Ihre Meinung zu: 75 Jahre "Chinesenaktion": Das Ende von Hamburgs Chinatown

13. Mai 2019 - 7:20 Uhr

In den 1940er-Jahren gab es in Hamburg ein lebendiges Chinesenviertel - bis zu einer brutalen Razzia der Gestapo im Jahr 1944. Einziges Überbleibsel ist die "Hong-Kong"-Bar in St. Pauli. Von Barbara Jung und Simona Dürnberg.

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Kommentare

Ich habe davon nichts gewusst.

Das ist nie ein Thema gewesen.
Ich bin entsetzt darüber, was alles aus der Geschichte verschwinden kann.

Tja, wir sind zwar besser als die Meisten

was die Versuche angeht unsere Untaten wenigstens halbwegs wieder gut zu machen, aber noch lange nicht wirklich gut.

Viele der geschädigten waren in etwa eine Generation mit vielen Politikern, die nach dem Krieg den Hakenkreuzanstecker am Revers gegen andersfarbige Parteibücher tauschten und dann im Bundestag saßen.

Teils aus Selbstschutz, teils aus Scham wurden so wahrscheinlich viele Verbrechen totgeschwiegen und nie gesühnt, solange bis sowohl Täter als auch überlebende Opfer der Zeit zum Opfer gefallen sind.

Und an diesem Punkt muss man der Bundesrepublik versagen vorwerfen, denn wer bis heute nicht entschädigt wurde wird es wohl nie, denn wer heute noch lebt war damals ein Kleinkind.

DankBar

Ja, es wird sogar immer wichtiger, solche Geschichten zu erzählen.
Es macht einen fassungslos, zu sehen, daß heute wieder die gleichen Töne angeschlagen werden dürfen, wie es Anfang der 1930er Jahre die Nazis taten. Leute (oder Trolls), die vorgeben, für die Demokratie zu sein, fordern freies Geleit für demokratiefeindliche Neonazis.

Danke für diesen Artikel, dank an Marietta Solty und dank an die Menschen, die dafür Sorge tragen, daß Leute, die fordern, daß man die "alten Geschichten" doch endlich mal ruhen lassen sollte, nicht mehr zu Wort kommen. Mittlerweile ist das keine Zensur oder "Meinungs"-unterdrückung mehr, sondern ein Notwendigkeit. Meiner Ansicht nach.

Alles Gute für Marietta Solty und ihrer Familie.

Warum Meldung in Auslandsrubrik?

Der eigentliche Skandal ist die Demütigung der Opfer (nicht nur der chinesischstämmigen!) nach dem Krieg durch die westdeutschen Behörden.

Hamburg lebt seit jeher von Asien: Tee!

Wovon leben viele Hamburger Kaufleute bis heute? Von Produkten aus Übersee, z.B. auch Tee.

Der Angriff der verirrten Nazi-Schergen auf St. Paulis China Town war also ein Angriff auf das Herz und die Seele Hamburgs, auf die Lebensgrundlage.

Dass die Nazis im Grunde eine selbstverletzende, pathologisch autodestruktive Meute waren, wird gerade hier an Hamburgs China Town deutlich.

Es verwundert auf diesen Hintergründen durchaus, dass der ehemalige Wissenschaftssenator des damaligen Rechtssenats Herr Dräger ausgerechnet den Fachbereich Sinologie der Hamburger Uni streichen wollte, da er dies für ZITAT ein Orchideenfach hielt. Dabei ist eine der wichtigsten Partnerstädte Hamburgs...

Shanghai.

Ein weitgehend unbekanntes Kapitel

der deutschen Geschichte. Wie so viele andere habe ich nie davon gehört. Und es soll wieder in diese Richtung gehen, wenn es nach Neonazi-affinen Politikern geht. Frei nach Brecht: Der Schoß, aus dem diese Brut kam, ist noch nicht trocken.
Also Augen auf, wenn wieder Fremdenangst geschürt wird!

Repressalien

Wo ist der Unterschied zwischen Chinesen in Deutschland nach der Kriegserklärung von China an Deutschland und der Kriegserklärung Japan an den USA. Es gibt kein Unterschied , auch die Japaner in den USA kamen in Lagern und waren Repressalien von Seiten der USA ausgesetzt,

Chinatown in Hamburg

Was hat die USA im zweiten Weltkrieg mit den japanischesrämmigen Bürgern gemacht? Das wird gerne verschwiegen. Wer als Japaner während des Zweiten Weltkrieges in den USA lebte, oder in sonstigen von denen besetzten Ländern, wurde enteignet und kam auch in Lager , die man durchaus auch als Konzentrationslager bezeichnen kann. Auch in anderen Staaten war das so üblich , dass Menschen aus den Ländern mit den Krieg geführt wurde nicht nur Misstrauen entgegengebracht wurde.

