Kommentare - Myanmars Aung San Suu Kyi: Sturz einer Ikone

02. Februar 2021 - 02:56 Uhr

Friedensnobelpreisträgerin, Symbolfigur der Demokratie, tapfere Kämpferin gegen die Militärdiktatur in Myanmar - all das verkörperte Aung San Suu Kyi. Doch seit sie zur de facto Staatschefin aufstieg, war sie nicht unumstritten. Von Lena Bodewein.

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Auch San Suu Kyi wusste, dass

Auch San Suu Kyi wusste, dass die Lösungsvorschläge der UN klar auf dem Tisch liegen:
- Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage breiter Bevölkerungsschichten sowie die Anerkennung der Diversität und der Identität der verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften im Bundesstaat Rakhine, der Region mit den meisten Rohingya-Dörfern
- organisierte Rückführung sowie Garantien für die Sicherheit der Geflüchteten aus Bangladesch
Das ist eine riesige Aufgabe, aber eben auch eine unverzichtbare; durch den Militärputsch nun in weite Ferne gerückt.

Entwicklungsminister Müller hat im Februar 2020 nach dem Besuch eines Flüchtlingslagers für Rohingya in Bangladesch deutlich gemacht, dass die Bundesregierung die Hilfe für Myanmar aussetzt, bis das Land die Rückkehr der Rohingya in Sicherheit garantiert.

Und die von der EU 2018 beschlossenen Sanktionen gegen Myanmar wurden vor einigen Monaten angesichts der systematischen Menschenrechtsverletzungen bis zum 30. April 2021 verlängert.

Eine Regierungschefin, die

Eine Regierungschefin, die wort- und tatenlos blieb, als in ihrem Land ethnische Säuberungen stattfanden. Eine würdige Friedensnobelpreisträgerin...

„Was die Welt sieht, ist vor allem eine Friedensnobelpreisträgerin und Demokratieikone, die lange zum Schicksal der verfolgten Rohingya-Minderheit geschwiegen hat. Die von Fake News sprach und der Armee freie Hand ließ, sie sogar vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verteidigte.“

Paradox

Eine Friedensnobelpreisträgerin die nach Den Haag gehört sowie ihre Mitstreiter vom Militär

@ SinnUndVerstand (05:14)

Sie erwähnen die EU-Sanktionen gegen Myanmar und Aussetzung der Hilfen für Maynard durch die BRD.

Nur hat das in Myanmar offensichtlich keinen interessiert.

Die Rohingya wurden nicht vom Militär vertrieben. Der Konflikt sitzt in der Bevölkerung. Mindestens seit dem 80er Jahren verschärfte sich er sich mehr und mehr.

In den letzten 50 Jahren hat sich die Bevölkerung von Myanmar verdoppelt. (Da hilft auch nicht, dass es aktuell stagniert.) Dort wird um jedes Stückchen Land und Ressourcen gekämpft. Da hilft auch kein Druck von Außen, wenn der Druck im Kessel höher ist.

Myanmars Aung San Suu Kyi - Sturz einer Ikone

Wenn es nach den Angehörigen des Militärs geht, dann gibt es nun in Myanmar nur noch die klassischen Medienbilder aus dem ehemaligen Birma bzw. Burma. Das Militär ist einfach nur stark und zeigt der gestürzten Regierungschefin und vor allem dem Volk, was geschieht, wenn man sich nicht nach dem Militär richtet. Auch wenn diese Regierungschefin sogar international anerkannte Trägerin des Friedensnobelpreises ist.
Es sollten in der Tat jetzt erstmal Sanktionen im Vordergrund stehen, die mit der Zeit des Einflusses des Militärs auch identisch sein sollten, also frühestens erst wenn es wieder aufgibt, enden sollten.
Man könnte sich abgesehen davon auch die Frage stellen, ob dieses Militär in Myanmar auch noch nie etwas von Corona gehört hat. Auch hier wird in den Bildern heile Welt gemacht und geleugnet, was das Zeug hält.

Entwicklung geht lang

und Realpolitik findet in der Wirklichkeit statt.

Die Abloesung einer Miliotaerdiktatur war ein Erfolg.

