Ihre Meinung zu: Gerichtsurteil: Behandlungsstopp von Koma-Patient Lambert

28. Juni 2019 - 18:52 Uhr

Vincent Lambert liegt seit 2008 im Koma. Seitdem bewegt der Fall Frankreich. Denn Lamberts Familie ist in der Frage, ob die künstliche Ernährung eingestellt werden darf, gespalten. Nun hat das oberste Gericht entschieden.

Artikel auf tagesschau.de
Bewertung:
2.333335
Durchschnitt: 2.3 (3 votes)
Schlagwörter der Meldung:
Geo-Schlagwörter der Meldung:

Kommentare

So ein Fall hat viele Aspekte

Medizinische,
religiöse,
soziale,
juristische,
finanzielle,
vernunftorientierte,
etc.

Es ist völlig unmöglich, mit 1 Entscheidung alle Aspekte zur allgemeinen Zufriedenheit
gleichermaßen abzudecken.

Der vernunftorientierte Aspekt steht für mich an oberster Stelle. Kein anderer wäre hochwertiger und damit ausschlaggebender.

Mit anderen Worten - abschalten.

20:14 von DerGolem

"" Der vernunftorientierte Aspekt steht für mich an oberster Stelle. Kein anderer wäre hochwertiger und damit ausschlaggebender.

Mit anderen Worten - abschalten.""
#
Dem kann ich nur zustimmen.Wenn der Patient schon vor seinem Koma Zustand davon gesprochen hat keine Lebensverlängerten Maßnahmen im Falle das es mich einmal betreffen könnte,so sollte man er respektieren auch wenn er es nicht schriftlich niedergelegt hat.

es gibt keine ...

Verfügung...also wäre es Mord...

Im Zweifel würde ich den Eltern

die Entscheidung überlassen. Denn die Frau kann sich einen neuen Mann suchen, aber die Eltern keinen neuen Sohn.

@ nelumbo

Ich würde tun was der Betroffene wollen würde.

@ Superdemokrat - die Mordfrage

Mord ist eine aktive Handlung. Hier geht es um die Beendigung einer künstlichen Aufrechterhaltung von Leben, das ohne diese enden würde. In keinem Fall ist das Mord.

Wenn ein Mensch nicht mehr entscheiden kann, dann muss sein mutmaßlicher Wille umgesetzt werden. Auch der ist durchaus mal das sterben lassen. Keine Verfügung heißt nicht automatisch maximaler Versuch des Lebenserhalts. Weder nach menschlicher Vernunft, noch nach Gesetzen. Wie in diesem Fall auch völlig nachvollziehbar entschieden wurde.

Es gibt nur eine Möglichkeit

Meinen Willen habe ich in einer Patientenverfügung bereits 2009 kundgetan. Und habe auch Freunde & Verwandte darüber informiert.

Ohne einer persönlichen Niederschrift, wird niemand vor einem solchen Szenario (wie hier) verschont bleiben, bzw. die Angehörigen - nicht nur in Frankreich -, und auch nicht nur heutzutage.

Natürlich kein Mord

@Superdemokrat:
Passive Sterbehilfe und Mord sind zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte. Das Strafrecht definiert Mord ganz eindeutig. Und ich schätze das französische wird sich da nicht so sehr vom deutschen unterscheiden. Zum Glück, sonst würde Palliativmedizin nicht funktionieren. Passive Sterbehilfe dagegen ist sehr gut mit katholischem Glauben vereinbar. Die Entscheidung ob z.B. jemand aus dem Koma erwacht liegt dann bei der Natur oder auch bei Gott wenn man so will.

re: nelumbo

Die Frau kann sich eben keinen neuen Mann suchen, solange der erste Mann noch lebt. Das ist m.E. das Problem. Wenn die Ärzte lebenserhaltende Maßnahmen abschalten, ist das kein Mord, nur wenn aktive Sterbehilfe geleistet wird, z.B. mit einer Giftspritze.

