Kommentare

Zerrissen

Polen ist so zerrissen, wie Österreich. Der große Konflikt in der EU der kommenden Jahre wird der Konflikt zwischen den Rechten und den bürgerlich Gemäßigten sein. Die Arbeiterparteien geraten dabei immer mehr ins Abseits.

Wie wirkt sich Polens Geschichte aus?

Zu dieser Frage schweigt die sog. Osteuropa-Expertin.
Für mich befindet sich das Nationale Polen auf dem sehr mühsamen Prozess der Selbstfindung, denn bis auf die Zwischenkriegszeit und die wenigen 25 Jahren nach 1990 wurde Polen die letzten 250 Jahre von fremden Herren regiert. Daher haben sich viele der polnischen Führungsschicht über ihren Widerstand gegenüber den fremden Herren definiert.
Deutlich zu Ausdruck kam das durch die sog. "polnische Wirtschaft".
Also die National-Polen müssen über einen längeren Prozess verinnerlichen, dass das heutige Polen, der heutige polnische Staat wirklich ihr Ding ist. Das braucht Zeit!
Obwohl ich Befürworter eines zusammenwachsendes Europa bin, so lehne ich eine tiefer gehende Integration Polens in die EU ab, weil dies genau dem o.g. Prozess der nationalen Selbstfindung im Wege steht. Diese Selbstfindung muss unbedingt Vorrang haben vor einer überstürzten Öffnung nach Europa!

Zum ersten Mal habe ich den Eindruck...

... dass es sich tatsächlich um eine Expertin handelt, die den Namen auch verdient. Ich bin öfters in Polen und sehe es fast genauso. Die Stadtbevölkerung und die "neue" Mitte der Gesellschaft tendiert zur PO, die alten, katholischen und jetzt auch die jungen zur PiS. Das natürlich nur als grober Querschnitt. Was etwas zu kurz kam im Interview war einerseits der grassierende Nationalismus (m.E. ist der zugrundeliegende Minderwertigkeitskomplex eins der größten Hemmnisse Polens) und andererseits die Frage nach dem "Warum". Die jungen haben die PiS ja nicht wegen ihrer Anti-Politik gewählt, sondern als Antwort auf die Korruption und den Ausverkauf des Staates durch die PO. Erst jüngst kam heraus, wieviele Milliarden aus der Rentenkasse veruntreut wurden. Die Jungwähler sind mit der PiS natürlich vom Regen in die Traufe geraten, wie sie jetzt schmerzlich merken. Deswegen auch der Zulauf zur Protestbewegung gerade in den Städten.

Meine Meinung

Meine Meinung ist das ein Beitritt genauso möglich sein sollte, wie eine Aussschließung aus der EU.

@Hackonya1

Das ist ja unglaublich! Das erste Mal stimme ich mit Ihrer Meinung überein. Es geschehen also doch noch Wunder. :)

austritt

Und wer produziert dann billig Ihre Möbel, fährt zum Hungerlohn Ihre Waren auf deutschen Straßen, da Geiz geil ist? Nein, das ist keine Einbahnstraße, in der nur Polen profitiert. Oder glauben Sie, dass die EU und Deutschland auf einmal ihre Gutmütigkeit entdeckt hat?

Ein Wahlgewinn....

berechtigt keinesfalls dazu demokratische Strukturen zu zerschlagen, die Presse gleichzuschalten und die Opposition auszuschalten. Meine Meinung zur polnischen "Neodemokratie".

Lassen wir die Polen doch Polen sein...

..und teilen sie nicht nach pro- und contra- zur unserer Meinung ein.

Wenn wir nicht anfangen sie zu spalten wie die Ukraine, dann wird sich alles von selbst regeln.

Wieso mischen wir uns blos überein ein.....?

Werte? Wo?

Es spricht eine BWL/VWLerin - und spekuliert ohne Ende. Für mich steht PiS nicht für Werte, sondern für einen Nationalismus des frühen 20. Jahrhunderts. Das ist nicht wertorientiert, sondern wertvernichtend: das sieht man an der Abschaffung der Gewaltenteilung, an der Art der Machtverteilung: zutiefst undemokratisch. Es ist klar, dass Polen Schwierigkeiten mit einer gesunden Staatlichkeit hat: es hat keine unabhängige Tradition, die Grenzen wurden ständig verändert.

Der Mensch ist schon merkwürdig!

Unter der kommunistischen Knute, wo´s keine Apfelsinen, keine Ziegelsteine und Autos gab, waren die Menschen wohl zufriedener. Kaum bekommen sie die Freiheit und es geht ihnen besser, fangen sie an, auf alles einen Hass zu haben. Die grenzenlose Bedürfnisentfaltung durch unser westliches Wirtschaftssystem scheint tatsächlich Unzufriedenheit zu produzieren. Ist ja auch für die Großkonzerne klasse, wenn´s nur noch kaputte Kleinstaaten gibt. Wie man es hinkriegen kann, das Volk noch dafür zu begeistern, muss bei den Oligarchen Gelächtersalven auslösen!

