Kommentare - Bericht zur Diskriminierung: "Das Grundrauschen der Ausgrenzung"

09. Juni 2020 - 16:57 Uhr

Beim Einkaufen, bei der Arbeit, in der Disco: Die Antidiskriminierungsstelle verzeichnete im vergangenen Jahr eine Zunahme von Beschwerden wegen rassistischer Diskriminierung, berichtet Janina Lückoff.

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Kommentare

Zunehmender Rassismus

Ich denke, dass die rassistischen Übergriffe deshalb zugenommen haben, weil bestimmte Parteien immer aktiver werden.

Am 09. Juni 2020 um 17:44 von Strandläufer

Zitat: Schon der Begriff "Rasse" ist unmenschlich

[ ..... ]

Die Grünen haben mit ihrem Vorstoß aus meiner Sicht vollkommen recht.

Ich schließe mich Ihrer Meinung an und schäme mich, dass mir das noch nie selbst aufgefallen ist. Man ist manchmal zu gedankenlos. Der Begriff "Rasse" hat im Grundgesetz nichts (mehr) verloren.

@ Strandläufer

Der Begriff Hunderasse hat mit dem Begriff Rassismus meiner Meinung nach überhaupt nichts zu tun.

mir war sowohl die strukturelle

als auch die Alltagsdiskriminierung schon lange bekannt. Was neu war: in den letzten Tagen habe ich nicht zuletzt durch dieses Forum lernen müssen, wie weit verbreitet diese Einstellung selbst hier in Deutschland ist. Ich hatte das bei einer Minderheit vermutet, aber ich wurde eines besseren belehrt.
Kommentare, in denen Diskriminierung (Rassismus ist ja nur eine der Formen) entweder als nicht existent, oder, und das war das schlimmste, als eigene Schuld der Diskriminierten bezeichnet wurde.
Ja, es ist zum schämen. Aber außer Fremdschämen wird nichts passieren, denn diejenigen, die sich eigentlich schämen müssten, stehen weit über diesen Dingen.

Aha

"Deutschland muss mehr tun im Kampf gegen rassistische Diskriminierung. Wir müssen die rechtlichen Werkzeuge schärfen, um verbotener Diskriminierung auch zuverlässig Konsequenzen folgen zu lassen."

Es scheint in Deutschland so zu sein, das auch nicht verbotene Diskriminierung existiert.
Da fängt dann das Problem an....

Unsicherheit und Ängste

Wie beim Antisemitismus ist nicht das Objekt einer Diskriminierung das Problem, über das man sich den Kopf zerbricht hinsichtlich der Motive, sondern der verunsicherte Diskriminierer selbst. Wenn man sie fragt, weiß keiner, wer die Juden sind und was sie von anderen Zeitgenossen unterscheidet. Man weiß dann aber alles über den Hasser, über seine Angst und seine Unzufriedenheit mit sich. Genauso verhält es sich mit den einfachen Gemütern, die eine Herde suchen, um ihre Selbstverachtung nicht länger spüren zu müssen, im Gleichklang der Parolen.

Was veranlasst schweinchenrosahäutige Menschen, dunkelhäutige Menschen als primitiv und minderwertig abzuwerten und zu schmähen, obwohl alle sehen können, daß sie selbst die Primitiven sind? Und dann ist black auch noch beautiful. Schlimm.

Wenn Angst, Unsicherheit und überspieltes Leiden in Hochmut, Chauvinismus und lächerliche Posen zu kippen drohen, braucht es nur noch eine Partei, die die Leute dort abholt und das als Stolz aufwertet.

17:57 von gestört aber geil

>>@ Strandläufer
Der Begriff Hunderasse hat mit dem Begriff Rassismus meiner Meinung nach überhaupt nichts zu tun.<<

Das hat Strandläufer ja auch nicht so in Verbindung gebracht. Was wollen Sie uns da jetzt eigentlich sagen?

„My only sin is in my skin“

Ich höre gerade - Zufall oder nicht - „What did I do to be black and blue“ von Louis „Satchmo“ Armstrong mit der Zeile „My only sin is in my skin“.

Dieses Lied trifft es nicht nur emotional im Kern, der Kernsatz bringt auch das Wesen jeder Diskriminierung auf den Punkt.

Klar spielt die Haut in den USA eine stärkere Rolle als bei „uns“, aber Jedem fallen sicher ganz viele Begriffe ein, die man „hier“ statt „skin“ (Haut) einsetzen könnte. Und dann hat man begriffen, was Rassismus bedeutet und was er anrichtet. Nicht nur bei dem vermeintlichen Opfer, sondern bei uns allen. Weil wir alle die „Opfer“ sind!

Göttingen im Juni 2020

Ein Beispiel für Diskriminierung sind die Vorgänge um das "Corona-Hochhaus" in Göttingen. Was sich dort auch immer tatsächlich abgespielt haben mag, die Schuldzuschreibungen gegenüber den dort wohnenden Roma waren ohne Prüfung des Sachverhalts sofort massiv. Die Gegendarstellung der Betroffenen wurde zunächst nicht beachtet. In Fernseh-Interviews beschwerten sich Menschen aller Altersgruppen über das angeblich regelverletzende Verhalten und über Einschränkungen, die sie jetzt alle wieder erleiden müssten. Das ist Stimmungsmache gegenüber einer kleinen benachteiligten Minderheit. Göttingen im Juni 2020.