@nelumbo

Ganz wichtig bei solchen Entscheidungen ist, dass es nie darum geht was Eltern, Partner oder Freunde wollen sondern ganz klar, was der Betroffene selbst wollte. Und wenn Hr. L. so ein Überleben für sich nicht wollte (ohne Verfügung ist das halt immer schwierig), dann können die Eltern sagen was sie wollen. In Deutschland würden sich Ärzte sogar strafbar machen, würden sie sich nicht an die Patientenverfügung halten (wenn es eine gibt).

20:38 von nelumbo

Im Zweifel würde ich den Eltern

die Entscheidung überlassen. Denn die Frau kann sich einen neuen Mann suchen, aber die Eltern keinen neuen Sohn.
///
*
*
Ich musste als Sohn erklären, das die Erklärung meines Vaters kein lebenserhaltende Maßnahmen zu wollen, aktuell war.
*
Das für Ihn das Leben nur erhaltenswert sei, wenn er seine Frau, meine Mutter, weiter pflegen könnte, nicht als eigener Maschinen-Pflegefall.
*
Trotzdem werde ich das Telefonat nicht vergessen.

Eine Verfügung ist nicht alles

Gut ist es, wenn man vorsorglich eine Verfügung niederschreibt. Dad gibt Nahestehenden Rückhalt bei schwierigen Entscheidungen. Viel wichtiger aber ist das Gespräch über die eigenen Vorstellungen mit Vertrauenspersonen. Die entstehenden Situationen sind (aus meiner dazu alltäglichen Berufserfahrung gesprochen) oft zu kompliziert, um in einer Verfügung schon klar geregelt zu sein. Dann hilft die informierte Vertrauensperson - per Verfügung mit einer Vollmacht ausgestattet natürlich. Auch ohne Verfügung ist der von mir oben schon beschriebene mutmaßliche Wille durch solche Gespräche klarer. Wie in diesem Fall vermutlich...

@nelumbo

Ja.
Aber in der Regel, weiß man es nicht. Eine Patientenverfügung kann bei der Entscheidung helfen, aber auch nicht alles regeln.
Herz und Verstand sollte man auf jeden Fall haben. Und sofern man dann kann, sich in den Betroffenen versetzten.
In diesem konkreten Fall kann es aber keine Entscheidung geben, die von allen akzeptiert wird.

Der Mordvorwurf ist aber völlig abstrus. Man kann höchstens je nach Ansicht von unterlassener Hilfeleistung sprechen.
Die Eltern haben alle Unterstützung verdient, die sie brauchen, aber sie scheinen mir schlecht beraten.

Darf sterben? Wie alt ist die Meldung denn?

Das hat der Französische Gerichtshof schon vor mehr als einen Monat so, im Sinne der Krankenkasse. Die Eltern wollen unbedingt die Lebenserhaltung weiterführen doch die Ärzte wollen den Patienten unbedingt sterben lassen. Soweit, dass sogar Gerichte damit beschäftigt werden. Und das jemand "Sterben darf" ist mehr als geschmacklos! Als ob der Koma-Patient leiden würde! Das kann man nämlich auch behaupten, dass dem durch die Lebenserhaltung garkein Leid zugefügt wird. So nimmt man ihm bloß die Chance, aus dem Koma zu erwachen! Die Hoffnung stirbt zuletzt...naja, bis ein Richter sie verbietet! Dumm gerichtet.

Gutes Urteil

Ich gehe jetzt einfach mal von mir aus.
Ich selbst möchte nicht über Jahre hinweg künstlich am Leben erhalten werden.....denn das ist kein Leben, nur verlängertes Sterben.

Superdemokrat

Passive Sterbehilfe ist kein Mord ! Artikel richtig lesen würde helfen.

@Jayray

Aus meiner täglichen Berufserfahrung heraus kann ich Ihnen sagen, dass „Sterben dürfen“ in manchen Fällen sogar sehr pietätvoll ist und das Sterben zu begleiten der letzte grosse Dienst den Ärzte, Pflege und Therapeuten ihrem Patienten leisten dürfen. Es ist mit nichten „geschmacklos“.

