Ihre Meinung zu: Absichtserklärung: Deutschland gibt Benin-Bronzen an Nigeria zurück

14. Oktober 2021 - 19:19 Uhr

Sie standen einst im Palast des Königreichs Benin. Ende des 19. Jahrhunderts raubten Briten die wertvollen Bronzen und verkauften sie an deutsche Sammler und Museen. Deutschland will die Kunstschätze nun zurückgeben.

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Kommentare

„Deutschland will die Kunstschätze nun zurückgeben“

Wurde auch Zeit. Sie gehören Deutschland nämlich nicht.

Hoffentlich wird diese „Absichtserklärung“ jetzt zügig in die Tat umgesetzt. Schon um des lieben Friedens Willen.

Ein Rechtsgrundsatz …

… - zumindest in Deutschland - lautet ja, dass man an Diebesgut, zu welchem ja auch Raubkunst gehört, kein Eigentum erwerben kann, auch nicht gutgläubig.

Von daher sollte Deutschland dem Anspruch, den es an seine Bürger stellt, selbst auch genügen.

Zwang?

"Die deutsche Regierung und das deutsche Volk haben einen mutigen Schritt gemacht, indem sie sich bereit erklärt haben, die Artefakte freiwillig und ohne großen Zwang von Seiten Nigerias zurückzugeben", sagte der Minister … [Nigerias Informations- und Kulturminister]

Soso … „freiwillig und ohne großen Zwang“ … bedeutet das, dass die Rückgabe doch nicht so übermäßig freiwillig war? Eher nur so ein bisschen freiwillig?

Solche Objekte wie die aus

Solche Objekte wie die aus Benin und unzählige andere gehören eigentlich keinem Staat. Sie sind kulturelles Erbe der gesamten Menschheit.

Im Grunde wäre es egal, in welchem Museum sie stehen. Hauptsache, sie sind für die Öffentlichkeit und für die Forschung zugänglich.

Dennoch, die Kunstwerke gehören in die Museen der Länder, wo sie gefunden wurden. Da ist noch sehr viel Arbeit zu leisten. Denn noch unzählige "Raubkunst" so will ich das mal nennen, steht in allen Museen dieser Welt, ob Berlin, London, New York. Und so manches Museum müßte bei einer Rückgabe seine Pforten schließen, bestehen deren Sammlungen doch fast ausschließlich aus geraubter Kunst.

Auch eines der berühmtesten Stücke, die in Deutschland zu sehen sind, gehört wieder da hin, wo es herkommt: Die Büste der Nefer Tari. Wenigstens symbolisch. Man könnte sich auch dahingehend einigen, daß Ägypten die Nofretete als Leihgabe zur Verfügung stellt, so könnte sie in Berlin bleiben und Ägypten wäre wieder Eigentümer.

Rückgabe ist ok.

Die Kunstwerke können von den Menschen in Afrika viel besser beurteilt werden als von den Europäern.
Sieht man ein Kunstwerk als Etwas Lebendiges an, das zum Betrachter spricht, dann ist die Rückgabe das Beste.
Ausserdem sind die geklaut, das gehört sich dann nicht, die zu behalten.
Man kann ja Duplikate anfertigen und die dann hier in Deutschland ausstellen.
Eine Frage habe ich:
müssten die Benin-Bronzen nicht nach Benin?
Wieso denn nach Nigeria?

20:46 von Anderes1961

… Auch eines der berühmtesten Stücke, die in Deutschland zu sehen sind, gehört wieder da hin, wo es herkommt: Die Büste der Nefer Tari. Wenigstens symbolisch. Man könnte sich auch dahingehend einigen, daß Ägypten die Nofretete als Leihgabe zur Verfügung stellt, so könnte sie in Berlin bleiben und Ägypten wäre wieder Eigentümer.

Die Ägypter fordern das schon lange und immer wieder, beißen aber hier (noch) auf Granit.

Wobei die Umstände, wie die Büste nach Deutschland kam, ja bis heute sehr umstritten sind. Allerdings scheint (!) die durchgeführte Fundteilung, welche „die Schöne“ nach Berlin brachte, selbst nach der Meinung der damaligen Ägyptischen Regierung im Vorkriegsrecht nicht zu beanstanden zu sein.

Die Forderung der Rückgabe trat erst Mitte der 1920er Jahre auf und war wohl vor allem innenpolitischer Natur.

@Sparpaket

"
Am 14. Oktober 2021 um 20:59 von Sparpaket
Rückgabe ist ok.

