Italiens Arbeitsmarkt muss dringend reformiert werden

15. August 2021 - 11:00 Uhr

Italien hat mit 10,5 Prozent die dritthöchste Arbeitslosenquote der EU - und das, obwohl es während der Pandemie einen Entlassungsstopp gab, der schätzungsweise 330.000 Arbeitsplätze rettete. Nun ist die Regierung gefordert. Von E. Pongratz.

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Kommentare

Italiens Arbeitsmarkt muss dringend reformiert...

Was das für "Reformen" sein sollen, darüber braucht nicht spekuliert werden. Der Kündigungsschutz soll weg-"liberalisiert" werden. Am Ende der Agenda dann mehr working poor, arbeitende Arme. Das Mario Draghi dafür steht, ist auch klar. Und auch die rechte Lega Nord ist im Kabinett dabei.

Es kommt jetzt auf die Gewerkschaften an: CGIL, CISL und UIL werden sich wohl wehren....

Mit seiner Ursache - der Abhängigkeit vom Geld - wird sich das

Problem nicht lösen lassen (und das gilt weiß Gott nicht nur für Italien)

„Die Regierung will nun mit viel Geld aus dem europäischen Recovery Fund den Arbeitsmarkt reformieren und (…)“

"Wir fordern in diesem Moment nur, arbeiten zu dürfen. Nichts anderes"

Sie wollen also (entgegen dem von gewissen Teilen der Gesellschaft mit „Protestierenden“ assoziierten Narrativ) arbeiten.
Das Problem liegt allerdings in dem Wörtchen „dürfen“, das impliziert, dass die Entscheidung darüber im Ermessen anderer liegt. Und auch, dass es den Protestierenden weniger um den Inhalt bzw. den Sinn und Zweck dieser „Beschäftigung“ geht als allein darum, damit ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

„Vor allem die Jungen trifft es hart; während der Pandemie haben gerade sie (…). Bei fast 32% liegt die Jugendarbeitslosigkeit. Ein weiteres Problem: Nur jede zweite Frau (…)“

Dass unter dem Diktat des Geldes immer zuerst die am wenigsten „Privilegierten“ zu leiden haben, ist nun wirklich nichts Neues mehr.

noch noch nicht einmal Spitzenreiter

Spanien und Griechenland haben eine Quote von über 15%, im EU-Schnitt fast 8%.

Dieses Problem besteht doch schon lange, warum die Reform also erst jetzt?
Immer die gleichen Versprechungen, ich glaube nicht mehr daran, dass die Regierenden dies in den Griff bekommt.

"Außerdem gebe es in Süditalien einen starken Anteil an Schwarzarbeit ..."

Dieser Trend wird sich auch weiter verstärken, steigt doch die Steuerlast/Abgabelast ständig und ist schon jetzt fast unerträglich.
Ein Beispiel, ein Geringverdienender der 40 Jahre in die Rente eingezahlt hat, bekommt nicht mehr, wie jemand der gar nicht einzahlte.

Jetzt hab ich

den Satz verwundert gelesen.
" Außerdem gebe es in Süditalien einen starken Anteil an Schwarzarbeit, der circa drei bis dreieinhalb Millionen Arbeitnehmer betreffe. Und: "Dazu kommt eine Kluft zwischen Nord und Süd, was die Infrastruktur angeht."

Das es zwischen den Regionen große Unterschiede gibt, ist mir klar, haben wir im Land auch, großen Lohngefälle ist ja bekannt.
Aber die Menge Schwarzarbeit, das ist schon eine Nummer, wie immer das auch funktioniert.
Steigende Inflation, macht die Sache nicht besser, weniger Geld, weniger Konsum.
Auch bei uns wird es Veränderungen geben.

" Die Regierung unter Ministerpräsident Mario Draghi will nun mit viel Geld aus dem europäischen Recovery Fund den Arbeitsmarkt reformieren und etwa spezielle Jobs für Junge fördern oder in eine bessere Ausbildung an den Universitäten investieren. "

Klingt gut, aber es braucht ja Jobs in der Masse, und nicht einige spezielle oder hoch-studierte.
Wie soll das funktionieren, klingt nach viel versprechen.