Sterben lassen

Was bilden sich diese Eltern ein ? Mit Liebe zu ihrem Kind kann das nichts zu tun haben,sonst würden sie ihn gehen lassen.Das mit der Religion zu begründen,ist auch nicht glaubhaft,denn NUR die moderne Medizin hält den Patienten am Leben,nicht eine höhere Macht.

@Klosterbruder

„Die Eltern haben alle Unterstützung verdient, die sie brauchen, aber sie scheinen mir schlecht beraten.“

Sehe ich ganz genau so. Die Anwälte verdienen halt leider nur wenn das Verfahren weiter geführt wird.

21:08 von Jayray

"Und das jemand "Sterben darf" ist mehr als geschmacklos! Als ob der Koma-Patient leiden würde!"

Ich nehme an, dass er - psychisch - sehr leidet. Ich stelle mir das wie eine Höllenqual vor.

Richtige Entscheidung!

Die Eltern handeln nicht im Sinne ihres Sohnes, sondern im Sinne ihrer eigenen erzkatholischen Ansichten, das wird in diesem Fall einfach sehr, sehr deutlich. Die Ehefrau hat aller Voraussicht nach eine deutlich bessere Einsicht darin, was ihr Mann sich mutmaßlich wünschen würde. Und nach 11 Jahren Wachkoma würden sich vermutlich die meisten nicht erz-konservativen Menschen wünschen, dass das Leid endlich beendet wird...

Die Eltern haben schlicht nicht das Recht, ihre religiösen Befindlichkeiten anderen - auch nicht ihrem volljährigen und verheirateten Sohn - aufzuzwingen. Wie fanatisch die Eltern sind, zeigt sich schon in ihrer Reaktion auf das Urteil...

21:28 von maurice13

"Was bilden sich diese Eltern ein ? Mit Liebe zu ihrem Kind kann das nichts zu tun haben,sonst würden sie ihn gehen lassen.
Das mit der Religion zu begründen,ist auch nicht glaubhaft,denn NUR die moderne Medizin hält den Patienten am Leben,nicht eine höhere Macht."

Na ja - soweit kann ich mich in religiöse Menschen hineindenken, dass sie vielleicht annehmen, dass die moderne Medizin auch ein Geschenk Gottes ist, um Menschen länger am Leben erhalten zu können.

@ Jayray - Verschwörungstheorie

Wirklich unnötig ihr Kommentar. Ich glaube Ihnen nicht, dass das Gericht zur Schonung der Krankenkasse entschieden hat. Wie absurd diese Behauptung. Abgesehen davon streiten sich zwei Gruppen Angehörige vor Gericht - wie Sie dem Artikel entnehmen können. Und zu guter Letzt ist bei den meisten Patienten die sich nicht mehr selbst ernähren können völlig klar, dass sich dieser Zustand nicht mehr ändert. Überraschungen oder "Wunder" gibt es nach Monaten oder Jahren nicht.

Lebender Toter oder toter Lebendiger?

Man kann auch einen 90-Jährigen mit multiorganem Versagen (MODS) theoretisch noch 30 Jahre am Leben halten. Das wäre aber ebenso unvernünftig wie beim Koma-Patienten.

Und wer hat denn die moralisch höherwertige Entscheidungsbefugnis - die Ehefrau, die Eltern oder die Kinder? Diese Frage stellt sich bei 10.000 (!) Koma-Patienten in Deutschland.

Die andere Frage ist, ob man auf diesem Gebiet die gleiche (vernünftige) Praxis anwenden soll wie im europ. Ausland bei Organspenden praktiziert: keine Verfügung - dann dürfen Organe entnommen werden.
Auf Koma-Patienten angewendet hiesse dies, keine Verfügung - dann darf die Medizin über entsprechende Maßnahmen entscheiden (inkl. Organentnahmen).

Wenn ich das Kind wäre, würde

Wenn ich das Kind wäre, würde ich von meinen Eltern, die ich liebe nichts verlangen können, was sie nicht übers Herz bringen.

