit zu haben oder ist er gar überfordert?“
Herr Lauterbach ist einer der Verantwortlichen für die letzte größere Reform unseres Gesundheitssystems. Deshalb ist’s Marode.
Ob Herr Lauterbach nach dem hoffentlich baldigen Ende der Pandemie der Richtige ist, eine Reform zum Positiven auszulösen, halte ich für fragwürdig.
Verglichen mit anderen Gesundheitsministern wüsste er aber wahrscheinlich wie es geht.

Ärztemagel?

Nein es gibt genug Ärzte nur nicht da wo sie nötig wären. Genaugenommen ist die ungleiche Verteilung von Ärzten schon seit mindestens 30 Jahren ein Problem und aus meiner Sicht ein Versagen der Kassenärztlichen Vereinigung.

Wer hat noch Lust auf eine 60-Stunden-Woche?

Das Problem des Ärztemangels wird dadurch verschärft, dass sich die jüngeren Generationen weniger über ihre Arbeit definieren. Statt der 40-Stunden-Woche und der Bereitschaft zu unbezahlten Überstunden steht heute die "work-life-balance" im Mittelpunkt.
Das ist meiner Meinung nach der Hauptgrund, warum es alte Ärzte so schwer haben, einen Abnehmer für ihre Praxen zu finden. Es bräuchte vielmehr zwei Interessenten für eine Praxis. Aber dass sich diese im ländlichen Raum gleichzeitig finden, ist mehr als unwahrscheinlich.
_
Man könnte versuchen, flexible Interessenten zusammenzuführen. Am nachhaltigsten dürfte es sein, schon in den Schulen für den Beruf zu werben. Wer in der Region aufgewachsen ist, bleibt auch eher dort oder kommt irgendwann zurück.
_
Bis dahin bleibt nur der Medibus.

gemacht werden
.
Und eine flächendeckende ärztliche Versorgung gehört selbstverständlich dazu.
Im Klartext: Das Gesundheitsversorgungssystem muss so umgestellt bzw. „umstrukturiert“ werden, dass die nicht an „finanziellen Barrieren“ scheitern kann. Und eine angemessene, also ausreichend Gesundheitsversorgung für niemanden eine Frage des Wohnorts oder gar des Geldes ist (dies zu „Aus Lübbener Praxen ist unter der Hand zu hören, dass man "ja sogar Privatpatienten wegschickt", weil die Praxen bereits bereits völlig überlastet sind. Und die Versorgungslage könnte noch schlechter werden. Die Region ist drohend unterversorgt/
Dass der Fachärztemangel auf dem Land nichts Neues ist, ist allen Beteiligten klar. Dennoch scheinen Mittel, wie etwa eine Prämie bis zu 55.000 Euro vom Land und der KVBB bislang nicht zu bewirken, dass sich neue Ärzte zwischen Lübben und Luckau ansiedeln wollen“)
Das grundlegende Problem wird sich also nicht mit dem Drehen an einigen „Stellschrauben“ lösen lassen.

Viele Themen in der Gesundheitspolitik müssen angegangen werden!

Gesundheitsminister Lauterbach sollte sich öffentlich nicht ausschließlich zu Themen in Zusammenhang mit Corona äußern. Für die Förderung von Landarztpraxen und die Versorgung in erreichbaren Kliniken muss viel mehr getan werden. Zu viele
Krankenhäuser werden ja sogar in Städten geschlossen.

@ 10:29 Uhr von Nachfragerin

„Statt der 40-Stunden-Woche und der Bereitschaft zu unbezahlten Überstunden steht heute die "work-life-balance" im Mittelpunkt.“
Naja, zu unbezahlten Überstunden sollte niemand verpflichtet sein.
Allerdings zeigt eine 60 Stundenwoche auch, dass der Ärztemangel schon wesentlich länger besteht.
Wie auch viele andere Probleme, die vorsätzlich angerichtet wurden.

10:29 Uhr von Nachfragerin

Also Landarzt dazu muss man geboren sein und es wirklich wollen. Die Klientel kann schon sehr speziell sein zumindest mit steigendem alter. Es ist schon spannend, wenn sich zwei bekannte ältere Damen in Wartezimmer treffen so na h dem Motto ach du bist ja auch da, ich war gestern schon hier, heute habe ich das und das mal sehen was mir morgen fehlt. Das soll nicht despektierlich sein es zeigt nur dass grade der Landarzt manchmal ein bisschen familienersatz sein kann. Und das kann nicht jeder.

Aus eigenem Erleben...

..könnte ich allerlei wirkliche Probleme benennen, doch da reichen 1000 Buchstaben nicht aus. Vermutlich hat der ärztliche Nachwuchs " keinen Bock " sich dieser Aufgabe zu stellen, wobei die geringen Honorare wohl auch eine Rolle spielen. Nach 13 Schuljahren, ein bis zwei Jahren Wehrdienst , Numerus clausus Überwindung, Studium evtl. mit Promotion (=Doktorarbeit) , Staatsexamen, meist schlechtbezahlten Assistenzjahren im Krankenhausdienst oder Großpraxis bis zum Arzt für Allgemeinmedizin - darf die/der inzwischen 30jährige sich abermals entscheiden. Entweder weitere Facharztausbildung (dann halbwegs geregeltes Leben) oder Landpraxis mit 7/24/365 . Dazu ein Berg Schulden, denn Wohnung und Praxis nebst Einrichtung sind nunmal Bedingung. Auch Personal muß eingestellt werden , dazu kommen Mieten und Versicherungen. Von kaufmännischem Denken wird auf der Uni keine Kenntnis vermittelt - und so ist der Einzelkämpfer stets Opfer für zahlreiche Interessengruppen.

