Kommentare - Interview: "Man wird IS-Anhängerinnen lange verhören"

18. Juli 2017 - 16:30 Uhr

Wie geht es nach der Festnahme der fünf mutmaßlichen IS-Anhängerinnen aus Deutschland weiter? Werden sie ausgeliefert? Terrorismusexperte Yan St. Pierre gibt im Interview mit tagesschau.de Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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"Man wird IS-Anhängerinnen lange verhören"

Was ging nur bei den damals 15-Jährigen deutschen Mädchen im Kopf vor, als es zum Islam wechselte und zur IS- Anhängerin wurde? Hatte sie Probleme in der Schule oder mit den Eltern, wahrscheinlich Beides. Wie konnte der IS mit Hilfe des Internets deutsche Jugendliche so in seine Fänge bekommen? Wahrscheinlich haben die Psychologen in Deutschland mal sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Wie lange dauert es bis zur Übergabe an Deutschland?

Hoffentlich lange, wer will schon Extremisten in Deutschland haben? Wer sich als Terrorist betätigt der darf nicht auf Mitleid hoffen, das wäre den Opfern gegenüber grob ungerecht.

Warum nicht einfach in irakischen Gefängnissen lassen ?

Das würde Deutschland eine Menge Geld für Rückführung, Prozess und Gefängnisaufenthalt sparen. Sie sind ja auch freiwillig in den Irak.
Und immerhin hatten sie Morde im Irak geplant und nicht in Deutschland. Eine Aburteilung im Irak wäre also das naheliegenste. Also werden sie ich in einem irakischen Gefängnis bestimmt wohler fühlen als in einem deutschen, wenn sie schon extra dorthin gereist sind.

Die Frauen wollten doch in

Die Frauen wollten doch in den Irak - sollen da auch ihre Strafe absitzen. Hier bekommen Sie auf Staatskosten noch finanzielle Unterstützung und einen Psychiater!

In den Mühlen der Verwaltung

Was liegt an?
Junge, orientierungslose, radikalisierte und womöglich traumatisierte junge Menschen.
Was wollen wir als Gesellschaft von diesen Menschen?
Im Idealfall dass sie erkennen, dass es auch noch friedliche Alternativen zu ihrem eingeschlagenen Weg gibt und sich sich in ihrer Heimat geborgen fühlen und ein friedliches Leben leben können und dürfen.
Wie erreicht man das?
Je nach Vorgeschichte dieser Menschen sicherlich nicht mit wochenlangen Verhören und drakonischen Strafen, denn dieses Szenario hat der IS ihnen bereits eingebläut. Hier ist sicherlich psychologisches Feingefühl nötig, wollen wir diese Menschen nicht verlieren - und sie sich selbst ebensowenig. Ansonsten erreicht man nur das Gegenteil. Ich wünsche allen Entscheidern die nötige Empathie. Diese jungen Menschen suchen wahrscheinlich "nur" ein Vorbild. Unsere Gesellschaft sollte eines sein!

Immer anfälliger

Wenn sich sich Jugendliche immer mehr radikalisieren, dann kann in diesem Staat irgend etwas nicht mehr stimmen. Die Jugendlichen haben ja auch in unserer Gesellschaft, deren "westliche Werte" immer fragwürdiger werden, keine Vorbilder und Ideale mehr. Über unsere Politiker erspare ich mir jedes Wort, der Profi-Sport ist zu reinem Kommerz verkommen, und unsere Gesellschaft sowie die Arbeitswelt werden immer unmenschlicher. Kein Wunder, wenn junge Leute in dieser Welt nicht mehr klar kommen und sie ablehnen. So werden sie dann aber immer anfälliger für Fanatiker aller Art.

Sofern die Damen volljährig

Sofern die Damen volljährig sind, wäre ich für eine möglichst lange Haftstrafe im Irak, bevor sie nach Deutschland überführt werden und dann hier nochmals eine möglichst lange Haftstrafe wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung absitzen müssen.
Wer sich freiwillig dem sog. IS anschließt sollte keine Gnade oder Verständnis erwarten dürfen.
Im Falle der minderjährigen mag das vielleicht etwas anderes sein, allerdings sollten auch hier deutlich spürbare Konsequenzen folgen!

