Ihre Meinung zu: Protestsong türkischer Rapper: Lyrics gegen Missstände

11. September 2019 - 14:40 Uhr

20 Rapper, ein Song, 15 Minuten Protest - gegen Missstände in der türkischen Gesellschaft. Im Netz wird das Video zum viralen Hit. In der Türkei könnte der musikalische Aufschrei zum Risiko werden. Von Katharina Willinger.

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Respekt

"20 Rapper, ein Song, 15 Minuten Protest - gegen Missstände in der türkischen Gesellschaft"

Die tun etwas. Mit offensichtlichem Erfolg: "Im Netz wird das Video zum viralen Hit"

"In der Türkei könnte der musikalische Aufschrei zum Risiko werden"

Und zwar für ein repressives, Freiheit und Menschenwürde verachtendes Regime. Hoffentlich hält dieser Erfolg nicht nur an, sondern wirkt sich auch dieses Beispiel für erfolgreichen Widerstand über Landesgrenzen hinweg immer weiter aus.

Kommt man in der Türkei ins Gefängnis ...

... wenn man bestimmte Youtube Videos anguckt? Ist Youtube dort frei oder zensiert? In China konnte ich Youtube nicht aufrufen.

Gewalt gegen Frauen nicht hinnehmbar!

Dass Gewalt gegen Frauen zum Thema gemacht wird kann ich nur unterstützen. Auch die türkische Gesellschaft (einschließlich der Regierung!) ist sich darin einig. Das Thema wurde in allen Medien, auch in den sog. "Erdogan-Nahen" thematisiert und verurteilt.

Dass man allerdings versucht, auf die eine oder andere Weise die Regierung dafür mitverantwortlich zu machen, ist absolut nicht hinnehmbar. Dafür gibt es auch nicht den geringsten Anlass. Da müssen alle an einem Strang ziehen. Nur so kann ein Umdenken gelingen.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Gewalt gegen Frauen leider überall auf der Welt existiert - nicht nur in der Türkei. Ich bin jedenfalls froh, dass sich die Türkei mit diesem schrecklichen Phänomen ernsthaft auseinandersetzt und öffentlich thematisiert.

Umweltschutz nur global lösbar

"Der in Deutschland geborene und aufgewachsene Ergin rappt im Kapitel "Natur" über die Auswirkungen von Umweltverschmutzung und Waldrodung auf den Planeten."

Bin absolut dafür, solange die Betonung auf "weltweit" liegt. Wer allerdings nur gegen Waldrodung in der Türkei ist, der handelt meiner Meinung nach falsch. Vor allem deswegen, weil die Türkei eines der wenigen Länder ist, deren Waldbestand von Jahr zu Jahr wächst! Überall entstehen neue Nationalparks mit viel Aufforstung. Es gibt regelmäßig Aktionen, wo Millionen Bäume an einem einzigen Tag gepflanzt werden.

@ Peter Goge

"Kann man in der Türkei ins Gefängnis kommen, wenn ... ? "
Ich denke ja, der Vorwurf lautet dann einfach "Unterstützung von Terroristen" oder "Herabsetzung des türkischen Staates" oder ähnliches. Bis zu 7 Jahre Untersuchungshaft kann es geben, danach wird man dann sagen: sorry, der Vorwurf hat sich nicht erhärtet.

"Kunst sollte kein Mittel für

"Kunst sollte kein Mittel für Provokation und politische Manipulation sein. Wir wissen ganz genau, dass diejenigen, die nun sagen 'Ich kann nicht schweigen', in den kritischsten Momenten der Türkei stumm geblieben sind." Eine Anspielung auf den Putschversuch 2016."

Das kann ich nur unterschreiben. Gerade Künstler die sich jetzt zu Wort melden, waren nach dem Putschversuch erstaunlich still. Da habe ich ehrlich gesagt etwas vermisst.