Neuordnung des Gesundheitswesens

In Deutschland hat die Ärzteschaft die ambulante medizinische Versorgung der Bevölkerung in Eigenverantwortung übernommen. Zu diesem Zweck sind sie in den Kassenärztlichen Vereinigungen organisatorisch zusammengefaßt. Das sind Organisationen des Öffentlichen Rechts -Soz.Ges.B. V.
Der Mangel an Ärzten vor allem im ländlichen Raum - bei oft überhöhter Zahl in Städten - zeigt an, daß die KVen dieser Eigenverantwortung nicht gerecht werden - ganz unabhängig von den Gründen. Dieser Zustand ist nicht neu und er wird immer gravierender, weil der Trend zur Bevölkerungsverdichtung in den Städten bei Ausdünnung im ländlichenBereich zunimmt. Deswegen ist staatliches Handeln notwendig - und das kann nur darin bestehen, daß der Staat Ärzte im Öffentlichen Dienst einstellt und im Zuge seines Rechts auf Festlegung des Dienstortes die entsprechenden Maßnahmen ergreift. Entsprechend muß natürlich eine Anpassung der den KVen zur Verfügung gestellten Finanzmittel erfolgen. Das legt sogleich nahe, die an

Ärtzemangel auf dem Land

Ja der Ärztemangel ist auf dem Lande recht groß. Es will kein junger Mediziner eine Praxis in ländlichen Gegenden eröffnen, unrentabel sagen viele. Wir hatten einen Landarzt, der suchte 2Jahre einen Nachfolger keiner meldete sich. Nun haben wir die Möglichkeit, entweder 15 km in die nächste größere Stadt oder über den Rhein in die Schweiz. Busverbindung bescheiden, einmal morgens und einmal Spätnachmittag.
Allen Widrigkeiten zum Trotz, leben wir gerne hier in der schönsten Enklave Deutschlands.

Ich versuche es noch einmal,…

Ich versuche es noch einmal, denn den roten Balken verstehe ich nicht.

@
Am 12. Februar 2022 - 09:44 Uhr von nie wieder spd
Wo ist das Problem?
Warum wird das nicht so geregelt, dass neue Ärzte erst ein paar Jahre als Landarzt arbeiten müssen, bevor die eine Zulassung für andere Bereiche bekommen?
—-
Wie alt sollen dann die Ärzte sein, bis sie dann ihr wirkliches Leben auch mit eigener Familie anfangen können ? 50?
Von Zwängen für fast Jahrzehnte gesteuert.
Ich wundere mich nicht, dass viele ihr Glück dann woanders suchen.

@Cillie21 - Treffpunkt Wartezimmer

11:08 Uhr von Cillie21:
"Also Landarzt dazu muss man geboren sein und es wirklich wollen. Die Klientel kann schon sehr speziell sein zumindest mit steigendem alter."
> Bei dem Satz musste ich kurz schmunzeln. Ich hatte allerdings an etwas anderes gedacht, als Sie. :)
_
"[...] Das soll nicht despektierlich sein es zeigt nur dass grade der Landarzt manchmal ein bisschen familienersatz sein kann."
_
Das ist ein sehr interessanter Aspekt.
Das Bedürfnis nach sozialen Kontakten bleibt auch im Alter bestehen, lässt sich aber nicht mehr über den Beruf abdecken.
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Damit kein Kaffeeklatschrunden im Wartezimmer entstehen, müsste man eigentlich nur Alternativen anbieten. Leerstand gibt es auf dem Land genug - man müsste es nur angehen. Oder man hängt an den Medibus noch einen Kaffeehänger dran. :)

@ heribix 09:54

>>> Er hat mir erzählt das ein Arzt in der Stadt teilweise mehr als 100 Patienten am Tag versorgt <<<
.
Wenn ein Arzt allen Ernstes 100 Patienten am Tag versorgt, bringt man besser alles gleich selber mit: Die Diagnose, die erforderliche Medikation und die gewünschte Dauer der Krankschreibung. (Denn eine wirkliche ärztliche Untersuchung geschweige denn Beratung ist in diesem Zeitrahmen definitiv nicht machbar.) Der Arzt unterschreibt nur noch fix, dann der nächste bitte.
.
Moment mal, stop … dabei fällt mir auf … ganz genau so sieht der durchschnittliche Arztbesuch heutzutage bei uns ja auch aus.

Ein Arzt muss nicht überarbeitet sein

@ Nachfragerin:
Wer hat noch Lust auf eine 60-Stunden-Woche?
Das Problem des Ärztemangels wird dadurch verschärft, dass sich die jüngeren Generationen weniger über ihre Arbeit definieren. Statt der 40-Stunden-Woche und der Bereitschaft zu unbezahlten Überstunden steht heute die "work-life-balance" im Mittelpunkt.

Unser Sohn ist Hausarzt in einer ländlichen Gemeinschaftspraxis und arbeitet 3 1/2 Tage die Woche. Das gibt es also auch. Allerdings kommen auch Notdienste hinzu.

Das Priblem ist der Ansatz der privaten Arztpraxen

Das Problem ist doch letztendlich das System der privaten Arztpraxen. Will man auf dem Land eine anständige Versorgung, dann schafft man die privaten Praxen ab und schafft je nach Bedarf staatliche medizinische Stationen und Zentren mit guter Ausstattung in denen das medizinische Fachpersonal angestellt ist. Und je nachdem wo es ist gibt es eben attraktive Zuschläge oder nicht.

11:28 Uhr von Mitdenkender

„Wie alt sollen dann die Ärzte sein, bis sie dann ihr wirkliches Leben auch mit eigener Familie anfangen können ? 50?“
Wieso gibt es wirkliches Leben nur in der Stadt?! Da aber viele so denken, deshalb gibt es Ärztemangel auf dem Land. Weil pünktlich Feierabend wichtiger ist und freie Wochenenden. Das gleiche Problem hat übrigens die Gastronomie auch. Was meinen Sie wer Ihnen, die sie offensichtlich in der Stadt leben, ihr Steak brät, wenn der koch der Meinung ist nach 12 Tagen durchmalochen mache ich am Wochenende frei?