Die Kunstwerke können von den Menschen in Afrika viel besser beurteilt werden als von den Europäern.
Sieht man ein Kunstwerk als Etwas Lebendiges an, das zum Betrachter spricht, dann ist die Rückgabe das Beste.
Ausserdem sind die geklaut, das gehört sich dann nicht, die zu behalten.
Man kann ja Duplikate anfertigen und die dann hier in Deutschland ausstellen.
Eine Frage habe ich:
müssten die Benin-Bronzen nicht nach Benin?
Wieso denn nach Nigeria?"

Eine Suchmaschine hätte geholfen. Es gibt den Staat Benin in Westafrika und es gibt die Stadt Benin in Nigeria, mit 2,6 Millionen Einwohnern drittgrößte Stadt in Nigeria und Hauptstadt des Bundesstaates Edo.

Wem gehören Kulturschätze?

Demjenigen, der heute gerade in dem Fundgebiet wohnt? Alle Menschen haben das Erbe, dass sie in ihrem Gebiet vorfinden, zu schützen, als Erbe der Menschheit. Egal ob es schon immer dort war oder irgendwann einmal dorthin gebracht wurde. Wobei es auch keine Rolle spielt, ob dies durch Handel oder Raub geschah. Richtig ist, dass Kulturschätze in einen räumlichen und sachlichen Kontext gehören, also in möglichst vollständige Sammlungen. Nur: Wir wissen, dass z.B. manche Länder, wie z.B. Ägypten, aber selbst EU-Länder wie Griechenland, so viele Kulturschätze haben, dass sie sie wirtschaftlich gar nicht erhalten können, geschweige denn wissenschaftlich auswerten. In vielen Ländern stellt sich die Frage des Eigentums durch das Volk gar nicht wirklich, da es aufgrund Korruption gar kein Volkseigentum gibt, sondern sich nur eine herrschende Clique bereichert. Hier ist es vielleicht sogar geboten, das Erbe der Menschheit nicht diesen Menschen auszuliefern. Schlagworte helfen hier nicht.

Na dann hoffen wir mal

… dass den Bronze Büsten nicht das passiert, was andern Orts in Afrika schon mal häufiger passiert. Dass sie gestohlen oder gar durch islamisten zerstört werden

@Thomas D.

"
Am 14. Oktober 2021 um 21:04 von Thomas D.
20:46 von Anderes1961

… Auch eines der berühmtesten Stücke, die in Deutschland zu sehen sind, gehört wieder da hin, wo es herkommt: [...]

Die Ägypter fordern das schon lange und immer wieder, beißen aber hier (noch) auf Granit.

Wobei die Umstände, wie die Büste nach Deutschland kam, ja bis heute sehr umstritten sind. Allerdings scheint (!) die durchgeführte Fundteilung, welche „die Schöne“ nach Berlin brachte, selbst nach der Meinung der damaligen Ägyptischen Regierung im Vorkriegsrecht nicht zu beanstanden zu sein.

Die Forderung der Rückgabe trat erst Mitte der 1920er Jahre auf und war wohl vor allem innenpolitischer Natur."

Ja, es gibt die Ansicht, Berlin habe die Büste der Nefer Tari legal erworben, was ich allerdings bezweifle, Howard Carter und Lord Carnavon brachten sie unter zweifelhaften Umständen nach Europa. Besser aufgehoben wäre sie im neuen ägyptischen Museum im Kontext der 19. Dynastie um Akhnaten und Tut Ankh Amun.

@ 20:46 von Anderes1961

"Dennoch, die Kunstwerke gehören in die Museen der Länder, wo sie gefunden wurden." Was machen wir denn mit Grabbeigaben eines Wikingers, die in dessen Grab in Norwegen gefunden wurden, von ihm aber in England geraubt wurden? Was machen wir mit Gütern, die Ägypten vor 100 Jahren nach London verkauft hat und da jetzt in einem Grafenkeller gefunden werden? Entscheidend muss sein, wer kann das Kulturgut besser wissenschaftlich aufarbeiten, wer kann es besser der Menschheit verfügbar machen. Warum soll man eine Mumie nach Ägypten zurückgeben, wenn die selber vor lauter Mumien nicht mehr wissen, was sie damit machen sollen? Wäre es nicht besser, ein Teil der Eintrittsgelder einer Büste in Berlin für bessere Museen in Kairo zu spenden? England hat immer noch nicht die Carter'schen Unterlagen ausgewertet. Die Sachen gehören dahin, wo sie genutzt werden können, nicht wo sie Geld bringen, schon gar nicht einer korrupten Clique, die sie meistbietend sofort wieder auf dem Markt verscherbeln.

