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diese Lücke gehört geschlossen

Es ist das erste Mal, dass ich sowas erfahre. Ich hätte gedacht, in einer Behindertenwerkstatt mit produktivem Hintergrund werden wesentlich bessere Löhne gezahlt.
Da das offensichtlich eine Lücke in den Gesetzen ist, würde ich meinen, diese gehört schnellstmöglichst geschlossen. Gerade wenn es sich nicht um eine Übungsfirma sondern um Betriebe mit kommerziellen Produkten oder Dienstleistungen handelt, sind die Leute dort anständig zu entlohnen, der Mindestlohn muss auch dort gelten. Man kann ja Ausnahmen für eine Einarbeitungszeit schaffen ähnlich wie bei Langzeitarbeitslosen, die ja auch erst nach einigen Monaten Anspruch auf den Mindestlohn haben, wobei ich diese Regelung für völlig falsch halte. Wer arbeitet, sollte auch durch die Zahlung von Lohn und Gehalt motiviert werden und gerade als Langzeitarbeitsloser oder auch als Behinderter ist die Lohnzahlung eine immense Motivation.

Widersprüchliche Argumentation

Wer in einer beschützenden Werkstatt arbeitet, tut dies aus einem guten Grund: Er findet wegen seiner Behinderung keinen Job auf dem normalen Arbeitsmarkt. Und zwar aus genau den Gründen, aus denen es die beschützenden Werkstätten gibt: Die potentiellen normalen Arbeitgeber sind nicht überzeugt, dass er sich ganz normal in ein Arbeitsverhältnis einpassen kann. Weniger leistungsfähig, öfter ausfallend oder besonderer Betreuung bedürftig. In den beschützenden Werkstätten wird ein Kompromiss gelebt. Man akzeptiert diese Einschränkungen und hilft, aber für den Preis, dass die Kosten sozialisiert werden. Bezahlt wird nicht nach Leistung minus verursachten Kosten, sondern für alle gleich. Das ist Solidarität unter den Behinderten. Was wäre sonst mit den Behinderten, bei denen die Kosten die Leistung übersteigen? Sie tragen durchaus zur Deckung der Kosten für ihre Betreuung in der Zeit bei, aber nicht aller. Alles andere würde Leistungsdruck bringen. Und der soll gerade nicht herrschen.

Dann muss man es aber nachweisen!

Eingeschränktes Leistungsvermögen, ok. Aber das muss man dann auch im einzelnen beziffern können. Wer 50% leistet kann gerne dann auch nur 50% dessen verdienen wie der Durchschnitt der Arbeitnehmer die, die selbe Tätigkeit normalerweise ausüben. Alles andere ist für mich Sittenwidriges ausbeuten.

In der Welt, in der wir

In der Welt, in der wir leben, kann man sich die Argumentation gut vorstellen. Die Behindertenwerkstätte bekommt nur Aufträge, wenn sie konkurrenzlos günstig anbieten kann. Mindestlohnpflicht würde daher im Endeffekt den Behinderten schaden. Höhere Lohnkosten müssten vom Träger übernommen werden, und dann wäre man mehr oder weniger wieder da, wo man heute schon steht.
Es stellt sich allerdings zumindest die Frage, ob 1.50 € pro Stunde wirklich das kalkulatorische Maximum ist. Ich vermute, da ist schon noch Luft drin.

Sachlich falscher Titel

Der Mindestlohn gilt unabhängig vom Arbeitnehmer. Nur halt nicht unabhängig vom Beschäftigungsverhältnis. Wenn ein Mensch mit Behinderung einem normalen Arbeitnehmer- Beruf nachgeht dann gilt der Mindestlohn. Und wenn ein gesunder Mensch in der Behindertenwerkstatt arbeitet dann bekommt er auch nur wenig Geld.

Richtig, aber weniger reisserisch, müsste der Titel also lauten "Warum ist der Lohn in Behindertenwerkstätten geringer?".

Warum?

Weil der Staat u. die "Wirtschaft" damit billiger wegkommt?

Schwieriges Thema...

Natürlich würde ich als Sozialarbeiter, der auch schon in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gearbeitet hat, gerne sehen, dass die Menschen dort eine höhere Entlohnung bekommen. Realistisch ist das aber in der Tat nicht möglich.