Man sollte sich beim Umweltschutz und bei den Frauenrechten bspw. nicht instrumentalisieren lassen. Das sind Themen, die alle angehen. Und gerade diese Aufrufe zeigen doch, dass Regierungs-Kritik selbstverständlich zur türkischen Demokratie gehört. Auch ich kritisiere die Regierung wenn mir deren Politik nicht gefällt (Flüchtlingsdeal). Auch andere machen das. Man soll ja nicht so tun, als ob Regierungskritik in der Türkei verboten wäre! Wer türkisch versteht sollte sich nur mal die Diskussionen im türkischen Fernsehen anschauen.

Ohne Grund einsperren?

"Wenn sie dich eines Nachts holen und ohne Grund einsperren, dann wirst du nicht einen Journalisten mehr finden, der darüber berichtet, denn sie sitzen bereits alle im Gefängnis."

Ich kenne keinen Fall, wo jemand "ohne Grund" eingesperrt wurde. Sorry, aber das soll man mir erstmal beweisen! In der Türkei wird jeder Verhaftete einem Richter vorgestellt. So etwas wie US-Guantanamo gibt es in der Türkei nicht!

Fakt ist auch, dass es in der Türkei viel mehr Terrorismus (und auch Terroristen) gibt als in anderen Ländern. Die Palette reicht von linksextremistischen Terrorgruppen (PKK) bis zu religiös-fundamentalistischen. Hinzugekommen ist zuletzt auch die "Gülen-Bewegung".

Dementsprechend hoch ist auch die Zahl der Unterstützer. Und wenn Sicherheitsorgane den Terroristen immer einen Schritt voraus sind wie in der Türkei, kommt es nicht zu Anschlägen, sondern zu Verhaftungen. Ich fühle mich jedenfalls absolut sicher dort.

Rundumschlag ist wenig effektiv

"Darin wagen 20 Musiker einen Rundumschlag quer durch die türkische Gesellschaft."

Wozu einen Rundumschlag? Lieber Themen benennen, worüber man dann diskutieren kann. So tut man, als ob es in der "nur Probleme" gäbe. Meiner Meinung nach ist genau das Gegenteil der Fall.

Für mich ist und bleibt die Türkei ein demokratischer Stabilitätsanker in einer unruhigen Region. Man schaue sich nur mal die Nachbarstaaten an: Entweder herrschen dort Kriege (Syrien, Irak), Wirtschafts-Embargos (Iran) oder Wirtschaftskrisen (Griechenland). Und trotzdem wächst die Wirtschaft des Landes Jahr für Jahr, die Exporte steigen, die Importe sinken. Wäre die Nachbarschaft ruhig, wie in Europa, gäbe es noch mehr Wachstum.

Man muss die Rapper ernst nehmen

"Wir haben versucht, Dinge auf der Welt und in unserem Land anzusprechen, von denen wir der Ansicht sind, dass sie nicht richtig laufen", so der Rapper Saniser, der das Projekt ins Leben gerufen hat."

Das kann ich nur unterschreiben. Jede Demokratie lebt von der Kritik. Auch in der Türkei wird die Regierung natürlich kritisiert - manchmal zu Recht! Gerade was die Flüchtlingsproblematik anbelangt (EU-Türkei-Deal) ist die Stimmung überwiegend und eindeutig gegen die Regierung gerichtet. Das wird vor allem in den politischen Talkshows erkennbar, die täglich auf dem Bildschirm erscheinen.

Die Mehrheit ist eindeutig gegen diesen "Deal". Präsident Erdogan hat (und mußte!) jetzt darauf reagiert. Ansonsten wird er die nächsten Wahlen wahrscheinlich nicht mehr gewinnen können.

@16:07 von pxslo

"Kunst sollte kein Mittel für Provokation und politische Manipulation sein. "

Wenn schon Kunst nicht mehr provozieren darf, wer denn dann?

"Wir wissen ganz genau, dass

"Wir wissen ganz genau, dass diejenigen, die nun sagen 'Ich kann nicht schweigen', in den kritischsten Momenten der Türkei stumm geblieben sind."