@ Mitdenkender

Immer weniger junge Menschen entscheiden sich, den langen Weg bis zum „fertigen“ Arzt zu gehen. Es hängt nicht zuletzt an den Zugangsbeschränkungen zum Studium.

Nein. Es ist schlicht nicht richtig, dass sich immer weniger junge Leute für das Medizinstudium entscheiden. Alle Studienplätze eines Jahrgangs sind immer restlos besetzt und es gibt eine harte Auswahl unter den Bewerber*innen. Frauen sind übrigens mittlerweile in der Mehrzahl.
Deutschland mangelt es definitiv nicht an geeigneten Bewerber*innen. Und die Ausbildung in Deutschland ist Spitze. Die Schwurbeler täuschen über die wahren Verhältnisse hinweg.

@ 11:28 Uhr von Mitdenkender

„Wie alt sollen dann die Ärzte sein, bis sie dann ihr wirkliches Leben auch mit eigener Familie anfangen können ? 50?
So alt, wie jeder andere Mensch, der das vorhat. Eine Verpflichtung zu einer bestimmten Tätigkeit verhindert nicht die Familienplanung.
Ich würde sogar noch ein paar Jährchen dranhängen, für eine Einsatzzeit als Pflegekraft für jeden Arzt.
Das würde ich aber gerne auch bei jedem Berufspolitiker sehen.

Weiß nicht so recht...

Kann es sein, dass der Eine oder die Andere sich aufgrund einiger Fernsehserien ihr spezielles Bild von einem Landarzt geformt haben?
.
@ Nachfragerin, 11:30:
Danke für den Schmunzler mit dem Kaffeehänger am Medibus; stell mir das gerade bildlich vor. :-)

@ Quakbüdel 11:11

Sie sprechen mit Ihrem Kommentar sicher ganz vielen Ärzten und angehenden Ärzten (m/w/d) aus der Seele.
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Die akademischen Anforderungen sind teilweise abstrus hoch. Bizarrerweise werden im Medizinstudium dennoch meines Wissens nach allenfalls rudimentäre Kenntnisse über Ernährung und keinerlei alternativen Heilmethoden unterrichtet.
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Ein Arzt sagte mir mal, er hätte während seiner gesamten Ausbildung niemals etwas über eine ausgewogene oder auch individuell angepasste Ernährung gelernt.
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Ich halte das nicht für zeitgemäß.

Die Ärzte werden immer selbständig bleiben

@ Ravenbird:
Das Problem ist doch letztendlich das System der privaten Arztpraxen. Will man auf dem Land eine anständige Versorgung, dann schafft man die privaten Praxen ab und schafft je nach Bedarf staatliche medizinische Stationen und Zentren mit guter Ausstattung in denen das medizinische Fachpersonal angestellt ist. Und je nachdem wo es ist gibt es eben attraktive Zuschläge oder nicht.

Es mag sein, dass Sie Ärzte finden, die die Selbständigkeit aufgeben, das glaube ich aber nicht. Zwingen kann man die Ärzte nicht, so lange unser GG die Berufs- und Gewerbefreiheit garantiert.
Die Ärzte wissen am besten selbst, was sie machen. Staatliche Gängelung ist unsinnig und daher lehne ich sie ab.

11:41 Uhr von Peter Goge

Glückwunsch für Ihren Sohn. Das scheint aber eine rühmliche Ausnahme zu sein. In unserer Stadt, 3300 Einwohner haben wir eine Gemeinschaftspraxis mit 3 Ärzten und einen Landarzt. Eigentlich überdimensioniert, aber immer voll und das täglich.

@ Mitdenkender

Ich wundere mich nicht, dass viele ihr Glück dann woanders suchen.

Unterm Strich wechseln deutlich mehr Ärzte vom Ausland nach Deutschland als umgekehrt.

@11:46 Uhr von Peter Goge

Das sehe ich genauso.

Durch eine dumme Elitenpolitik haben Menschen, die wirklich helfen wollen so gut wie keine Chance. Jede Schülerin und jeder Schüler mit einem Abitur weniger als 1,0 muß vor dem Studium Wartejahre als Rettungssanitäter verbringen, während gleichzeitig auf dem Land der Ärztemangel von 'groß' zur 'katastrophal' wechselt.

Die Gegenmaßnahme ist dann, anderen EU Ländern die Ärzte wegzunehmen, die die genauso dringend brauchen, anstatt endlich mehr Studienplätze einzurichten und die Arbeitszeiten (inklusive Bereitschaft) in den Krankenhäusern auf ein menschenwürdiges Maß einzudampfen.

Ein Komplettversagen seit 15 Jahren und eine Katastrophe mit Ansage.

Bei der Industrie geht´s doch auch!

Ob Kohleausstieg, Entwicklung von e-Autos etc., bei genügend lautem Gejammer fließen die Milliarden.
.
Ein Landarzt, der bei alten und kranken Patienten Hausbesuche machen muss, bekommt dafür eine Pauschale, die nicht ausreicht. Er muss dafür zudem auf Einnahmen verzichten, weil er nicht so viele Patienten in der Praxis betreuen kann. - Wie wär´s denn mal mit einem Landarztzuschlag. Das dürfte verglichen mit den Industrie-Subventionen ein Klacks sein. Es fehlen nur Lobby und Wille.

