Ihre Meinung zu: Kommentar zur Pflege-Prämie: Verlockend, aber nicht genug

17. Mai 2018 - 16:29 Uhr

Mit Geldprämien will der Pflegebeauftragte Westerfellhaus mehr Personal für die Pflege gewinnen. Das klingt verlockend, wird aber nicht reichen, meint Dirk Rodenkirch.

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Kommentare

Eigene Erfahrung

Ich habe viele Jahre mit Leib und Seele in der Krankenpflege gearbeitet. Die Situation änderte sich, als die Klinik von einem privaten Konzern übernommen wurde. Die Schichtstärke wurde bis zum Äußersten nach unten und die OP-Zahlen enorm nach oben gefahren.
Diesen Mehraufwand hatte ich im Betriebsrat dem Geschäftsführer gegenüber bemängelt.

Sein Kommentar: "Dann muss halt die Schwester schneller laufen!"

Die Pflege, die ich gelernt habe, konnte ich nicht mehr anwenden. Wir haben nur noch durchgeschleust, gepflegt wurde wie am Fließband und betreut gar nicht mehr.

Weihnachts- und Urlaubsgeld wurde gestrichen, die Zusatzversorgung reduziert.

Ich schlage vor, dass Pflegekräfte früher in Rente gehen dürfen. Das würde den Beruf wenigstens etwas attraktiver machen und wäre näher an den realen Verhältnissen.
Man macht sich in diesem Job frühzeitig kaputt. 30 Jahre in der Pflege wären mehr als genug!

Als erstes mus eine

Als erstes mus eine Angleichung aller Gehälter an die höchsten Tarifgehälter erfolgen.
Dannach muss dieses Gehalt verdoppelt und die Arbeitszeit auf 75% reduziert werden.
Also eine Vollzeitstelle muss höchsten 30 Stunden pro Woche arbeiten.
Teilzeitstellen entsprechend ebenso.
Und dann müssen alle älteren Arbeitslosen, die eine Ausbildung in diesem Bereich beginnen, so gut bezahlt werden, dass sie auch einen eigenen Haushalt führen können, ohne Aufstocken zu müssen und wenigstens den doppelten Mindestlohn bekommen.

Was soll das nun

Was soll das nun wieder?
Pflegekräfte machen einen wichtigen job.
Wenn man den angemessen entlohnt und oordentlice Arbeitszeiten garantiert, bekommt man auch genug Leute. Da spielt es keine Rolle, wie teuer das werden könnte. Solidarität ist das Stichwort. Welcher Geizkragen will denn nicht angemessen betreut werden, falls es ihn selbst trifft?

Pflege

Ich wurde von 1992 bis 1995 zur Altenpflegerin umgeschult. Ich ging damals mit großen Ambitionen in diesen Beruf. Es war zu dieser Zeit schon bekannt, dass tausende Pflegekräfte fehlen. Trotzdem habe ich während meiner Berufstätigkeit immer versucht, das Beste daraus zu machen und unsere alten Menschen so gut es möglich war zu pflegen. Schon damals versprachen unsere Politiker die Pflege zu verbessern. Es ist in den ganzen Jahren nicht passiert, 25 Jahre nichts passiert. Jetzt plötzlich ein Aufschrei!!! Glaubt ihr wirklich, da wird sich was ändern? Alles reine Augenwischerei. Mein großer Dank gilt unseren Plegekräften.Verlasst euch nicht auf die 'gescheiten Politiker",alles Bla, bla was die erzählen, nehmt es selbst in die Hand liebe Pflegekräfte, geht auf die Strasse, eure Arbeit ist viel mehr Wert. Ich bin dabei, obwohl ich schon lange in Rente bin.

Ich möchte hier noch

an die Politik apellieren:

Bitte bedenken Sie, dass es fast unmöglich ist, im Pflegeberuf das volle Rentenalter zu erreichen. Die meisten Pflegekräfte gehen früher entweder aus körperlichen, v. a. Rückenproblemen oder aus psychischen Gründen, Burn out, in EU-Rente.

Das heißt, dass Pflegekräfte für ihren hohen körperlichen und psychischen Einsatz, zum einen wesentlich schlechtere Arbeitsbedingungen, ein im Verhältnis zu geringes Gehalt und durch den hohen Verschleiß Einbußen im Alter hinnehmen müssen.

