Ihre Meinung zu: Organspende vor BGH: Wenn Ärzte nicht richtig aufklären

29. Januar 2019 - 2:54 Uhr

Tausende Menschen warten auf eine Niere. Eine Spende von Verwandten kann da eine Chance sein - und zugleich ein Risiko, über das Ärzte aufklären müssen. Doch was passiert, wenn sie das nicht tun? Von Claudia Kornmeier.

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Kommentare

Jetzt dürften dann auch die lebend

Spenden zurück gehen. Ärzte stehen ständig unter Zeitdruck, da kommen solche Fehler halt vor. Schlimm...

Wie beim Impfen

Es gibt keine umfassende Aufklärung über die Risiken, und wenn eine - zugegebenermaßen seltene - Komplikation auftritt, wird das abgestritten, auf andere Faktoren zurückgeführt und unter den Tisch gekehrt. Die Verantwortung wird ohnehin vorab per Unterschrift unter das "Informationsblatt" auf den Patienten abgewälzt.

Fazit: Wenn man in Deutschland die "medizinische Versorgung" schadlos überleben will, muß man etwas für die eigene medizinische Bildung tun. Schule und Ausbildung tun das in der Regel nicht.

Für jeden invasiven und viele

Für jeden invasiven und viele diagnostische Eingriff gibt es verpflichtende vorgefertigte standardisierte Aufklärungsbögen, die den Patienten über alle bekannten Risiken aufklären. Mir als Mediziner würde ich daher wünschen, dass geprüft wird, ob die Verschlechterung des Allgemeinzustands nach Nierenentnahme häufiger beobachtet wird und daher in diese Liste der Risiken aufgenommen werden muss.

Schweres Thema

Ich selbst bin Organspender.
Das manche Menschen das ablehnen, kann ich nicht nachvollziehen, denn es ist doch viel besser wenn die Organe nach meinem Ableben jemandem das Leben retten , als wenn sie zusammen mit mir in einer Kiste vermodern.

Aber das muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden.

Was wir aber in jedem Fall benötigen, ist eine Reform des Systems hin zur Transparenz und Unbestechlichkeit.

Womit wir wieder beim nächsten Problem wären:
Die Fälle von Manipulation von denen ich gehört habe, hatten alle dann doch, irgendwie, etwas mit dem hypokratischen Eid zu tun; Die Ärzte wollten, dass es dem Patienten direkt vor ihnen besser geht.

So verkehrt finde ich den Vorstoß nicht erst mal Alle zu Spendern zu machen, mit der Möglichkeit auf Widerspruch, denn wie viele Leute wären bereit zu spenden haben aber einfach nie den Antrag ausgefüllt?

Generell müssen die bürokratischen Hürden für potentielle Spender drastisch verringert werden.

Schräges Geschacher

Sich nach einer Lebendspende gerichtlich Schmerzensgeld zu erstreiten stellt den ganzen Akt der Spende für einen nahen Verwandten in schräges Licht.

Aufklärung ist heute auch außer vom Ärzteteam überall verfügbar. Wer so eine grundständige Entscheidung im Nachhinein mit spitzfindigen Argumenten zu Geld machen will, von so einer Person ist auch im Vorfeld genügend Verantwortung mit selbstständiger Informationspflicht zu erwarten.

Hier wird mal wieder medizinische Segnung in Verruf gebracht. Schließlich werden Lebendspenden empfohlen, wenn der Empfänger sich in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet.

hypothetische Einwilligung?

Das heißt, ein Betrüger könnte sich darauf berufen, dass ich den Handel mit ihm wahrscheinlich auch dann gemacht hätte, wenn ich gewusst hätte, dass er mich belügt? Wie absurd ist das denn? Was hätte denn dann überhaupt noch jemand für einen Grund, die Wahrheit zu sagen?