Genau so ist es! Daher sind solche Videos und Statements von solchen ominösen 'Künstlern' völlig gegenstandslos und widerspiegeln in keinster Weise den Willen der türkischen Bevölkerung. Solche Aktionen dienen nur dazu den Westen und auch Deutschland gegen die Türkei aufzubringen und ihre Vorurteile zu verfestigen und im eigenen Land (gewollt?) für Unfrieden zu Sorgen. Aber all Diejenigen die Hoffen das die frei gewählte türk. Regierung dadurch Schaden nimmt, sollten sich keine all zu großen Illusionen machen. Die Türkei hat schon viele Angriffe des Westens überstanden, diese wird sie auch mit Leichtigkeit überstehen. Die Türkei wird weiterhin ihren unabhängigen Weg gehen, ohne auf die Belange des Westens und Europas zu achten. Es sollte endlich Jedem klar sein, dass die Einflussnahme des Westens in der Türkei ein für Alle mal zu ende ist.

Es gibt nicht nur ein Sprachrohr in der Türkei

"Das ganze Projekt hat sich zu einem Sprachrohr für die Menschen im Land entwickelt."

Hier könnte der Eindruck entstehen, dass es kein anderes "Sprachrohr" in der Türkei gäbe. Dem ist aber nicht so! Jeder kann die Erdogan-Regierung kritisieren. Dies geschieht selbstverständlich auch täglich. Das machen nicht nur Oppositionspolitiker oder auch Journalisten, sondern auch die verschiedensten sozialen und gesellschaftlichen Gruppen.

Ich bin immer wieder erstaunt welch falsches Bild man sich im Ausland von der Türkei macht. Dies deckt sich nämlich in keinster Weise mit meinen eigenen Erfahrungen (aus TV, Internet, Zeitungen).

Es gibt nicht nur ein Sprachrohr in der Türkei

"Das ganze Projekt hat sich zu einem Sprachrohr für die Menschen im Land entwickelt."

Hier könnte der Eindruck entstehen, dass es kein anderes "Sprachrohr" in der Türkei gäbe. Dem ist aber nicht so! Jeder kann die Erdogan-Regierung kritisieren. Dies geschieht selbstverständlich auch täglich. Das machen nicht nur Oppositionspolitiker oder auch Journalisten, sondern auch die verschiedensten sozialen und gesellschaftlichen Gruppen.

Ich bin immer wieder erstaunt welch falsches Bild man sich im Ausland von der Türkei macht. Dies deckt sich nämlich in keinster Weise mit meinen eigenen Erfahrungen (aus TV, Internet, Zeitungen).

Solche und solche

@16:07 von pxslo
Alle haben es mitbekommen, daß die Fäden in der Türkei nicht so gesponnen werden, daß jeder vor dem Gesetz gleich ist. Dazu ist das Klima der Angst viel zu groß...türkische Künstler waren und sind keine Märtyrer...wie auch...wer das verlangt, kann ja selbst versuchen, sich öffentlich kritisch zu äußern. Dennoch ist - wie Schiller treffend gesagt hat - "die Kunst eine Tochter der Freiheit"...in der Türkei werden die Freiheiten zur Zeit von einem autokratischen Führer und seinen willigen Helfern in der Politik, Justiz und Administration zumindest kontrolliert und massenhaft strafrechtlich verfolgt. Wie diese Spaltung in der Gesellschaft "heilen" soll, ist für mich äußerst fraglich. Trotz Aufklärung und Bildung ist man in der heutigen Türkei noch nicht im 21.Jahrhundert angekommen. Zwischen der Düsenpilotin und dem anatolischen Bauern klaffen immer noch Welten. Das wird noch lange dauern.

Regierungskritik in der Türkei war immer möglich

Vor kurzem wurde eine türkische Oppositionspolitikerin wegen ihrer "Kritik" zu 10 Jahren Haft verurteilt.

Ich Deutschland hieß eine Überschrift sogar (habe das selber gelesen): "10 Jahre Haft für Erdogan-Kritik".

Das war eindeutig eine Falschinformation! Diese Person ist für insgesamt 9 Tweets verurteilt worden. Und nur eines dieser Tweets war gegen den Präsidenten(!) Erdogan gerichtet - also gegen das Amt und nicht gegen eine Privatperson. Das hätte auch jemand anderes sein können. Das Urteil wäre dasselbe gewesen.

