Kommentare

Siegerjustiz?

Tja - so ist das nun mal mit Diktatoren.
Urteilen sie andere ab und richtet man massenweise Leute hin, dann geschieht dies entweder "mit Allahs Willen" oder aus politischer Notwendigkeit, um den Staat vor inneren aber auch äusseren Feinden zu schützen.

Ist man als Hobby-Diktator dann aber eines Tages selbst betroffen - dann herrscht Jammern und Wehklagen über die erlittene Ungerechtigkeit.

Bei den Nürnberger Prozessen sprachen die Delinquenten von Siegerjustiz. Das war natürlich Blödsinn.

Im Falle Ägyptens ist es aber tatsächlich eine Siegerjustiz - eine Diktatur richtet über eine andere. Und die freie Welt ist empört. Irgendwie witzig!

Massenmord im Namen des

Massenmord im Namen des Staates. Es wird in die Richtung eines Bürgerkrieges in Ägypten geschoben.

Keine fremden Massstäbe aufdrängen

Wir sollten hier nicht immer den arabischen Staaten westliche Maßstäbe aufdrängen. Es gibt kein islamisches Land ohne Todesstrafe. Das sollten wir akzeptieren. Mursi liess Gegner umbringen und foltern, er machte sogar einen Terroristen zu Gouverneur. Ist es da erstaunlich dass jetzt die damals Untedrückten zurückschlagen? Es ist das alttestamentarische Auge um Auge, das auch im Koran verankert ist. Hier sollten wir uns raushalten.

Eine Diktatur richtet die Andere.

So ein Kommentar hier. Schaendlich die Wahrheit so zu verzerren. Mursi wurde unter EU/UN Aufsicht demokratisch gewaehlt und hat als erste Amtshandlung die Pressefreiheit EINGEFUEHRT. Alles andere ist nichtbewiesene , persoenliche Spekulation. Wer diesem Terrorregime Sisi wie auch immer das Wort redet tunkt seine Haende in Blut. Hier geht es nicht nur um die MB. Hier geht es um JEGLICHE Oppositon. Da gibts nix scheonzureden. Schoen das die Presse sich nach nun jahrelangem Schoenbeten mal wieder kritisch zu Wort meldet. Leider wohl zu spaet, wie man hier schoen lesen kann. Ruehrend , das man sich nun auf die Seite der Schwulen stellt. MB scheinen da eher toetenswertes Feindbild, das man nicht verteidigen musste und muss. Es sieht uebel aus fuer Humanismus. Ganz uebel.

Mursi- Todesurteil

Todesstrafe nein, wir können in dieser Hinsicht für ein arabisches Land keine anderen Maßstäbe anlegen, als wir sie bei uns für richtig erachten. Aber: Mursi ist eine für mein Empfinden eher gemäßigte Gallionsfigur für die in seinem Hintergrund die Fäden ziehenden extremistischen und terroristischen Muslimbrüder. Freiheitlich Denkende und besonders auch Andersgläubige hätten unter dem Mursi- Regime keine Chance gehabt. So ist- leider- die derzeitige Militärregierung das kleinere Übel.

@ raibutz

*Freiheitlich Denkende und besonders auch Andersgläubige hätten unter dem Mursi- Regime keine Chance gehabt. So ist- leider- die derzeitige Militärregierung das kleinere Übel.*
Schon klar. Wissen Sie eigentlich was Sie da schreiben? Haben Sie die Artikel zum Thema gelesen? Was soll daran das "kleinere Uebel "sein, wenn das Miltaer GENAU DAS nun macht was Mursi eventuell haette tun koennen. Auch grenzt es an Geschichtsfaelschung die Morde auf dem Thaksin und das mit Panzern niederwalzen der MB ausgerechnet Mursi anzulasten. Das ist unredlich und verkehrt die Opfer zu Taetern.