Am 12. Februar 2022 - 11:42…

Am 12. Februar 2022 - 11:42 Uhr von Cillie21
11:28 Uhr von Mitdenkender
„Wie alt sollen dann die Ärzte sein, bis sie dann ihr wirkliches Leben auch mit eigener Familie anfangen können ? 50?“
—-
Wieso gibt es wirkliches Leben nur in der Stadt?! Da aber viele so denken, deshalb gibt es Ärztemangel auf dem Land.
—-
Mit Familie braucht man etwas mehr Infrastruktur und auch der Job des Partners ist nicht unerheblich. Es ging um die Aussage (von „nie wieder spd“) des Zwangs erst einmal auf dem Land arbeiten zu MÜSSEN, bevor man die Zulassung für andere Bereiche bekommt.
Sie sagen dem Bäcker/Konditor ja auch nicht, dass er erst einmal jahrelang Brötchen backen muss, bevor er auch Torten machen darf.

@ 09:21 Uhr von eine_anmerkung

„ Jährlich verlassen circa. 130.000 High Potentials (darunter auch viele Ärzte) die Bundesrepublik weil denen hier die Rahmenbedingungen (z.B. Steuerlast) nicht gefallen. Das sind Menschen die hier bei uns in der Bundesrepublik für viel Geld ausgebildet wurden.“
.
Was Sie da schildern ist nichts weiter als Schmarotzertum, wie es Volker Pispers mal treffend formuliert hat.
Teuer ausgebildet und dem Land und den Menschen, die dafür gesorgt haben, nichts zurückgeben.
.
Das hat gar nichts mit dem Problem zu tun, dass auf dem Land Ärzte fehlen.

Am 12. Februar 2022 - 11:42…

Am 12. Februar 2022 - 11:42 Uhr von Cillie21
11:28 Uhr von Mitdenkender
„Was meinen Sie wer Ihnen, die sie offensichtlich in der Stadt leben, ihr Steak brät“
—-
Was Sie alles meinen aus Kommentaren rauslesen zu können…
Völlig falsch.

@Esche999 - 11:13

"Deswegen ist staatliches Handeln notwendig - und das kann nur darin bestehen, daß der Staat Ärzte im Öffentlichen Dienst einstellt und im Zuge seines Rechts auf Festlegung des Dienstortes die entsprechenden Maßnahmen ergreift."
.
Sie wissen aber schon, dass unser Gesundheitswesen zwischen öffentlich und "Privat vor Staat" in Konkurrenz nach marktwirtschaftlichen Prinzipien gebracht wurde?
Die Finanzierungs- und Vergütungsmodelle sind nach bürokratisch festgelegten Kriterien und Leistungskatalogen ausgerichtet, wo der Landarzt zu seinen Kollegen in den Stadtgebieten einfach nicht mithalten kann. Die anrechenbaren Leistungen sind über die vorhandene Patientenstruktur vom Landarzt nicht erreichbar.
.
Nimmt man noch die Umstände, dass Infrastruktur und Fläche dabei kaum oder gar keine Berücksichtigung finden, dann rechnet sich der Landarzt in einem auf Wirtschaftlichkeit getrimmten System nicht mehr. Die ländlichen Regionen sind deshalb für den "Gesundheitsmarkt" unattraktiv.

...da fehlte versehentlich der Rest :

....Das legt sogleich nahe, die an der Verteilung der Finanzmittel beteiligten Krankenkassen zusammenzufassen.

Berufliche Laufbahn

"Nach 13 Schuljahren, ein bis zwei Jahren Wehrdienst ..."

Ihnen ist aber schon bekannt, dass in Deutschland seit Ewigkeiten keiner mehr zum Wehrdienst muss, oder?

---

"dass neue Ärzte erst ein paar Jahre als Landarzt arbeiten müssen, bevor die eine Zulassung für andere Bereiche bekommen?"

Toller Ansatz. Man macht einen an sich schon durch die Rahmenbedingungen unattraktiven Beruf dadurch attraktiver, indem man junge Leute zwingt etwas völlig anderes zu machen, als sie eigentlich wollen. Der Medizinstudent aus Köln wird sicher begeistert sein, seine Familie und Freunde für 5 Jahre zurückzulassen um Patienten an der Listertalsperre zu besuchen und Abends in irgendeinem Dorf im Sauerland zu sitzen wo die letzte Pommesbude um 22 Uhr zu macht während seine Freunde in der Großstadt ihre besten Jahre leben.

@09:54 Uhr von heribix

100 Patienten am Tag ist kein Ziel, dass ein Arzt erreichen will.
Das bedeutet bei einem 8h Tag weniger als 5 Minuten pro Patient, inklusive des Verwaltungsaufwands mit ausfüllen von Rezepten oder der Patientenakte, Frage nach den Beschwerden, sowie Begrüßung und Verabschiedung.
Was hat denn das noch mit Behandlung zu tun? Das ist nur noch ein stumpfes Abfertigen.
MMn. sind die Entschädigungen pro Patient zu gering.
Und jetzt bitte nicht das Argument mit den privat Versicherten, dass bedeutet nämlich dann, dass Kassenpatienten nur noch die ungeliebte Pflicht sind.