Sie hat also in der Summe 10 Jahre bekommen, denn einzeln waren alle Urteile unter 2 Jahre. Es ging dabei um "Propaganda für Terrorgruppen", wie der PKK oder die Gülen-Bewegung. Ob die Höhe angemessen war, darüber kann man streiten. Ich selber fand das auch zu hoch, aber so sind nun mal die Gesetze. Und die waren schon vorher bekannt.

Ich habe die Tweets selber gelesen u. war fassungslos erschrocken. Ich fand das schon sehr extrem u. grenzwertig.

Kritik an Erdo?

@ pxslo:
Jeder kann die Erdogan-Regierung kritisieren.

Fragt sich nur: wie oft?

@ 16:22 von pxslo

"Ich kenne keinen Fall, wo jemand "ohne Grund" eingesperrt wurde. Sorry, aber das soll man mir erstmal beweisen!"

Mir fällt spontan Peter Steudtner ein. Natürlich wird irgendwann ein Grund genannt, z.B. Terrorunterstützung.

@16:38 von Wielstadt

"Wenn schon Kunst nicht mehr provozieren darf, wer denn dann?"

Wer sagt denn, dass man das nicht darf? Das Erscheinen des Songs, zeigt doch, dass man das darf.

Die einzelne Meinung eines Politikers zählt hier nicht! Das sind nur Äußerungen, um die eigene Wähler-Klientel zu befriedigen. Irgendwelche Auswirkungen hat das jedenfalls nicht.

Politiker äußern sich nun mal zu jedem Ereignis. Ob richtig oder falsch spielt nur untergeordnet eine Rolle, Hauptsache man hat was gesagt. Das bringt bei der nächsten Wahl vielleicht Stimmen.

@16:56 von landart

"Trotz Aufklärung und Bildung ist man in der heutigen Türkei noch nicht im 21.Jahrhundert angekommen. Zwischen der Düsenpilotin und dem anatolischen Bauern klaffen immer noch Welten"

Wie gut kennen Sie eigentlich das Land, um solch gewagte Thesen von "Düsenpilotin u. anatolischem Bauern" abzugeben? Für mich ist Ihre Behauptung völlig irrelevant, weil völlig falsch.

@ pxslo, um 15:39

Natürlich steht eine Regierung beim Thema “Gewalt gegen Frauen“ mit in der Verantwortung - wie können Sie das abstreiten? Egal, ob Erdogan oder Merkel - die entsprechenden Ministerien sind in erster Linie gehalten, Gesetze zu erlassen, die Gewalt gegen andere Menschen - dazu gehören eben auch (Ehe)Frauen, Töchter und Schwestern, - unter Strafe stellen.
Sie sagen ja selbst, dass “alle an einem Strang ziehen“ müssen.
Daher gehe ich mit Ihnen, wenn Sie es begrüßen, dass man öffentlich darüber diskutiert.

@17:04 von Peter Goge

"Kritik an Erdo?
@ pxslo:
Jeder kann die Erdogan-Regierung kritisieren.
Fragt sich nur: wie oft?"

Wenn Sie türkisch könnte würde ich Ihnen empfehlen mal türkische TV-Sender zu verfolgen (CNN-Türk, BBC-Türk, FOX-News-Türk usw.).

Sie werden dort viele Kritiker sehen und hören können. Manche sind sogar "Dauergäste" und schon fast legendär mit ihrer Erdogan-Kritik. Nein, nein Kritik ist in der Türkei möglich und auch nötig.

Gäbe es nämlich keine Kritik hätte Erdogans Partei bei den letzen Kommunalwahlen auch nicht die Großstädte Istanbul, Ankara, Izmir, Adana und Antalya verloren.

Eingesperrte Journalisten

@16:44 von pxslo
Sie zeichnen sich hier im Forum durch eine unkluge Recherche aus...sie behaupten pauschal, daß Kritik in der Türkei von jedermann möglich ist...das Gegenteil ist der Fall...hunderte Journalisten wurden verhaftet, viele regierungskritische Medien wurde geschlossen oder auf Regierungskurs gebracht..solche Tatsachen werden sie doch nicht leugnen wollen.