Abwanderung

Nord-Süd Gefälle, schlechte Infrastruktur, innenpolitische Baustellen- das hat Italien seit Jahrzehnten. Korruption und staatlich-private Vernetzung mit manchmal dubiosen Seilschaften stehen auch in Gesellschaft und Wirtschaft für einen Reformstau und mangelnden Willen, das auf breiter Basis anzugehen. Südeuropa hat in den letzten 10 Jahren unter Finanz- und Bankenkrise gelitten und wir konnten die Massenarbeitslosigkeit da schon verfolgen. Da der Norden bevorzugt wird, können die Abwanderungen aus dem Süden dorthin oder in andere EU-Mitgliedsstaaten nicht überraschen. Geld ist ein Anfang, das Konzept und die Umsetzung aber sind wichtiger, wenn man Jung und Alt wieder in den Wirtschaftsprozess einbinden und Löhne sichern will.

Forever dolce vita

In meinem bisherigen Leben habe ich nie andere Nachrichten des italienischen Arbeitsmarktes vernommen. Die Frage, die der Artikel leider nicht beantwortet, ist, gibt es überhaupt genug Jobs und wenn nicht, wie sollen die geschaffen werden? Wie ist Italien für die Zukunft aufgestellt? Wo wird investiert und zielgerichtet gefördert? Welche vielversprechenden Startups gibt es?

Wie wäre es mit "Hartz-IV" ? - ... nach Korrektur

Die Frage im Betreff ist satirisch gemeint.
Aber bei uns in D haben die "Reformen" mit Hartz-IV dazu geführt, dass immer mehr Menschen für einen Stundenlohn von + / - 5 Euro arbeiteten (und evtl. es immer noch tun).
Man hat dies einige Jahre danach bemerkt u. hat den Mindestlohn eingeführt, der möglicherweise auch umgangen wird. Tricks dazu will ich hier nicht ansprechen.

D hat es durch diese für die sozial Schwachen u. für die Arbeitslosen sehr nachteilige "Reform" aber geschafft, die Arbeit auf mehr Menschen mit geringeren Stundenlöhnen zu verteilen, so dass offiziell die Zahl der Arbeitslosen dadurch auch gesunken ist.

Da ich diese "Reformen" von ausgerechnet einem SPD-Kanzler für einen Verrat an der Sozialdemokratie halte, will ich niemandem zu solchen Maßnahmen raten.

Aber generell kann man die Arbeitslosigkeit schon senken, wenn man die Arbeit auf mehr Menschen verteilt u. es weniger Spitzenverdiener dann gibt. Ich rede von Bruttoverdiensten von mehr als ca. 100.000€/Jahr.

@Nettie, 11:42

Sie wollen also (entgegen dem von gewissen Teilen der Gesellschaft mit „Protestierenden“ assoziierten Narrativ) arbeiten.
Das Problem liegt allerdings in dem Wörtchen „dürfen“, das impliziert, dass die Entscheidung darüber im Ermessen anderer liegt. Und auch, dass es den Protestierenden weniger um den Inhalt bzw. den Sinn und Zweck dieser „Beschäftigung“ geht als allein darum, damit ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Ja, so ist das im Kapitalismus. Zum Überleben braucht die große Mehrheit die Erlaubnis der kleinen Minderheit. Und die Gegenleistung besteht natürlich darin, den Reichtum dieser Minderheit weiter zu vermehren. Deshalb spricht man ja auch von "Arbeitgebern", obwohl der Mensch ja seine Arbeit gibt, und "Arbeitnehmern", obwohl diese Arbeit ja von den anderen angenommen wird.
Aber fast alle sind ja überzeugt, dass die große Mehrheit nur auf diese Weise überhaupt überleben kann.

"Reddito di cittadinanza"

Bitte nicht vergessen zu berichten:
Außer einer riesigen Staatsverschuldung gibt es in Italien etwas, was sman sich eigentlich nicht leisten kann:
In Italien gibt es seit 2019 das von Vielen hierzulande geforderte "Bürgergeld"- das "bedingungslose Gundeinkommen" und zusätzlich eine großzügige "Vorruhestandsregelung".
vgl. auch:
https://www.manager-magazin.de/politik/europa/italien-grundeinkommen-vo…
"Dieses "Reddito di cittadinanza" ist genauso umstritten wie die in April in Kraft tretende Vorruhestandsregelung."

oder: Handelsblatt 1.12.2019:
"Italien führt das Bürgergeld ein"
"Bedürftige Single erhalten monatlich 780 Euro, Familien mit zwei Kindern 1280 Euro"

Entlassungen

Entlassungen in der Zulieferindustrie im Automobilbereich ist kein italienisches Problem.
Das trifft uns in Deutschland viel härter.
Italien ist allerdings momentan der Wachstumsmotor in der EU.
Ob das in Sachen Klimaschutz von Vorteil ist, bleibt zweifelhaft.

@11:42 von Nettie

Dass unter dem Diktat des Geldes immer zuerst die am wenigsten „Privilegierten“ zu leiden haben, ist nun wirklich nichts Neues mehr.