Hackonya1 & Ghostface73

Da können Sie aber schön weiter träumen. Die EU ist in erster Linie ein Wirtschaftsraum. Da geht es weder um Moral noch um Demokratie oder Menschenrechte. Und Sie glauben doch nicht wirklich, dass die Wirtschaft und Lobbyverbände einer Beschneidung ihrer Einflusssphäre zulassen.
Kleines Beispiel für den sog. "Binnenmarkt" für uns Privatleute? - Kaufen Sie mal Kaffee per Post in Holland oder nehmen Sie zwei Flaschen Schnaps mit aus Polen; und dann lassen Sie sich vom Zoll erwischen... für mich sieht ein Binnenmarkt anders aus.
Und übrigens: In einer Demokratie hat nicht derjenige die Mehrheit, der am lautesten schreit/demonstriert/etc.

Austritt? Rauswurf?

Nein, die Polen sind ein Teil Europas, und sogar sehr engagiert.
Millionen von Polen sind zur Zeit in ganz Europa unterwegs.
Die Polen haben im Augenblick nur eine furchtbare Regierung und ich hoffe, dass sie gelernt haben, dass wenn man nicht wählen geht, man das bekommt was man am wenigsten will.
Ich schätze den tatsächlichen Anteil von PIS Stammwählern auf nicht mehr als 30%, wenn überhaupt.
Bei den nächsten Wahlen wird es besser.

Nicht Polen ist gespalten

sondern Europa allgemein. In Reaktionäre und Fortschrittliche. Interessant wird sein, wer sich durchsetzt. Wenn die erstere Gruppe gewinnt, wofür hier bei uns die AfD steht, dann gute Nacht Europa.

Im Übrigen schließe ich mich dem Kommentar von der_marc voll und ganz an.

@der_marc

"Da können Sie aber schön weiter träumen..."

Da erzählen Sie mir nichts Neues. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen oder? ;)

Bedenken?

"Die EU-Kommission hat schwere Bedenken"

Wo war die EU-Kommission als bekannt wurde das es in Polen CIA Foltergefängnisse gibt? Oder was hat sie zu der Beteiligung Polens an den Völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak gesagt?

@anders um 1:17

Ich finde es lustig, wenn Leute von Zwischenkriegszeit sprechen, dies aber in einem Kontext, der gar nicht Deutschland betrifft.
In der Zeit zwischen 1918 und 1939 hat beinahe ganz Europa Krieg geführt - außer dem Deutschen Reich und der Schweiz - auch die Polen.

@07:10 von der_marc

"Kleines Beispiel für den sog. "Binnenmarkt" für uns Privatleute? - Kaufen Sie mal Kaffee per Post in Holland oder nehmen Sie zwei Flaschen Schnaps mit aus Polen; und dann lassen Sie sich vom Zoll erwischen... für mich sieht ein Binnenmarkt anders aus."

Sie haben so Recht.
Gründen Sie in Polen, Deutschland und Holland einen Kaffeehandel und dann verschieben Sie zehn Millionen Kaffee hin und her. Dann wird Sie der Staat großzügig mit Mehrwertsteuer Zahlungen überschütten. Und wenn SIe es richtig übertreiben, sind Sie auf der nächsten Neujahrsfeier des Landtages Ehrengast.
Für die Normalbürger ist die EU genauso wichtig und vorteilshaft wie Herpes.
Außerdem hauptverantwortlich für den Rechtsruck in Europa. Mit Demokratie hat der Lobbyistenclub in Brüssel nichts am Hut. Im Gegenteil. In Brüssel herrscht das Diktat der Groß-Industrie. So, jetzt schalte ich meine Quecksilber verseuchte Energiesparlampen aus und gehe arbeiten.
Irgendjemand muss das Geld erarbeiten, das Brüsssel verschenkt

7.28 @ Kom2010 - Bei den nächsten Wahlen besser

Kom 2010 - Sie schreiben "Bei den nächsten Wahlen wird es besser". Das hoffen wir seit Jahren. Das ist aber nicht der Fall. Die PIS Partei hat sich von Europa verabschiedet und führt einen extrem nationalistischen anti europäischen Kurs durch. Dieser Kurs verursacht Unfrieden, nicht nur zwischen Deutschland und Polen sondern auch zwischen Polen und die meiste Westeuropäische Staaten. Die Opposition macht sich wenig bemerkbar und gewinnt kaum Anhänger, damit bestätigt die PIS ihren Kurs gegenüber vielen Polen, anti Europa macht sich bezahlt durch Milliarden Unterstützung.

staatsgefährdend

Was in Polen und Österreich passiert, steht auch uns ins Haus. Dann nämlich, wenn zu viele Menschen weiterhin das Gefühl haben, "die da oben machen eh ihr Ding, sogar gegen das Wohl der Allgemeinheit".

Sollte sich z.B. ein Riester wiederholen, der eine ganze Generation der Versicherungswirtschaft einfach zum Fraße vorwirft und zugleich dick Freund mit deren Vorständen ist, sollte heute z.B. TTIP durchgedrückt werden und Regierungsmitglieder sitzen kurz danach auf goldenen Dankbarkeitsposten, - dann sehe ich hier das Schreckgespenst einer AfD-Kanzlerin.

Also mein Appell an die Aufrichtigen in den Regierungen Polens, Österreichs, Frankreichs, Deutschlands: Laßt das Gemauschel mancher Kollegen einfach nicht mehr zu! Es ist staatsgefährend.

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