Der Betreuungsschlüssel für die dort arbeitenden Menschen ist eben enorm - Pflegekräfte und Sozialarbeiter, die für den Betrieb ebenso wichtig sind, wie die dort arbeitenden Menschen mit Behinderung, wollen natürlich einen "vollen" Lohn. Und wenn man diese Fachkräfte fair bezahlen muss - was außerhalb jeder Diskussion steht - bleibt von dem, was die Arbeitskraft der Menschen mit Behinderung an Mehrwert schafft, leider kaum noch etwas übrig.

Die einzige Möglichkeit, hier etwas zu ändern, wäre eine maßgebliche finanzielle Förderung/Subventionierung durch den Staat.

Ja, in Werkstätten werden Güter für den "normalen" Markt hergestellt - aber eben nicht unter den Bedingungen des Marktes. Mit Mindestlohnpflicht wären Werkstätten wirtschaftlich undenkbar.

Gerechtigkeit

Auch Hausfrauen wird zuweilen für ihre Arbeit, die mit Kleinkindern bis 24 Stunden täglich dauern kann, kein Mindestlohn bezahlt.
Klingt satirisch? Wo fängt Gerechtigkeit an - wo auf?

Transparenz

Ich denke, wie in vielen anderen Fällen auch, braucht man mehr Informationen. Der Grund für die geringe Entlohnung ist sicherlich nicht: "Das machen alle so". Vielleicht braucht man mal eine Musterrechnung, um zu sehen, wie diese Entlohnung zustande kommt. Da sehe ich die Journalisten in der Pflicht. Berichten Sie über beide Seiten der Medaille!

Der Staat und die Wirtschaft

Der Staat und die Wirtschaft sehen immer da keinen Handlungsbedarf, wo man schön Gewinne generieren kann! Ich finde es ist eine Schande!

Keine Lobby

Ganz einfach, sie haben keine Lobby, Gewerkschaft et cetera.

Moderne Arbeitslager

Als betroffener Vater eines zu 100% behinderten, volljährigen Kindes kann ich dazu nur folgendes sagen:

Mein Kind muss 8 Stunden in der Behindertenwerkstatt arbeiten, plus 1 Stunde Mittagspause, plus 3 Std. tägliche Hin-/Rückfahrt und erhält dafür 3,75 EUR am Tag. Nach dem Kauf eines belegten Brötchens zum Frühstück und einer Mineralwasserflasche zum Frühstück und Mittagessen, bleibt als Verdienst/Taschengeld null übrig.

Trotz der 100% Behinderung definiert der Gesetzgeber mein Kind als erwerbsfähig und zahlt den Sozialhilfesatz(entspr. Hartz-IV) nur, wenn es obige zwölf Stunden in der Behindertenwerkstatt arbeitet.

Die Zusatzleistung der Behindertenwerkstatt (Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt) mit der in diesem Artikel gegen die Zahlung des Mindestlohns argumentiert wird, ist für einen 100% Behinderten absolut utopisch.
Die zwangsweise Arbeitsverpflichtung ist keine Teilhabe am Arbeitsleben, sondern modernes Arbeitslager für die schwächsten in unserer Gesellschaft.

Fehlende Informationen

Was in dem Bericht nicht erwähnt wird: für Menschen in einer Werkstatt für Behinderte werden auch die Sozialleistungen übernommen.

So wird z.B. in die Rentenkassen ein Beitrag gezahlt, als ob man 80% des Durchschnittslohnes der BRD verdienen würde (z.Zt. sind das ca. 2600€).

Dagegen ist der genannte Mindestlohn brutto, also nicht das, was man ausbezahlt bekommt.

Ich würde mir wünschen, wenn derartige Berichte nicht mit der heissen Nadel gestrickt würden.

Jeder

Jeder der meint, dass da Menschen ausgebeutet werden und die keine Lobby haben etc frage ich:
Wann habt ihr letztmals Produkte gekauft die in solchen Werkstätten hergestellt wurden?

Die Produkte sind einiges teurer.
Verkaufen sich nicht so einfach.
Noch teurer machen und dann kauft es keiner mehr?