Ein sehr schwieriges Thema

Aber hier sieht man wieder, wie wichtig trotz allem "Dienst nach Vorschrift" ist, um hinterher nicht verklagt zu werden.
Bei und entfernen die Lehrer an der Grundschule nicht Mal mehr eine Zecke, sondern rufen sofort die Eltern an, damit sie das Kind abholen. Es könnte sie hinterher einer verklagen, weil sie es angeblich nicht richtig gemacht hätten.

Leichtfertigkeit ?

Sicherlich ist Organspende ein wichtiges Thema, aber mich halten derartige Vorkommnisse von einem Organspendeausweis ab.
Nicht dass nur der vermeintliche offensichtliche Handel in meinem Hinterkopf herumspukt, jetzt auch noch eine andere Spitze des Eisberges: Unterlassene oder gar falsche Beratung bzw unzureichende Auskünfte.
Wie müssen sich die direkten Beteiligten fühlen ?
Ich brauche Zeit, um über die vor Augen geführten neuen Erkenntnisse nachzudenken !

Es wäre auch nicht verkehrt....

... wenn bei den Beratungsgesprächen über Lebendspende ein Psychologe anwesend wäre. Nicht alle verkraften, dass an ihnen herumgeschnippelt wird.
Die Psyche hat erwiesen einen zusätzlichen Einfluss auf die Gesundheit.
Manchmal kommt nach langer Zeit der Anspannung gerade bei Entspannung die ganze Erschöpfung erst raus, weil man sich endlich nicht mehr zusammenreißen muss.

@Vertrauensbasis1313

"Sicherlich ist Organspende ein wichtiges Thema, aber mich halten derartige Vorkommnisse von einem Organspendeausweis ab." Am 29. Januar 2019 um 08:18 von Vertrauensbasis1313

Organspenderausweis hat nichts mit Lebendspenden zu tun.
Es ist in der Realität nicht, wie bei dem einen Sketch von Monty Python.

PS. Ich srlbst habe auf dem Organspenderausweis angekreuzt, dass ich nicht spenden möchte, aber ich habe den größten Respekt vor Leuten, die sich für Spenden entschieden haben.

Und noch eine Info an die Chirurgen

Chirurgen sind nicht gerade umgänglich, d.h. die meisten können mit wachen Patienten nicht viel anfangen.

Als ich das letzte Mal einen geklemmten Finger von einem Chirurgen angucken ließ, da musste ich ihn daran erinnern, dass an dem Finger mein verängstigter 7-jähriger Sohn dranhängt. Dann fing auch der Chirurg an mit dem Kind zu reden und ihm zu erzählen, was gemacht wird.
Das braucht ein Chirurg natürlich nicht, wenn der Patient schläft oder zumindest sediert ist.

@Tada

Chirurgen sind nicht gerade umgänglich, d.h. die meisten können mit wachen Patienten nicht viel anfangen.

Wie viele Chirurgen kennen Sie, dass Sie das so verallgemeinern können ("die meisten")?

@Deeskalator

Ich kann schon nachvollziehen dass jemand kein Organspender sein möchte. Das ist eine höchstpersönliche Entscheidung. Man mag befürchten, fälschlicherweise für hirntot erklärt zu werden, vielleicht auch weil die Versorgung eines Komapatienten kostet, aber ein Organspender Geld bringt. Oder man fühlt sich unwohl bei dem Gedanken, dass man in Einzelteile zerlegt wird. Die Menschen haben das Recht auf solche Emotionen und auch auf irrationale Ängste, wenn es um den eigenen Körper geht. (Ich selbst habe einen Organspenderausweis, ohne Einschränkungen)

von eli

Die Masche mit der "Unzureichenden Aufklärung" ist doch uralt. Bereits vor über 40 Jahren haben Patienten mit Hilfe spitzfindiger Anwälte damit die Haftpflichtversicherungen der Ärzte gemolken. Die Entfernung einer Niere ist nunmal etwas mehr als die Extraktion eines Milchzahns und bedeutet die Minderung der Nierenfunktion zunächst um 50 %. Wenn sich danach herausstellt, daß die sogen. Restniere (die dem großherzigen Spender noch verbleibt) funktionsgemindert ist, sieht es noch schlechter aus. Wenn die prae-op. zu unterschreibende Dokumentation über die erfolgte Aufklärung lückenhaft sein sollte, wäre es sogar denkbar, daß der Kläger in diesem Fall obsiegt und kassieren kann.