@17:06 von Carlos12

"Ich kenne keinen Fall, wo jemand "ohne Grund" eingesperrt wurde. Sorry, aber das soll man mir erstmal beweisen!"
"Mir fällt spontan Peter Steudtner ein. Natürlich wird irgendwann ein Grund genannt, z.B. Terrorunterstützung."

Wieso sollte die Türkei ein Interesse daran haben, einen unschuldigen Deutschen anzuklagen? So etwas schadet schließlich dem Image. Leider fehlen bei diesen Nachrichten oft die Details, sprich die ausführlichen Anklagepunkte. Und ohne ausreichende Informationen kann man sich nun mal kein richtiges Bild von einem Fall machen. Das gilt nicht nur für die Türkei, sondern ganz allgemein.

um 16:22 von pxslo

"Ich kenne keinen Fall, wo jemand "ohne Grund" eingesperrt wurde."

Ich denke, es wurden in der Geschichte der Menschheit nur wenige "ohne Grund" eingesperrt. Aber viele nur aufgrund ihrer politischen Haltung.
Wenn die politische Gesinnung ein Haftgrund ist, kann man nicht mehr von einem Rechtstaat sprechen und das ist in der Türkei der Fall.

Jeder kann eingesperrt werden

@ pxslo:
Ich kenne keinen Fall, wo jemand "ohne Grund" eingesperrt wurde.

Stimmt. Mit der Anklage Terror-Unterstützung kriegt man jeden hinter Gitter, nach gegenwärtigem Stand für bis zu 7 Jahre. Wenn's sein muss die gesamte Bevölkerung.

@17:22 von landart

"Sie zeichnen sich hier im Forum durch eine unkluge Recherche aus..."

Ob klug oder unklug - ich recherchiere jedenfalls. Wie? Ich verstehe nun mal türkisch und verfolge die türk. Medien. In meinen Augen sind das auch keine unklugen Recherchen.

"sie behaupten pauschal, daß Kritik in der Türkei von jedermann möglich ist"
Genau das behaupte ich! Das kann im übrigen auch jeder selber überprüfen. Vorausgesetzt man versteht die Sprache und verfolgt die Medien. Kritik sehe ich da täglich!

"...das Gegenteil ist der Fall...hunderte Journalisten wurden verhaftet, viele regierungskritische Medien wurde geschlossen"

Regierungskritischer Journalismus ist in der Türkei jedenfalls kein Verbrechen. Sonst würde ich die nicht täglich in den Medien sehen. Man sollte sich auch genau anschauen weswegen einige Journalisten in Haft sitzen.

Vergessen sollten wir auch nicht, dass es 2016 in der Türkei einen Putschversuch gab - nicht gerade demokratisch. Und das ist nun mal eine Ausnahmesituation.

@pxslo

Ihre Pro-Erdogan-Agitation macht ziemlich sprachlos und hinterlässt (auch weil sie sehr massiv daherkommt) doch einen starken Beigeschmack von "nicht ganz unabhängig".

Nur eine Frage: Wenn in der Türkei doch alles so wahnsinnig toll und demokratisch und frei und überhaupt wunderbar ist und man jederzeit jeden kritisieren darf - wie kommt die Türkei dann in der Rangliste der Pressefreiheit auf Rang 157 von 180?

Und wenn sich in der Türkei doch stets alles zum Besseren entwickelt - warum hat sich dieser Platz in der Rangliste der Pressefreiheit in den letzten 17 Jahren von Platz 99 auf Platz 157 verschlechtert?

Nur für die Relation: Rang 157 bedeutet, dass die Türkei 4 Plätze schlechter als Weißrussland, 7 Plätze schlechter als Russland und 8 Plätze schlechter als Venezuela ist. Nur mal so als Beispiel ...

um 17:25 von pxslo

Es wurden Menschen für das Singen von Liedern eingesperrt andere wurden eingesperrt, weil sie an der "falschen" Stelle ein "like" gesetzt haben. Hundert Tausende sind in der Türkei aufgrund ihrer politischen Einstellung entlassen worden, Zehntausende eingesperrt worden.
Und sie erklären unentwegt, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Mir fällt es schwer, anhand der stattgefundenen und immer noch stattfindenen Ereignisse, ihren Worten Glauben zu schenken.

