Kommentare - Manipulierte Pharma-Studien: EU stoppt 700 Arzneimittel

22. Juli 2015 - 17:22 Uhr

Seit Ende 2014 ist bekannt, dass eine indische Firma Pharmastudien gefälscht hat. Dabei geht es um die Zulassungen von Generika für den europäischen Markt. Nun zieht die EU die Konsequenz - und stoppt rund 700 Medikamente. Von Christian Baars.

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Kommentare

Gefahr aus Fernost

Diese und andere gravierenden Gefahren für Leib und Leben drohen bei extensiven "Wirtschaftskooperationen" - insbesondere mit den aufkommenden Mächten in Fernost. Bei diesen Staaten gibt es keinerlei Sicherheitsstandards: ob Lebensmittel, Pharmazien, Spielzeug oder andere Produkte. Man mag sich nicht ausmalen, was uns noch bevorstehen könnte, wenn sich die EU für Freihandel mit Süd- und Ostasien entschließt.

@ harmonie30

"Die Pharma -Industrie in Deutschland ist verlässlich und vertrauenswürdig."

Googlen Sie mal "Contergan".

@ Karama

Re: Gefahr aus Fernost

Ich stimme Ihnen absolut zu! Ich frage mich auch immer, was genau gemeint sein soll, wenn im Zuge der TTIP-Verhandlungen mit der notwendigen Konkurrenzfähigkeit zu China argumentiert wird. Es kann ja nur bedeuten, dass unsere Standards sich denen Chinas angleichen müssen...

>>"Die Pharma -Industrie in

>>"Die Pharma -Industrie in Deutschland ist verlässlich und vertrauenswürdig."

Googlen Sie mal "Contergan".<<

Achso, ein Fehler und man ist nie wieder verlässlich und vertrauenswürdig, egal was passiert. Ok gut zu wissen.

Wieso dauert das so lange?

Wieso dauert das so lange? Hat man zumindest ein vorläufiges Abgabeverbot durchgeführt? Anscheinend nicht, wenn der Stopp von Zulassung bei 50 Medikamenten auch erst ab 21. August stattfindet.

Unglaublich. Zumindest mit Auswertung der Studien - die vorliegenden Aussagen - müsste der Stopp ja wohl sofort kommen.
Hier vermute ich wieder mal einen ungebührlichen Schutz der Konzerne der vor dem Schutz der Patienten steht.

@ harmonie30

ich wünschte, ich könnte "harmonisch" zustimmen.
aber, ja, CONTERGAN ist ein gutes stichwort. andere (nicht nur was deutschland betrifft) sind LIPOBAY, VIOXX und KOATE. und viele, viele andere. in der tat gibt es so manchen pharmaskandal, der contergan (so schrecklich die folgen waren) in den schatten stellt.
wie ich schon an anderer stelle in diesem forum vermerkt habe, sind pharmaskandale u.ä. mein "steckenpferd".
zur meldung: 700 zulassungen hört sich wahrlich beeindruckend an. toll, dass man dort die konsequenzen gezogen hat. ich hoffe natürlich, dass es zu weiteren schritten kommt. denn alles, was man in dieser beziehung macht, und sei es noch so weitreichend, ist letztendlich - die "macht" der pharmalobby betreffend - erst einmal nur ein kleiner tropfen auf einem sehr heißen stein.

700 von 1000

das ist eine besorgniserregende Quote.
Wenn wir also alle Arzneimittel testen würden, würden mehr als 2/3 verboten werden.
Puuuuh
Jetzt habe ich aber richtig Vertrauen ...

keine erkennbaren Gefahren? Toll...

ich glaube nämlich, dass ich Opfer dieser Pfuscherei geworden bin. Hatte bis Mitte letztes Jahr das Arzneimittel Coaprovel bekommen. Es funktionierte wunderbar und mir ging es gut. Mein Blutdruck war auch okay. Dann wurde es durch das Generika einer der Firmen auf dieser Liste ersetzt. Weil der Vertarg für Coaprovel ausgelaufen war und es jetzt für die Kasse zu teuer wurde.

Mir gind es schlagartig schlechter. Der Blutdruck stieg und innerhalb von 4 Wochen nahm ich 10 Kilo Gewicht zu. Dass es eventuell an dem Medikament liegen könnte haben weder meine Ärzte noch ich gedacht.
Dann kam die Liste auf den Markt und ich ließ mir ein anderes Generika verschreiben. Es half wieder etwas besser, aber nicht wirklich gut. Vor 2 Monaten wurde jetzt eine linksseitige mittelschwere bis schwere Herzschwäche bei mir diagnostiziert. Und ich bin mir sich, dass es daran liegt. Aber wie beweisen? Werde ich nie können und auch niemand anders. Mein Job ist gefährdet und mein Leben schlechter geworden.

Gefahren werden vertuscht

Mit Geld kann man jedes Gutachten in seinem Interesse kaufen. Kritische Wissenschaftler bekommen halt keine Aufträge mehr oder kein Geld für's Forschungslabor.
Die Milliardenschweren Konzerne wurden schon immer geschützt, der Mensch bzw. Patient steht hinten an.

Wissenschaft ist objektiv ...

... ein überkommenes Ideal Max Webers bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts ... Dass Wissenschaft eben nicht objektiv, sondern interesseninduziert ist, ist eine Erkenntnis bereits im 19. Jahrhundert u.a. von Wilhelm Dilthey ...