selbstverständlich hat ein Arzt

umfassend über die möglichen Risiken zu informieren
aber für mich ist es schon recht befremdlich,
wie Menschen hier ihre "scheinbare" Naivität in die Öffentlichkeit tragen

Keiner in unserer von Informationen geprägten Medienwelt
- außer er wohnt hinterm Mond -
kann behaupten von dieser Problematik noch nie was gehört zu haben !

@ Deeskalator 7:15 Uhr

Sie beziehen sich auf das Thema der Organspende nach dem Hirntod des spendenden Menschen.
Hier geht es aber um die Organspende von Lebenden, die vor dem Eingriff aufgeklärt werden müssen und dann selbst zustimmen oder ablehnen können.
Das hat mit der ganzen Problematik, über die Sie referieren (also ob Zustimmungslösung, erweiterte Zustimmungslösung oder Widerspruchslösung, um die drei wichtigsten juristischen Modelle zu nennen) nichts zu tun.
Man sollte das in der Diskussion nicht vermischen.

@BotschafterSarek

Es geht mir nicht darum, dass Chirurgen schlechte Menschen wären oder im Privatleben anders.

Aber beruflich haben sie weniger mit "dem Geist" des Patienten zu tun, sondern hauptsächlich mit seinem Körper. Da sieht man manche Dinge halt anders.

@ frosthorn 07:29 Uhr

Ich verstehe Ihren Beitrag leider auch nach dem 7. oder 8. Lesen nicht.
Es geht hier nicht um Lügen und Betrügen.
Es geht hier schlicht um die Frage, ob der Betreffende auch der Organentnahme zugestimmt hätte, wenn er umfassend aufgeklärt worden wäre.
Wenn die Ärzte im Zusammenhang mit der Aufklärung formale oder inhaltliche Fehler begangen haben, hat das nichts mit Lügen und Betrügen zu tun.
Wieso Sie aus dem Nachdenken über die hypothetische Einwilligung schließen, dass das einem Verschweigen der Wahrheit oder Lügen Vorschub leisten sollte, ist für mich unverständlich.

09:14 von Quakbüdel

mit Hilfe spitzfindiger Anwälte damit die Haftpflichtversicherungen der Ärzte gemolken
.
man soll ja niemanden etwas unlauteres unterstellen
aber genau der Gedanke kam mir bei der Sache auch

gerade im ARD Morgenmagazin

hätte der Spender um die Risiken gewußt hätte er (möglicherweise) Abstand
von der Spende genommen
... ebenso die Frau, wenn sie gewußt hätte was sie von ihrem Mann noch hat
(immer müde ...)

eine sehr peinliche Sache

wie ist das, wenn einer ins Wasser springt um ein Kind zu retten,

auch da bestehen Risiken - im besten Fall dreckige Kleider - im schlechtsten Fall zu ertrinken
also da hin zu stehen und sagen: hätte ich lieber nicht geholfen - wären meine Hosen noch trocken/Arm nicht gebrochen/etc, das ist schon sehr merkwürdige Diskussion

und wieder wird Raffgier unterstellt

Ich verstehe die Kommentatoren nicht, die sofort zu wissen glauben, dass es den Klägern nur ums Geld geht. Hier hat eine Klinik die einfachsten Verhaltensmaßregeln schuldhaft missachtet. Oder was wäre so schwierig daran gewesen, den geforderten neutralen Arzt dazu zu setzen oder das Gespräch ordentlich zu protokollieren.
Natürlich gehe ich ein Risiko rein, wenn ich ein Organ spende. Aber genau deshalb lasse ich mich doch vorher aufklären. Man kann doch nicht verlangen, dass jemand einfach mal pauschal mit allen möglichen Folgen einverstanden ist.
Und geradezu unterirdisch ist die "hypothetische Einwilligung", auf die man sich jetzt beruft. Ich verkaufe jemandem ein Auto, das ich gar nicht habe, und sage nachher, der hätte den Deal auch gemacht, wenn er das gewusst hätte. Geht's noch?

