Ihre Meinung zu: Viele Kirchenaustritte: Neue Wege gegen leere Bänke

19. Juli 2019 - 17:20 Uhr

Hunderttausende Menschen sind im Jahr 2018 aus der evangelischen oder katholischen Kirche ausgetreten - erheblich mehr als im Jahr zuvor. Die Kirchen wollen gegensteuern. Von Tilmann Kleinjung.

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Kommentare

Wen wunderts

Als ob diese Entwicklung verwundert. Was tun denn die Kirchen heute eigentlich noch für die Bevölkerung?
In unserer Gemeinde gar nichts. Die Pfarrerin hat nicht äs besseres zu tun als einen Gärtner für den Garten zu finden, ältere Leute werden weder zu Geburtstagen oder bei Krankheiten besucht, Kirchenzeiten sind unregelmäßig, so dass oft gar niemand weiß wann denn eigentlich Kirche abgehalten wird und bei den Jugendlichen tut sich absolut gar nichts (wir hatten unseren ersten Jugendclub im Pfarrhaus vor 40 Jahren und der Pfarrer war weltlicher als wir. Er war ein „Kumpel“ zu dem man vertrauen hatte und der einem mit Rat und Tat zur Seite stand).
Ich wundere mich schon lange nicht mehr, warum viele junge Deutsche in Moscheen gehen und der Kirche den Rücken kehren.

Viele Kirchenaustritte: Neue Wege

Viele Kirchenaustritte - vermutlich, weil die Kirchen noch so etwas wie Moral ausweisen und hinter der häufig beanstandeten Migrationspolitik stehen. Insofern wäre das wohl eine gute Bestandsbereinigung, ansonsten dürften halt mehr Mitglieder dahin scheiden, als neue nachwachsen, aber das ist eben auch schuld einer Politik, die Immigration von andersgläubigen fördert, ja geradezu herausfordert.

Aufgeklärte Gesellschaft

Ein Trend, welcher auch nicht aufzuhalten ist, ist die zunehmende Aufklärung der Gesellschaft.

Die allermeisten Menschen, die ich persönlich kenne, gehen wenig ernsthaftig mit Glaube und Religion um. Man bleibt lieber zuhause, geht nicht in die Kirchen. Man betet nicht. Zu Feiertagen und Gelegenheiten -- meist Bestattungen, erinnert man sich wohl vorübergehend wieder daran, das es so etwas wie die Kirche gibt. Man spart sich das alles ein.

Für mich persönlich ist das ein Zeichen von Fortschritt, da ich der Auffassung bin, Glaube und Religionen lenken die Menschheit als Ganzes mit zu einfachen Antworten auf komplexe Fragen davon ab, den natürlichen Wissensdurst zu stillen.

Was reformieren?

Die Kirchen erheben den Anspruch, dass da ein Gott ist, und dass sie in irgendeiner Form mit ihm verbunden sind. Selbst wenn man die Gottannahme akzeptiert, wieso sollten dann irgendwelche selbsternannten Gottesmänner/-frauen einen besonderen, dem Rest der Menschheit verborgenen Zugang zu diesem Gott haben, sodass man diese Organisationen staatlich finanzieren muss?

Ich denke nicht, dass sich die hohen Austrittszahlen nur durch aktuelle Ereignisse und/oder einzelnen, abweichenden Ansichten und Haltungen erklären lassen.
Das ganze Konzept Kirche hat keine rationale Grundlage.

"Neue Wege gegen leere Bänke"

Ein Titel der verspricht, die "neuen Wege" darzulegen.

"Jeder Austritt schmerzt"
Ist das ein Weg?

"Deshalb muss sich die Kirche auch verändern. Die Kirche darf nicht als alte gewachsene Institution darauf warten, dass die Leute zu ihr kommen, sondern sie muss zuhören: Was brauchen die Menschen?"

Ist das die Beschreibung eines Wegs?

Die Botschaft des Titels - verschwunden im Nebel der leeren Worte. Wie die Gläubigen der Kirchen.

Wenn man sich nicht auf das Wesentliche konzentiert,

verliert man seine Schäfchen aus den Augen.

Die Katholische Kirche schafft es nicht, endlich kurzen Prozess mit den Kinderschändern im eigenen Haus zu machen. Da schwindet der Zuspruch rasant.