@ veda3

Nein, ich denke es geht eher darum, dass Kosten ausgelagert wurden, anstatt Ergebnisse bewusst verfaelscht. Denn wenn Nebeneffekte auftreten die vorher nicht gefunden wurden, dann wird es teuer wird die Pharmafirmen, und das wollen die ja auch nicht. Ich denke die Idee war eher, ich bekomme die gleiche Qualitaetsarbeit in Indien wie in Deutschland zu einem Bruchteil des Preises.

Billig

Wie überall geht es darum, möglichst billig zu sein. Wer sich die Liste der betroffenen Medikamente anschaut sieht, dass unter den 700 immer wieder die gleichen Wirkstoffe auftauchen. Alles "alte" und vor allem billige Substanzen, bei denen die Kassen um Bruchteile von Cent feilschen. Keine "überzeuerten Gifte" für die "Pharmaverbrecher" "Phantasiepreise" verlangen. Aber zum Teil unverzichtbare Klassiker wie Metformin.
Der Trend überall geht dahin, dass diese Substanzen per Verordnung seit Jahren immer billiger werden. Also wird gespart. Aber eben nicht am "Shareholder value". Statt dessen eben an den Kosten und es wird immer mehr in Billigländer ausgelagert. Wie bei Handys und T-Shirts werden solche Medikamente nicht mehr bei uns produziert.
Es gilt die alte Regel - you get what you pay for.

Die liebe Kostenfrage

Die Firmen in Indien steht halt auch unter Kostendruck. Da kann man nichts machen solange Geitz geil ist und wichtigste Wirtschaftszweige und Dienstleistungen in Privaterhand sind wird es auch immer "Sparmaßnahme" dieser Art geben.
Sein Sie leiber froh das nicht auch schon die Kontrollorgane privatisiert sind ..... bzw noch nicht ganz ... nur mal in Richtung des Medizinischer Dienst der Krankenversicherung geschaut...

Bin ich froh

das dies alles noch vor dem Abschluss von TTIP geschied. Mag nicht auch noch versaute Medizin aus Europa.

Contergan

So schlimm der Fall Contergan gewesen ist, sollte man nicht vergessen, das daraus wichtige Schlüsse gezogen wurden. Contergan bzw. der Wirkstoff Thalidomid wird heute auch in Deutschland noch verwendet.

Fakt ist, das die Medizin eine der schnellsten Wissenschaften ist, bei der neue Entwicklungen aus nachvollziehbaren Gründen schnell in der Anwendung landen. Gentherapien sind nur eines der Beispiele dafür. Wer hätte noch vor 10-15 Jahren geglaubt, das Heilung von HIV auch nur theoretisch möglich ist ?

Das Problem ist allerdings der Profitdruck, der dazu führt, das Studien mit minimalem Aufwand durchgeführt werden, ja, auch in Indien und anderen Ländern, in denen man zumindest rudimentäre Gesundheitssysteme vorweisen kann. Auch wenn die Zeiten von Tuskegee zum Glück vorbei sind, heißt das nicht, dass Medizinethik heute einen wichtigere Rolle spielt. Selbst wissenschaftliche Studiengänge neben Medizin kommen heute noch ohne Wissenschaftsphilosophie- und -ethik-Vorlesungen aus.

Es handelt sich um STUDIEN

Es geht hier um Studien, d.h. kontrollierte Klinische Beobachtungen zur Anwendung von Medikamenten .

Damit ist keine Aussage darüber gemacht, wo die Medikamente hergestellt wurden/werden, das kann in der EU oder sonstwo sein, auch in D oder USA . Der Herstellungsort schützt nicht vor einer solchen Manipulation.

Vor Zulassung eines Medikamentes müssen mehrfache Studien zu Wirksamkeit oder Verträglichkeit des Wirkstoffes oder der Wirkstoffkombination vorgelegt werden.
Wenn solche Studien ins Ausland verlegt werden - wie z.B. Indien - so spart der Hersteller natürlich eine Menge Geld, falls es zu Gesundheitsschäden bei den Studienteilnehmern kommt, denn der Geschädigte erhält dort in der Regel nicht die Betreuung in bezug auf Entschädigung oder Behandlung wie das bei uns der Falle wäre.
Abgesehen davon, dass die Bezahlung der Probanden in einem solchen Land ohnehin nur einem Bruchteil des Entgeltes für einen europäischen Teilnehmer entspricht.

@americafl - versäumte europäische Medizin?

Sie wähnen sich in den USA vor " versauter Medizin" sicher? Um es mit einem alten Werbespruch zu sagen: "Da hab ich was für Sie!" Wenn sie nach FDA (die US Zulassungsbehörde) und GvkBio googeln, dann werden Sie auf eine Pressemitteilung von diesem Juni stoßen in der Gvk stolz verkündet, dass für die FDA im wesentlichen alles in Ordnung bei Gvk ist. Ich weiß jetzt nicht, ob die europäischen Medikamente "versauter" sind als die amerikanischen, nur, weil die FDA in dieser Sache noch nicht viel zu unternehmen scheint...

@veda3 20:22

"Dass Wissenschaft eben nicht objektiv, sondern interesseninduziert ist,..."

Sehr Richtig erkannt. Und das größte interesse bei der Pharmalobby ist möglichst viel zu Verdienen.

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