@ riewekooche

"Wie beim Impfen Es gibt keine umfassende Aufklärung über die Risiken" Am 29. Januar 2019 um 06:38 von riewekooche

Der Vergleich Impfen und Lebend-Organspende ist absolut unpassend.

Bei einer Impfung droht kein höheres Risiko, als bei einer normalen Essensaufnahme.
Allergien und Erkrankungen können einen immer erwischen. Sogar beim Atmen.

Da wir schon beim Impfen sind:
Impfen verhindert u.a. Erkrankungen, die zu dauerhaften Organschäden führen und einen zum Wartenden auf eine Organspende machen können.

Interessante juristische Konstruktion

Wenn sich jemand entschließt, einem nahen Verwandten z.B. eine Niere zu spenden, dann tut er das ja vermutlich, weil es diesem Verwandten an der Dialyse schlecht geht oder dieser evtl. sogar zu versterben droht.
Jetzt kann man natürlich darüber spekulieren, wie der potentielle Spender sich entschieden hätte, wenn er bei der Aufklärung über die seltene und ungeklärte Möglichkeit eines chronischen Erschöpfungssyndroms informiert worden wäre. Ich gehe mal davon aus, dass die Aufklärung sehr viel häufigere und realere Risiken enthält.
Allerdings ist das natürlich trotzdem nur eine Spekulation. Vielleicht hätte er sich trotzdem anders entschieden. Das glaube ich zwar persönlich nicht, aber das ist nur mein Glaube. Darauf ein juristisches Urteil zu gründen finde ich auch merkwürdig.
Aber ich als Naturwissenschaftler habe es nicht so mit glauben.

Deshalb

Kläre ich auch bei JEDER Prozedur bis auf den Tod und auf unvorhersehbare Komplikationen auf (100% gibt es in der Medizin nicht). Die Patienten schlucken zwar dann, wenn sie hören, dass man auch an einem ganz normalen CT im schlimmsten Fall durch eine allergische Reaktion aufs Kontrastmittel sterben kann, aber dann ist der Aufklärungspflicht genüge getan und streitsüchtigen Patienten - von denen es leider immer mehr zu geben scheint - schon einmal der Wind aus den Segeln genommen. Ich warte eigentlich nur noch auf den Tag, ab dem wir nur noch Blut abnehmen dürfen, wenn wir die Patienten in Beisein eines Anwalts vor jeder Blutentnahme schriftlich über die Risiken einer solchen aufgeklärt haben.

Organspende

Ich habe in diesem Artikel nichts davon gelesen, dass der Spender abkassieren will. Und das Ärzte nicht auf eine mögliche Fatigue eingehen ist nicht ungewöhnlich. Ähnlich wie nach Krebsoperationen entwickelt sich aber nun einmal häufig dieses Erschöpfungssyndrom. Und geht, wenn überhaupt, häufig nicht von alleine weg. Da würde ernsthafte Fortbildung guttun damit im Vorfeld darauf eingegangen werden kann. Aber selbst in der Fern- und Fremdbeurteilung der Kommentatoren lese ich nicht raus, dass irgendjemand die Not der Spenders nachvollziehen kann oder will.

Warum hat man wohl zwei

Warum hat man wohl zwei Nieren? Bestimmt nicht zum Spaß. Wenn man also auf 50% seiner Kapazität verzichtet, ist es wohl logisch, daß da was passieren kann.

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