Ihre Meinung zu: Viele pflegende Angehörige an der Grenze der Belastbarkeit

8. November 2018 - 14:20 Uhr

Die Pflege eines Angehörigen ist emotional und körperlich für viele Menschen so belastend, dass sie kurz davor stehen, aufzugeben. Die Barmer Krankenkasse nennt die Ergebnisse ihrer Umfrage "besorgniserregend".

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Grundsätzlich falscher Ansatz

Da besitzt doch die Krankenkasse die Frechheit zu behaupten, ohne die Angehörigen ginge es nicht. Entweder sind die Angehörigen gleichaltrige Ehepartner, oder es handelt sich um die Kinder, die selbst noch mit Familie und Beruf voll ausgelastet sind. Die Generation Hausmütterchen, dem man Mal eben auch noch die Pflege von Eltern und Schwiegereltern aufdrückt, gibt es nicht mehr.

Und es ist ein absoluter Trugschluss, der pflegebedürftige Senor finde es toll, Rundumbeschäftigung seiner Frau oder Kinder zu sein.

Ganz abgesehen von Pflegefehlern und gerade der Vereinsamung der immobilen Person.

Es müssen verschiedene Wohnprojekte für den letzten Lebensabschnitt vorbehalten werden. Punkt.

Unterstütungsangebote?

Die gute Unterstützung gibt es doch nur auf dem Papier! Ich habe alle Pflegedienste in meiner Stadt abtelefoniert weil ich gerne die Hauswirtschaftliche Unterstützungsleistung in Anspruch nehmen würde. Waschen, putzen, bügeln, 2 Stunde alle 14 Tage. Das wäre eine ENORME Unterstützung für mich, aber es gibt niemanden, der das macht! Da im gleichen §§ auch geregelt ist, die Pflegeperson beim Einkaufen zu unterstützen oder mit ihr spazieren zu gehen oder mit ihr Gesellschaftsspiele zu spielen, wollen alle nur das machen.
Ein Dienst hat mir gesagt, "es rechne sich nicht" die hauswirtschafltichen Leistungen anzubieten... Ich sag da nur: Wie bitte? Es gibt von der Kasse, ich glaube 34,00 Euro, auf jeden Fall über 30. Die Hilfskraft bekommt nur Mindestlohn. Und dann lohnt es sich für den Dienst nicht mehr. Sie kommen mit ca. 20,00 Euro/Stunde für die Organisation und Verwaltung nicht aus.
Ich würde gerne selber einen Dienst gründen, nur für Hauswirtschafshilfe. Leider sind die Hürden ENROM.

Und in anderen bahnbrechenden Neuigkeiten...

...Wasser ist nass.

Als selber pflegendes Familienmitglied muss ich herzlich, aber bitter lachen, wenn ich das hier lese. Unser zu pflegendes Familienmitglied ist noch mobil genug, um Mist zu bauen, aber bedürftig genug, um pausenlose Bereitschaft erforderlich zu machen.

Momentan befinde ich mich vor dem Abschluss der Doktorarbeit und dem Einstieg ins Berufsleben. So konnte ich lange von zu Hause arbeiten. Sonst wäre das nicht gegangen. Und wenn die Familie nicht Geld hinzugeben würde, wäre ich erledigt - durch die Pflege bin ich ans Haus gefesselt, aber das Pflegegeld entspricht grundsätzlich nur der Hälfte dessen, was eine Pflegekraft bekäme. Mit anderen Worten bekomme ich für meine Arbeit kaum genug zum Leben. Ich mache einen Vollzeitjob für Teilzeitbezahlung, schlafe nur noch in Ausnahmefällen durchgehend, und habe vor Stress etwa 10 Kilo verloren.

Im Hinblick darauf, wie schwer es einem in dieser Tätigkeit gemacht wird, halte ich diese Alarmschlagerei für nahezu heuchlerisch.

Viele pflegende Angehörige ...

und viele zu pflegende Leidende ebenfalls - hier zumindest, im Umkreis von 50 m mindestens 10 bekannte und sicher mindestens eben so viele unbekannte Alte, Gebrechliche, liegen in ihren Wohnungen, können diese nicht mehr verlassen, scheuen trotz dem das angestammte zu verlassen. Sehen außer dem Pflegedienst allenfalls mal den Paketdienst, wenn sie denn noch flugs genug zur Tür kommen um ein Paket für die Nachbarn entgegen zu nehmen - dieses Elend der viel zu früh begrabenen noch untoten Kriegsjahrgänge ist auch kaum zu ertragen.
Unser bestorganisiertes und es allen recht machen wollendes Land hat so viel Schwächen, man mag es nicht glauben udn wissen erst Recht nicht.