@Jan Bedekind: "Es gibt kein islamisches Land ohne Todesstrafe"

Das ist doch gar nicht das Thema bei der Kritik an den inhumanen massenhaften Todesurteilen in Ägypten, die auch nichts mit dem Aufdrängen westlicher Maßstäbe zu tun hat. Es geht darum, dass die Justiz nach Recht und Gesetz und nicht nach den politischen Maßstäben der autoritären Regierung handelt.

Offiziell ist die Justiz in Ägypten zwar unabhängig. Tatsächlich handelt sie aber nach den politischen Vorgaben des Regimes. Anders sind die massenhaften Todesurteile nicht zu erklären. Das Regime will politische Gegner beseitigen - unabhängig von Recht und Gesetz und der Akzeptanz von universellen Menschenrechten. Da kann der Westen nicht einfach wegschauen. Schließlich leben wir hier und heute in einer zivilisierten Welt und nicht alttestamentarisch.

@DerGolem 8:07, Die Toten hat das Militär zu verantworten

"...eine Diktatur richtet über eine andere. Und die freie Welt ist empört. Irgendwie witzig!"

Die Häme ist unangebracht, so witzig ist das nicht. Insbesondere sollten Sie zur Kenntnis nehmen, dass die weitaus meisten Toten während und in der Folge des ägyptischen arabischen Frühlings durch das Militär, diesem Staat im Staate, zu verantworten sind.
Es mag sein, dass viele Israelis - und das ist offensichtlich Ihre Perspektive - aus (in diesem Fall übertriebenen!) Sicherheitsinteressen lieber mit dem ägyptischen Militär dealen, als sich auf den arabischen Frühling einzulassen. Das ist aber gleichermaßen destruktiv wie kurzsichtig.
Ich weiß, daß "Frieden" im Nahen Osten vielen Israelis am Allerwertesten vorbeigehen, solange sie subjektiv glauben, ihre eigene Sicherheitslage sei in der jetzigen Situation "ok". Bei allem Verständnis für israelische Sicherheitsinteressen: Eine humanitäre und friedensbereite Sicht ist das nicht.

Da ich generell dagegen bin,

Da ich generell dagegen bin, dass Menschen andere Menschen töten, bin ich auch dagegen, dass Mursi getötet wird. Ob er es "verdient" hätte, getötet zu werden, vermag ich nicht zu beurteilen, weil ich nicht weiß,
womit man sich den Tod als Strafe verdient.
Seit Jahrtausenden maßen sich aber viele Menschen an, das genau zu wissen und ihre Helfer basteln phantasievoll die Hinrichtungsinstrumente dazu und/oder führen für sie die Hinrichtungen durch.
Wer alle Bösen töten will, sollte mit sich selbst den Anfang machen, schlage ich vor.

Es haben ja nur Prozesse stattgefunden.....

die man nicht mal mit verbundenen Augen als nur halbwegs rechtsstaatlich ansehen koennte. Wie man als aufgeklaehrter Mensch sowas verteidigen kann verstehe wer will.

Aktuelle ägyptische Regierung ist NICHT prowestlich!!!

Es war ganz exakt das Gegenteil von dem der Fall, was hier von einigen behauptet wird. Als Mursi gestürzt wurde, gab es umfangreiche Sanktionen vom Westen gegen die neue Regierung von al-Sisi. Das war 2013 und erst vor wenigen Wochen wurden sie aufgehoben. Einfach mal im Internet recherchieren. Nicht alles was weniger radikalislamisch ist, ist auch prowestlich. Sonst würde sich der Westen auch nicht mit Saudi-Arabien, den Arabischen Emiraten usw. verbünden und gegen den Iran vorgehen. Neben Israel ist das die einzige Demokratie in der Region und von iranisch-schiitischen Terrororganisationen habe ich auch noch nichts gehört. Auch hinter dem im Westen so verteufelte Assad stehen die ziemlich liberalen muslimischen Aleviten und religiöse Minderheiten in Syrien. Die Weltpolitik ist halt doch wesentlich komplexer als einige hier meinen...

@DerGolem

"Im Falle Ägyptens ist es aber tatsächlich eine Siegerjustiz - eine Diktatur richtet über eine andere. Und die freie Welt ist empört. Irgendwie witzig!"