@17:34 von Peter Goge

"Mit der Anklage Terror-Unterstützung kriegt man jeden hinter Gitter, nach gegenwärtigem Stand für bis zu 7 Jahre. Wenn's sein muss die gesamte Bevölkerung."

Rechnen Sie doch mal nach, nur ein Bruchteil der Bevölkerung sitzt in Haft. Und den Satz mit "die ganze Bevölkerung" nehme ich jetzt mal nicht ernst. Einen Teil meiner Verwandschaft in der Türkei zähle ich übrigens zu den größten Erdogan-Kritikern (u. Hassern). Trotzdem mache ich mir über deren Sicherheit nicht die geringsten Sorgen.

Erdogan-Befürworter und Kritiker gibt es selbst im engsten Familienkreis. Mein Cousin verfasst bspw. täglich Anti-Erdogan-Tweets. Ist doch ok! Manches unterstütze ich sogar. Erdogan ist nicht die Türkei.

Was ich aber nicht dulden werde, ist Terror-Propaganda unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung. Das würde ich auch in Deutschland niemals dulden.

@17:30 von schutzbefohlener

"Wenn die politische Gesinnung ein Haftgrund ist, kann man nicht mehr von einem Rechtstaat sprechen.."

Völlig richtig! Meine 100%ige Unterstützung.

"..und das ist in der Türkei der Fall."

Da bin ich allerdings anderer Meinung. Wäre dies der Fall würde sich kein Oppositionspolitiker oder Journalist trauen Erdogan in den Medien anzugreifen. Aber genau das geschieht täglich in den türkischen Medien. Glauben Sie mir kein Wort - überprüfen Sie das. Ganz einfach!

@ 16:22 pxslo

Sie sagen: "Ich kenne keinen Fall, wo jemand "ohne Grund" eingesperrt wurde." Mag sein, dass Sie niemanden persönlich kennen - aber dass in Staaten, die keine unabhängige Justiz haben, die autokratisch oder diktatorisch sind, das Einsperren ein Akt der Einschüchterung und der Bekämpfung oppositioneller Menschen ist, werden Sie nicht bestreiten , oder?

@18:08 von DrBeyer

"Ihre Pro-Erdogan-Agitation macht ziemlich sprachlos und hinterlässt (auch weil sie sehr massiv daherkommt) doch einen starken Beigeschmack von "nicht ganz unabhängig"."

Sie müssen auch Gegenkritik ertragen können. Sie haben Ihre Meinung, ich habe meine. Ich lasse mich nicht von anderen instrumentalisieren und sage das, wofür ich auch stehe. Dogmatisch bin ich auch nicht. Wenn sich die Situation ändern sollte, würde ich auch meine Meinung ändern. Aber momentan sehe ich dazu keinen Anlass.

"Nur eine Frage: Wenn in der Türkei doch alles so wahnsinnig toll und demokratisch und frei und überhaupt wunderbar ist und man jederzeit jeden kritisieren darf - wie kommt die Türkei dann in der Rangliste der Pressefreiheit auf Rang 157 von 180?"

Man sollte doch erst mal überprüfen von wem diese "Ranglisten" erstellt werden? Ich jedenfalls stütze mich in erster Linie auf mein eigenes Wissen meine eigenen Erfahrungen - und auf die kann ich mich zu 100% verlassen!

@18:38 von andererseits

"Mag sein, dass Sie niemanden persönlich kennen - aber dass in Staaten, die keine unabhängige Justiz haben, die autokratisch oder diktatorisch sind, das Einsperren ein Akt der Einschüchterung und der Bekämpfung oppositioneller Menschen ist, werden Sie nicht bestreiten , oder?"