Meine Grenze ist überschritten. Mehrfach

Pflegedienst? Meine Mutter hat 3 Pflegedienste vergrault bevor der letzte mögliche endlich geblieben ist. Es ist nämlich nicht die Aufgabe der Pflegeperson Exkremente vom Fußboden aufzusammeln und von den Möbeln und Wänden zu putzen.
Dazu kommt, dass wir im 3Länder Eck leben. Pflegedienste aus Hessen und Bayern nehmen grundsätzlich keine Thüringer Patienten weil für die weniger bezahlt wird.
Dieser Zuschlag für putzen etc? Bei uns sind da. 6000 € aufgelaufen aber es gibt niemanden der das macht.

Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem mein Vater nicht mehr da ist.....dann muss Mutter eigentlich ins Heim denn ich werde nicht mit ihr fertig. Was mache ich nur, wenn ich keinen Platz für die finde?

Sie kann nicht allein bleiben und ich kann nicht bei ihr bleiben. Sie treibt mich in den Wahnsinn. Ich gebe ihr 2 Wochen dsnn hat die mich in die geschlossene gebracht. Von dem Geruch nach biologischen Abfallprodukten in der Wohnung bekomme ich Asthmaanfälle....

Medien und Politik ...

... romantisieren die häusliche Pflege und verteufeln die stationäre Pflege. Seit Jahren werden die Pflegebedürftigen durch Kostenanreize in den häuslichen Bereich gelenkt.

Wer in Ambulanten Diensten arbeitet sieht, wie schlecht viele Menschen in häuslicher Umgebung versorgt werden.

Viele Angehörige meinen es gut, andere möchten Geld sparen und die Politik hat Angst vor den steigenden Kosten der Sozialhilfe für Heimbewohner.

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Deutsche Politik oder: Die Einsamkeit der Einzelkämpfer

@Kurt von Hammerstein, 16:30:
„Im Hinblick darauf, wie schwer es einem in dieser Tätigkeit gemacht wird, halte ich diese Alarmschlagerei für nahezu heuchlerisch.“

Ist sie. Aber typisch Politik: Jede Menge „gute Tipps“ (gerne auf einer Vielzahl bunter Broschüren), noch mehr Formulare und dazu jede Menge oft völlig weltfremder, dafür aber penibel einzuhaltender Vorgaben (in der Politik geht es schließlich so gut wie ausschließlich ums Geld...).

Und dann heißt es offenbar - mit diesem Gefühl dürften Sie nicht allein sein:
„Nun seht mal selber zu, wie ihr klarkommt.“

Diese Art Politik braucht kein Mensch. Umso größer mein Respekt für Menschen wie Sie, die das allen o.g. Widrigkeiten zum Trotz oft bis zur Selbstaufgabe versuchen.

@eli, 15:52
„Es müssen verschiedene Wohnprojekte für den letzten Lebensabschnitt vorbehalten werden. Punkt.“
Das ist, wie bereits zahlreiche TV-Dokus - insbesondere auch aus dem Ausland (z.B. im „Europamagazin“) - gezeigt haben, wirklich ein sinnvoller Ansatz.

Ich habe

meinen Mann bis zu seinem Tod im März zu Hause gepflegt. Morgens und Abends kam für eine halbe Stunde ein ambulanter Pflegedienst. Ansonsten ist man mit der Pflege allein. Erwachsene Kinder und Freunde sind berufstätig und können nur am Abend und am Wochenende unterstützen.

Was in dieser “Umfrage“ überhaupt nicht zur Sprache kommt, ist der Kampf mit dem MDK. Trotz sichtbar schneller Verschlechterung des Gesundheitszustandes (ALS) meines Mannes wurde jeder Erstantrag auf Erhöhung des Pflegegrades abgelehnt. Das heisst: Widerspruch - neuer Antrag - neue Begutachtung.
Haltegriffe in der Dusche mussten wir selbst bezahlen, da wir die Zeit für Antragsbearbeitung und Genehmigung einfach nicht abwarten konnten. Eine rückwirkende Erstattung gab es nicht.
Am allerschlimmsten aber war für mich der Schlafmangel.
Trotzdem waren und sind wir alle froh, dass wir den Herzenswunsch meines Mannes - zu Hause in vertrauter Umgebung sterben zu dürfen - erfüllen konnten.

unterschätzt... aber auch "in Ordnung so"

Ja, die Studie unterschätzt einerseits bestimmt noch die Belastung vieler Pflegender. Und da braucht es noch mehr praxisnahe Unterstützung (wichtige Punkte wie Entbürokratisierung von Höherstufungen, rückwirkende Kostenerstattungen usw. usw. wurden schon genannt).

Andererseits ist es auch in Maßen "in Ordnung" bzw. "normal", daß Allein-Pflegende "überfordert" sind, nämlich in dem Sinne, daß viele pflegebedürftige Menschen nicht ohne massive professionelle Hilfe, d.h. Zusammenarbeit, gepflegt werden können - sonst ist es eben überfordernd. Und die Lösung ist dann tatsächlich, daß Pflegende Aufgaben abgeben (können!), ob durch zusätzliche ambulante Unterstützung oder eben eine stationäre Aufnahme des Gepflegten. Und für genau diese beiden Formen professioneller (!) Hilfe brauchen Angehörige einen leichteren Zugang (Informationen und v.a. Verfügbarkeit!!!), um sich nicht zu überlasten...