Die Ethnisch Nationalistischen Stroemungen seitens der Rohingya haben ebenso den Konflikt befeuert. Meiner Kenntnis nach hat man frueher bereits von Seiten der Rohingya versucht einen eigenen Staat zu gruenden. Das loest Konflikte aus und macht friedliche Konfliktbeilegungen schwierig. Die Konsequenz muessen dann die unbeteiligten tragen, was den Zuendlern egal ist.

Ich hoffe, man findet eine friedlioche Loesung bei der Myanmar ein Staat bleiben kann und Minderheiten respektiert werden.

Aung San Suu Kyi hatte nie eine echte Chance, ...

... denn sie stand stets unter der Fuchtel der in Birma allmächtigen Militärs, als unter Hausarrest stehende Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin und auch als faktische Regierungschefin.

Die Lage im Land der 1000 Pagoden ist kompliziert und sehr komplex; einseitige Schuldzuweisungen sind nicht hilfreich, weil eben nicht alles dem bei Kommentatoren so beliebten Schwarz-Weiß-Raster gehorcht.

Bei der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es eine recht ausführliche, aber trotzdem nicht zu lange Darstellung der Situation in Birma bis November 2020, die die vielen Konfliktfelder und -linien aufzeigt und deren Lektüre sich m. E. lohnt:

https://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/5…

oder als Kurz-URL: https://rb.gy/pctbma

@ 08:36 von Tada

Ihr Kommentar klingt so, als wollten Sie Verständnis zeigen für ethnische Vertreibung aufgrund steigender Bevölkerungszahlen. Da gehe ich ganz eindeutig nicht mit.
Und die Rohingya wurden nachweislich vom Militär vertrieben, leider unterstützt von Teilen der Bevölkerung, die die rassistische Stimmungsmache mitgemacht haben, bis in Kreise buddhistischer Mönche hinein.

Utopische Erwartungen

Aus Myanmar kann man nicht in kürzester Zeit ein Land, das in vollen Zügen die Demokratie genießt und jedem Menschenrechten zugesprochen wird nach dem westlichen Vorbild, machen. Was erwarten Sie, wie das gehen soll, vor allem wenn die Militär offensichtlich so viel Macht hat, um das Bißchen an Demokratisierung an einem Tag zunichte zu machen? Wenn solch ein Militär hinter Ihnen stehen würde und eine Pistole gegen Sie drücken würde, würden Sie es sich zweimal überlegen, das Militär zu verurteilen.

Es ist enttäuschend, dass die westliche Welt so verwöhnt ist, zu glauben, dass Suu nur das Militär zu verurteilen braucht, damit sich alle Probleme lösen. Dass jede Widerstand/Kritik gegen das Militär nach hinten losgehen wird, wurde ausgeblendet. Nicht nur die Minderheiten würden weiterhin leiden, sondern auch die Mehrheit der Bevölkerung. Dass Suu eben die Demokratie für so viele wie es geht zuerst sichern wollte, was vor dem Putsch in greibarer Nähe war, ist aber wohl nicht gut genug.

Bevoelkerungsentwicklung Myanmar

Quelle: verschiedene web zugaenglichne Statistiken.

Zwischen 1970 und 2020 ( 50 Jahre) hat sich die Bevoelkerung Myanmars leicht mehr als verdoppelt (26 - 54 Millionen).

Ich bezweifle, dass die wirtschaftliche Entwicklung ebenso mitgewachsen ist. Das loest natuerlich Spannungen aus. Schuldenboecke sind schnell gefunden. Dazu unterscheiden sich Rohingyas ethnisch, sprachlich und religioes von der umgebenden Bevoelkerung.

Natuerlich will man sich nicht bevormunden lassen und die eigenen Traditionen moeglichst unabhaengig weiterpflegen. Irgendwie vergleichbar mit dem Jugoslavien der verschiedenen Kulturen und deren Aufspaltung nach Beendigung von Titos Militaerdiktatur.

Die Loesung ist nicht Vertreibung, Aufspaltung oder Druck von aussen (Embargos verschlimmern, siehe Ex JU) , die Loesung ist auf allen Seiten auf Dialogue und kulturelle Authonomie zu setzen, bei staatlicher Einheit. Das muessen aber alle wollen und das muss propagiert werden.