@ 21:28 maurice13

Ein wenig mehr Respekt würde nicht schaden: Diese Eltern "bilden sich nichts ein", wie Sie es nennen; sie stehen in einem ethisch-religiösen Konflikt - und auch wenn Sie und ich und viele andere Herrn Lambert aus der Distanz wünschen, dass er gehen kann, sollte man über die nächsten Angehörigen und ihre inneren Konflikte mit Respekt und Achtung sprechen und schreiben.

Wo bleibt eigentlich das Menschsein?

Stellen Sie sich vor, dass Ihr Kind oder Bruder warm, selbstständig atmend, mit guter Gesichtsfarbe und geöffneten Augen im Bett liegt. Wie im Fall dieses Patienten. Sollten Sie nun die Einstellung der lebenserhaltenen Maßnahmen anordnen, wird Ihr Angehöriger verhungern und verdursten gelassen. Unter ärztlicher Begleitung. Diese Vorgehensweise wurde vor einigen Wochen erläutert, als die Eltern den letzten Klageweg beschritten. Das Sterben dauert dann ein paar Tage. Denn Sie können ja nicht einfach die künstliche Beatmung abstellen. Stellen Sie sich dieses Szenario vor. In der größten Not, wird der Mensch von seiner Familie allein gelassen. Wo bitte bleibt hier das Menschsein? Meine Mutter lebt in einer geschlossenen Demenzabteilung. Dort befinden sich auch bereits Patienten im Alter von 50 oder 60 Jahren. In verheerender geistiger Verfassung, ohne Perspektive auf Heilung. Müssen wir diese Menschen dann demnächst aus Gründen der Vernunft auch sterben lassen? Ein furchtbarer Gedanke.

@21:28 von maurice13

"Was bilden sich diese Eltern ein ? Mit Liebe zu ihrem Kind kann das nichts zu tun haben,sonst würden sie ihn gehen lassen.
Das mit der Religion zu begründen,ist auch nicht glaubhaft,denn NUR die moderne Medizin hält den Patienten am Leben,nicht eine höhere Macht."

Ich Weiss nicht, was sich diese Eltern einbilden. Ich denke es sind Eltern. Eltern haben eine besondere Beziehung zu Kindern.

Ich denke in diesem besonders tragischen Fall sollte man niemanden angreifen oder tadeln. Gefuehle lassen sich eben auch durch ein Gerichtssurteil nicht beseitigen.

Ich wuensche dem Betroffenen ein gutes Sterben, denn er ist der einzige, der nicht befragt werden konnte.

@20:32 von Superdemokrat

"es gibt keine ...
Verfügung...also wäre es Mord..."

Das ist falsch. Ich bin zwar keine Juristin, aber hier käme aus meiner Sicht allenfalls unterlassene Hilfeleistung in Betracht.

Es gibt aber eben auch Hilfe, die mehr schadet als nutzt.

@21:36 von Dennis K.

"Die Eltern handeln nicht im Sinne ihres Sohnes, sondern im Sinne ihrer eigenen erzkatholischen Ansichten…"

Woher wissen Sie das. Die Eltern handeln als Eltern. Der Sohn kann nicht befragt werden, die Frau wird sich wohl einen Mann suchen. Ich finde es eher ruehrend, dass sich Eltern um Ihre Kinder kuemmern.

Der Fall ist tragisch und man sollte sich mit Anschuldigungen zurueckhalten.

Ich wuensche niemanden

in eine solche Situation zu kommen.

Fuer mich ist das einfach nur tragisch. Eltern, die verstaendcherweise um jeden Preis fuer Ihr Kind kaempfen. Was sonst sollten Eltern tun. Mediziner, die vernuenftigerweise anderes anraten.

Es ist mir nicht moeglich den Superschlauen zu spielen.

@20:42 von DemokraSte

//@ nelumbo
Ich würde tun was der Betroffene wollen würde.//

Ich auch - eben aus Liebe. Alles andere ist Egoismus.
Ich weiß, dass das nicht so einfach ist, wie es klingt, wenn man von einem geliebten Menschen Abschied (für immer) nehmen muss.
Auch wenn man es aus Angst, es später zu bereuen, nicht will, bleibt es Egoismus, denn dann geht es ja wieder nur um das eigene Wohl. Aber selbst das ist menschlich.

Darstellung: