Ihre Meinung zu: Neue Regelung für die Zulassung zum Medizinstudium

15. Januar 2020 - 6:39 Uhr

Für die Zulassung zum Medizinstudium endet heute die Bewerbungsfrist - erstmals mit neuen Voraussetzungen: So entfällt bald die Wartezeitquote. Stattdessen wird der Medizinertest wichtiger. Von Stephan Lenhardt.

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Kommentare

Das System ist krank.

Irgendwie zum Schreien komisch.
Da leistet sich Deutschland auf der einen Seite einen heftigen Numerus clausus, bei dem haufenweise junge Studenten auf der Strecke bleiben und auf der anderen Seite werden ausländische Fachkräfte zum Beispiel als Weiterbildungsassistent geführt, die aber hinsichtlich ihrer vorherigen Ausbildung weitab von unseren Standards liegen.
Von den sprachlichen Erfordernissen möchte ich gar nicht erst anfangen - was ich da so alles sehen und erleben darf ist eine wirklich besondere Erfahrung.
Wenn dann endlich mal "unsere" Ärzte ausgebildet sind, ziehen diese dann auf saftigere Wiesen im Ausland (anstatt eine Sperrfrist abwarten zu müßen bis mindestens die Ausbildungskosten wieder eingefahren wurden - wem es nicht passt, es gibt genug Bewerber)
Deutschland ist in dieser Hinsicht schon schizophren.
In den Studiengängen zum Ingenieurswesen drückt sich das lediglich in einer anderen Form aus, indem die chinesische Konkurrenz hier kostenlos ausgebildet wird.
Super.

klar sollte ein Arzt lesen und schreiben können

aber ob ein 1er Abi wirklich für ein Medizinstudium wichtig ist ?

Wenn das System für motivierte Pflegekräfte nicht

durchlässig bleibt, bleibt am Ende das Gesundheitswesen komplett auf der Strecke...

Ausbildung und Studium?

Bei allem Verständnis für diese schlechte Ausgangssituation: ist die Kandidatin hier kein schönes, aber leider realistisches Vorbild:Zur "Überbrückung' eine Ausbildung machen finde ich gerade angesichts Geld- und Pflegekräftemangels im Gesundheitssysten unpassend. In meinem langen Leben als Krankenschwester habe ich das oft erlebt: ein Krankenhaus vergibt einen Ausbildungsplatz und investiert Geld und Zeit in jemanden, der während oder kurz nach der Ausbildung wieder geht. Aus meiner Sicht helfen nur mehr Studienplätze.

Eignung statt NC!

Ich kenne das aus der Tiermedizin: NC total hoch, Vorklinikum wird bestanden und wenn es dann wirklich um die Wurst geht gibt es Studenten, die kein Blut sehen können (und dies erst nach 2 Jahren Studium bemerken!!), die bei den OPs umfallen oder sich das Essen noch mal durch den Kopf gehen lassen.

Ende vom Lied: Studenten, die gut mit verletzten Tieren umgehen können und das durchziehen würden bleiben aussen vor.

Vielleicht sollte man die möglichen Studenten alle in eine Obduktion reinstecken wie bei der Polizei, wer das nicht schafft ist ungeeignet. Das spart Steuergelder.

@alu355: es ist sogar noch schlimmer: in Deutschland ausgebildete Ärzte aus anderen Ländern bekommen anschliessend keine Aufenthalts- / Arbeitserlaubnis in Deutschland. D.h. der Staat bezahlt die Ausbildung und statt sie arbeiten zu lassen werden sie ABGESCHOBEN!!

@klar sollte ein Arzt lesen und schreiben 6:37 von Sisyphos3

"können..."
Aber ein 1er Abi macht halt noch keinen guten Mediziner.
Alte Uniweisheit.
Leider hat sich da nix geändert seit Jahrzehnten.

Noch mehr Sub-Optimierer heranziehen?

Nirgend in der gesamten Diskussion sehe ich das Wort Talent - in der Musikbranche das A und O. Ja, die Medizinerprüfung ist ein Anfang, aber wer hat ein praktisches Talent? Mein Zahnarzt hat im Dentallabor gelernt, bevor er Zahnarzt wurde: handwerklich leistet er Beste Arbeit, dauerhaft und schmerzfrei, ohne Folgeschäden. Solche Leute brauchen wir hief, keine, die die Abrechnungen besonders gut frisieren können. So nebenbei und selbst erlebt: ich war bass erstaunt über die anatomischen Fähigkeiten meines Schlachters - als Chirurg mit Sicherheit hochpräzise.

Trauerspiel

Wir leiden unter einem Ärztemangel, die Versorgung in der Fläche ist längst nicht mehr gesichert und die Wartezeiten für Termine bei FachärztInnen sind inzwischen gefühlt unendlich (ein Jahr bei meiner Augenärztin!). Verzweifelt versuchen wir, MedizinerInnen aus dem Ausland anzuwerben - und verweigern gleichzeitig unseren Kindern das Studium. Aber es ist halt sehr viel billiger, die durchaus teure Ausbildung von anderen Staaten bezahlen zu lassen. Es ist ein Trauerspiel.

Falsches Semester

Im Artikel heißt es: "Bis Ende März sollen die letzten Nachrückerplätze für das kommende Wintersemester vergeben sein." Müsste es sich bei den Angaben nicht um das Sommersemester handeln (https://www.hochschulstart.de/startseite/informieren-planen/terminuebers...)?

Am 15. Januar 2020 um 11:06 von CaOs

Volltreffer!

Vielleicht wäre ein erster Schritt mal die Kapazitäten zu erweitern, dann haben wir wenigstens in 10-15 Jahren keinen Ärztemangel mehr.
Aber die braucht man wohl für nutzlose Gender- und sonstige sinnfreie, unwissenschaftliche Studiengänge.

zusätzliche Studienplätze mit "Arbeitsverpflichtung" schaffen!

Ich bleibe dabei: Deutschland braucht zusätzliche Medizin-Studienplätze - mit Studiengebühren. Die werden erstmal gestundet (= erstmal muß keiner zahlen). Wenn der Absolvent nach dem 3. Staatsexamen in Deutschland arbeitet, werden ihm pro Jahr Vollzeit-Stelle 8% der Studiengebühren erlassen - nach 12,5 Jahren ist er also schuldenfrei. (Wenn er Teilzeit arbeitet, dauert's halt etwas länger.) Ärzten in Arztmangelgebieten (z.B. Landarztpraxis) könnte man etwas mehr erlassen (z.B. 10% pro Jahr, wenn sie mindestens 2 Jahre dort tätig sind).

Wer hingegen ins Ausland geht oder in andere Branchen wechselt oder länger als 2 Jahre pro Kind Babypause macht... für den werden pro Jahr 8% der Studiengebühren fällig.

Denn das Problem sind ja nicht (nur) fehlende Ärzte... sondern Mediziner, die nicht in Deutschland Vollzeit arbeiten.

Die bisherigen Studienplätze würden unangetastet bleiben, es gibt also auch weiterhin Plätze ohne Studiengebühren bzw. ohne "Arbeitsverpflichtung".

das wird auch Zeit....

bevor man in Dtl rumänisch, kasachisch oder syrisch lernen muß bevor man zum Arzt geht

NC

Dort zählt der sogenannte Numerus clausus, kurz NC, was so viel heißt wie "beschränkte Anzahl". Diese Hürde war im vergangenen Wintersemester so hoch wie nie.

Ja, aber es ist nicht so, dass der NC einfach festgelegt wird, und wer eine schlechtere Note hat, hat Pech, sondern es gibt eine bestimmte Anzahl von Plätzen, die nach Note vergeben werden; NC ist einfach die Note, die die Person mit der schlechtesten Note, die noch einen Platz bekommt, hat.

Jetzt wirklich besser?

Im Artikel steht, dass jetzt der Mediziner Test eine stärkere Bedeutung hat. Ist das nun jetzt immer noch so, dass man den Test nur einmal machen kann? Finde ich nicht so gut: Hat man den Test nämlich einmal versemmelt wars das dann nämlich mit dem Medizinstudium für den Rest des Lebens. Ist ein ganz schön großer Druck den man dann hat wenn man da hingeht. Besser wäre es wenn man den Test öfters machen kann.
Und noch ein Wort zu Auswahlgesprächen: Motivation lässt sich objektiv nur sehr schwer messen, vor allem wenn es hunderte Bewerber gibt. Hab mir das mal angeschaut wie das die Unis konkret machen und mich hat das nicht so überzeugt - da wird mehr das Schauspieltalent geprüft als die echten Fähigkeiten. Ich fände ein objektives und faires Auswahlsystem besser. Warum nicht einfach einen einheitlich bundesweiten Medizinertest, den man mehrmals wiederholen kann und wo die Abinote nichts zählt?

06:37 von Sisyphos3

"aber ob ein 1er Abi wirklich für ein Medizinstudium wichtig ist ?"

.-.-.-.-.-.-.-.-.

Nein!
Die Voraussetzungen, um ein guter Arzt zu werden, liegen für mich deutlich in anderen Bereichen, als in allen Fächern eine 1 zu haben.

Abgesehen davon, dass man solche Noten nicht selten durch Schleimerei oder Auswendiglernen erzielt -

wozu muss man, um operieren zu können, die Lyrik der Romantik sinnvoll interpretieren, die Analysis der Mathematik beherrschen können etc. ?

@alu355, 06:22

Sie kennen sich in unserem Gesundheitssystem offenbar aus.

"Deutschland ist in dieser Hinsicht schon schizophren"

Leider nicht nur in dieser, wie Sie in Ihrem Kommentar ja schon andeuten ("In den Studiengängen zum Ingenieurswesen drückt sich das lediglich in einer anderen Form aus, indem die chinesische Konkurrenz hier kostenlos ausgebildet wird").

Das eigentliche Problem dürften hier einmal mehr die berühmten "Sachzwänge" bzw. die Unvereinbarkeit der von ethischen Prinzipien geleiteten Vorgaben des Grundgesetzes mit denen der harten Realität einer von rein von Partikular- bzw. "Finanz"-Interessengesteuerten Wirtschaftswelt, deren strikten "Regeln" die gesamte Politik "unterworfen" ist sein.

Eine von vielen "kranken" Regelungen in Deutschland

Dieses ist doch nur eine von vielen "Baustellen" dieses Landes. Man links und rechts schauen, überall nur nicht mehr nachvollziehbare Regeln, Verordnungen und Gesetzte.
Aber zurück zum Thema: Da es für den Staat/das Land kostengünstiger ist, einen ausländischen Arzt in Deutschland arbeiten zu lassen, wird dieser Weg beschritten.
Angeblich belaufen sich die Kosten für das Land, für die Ausbildung eines Mediziner, auf fast 400.000€.
Sparen, sparen, sparen und wenn es an der Bildung, an der Medizin, an der Infrastruktur und somit an der falschen Stelle, ist.

@Acromion

"Warum nicht einfach einen einheitlich bundesweiten Medizinertest, den man mehrmals wiederholen kann und wo die Abinote nichts zählt?"

Bundesweit einheitlicher Medizinertest - kann man machen. Aber nicht mehrfach wiederholen, da der Sinn des Tests gerade darin besteht, grundlegende Kompetenzen zu ermitteln, was durch mehrfaches Wiederholen (=Auswendiglernen) ad absurdum geführt würde.

Einen solchen Test kann man auch nicht versemmeln, da er eigentlich nur die Eignung zum Medizinstudium herausfinden soll. Wenn man ihn nicht bestanden hat, heißt das nicht, dass man ein schlechterer Mensch ist, sondern nur, dass die Eignung zu einem Medizinstudium nicht gegeben ist. Jedenfalls sollte es so sein.

@ 06:37 von Sisyphos3

"... aber ob ein 1er Abi wirklich für ein Medizinstudium wichtig ist ?"

Eine rein rhetorische Frage ...

Allerdings mit der Tendenz, immer rhetorischer zu werden:
Vor Zeiten sagte ein Einser-Abitur zumindest etwas über die Allgemeinbildung, die Lernkompetenz und womöglich sogar ein wenig über die Intelligenz des Probanden aus.
Alles Dinge, die natürlich für unseren Beruf nicht existenziell, aber durchaus förderlich sind.

Das Niveau heutiger Einser-Abiturienten in Erstsemestern zu erleben führt bei mir zu einer gewissen Misanthropie.

Jedes, wirklich jedes theoretische und vor allem praktische Auswahlverfahren als Zulassung zum Medizinstudium ist aktuell geeigneter als die inflationäre Abinote. Heute, wie gesagt, in noch stärkerem Maße als zu Zeiten meines Studiums.

Sprachkenntnisse vorausgesetzt ist mir mittlerweile ein begeisterungsfähiger ausländischer Kollege ungleich lieber als eine lebensfremde Einserabsolventin mit abstruser Praxisferne.

Alternativen

...sind leider teuer, was das Problem des Ärztemangels noch verschärft.

Meine "Große" studiert in Rümanien:
Erstklassige Lehre, Vorlesungen auf Englisch, Beratungen im KH auf Rumänisch und -es klingt makaber- mehr als genügend Leichen zum erlernen der Praxis.

Die Mischung der Studierenden dort ist ok: viele motivierte junge Leute, die sich ihren Traum erkämpfen/erfüllen.
Allerdings auch viele Arzt-Söhnchen/Töchterchen, die die interfamiliäre Praxisübernahme sicherstellen sollen.

Sehr zu empfehlen, wenn es finanziell machbar ist.

Ergebnis des Studiums sind multilinguale, erstklassig ausgebildete Mediziner aus einem Studiengang, der international besser anerkannt ist als die deutschen Studiengänge. Darum gehen auch viele nach US/CA/AUS, wo sie deutlich bessere Forschungs- und Verdienstmöglichkeiten haben.

Altertum BRD

Geplanter Ärztemangel? Dann werden halt alle krank und sterben noch bevor sie ihre Rente beziehen können.... auch eine Möglichkeit! Gesundheit ist das Wichtigste! Oder doch lieber Geld?

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