Ja, das kann ich nicht bestreiten. Aber trifft das auch auf die Türkei zu? Ich meine nein. Dazu habe ich mich schon ausgiebig geäußert. In wirklich diktatorisch beherrschten Ländern gibt es
1. keine Wahlen (Saudi-Arabien, Emirate)
2. falls doch, gewinnt der "Präsident" jede Wahl mit 99% der Stimmen (Ägypten)

Erdogan wurde aber mit knapp 51% Stimmenanteil zum Präsidenten gewählt. Und bei den letzten Kommunalwahlen hat seine Partei in den wichtigen Großstädten Istanbul, Ankara, Izmir, Adana, Antalya die Mehrheit verloren, auch wenn er auf dem Land seine Position halten konnte. Die nächsten Wahlen sind für ihn aber alles andere als sicher. Die Bewältigung der Flüchtlingskrise wird dabei entscheidend sein.

@ pxslo

Sie legen sich aber in's Zeug. Mich haben Sie überzeugt. Weil es in der Türkei etwas gibt, nämlich Kritik, ist das nicht verboten oder gefährlich; denn das Vorhanden sein von Kritik ist ja gerade der Beweis des Gegenteils. Die im Gefängnis sind Terroristen, Helfershelfer oder sonst wie kriminell. Keiner wird ohne Grund eingesperrt.
Da haben Sie, Erdogan und seine Freunde eine sehr tolerante und liberale Auffassung von Rechtsstaatlichkeit. Wie schön, dann darf ich Sie bestimmt des Unsinns reden bezichtigen, und Sie haben mich gerade deshalb gern.

@18:13 von schutzbefohlener

"Es wurden Menschen für das Singen von Liedern eingesperrt.."

Es kommt immer auf den Inhalt des Textes an.

"Hunderttausende wurden entlassen"

Ja, aus dem Staatsdienst. Sie vergessen hier aber zu erwähnen, dass es in der Türkei 2016 einen illegalen(!) Putschversuch gab. Ausnahmesituation eben.

Für den Putschversuch hat die Türkei, den in den USA lebenden "Prediger" Gülen verantwortlich gemacht. Und Anhängern dieser "Bewegung" hat man danach kein Vertrauen mehr geschenkt. Für mich absolut nachvollziehbar. Grundlage der Entlassungen waren im übrigen genaueste sicherheitsdienstliche Untersuchungen. Dabei gab es auch Fehler. Tausende wurden wieder eingestellt. Auch das gehört zur Wahrheit.

Unterdrückung von Kritik

.@11. September 2019 um 16:44 von pxslo
"...Jeder kann die Erdogan-Regierung kritisieren. Dies geschieht selbstverständlich auch täglich...
Ich bin immer wieder erstaunt welch falsches Bild man sich im Ausland von der Türkei macht."

Sorry, aber das ist Unsinn, den nur ein Erdogan-Anhänger glauben kann.
Meine Geschäftspartner führen regierungskritische Diskussionen ausschließlich in privaten Räumen (Büro /Privatwohnung) aus Angst vor dem Erdogan-Regime

@19:36 von Ist Wahr

"Weil es in der Türkei etwas gibt, nämlich Kritik, ist das nicht verboten oder gefährlich"

Weder gefährlich noch verboten

"Die im Gefängnis sind Terroristen, Helfershelfer oder sonst wie kriminell. Keiner wird ohne Grund eingesperrt."

Wie gesagt, jeder Inhaftierte trifft auf einen Haftrichter. In der Türkei gibt es Gottseidank kein US-Guantanamo.

"Da haben Sie, Erdogan und seine Freunde eine sehr tolerante und liberale Auffassung von Rechtsstaatlichkeit."

Präsident Erdogan vollzieht nur ein Amt. Mein Freund ist er aber nicht. Persönlich mag ich seinen Stil schon gar nicht (Poltern, Brüllen, Polarisieren) .

"Wie schön, dann darf ich Sie bestimmt des Unsinns reden bezichtigen, und Sie haben mich gerade deshalb gern."

Klar, kein Problem. Ich bin auch nicht unfehlbar. Überzeugen Sie mich lieber.

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