An der Grenze?

Sie schreiben, viele, die Angehörige Pflegen, seien an der Grenze der Belastbarkeit und dächten ans Aufgeben.

Liebe TS, wenn Menschen ans Aufgeben denken, dann sind sie bereits über die Grenzen der Belastbarkeit hinaus gegangen und haben sich selbst bereits Schaden zugefügt.

Denn: an der Grenze der Belastbarkeit, da ist der Gedanke aufzugeben nicht denkbar.

Man übt auf sich selbst Druck aus - und vor allem: andere tun das auch - mit Vorliebe jene, die sagen: ich würde meine liebe Mami nie in ein Pflegeheim geben - aber eben nicht in der Lage sind.

Wenn Angehörige den Gedanken ans Aufgeben wagen - dann hätten sie schon lange davor Hilfe gebraucht!

Pflegende Angehörige

Warum spricht bei dem Thema niemand von den vielen Eltern, die ihre behinderten Kinder betreuen und versorgen? Seit nunmehr 22 Jahren kümmer ich mich um meine schwerbehinderte Tochter. Zwei Herzstillstände, hunderte von epileptischen Anfällen, tausende schlaflose Nächte ... trotzdem geben viele Eltern, wie auch ich, nicht auf. Und dann habe ich auch noch die Aussicht, auf eine Rente auf Grundsicherungsniveau...
Auf der anderen Seite möchte ich trotzdem anmerken, dass ich dankbar bin für die Medikamente, die gute orthopädische Versorgung, die Möglichkeit der freien Facharztwahl, die Behindertenwekstätten, und vieles mehr.

meine Großeltern wurden bei

meine Großeltern wurden bei uns zuhause gepflegt. Ich dachte damals, wir sind die einzige Familie, die solche Probleme hat. Ich habe mich als Jugendliche nicht getraut Freunde einzuladen, weil manchmal Kot rumlag. Es war schlimm, überlastete Eltern zu haben.

Es wäre schön gewesen, es hätte eine Selbsthilfegruppe gegeben, bei der man sich gegenseitig geholfen hätte.

Manchmal wäre es hilfreich zwischendurch einfach mal zu tauschen. Manche Leute benehmen sich fremden gegenüber sehr viel netter als den eigenen Kindern gegenüber.

Auch kann man manchmal zwei alte Leute gleichzeitig betreuen, statt jeder hockt mit seinem Problem alleine zuhause.

Jetzt gehe ich manchmal zu meiner alten Nachbarin, weil ich weiß, wie sehr das hilft.

Meine Grenze ist überschritten

@ Lyn
Sie haben leider nicht ihr Alter und das ihrer Eltern angegeben. Vielleicht sollten sie jetzt schonmal ein Pflegeheim suchen. Die Zeit würde für sie arbeiten. Ihr Vater wäre entlastet und könnte die noch guten Zeiten mit seiner Frau geniessen. Sie hätten die Möglichkeit zu schauen, ob es das richtige ist, oder ob sie weitersuchen müssen. In dem Moment, wo ihr Vater stirbt, haben sie wahrscheinlich nicht die Gelassenheit alles zu regeln.

Eine wahnsinnige Belastung

Ich bewundere die Menschen, meisst Frauen die das machen. Aber oft bleibt ihnen garnichts anderes übrig, da der Mann der Hauptverdiener war und wenn er im Heim lebt fehlt das Geld. Tagespflege gibt es wenig, da bekommt man kaum einen Platz und ist jemand ans Bett gefesselt, eh nicht. Manche sind dement und aggressiv, sehr belastend. Ja und auch der MDK hat seinen Teil hier zu tragen, weil zu Hause die Höherstufung oft abgelehnt wird. Warum die so viel zu sagen haben ist mir schleierhaft, die zahlen nur medizinische Dinge, den eigentlichen Teil zahlt der Mensch, die pflegekasse und das Sozialamt. Es gibt bessere Systeme, Norwegen usw.

@21:17 von MariaMagdalena

"Auf der anderen Seite möchte ich trotzdem anmerken, dass ich dankbar bin für die Medikamente, die gute orthopädische Versorgung, die Möglichkeit der freien Facharztwahl, die Behindertenwekstätten, und vieles mehr."

Die Behindertenwerkstätte sind aber immerhin eine Entlastung, auf die Pflegende von siechen oder dementen Patienten nicht zurückgreifen können. Und vergessen Sie bitte nicht, dass viele Pflegende selbst oft schon ein Alter erreicht haben, in dem sich gesundheitliche Probleme häufen.

Wenn jemand für die Pflege

Wenn jemand für die Pflege eines Angehörigen seinen Beruf aufgibt (bzw. vorübergehend aufgeben muss), dann sollte für diese Zeit von der Pflegeversicherung auch der Rentenbeitrag übernommen werden.

>2030

Wie soll denn das weitergehen, wenn die Babyboomerjahrgänge in Rente gehen? Für mich macht das den Eindruck: Planlos in die Zukunft.

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