Die Evangelische Kirche hat Herrn Bedford-Strohm, der sich mehr als Politiker produziert, denn seine kirchlichen Aufgaben wahrzunehmen. Seinen Standpunkt teilen aber vielleicht nur noch 20 bis 25% der Bevölkerung. Wenn man das nicht sehen will, darf man sich über schwindende Mitgliederzahlen nicht wundern.

Es gibt keinen Weg an der Realität vorbei.

Kirchenaustritte

Die Reformbekundungen der katholischen und evangelischen Bischöfe lasse hoffen, aber letztlich werden sie an ihren Taten gemessen.

Die andere Frage ist, wo gehen diese Menschen, die den großen christlichen Kirchen den Rücken gekehrt haben, hin? Da die meisten Menschen ja irgendeinen Glauben haben und es recht wenige echte Atheisten gibt, müssten sich diese Menschen ja anderen Glaubensgemeinschaften zuwenden. In Brasilien, wo ich lebe, haben die Katholiken in den letzten 20 Jahren von über 90% auf unter 70% abgenommen. Diejenigen, die heute nicht mehr in eine katholische Kirche gehen, finden sich fast Alle bei evangikalen und anderen sektenähnlichen Freikirchen wieder, was kaum zu begreifen ist, denn dort sind die Lebensvorschriften viel strenger und in diesen Kirchen gibt es unter den Pastoren mindestens genausoviel Halunken. Insofern würde mich interessieren, wie diese Entwicklung in Deutschland aussieht.

Neue Wege? Neue Sprache!

Neue Wege?
Ändert als Erstes Eure Sprache. Mit diesem geschwurbelten und veralteten Deutsch könnt Ihr nicht die Probleme von heute ansprechen, geschweige, die Kirchenmitglieder erreichen. Martin würde die Bibel heute anders übersetzen.

Welche starke Botschaft?

ev. luth. getauft, sich als Jugendlicher, fast noch Kind, nicht gegen den Konfirmandenunterricht wehren können, als Erwachsener endlich ausgetreten (schon in den 80ern).

Endlich frei!

Und warum das Ganze? Weil ich irgendwann begriffen habe, dass da überhaupt keine starke Botschaft vorhanden ist.

An Gott zu Glauben bedeutet, nicht an sich und seine Verantwortung für sich und andere zu glauben. Die Verantwortung hierfür wird einfach einer imaginieren Frau/Mann überlassen.

Wenn wir uns (Menschheit) entwickeln wollen, dann nur ohne Glaubensbekenntnis.

die Rolle der Frau in der Kirche überdenken

ist das nicht ein wenig der "deutsche" Wahn der Mittelpunkt der Welt zu sein
sieht es die Weltkirche mit 1.200 Millionen Katholiken ebenso,
wie die 23 Mill deutschen Mitglieder

dann die Missbrauchsfälle, ein absolut unentschuldbare Sache
in einer Organisation die doch extra für Schwache da ist
da hilft es nicht wirklich zu sagen, eine Kirche ist der Spiegel der Gesellschaft,
in Sportvereinen kommt es gar doppelt so häufig vor oder an Schulen
(und wird dort noch mehr vertuscht)

Individuell

Jeder Kirchenaustritt wird mit Sicherheit in die Villa getroffen. Einigen ist die Kirchensteuer lästig andere Fälle andere haben den Glauben verloren.

Bei mir ist die unsägliche Einseitigkeit der Kirche Grund hierfür gewesen. Insbesondere bezüglich der Flüchtlingssituation. Während die AFD verteufelt wird, bleiben die Christenverfolgungen in muslimischen Ländern, seitens der Amtskirchen, nahezu vollkommen unerwähnt. Die Kirchen handeln inzwischen nicht mehr christlich auf Nächstenliebe bezogen, sondern strickt ideologisch und letzt endlich selbstzerstörerisch. In 50 Jahren wird man sehen wo das hingeführt hat in diesem Land. Dann ist es allerdings für eine Einsicht wohl zu spät.

Auf mich kann diese Kirche also gerne verzichten und das wird sie bestimmt auch

Wie denn reformieren?