Es gibt kein "Diktat des Geldes". Menschen brauchen nun mal Waren und Dienstleistungen um zu überleben. Und ohne Geld als Zahlungsmittel, ginge es den "nicht-Privilegierten" noch viel schlechter.

Mit seiner Ursache - der Abhängigkeit vom Geld - wird sich das Problem nicht lösen lassen

Wer das behauptet, versteht nicht im Ansatz, wie eine Volkswirtschaft funktioniert. Das ist nämlich nicht die Ursache. Die Ursachen liegen anderswo, nämlich bei den Befürwortern einer staatlich dominierten Wirtschaft. Der überregulierte, aufgeblähte und ineffiziente Staatsapparat ist in Italien die Hauptursache für die Probleme.

Ein weiteres Problem?

„Ein weiteres Problem: Nur jede zweite Frau in Italien ist erwerbstätig, …“
Wozu denn Arbeitsplätze für Frauen, wenn schon über 30% der Jugendlichen arbeitslos ist?
Fehlende Arbeitsplätze für Frauen sind doch nur dann ein echtes Problem, wenn die Männer nicht genug Lohn bekommen.
So wie das auch viel zu oft in der BRD ein Problem ist.
Werden die nichtarbeitenden Frauen denn bei der Arbeitslosenrate mitgezählt?
Oder sind die 10,5% Arbeitslose nur Männer?
Wie hoch ist in Italien der Gendergap?
Können Frauen mit Arbeit eine Familie ernähren, ohne dass ihr Mann auch noch arbeiten gehts muss?
Vernünftig wäre doch auch in der BRD, dass nur 1 Elternteil arbeiten muss und der andere sich um die Kinder kümmert, und Alleinerziehende sollten vom Arbeitszwang befreit sein. Für ihre Kinder.

Am 15. August 2021 um 11:42 von Nettie

Dass unter dem Diktat des Geldes immer zuerst die am wenigsten „Privilegierten“ zu leiden haben, ist nun wirklich nichts Neues mehr.
__
Sie implizieren ja zum ersten Mal, dass Geld/Kaoital in Ihren Augen entbehrlich, wenn nicht sogar schädlich ist. Bitte benennen Sie doch gerne Länder, wo man ohne schon so gut klarkommt, wie das Ihrer Meinung nach der Fall ist. Wenn Geld weg, wird ALLES gut.
__
Und auch, dass es den Protestierenden weniger um den Inhalt bzw. den Sinn und Zweck dieser „Beschäftigung“ geht als allein darum, damit ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.
__
Das wird wohl den allermeisten der abhängig Beschäftigten so gehen. Soll JEDER Ihrer Meinung nach, nur der Beschäftigung nachgehen, der individuelle Erfüllung ermöglicht ?
Da bin ich ja gespannt, wer in Zukunft unsere Kanäle sauberhält, den Müll wegschafft oder am Hochofen arbeitet.
Wolkenkuckucksheime helfen niemandem.

@ Tagesschau

Gibt es in Italien keinen Facharbeitermangel?
Wenn nein, warum nicht?
Und wie sieht das in den anderen EU - Ländern aus?

Reformen

das es Reformen geben muss weis jeder der logisch denken kann . die Frage müsste heißen weile Reformen. denn wenn es nur wieder den kleinen Mann trifft sehe ich schwarz.

Überfällig

Die Reformen, die in Deutschland einst Gerd Schröder durchsetzte, sind in Italien überfällig. Geliebt wird man dafür nachher nicht, aber es muss sein.

Deregulierung - was sonst?

Und der Kampf gegen die Schwarzarbeit, hinter der auch nicht selten die Mafia steht.

Italien ist eben Italien.

Insgesamt geht es dort vielen aber besser als hier. Viel mehr Wohneigentum als in Deutschland.

Und damit ist auch das Medianvermögen über dem von Deutschland.

@ 12:03 Giselbert- deshalb FDP wählen

„ Dieser Trend wird sich auch weiter verstärken, steigt doch die Steuerlast/Abgabelast ständig und ist schon jetzt fast unerträglich.
Ein Beispiel, ein Geringverdienender der 40 Jahre in die Rente eingezahlt hat, bekommt nicht mehr, wie jemand der gar nicht einzahlte.“

Deshalb: Deregulierung. Weniger Staat.
Weniger konsumptive Staasausgaben.
Egal ob in Italien oder in Deutschland.

Dann kann man mehr privat vorsorgen, wenn man mehr Geld zur Verfügung hat.