Schön

"Zudem gebe es eine Übereinstimmung mit allen nigerianischen Seiten, dass weiterhin Objekte in Deutschland gezeigt würden. "Das war auch ein nigerianischer Wunsch." Die Zusammenarbeit solle sich auch auf die Archäologie, das Engagement in der kulturellen Infrastruktur und Ausbildung von Museumsmanagerinnen und -managern beziehen."

*

Schön!
So kann vor Ort weiter geforscht und gesucht werden und die Sammlung erweitert werden.

Ich persönlich finde sowieso besser, wenn Sammlungen um die Welt reisen, damit mehr Menschen etwas von ihnen haben. (Ja, es ist nicht ungefährlich, aber man muss das nicht mit jedem Stück machen.)

@Thomas D. - freiwillig = zwanglos

20:45 von Thomas D.:
"Soso … ,freiwillig und ohne großen Zwang' … bedeutet das, dass die Rückgabe doch nicht so übermäßig freiwillig war?"

Nach meinem Verständnis bedeutet es das nicht. Das Wort "freiwillig" schließt die Zwanglosigkeit mit ein.

Zum Vergleich: "trocken und ohne großen Regen" ist auch einfach nur trocken.

Davon abgesehen wüsste ich kein Druckmittel, dass Nigeria gegenüber Deutschland einsetzen könnte.

21:13 von Anderes1961

Kann es sein, dass wir beiden Archäologen gerade aneinander vorbeireden?

Sie sprachen von Nefer Tari, und ich vermutete, dass Sie Nefertiti (Nofretete) meinten. Denn die kam ja von Borchardt.

@ 21:13 von Anderes1961

Carter und Carnavon haben ja einiges mitgehen lassen (sogenannte Westentaschenfunde), aber mit der Büste der Nerferet-iti, einst Tell el-Amarna, jetzt Berlin, haben sie wirklich nichts zu tun. Sonst wäre sie in Highclere und nicht in Berlin. Das haben Borchardt für Deutschland und Maspero und Lefebvre für Ägypten ausgehandelt, Simon hat die dann nach Berlin gebracht. Ägypten hat so viele Funde, dass es sie gar nicht angemessen präsentieren, geschweige denn auswerten kann (das gilt auch für andere Länder inkl. vieler europäischer, auch Carters Unterlagen sind ebenso wie die von Schliemann noch nicht vollständig ausgewertet). Hier wäre Kooperation statt Konfrontation wirklich wichtiger. Aber wer gibt das Geld? Es geht nicht immer so gut wie bei Abu Simbel. Vielleicht gibt es einmal eine vernünftige Verteilung auf der Welt - jenseits aller Nationalinteressen. Aber entscheidend ist erst einmal die Erhaltung. Egal wo. Ist die in Nigeria, einem der korruptesten Länder der Welt, gesichert?

Rückgabe und Verkauf

Dann könnten wir auch einfach Geld überweisen und die Stücke behalten. Denn diese Kunstgegenstände werden in Nigeria eine Zeit lang irgendwo eingelagert werden, möglicherweise in einem schäbigen Museum, oder in einem Tresor irgendwo, wo der Staat seine Hand drauf hat. Dort werden sie nach und nach in Vergessenheit geraten - denn ein durchschnittlicher Nigerianer interessiert sich genau so brennend dafür wie ein durchschnittlicher Deutscher, nämlich gar nicht; interessant sind diese Teile ja nur für Forscher und für Historiker, also für Spezialisten von denen es in Lagos, Kano, in Abuya oder Benin City kaum welche gibt.
Und früher oder später werden die Artefakte dann wieder unter der Hand an Privatleute verkauft werden. Wie so viele andere Museumsstücke in der Vergangenheit auch.

@Anderes1961 - Aus Raubkunst werden Dauerleihgaben

20:46 von Anderes1961:
"Und so manches Museum müßte bei einer Rückgabe seine Pforten schließen, bestehen deren Sammlungen doch fast ausschließlich aus geraubter Kunst."

In Zeiten von Laserscan und 3D-Druck sollte es nicht allzu schwer sein, eine vernünftige Kopie solcher Kunstobjekte herzustellen.

Vermutlich wird ein erheblicher Teil der Kunstwerke trotz der geänderten Besitzverhältnisse einfach an seinem bisherigen Platz bleiben. Die Museen Nigerias haben schließlich begrenzte Ausstellungsmöglichkeiten und (Dauer)Leihgaben oder Wanderausstellungen sind eine gute Außenwerbung.

