Kommentare

Warum blieb Russland ruhig, ebenfalls die DDR-Volkspolizei?

Mir fehlen bislang Hintergrundinformationen darüber, warum sich die Stasi und die Polizeikräfte der DDR so zurückgehalten haben.

Dann auch: War Schabowskis Meldung tatsächlich nur nebenbei, fast ein Versehen? Was war vielleicht doch abgesprochen? Und mit wem?

Und ich sage es auch heute noch und werde...

...werde meine Meinung dazu auch nicht mehr ändern.
Der Mauerfall am 09.11.1989 und die Wiedervereinigung am 03.10.1990 waren überwältigend und vor allem richtig.

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Ein großer Tag und ein noch größerer ein Jahr später.
Ein großer Dank an die damaligen Ostdeutschen, die es gewagt haben friedlichen Widerstand zu leisten und somit die DDR als System der Einengung und auch teils des Unrechts zu Fall zu bringen.

P.S.:
Das soll nicht bedeuten, daß ich alles aus der DDR verfluche.
Aber das System war kein sozialistisches System, wie man es sich in der Theorie gut vorstellen kann sondern ein Staat in der die meisten Bürger eben nicht frei waren bzw. frei handeln konnten.

Berliner Mauer?

Diese Mauer ist ein Symbol eines Unrechtsregimes, dass Menschen einer Sprache daran hindern sollte, aus ideologischen Gründen sich auszutauschen. Seine Bevölkerung faktisch in Haft zu halten, kennzeichnet das DDR Regime, als Unrechtsregime. Einer Verharmlosung dieses Unrechts ist entschieden entgegenzutreten!

Prima Bericht

Es ist sehr wohltuend, 'mal nicht den Mauerfall aus der Sicht von Politikern geschildert zu bekommen. Wer den Mauerfall damals miterlebt hat und Verwandte im jeweils anderen Teil Deutschlands hatte, war das Ereignis sehr emotional. Und ja, es stimmt, es ist gut so, dass es die Teilung Deutschlands und Europas auf der Landkarte nicht mehr gibt. Aber es bleibt eine Herausforderung, die Zukunft Deutschlands und Europas sinnvoll zu gestalten. - Vielen Dank - Frau Unterlauf und Herr Brauner - für diese schöne Erzählung.

Meine persönliche Geschichte der Grenzöffnung ...

... falls es jemanden interessiert.

Ich war Anfang November 1989 zum ersten mal in meinem Leben in West-Berlin. Es war eine Studienfahrt (Exkursionswoche unserer Hochschule) und wir besichtigten ein paar Firmen. Am 6. oder 7.11. war ich einen Tag lang als Tourist in Ost-Berlin. Unsere Rückreise mit der Bahn nach Süddeutschland war für den 9.11 gegen 22 Uhr geplant.

In der Abenddämmerung des 9.11. stand ich mit einem Kommilitonen an einer Straße und hatte dabei eine Leuchtreklame im Blick. Plötzlich bemerkte ich, dass gerade eben die Nachricht von der Grenzöffnung eingeblendet worden war. Als ich es ihm sagte, war die Nachricht wieder verschwunden. Er glaubte mir natürlich nicht und wir warteten gebannt, ob sie wieder erscheint -- und tatsächlich!

Der Zug um 22 Uhr fuhr an diesem Abend ohne uns und wir waren die ganze Nacht beim Brandenburger Tor.

9.11.89, 19.10 Uhr

In unserer Autowerkstatt in Hamburg lief regelmäßig "Radio Schleswig-Holstein", ein Privatsender.
Ich war noch an der Werkbank, als RSH die Meldung von der soeben erfolgten Äußerung Schabowskis durchgab. Es wurde dafür das laufende Programm unterbrochen, der gerade gespielte Musiktitel ausgeblendet. Das war für einen Privatsender einfach unglaublich und ich habe RSH diese journalistische Ernsthaftigkeit nie vergessen. Wir waren daher vermutlich mit die Ersten überhaupt, die von der Maueröffnung erfuhren. Dafür auch noch nach 30 Jahren: "Danke, RSH!"