Die freie Welt ist deshalb empört, weil die Putschisten über die geputschte Regierung richten, die alles andere als eine Diktatur war.
Sie hätte sich möglicherweise dahin entwickeln können, aber das ist Spekulation.

Es ist in meinen Augen keine Siegerjustiz, schon deshalb nicht, weil hier das gleiche Rechtssystem gilt und Ägypter über Ägypter richten, sondern eher eine korrupte oder politisch motivierte Justiz.

Ihr Vergleich mit Nürnberg ist deshalb in vielerlei Hinsicht unpassend, denn dort hätte man viel eher als hier die Möglichkeit, von Siegerjustiz zu sprechen. Etwa die Nichtanerkennung des auf den Nürnberger Prinzipien aufgebauten Internationalen Strafgerichtshof durch zwei der damaligen Richtermächte.

@Jan Bedekind

"Mursi liess Gegner umbringen und foltern, er machte sogar einen Terroristen zu Gouverneur."

Sie scheinen mehr zu wissen, als die ägyptische Justiz, denn die Todesstrafe wurde mit dem Vorwurf des Verrats von Staatsgeheimnissen (Landesverrat) begründet.
Für den Tod von Demonstranten wurde er "nur" zu 20 Jahren verurteilt.

"Ist es da erstaunlich dass jetzt die damals Untedrückten zurückschlagen?"

Sagen Sie mir bitte, wie damals die Richter oder das Militär von Präsident Mursi unterdrückt wurden?
Denn diese sind es, die jetzt zurückschlagen.

Und damit wird das Urteil gegen Mursi eher zu einem Racheakt der alten Mubarak-Gefolgsleute, die nach wie vor an den Spitzen von Militär und Justiz stehen.

Mursi war nicht demokratisch

Mursi hat im Namen der MB versucht die Demokratie auszuhebeln. Man schaue sich mal nur die Verfassung an, die da geplant war. Die MB war auch nicht der Ausloeser des Arabischen Fruehlings, sondern nur ein Trittbrettfahrer. Ohne Mursi haette es eine echte Chance auf Demokratie in Aegypten gegeben, was aber jetzt auf Jahre hinaus nicht moeglich sein wird. Ich denke seine Absetzung war richtig.

Aber, das Todesurteil ist politisch motiviert und sollte abgewendet werden.

Es waere schoen, wenn die liberale aegyptische Jugend, und nicht das Militaer oder die verbohrten Religioesen die Macht bekommen wuerden, so wie sie es sich erkaempft haben. Aber das waere ja auch wieder undemokratisch, da sie zahlenmaessig nicht die muslimischen Bauern ueberbieten.

@ alex83

* Als Mursi gestürzt wurde, gab es umfangreiche Sanktionen vom Westen gegen die neue Regierung von al-Sisi.*
Interessant. Wann und wer soll denn da sanktioniert haben. ich finde da nur ein "Aussetzen" von der Lieferung bestimmter Waffen durch die USA. Aber das ist laengst Vergangenheit. Die EU hat weiter munter bezahlt. Bis heute. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Nur zu. Das interessiert sicher nicht nur mich. Meines Wissens hat die EU sogar die "Wahl" Sisis als rechtmaessig abgenickt. DAS genau hat mir seinerzeits gezeigt WIE wir eigentlich ticken.

@AlterSimpel

Sagen Sie mir bitte, wie damals die Richter oder das Militär von Präsident Mursi unterdrückt wurden?

Mursi wollte 2002 in einem Verfassungszusatz festlegen, dass "alle Verfassungszusätze, Entscheidungen und Gesetze des Präsidenten endgültig sind, gegen sie kann keine Rechtsmittel mehr eingelegt werden". Das hätte die Justiz kaltgestellt und Mursi zum Alleinherrscher erhoben.