Ich kaufe selten, denn mein Geld wächst halt auch nicht auf den Bäumen.
Ist wie mit den Erzieherinnen.
Da sagen die Eltern auch gerne: Die müssen mehr verdienen. Tun sie das dann in der KiTa-Beitrag steigt dann ist der Ärger groß.

machen sie es vor oder machen sie es nach?

Welche Überraschung: die Träger erklären die Ausbeutung mit dem Kostendruck. Wenn man den Mindestlohn bezahle, sei man nicht mehr wettbewerbsfähig. Wo hab ich das wohl schon mal gehört?
Ich arbeite genau da, wo es darum geht, Menschen mit Behinderung beruflich und damit auch gesellschaftlich zu integrieren und ihnen die Teilhabe zu ermöglichen. Und ich würde mich schämen, ihnen ernsthaft vorzuschlagen, dass sie für ein Almosen arbeiten. Es ist eine Schande für die ganze Gesellschaft.

Dafür,

aber nur unter der Voraussetzung, dass von Behinderten, genau wie von anderen Arbeitnehmern, auch der komplette Lebensunterhalt vom Lohn bestritten werden muss.

Ja, ich weiß: so soll man das nicht sehen in unserem Land.

Was heißt hier Mindestlohn?

Sollen aus ihnen auf einmal Normalverdiener werden, die ihren Lebensunterhalt ohne staatliche Unterstützung zu sichern haben? Kann mir nicht vorstellen wie das funktionieren soll. Zählt man die monatliche Unterstützung aus den sozialen Sicherungssystemen dazu, dann ist der Mindestlohn erreicht.

Ansonsten kann ich Autograf nur Reht geben... Am 31. März 2017 um 05:46 von Autograf
Widersprüchliche Argumentation
Wer in einer beschützenden Werkstatt arbeitet, tut dies aus einem guten Grund: Er findet wegen seiner Behinderung keinen Job auf dem normalen Arbeitsmarkt.

Grundeinkommen wäre die bessere Wahl

Geistig Behinderte leben praktisch in Zwangsarbeitsverhältnissen (was man bis vor wenigen Jahren Versklavung genannt hat), weil die Betreuung im Rahmen einer geordneten Tätigkeit am billigsten ist. Überdeckt wird dies von der Industriearbeiterideologie des Schaffenmüsens. Allerdings geht uns die manuelle Industriearbeit aus und das Modell und seine Ideologie tragen also nicht mehr lange.

@ 6:50 von Ukara

Ich habe selbst als Anleiter in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet, in der Sparte Garten- u. Landschaftsbau. Man muss einen seltsamen Spagat hinbekommen. Erstens soll man die Mitarbeiter (Kunden!) qualifizieren und adäquat beschäftigen, zweitens Aufträge generieren und erhalten und drittens soviel Geld erwirtschaften, dass die Abteilung tragfähig bleibt. Obwohl ich meinen Schwerpunkt darin sah, meine 'Kunden' in den Ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren, musste ich feststellen, dass das nicht das Ziel Aller war. Vorbehalte von Arbeitgebern und deren Kunden und ja, auch die eigene Arbeitsplatzsicherung sind reale Größen.

Seltsamerweise wird nicht

Seltsamerweise wird nicht erwähnt, dass Werkstätten für Behinderte unterschiedliche Löhne zahlen. Warum das so ist, geht aus dem Bericht auch nicht hervor. Solange ein Behinderter in einem Heim untergebracht ist, reichen zb 200 € möglicherweise aus, da diese Summe reines Taschengeld ist. Spätestens wenn der behinderte Mensch in einer eigenen Wohnung lebt, muss er davon aber auch seine täglichen Kosten tragen. Und dann sind auch 200€ definitiv zu wenig. Haben behinderte Menschen in einer Werkstatt auch ein Streikrecht? Das könnte dann auch mal organisiert werden. Und von 200€ pro Monat 50.000€ zu sparen, wie es demnächst erlaubt ist, ist dann aber auch nur eine Illusion und nur privilegierten Behinderten wie Wolfgang Schäuble möglich.