09:35, Feo

>>Berliner Mauer?
Diese Mauer ist ein Symbol eines Unrechtsregimes, dass Menschen einer Sprache daran hindern sollte, aus ideologischen Gründen sich auszutauschen. Seine Bevölkerung faktisch in Haft zu halten, kennzeichnet das DDR Regime, als Unrechtsregime. Einer Verharmlosung dieses Unrechts ist entschieden entgegenzutreten!<<

Ja sicher. Meinetwegen. Auch wenn man das Thema natürlich etwas differenzierter diskutieren könnte. Aber wo ist der Bezug zum Artikel?

Gedankenfreiheit vs. Meinungsfreiheit

"Das eine denken und etwas anderes sagen, konnte man in der DDR. Das wusste man auch. (Unterlauf)"

Mutig ist das ganz sicher nicht gewesen!
Man muss versuchen auch in totalitären Systemen bis an die Grenzen des Sagbaren zu gehen, um für die Meinungsfreiheit zu kämpfen.
Das gilt bis heute.

@10:53 von fathaland slim

"Auch wenn man das Thema natürlich etwas differenzierter diskutieren könnte."

Sie scheinen der Mauer nachzutrauern! Warum wundert mich das kaum?

10:38, maplecut_ts

Auch ich war am 9. November in Berlin. Ich war auf Tournee mit dem R&B Saxphonisten Big Jay McNeely, und wir spielten am 9. und 10. November im Quasimodo in der Fasanenstraße. Gegen zwei Uhr morgens kamen wir aus dem Lokal und trauten unseren Augen nicht: Trabbis überall! Es herrschte eine ungeheure Euphorie. Hupkonzerte, die Menschen lagen sich in den Armen, unfassbar. Ich jedenfalls hatte damit nicht gerechnet.
Big Jay war Zeuge Jehovas und meinte, nun käme Armageddon. Denn die Welt wäre nun im Frieden, die Spaltung wäre überwunden, und so stünde es in der Bibel. Das war so ziemlich das einzige Mal, daß er uns mit seinem Glauben behelligt hat.

Ich könnte mir vorstellen, daß sich so ziemlich jeder hier im Forum an diese Nacht erinnern kann und ein persönliches Erlebnis mit ihr verbindet.

Als wir dann am 11. 11. in den Westen zurückfuhren und die Grenzkontrollen waren verschwunden, war das dann noch einmal ein ganz besonderes Erlebnis.

Lug und Trug

>>Das eine denken und etwas anderes sagen, konnte man in der DDR. Das wusste man auch.<<

Für mich ein Schlüsselsatz. Oder besser, zwei Schlüsselsätze. Hier wird die tiefgehende Diskrepanz in unserer politischen Sozialisierung deutlich. Natürlich gab es und gibt es im westlichen Ssytem auch „Lug und Trug“, wie man früher sagte. Es war aber nicht Staatsdoktrin.

Und genau das dreht sich nun bei Vielen mit einer diktatorischen Sozialisation in verhängnisvoller Weise um. Nun wird jedes Fehlverhalten im „Westen“ zum Beweis einer fehlerhaften Staatsdoktrin. Was wiederum zu einer zwar verständlichen, gleichzeitig aber auch den scharfen Verstand betrügenden Gleichsetzerei von fundamental unterschiedlichen Systemen führt. Verständlich, weil man damit bewusst oder unbewusst seine eigenen Geschichte rein wäscht.

Ein Aspekt neben anderen, die gegenwärtig grassierenden Akzeptanzprobleme unserer „westlichen“ Demokratien zu erklären.

11:08, AbseitsDesMains...

>>@10:53 von fathaland slim
"Auch wenn man das Thema natürlich etwas differenzierter diskutieren könnte."

Sie scheinen der Mauer nachzutrauern! Warum wundert mich das kaum?<<

Warum wundert mich das kaum, daß Sie mich so einschätzen?

11:03, AbseitsDesMains...

>>Gedankenfreiheit vs. Meinungsfreiheit
"Das eine denken und etwas anderes sagen, konnte man in der DDR. Das wusste man auch. (Unterlauf)"

Mutig ist das ganz sicher nicht gewesen!
Man muss versuchen auch in totalitären Systemen bis an die Grenzen des Sagbaren zu gehen, um für die Meinungsfreiheit zu kämpfen.
Das gilt bis heute.<<

Sie stammen aus Westdeutschland, nicht wahr?