Hartz-Reformen als Vorbild

@ Margitt:
Wie wäre es mit "Hartz-IV" ?

Die Hartz-Reformen wurden in vielen europäischen Ländern als Anregung oder Vorbild verwendet. Selbst Putin hat seinem Kollegen Schröder gegenüber solche Anleihen eingeräumt. Und das in einem ehemals kommunistischen Staat.

11:26 von Bernd Kevesligeti

Der Kündigungsschutz soll weg-"liberalisiert" werden
--------

stellen sie sich einfach mal vor Unternehmer zu sein
Was haben sie für ne Handhabe bei nem Mitarbeiter der das halbe Jahr blau macht

Sie schicken den zu nem Kunden, der zahlt 40 Euro auf die Stunde
der Arbeiter kriegt 25 Euro (mit Lohnnebenkosten) und die halbe Zeit raucht der und den Rest der Zeit auf dem Klo

Denke man sollte beide Seiten betrachten
vor allem nen guten Lohn zu fordern, sollte vielleicht auch der Wille zu ordentlicher Arbeit stehen

Die Italienische Wirtschaft wiedersetzt sich ...

.. seit Jahrzehnten einer längst überfälligen Reform.
Es steht nicht zu befürchten, dass sich in den nächsten Jahrzehnten hier etwas ändert.
Zudem ist sie in der EU "Systemrelevant". Bevor da also etwas ernsthaft den Bach runtergehen, wird ein passender Haushalt geklöppelt oder die EU zur Kasse gebeten.

@Margitt. um 12:08

Zum Schluss Ihres Posts schreiben Sie: „Aber generell kann man die Arbeitslosigkeit schon senken, wenn man die Arbeit auf mehr Menschen verteilt u. es weniger Spitzenverdiener dann gibt. Ich rede von Bruttoverdiensten von mehr als ca. 100.000€/Jahr“.

Sie haben sicherlich auch schon mal von Lohnnebenkosten gehört? Das Gehalt alleine sind nicht die kompletten Kosten für den AG, sondern da kommt ca. der gleiche Betrag nochmals drauf, dann hat man die Kosten für den AG. Man sollte sich überlegen, welche Lohnnebenkosten gesenkt werden können, damit es für Firmen interessanter wird, mehr Leute einzustellen.
Also brutto 100.000€/Jahr ist sicherlich ein sehr gutes Gehalt, aber als „Spitzenverdiener“ würde ich das nicht bezeichnen. Ingenieure, die derzeit eingestellt werden, können mit 5.000€/Monat rechnen, da ist man schon bei 60.000€/Jahr - Berufseinsteiger! Klar, in manch anderen Branchen (v. a. nicht Studierte) ist das nicht der Fall.

Eine weitere dringende,

Eine weitere dringende, notwendige, schwere Aufgabe für Draghi. Er kann es schaffen. Den Italienern sollte klar sein, dass ohne Arbeitsmarktreformen kein fortgesetzter Wohlstand in der Zukunft möglich sein wird.

13:08 von Wolf1905

Zitat:
"Zum Schluss Ihres Posts schreiben Sie: „Aber generell kann man die Arbeitslosigkeit schon senken, wenn man die Arbeit auf mehr Menschen verteilt u. es weniger Spitzenverdiener dann gibt. Ich rede von Bruttoverdiensten von mehr als ca. 100.000€/Jahr“.

Sie haben sicherlich auch schon mal von Lohnnebenkosten gehört? Das Gehalt alleine sind nicht die kompletten Kosten für den AG, sondern da kommt ca. der gleiche Betrag nochmals drauf, dann hat man die Kosten für den AG. "

Mir ging es bei dem Vorschlag die vorhandene Arbeit besser zu verteilen, darum, dass die nach der Verteilung verbleibenden Löhne oder Gehälter noch zu einem anständige Leben ausreichen.
Es sollte also nicht so sein, dass man im Niedriglohnsektor durch eine Verteilung die Löhne nochmals senkt.

Natürlich weiß ich um die Zusammensetzung von Löhnen und um die Arbeitgeber-Anteile, die die Unternehmen noch zusätzlich abführen müssen.
Dass man an solchen Abgaben evtl. auch einsparen kann, will ich nicht ausschließen.

