Kommentare - #ImplantFiles: Medtronic - Weltkonzern auf Abwegen

28. November 2018 - 06:00 Uhr

Der größte Medizintechnik-Hersteller der Welt heißt Medtronic. Seine Wissenschaftler haben auch in pseudowissenschaftlichen Zeitschriften publiziert und sind auf dubiosen Konferenzen aufgetreten. Von Peter Hornung.

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Ethik vor Profit

Es sollte in jedem Land eine offizielle unabhängige Stelle geben, die die Praxis wissenschaftlicher Publikationen nach festgelegten Standards beaufsichtigt. Der Glaube daran, „ dass Private es besser können und der Markt es schon richten wird“ ist naiv. Der Profitgedanke von Konzernen und fehlende Ethik von leider vielen Wissenschaftlern und Medizinern treffen hier aufeinander. Das Problem der ohne Kontrolle stattfindenden Veröffentlichung und Zertifizierung medizinischer Verfahren und Produkte kann in der EU nur wieder durch staatliche Institutionen in den Griff bekommen werden. Die Prüfung vor der Veröffentlichung oder Markteinführung im medizinischen Bereich muss strengen Qualitätsstandards und ethischen Anforderungen gerecht werden. Auch muss die Produkthaftung so geregelt werden, dass ein Konzern es sich gut überlegt, ob er zu hohe Risiken eingehen möchte. Dafür muss ersteinmal der Einfluss der Lobbyisten eingedämmt werden.

Komisch

In letzter Zeit werden immer mehr üble Machenschaften von Unternehmen und Regierungen veröffentlicht.

Dies hat nicht nur mit dem Internetboom zu tun, sondern dass die Welt in den letzten knapp 20 Jahren einfach viel asozialer und abgestumpfter geworden ist.

Man könnte meine bis etwa zur Jahrtausendwende haben sich die Unternehmen und Regierungen gedacht:
"So, diese moralische Grenze sollten wird nicht überschreiten."

Dann haben die die ersten sich gedacht:
"Hach einen versuch ist es wert, wie geben den Politikern einfach genug vom Profit ab"

Und siehe da eine ohnehin schon Fragwürdige Wirtschaftspolitik ist so dermaßen Menschenverachtend geworden, dass mittlerweile jeder Praktikant über dunkle Machenschaften stolpert.

An VW, Trump, Hoeneß uvm. sieht man aber, dass asoziales Verhalten keine, maximal kaum Folgen hat und was noch schlimmer ist das die Menschen so abgestumpft sind, dass es sie nicht mal sehr zu stören scheint.

Alles kann veröffentlicht werden

"Alles kann veröffentlicht werden - gegen Zahlung von ein paar hundert Dollar. Geld nehmen zwar auch seriöse Verlage. Doch bei den Raubverlegern gibt es keine ausreichende wissenschaftliche Kontrolle der Inhalte, den sogenannten Peer Review"
Ach ja?
Aus eigenere Erfahrung kann ich dazu nur sagen: Der Peer Review ist nur so gut wie die (für den Verlag kostenlos arbeitenden !) Reviewer. Und deren Qualität ist von aussen absolut nicht zu kontrollieren. Zudem: Der Autor redigiert selbst das Manuskript, bringt die Bilder und Tabellen in Form, und setzt im Regelfall Anmerkungen des Peer Reviews um (das alles für lau) . Der "renommierte" Verlag kassiert seine üppige "Veröffentlichungsgebühr", veröffentlicht in einer "renommierten" Zeitschrift und kassiert von den interessierten Lesern nochmal, und das in der Regel nicht zu knapp (30$ für das Lesen von zwei, drei Seiten sind nicht selten). Siehe dazu z.B.
https://netzpolitik.org/2015/was-leisten-wissenschaftsverlage-heute-eig…

Es gibt Schlimmes und Schlimmeres

Schlimm, dass sich Wissenschaftler auf Pseudo-Konferenzen tummeln und in scheinwissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichen.
Schlimner ist, dass dieses System nur funktioniert weil kaum jemand die Artikel liest, sondern zur Beurteilung von Wissenschaftlern und Forschungsgüte von Pharmaunternehmen die Anzahl der Veröffentlichungen und Zahl der Auftritte auf Konferenzen gewertet werden.
Für außerhalb der Wissenschaft stehende und das 'normale' Publikum ist nur die beeindruckende Länge der Liste der Publikationen auf der Webseite der Firma oder der Uni bewertbar. Viele Doktortitel und gesammelte Professuren oder Adelstitel entfalten die gleiche Wirkung, wenn es um den Zugang zu Entscheidern aus Politik und Wirtschaft geht.
Hochglanz-Werbeseiten und Titelsammlungen sind die Währung, mit der man am Schnellsten weit kommen kann.