Die Würde des Menschen ist

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Außer wenn ( kann beliebig ergänzt werden... )

Grundsicherung

Schwerbehinderte werden über die Grundsicherung "bezahlt".
Zuvor, bis zum 18. Lebensjahr, wird für Eltern behinderter Kinder ein Ausgleich über Pflegegeld und Steuernachlässe geschaffen.
Wenn man die in Behindertenwerkstätten Beschäftigten mit Mindestlohn bezahlen würde, müssten diese wirtschaftlich arbeiten und für Behinderte, die eine dem freien Arbeitsmarkt entsprechende Leistung nicht erbringen könnten, wäre kein Platz mehr. Genau dies, einen beschützenden Raum zu schaffen, macht aber Behindertenwerkstätten aus.

Vielmehr ist die Frage, ob es nicht für Unternehmen mehr möglich sein sollte, Arbeitsplätze für Behinderte bereitzustellen, auch wenn diese teilweise weniger Leistung bringen können. In den USA wurde ich in Fastfood-Ketten mehrfach von jungen Leuten mit Down-Syndrom bedient. In Deutschland ist mir das noch nie passiert. In einem Fall unterhielt ich mich noch mit dem jungen Mann und er sagte, wie stolz er über seine Arbeit sei.

@ FFpetra44 um 07:13

Wann habt ihr letztmals Produkte gekauft die in solchen Werkstätten hergestellt wurden?

Die Produkte sind einiges teurer.

Warum sollten die Produkte teurer sein, wenn die Mitarbeiter weniger als 20% des gesetzlichen Mindestlohns bekommen?

Die Mitarbeiter dort müssen sich doch als Menschen zweiter Klasse fühlen - nicht wegen ihrer Behinderung, sondern auf Grund ihrer miserablen Bezahlung.

Es ist eine Schande.

@ um 07:13 von FFpetra44

Solange es sich unser Staat leisten kann auf 150 Milliarden Euro zu verzichten, die uns unsere Leistungsträger jedes Jahr in Form von Steuerhinterziehungen stehlen, kann keinerlei Gebührenerhöhung gerechtfertigt sein. Wenn behinderte Menschen dafür darben müssen, dass gegen diese Steuerverbrechen nicht vorgegangen wird, ist einiges Faul in diesem Staate!

@kommtdaher

Stimmt nicht ganz. Die Grünen setzen sich für von der Krankenkasse bezahlten Sex für Behinderte ein. Also sogar für eine deutliche Besserstellung als Nicht-Behinderte für die der Gang zu Prostituierten eher verhindert werden soll.

@ um 07:13 von theodorus

Richtig! Aber behinderte Menschen bekommen keine Rente, da diese für die Kosten, die sie erwähnt haben eben auch aufkommen müssen. Das heißt, dass behinderte Menschen nach Renteneintritt kein Geld mehr aus der Werkstätte bekommt und die Rente verrechnet wird. Statt Rente bekommen behinderte Menschen dann nur noch ein Taschengeld von ca 100€!

"Es gibt ein Problem, das

"Es gibt ein Problem, das auch immer wieder von den Werkstatt-Beschäftigten selbst genannt wird: Dass Werkstätten natürlich ein Interesse daran haben, qualifizierte Beschäftigte auch zu behalten."
.......
Im zuständigen Arbeitsministerium sieht man keinen Anlass, den Mindestlohn auf Behinderte auszuweiten. Dort verweist man darauf, dass die arbeitnehmerähnlichen Arbeitsverhältnisse in Behindertenwerkstätten nicht mit denen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vergleichbar seien: "In den Werkstätten sind Menschen mit Behinderungen beschäftigt, deren Leistungsvermögen wegen Art oder Schwere ihrer Behinderung so eingeschränkt ist, dass ihnen eine Teilhabe am Arbeitsleben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu den dort üblichen Bedingungen nicht möglich ist."
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Da hat die Lobby ja wieder gute Arbeit geleistet, 300.000 billig Arbeiter der Traum vieler Konzerne.

