Ihre Meinung zu: Digitalisierung an Schulen: "Eindeutig suboptimal"

12. März 2019 - 12:55 Uhr

Viele Schulen haben ihren Teil schon getan: Medienkonzepte geschrieben und eigeninitiativ Digitalisierung vorangetrieben. Nun müssen sie warten - auf das versprochene Geld aus dem Digitalpakt. Von Jan Koch.

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Kommentare

>>Ohne ihr Engagement wäre

>>Ohne ihr Engagement wäre die Grundschule Allendorf wohl noch lange nicht "Digitale Schule" geworden.<<

Wenn ich so etwas wie „Digitale Schule“ lese - und das passiert gegenwärtig ja täglich - dann muss ich immer wieder ob dieser unsinnigen aber dennoch gern inflationär und durchaus falsch gebrauchten Schlagworte lächeln:

Als ich noch an der RWTH Aachen lehrte, gab es dort ein Institut, dass „Aerodynamisches Institut“ hieß (gibt es vielleicht immer noch). Das Gebäude sah aber total eckig aus, was ich sehr lustig fand. Gemeint war natürlich „Institut für Aerodynamik“.

Immerhin haben solche Benennungen einen hohen Unterhaltungswert …

Digitalisierung

Nur komisch, dass die immer mehr digitalisierten Schulen nach durchgehender Meinung derjenigen, die die digitalisierten Schüler dann anschließend im Berufsleben ausbilden sollen, immer mehr ungeeignete Kandidaten liefern.
.
Vielleicht sollte man bei aller Liebe zum Digitalen auch mal wieder in die Grundlagen des sozialen Gefüges investieren, in Lerninhalte die mitreißen und begeistern, in die Vermittlung von Grundlagenwissen, jenseits davon, wie man ein Tablet ein- und ausschaltet.
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Digitalisierung wird als Zaubermittel dafür gesehen, dass damit alles ohne weiteren Input wie geschmiert läuft. Leider ist das Gegenteil der Fall.
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Auf eine Bildungsinitiative analog der Digitalinitiative wartet man bis heute vergeblich. Und unsere Kinder werden es ausbaden müssen.

"Ohne ihr Engagement wäre die Grundschule Allendorf wohl noch lange nicht "Digitale Schule" geworden. Katharina Springob und ihre Kolleginnen (...) setzen sich dafür ein, dass ihre gut 150 Schüler in der kleinen Stadt im Hochsauerlandkreis auch digital kompetent werden."

"Gemeinsam mit ihren Schülern haben sie eigens ein Roboter-Projekt auf die Beine gestellt. Hierbei haben die Kinder der Grundschule Grundzüge des Programmierens gelernt" ("Grundzüge erlernen" heißt: Zu wissen, wie etwas funktioniert).

Respekt. So macht man das. Je mehr Nachahmer sie finden, desto besser für unsere gesamte Gesellschaft.

"Gerne würden die Allendorfer häufiger digitale Medien einsetzen und Tablets oder Whiteboards in den Unterricht integrieren. Deutschlandweit wünscht sich das mehr als die Hälfte aller Lehrer. Das zeigt eine neue Befragung des Digitalverbands Bitkom. 58 Prozent sagen, dass dafür aber die nötigen Endgeräte fehlten"

Und das nur, weil die Politik über Geld- (bzw. Macht-)Fragen streitet.

Digitalpakt

Also wenn ich mir das Geschwätz um die "notwendige" Digitalisierung unserer Schulen so anhöre kann ich Josef Kraus, dem ehemaligen Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, nur zustimmen wenn er sagt:

"Der permanente Ruf nach ,Laptop statt Schulranzen' ist ein Beispiel für die fortschreitende Emanzipation des Redens vom Denken."