Strand

Rassen sind nicht unbedingt gezüchtet. Aber momentan gibt es nur eine Rasse Mensch. Das war früher anders. Schon deshalb ist Rassismus das völlig falsche Wort. Biologisch unterscheiden wir uns alle keineswegs.

Bei 3580 Fällen unter 80 Mio.

Bei 3580 Fällen unter 80 Mio. Einwohnern (0,0045%) halte ich es für übertrieben von einer Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhangs zu sprechen. Und das Berliner Landes-Antidiskriminierungsgesetz ist eigentlich nur ein Schlag ins Gesicht der Polizei. Hoffentlich setzt sich das nicht überall durch.

18:24 von Sparer

>>@17:44 von Strandläufer
Ich schließe mich Ihrer Meinung ebenfalls an. Wenn es per Definition keine Menschen-„Rassen“ mehr gibt, gibt es auch per Definition keinen Rassismus mehr.<<

Lösen sich Verschwörungstheorien in Wohlgefallen auf, allein deshalb, weil es keine passende Verschwörung dazu gibt?

... möchte ich mal hinkend dazu anmerken.

Während gerade George Floyd

Während gerade George Floyd verabschiedet wird mit einem kraftvollen und wunderschönen Zusammensein von open minds, fühle ich mich ganz blass, aber auch blessed. Das macht Mut und sicher werden sie ihn nachhause bringen. Man muß sich wirklich mehr über die Motive der Hater als über die Frage wer gehasst wird und warum Gedanken machen.

Die Black Community kann man nur beneiden, die nach 400 Jahren einfach nur respektiert werden will, jedenfalls der weit überwiegende Teil, der sich auch als Community wahrnimmt und dafür kämpft und arbeitet.

Auseinandersetzung mit Rassismus für viele unbequem

Ich hoffe, dass diese Bewegung wenigstens bei einem Teil der weißen Menschen dazu führt weniger gedankenlos zu agieren.
Vielen ist Alltagsrassismus einfach gar nicht bewusst und es ist unbequem sich damit zu beschäftigen und die eigenen Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen. Wenn von Rassismus Betroffene dann Mitmenschen darauf aufmerksam machen und auf Gleichgültigkeit, Unverständnis oder sogar Ablehnung stoßen, stelle ich mir das als recht anstrengend und ermüdend vor.
Als ich vor Jahren im Zug Zeugin von Racial Profiling wurde, hatte ich zwar den Impuls mich einzumischen, war aber zugegebenermaßen zu feige. Hoffe, dass ich beim nächsten Mal mutiger bin.

Vermieter dürfen schalten und walten wie sie wollen

Zwar genießen Mieter einen Schutz, wenn sie die Wohnung ergattert haben.

Aber der Gesetzgeber hat unter der Ägide der „Vertragsfreiheit“ den Vermietern völlig freie Hand gelassen was diese von potentiellen Mietern an Auskünften fordern dürfen bzw. welche Kriterien sie anlegen dürfen.

Auch Jobangebote und Jobinterviews auf ausgeschriebene Stellen sind in Deutschland generell ein Hort der massenweisen Diskriminierung und ein Beispiel, wo der Gesetzgeber einfach gerne wegschaut. Auch weil sich die Firmen nicht in die Karten schauen lassen wollen.

Junge Frauen haben es zB generell schwer, denn sie könnten Schwangerschaftsbedingt ausfallen. Deshalb u.a. ist bei vielen Frauen stattdessen das Grundschullehramt so beliebt. Würde das Beamtenprivileg fallen, würde sich das Geschlechterverhältnis in den Lehrkörpern der Grundschulen wohl schnell ausgleichen.

In anderen Ländern mit mehr „equal opportunities“ sind viele Grundschullehrer männlich!

Altenpflegerin gekündigt?

Zitat: "Franke nennt Beispiele: Die Altenpflegerin, der gekündigt wurde, weil Bewohner des Heims nicht von einem Menschen ihrer Hautfarbe betreut werden wollten."

Ich würde gerne das Altenheim kennen, wo einer Altenpflegerin, also einem Job, der in Deutschland bekanntlich ein Mangelberuf ist und wo man über jede helfende Hand froh ist, gekündigt wurde.

Mal davon abgesehen, dass es mir ein wenig an Vorstellungskraft abfordert, mir einen derartigen Fall vorzustellen, könnte ich mindestens 5 Altenheime nennen, wo man eine Altenpflegerin mit Handkuss nehmen würde, egal ob mit weißer, schwarzer, brauner, gelber, grüner, lila-blaßblauen Hautfarbe.

Ebenso fehlt mir die Vorstellungskraft und vor allem aussagekräftige Zahlen, Daten, Fakten, die belegen, dass wir es mit einem "strukturellen Rassismus" es zu tun haben, wie behauptet wird.