Behinderte Menschen, die in

Behinderte Menschen, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten, werden ihr gesamtes Leben als Harz4-Empfänger verbringen. In der Werkstatt, die ich kenne, liegt der höchste Lohn bei ca 100€, dazu kommen noch ca 100€ Taschengeld. Ab Renteneintritt gibts nur noch das Taschengeld. Und das sind natürlich nur Almosen, weil behinderte Menschen auch nach 1945 immer als nicht Vollwertig wahrgenommen werden und natürlich auch nicht mehr kosten dürfen als gerade nötig. Bei der Versorgung mit Hilfsmitteln auf Kosten von Sozialversicherungen ist es ebenso.

Seriös?

1,50 Euro Netto und 8,50 Euro Brutto im selben Satz zu vergleichen ist unseriös. Da für die Behinderten der volle Sozialbeitrag fällig ist. Realistisch wäre ein Vergleich 4 bis 5 Euro, was immer noch unfair klingt, ohne massive Subventionen von Staat aber nicht zu erhöhen ist.
Ein Elektriker ist auch nicht repräsentativ! Die "Kunden" in unserer Werkstatt stellen "Nippes" her indem sie Keramik modellieren. Mehr kann man ihnen nicht zumuten und verkaufen lässt sich das Produkt oft nur weil der Käufer weiß wer es herstellt. Und Gewinn? Welcher Gewinn?

Warum gibt es keinen

Warum gibt es keinen Mindestlohn für Behinderte?
Um was geht es wirklich, will man schon wieder die Diäten erhöhen?

Kein Problem.

Wer meint, er könne eine vernünftige Behindertenwerkstatt mit Mindestlohn betreiben, die vielleicht sogar noch etwas Gewinn abwirft: nur zu! Der Gewinn sei ihm gegönnt.

Aber das wird nix werden, weil schon die nötigen Betreuer viel kosten.

Eine Mindestlohn-Werkstatt könnte nur funktionieren, wenn erstens die Betreuer komplett z.B. aus Krankenkassengeldern bezahlt würden und zweitens z.B. die BA noch einen entsprechend deutlichen Zuschuss zu jedem Arbeitsplatz gäbe, der nicht 100% Leistung bringt oder der erst auf die Person hin passend eingerichtet werden muss.

Aber die Leute, die heute "ungerecht" schreien, würden dann wenig begeistert über die höheren Beiträge zu Krankenkasse und Arbeitslosenversicherung sein.

Alternativ könnte man das Ganze sein lassen und die Schwerbehinderten zu Hause vorm Fernseher sitzen lassen. Fände ich aber auch nicht besser.

diese Lücke gehört geschlossen

Wer sich für Mindestlohn in Behindertenwerkstätten ausspricht, sollte sich erst mal intensiv mit dem Thema befassen!
Die Betreuung dieser Menschen steht dort im Vordergrund, viele Menschen mit Behinderung sind nicht in der Lage die Leistung zu erbringen, die den Mindestlohn rechtfertigen würde. Ich empfehle jedem, der an der Diskussion teilnehmen möchte, ein Praktikum in einer solchen Einrichtung zu machen.

@06:24 von Dennis K.

"Natürlich würde ich als Sozialarbeiter, der auch schon in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gearbeitet hat, gerne sehen, dass die Menschen dort eine höhere Entlohnung bekommen. Realistisch ist das aber in der Tat nicht möglich.
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Und wenn man diese Fachkräfte fair bezahlen muss - was außerhalb jeder Diskussion steht - bleibt von dem, was die Arbeitskraft der Menschen mit Behinderung an Mehrwert schafft, leider kaum noch etwas übrig."
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Die Werkstätten und Sozialarbeiter werden von Steuergelder bezahlt. Wer steckt den erarbeiteten Profit ein?

08:08 von tagesschlau2012

Die scheinbar unzureichende Entlohnung ist doch in erster Linie ein gesellschaftliches Problem. Wenn ein Arbeitnehmer mit Handicap versucht, in einer normalen Firma Fuß zu fassen, dann sind die Chancen auf einen festen Arbeitsvertrag fast Null. Man kämpft gegen Vorurteile ("Kann man den allein lassen?"), Geiz (Kunden bemängeln zu geringe Arbeitsleistung) und zu großen Erwartungen ("muss wie alle mitlaufen können"). Je nach dem kommt auch noch der Bedarf an Therapien hinzu, die i.d.R. tagsüber wahr genommen werden müssen. Ich mache da den Firmen noch nicht einmal einen Vorwurf, der Markt ist hart umkämpft und kaum ein Arbeitgeber möchte einen Mitarbeiter mit erhöhtem Zeit- und Betreuungsbedarf mitziehen. Und so bleibt die Werkstatt meist der letzte Hort, in dem die Menschen einer hoffentlich sinnvollen und befriedigenden Arbeit nach gehen können. Die Werkstätten können aber mit diesem Pool an Mitarbeitern "bei normaler" Entlohnung auf dem freien Markt nicht bestehen. Wie auch?