Bei dem Thema Digitalisierung

Bei dem Thema Digitalisierung bekommt man immer den Eindruck, dass dem Bürger das als Allheilmittel verkauft werden soll. Dabei sollte es in der Schule eigentlich um die Vermittlung von Wissen und die Anleitung zu selbstständigem Lernen, Denken und Arbeiten gehen. Und das hat vor fünfzig Jahren schon wunderbar analog funktioniert. Die Art, wie wir heute lernen, ist sicherlich eine andere, aber der Zweck ist der gleiche. Digitale Medien dürfen nur Hilfsmittel bleiben und ihr Einsatz darf nicht dazu führen, dass Schüler entmündigt werden und Wissen nur oberflächlich vermittelt wird, weil man es ja nachschlagen kann. Wer Wissen nachschlagen muss, besitzt letztendlich kein Wissen.

Meine Befürchtungen werden wahr

Nachdem die deutsche Industrie alle möglichen Software Entwickler zB aus der Ukraine nach Deutschland geholt hat und der ungeheure Bedarf trotzdem nicht annähernd gedeckt wurde, müssen jetzt wieder die Schulen ran, Lehrpläne um Software Entwicklung erweitert werden - am besten schon in der Grundschule. Rausfliegen aus dem Lehrplan wird wohl dafür am ehesten die Schreibschrift, aber zunehmend auch naturwissenschaftliche „Sachthemen“. Es ist traurig das Anforderungen der Wirtschaft zunehmend auf Lehrpläne der Schulen heruntergebrochen werden um den Bedarf der Wirtschaft zu befriedigen. Eine Entwicklung, die ich speziell in Deutschland seit Jahrzehnten beobachte.

Digitalisierung an Schulen

hier bei uns in Schweden wird schon seit vielen Jahren mit dem Laptop an den Schulen gearbeitet. Viele Schulen in Schweden verabschieden sich jedoch wieder aus der Digitalisierung in der Schule. In vielen Schulen ist die Leistung deutlich schlechter geworden, weil die Kinder im Unterricht abgelenkt werden durch die Laptops und die Möglichkeit ins Internet zu gehen

15:00 alterschwede01

"viele Schulen verabschieden sich in Schweden wieder......."
Genau das waren und sind auch meine Befürchtungen. Um zunächst mal Grundelemente Lesen, Schreiben, Rechnen und einen kleinen Teil der Naturkunde zu erlernen brauchts ganz gewiss keinen Laptop. Das geht ganz ohne Strom einfach mit Papier und Bleistift, siehe Einstein, Kant, Humbold, Benz, Porsche usw. (früher Tafel).

@ Digitaler Fußabdruck

Zitat um 13:27 Uhr:

"Nur komisch, dass die immer mehr digitalisierten Schulen nach durchgehender Meinung derjenigen, die die digitalisierten Schüler dann anschließend im Berufsleben ausbilden sollen, immer mehr ungeeignete Kandidaten liefern.
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Vielleicht sollte man bei aller Liebe zum Digitalen auch mal wieder in die Grundlagen des sozialen Gefüges investieren, in Lerninhalte die mitreißen und begeistern, in die Vermittlung von Grundlagenwissen, jenseits davon, wie man ein Tablet ein- und ausschaltet.
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Digitalisierung wird als Zaubermittel dafür gesehen, dass damit alles ohne weiteren Input wie geschmiert läuft. Leider ist das Gegenteil der Fall."
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Kann ich nur bestätigen. Im Bereich industrieller Forschung beobachten wir seit Jahren einen wachsenden Verlust an grundlegenden Fähigkeiten wie zum Beispiel autonomes Denken. Der zukünftige Bedarf an wirklich kreativen und sinnvollen Innovationen wird sich kaum mit Digitalzombies decken lassen.

Wie sollen es die Kinder in der Schule schaffen, ...

... den ganzen Lehrern das Thema "Neue Medien" beizubringen? Für die meisten Lehrer ist mit dem Ende des Referendariats das Lernen zu Ende gewesen. So war meine Erfahrung - als Schüler und nachher als Vater von 4 Kindern.

14:51 von Möbius

>> Es ist traurig das Anforderungen der Wirtschaft zunehmend auf Lehrpläne der Schulen heruntergebrochen werden um den Bedarf der Wirtschaft zu befriedigen.<<

Das sehe ich nicht so. In meinem (mittelständigen) Betrieb war eine Bewerbung als "Bachelor" schon mit einem kleinen Minus versehen (Mein Gott, der weiß doch gar nichts.) Die Wirtschaft hat schon Anforderungen, die leider erheblich reduziert werden muss weil das "Angebot" schlicht viel zu weit von der Arbeitsrealität entfernt ist.