@ SinnUndVerstand

"@ 08:36 von Tada
Ihr Kommentar klingt so, als wollten Sie Verständnis zeigen für ethnische Vertreibung" Am 02. Februar 2021 um 09:03 von SinnUndVerstand

*

Die Feststellung, dass wegen Überbevölkerung vermehrt Konflikte entstehen ist älter als ich.

Man kann natürlich warten bis es zu spät ist, sich dann hinstellen und sagen "Du, du, du, das darfst du nicht", aber da will man sich nur moralisch überlegen fühlen. Das ist scheinheilig.

Der Konflikt ist alt:
"Seit der Unabhängigkeit Birmas am 4. Januar 1948 führte die Regierung gegen die Rohingya zwanzig militärische Operationen durch." Wikipedia zu Rohingya

Vergangene Zuwanderung kann nicht die Ursache des Konflikts sein. Früher haben die Fürsten öfter ganze Gruppen zur Besidlung eingeladen und ihnen dafür Privilegien gegeben, um das Land urbar zu machen. Dann hat sich die Bevölkerung vermischt und gut war es.

Ja, so geht das!

Diese Dame hatte 10 Jahre Hausarrest. Als die Zeit fast um war, schwamm ein US-"Journalist" zu ihr auf die Insel, wo ihr Haus stand und hielt sich einige Tage zu "Gesprächen" dort auf. Danach sollte der Hausarrest um 5 Jahre verlängert werden. Doch vermutlich haben die USA mit den Militärs über eine US-Basis an der Chinesischen Grenze verhandelt, und so wurde Aung San Suu Kyi Nobeltpreisträgerin und Politikerin, welche zur Vertreibung der Rohyngia NICHTS sagte und auch die Verhaftung von Reuters-Journalisten in 2018 deckte. Nun braucht man wohl diese Gallionsfigur nicht mehr.

@ 09:25 von Tada

Die Bevölkerungsdichte in Myanmar betrug 2008 76,43 und 2018 82,24 Einwohner pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: 2019 in Deutschland 233. Das zeigt, wie absurd und letztlich gefährlich es ist, ethnische und gruppenspezifische Gewalt auf "Überbevölkerung" zurückzuführen.
Sie haben allerdings recht, auf die Geschichte von Gewalt und Vertreibung der Rohingya seit vielen Jahrzehnten hinzuweisen. 1982 verschärfte die Lage mit dem sogenannten „Staatsbürgerschaftsgesetz“, wodurch die Rohingyas den Status als Staatsbürger verloren. Auch 2001 nach 9/11 war ein signifikanter Anstieg von Gewalt, Verfolgung und Vertreibung zu verzeichnen, geschürt durch gezielte antiislamische Propaganda, die sogar in buddhistischen Klöstern verfing. Das nahm spätestens 2016 noch einmal systematische Formen an: Die Armee vertrieb in Rabailla Männer aus den Dörfern und jagte Frauen und Kinder auf offene Felder in die glühende Sonne, ohne Wasser und Nahrung, begleitet von Massenvergewaltigungen.

8:34 realite

"Eine Friedensnobelpreisträgerin die nach Den Haag gehört........"

Davon gibt es noch mehr.

Ich fand es gut und sehr aufschlussreich als "Die Anstalt" mal uns das Nobelpreiskomitee näher brachte.

09:49, DeHahn

Warum setzen Sie die Begriffe "Journalist" und "Gespräche" in Anführungszeichen?

10:27, Nettie

>>Besser, wir hören auf, nach unfehlbaren Lichtgestalten zu suchen<<

Dem schließe ich mich an.

@ 10:27 von Nettie

Mein Eindruck ist keineswegs, dass Aung San Suu Kyi eine "unfehlbare Lichtgestalt" war oder ist. Sie hat zweifelsfrei für die Demokratie in Myanmar Verdienste, und das wurde mit dem Friedensnobelpreis honoriert.
Und was ihr Schweigen und ihr Zögern bei der Vertreibung und Ermordung der Rohingya angeht, ist das auch eher eine Mischung aus politischem Versagen und ohnmächtiger Abhängigkeit vom Militär.
Also ist Aung San Suu Kyi weder Lichtgestalt noch Sündenbock.
Eher tragisch, wie so oft bei engagierten Personen in der Menschheitsgeschichte.