Medizinische Unterversorgung in strukturschwachen Regionen

.
Probleme für MedizinerInnen:
bürokratische Hürden und Auflagen
hohe Investitionskosten
höherer Heilmittelbedarf älterer Patienten auf dem Land führt eher
zu einer Überschreitung des Budgets und Regresskosten
.
junge MedizinerInnen bevorzugen
Anstellung statt Selbststängigkeit
Arbeit im Team
flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten
attraktives Wohnumfeld

.
Möglichkeiten dem entgegenzuwirken:
Anstellung durch Kommunen
Gründung von MVZs (Nachfolgemodell Poliklinik)
oder
kommunale Gesundheitszentren (nach skandinavischem Vorbild),
in denen medizinische Fachangestellte kleinere Beschwerden und
Gesundheitsvorsorge übernehmen
.
Quereinsteiger und Abiturienten ohne NC bekommen Studienplatz,
bei Verpflichtung als Landarzt/Landärztin in strukturschwachen Regionen zu arbeiten

Am 12. Februar 2022 - 11:46…

Am 12. Februar 2022 - 11:46 Uhr von Peter Goge
@ Mitdenkender
„ Und die Ausbildung in Deutschland ist Spitze. Die Schwurbeler täuschen über die wahren Verhältnisse hinweg.“

Schwurbler scheint hier seit Wochen das neue Lieblingswort einiger Foristen zu sein, die keine anderen Angriffspunkte finden und selbst schwurbeln.
Dass Frauen in der Mehrzahl bei den Studiengängen vertreten sind, ist auch nicht überraschend, denn auch beim Abitur scheinen diese die Jungen auf den ersten Rängen zu dominieren. Und auch, was den Abschluss an sich angeht.
Link: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung…

Am 12. Februar 2022 - 12:04…

Am 12. Februar 2022 - 12:04 Uhr von Peter Goge
@ Mitdenkender
Ich wundere mich nicht, dass viele ihr Glück dann woanders suchen.

Unterm Strich wechseln deutlich mehr Ärzte vom Ausland nach Deutschland als umgekehrt.
—-
Dafür haben Sie sicherlich eine Quelle?

Für die Ausbildung vielleicht und die „Auslandserfahrung“.
Wenn es um freie gut geförderte Forschung, angemessene Bezahlung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, dann gibt es sicherlich mehr Möglichkeiten in den nordischen Staaten.
Und da lebt man auch ganz schnell auf dem Land.

@nie wieder spd 09:44

"Warum wird das nicht so geregelt, dass neue Ärzte erst ein paar Jahre als Landarzt arbeiten müssen, bevor die eine Zulassung für andere Bereiche bekommen?
Genau so kann man auch die Abwanderung von Spezialisten ins Ausland verzögern."
.
Glaube ich nicht.
Um einen Arzt als Landarzt arbeiten lassen zu können, braucht er ja bestimmte Qualifikationen. Und dann gehen die jungen Leute eben mit diesen Qualifikationen ins Ausland, wo ihre Qualifikation mehr wert ist.
.
Oder anders ausgedrückt: Dann gehen die Leute eben ins Ausland, bevor sie Spezialisten sind.

Ich wohne auch auf

dem Land in einer Kleinstadt mit 30000 Ew.
Die ärztliche Versorgung ist sehr gut.
Nur einige Fchärzte fehlen (Neurologen, Dermatologen).
Da muss man halt ein paar Kilometer fahren.
@heribix
Mein Cousin ist auch Arzt.
Es ist überall so, dass eine Arzt ohne Privatpatienten kaum mehr über die Runden kommt.
Das liegt am Vergütungssystem.

Was ist mit Ärztinnen?

Würde „nie wieder spd“ diese auch zwangsverpflichten, ein paar Jährchen auf dem Land zu praktizieren und dann auch noch als Pflegekraft ein paar Jahre arbeiten lassen, dann wäre die Kinderplanung ganz unmöglich.
Der Anteil an Frauen steigt beim Medizinstudium stetig:

Aber nicht nur das Interesse scheint größer zu sein, sondern auch die Grundvoraussetzungen. Da der Studiengang Medizin generell stark vom Numerus Clausus geprägt ist und Frauen durchschnittlich bessere Abiturnoten erzielen als Männern, errechnen sich dementsprechend weitaus mehr Frauen Erfolg bei der Studienplatzbewerbung. Link: https://www.praktischarzt.de/magazin/frauen-medizin-studium-maenner/

@jukep 10:24

" Ärztemangel?
Nein es gibt genug Ärzte nur nicht da wo sie nötig wären. Genaugenommen ist die ungleiche Verteilung von Ärzten schon seit mindestens 30 Jahren ein Problem und aus meiner Sicht ein Versagen der Kassenärztlichen Vereinigung."
.
Da dürfte viel dran sein.
Die KV schafft es nicht, die Ärztedichte sinnvoll zu steuern.
Am Starnberger See gibt es haufenweise Ärzte (die sich vermutlich auch nicht totarbeiten), viel mehr, als nötig wären.
.
Damit will ich nichts gegen den Sternberger See sagen (ist bestimmt sehr schön dort), aber der Sinn der KV sollte ja nicht unbedingt Sightseeing sein ...

Ärzte auf dem Land

Der Staat zahlt das Studium; dann müsste er auch junge Mediziner verpflichten danach,zumindest für einige Zeit,aufs Land zu gehen.Immer mehr Kliniken werden geschlossen,d.h. auch dadurch gibt es eine schlechte Versorgung.Ich musste mich nach der Ausbildung zur Kr.Schw.verpflichten für 5 Jahre an der ausbildenden Klinik zu bleiben.

@09:21 Uhr von eine_anmerkung.

Auch hier fehlt Ihnen der Einblick: weniger unsere Steuergerechtigkeit als die unglaublich ausbeutenden Strukturen des Klinikalltags für Assistenz- und Oberärzte sind das Problem. Und dafür ist die zu starke marktwirtschaftlich-kapitalistische Umgestaltung des Krankenhauswesens seit vielen vielen Jahren verantwortlich. Corona ist - wie in manch anderen Bereichen - auch hier ein Problemverschärfer und nicht Problemverursacher. Die Vernachlässigung des Aspektes, dass der Gesundheitssektor zur zentralen Daseinsvorsorge gehört, rächt sich allerdings besonders in Pandemiezeiten.