21:29 von Nachfragerin

@Thomas D. - freiwillig = zwanglos
20:45 von Thomas D.:
"Soso … ,freiwillig und ohne großen Zwang' … bedeutet das, dass die Rückgabe doch nicht so übermäßig freiwillig war?"

Nach meinem Verständnis bedeutet es das nicht. Das Wort "freiwillig" schließt die Zwanglosigkeit mit ein.

Nach meinem Verständnis auch. Daher ist der Zusatz „ohne großen Zwang“ sehr seltsam, denn er impliziert zumindest geringen Zwang.

Zum Vergleich: "trocken und ohne großen Regen" ist auch einfach nur trocken.

Nein, das meinen Sie nicht ernst. Das ist ja so wie „nass und ohne große Trockenheit“ …

Davon abgesehen wüsste ich kein Druckmittel, dass Nigeria gegenüber Deutschland einsetzen könnte.

Etwas realistisches fällt mir hier auch nicht ein.

@Autograf

"[...] Wäre es nicht besser, ein Teil der Eintrittsgelder einer Büste in Berlin für bessere Museen in Kairo zu spenden? England hat immer noch nicht die Carter'schen Unterlagen ausgewertet. Die Sachen gehören dahin, wo sie genutzt werden können, nicht wo sie Geld bringen, schon gar nicht einer korrupten Clique [...]"

Ich weiß, Sie meinen es nicht so. Aber Ihre Ansicht ist ziemlich genau die, mit der auch heute noch Museen in aller Welt begründen, wieso sie geraubtes Erbe der Menschheit nicht zurückgeben. Nämlich die Sichtweise, daß nur die "ziviliserten" Länder der westlichen Hemisphäre in der Lage wären, gut auf die Sachen aufzupassen und zu forschen.

Wenn Sie diese Ansicht teilen, sind Sie nicht auf dem neuesten Stand. Beispiel: Salima Ikram, eine der renommiertesten Ägyptologinnen, kommt aus Pakistan. Forschung wird heutzutage weltweit betrieben. Und ob Nigeria, Ägypten, Rapa Nui, die können schon sehr gut drauf aufpassen und auch forschen.

@Nachfragerin

"
Am 14. Oktober 2021 um 21:39 von Nachfragerin
@Anderes1961 - Aus Raubkunst werden Dauerleihgaben

20:46 von Anderes1961:
"Und so manches Museum müßte bei einer Rückgabe seine Pforten schließen, bestehen deren Sammlungen doch fast ausschließlich aus geraubter Kunst."

In Zeiten von Laserscan und 3D-Druck sollte es nicht allzu schwer sein, eine vernünftige Kopie solcher Kunstobjekte herzustellen.

Vermutlich wird ein erheblicher Teil der Kunstwerke trotz der geänderten Besitzverhältnisse einfach an seinem bisherigen Platz bleiben. Die Museen Nigerias haben schließlich begrenzte Ausstellungsmöglichkeiten und (Dauer)Leihgaben oder Wanderausstellungen sind eine gute Außenwerbung."

Sie rennen bei mir einen offenen Türrahmen ein. Selbst die Tür mußte ich gedanklich aushängen. :-)

Genauso sehe ich das auch. Wanderausstellung wäre bei einigen Objekten schwierig. Die sind teilweise doch arg empfindlich und sollten besser da bleiben, wo sie sind und nicht wandern. Aber der Rest darf wandern.

@Batman737

"
Am 14. Oktober 2021 um 21:38 von Batman737
Rückgabe und Verkauf

Dann könnten wir auch einfach Geld überweisen und die Stücke behalten. Denn diese Kunstgegenstände werden in Nigeria eine Zeit lang irgendwo eingelagert werden, möglicherweise in einem schäbigen Museum, oder in einem Tresor irgendwo, wo der Staat seine Hand drauf hat. [...] denn ein durchschnittlicher Nigerianer interessiert sich genau so brennend dafür wie ein durchschnittlicher Deutscher, nämlich gar nicht; interessant sind diese Teile ja nur für Forscher und für Historiker, also für Spezialisten von denen es in Lagos, Kano, in Abuya oder Benin City kaum welche gibt.
[...] "

Sie sollten nicht von sich auf andere schließen. Es gibt viele Menschen, die sich dafür interessieren, z. B. ich. Und es gibt viele Nigerianer, die sich für ihr Kulturgut interessieren.

Es schimmert auch durch: "Die bösen Kulturbanausen in Afrika". Haben keine Ahnung von Forschung. Ein Post gespikt mit wenig Ahnung aber umso mehr Vorurteilen.

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