Mir ist nicht klar, wie die Kirchen - insbesondere die aus der Reformation hervorgegangenen - sich noch weiter reformieren sollen? Gerade das Angebot der heutigen EKD ist von einem säkularen Humanismus oft nur bei genauerem Hinsehen zu unterscheiden. Und doch verlassen die lutherischen und reformierten Gemeinden mehr Menschen als die römisch-katholischen! Offenbar hat der Katholizismus bei all seinen strukturellen Problemen und konservativen bis reaktionären Tendenzen noch immer mehr Integrationskraft als das, was die Erben von Luther, Calvin & Co. anzubieten haben.
Das Christentum will sich in der säkularisierten, liberalisierten Wohlstandsgesellschaft leider niemandem mehr "aufdrängen": So wird bzw. bleibt man natürlich keine Weltreligion! Spätestens um 2030 herum dürfte der Anteil bekennender Christen an der deutschen Bevölkerung bei deutlich unter 50 % liegen - mit den entsprechenden Folgen für Politik und Gesellschaft. Ich kann diesem Szenario wirklich nichts Positives abgewinnen!

Der Missbrauch geht weiter

Es gibt seit Jahrzehnten Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, mehr als in anderen vergleichbaren Institutionen. Und jedes mal heißt es: "Schlimm, aber alle verjährt. Heute passiert sowas nicht mehr." Und zehn Jahre später kommt der nächste Skandal.

Die Entschädigungen sind zum Gegensatz zum Kirchenvermögen ein Witz, strukturelle Veränderungen gibt nicht. Resultat für die Täter: Die Opfer haben Angst, die Kirche schützt sie (die Täter), die Politik ist zu feige etwas zu unternehmen. Warum sollten sie aufhören?

Dazu kommt die fehlende Gleichbrechtigung, reaktionäre und menschenverachtende Haltungen gegen Homosexuelle.

Dazu kommen noch Kommentare von alten Männern die sich zu Abtreibung und Verhütung äußern. Haben aber keine Familien, keine Kinder und keinen Kontak zu den Betroffenen.

Wen wundert da ernsthaft noch das jemand Austritt? Glauben kann man auch ohne das man alten, reaktionären Männern zuhört.

Die Kirchen haben

Die Kirchen haben unterschiedliche Funktionen.
Sie bündeln den christlichen Glauben, und wer den verliert oder für seinen Glauben die Kirche nicht braucht, tritt dann konsequenterweise aus.
In den Kirchen leben Menschen - als Individuum, als Initiative, als Projekt und als Hilfsorganisation - ihren Glauben als tätige Solidarität und Nächstenliebe; das findet bei manchen hohe Anerkennung, und manche sehen darin den Grund, sich zu distanzieren, vor allem am rechten und rechtsnationalen Rand. By the way: Das ging Jesus damals nicht anders, er war den Mächtigen und denen, die auf ihre traditionelle Ordnung (und damit die eigene Absicherung setzten) suspekt.
Die Kirchen sind ein wichtiger Träger sozialer und kultureller Einrichtungen und als solcher in unserer subsidiären Gesellschaft kaum wegzudenken; es ist gut, dass sich arbeitsrechtlich einiges getan hat, so dass die Arbeitnehmer*innenrechte gestärkt wurden. Es gibt Menschen, die sind in der Kirche genau aus diesem Grund verbunden.

unglaubwürdig

"Man müsse sich vor allem auch auf die Menschen zubewegen, meint Hanke. Und den Menschen zeigen, dass der Weg in der Gemeinschaft der Kirche Sinn macht."

Vor allem die katholische Kirche schließt doch ihre schwarzen Schäflein aus. Wie ist denn das mit der Teilhabe der Frauen, der Homosexuellen, geschiedener Paare usw.? Ist es nicht prinzipiell unchristlich, Menschen aus einer Gemeinschaft (und sei es nur das Abendmahl) auszuschließen?
Abgesehen davon, dass ich nicht an diesen (Bibel-)Gott glaube, wäre ich vermutlich eine sehr schlechte Christin, weil mir ständiges moralisches Denken und Handeln einfach zu anstrengend wäre. Aber das ändert nichts an meiner Erwartungshaltung gegenüber jenen, die auf der Kanzel oder auch nur im Privaten das Christsein für sich beanspruchen.
Ich wiederhole, was ich hier schon einmal zitierte:
"Die Heiligen, das sind die Sünder, die sich täglich aus Neue bemühen."
Zu diesen Heiligen kann man mit und ohne Gott gehören.

@ b-hh1980, 19:33

Spätestens um 2030 herum dürfte der Anteil bekennender Christen an der deutschen Bevölkerung bei deutlich unter 50 % liegen - mit den entsprechenden Folgen für Politik und Gesellschaft.

Bitte spezifizieren Sie die "entsprechenden Folgen für Politik und Gesellschaft". Auch wenn ich zu ahnen glaube, was Sie damit meinen, würde es mich doch interessieren, ob ich richtig liege.

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