09:05, Möbius

>>Der eigentliche Skandal ist die Demütigung der Opfer (nicht nur der chinesischstämmigen!) nach dem Krieg durch die westdeutschen Behörden.<<

Die Behörden agierten aufgrund von Gesetzen. Die Gesetze machte, wie heute, der Bundestag. Im Bundestag saßen damals wie heute gewählte Abgeordnete.

Der Umgang mit den Opfern der Nazis spiegelte das damalige gesellschaftliche Klima wider.

Die 68er kamen nicht von ungefähr.

Traurige Wahrheit

Schön, dass man hier über diese vergessenen Verbrechen berichtet. Wir sollten wachsam sein und unsere Geschichte nicht vergessen. Ein Lob an die Journalisten, die auch so etwas recherchieren!

Es doch üblich. daß Menschen

Es doch üblich. daß Menschen "interniert" werden, welche dem Feind zugerechnet werden. In allen kriegführenden Ländern wurden zahlreiche "Internierungslager" eingerichtet, in denen Angehörige feindlicher Nationen über Jahre festgehalten wurden - das ist nun wirklich nicht neu. Die Angst vor Spionage oder Sabotage war auch nicht unbegründet und wurde von den Medien auch täglich geschürt. ( Psst ! Feind hört mit ! Plakate waren noch bis in die 50er Jahre an manchen Mauern zu sehen). Es ist leider so, daß in Kriegen meistens die Unschuldigen leiden dürfen, doch das ist weltweit so - und warum sollte es in Deutschland anders und besser sein ?

Alles restlos aufarbeiten

Es muss alles minutiös aufgearbeitet werden.

09:54, pwk

>>Was hat die USA im zweiten Weltkrieg mit den japanischesrämmigen Bürgern gemacht? Das wird gerne verschwiegen.<<

Abgesehen davon, daß es nicht verschwiegen wird, was hat jetzt genau die Behandlung von Chinesen in Hamburg mit der Behandlung von Japanern in den USA zu tun?

@um 09:40 von 3006

"Es gibt kein Unterschied , auch ..."
Und, ist es deswegen besser wenn andere es auch so gemacht haben, oder machen.
Hass ist einfach nur falsch, egal weshalb und wogegen!

09:50, Sisyphos3

.>>08:38 von Elitedemokrat
„pass auf! die haben alle Messer! und klauen!“ ...
.
jede Zeit hat so ihre eigenen Sprüche und Vorurteile
wenn man das weiß !!
kann man was dagegen tun und gegensteuern
man sollte es nur wissen auch in unserer heutigen Zeit
wenn man natürlich nur arrogant auf seinem hohen Ross sitzt
wir sind die Guten haben keine Fehler ....<<

Wer genau behauptet jetzt, die Guten zu sein und keine Fehler zu haben?

09:40, 3006

>>Repressalien
Wo ist der Unterschied zwischen Chinesen in Deutschland nach der Kriegserklärung von China an Deutschland und der Kriegserklärung Japan an den USA. Es gibt kein Unterschied , auch die Japaner in den USA kamen in Lagern und waren Repressalien von Seiten der USA ausgesetzt,<<

Die aber auch, die aber auch, die aber auch!

Du liebe Güte, sind wir hier denn im Kindergarten?

---Am 13. Mai 1944 eskalierte

---Am 13. Mai 1944 eskalierte die Verfolgung in der sogenannten "Chinesenaktion"---

--- Unter den Verhafteten war auch Chong Tin Lam. Er wurde wie viele andere in ein Arbeitserziehungslager gesteckt und misshandelt. Ihr Vater sei danach nicht mehr derselbe gewesen, sagt Marietta: "Früher war er lebenslustig und aufgeschlossen, jetzt zog er sich vollkommen zurück, traf sich mit niemandem mehr." ---

---Ohne Schutz im Bombenkrieg. So erging es auch Marietta Solty. Ihre Geburt im Jahr 1942 fiel in die Zeit des Bombenkriegs.---

Erstaunlich wie weit 2 Jährige Kinder schon sein können, so dass sie sogar eine Wesensveränderung durch eine Verhaftung bemerken können.

---Den Hamburger Behörden jedoch waren die Männer aus Asien ein Dorn im Auge. Sie vermuteten Opiumhandel und zwielichtige Geschäfte, meist zu Unrecht.---

wie oft war diese Vermutung denn richtig? In 49,9% der Fälle? Wie viel ist meist?

10:21, Quakbüdel

>>Es doch üblich. daß Menschen "interniert" werden, welche dem Feind zugerechnet werden. In allen kriegführenden Ländern wurden zahlreiche "Internierungslager" eingerichtet, in denen Angehörige feindlicher Nationen über Jahre festgehalten wurden - das ist nun wirklich nicht neu. Die Angst vor Spionage oder Sabotage war auch nicht unbegründet und wurde von den Medien auch täglich geschürt. ( Psst ! Feind hört mit ! Plakate waren noch bis in die 50er Jahre an manchen Mauern zu sehen). Es ist leider so, daß in Kriegen meistens die Unschuldigen leiden dürfen, doch das ist weltweit so - und warum sollte es in Deutschland anders und besser sein ?<<

Ja klar.

Überall anders war es ganz genau so.

Alles ganz normal.

Das dritte Reich, der zweite Weltkrieg...

10:40 von fathaland slim

Wer genau behauptet jetzt, die Guten zu sein und keine Fehler zu haben?
.
wenn man hier so die Beiträge liest
kann man schon den Eindruck gewinnen alles was wir hier und heute tun ist gut
früher und in anderen Ländern/Kulturen war/ist alles schlecht
gelegentlich noch der Wunsch denen die richtige Sichtweise einzubläuen

Mir denkt...

Es geht um die fachistoide Gesinnung, nicht um aus Kriegsituationen sich heraus ergebendes Misstrauen entsprechende Behandlungen der Angehoerigen eines feindlichen Stammes, pardon Landes, im eigenen Territorium. Ja, es ist alles affig. Aber am affigsten ist der Rassismus, der Nationalstolz, der Nationsozialismus, der pure Fremdenhass - und darauf baute Hitler, und imo darum geht es auch in diesem Artikel. Darueber gibts eigentlich nichts abschwaechendes oder relativierendes zu diskutieren, sondern der Fortgang dessen und wie man es eindaemmt.

Demokratie lebt vom Miteinander, nicht vom Regiertwerden

"In ihrer Bar sei sie [Marietta] ganz nah dran, habe den Eindruck, dass es immer schlimmer werde: "Die Menschen haben nichts dazu gelernt, ich mache mir Sorgen, allein wegen meiner Kinder, Enkelkinder und Urenkelkinder""

Und dass von "politisch interessierter Seite", die gerade mächtig Aufwind hat alles unternommen wird, um die Menschen daran zu hindern dazuzulernen, insbesondere mit Desinformationskampagnen, macht es ganz bestimmt nicht besser.

Heute auf TS zu lesen: "Wir erleben ein digitales Wettrüsten. Europa muss sich darauf einstellen"

Wenn wir die Chancen der IT statt für „digitales Wettrüsten“ und Kampagnen, die allein dem Ziel dienen, festzulegen von wem wir die nächsten Jahre „regiert werden“ und anschließend dazu, unserer Empörung über die Regierenden und übereinander und überhaupt alle, die nicht exakt die gleichen Ansichten haben wie wir zur Abwechslung mal konstruktiv zum Organisieren einer Demokratie (z.B. nach irischem Modell) nutzen würden, wäre schon viel gewonnen.

Hätte nie gedacht, dass so eine Episode...

...gleich dermaßen viele Relativierer auf den Plan ruft.

Ich bin ja Historiker und habe trotzdem nie von dieser Episode der NS-Geschichte gehört. Aber dass sie so unbekannt ist, passt ins Schema.
Was nämlich schmerzhaft auffällig ist, ist die Tatsache, dass viele Menschen Migration für ein ganz neues Phänomen halten.

Die Mehrzahl der Erwachsenen ist in einem Deutschland aufgewachsen, das von einer massiven ethnischen Säuberung völlig verändert worden war und in dem sich zunächst nur extrem marginalisierte Zuzügler etablierten. Und da das, was man in der Kindheit kennt, psychologisch den /status quo/ darstellt, erscheint Migration auf einmal als dieser moderne Schnickschnack, über den sich so viele Jugendliche nicht mehr aufregen, weil sie es eben nicht anders kennen.

Was diesen /status quo/ in Frage stellt - i. e. dass die Migrationsgesellschaft schon, wenn auch in geringerem Ausmaß, immer da war - das ruft Ablehnung hervor. "Die paar Chinesen" passen nicht ins Bild.

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