Am 12. Februar 2022 - 11:56…

Am 12. Februar 2022 - 11:56 Uhr von nie wieder spd
„Eine Verpflichtung zu einer bestimmten Tätigkeit verhindert nicht die Familienplanung.
Ich würde sogar noch ein paar Jährchen dranhängen, für eine Einsatzzeit als Pflegekraft für jeden Arzt.
Das würde ich aber gerne auch bei jedem Berufspolitiker sehen.“
—-
In Ihrer Aufzählung scheinen noch Lehrer zu fehlen.(Ironie aus) In Ihren Augen scheinen Ärzte und Politiker es nie der Gesellschaft Recht machen zu können, denn für Sie scheinen diese Berufsgruppen ihren Job aus den falschen Gründen gewählt zu haben und müssen ‚bestraft‘ werden.
Ärzte machen den Job aus „Berufung“. Ich jedenfalls werde am liebsten von solchen behandelt. Auch auf dem Land - ohne Zwang.

@WM-Kasparow-Fan,09.50h

Sie stellen, wie immer die Systemfrage.
Im von Ihnen präferierten System strebt man eben ein Parteiamt an.
Das Ziel ist das selbe.
Möglichst viel für sich selbst herausholen.

Am 12. Februar 2022 - 12:22 Uhr von Wanderfalke

Die von Ihnen angeführten Strukturunterschiede gehören eben zu jenen Verhältnissen, die auszugleichen die KVen sich verpflichtet hatten - vielleicht haben die die Verhältnisse auch nicht richtig erkannt. Glaube ich aber nicht. Es handelt sich schlicht um Verteilungskämpfe. Kurzum und nochmal : die KVen lösen das Problem nicht. Darum muß der Staat handeln. Übrigens : kein Arzt ist gehindert, sich privat niederzulassen bzw. seine Kassenzulassung zurückzugeben.

@Peter Goge - Work-life-balance

11:41 Uhr von Peter Goge:
"Unser Sohn ist Hausarzt in einer ländlichen Gemeinschaftspraxis und arbeitet 3 1/2 Tage die Woche. Das gibt es also auch."
_
Natürlich gibt es das. Das ist die work-life-balance, von der ich schrieb. Unter diesen Voraussetzungen kann die Praxis eines Arztes nur dann als Gemeinschaftspraxis fortgeführt werden, wenn sich entsprechend viele Ärzte finden.
_
Eine Übergangslösung könnte darin bestehen, dass alten Ärzten jungen Mitstreiter vermittelt werden, die die Praxis gemeinsam fortführen, bis sich ein zweiter Jungarzt gefunden hat. Aber darauf muss man auch Lust haben...

@Peter Goge 12. Februar 2022 12:01

Auch bei den Ärzten ist es so das besonders die Jüngeren keine Lust mehr darauf haben 24/7/365 bereit zu sein. Keine geregelten Arbeitszeiten, besonders auf dem Land kein so tolles Einkommen und dazu noch Unmengen an leider nötiger Bürokratie. Also was ist Ihre Lösung? Es hat ja durchaus seinen Grund warum es nicht so attraktiv ist auf dem Land Arzt zu sein. Das Stichwort ist Work-Live-Balance. Und die ist gerade oft wesentlich wichtiger als fast alles andere.

Bei dem von mir vorgeschlagenen Ansatz ist der Arzt Führender Angestellter, hat ein gutes Einkommen, Platz, eine gute Ausstattung, geregelte Arbeitszeiten etc. Und wenn er auf dem Land bzw. in Regionen in denen die Nachfrage nach den Arbeitsplätzen nicht ganz so hoch ist arbeitet, dann bekommt er eben noch einen gescheiten Aufschlag oben drauf.

Wie aus Gesundheit ein Geschäft wurde

Früher gab es in dem Dorf, wo ich aufgewachsen bin einen Landarzt, der einmal wöchentlich eine Sprechstunde im Gemeindehaus abhielt. Dort konnte man ohne Auto hin und so versorgte er mehrere Dörfer. Dazu Hausbesuche usw., unterstützt wurde er von einer Gemeindeschwester. Beide staatlich angestellt und fest bezahlt. Die Räumlichkeiten bezahlte die Gemeinde. Dann kam die Wende, der Arzt verschwand, die Schwester auch und heute müssen alle mit dem Auto in die Stadt zum Arzt fahren. Dort wartet man ewig bis man dran ist und jedes Jahr wird es schlimmer. Sie merken, wer aus Gesundheit ein Geschäft macht, alles privatisiert, der muß eben damit leben, das ein Landarzt uneffektiv ist.

Ärztemangel !

Zum einen ist es für einen Arzt auf dem Land viel schwieriger, den ganzen Bürokram, der von ihm verlangt wird, zu bewältigen, weiter die oft weiten Wege zu seinen Patienten, sehr lange Arbeitszeiten. Und zum anderen bekommt er nicht viel dafür, durch die völlig bescheuerte Regelung mit den Pauschalen. Dabei kann es doch so oft sein, dass er wesentlich mehr für einen Patienten tun muss, als die Pauschale ihm gibt.
Das ist ja auch für kleine Krankenhäuser ein Problem, wenn sie Patienten haben, die lange im Haus liegen, mehr Kosten, aber wenig Ertrag.
Nur haben die Politiker dies noch nicht erkannt, dass die einen furchtbar absahnen, während andere rum krebsen.

@DerVaihinger um 13:11 Uhr

"Im von Ihnen präferierten System strebt man eben ein Parteiamt an.
Das Ziel ist das selbe."