09:16, krittkritt

>>Warum blieb Russland ruhig, ebenfalls die DDR-Volkspolizei?
Mir fehlen bislang Hintergrundinformationen darüber, warum sich die Stasi und die Polizeikräfte der DDR so zurückgehalten haben.

Dann auch: War Schabowskis Meldung tatsächlich nur nebenbei, fast ein Versehen? Was war vielleicht doch abgesprochen? Und mit wem?<<

Sie sind wirklich nicht informiert?

Das finde ich ein wenig erschütternd. Denn die Ereignisse des 9. November wurden nun wirklich ausgiebig analysiert und dokumentiert. Ganze Bücher wurden darüber geschrieben, hunderte Zeitzeugen aus Partei, Polizei und Armee wurden interviewt, und Egon Krenz gibt es ja immer noch.

Aber Sie lieben romantische, mysteriöse Verschwörungen, wie Ihr letzter Absatz zeigt. Das lässt man sich natürlich ungern durch langweilige Tatsachen entzaubern.

re 11:08 AbseitsDesMains: Interpretationen

>>@10:53 von fathaland slim
"Auch wenn man das Thema natürlich etwas differenzierter diskutieren könnte."

Sie scheinen der Mauer nachzutrauern! Warum wundert mich das kaum?<<

Ja, dass frage ich mich auch! Für mich klingt Ihre Schlussfolgerung derart absurd, dass ich mich frage, wie solche Missverständnisse entstehen können. Man muss wohl noch viel mehr miteinander reden, um sich verstehen zu können.

Aber vielleicht habe ich ja auch fatha falsch verstanden. Er wird das aber sicher aufklären.

Wie die meisten anderen weiß

Wie die meisten anderen weiß ich ganz genau, wo ich in den Tagen war: im westfälischen Münster. Und ich erinnere mich, wie emotional ich diese Tage erlebte, mit Tränen in den Augen. Die Originalberichte von Tagesschau und Aktueller Kamera sind beeindruckende Zeitdokumente. Vor allem ist bewegend zu sehen, wie "das Volk" von unten für Demokratie, Pluralismus, Meinungsfreiheit etc. friedlich gekämpft hat. Um so erschreckender ist, wieviele Menschen heute bereit sind, Kräften zu folgen, die den Begriff "Volk" zu einem spaltenden fremdenfeindlichen Begriff umdefinieren wollen und die Errungenschaften einer offenen pluralen Gesellschaft aufs Spiel setzen, indem Sie völkisch-nationalen Figuren nachlaufen, die zum großen Teil mehr Ähnlichkeit mit der SED haben als die heutige Linke es hat.

@ Biocreature 09:34 Uhr

"Ein großer Dank an die damaligen Ostdeutschen, die es gewagt haben friedlichen Widerstand zu leisten..."
Endlich einmal eine Stimme die nicht den Bundeskanzler für seine Pflichterfüllung lobt sonder die Tatsächlichen Verursacher dieser Veränderung.

Tag der Deutschen Einheit muss der 9. November sein

Wir sind schon ein komisches Völkchen. Wir feieren den Tag eines "Verwaltungsaktes" (03.10.) als Tag der Deutschen Einheit, anstatt richtigerweise den 09.11.! Die DDR-Bürger haben Großes geleistet und bekommen keine Anerkennung und wir Wessis wundern uns, warum viele sich nach 30 Jahren noch als nicht verstanden oder abgehängt fühlen.

RE: Warum blieb Russland ruhig, ebenfalls die DDR-Volkspolizei?

Am 09. November 2019 um 09:16 von krittkritt
Warum blieb Russland ruhig, ebenfalls die DDR-Volkspolizei?
Mir fehlen bislang Hintergrundinformationen darüber, warum sich die Stasi und die Polizeikräfte der DDR so zurückgehalten haben.

Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich in den letzten 30 Jahren mehrere Interviews mit Zeitzeugen - auch aus der Polizei - gehört. Die legen nahe, dass die friedliche Maueröffnung vor allem am damals langsamen Informationsfluss und daraus glücklicherweise notwendigen Vor-Ort-Entscheidungen von Leuten lag, für die das Niedermähen der Bürger mit Schusswaffen keine moralische Option war. Man muss sich klarmachen, daß das auch alle Grenzpolizisten völlig unvorbereitet überraschte.