12:03, Giselbert

>>steigt doch die Steuerlast/Abgabelast ständig und ist schon jetzt fast unerträglich.
Ein Beispiel, ein Geringverdienender der 40 Jahre in die Rente eingezahlt hat, bekommt nicht mehr, wie jemand der gar nicht einzahlte.<<

Abgesehen davon, daß es hier nicht um Deutschland, sondern um Italien geht:

Jemand, der vierzig Jahre lang Geringverdiener war, hatte vierzig Jahre kaum genug zum Leben. Das Rentenniveau liegt in Deutschland bei 46% des Verdienstes. 46% von kaum genug zum Leben ist nicht genug zum Leben. Also geht ein solcher Rentner in Grundsicherung. Bekommt also das, was ein Mensch bekommt, der nie sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat. Was kaum genug zum Leben ist. Dieses Problem ließe sich lösen, indem man die Minirente nicht auf die Grundsicherung anrechnet. Wobei ich aber befürchte, daß Sie eher die Grundsicherung absenken möchten, so daß sie überhaupt nicht mehr zum Leben reicht.

es rentiere sich nicht, heißt es zur Begründung

weshalb schließen denn auch hierzulande viele Textilfirmen
für 2 Euro geht halt nur in Bangladesch ein T Shirt zu produzieren
also wer ist Schuld wenn nicht der Verbraucher der ja auch Arbeitnehmer ist

@ covid-strategie

Zitat: "Dann kann man mehr privat vorsorgen, wenn man mehr Geld zur Verfügung hat."
#
Wenn man entsprechen Summen zurücklegen kann ... aber wer kann das? Die überwiegende Mehrheit nicht, die anderen haben genug.
Ansonsten ist es die Hoffnung auf eine ewig steigende Börse und im kleinen sprudelnde Zinsen; wobei die Hoffnung hier wohl die größte Rolle spielt. Millionen von Hasadeuren an Börsen und in der Hand windiger Versicherungen die, wenn der Zahltag näher kommt, plötzlich den vereinbarten Zins nicht mehr aufbringen können und dabei gesetzlich geschützt werden ...
Beides steht bei einer Einzahlzeit von 45-50 Jahren und einer Nutzungszeit von +/- 20 Jahren auf äußerst tönernen Füßen.
Und was macht man wenns schief geht? Richtig, die übrige Solidargemeinschaft der Steuerzahler solls wie immer richten...

von Sisyphos3 13:03

Ja, daß ist ein Text. Ein Text des konsequenten nach unten tretens.

Und das Ergebnis solcher "Reformen" wird dann der echt freie Lohnarbeiter sein. Frei von Geld und frei von Rechten (rechtlos).
Ob die Rechnung aber aufgeht ist auch die Frage. Aber ob die Gewerkschaften dort keinen Widerstand leisten, wie damals der DGB bei der Agenda ?

@weingasi1, 12:42

„Da bin ich ja gespannt, wer in Zukunft unsere Kanäle sauberhält, den Müll wegschafft oder am Hochofen arbeitet“

Haben Sie überlesen, dass ich geschrieben habe, dass die Menschen sich sinnvoll betätigen und vor allem auch ihren Beitrag zum Gemeinwesen leisten können (also „arbeiten“) WOLLEN? Nur eben nicht unter irgendjemandes Diktat?

@ um 13:08 von Wolf1905

Da die sich Lohnnebenkosten für Arbeitnehmer ab einer bestimmten Gehalthöhe nicht weiter erhöhen, empfiehlt es sich dann, als Arbeitgeber weniger Leute einzustellen, diese aber wesentlich besser zu bezahlen.
Die Digitalisierung eröffnet da sicherlich große Möglichkeiten.
Und dann wird rotiert, damit jeder mal beim arbeiten mitmachen darf.
Bei einem Gehalt von 100.000 € pro Monat reicht es aus, nur 1 Monat im Jahr zu arbeiten.
Sind das nicht goldige Aussichten?
Oder wir haben viel mehr Arbeitslose, die aber auch finanziert werden müssen.
Oder eine Revolution?

@État DE gauche, 12:37

„Es gibt kein "Diktat des Geldes"“

Das sehe offenbar nicht nur ich anders.
Diktatoren behaupten ja auch gerne, sie seien „demokratisch gewählt“ worden…

13:13, Werner40

>>Eine weitere dringende, notwendige, schwere Aufgabe für Draghi. Er kann es schaffen. Den Italienern sollte klar sein, dass ohne Arbeitsmarktreformen kein fortgesetzter Wohlstand in der Zukunft möglich sein wird.<<

Was meinen Sie denn mit Arbeitsmarktreformen? Abbau von Arbeitnehmerrechten? Ausweitung des Niedriglohnsektors? So etwas ist ja oft gemeint, wenn von „Arbeitsmarktreformen“ die Rede ist.

Ich möchte zu bedenken geben, daß Italien nach wie vor die viertstärkste Volkswirtschaft der EU besitzt und Nettozahler ist. Der Wirtschaft des Landes geht es gut, den Menschen eher weniger.