Nicht so ganz. Ich möchte in keinem System leben, das bisher existierte in der Menschheitsgeschichte.
Ich schätze zwar "Das Ende der Geschichte" von Fukuyama, in welcher er beschreibt, dass es schon alle möglichen Systeme gab ("ausprobiert" wurden), und sehr wahrscheinlich kein besseres als unser jetziger freiheitlich demokratischer Rechtsstaat möglich ist. Teile aber nicht die pessimistische Ansicht. Es geht immer besser! Warum sollte dieses Prinzip nicht auch für menschliche Gesellschaften gelten?
Zum Ende der DDR meinten einige: "Die Menschen sind noch nicht reif für den Sozialismus." Wenn sich tatsächlich mal in ferner Zukunft Charakter und Lebenseinstellungen ALLER Menschen (aufgrund kultureller Evolution evtl.) grundlegend ändern sollten, strebt vielleicht auch niemand mehr nach Parteiamt, Machtausübung und Hierarchiebildung. Okay, - Konjunktiv, aber optimistisch wenigstens.

Nicht nur in Brandenburg - sondern in ganz Deutschland ....

Die Ärzteversorgung ist auch hier in Ba-Wü extrem schlecht auf dem Land:

Hausarztpraxen schließen fortlaufend ohne Nachfolger.
Andere noch tätige Hausärzte nehmen keine neuen Patienten mehr an und die meisten sind dann noch über 60 Jahre alt, so dass sie auch bald aufhören werden.

Menschen, die einen Hausarzt benötigen, der auch Hausbesuche macht, finden einen solchen kaum mehr.
Mir sagte eine Ärztin vor etlichen Jahren:
Aber ich mache keine Hausarztbesuche, weil ich mit ca. 10 km Entfernung von ihrer Praxis zu weit weg wohne - Fahrzeit lt. Google maps 12 Min.
Klar, die Ärztin hat auch ohne mich genug zu tun.
Eine andere Ärztin, deren Praxis nur 6 km von meinem Wohnort entfernt ist, sagte mir und anderen Interessierten aus meinem Wohnort, dass sie nur Patienten annimmt, die aus dem gleichen Ort kommen, in dem ihre Arztpraxis liegt.
In meinem Wohnort gibt es keinen Hausarzt, so dass ich immer mind. 5 km fahren muss, um die nächste Arztpraxis in Nachbarorten zu erreichen.

@ 13:08 Uhr von Mitdenkender

„ … denn für Sie scheinen diese Berufsgruppen ihren Job aus den falschen Gründen gewählt zu haben und müssen ‚bestraft‘ werden.“
Wenn Sie den Pflegeberuf für eine Strafe halten, dann weiß ich gar nicht, wie gut Pflegekräfte bezahlt werden und wie toll deren Arbeitsbedingungen sein müßten.
Aber wesentlich besser als für alle Mediziner und Politiker zusammen sicherlich.
Und über eine Prämie von 50.000 € für Pflegekräfte schon zu Ausbildungsantritt bräuchte man dann noch nicht einmal nachdenken. Die wäre obligatorisch.

@DerVaihinger 12:59

" Ich wohne auch auf dem Land in einer Kleinstadt mit 30000 Ew.
Die ärztliche Versorgung ist sehr gut."
.
Zum einen ist mit "auf dem Land" nicht unbedingt eine Stadt mit 30.000 Einwohnern gemeint, sondern eher die (immer noch) zahlreich vorhandenen größeren Dörfer.
Das im Artikel genannte Lübben hat ca. 14.000 Einwohner.
.
Und darüber hinaus wurde hier im Thread auch bereits die Ungleichverteilung reiches Land vs. armes Land angesprochen.

@Mitdenkender - Kinderplanung ist nicht ortsabhängig.

12:59 Uhr von Mitdenkender:
"Was ist mit Ärztinnen? Würde ,nie wieder spd' diese auch zwangsverpflichten, ein paar Jährchen auf dem Land zu praktizieren und dann auch noch als Pflegekraft ein paar Jahre arbeiten lassen, dann wäre die Kinderplanung ganz unmöglich."
_
Was veranlasst Sie zu dieser Annahme?
Wenn eine verpflichtete "Landärztin" für sich feststellt, dass das Landleben für sie okay ist, dann kann sie sofort mit der Kinderplanung beginnen. Genauso lässt sich der Entschluss einplanen, später in eine Stadt zu ziehen. (Man kann schließlich auch mit Kindern umziehen.)

@Esche999 - 13:21

"Die von Ihnen angeführten Strukturunterschiede gehören eben zu jenen Verhältnissen, die auszugleichen die KVen sich verpflichtet hatten - vielleicht haben die die Verhältnisse auch nicht richtig erkannt. Glaube ich aber nicht. Es handelt sich schlicht um Verteilungskämpfe. Kurzum und nochmal : die KVen lösen das Problem nicht. Darum muß der Staat handeln."
.
Der handelt aber nicht.
Sind wir jetzt beim Landarzt Problem weiter?
.
"Übrigens : kein Arzt ist gehindert, sich privat niederzulassen bzw. seine Kassenzulassung zurückzugeben."
.
Ist mir auch bekannt, löst aber das aufgeworfene Problem nicht.

Tja ...

"Und die wenigsten haben Interesse, sich in der Fläche niederzulassen, es geht dann doch der Gang in berlinnahe Regionen""
.
Dann müssen die Regierenden halt mal steuernd eingreifen und dort wo die Versorgung gut ist keine weiteren Praxisöffnungen mehr zulassen.
Aber das Problem wird sein, dass eigentlich nirgends die Versorgung so richtig gut ist.

@WM-Kasparov-Fan 13:35

"Wenn sich tatsächlich mal in ferner Zukunft Charakter und Lebenseinstellungen ALLER Menschen (aufgrund kultureller Evolution evtl.) grundlegend ändern sollten, strebt vielleicht auch niemand mehr nach Parteiamt, Machtausübung und Hierarchiebildung. Okay, - Konjunktiv, aber optimistisch wenigstens."
.
Ein wenig beneide ich Sie für diese Hoffnung, die ich zwar auch einmal hatte, inzwischen aber vollständig ad acta gelegt habe.
.
Sie nennen Ihre Utopie optimistisch, ich halte meine Dystopie (leider) für realistisch.
.
Mit anderen Worten: Ich glaube nicht, dass die Menschheit sich so ändern wird, dass ein solches Gesellschaftsmodell, wie es Ihnen vorschwebt, realistisch ist.
Es wird leider Gottes immer zu viele von denen geben, denen der Eigennutz wichtiger als der Gemeinnutz ist.
Und ich fürchte, dass das derart in unseren Genen verankert ist, dass wir aus der Nummer auch niemals komplett rauskommen werden, sondern das nur bestmöglich einhegen können.