Wie wäre es mit Sammelklagen gegen diesen

US-Konzern, mit entsprechenden Schadenersatzforderungen und Strafen in Milliardenhöhe, denn er hat den Menschen wesentlich mehr Schaden zugefügt als die Software bei VW? Oder erweist sich Deutschland und auch die EU wieder einmal als Untergebener der USA?

Internet statt Wissenschaft

Wirklich schlimm ist das ein großteil der Bevölkerung nicht wirklich weiß was wissenschaftliches Arbeiten ist. Sie glauben lieber einem werbewirksamen "Dr. Best" oder vertrauen "pharmazeutischen Inhaltsstoffen". Die eigene Meinung wird durch Internetforen verstärkt die genau die eigene Meinung wiederspiegeln und alle glauben so viele Menschen können sich nicht irren (siehe "Echo-kammer"). Statt sich offen mit "unliebsamen" Argumenten auseinander zu setzen (was Wissenschaftler tun) vertrauen die Leute lieber irgendwelchen Gerüchten die über Foren gestreut und multipliziert werden. Ist natürlich schön bequem.
Es sollte sich jeder darüber im Klaren sein dass man im Internet nahezu jede beliebige Meinung 1000-fach finden kann - egal ob richtig, falsch oder sogar bewusst gefälscht.
Mit Wissenschaft hat das nichts zu tun.

Weltkonzern auf Abwegen

Wo bleibt denn unser Gesundheitsminister? Ach ja, ich vergaß das er sich um den Parteivorsitz und die Lobby kümmern muß. Er selbst hatte die Kontrollen damals mit der Lobby gelockert und nun will er einen auf "Sozial" machen. Das gleiche mit den Krankenkassen was gestern im TV sehr schön zu sehen war, das es nur um Profit geht. Wer kontrolliert das? Es ist einfach eine Schande wie Kranke an Leib und Leben ausgenützt werden um daraus den größten Provit zu erreichen. Die Krankenkassen gehören auch auf den Prüfstand. Spahn tut nicht das was ers oll, sondern er kümmert sich viel zu viel um andere Dinge. Dieser Mann gehört abgewählt, denn er hat fertig.

Scheinheilig

Solange Titel und Anzahl der Veröffentlichungen hauptsächliches Beurteilungskriterium ist, wird diese Misere bestehen bleiben. Übrigens, wenn immer nur Beurteilungen von renommierter Seite das wichtigste Kriterium wäre,
würden wir noch in der Steinzeit Medizin stecken.
Neue, interessante, flexible und ideenreiche Wege werden in aller Regel sofort abgelehnt von altbackener etablierter Medizin. Überheblichkeit pur

das Problem...

ist nicht eine eventuelle Haftung sondern hohe Haftstrafen für den Vorstand...dann hört das auf...aber heutzutage gilt ja als kriminell wer sich über Mißstände aufregt...

Nachtrag

Sehr schlimm ist auch dass die Politik sehr empfänglich für Pseudowissenschaften ist.
Das hat sich in der Gesundheitspolitik (Rauchen) und im Verbraucherschutz (Lebensmitteldeklaration) schon hinreichend gezeigt.
Und auch der Skandal um Medizinprodukte wird für die Politiker kein Anlass sein den "Pseudowissenschaftlern" und der "Pseudowissenschaft" das Leben schwerer zu machen. Es wird vermutlich auch nicht mehr Transparenz geben sondern eher weniger, da diese Konzerne mittlerweile die Politik kontrollieren - und nicht umgekehrt.