Am 15. August 2021 um 13:08 von Wolf1905

" Sie haben sicherlich auch schon mal von Lohnnebenkosten gehört? Das Gehalt alleine sind nicht die kompletten Kosten für den AG, sondern da kommt ca. der gleiche Betrag nochmals drauf, dann hat man die Kosten für den AG. "

Wie kommen Sie darauf, kurze Frage im Netz, und diese aktuelle Antwort kommt sofort.

" März 2021 12 Minuten zu lesen. ... Etwa 21 Prozent des Bruttolohns machen die Lohnnebenkosten in Deutschland aus. Sie setzen sich aus Sozialabgaben, Umlagen und verschiedenen Zuwendungen zusammen. Da sie die Lohngesamtkosten steigern, werden sie auch als indirekte Arbeitskosten bezeichnet. "

Und 100 000 sind mehr als gut, weil die meisten zwischen 30-35 000 haben, und die sitzen nicht auf dem Stuhl und haben Kaffeemaschine.
Außer den großen Firmen Auto und 2-3 bekannte Marken, gibt es mehr kleine Firmen.
Und es gibt mehr Menschen die 25 000 im Jahr haben, als man so denkt.
Und Rentner liegen bei 15000-17000 Brutto, und da sind 100 000 bei Ihnen nicht viel.
Erstaunlich.

@frosthorn, 12:18

„Ja, so ist das im Kapitalismus. Zum Überleben braucht die große Mehrheit die Erlaubnis der kleinen Minderheit. Und die Gegenleistung besteht natürlich darin, den Reichtum dieser Minderheit weiter zu vermehren. Deshalb spricht man ja auch von "Arbeitgebern", obwohl der Mensch ja seine Arbeit gibt, und "Arbeitnehmern", obwohl diese Arbeit ja von den anderen angenommen wird“

Meines Erachtens eine sehr treffende „Zusammenfassung“. Sieht ganz so aus, als seien in der Welt von „Kapital und Wirtschaft“ die Grundlagen für das Verständnis der Begrifflichkeiten Geben und Nehmen ein wenig (oder vielmehr: gewaltig) „verrutscht“.

um 13:08 von Wolf1905

>>
Sie haben sicherlich auch schon mal von Lohnnebenkosten gehört? Das Gehalt alleine sind nicht die kompletten Kosten für den AG, sondern da kommt ca. der gleiche Betrag nochmals drauf, dann hat man die Kosten für den AG. Man sollte sich überlegen, welche Lohnnebenkosten gesenkt werden können, damit es für Firmen interessanter wird, mehr Leute einzustellen.
<<

Vor allen Dingen sollte man für die RV und KV alle Einkommensarten einbeziehen, u.a. auch Kapitaleinkünfte. Dann eine Basispflichtversicherung mit gedeckelter Auszahlung und es gäbe kein Problem mehr. Die Widerstände sind natürlich exorbitant. Im Zweifel selbst bei denen. die jetzt am Monatsende nicht satt werden.

@ Bernd Kevesligeti

Es kommt jetzt auf die Gewerkschaften an: CGIL, CISL und UIL werden sich wohl wehren...

Am Ende haben sie keine Chance. Die normative Kraft des Faktischen siegt über die gewerkschaftliche Nostalgie.

13:03 von Sisyphos3

«stellen sie sich einfach mal vor Unternehmer zu sein
Was haben sie für ne Handhabe bei nem Mitarbeiter der das halbe Jahr blau macht.»

Den kündige ich, und damit warte ich erst gar nicht ein halbes Jahr lang.
Die Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht kann er sich schenken, sonst muss er das Urteil zu meinen Gunsten auch noch bezahlen.

Habe ich den begründeten Verdacht, er täuscht fortgesetzte Krankheit vor, engagiere ich einen Privatdetektiv, der das was genauer beobachtet. Bestätigt sich mein Verdacht, dann kündige ich den Blaumacher. Alle Kosten für den Privatdetektiv zahlt der Gekündigte. Diese Kosten wären erst gar nicht entstanden, hätte er sich nicht vorsätzlich andauernd illegal verhalten.

Schön ist das nicht, Freude macht es auch nicht.
Nervig und aufwändig isses mit verplemperter Zeit für alle.
Aber solche wenigen Trottel Blaumacher sind ohne jede Chance.

@ 13:22 von fathaland slim

"Dieses Problem ließe sich lösen, indem man die Minirente nicht auf die Grundsicherung anrechnet. Wobei ich aber befürchte, daß Sie eher die Grundsicherung absenken möchten, so daß sie überhaupt nicht mehr zum Leben reicht."