Kann Hr. Franke diese Zahlen bitte noch nachliefern?

Antwort auf den Kommentar

>>Und das Berliner Landes- Antidiskriminierungsgesetz ist eigentlich nur ein Schlag ins Gesicht der Polizei<<
Ich wusste zwar nicht, dass das Bundesland Berlin auch noch einmal ein eigenes Antidiskriminierungsgesetz hat, aber dann gibt es vermutlich 16 davon und kenne das auch nicht vom Text.
Doch im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz aus dem Jahre 2006 habe ich zum Beispiel von bestimmten Problemen nicht gelesen. So behaupten häufig Menschen mit Übergewicht, dass dies die letzte Bastion gesellschaftlich legitimierter Form von Diskriminierung sei, denn Übergewicht steht nicht im Antidiskriminierungsgesetz.
Oder andersrum gesagt: Beim Kampf gegen Diskriminierung wird eine Reihe zum hinten anstellen gebildet und irgendwann ist dann auch der oder die Übergewichtige an der Reihe.

Diskriminierung ist Alltag

Und dafür muss man nicht mal wirklich behindert sein. Das beste Beispiel ist wie in Deutschland mit dem Thema Inklusion (zB im Gegensatz zu Italien) umgegangen wird, zB bei autistischen Kindern.

Rassische Diskriminierung spielt eine große Rolle zB bei der Polizei. Ein jüdisch-amerikanischer Professor musste das vor einiger Zeit am eigenen Leib erfahren. Auch die ARD berichtete! Da half auch kein Hinweis, dass seine Vorfahren von deutschen Polizisten schikaniert wurden. Eher im Gegenteil.

Warum wurde Esken kritisiert ?

Sie hatte recht damit, dass Rassismus in Deutschland ein Problem ist. Nicht nur in Ostdeutschland, wo das Problem sogar sehr massiv ist, wie ich beim Lesen der „Thüringer Allgemeinen“ fast täglich erfahren musste: hier ein Farbiger, der im Bus angepöbelt wurde, dort eine Professorin der Uni Jena, die öffentlich beleidigt wurde. Die Beispiele sind Legion.

Auch im Westen. Und nicht erst seit 2015.

@Kaneel

"
Am 09. Juni 2020 um 19:11 von Kaneel
Auseinandersetzung mit Rassismus für viele unbequem

Ich hoffe, dass diese Bewegung wenigstens bei einem Teil der weißen Menschen dazu führt weniger gedankenlos zu agieren.
Vielen ist Alltagsrassismus einfach gar nicht bewusst und es ist unbequem sich damit zu beschäftigen und die eigenen Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen. [...]
Als ich vor Jahren im Zug Zeugin von Racial Profiling wurde, hatte ich zwar den Impuls mich einzumischen, war aber zugegebenermaßen zu feige. Hoffe, dass ich beim nächsten Mal mutiger bin."

Der unterschwellige Alltagsrassismus ist mir schon aufgefallen, seit ich bewußt denken kann. Ich erinnere mich an meine Oma anfang der 70er Jahre. Die hatte die Geste eines türkischen Nachbarn, ihr etwas türkische Küche zum probieren zu bringen mit folgendem Satz (wörtliches Zitat) bedacht: Es gibt ja auch nette Türken. Dieser saudämliche Satz hat mich damals schon gestört, was ich meiner Oma auch deutlich zu verstehen gab.

... bin ich nun ein Rassist, weil ...

mir manches (ich bringe ein unverfängliches Beispiel) an einem "typischen" Südländer nicht mag ?

Andererseits deren Lebensfreude im Urlaub zu schätzen weiß ...

Also, was ich meine, fängt Rassismus bereits (neue Definition?) schon dann an, wenn man Unterschiede nicht leugnet?

Fragen über Fragen...

Beschwerden bei staatlichen Antidiskrimienierungsstellen und die durch diese (eventuell) veranlassten Sanktionen bzw. Strafen werden gegen den Rassismus und die Diskrimierungen selbst nichts ausrichten können. Allenfalls gegen deren allzu „offensichtliche“ Äußerung.

@Anderes1961, 19:22

Rhetorisches Eigentor, was Sie sich da geschossen haben. Rassismus bezeichnet genau das, Menschen in nicht existente Rassen einzuteilen.

Ja, da haben sich wohl die richtigen gefunden. Da das Thema ja eigentlich nicht Rassismus, sondern Diskriminierung lautet, warte ich schon auf den ersten Oberschlauen, der uns sagt, dass "diskriminieren" ja einfach nur der lateinische Begriff für "unterscheiden" ist. Und unterscheiden wird man ja wohl in diesem Land noch dürfen ...

Begriff "Rasse" sollte ...

... aus dem GG § 3
gestrichen werden,
das ist längst überfällig.

Der Begriff "Abstammung" könnte schon ausreichend sein.
Ggf. fügt man den Begriff "Ethnie" ein.

Obwohl wir in D schon relativ fortschrittlich sind, fehlt m.E. auch sexuelle Orientierung.

Und es fehlt das Alter - wie ja gerade bewusst geworden ist.

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