"tagesschau.de: Wie lange

"tagesschau.de: Wie lange dauert es, bis die Mädchen an Deutschland übergeben werden?
St. Pierre: Die Verhandlungen können mehrere Tage bis wenige Monate dauern. Sie sind auch abhängig davon, wie lange die Verhöre der irakischen Sicherheitsbehörden andauern. Sollte es sich bestätigen, dass die Mädchen Deutsche sind, werden sie an Vertreter der deutschen Botschaft übergeben."

Sprich: anstatt daß deutsche IS-Anhängerinnen im Irak einen Prozess bekommen und eine Strafe absitzen, werden sie schnurstracks nach D gebracht, auf daß wir sie hier resozialisieren und integrieren.
Die netten Mädels, die mit Sprengstoffgürteln hantiert haben.
Die dem IS als "Polizei"mitarbeiter gedient haben, mithin verantwortlich sind für wer weiß wieviele Tote und verstümmelte Iraker, weil diese sich nicht an das "Gesetz" des IS gehalten haben.

Täter und Opfer

Viele Menschen radikalisieren sich schon in jungen Jahren, die IS Ausbildungslager sind voll von Minderjährigen. Aus welchem Land oder von welchem Geschlecht spielt da kaum eine Rolle, indoktriniert und rekrutiert wird überall.
Ich vermute mal, die minderjährigen Radikalisierten um die es hier geht waren schon Moslems und einem Einfluss aus dem direktem Umfeld ausgeliefert, viele konvertieren aber auch zum Islam.
Sicherlich sollten bei der Aufarbeitung und Verurteilung das Alter und der Weg zur Radikalisierung berücksichtigt werden.
Das Geschlecht darf meines Erachten keine Rolle spielen. Minderjährige IS-Kämpfer sind je nach Blickwinkel gleichermaßen Täter und Opfer, vollkommen egal ob Mädchen oder Jungen. Sie müssen auch juristisch gleichermaßen behandelt werden.

@ Thomas Wohlzufrieden

"Die Jugendlichen haben ja auch in unserer Gesellschaft, deren 'westliche Werte' immer fragwürdiger werden, keine Vorbilder und Ideale mehr. Über unsere Politiker erspare ich mir jedes Wort, der Profi-Sport ist zu reinem Kommerz verkommen, und unsere Gesellschaft sowie die Arbeitswelt werden immer unmenschlicher."

Vor 200 Jahren lebte ein Großteil der Jugendlichen in den deutschen Staaten verglichen mit heute in bitterer materieller Armut, hatte kaum Schulbildung und musste ab einem Alter von etwa 14 Jahren in irgendeinem Knochenjob schuften gehen - wenn sie nicht schon vorher an irgendeiner Infektionskrankheit gestorben sind, denn Impfungen gab es nicht.

Meine These, die ich Ihrer gegenüberstelle: Jugendliche radikalisieren sich in unserer Wohlstands- und Überflussgesellschaft nicht, weil es ihnen materiell schlecht, sondern eher zu gut geht.

Die meisten Terroristen stammen seit jeher aus dem Mittelstand, nicht aus der Unterschicht.

Warum sollen die ausgeliefert werden?

Sie haben ihre Untaten im Irak verübt- gegen irakische Soldaten und Zivilisten. Dann müssen sie sich auch vor der irakischen Justiz verantworten und lernen, dass es auch gilt, die Verantwortung zu übernehmen. Natürlich werden sie vorher umfangreich verhört werden, um über Mittäter und Strukturen mehr zu erfahren. Vielleicht wird es eine lehrreiche Erfahrung

Rechte und Plichten

1) Deutsche Gerichte haben die Plicht über mögliche Straftäter zu urteilen wenn die Straftaten nach Deutschen Gesetz zu Ahnden sind.

2) Ebenso hat aber der mögliche Straftäter auch das Recht sich hier vor einen Deutschen Gericht zu verantworten wenn die Straftaten nach Deutschen Gesetz zu Ahnden sind..

3) siehe 1.

Ich gehe hier mal von der Deutschen Staatsbürgerschaft des möglichen Straftäters aus.

"mögliche Straftäter" = erstmal gilt wie immer die Unschuldsvermutung!

Muss man die denn zurücknehmen?

A gesagt, B ist die Konsequenz. Der IS ist keine Jugend-Romanze, das ist brandgefähliche, existenzbedrohende Handlung. Wissentlich in Kauf genommen. Also: Einsitzen.

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