Natürlich sollte die Grundsicherung nicht abgesenkt werden. Weiß jetzt nicht warum Sie mir dieses Ansinnen unterstellen, zumal ich mich für ein vernünftiges Auskommen, sowohl während der Arbeitszeit, wie auch im Ruhestand ausspreche.

Italiens Arbeitsmarkt muss dringend reformiert werden

Bevor Italiens Arbeitsmarkt reformiert werden kann, (Reform bedeutet meist ein viel schlechter als vorher), muss die EU von ihrem Mantra: "EU braucht mehr Zuwanderer wegkommen"; denn dadurch verschärft sich die Arbeitsmarktlage in den verschiedenen Ländern- besonders im unteren Lohnsegment.

@12:42 von nie wieder spd

"...und Alleinerziehende sollten vom Arbeitszwang befreit sein. Für ihre Kinder." Klingt interessant. Und welche Botschaft vermittelt das an die Kinder ? Wenn du Kinder hast, brauchst du nicht zu arbeiten, Geld bekommst du auch so vom Staat. So aufgewachsene Kinder sind dann ganz sicher bienenfleißig, weil sie ja der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen, oder nicht ? Glauben Sie das etwa ?

@ wieder SPD

Gibt es in Italien keinen Facharbeitermange?
Wenn nein, warum nicht?
Und wie sieht das in den anderen EU - Ländern aus?

In jedem Land der EU herrscht Mangel an Fachkräften in verschiedenen Branchen.

um 13:03 von Sisyphos3

,,stellen sie sich einfach mal vor Unternehmer zu sein
Was haben sie für ne Handhabe bei nem Mitarbeiter der das halbe Jahr blau macht

Sie schicken den zu nem Kunden, der zahlt 40 Euro auf die Stunde
der Arbeiter kriegt 25 Euro (mit Lohnnebenkosten) und die halbe Zeit raucht der und den Rest der Zeit auf dem Klo..."

Keine wirklich realistische Annahme beim heutigen Arbeitsdruck international und ebenso in Italien. Das klingt für mich eher nach seltenen Verhältnissen in gutbürgerlichem Milieu, in dem ein Mann nicht mehr arbeiten muß und die Frau alles macht. Das hat aber nichts mit dem Thema zu tun.

@12:18 von frosthorn

Ja, so ist es. Im Kapitalismus muss der Arbeiter seine Arbeitskraft verkaufen, für seinen Lebensunterhalt. Was aber, wenn niemand diese Ware Arbeitskraft braucht, also auch nicht kaufen will ? Wollen Sie den Unternehmer zwingen, eine Ware zu kaufen, die er nicht braucht ? Sie kaufen doch auch nichts, was Sie nicht brauchen, nur um dem Verkäufer zu helfen oder doch ?

12:42 von weingasi1

«Das wird wohl den allermeisten der abhängig Beschäftigten so gehen. Soll JEDER Ihrer Meinung nach, nur der Beschäftigung nachgehen, der individuelle Erfüllung ermöglicht ?
Da bin ich ja gespannt, wer in Zukunft unsere Kanäle sauberhält, den Müll wegschafft oder am Hochofen arbeitet.»

"Individuelle Erfüllung" ist weder mein Angestelltes Berufstum Photograph / Terminkoordinator. Auch nicht der Teilzeit-Freiberuf Photograph im gleichen Metier. Obwohl sich beim Photographieren schon Berufstätigkeit mit Hobby vermischt.

Es ist nicht individuell erfüllend, vorwiegend immer andere Maschinen meist aus Metall in Details und Anwendnug zu photographieren. Auch wenn das in meinem Fall tariflich gebunden (IGM) sehr gut bezahlt, und der freiberufliche Teil nur für Extrageld ist, das ich zum Lebensunterhalt gar nicht brauche.

Müll wegschaffen, Kanäle sauberhalten, am Hochofen arbeitet wer, der ohne individuelle Erfüllung angemessen gut bezahlt wird. Müll-Weg + Hochofen ist kein Niedriglohn.