Nun, bei Ami-Firmen gibts eine kurze Aufregung,

das wars dann. Kein Vergleich zur Behandlung der Deutschen Bank oder von Volkswagen in den USA. Diese Handelskrieg der USA gegen den deutschen Expertkrieg begann allerdings schon unter Obama.

Und so etwas müssen Journalisten aufdecken?

Wo bleiben denn die Staatsanwaltschaften aller Länder? Warum bleiben die bei kriminellen Machenschaften wie Vorspiegelung falscher Tatsachen und Korruption untätig? Das ist der eigentliche Skandal ! Dass Firmen ihren Kram bewerben mit (Werbe-)Konferenzen ist ja nichts Neues und nicht kriminell - man weiß ja, wer spricht. Dass Raub-Verlage Trash publizieren ist auch bekannt, stilblütenartige Auswüchse gibt es genügend. Aber Schmiergeld und überteuerte Abrechnungen sind Korruption und Betrug - ähnlich wie beim Diesel.
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Was nutzt ein Register, wenn dann die Staatsanwaltschaft nichts darüber unternimmt?

Untaetigkeit

@SabineS.
Genau so ist es! Die grossen laesst man laufen, die EU und D. zu schwach um eigene Interssen zu schuetzen. Es ist eine Frage der Macht.
Wir D. oder EU es schaffen sich vor der Bevormundung frei zu schwimmen?
Es fehlt an Selbstbewustsein, die EU ein riesen Markt, kluge Koepfe sie koennte selbstbewusster auftreten.
Das die Regierung, Kanzler, Minister nichts machen - das sind wir gewohnt.
Nur Sonntagsreden - "auch diese Konzerne sollten Steuern bezahlen" ? Laecherlich!

"Wissenschaft als Ganzes dient der organisierten Kritik"

Auch wenn es nach Aussen hin so scheint: Nur weil ein Sachverhalt peer-reviewed veröffentlicht ist, ist er nicht gleich "die" Wahrheit.
Mühselige Wissenschaft fängt nämlich eigentlich erst nach der Veröffentlichung an: "Nur Resultate, die durch andere diskutiert, bezweifelt und -wo möglich- getestet und reproduziert werden, können als wissenschaftlich gelten" (übersetzt aus Marc Schlitz, doi: 10.3389/fnins.2018.00656).
Eine Veröffentlichung ist also nicht der Endpunkt, sondern der Start des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses.

Mithin scheint mir die demonstrierte Empörung an überhöhten Erwartungen an "Veröffentlichungen" zu liegen. Denn obwohl z.B. keiner der abstracts (und Poster) zur jährlichen Society for Neuroscience Konferenz (2018: 22000 Teilnehmer!) peer-reviewed ist, wird dort trotzdem i.A. hervorragende Wissenschaft (= Kritik) betrieben.

Zweifellos gilt aber auch: Abkürzungen und kriminelle Machenschaften sollten auch so benannt werden.

Warum nicht die Staatsanwälte?

Und so etwas müssen Journalisten aufdecken? Wo bleiben denn die Staatsanwaltschaften aller Länder? Warum bleiben die bei kriminellen Machenschaften wie Vorspiegelung falscher Tatsachen und Korruption untätig? Das ist der eigentliche Skandal ! Dass Firmen ihren Kram bewerben mit (Werbe-)Konferenzen ist ja nichts Neues und nicht kriminell - man weiß ja, wer spricht. Dass Raub-Verlage Trash publizieren ist auch bekannt, stilblütenartige Auswüchse gibt es genügend. Aber Schmiergeld und überteuerte Abrechnungen sind Korruption und Betrug - ähnlich wie beim Diesel.
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Was nutzt ein Register, wenn dann die Staatsanwaltschaft nichts darüber unternimmt?

Wo ist jetzt der Skandal?

Es gibt also Wissenschaftler die bei "dubiosen" Verlagen veröffentlichen.

Und das ist verboten?
Moralisch verwerflich?
Strafbar?

Das Doktor Sommer Team in der Bravo nimmt jemand ernst? Also jemand über 14? Wissenschaftlern traue ich durchaus zu das sie erkennen wo der Kollege veröffentlicht. Ich traue ihnen auch zu sowohl den Verlag als auch den Kollegen dann dementsprechend einzuordnen.

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