@OeffentlicherKo...

Als Bruder einer 100%ig geistig und körperlich behinderten Schwester, die seit etlichen Jahren in einer Behindertenwerkstatt arbeitet, kann ich Ihrem Beitrag nur absolut zustimmen.

@Autograf 05:46 u. a.

Es ist völlig richtig, was Sie schreiben.
.
"Was wäre sonst mit den Behinderten, bei denen die Kosten die Leistung übersteigen?"
Hierzu meine Erfahrung:
Früher kaufte ich gerne die Waren aus den Behinderten - Werkstätten. Heute schaue ich genauer hin.
Warum?:
1.: Für eine dieser Werkstätten verkaufte ich 'ehrenamtlich' Waren.
Es gibt (bis heute!) keine Registrierkassen in den Läden. Es ist nur Barzahlung möglich.
2.: In der Werkstatt arbeiten 14 Behinderte
bei miserabler Bezahlung OHNE irgend eine/n Sozialarbeiter/in.
3.: Der Lebensstil der Betreiberin ist als luxuriös zu beschreiben.
.
(Punkt 3 erinnert mich an die Betreiber
der ehemals in öffentlicher Hand befindlichen Kliniken: Reibach machen auf Kosten des Personals...)
.
Diese Menschen mit Behinderung
arbeiten mit einer Disziplin und Freude, das ist schön zu erleben.
Ihre Bezahlung ist würdelos.
Ich kann nur hoffen, dass TS und andere Medien ganz dicht am Thema bleiben und weiter recherchieren...

man muss eine Gesellschaft auch daran

messen und bewerten, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht......

Ekelhafte Diskriminierung und

Ekelhafte Diskriminierung und Ausbeutung von Wehrlosen.
Was der Kapitalismus für Blüten zeigt. Die CSU-Abgeordneten verdienen Millionen mit der kostenlosen Arbeit von Verbrechern die anderen eben mit dem Verkauf von Produkten (die bestimmt auch noch als besonders fair beworben werden), bei denen aber die schwächsten ausgebeutet werden und damit auch noch in Konkurrenz zu allen anderen Minijobern geraten.

Wenn

man die Meldung liest Bundeswehr will 100 millionen für externe "Berater"ausgeben und diese hier weiss man was in diesem Land Priorität hat.

Wenn schon nicht mehr Geld...

dann eben mehr Freizeit.
Bei gleichem "Lohn" weniger Stunden.
Das würde doch einen Ausgleich schaffen im Zuge der Gerechtigkeit.
Warum muss ein Mensch mit Einschränkungen 8 Stunden Täglich Arbeiten?
Wenn es dem Individuum spass macht in Vollzeit zu arbeiten ok. Dann finde ich einen "Lohnangleich" auf 5.00€ die Stunde als fair.
Neben aller anderen bleibenden Zuschüssen.
Wer nicht mehr als 4 Stunden Täglich will /kann bleibt bei 1,50€.
Was wir alle im Zuge der Integartion (was nichts anderes bedeutet als sich in die Gesellschaft einzuleben bedeutet)beachten müssen ist das jeder Mensch jeder Einzelne Achtung erfahren muss!
Das gilt für jeden der auf Grund besonderer Umstände ein Recht darauf hat nicht an den Rand der Vergesslichkeit gedrängt zu werden.
WIR sind eine Gesellschaft !

WIR
Und wenn "Wir" alle es schaffen dann auch die Politik!
Denn die gäbe es nicht ohne UNS!

Wir sind alle nur ein Teil des Ganzen!
MIT unseren MITmenschen....