@Sisyphos3 & @schabernack

Schönes konstruiertes Beispiel mit dem Arbeitnehmer, der eine Hälfte der Arbeitszeit mit Rauchen, die zweite Hälfte auf dem Klo und die dritte Hälfte mit Blaumachen verbringt.
Ich kann Ihnen aber aus langjähriger Betriebsratsarbeit versichern: solche Fälle sind es nicht, deretwegen eine "Liberalisierung", sprich ein Aufweichen des Kündigungsschutzes, von den Arbeitgebern so sehnlich gewünscht wird. Da geht es mehr darum, einen langjährigen und ordentlich verdienenden Beshäftigten loszuwerden, weil man einen gefunden hat, der für die Hälfte arbeitet. Und dann will man sich nicht mit lästigen Dingen wir Kündigungsschutz rumärgern. Da manipuliert man dann ein Arbeitszeitkonto, lässt den nichts ahnenden Kandidaten drei mal zu spät kommen und wirft ihn raus. Den Kollegen, der bezeugt hat, dass es gar keine Verspätung gegeben hat, gleich mit. Wegen des "gestörten Vertrauensverhältnisses".

@13:30 von Nettie

Das sehe offenbar nicht nur ich anders.

"Sehen", Behaupten und Einbildung sind das eine. Realität ist was anderes. Beim Vergleich volkswirtschaftlicher Systeme, lohnt es sich, den Blick auf die Realität zu werfen.
Zum Beispiel, zwischen Italien und dem relativ frei-marktwirtschaftlichen Nachbarland Schweiz zu vergleichen.

Diktatoren behaupten ja auch gerne, sie seien „demokratisch gewählt“ worden…

Allerdings behaupten sie das gerne und sie "sehen" sich so, obwohl die Realität eine ganz andere ist. Wie auch oben, hilft auch hier der Blick auf die Realität und wie immer die Frage: welche Systeme sind die erfolgreichsten und freiheitlichsten?

von hinten 14:08

Also, Gewerkschaften sollen "keine Chance haben" ? Was für ein Gesellschaftsbild (Freiheit für wen) ?
Aber eventuell liegt es auch am Bewusstsein, daß dazu führen könnte, den Ansprüchen der Taschenfüller Grenzen aufzuzeigen.

@Werner40

"Den Italienern sollte klar sein, dass ohne Arbeitsmarktreformen kein fortgesetzter Wohlstand in der Zukunft möglich sein wird."

Wenn die Reformen Einschnitte bringen, dann kann man auch kaum von einem "fortgesetzten Wohlstand" sprechen.
In der Regel ist es doch bei solchen Reformen so: man arbeitet ein bißchen mehr, bekommt ein bißchen weniger und tröstet sich damit, dass man überhaupt noch einen Job hat.
De facto sinkt der Wohlstand.

Am 15. August 2021 um 13:44 von fathaland slim

Was meinen Sie denn mit Arbeitsmarktreformen? Abbau von Arbeitnehmerrechten? Ausweitung des Niedriglohnsektors? So etwas ist ja oft gemeint, wenn von „Arbeitsmarktreformen“ die Rede ist.

Ich möchte zu bedenken geben, daß Italien nach wie vor die viertstärkste Volkswirtschaft der EU besitzt und Nettozahler ist. Der Wirtschaft des Landes geht es gut, den Menschen eher weniger.
__
Ich bin in ITA und wohne z.Zt. in einem kleinen Hotel meiner Tante. Hier wird fast jeden Tag kontrolliert, wieviele Gäste da sind, was die bezahlen usw. Auf sämtlichen, täglich stattfindenen Märkten rund um den Gardasee patroullieren laufend Beauftragte der Behörden, ob auch für jeden Käse, jede Tasche und jedes Kg. Kirschen ein Ticket gebont wurde.
Also, man tut schon sehr viel, um der Steuervermeidung entgegen zu treten, auch auf Baustellen, in der Gastro, in grossen Hotels. Die Krankenvers. ist erheblich schlechter als in DE.

um 14:28 von Bernburger49

>>
Ja, so ist es. Im Kapitalismus muss der Arbeiter seine Arbeitskraft verkaufen, für seinen Lebensunterhalt.
<<

"Denn eben wo Begriffe fehlen,
Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein."
(Faust)

Die Verwendung des Begriffs "Kapitalismus" ist immer ungünstig, wenn er nicht mit Inhalt gefüllt ist. Sie verwenden ihn offenbar zur Beschreibung des Status quo in der "westlichen Wertegemeinschaft". Die Fragestellungen sind aber vielschichtiger: Wem gehört Produktivkapital und unabhängig davon, wer entscheidet über dessen Verwendung ? Wie stark ist der Einfluss der Wirtschaft (des Kapitals) auf die gesellschaftlichen Verhältnisse ? Wie demokratisch sind Staaten, in denen die Menschen nicht durch frühe Bildung in den Stand gesetzt werden, die Zustände zu verstehen und zu beurteilen ? Vorab: Das sind alles Fragen, die jenseits von Zentralkomitees und Führungskadern gestellt und beantwortet werden können.

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