Weitere Infos:

Aegypten ist zu ueber 90% islamisch. 80% der Bevoelkerung ist praktisch ohne Bildung und lebt zum Grossteil wie zu Pharaos Zeiten. Die Analphabetenquote betraegt ca.40- 50% . Die Grundlage des Rechtssystems WAR und IST die Sharia. Das scheint so mancher entweder nicht zu wissen oder zu ignorieren. Mit "modern" hat auch diese Regierung absolut nichts am Hut. Seit ihrem Amtsantritt wurde NICHTS fuer die Buerger getan, wie schon 30 Jahre vorher in denen sich nur eines weiter ausgebreitet hat: Die hoffnungslose Armut. Die gleichen Kraefte regieren nun wieder. Kann man DAS bejubeln? Sollte sich jeder selbst fragen.

Eines kann man auf verschiedensten medien heute rauslesen...

Ich und viele Andere haben sich blutige Koepfe in den 70er und 80er Jahren geholt um genau die Freiheiten zu erlangen, die genau die Menschen heute am Boden zertreten fuer die wir sie erlangt haben. Der harte Ruck nach Rechts ist nicht zu uebersehen. Die masslose Arroganz wieder zu Richten ueber anders Denkende ebenso nicht. Mir graust vor diesen Menschen und mir graust somit vor der Zukunft. ALLES was wir getan haben war umsonst. Man darf wieder(straflos) nach der "Vernichtung" anders Denkender laut rufen. Sei es IS oder MB, sei es Rohingyas oder was auch immer. Echter Liberalismus ist NEO Liberalismus gewichen. Das REcht des Staerkeren ohne jede Gnade.DAS ist mehr als erschreckend.

@BotschafterSarek

"Sagen Sie mir bitte, wie damals die Richter oder das Militär von Präsident Mursi unterdrückt wurden?

"Mursi wollte 2002 in einem Verfassungszusatz festlegen, dass "alle Verfassungszusätze, Entscheidungen und Gesetze des Präsidenten endgültig sind, gegen sie kann keine Rechtsmittel mehr eingelegt werden". Das hätte die Justiz kaltgestellt und Mursi zum Alleinherrscher erhoben."

Naja, zwischen "Justiz kaltstellen" und "Mursi zum Tode verurteilen" gibt es aber schon einen qualitativen Unterschied.
Im Lichte der jetzigen Entwicklung hat Mursi vielleicht die richtige Idee gehabt, die von Mubarak ausgewählten Richter zu entmachten.

Todesstrafe und Präsidenten

Wo ist das Problem? Wenn ein Land die Todesstrafe hat, dann sollte sie auch vor Präsidenten nicht halt machen, sofern sie sich entsprechender Verbrechen schuldig gemacht haben. So gesehen ist Ägypten weiter als die USA, deshalb kommt von da wohl auch die große Kritik.

Wenn Ägypten seinen

Wenn Ägypten seinen ehemaligen Machthaber zu Tode verurteilt hat, dann ist das in erster Linie deren Sache. Ob man das gutheissen will oder nicht, ist die eigene persønliche Sache. Aber die ganzen Regierungen, unsere eingeschlossen, wissen wohl wieder nichts besseres zu tun, als diese Entscheidung zu kritisieren. Es gibt weissgott andere Probleme. Ausserdem: was ist mit den zig Hunderten oder Tausenden, die in gewissen anderen Ländern unschuldig oder aus anderen politischen Gründen hingerichtet werden? (die USA braucht sich hierbei auch nicht gerade als gerechte Jutizia hinstellen)

an die eigene Nase fassen

"Die USA haben das Todesurteil gegen Mohammed Mursi kritisiert. ... seien unvereinbar mit dem Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit..."
Aber Drohnenmorde gehen in Ordnung? Der Herr Mursi hat wenigstens noch einen Prozess bekommen. Nicht einmal das haben die Leute im afganisch/pakestanischen Grenzgebiet bekommen. Ganz zu Schweigen von den im Schnitt 29 Zivilisten die bei jeder Vollstreckung mit ermordet werden.
Ob das Ganze politisch motiviert ist oder nicht, läßt sich von außen schwer beurteilen.
Herr Mursi hat aber selber solche Prozesse durchführen lassen.

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