@ 07:52 von nie wieder spd

"Wenn behinderte Menschen dafür darben müssen, dass gegen diese Steuerverbrechen nicht vorgegangen wird, ist einiges Faul in diesem Staate!"

Entschuldigung, aber Sie schreiben Unsinn. Kein behinderter Mensch muss "darben". Gerade behinderte Menschen genießen i.d.R. eine 'maximale' Fürsorge. Könnte oftmals mehr sein, ohne Frage. Wenn Sie auch nur ein bisschen Ahnung davon hätten, welch riesiger Komplex täglich dafür da ist, Menschen mit Behinderung ein würdiges Dasein zu verschaffen, dann würden Sie nicht so am Thema vorbei schreiben. Zu einem würdigen Dasein gehört auch ein entsprechend gestalteter Arbeitsplatz mit allen (Therapie-)Angeboten, die jenen zustehen. Sowas kostet und wird größtenteils von staatlichen oder institutionellen Zuwendungen abgedeckt. Aber nicht alles. Und die marktüblichen Preise geben gerade soviel zurück, dass der Laden kostendeckend läuft. Und keiner darben muss.

Wenn da so ein großer Profit zu machen wäre

Dann würden ja diese Werkstätten wie Pilze aus dem Boden sprießen. Aber offensichtlich entsteht da kein Profit. Ich denke in diesem Zusammenhang auch immer an die normale berufliche Ausbildung im dualen System. Wen da die Auszubildenden optimal betreut werden dann muss der Arbeitgeber ganz gewaltig draufzahlen für jeden Auszubildenden. Das machen die Arbeitgeber weil sich viele Arbeitgeber ihrer sozialen Verantwortung durchaus bewusst sind!

differenzieren...

Natürlich - in Behindertenwerkstättenarbeiten teilweise Menschen, die mehr Betreuung und Pflege benötigen als sie jemals Arbeit leisten können. Für die erhalten die Werkstätten allerdings zusäzliche Unterstützung.

Und dann arbeiten dort noch Leute, die im normalen Leben etwas eingeschränkt sein mögen, z.B. weder Führerschein haben, noch eine Steuererklärung ausfüllen können. Die in aller Regel eher einfachen Tätigkeiten in der Montage oder Konfektionierung, die in Beghindertenwerkstätten überwiegend geleistet werden, erfüllen sie (fast) ebensogut wie reguläre niedrigqualifizierte Arbeitnehmer in diesem Bereich. Eventuelle Lücken in der Qualität und Zuverlässigkeit wurden bis vor ein paar Jahren von Zivildienstleistenden als Qualitätsprüfer (und ebenfalls zu weit weniger als dem Mindestlohn) überbrückt.
Entsprechend wäre da auch der Mindestlohn fällig.

Ohne Wahl funktioniert Marktwirtschaft nicht

Deshalb lieben Unternehmer Monopole, deshalb haben die USA ihre Gefängnisse als neuen Niedriglohnsektor entdeckt - und deshalb arbeiten viele Menschen, deren Behinderung sie in ihrer Arbeit kaum einschränken, die also eine mit einem anderen Arbeitnehmer vergleichbare Leistung liefern, für 2€/h in der Behindertenwerkstatt, in der ihr Betreuer sie abliefert.

Immer Zuungunsten jener, die keine Wahl haben. Denn ohne Wahl entfällt die Notwendigkeit der Marktwirtschaft, ein besseres Angebot zu liefern als die Konkurrenz, es bleibt lediglich die Motivation, so viel herauszuholen wie möglich. Weshalb übrigens auch private Krankenhäuser oder Wasserwerke für ihre Kunden/Patienten langfristig nachteilig sind.

Eventuell sollte man also da, wo es keine Wahl gibt, auf rein staatliche Einrichtungen setzen.

Hintergrundberichte

Ein Thema mit vielen Aspekten. Dennoch sollte man hier viel intensiver mal hinter die Kulissen schauen und die realen Lebensumstände der sehr gering bezahlten Arbeiter oder modernen Zwangsarbeiter journalistisch aufzeigen.

Sozial

Soziale Themen interessieren unsere aktuell, CDU geführte, Bundesregierung aber nicht. Und bei'm Moralischen Verfall der Gesellschaft wohl auch kaum noch das 'Volk'.

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