Wozu?

Der Digitalpakt ist vor allem ein Geschenk für die Branche, die die entsprechenden Geräte herstellt. Wozu das? Die Aufmerksamkeit der Schüler und Schülerinnen wird ohnehin den ganzen Tag durch das ganze digitale Gelumpe okkupiert, dass im Überfluss vorhanden ist. Kein Grund also, dass die Schule auf diesen Zug auch noch aufspringen muss.

Die Milliarden, die für den Digitalpakt vorgesehen sind, sollte stattdessen für die Aufrechterhaltung eines Mindestniveaus schulischer Infrastruktur, wie z.B. saubere und schimmelfreie Klassenzimmer, dichte Fenster, funktionierende Toiletten usw. ausgegeben werden. Und wenn dann noch Mittel übrig geblieben sind, bitte gern für die Schaffung von handwerklichen und künstlerischen Werkräumen, Musikprojekte, Theater-AGs, usw.

Am 12. März 2019 um 16:01 von Feininger

Danke lieber Vorkommentator. Obwohl ich selber beruflich in der digitalen Welt tätig bin, bin ich doch komplett ihrer Meinung. Kompetenzen im digitalen Bereich bauen die Kinder (sehe ich an meinen) schon selber auf. In der Schule sollte man stattdessen eher mal ein Kontrastprogramm pflegen...viele wichtige Dinge im Leben finden nunmal nicht vor oder hinter einem Bildschirm statt. Und so kann man das Geld nun wirklich eher mal für gute, funktionierende Basisinfrastruktur verwenden...oder vielleicht auch (wie ketzerisch) für Bücher?

Neuland

Solange der Wirtschaft und der Politik billige Fachkräfte aus dem Ausland wichtiger sind, als einheimische Arbeiter anständig zu bezahlen, wird sich an der digitalen und an der grundsätzlichen schlechten Ausstattungs - und Bildungssituation wohl nichts ändern.
Denn sonst hätte man damit ja schon vor Jahrzehnten begonnen.
Nun gibts ein paar tausend Euro für jede Schule, damit sich die digitalen Gerätschaften dort durch marode Dächer nassregnen lassen können.
Oder man leistet sich eine halbe Stelle für einen Menschen, der die Geräte wartet und für deren Sicherheit sorgt. Aber der hat dann nichts
zu tun, weil kein Geld für Geräte da ist.
Bananenrepublik Deutschland.

Was ist digital?

Vielleicht bin ich ja ein bisschen begriffsstutzig, oder hoffnungslos altmodisch, oder mit meinen 60 Lj. schon zu alt - aber kann mir mal jemand erklären, was genau "Digitalisierung der Schule" bedeutet? Und für was das gut ist? Irgendwie scheint es etwas mit Computern zu tun zu haben. Während meiner Schulzeit (Abi anno 1978) gab es noch keine. Trotzdem bin ich heute in der Lage, mit einem PC zu arbeiten, ein Smartphone zu benutzen, und Musik online zu hören. Das lerne ich im konkreten Alltag.

Digitalisierung der Schulen?

Schulen sollten die Ausformung der natürlichen Intelligenz unterstützen und keine Orte des Lobgesangs auf die künstliche Intelligenz sein.

Die wichtigste Aufgabe unserer Schulen ist es, die Schüler zu eigenständigem Denken anzuleiten, also die Fähigkeit zu schulen, sich seines Verstandes ohne Anleitung durch andere zu bedienen.

Dazu gehört es Urteilsvermögen zu entwickeln, Gegebenheiten kritisch zu hinterfragen, Zusammenhänge herzustellen, usw. also Fähigkeiten, die nur im sozialen, zwischenmenschlichen Austausch ausgeformt werden können.

Was wir nicht brauchen sind digitale Denkzwerge.

