Ihre Meinung zu: Bauernproteste in Indien: Abschied von der Abnahme-Garantie

15. Februar 2021 - 8:22 Uhr

Indiens Regierung will den Agrarmarkt liberalisieren. Das treibt seit Wochen die Bauern des Landes auf die Straßen: Ein Wandel der überkommenen Wirtschaftsordnung stellt sie vor Überlebensfragen. Von Oliver Mayer.

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Kommentare

Warum ist es offenbar nicht möglich, die Produktion von Lebensmitteln ohne staatliche Eingriffe (wie Garantien) so zu organisieren, dass niemand Angst vor Hunger haben muss UND auch nicht mehr als nötig produziert wird, sie also nicht verschwendet werden? Und so auch ein vernünftiger bzw. schonender Umgang mit Naturressourcen ermöglicht wird?

Es gibt gewisse Bereiche in

Es gibt gewisse Bereiche in der Wirtschaft die nicht liberalisiert werden sollten. Wohin und zu welchen Verwerfungen das führen kann sieht man in Deutschland an vielen Stellen. Bereiche die für das tägliche Überleben wichtig sind, sollten in Staatlicher Hand und unter staatlicher Kontrolle bleiben.

ja die Subventionen

hier ne Abnahmegarantie
dort ein staatlich festgelegter Höchstpreis für Produkte
Brot zum Beispiel in der DDR (wenn ich mich nicht täusche)
in Brasilien waren es (früher zumindest) schwarze Bohnen

Dass es dadurch zu Überschüssen in Indien kommt, beim Reis
sorry aber das kann ich mir jetzt aber gar nicht vorstellen

@Nettie um 09:08

Die Notwendigkeit von Überschüssen hat diverse Gründe:

Wenn man mal von einer Right-in-Time-Produktion von Gemüse/Obst in vollversiegelten Gewächshäusern absieht liegt eine Ungleichzeitigkeit von bedarf und Produktion vor; mann kann nicht einfach die Ernte aufessen und dann auf die nächste warten.
Das führt zu Verlusten durch Lagerung; selbst unter Idealbedingungen sind nur wenige Nahrungsmittel endlos lagerfähig; beschränkt man sich auf diese erhält man eine Mangelernährung die sich negativ auf Leistungsfähigkeit und wohlbefinden auswirkt.
Transport, für die gerechte Verteilung erschweren alles noch mehr, da Idealbedingungen hier noch Schwerer als in Spezialisierten Lagerhäusern zu erreichen sind.

Und dann gibt es noch den Fakt das Menschen Zickig sind:
Sie wollen nicht die ganze zeit nur das essen was ihnen zugeteilt wird; sie wollen es sich aussuchen können.
Manche haben auch noch Allergien, Unverträglichkeiten, religiöse Vorschriften, üble Assoziationen.

@Der Lenz Das ist genau die

@Der Lenz Das ist genau die Betrachtungsweise aus heutiger Sicht in den reichen Industriestaaten. Es war aber auch hier früher mal anders und es hat funktioniert. Allerdings haben die Menschen damals auch nicht nur die Sahnestücke gegessen. Ein Tier wurde geschlachtet und in Gänze verwertet und nicht nur Schinken, Filet und Schnitzel, der Rest wird Hundefutter. Man musste auch nicht das ganze Jahr Erdbeeren essen und für die zeit ab Februar wo die Scheunen hier recht leer waren gab es die Fastenzeit. Vielleicht sollten wir uns auf all das zurück besinnen, denn nur dann reicht es für alle. Aja und Obst und Gemüse mit kleinen Fehlern ist nicht schlecht und muss weggeworfen werden sondern man kann das auch essen.

Auf Dauer wird sich Indien anpassen

Von einer Liberalisierung der Landwirtschaft kann auch in der EU keine Rede sein. Das man dies auf einem Schlag durchführen möchte in Indien ist erstaunlich. Eine Modernisierung und Rationalisierung Zug um Zug wäre angebracht. Ebenso die Vermeidung der Überproduktion von bestimmte Lebensmittel, wie zuletzt der Zucker und damit der weltweite Verfall des Zuckerpreises und damit zu einem Einkommensrückgang der Bauern. In einer globalen Weltwirtschaft wird sich Indien jedoch nicht halten können an hundertjährigen Traditionen.

@ heribix um 10:14

>. Es war aber auch hier früher mal anders und es hat funktioniert. <

Da empfehle ich den Blick in die Geschichtsbücher: Ja, es war anders, aber anstatt zu funktionieren Litt Europa, manchmal Regional manchmal als ganzes, regelmäßig an Hungersnöten mit Todesraten die wir heute selbst in Katastrophengebieten vermeiden können.
Das Frankfurt/Oder für eine Schiffsladung Salzheringe an die Hanse verscherbelt wurde war die Folge einer solchen...oder der Hungeraufstand wegen des neuen erhöhten Sägemehlanteil im Weissbrot bei gleichzeitiger Preissteigerung der als "Französische Revolution" in die Geschichtsbücher einging.
Nein; dieses "anders" war nicht romantisch; es war die Katastrophe die uns den neuen Weg gelehrt hat. Das auch bei diesem nachgebessert werden muss ist bekannt; das hebelt aber die Notwendigkeiten auf denen er basiert nicht (!) aus.
Staatliche Subventionen/Bevorratungen gehören zwingend dazu.

@ Nettie

"Warum ist es offenbar nicht möglich, die Produktion von Lebensmitteln ohne staatliche Eingriffe so zu organisieren, dass niemand Angst vor Hunger haben muss..."

Weil dann die Märkte das Regulativ wären! Märkte regulieren sich dann zwar über Angebot & Nachfrage, was sich im 1. Moment natürlich fair & ausgeglichen anhört, aber de facto natürlich nicht ist, weil

a) jeder, der die Möglichkeiten dazu hat, versucht, den Markt in seinem Sinne zu manipulieren.
b) nicht jeder Marktteilnehmer mit identischen Voraussetzungen bzw. Mitteln am Markt konkurrieren kann.

Das Problem z.B.: Der eine Bauer hat z.B. 6 Kinder zu versorgen & dadurch natürlich deutlich höhere Ausgaben zu schultern. Er kann seinen Reis nicht zu Billigstpreisen anbieten. Sein Nachbar hat dagegen viell. gar keine Kinder hat & kann seinen Scheffel Reis unschlagbar günstig anbieten.

Der Markt nimmt aber auf solche "Befindlichkeiten" keine Rücksicht! Mit dem Effekt, dass die Familie mit 6 Kindern am Hungertuch nagt...

Es ist von staatlich garantierten Abnahmepreis die Rede

Nicht von Höchstpreis. Der Mindestpreis garantiert den Bauern eine Überlebenschance.
Eine Liberalisierung der Landwirtschaft dient nur den Großbetrieben die so billig an das Land der Bauern kommen, quasi eine Enteignung der kleinen und mittleren Bauern.
Eine Überproduktion von Reis verbunden mit "versammeln" gibt es nicht. Da China ständig allen Reis aufkauft , wo sie können.
Daher existieren diese"Liberalisierungsbestrebungen "in allen asiatischen Länder, wo der Staat oder Monarchen, den Preis für Reis so regulieren das viele ihr Einkommen haben und weitest gehend auch nicht hu gern müssen.
Eine Liberalisierung der Landwirtschaft hätte in Indien katastrophale Folgen

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