@SinnundVerstand, 09.03h

Irgendwie habe ich da etwas anderes in Erinnerung.
Wenn ich mich irre, waren es die Rohynga, die Dörfer angegriffen und zerstört haben und dann als Gegenreaktion, meinetwegen Verteidigung, vertrieben worden sind.
Ich kenne keine Medaille, die nicht zwei Seiten hat.

@ um 05:14 von SinnUndVerstand

"…
Und die von der EU 2018 beschlossenen Sanktionen gegen Myanmar wurden vor einigen Monaten angesichts der systematischen Menschenrechtsverletzungen bis zum 30. April 2021 verlängert."
.
Diese Sanktionen werden vermutlich ins Leere laufen, mehr noch, das Gegenteil bewirken von dem, was bezweckt ist. China baut in Myanmar einen Überseehafen, entsprechend wird Myanmar von China unterstützt. Schon deshalb laufen die Sanktionen ins Leere. Die Siedlungsgebiete der Rohingya sind zwar nicht dort, wo der Überseehafen entsteht, dennoch, welches Interesse sollte China haben, dass die Rohingya aus Bangladesch wieder zurückkehren? Die Sanktionen werden nur die Abhängigkeit und die Festigkeit der Beziehung von Myanmar zu China verstärken.

10:27 Nettie

"Besser wir hören auf nach Lichtgestalten zu suchen........."

Schön wäre es aber um Geopolitik zu betreiben braucht man eben diese Lichtgestalten die Guten die gegen das "Böse" kämpfen.
Am Horizont steigt gerade eine neue Lichtgestalt herauf wenn ich das richtig mitbekommen habe und heißt Frau Navalny.

@ um 10:17 von SinnUndVerstand

"…
Die Bevölkerungsdichte in Myanmar betrug 2008 76,43 und 2018 82,24 Einwohner pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: 2019 in Deutschland 233.
…"
Große Teile Myanmars sind bergig, zwar nicht sehr hoch, aber sehr steil. Da macht es keinen Sinn deren Bevölkerungsdichte mit der von Deutschland zu vergleichen.

@ 10:59 von DerVaihinger

Das ist leider keine Erinnerung, die Sie da formulieren, sondern das Abbild der Propaganda derer, die diese ethnische Vertreibung und Tötung verharmlosen oder gar rechtfertigen wollen.
Es ist ein leichtes, auch für Sie, die Entwicklungen und Geschehnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte nachzulesen.

11:06 Ritschi

"Diese Sanktionen werden vermutlich ins Leere laufen......."

Sehe ich genau so.

Die Welt hat sich weitergedreht nur einige sind offensichtlich im zwanzigsten Jahrhundert und noch davor stehen geblieben. Anders kann man sich die geistige und einfältige Schlichtheit im Denken nicht erklären.

@ um 10:58 von SinnUndVerstand

"@ 10:27 von Nettie
Mein Eindruck ist keineswegs, dass Aung San Suu Kyi eine "unfehlbare Lichtgestalt" war oder ist. Sie hat zweifelsfrei für die Demokratie in Myanmar Verdienste, und das wurde mit dem Friedensnobelpreis honoriert.
Und was ihr Schweigen und ihr Zögern bei der Vertreibung und Ermordung der Rohingya angeht, ist das auch eher eine Mischung aus politischem Versagen und ohnmächtiger Abhängigkeit vom Militär.
Also ist Aung San Suu Kyi weder Lichtgestalt noch Sündenbock.
Eher tragisch, wie so oft bei engagierten Personen in der Menschheitsgeschichte."
.
Völlig richtig. Was Sie sagen, kann eigentlich nicht laut genug gesagt werden. Hier in Deutschland am PC ist es leicht zu wissen, was Frau Suu Kyi hätte besser machen sollen.

@ 11:20 von Ritchi

Ob es mehr Sinn macht, auf die bergigen Regionen Myanmars zu verweisen oder auf den Unsinn, mit "Überbevolkerung" ethnische Verfolgung, Vertreibung und Ermordung zu relativieren oder gar zu rechtfertigen, ist für mich keine offene Frage.

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