@Peter Goge 11.41

"Unser Sohn ist Hausarzt in einer ländlichen Gemeinschaftspraxis und arbeitet 3 1/2 Tage die Woche. Das gibt es also auch. Allerdings kommen auch Notdienste hinzu."
;;;;;;
Ich bin Patientin in einer Gemeinschaftspraxis von zwei Ärztinnen auf dem Land. Sie machen auch Hausbesuche, was ja nicht mehr alle Ärzte machen und betreuen die Seniorenheime im Ort. Doch die Lage im Kreis ist nicht ungetrübt; es gibt viele Ärzte, die keine Patient*innen mehr annehmen.

@DrBeyer um 14:30 Uhr

Danke für Ihre relativ ausführliche Antwort auf meine vom kleinteiligen Thema (Landärzte in Deutschland) äußerst stark abweichende und ebenso stark verallgemeinernde "Spekulierer- und Träumerei".
Übrigens war Arzt zu werden, egal wo und mit welchem Einkommen, auch schon immer ein Nebenwunsch in mir. So wie es mit vielen Hobbys und Interessen ist. Für meine Begriffe unsinniger "Numerus Clausus" und meine Lernfaulheit für Dinge, die nicht 100%-ig mein Interesse wecken, schrecken aber dann doch ein wenig ab - dies voll anzugehen.

Das haben Sie geschrieben..,

Am 12. Februar 2022 - 13:38 Uhr von nie wieder spd
@ 13:08 Uhr von Mitdenkender
„ … denn für Sie scheinen diese Berufsgruppen ihren Job aus den falschen Gründen gewählt zu haben und müssen ‚bestraft‘ werden.“
Wenn Sie den Pflegeberuf für eine Strafe halten, dann weiß ich gar nicht, wie gut Pflegekräfte bezahlt werden und wie toll deren Arbeitsbedingungen sein müßten.

—-
Sie haben meinen Kommentar nicht genau genug gelesen.
Diese Aussage haben Sie getroffen, indem Sie jemanden verpflichten wollen, etwas zu tun, das gar nicht seinem Ziel entspricht. Ich habe die Berufsgruppen nicht abgewertet, sondern Sie!

Pfleger entscheiden sich für Pflege (und sollten auf jeden Fall besser bezahlt werden), und Ärzte für das Arztsein. Warum Sie angehende Ärzte erst jahrelang „verpflichten“ wollen, ist nicht klar.

13:35 Uhr von WM-Kasparov-Fan


Wenn sich tatsächlich mal in ferner Zukunft Charakter und Lebenseinstellungen ALLER Menschen (aufgrund kultureller Evolution evtl.) grundlegend ändern sollten, strebt vielleicht auch niemand mehr nach Parteiamt, Machtausübung und Hierarchiebildung. Okay, - Konjunktiv, aber optimistisch wenigstens.

Hierarchien in Gruppen von Menschen bilden sich durch Kenntnisse und Fähigkeiten, auch ohne dass einzelne Macht über andere anstreben. Ich bin in der Hierarchie dann mit oben, wenn es um Naturwissenschaften, Photographie und Sprachen geht. Weit unten bin ich, wenn an Autos Herumumbasteln, Schach oder Kochen auf den Tisch kommt.

Eine Gesellschaft in völliger Selbstlosigkeit kann es nicht geben, und auch jeder Arzt ist mehr als nur Barmherziger Samariter, der kein eigenes Leben mit eigenen Vorstellungen hat.

Arzt sein ist kein Beruf, der ohne besondere Interessen und Charaktereigenschaften wie alle anderen Berufe nummeriert auf der Berufswahlspeisekarte steht.

@schabernack um 15:31 Uhr

"Arzt sein ist kein Beruf, der ohne besondere Interessen und Charaktereigenschaften wie alle anderen Berufe nummeriert auf der Berufswahlspeisekarte steht."

Ja schon. Aber vielleicht besteht dieser Wunsch nach Halbwissen in Medizin, wie 15:13 Uhr auf Forist DrBeyer geantwortet, auch nur darin, weil ich als Schulkind auf dem sehr verstaubten Dachboden meiner Großeltern nicht nur massig Bücher mit (Ideologie-verzerrter) Politik, Philosophie, Kunst, klassischer Literatur, Poesie, Chemie usw. fand (väterlicherseits), sondern auch gerne in der - zum Glück - sehr antiken und schon bunt bebilderten 32-bändigen russischen Enzykopädie der Medizin blätterte, und meine Mutti beliebte Kinderärztin (Medizin studiert in Leningrad und gerne in der Kunstausstellung Ermitage unterwegs) war.

kein Wunder

Da braucht sich keiner mehr wundern, dass überall die Landflucht ist, wenn noch nicht einmal die Grundversorgung gesichert ist (geht ja mit der öffentlichen Verkehrsverbindung weiter).
.
Nicht nur kaum Ärzte auf dem Land, dazu werden viele Krankenhäuser geschlossen und die Versorgung wird insgesamt immer miserabler.

12:18 Uhr von Mitdenkender

Sehen Sie, es geht den Menschen wie den Leuten. Passiert mir auch fast jedes Mal.
Habe Ihren Beitrag nochmal gelesen aber ändert nichts.

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