Vielleicht recherchieren Sie mal ein wenig und posten das hier, das wäre schön.

Danach ging die Zahnpasta glücklicherweise nicht mehr in die Tube zurück und wir haben das alle irgendwie geschafft.

11:36, teachers voice

>>Aber vielleicht habe ich ja auch fatha falsch verstanden. Er wird das aber sicher aufklären.<<

Nein, haben Sie nicht. Ganz im Gegensatz zu dem Foristen, auf den Sie antworten.

Ich mache aber immer wieder die Erfahrung, daß ich Menschen, die die Welt in schwarz und weiß, gut und böse, richtig und falsch einteilen, meine Gedankenwelt nur sehr, sehr schlecht vermitteln kann.

Interessant

wie die Berliner das so erlebt haben, im Land sah die Sache etwas anders aus, da konnte man nicht einfach mal in den Westen gehen.
Auch die Kommentare sind schon interessant, nun müsste man nur wissen von welcher Seite die jeweiligen das alles betrachten konnten.
Ich persönlich hab das gar nicht gleich mitbekommen, hab mich dann nur später an den Sommer 89 in Hannover erinnert und die Berichte im TV.
Leider taucht nach so vielen Jahren die Grenze immer noch auf, auch wenn sie optisch und physisch nicht mehr vorhanden ist.
Ein Generationsproblem was noch eine Weile dauern wird vermute ich.

@teachers voice 11:21

Vielen Dank für Ihren Beitrag!
Wahrscheinlich liegen Sie damit sogar richtig, aber trotzdem kann ich bis heute nicht verstehen (vielleicht schaffe ich es auch nie), wie man die wirklich fundamentalen Unterschiede zwischen damals und heute so negieren kann, dass man die Systeme gleichsetzt.Vor allem, wenn man (wie z.B. ich) dort gelebt hat und die Unterschiede hautnah erleben konnte.

Z.B. am 9.11.1989 ...
Den ich als Jugendlicher ganz normal in der Schule verbracht habe. Meine Mutter ist allerdings mit meiner großen Schwester plötzlich bei einer verwandten Lehrerin auf dem Westberliner Schulhof aufgetaucht, und am Abend ist die ganze Familie mit tausenden anderen auf dem Ku'damm spazieren gewesen.

Ich bin später noch oft auf dem Ku'damm gewesen, habe aber nie wieder eine solche, einzigartige Stimmung wie damals, am Abend des 10.11.89, erlebt.

"Wir schaffen das." war

"Wir schaffen das." war damals schon eine sinnvolle kräfteweckende und -bündelnde Formulierung. Der Kern bleibt, dass die damalige mutige friedfertige Bevölkerung von Leipzig ausgehend der entscheidende Faktor für das Ende der DDR mit all dem Unrecht und seinen Schikanen war, unterstützt von den Frauen und Männern z.B. des neuen Forums. Das ist ein Glücksfall unserer Geschichte, aber dieses Glück wurde eben vorbereitet und ermöglicht durch die Bewegungen in der DDR. Vor allem Johannes Rau hat das damals treffend und klar formuliert. Natürlich gibt es bis heute Aufgaben und Probleme zu meistern, aber mit Blick auf die Geschehnisse vor 30 Jahren kann man zum Beispiel sagen: nicht der Zuzug von Menschen heute sondern die Emigration derer, die damals selbstbestimmt und frei woanders leben und neu starten wollten, wirkt bis heute nach. Für Fremdenfeindlichkeit, neue Formen von Angst, Hass und völkischem Getue sollte kein Platz sein, wo man sich auf Freiheit und Selbstbestimmung fokussiert.

@Gerd Apfelbach

"Wir sind schon ein komisches Völkchen. Wir feieren den Tag eines "Verwaltungsaktes" (03.10.) als Tag der Deutschen Einheit, anstatt richtigerweise den 09.11.!"

Den 9.11 zum Feiertag zu machen wäre ein Schlag ins Gesicht aller Opfer des Holocausts.
9.11.1989 = Reichsprogromnacht

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