18:04 von Feininger

Digitalisierung der Schulen?

Schulen sollten die Ausformung der natürlichen Intelligenz unterstützen und keine Orte des Lobgesangs auf die künstliche Intelligenz sein.

Die wichtigste Aufgabe unserer Schulen ist es, die Schüler zu eigenständigem Denken anzuleiten, also die Fähigkeit zu schulen, sich seines Verstandes ohne Anleitung durch andere zu bedienen.

Dazu gehört es Urteilsvermögen zu entwickeln, Gegebenheiten kritisch zu hinterfragen, Zusammenhänge herzustellen, usw. also Fähigkeiten, die nur im sozialen, zwischenmenschlichen Austausch ausgeformt werden können.

Was wir nicht brauchen sind digitale Denkzwerge.
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Die Einseitigkeit der Kritikfähigkeit hat sich doch schon gut entwickelt.
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Weil diese nur beschränkt haltbar ist, wird doch schon die Herabsetzung des Wahlalters erfolgen.
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Die galoppierenden Reformen müssen halt noch ein bischen untertützt werden, nicht nur finanziell, aber bei der letzten GG-Änderung, im letzten Moment dann eben ziemlich unkontrolliert.

Wie man sieht

sitzen die Schüler am PC, und so kenne ich das auch aus der Schule, 3 Kabinette und in jedem Klassenzimmer einen PC und Anschluss für Beamer.
Ich weis nicht so richtig was ein mehr noch bringen soll, vielleicht so wie früher mal Kopfrechnen üben ;-).
Für Schüler ist doch eigentlich als erstes umfangreiches Grundwissen wichtig, so kenne ich das zumindest, zusätzlich Sprachen Ihrer Wahl.
Das ist doch als erstes die Voraussetzung für die spätere Berufswahl, nicht jeder wird PC-Kenntnisse im Beruf benötigen.
Grundwissen aber immer.

Bleibt doch zu fragen, ob "Digitalisierung"...

meint, das Lehrer entlastet werden, weil Fragen in Zukunft von Wikipedia und nicht mehr von Lehrer und Schulbuch beantwortet werden?
Die wirkliche Frage muss doch heißen, brauchen wir die Schule in der heutigen Form noch, wenn genügend effiziente Quellen zur Wissensvermittlung vorhanden sind. Brauchen wir nicht eher "Bildungsmanager", die anleiten und ein Prüfungswesen das auch extern (in Vereinen/ Musikschulen) erworbenes Wissen einbezieht und Schüler von "Doppelbelastungen" befreit etc. vielleicht muss man mal nachdenken und modernisieren statt digitalisieren die Welt ist nicht digital, sondern wird digital überformt und verfremdet.

Die halbherzige

Die halbherzige Digitalisierung von Unterricht und Schulen zeigt doch einmal mehr, dass die Politik überhaupt kein Interesse an einem vernünftigen und im Sinne der Bildung funktionierenden Schulwesen hat.
Sämtliche Schulreformen der letzten Jahrzehnte wurden auf die gleiche Weise inszeniert.
Politiker denken sich etwas aus und dann geht es in die Hose.
Pädagogen, Lern - und Bildungsforscher sagen schon seit Langem, dass es wesentlich kleinerer Klassen bedarf und dazu mindestens 2 Lehrer und einen Erzieher oder Sozialpädagogen.
Aber diese Fachleute werden bei der Gestaltung des Bildungssystems überhaupt nicht gefragt, weil es der Politik nir darum geht, auch die Bildung möglichst billig zu bekommen. Und ihre eigenen Kinder schicken Politiker dann auf Privatschulen möglichst ins Ausland.
Das ganze Bildungssystem muss von Grund auf neu organisiert werden und in einem kleinen Rahmen darf auch Digitalisierung stattfinden. Mit unseren aktuellen Politikern ist das aber nicht umsetzbar.

Den Branchenverband Bitkom

Den Branchenverband Bitkom zur Digitalisierung von Schulen zu befragen ist ungefähr so als ob man sich von McDonald's Ratschläge zum Speiseplan in der Schulkantine geben lässt.

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