Das scheint mir das Hauptproblem des Pflegekräftemangels zu sein und ich sehe hier einen wichtigen Ansatzpunkt, um die Attraktivität des Berufs zu verbessern.

Lasst Pflegekräfte z. B. schon mit 60 in Rente gehen, bzw. nach 35 Jahren in der Pflege.
Das wäre eine angemessene Entschädigung für die Plackerei und ein wirklich klares Signal für die gesellschaftliche Wertschätzung den Pflegenden gegenüber.

Das Elend in der Pflege

Das Elend in der Pflege begann m.W. mit der Aussetzung der Wehrpflicht , weil damit auch der Ersatzdienst entfiel. Die Soldaten hat kaum einer wirklich vermißt, doch die "Zivis" haben spürbare Lücken hinterlassen. Es sollte die Wehrpflicht wieder eingeführt werden - ergänzt durch die allgemeine Dienstpflicht für den weiblichen Teil der Bevölkerung. Diese Dienstpflicht muß bei der Truppe - oder aber im Zivildienst abgeleistet werden. Ausnahmen sollten nicht gemacht werden, um die bisher übliche Drückebergerei zu verhindern.

Vielleicht sollten all jene,

Vielleicht sollten all jene, die diesen schweren und verantwortungsvollen Job seit Jahren -teils seit Jahrzehnten- machen, entsprechend gewürdigt werden. Die 5.000€ wären da als Prämie schon angemessen (netto!).

Die auslaendischen Pflegedienste kontrollieren den Markt

von Menschen welche zu Hause Pflege brauchen. Die Firmen nehmen 2500/3000 Euro pro Monat. Das meist auslaendische Personal verdient viel weniger.

Da sollte es Aenderungen geben denn das ersparte Geld ist dann fuer die Gemeinschaft zur Verfuegung.

Wir zahlen grosse Summen fuer die Pflege Versicherungen.

Wann wird in der Verwaltung gespart *es ist ja alles technisch moeglich & das ersparte Geld fuer die Patienten ausgegeben.

Arbeitslose *meist aeltere Menschen welche niemand mehr einstellen will* welche ja auch teilweise von unseren Steuer Geldern bezahlt werden sollten leichte Arbeiten in Altenheimen uebernehmen.

Z.B. Lesestunden, Singstunden, mit den Menschen an die frische Luft gehen usw. sodass der Mensch im Altersheim mehr Lebens Qualitaet hat.

Dazu braucht man keinen Pflegeberuf zu haben.

Den Langzeit Arbeitslosen aelteren Leuten hilft man denn sie muessen ja jetzt bis zum 67 Jahr auf ihre Rente warten. Arbeitslose koennten zusaetzlich etwas verdienen & zur Rente einzahlen.

nix vormachen !

Solange u.a. die Pflege nicht in € zum BIP gerechnet wird, wird sich nichts ändern ! Die betriebswirtschaftliche Republik Deutschland wird auch bei der Pflege keinen Cent über das absolut Unabdingbare hinaus sorgen.
Die Regierenden haben weder den Druck noch ein Interesse daran der "Regierung" bezüglich sozialer und geistiger Arbeit den Auftrag zu besserer Entlohnung zu geben.

Erst mehr und dann mehr

Erst muss es mehr Personal geben und dann muss das Geld stimmen.

2 auf 50 geht nur auf Kosten der Gesundheit der Patienten und des Pflegepersonals!

Wie? Sie halten es nicht für möglich?
Doch, in "bestens" organisierten privaten Krankenhäusern ist das leider oft anzutreffen :(

@ um 16:58 von LiNe

Mit spätestens 60 in Rente ist auch ein guter Vorschlag. Aber die meisten Pflegekräfte bekommen so wenig Gehalt, dass deren Rente kaum höher sein wird als die Grundsicherung.

Wieder am Problem vorbei

Aus dem Artikel:
"Seltsam ist auch die geplante Möglichkeit, die Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich zu reduzieren - von 100 auf 80 Prozent - damit sich Pflegekräfte erholen können. Denn so wird die Überbelastung der Menschen weiter eingepreist und sogar staatlich unterstützt."

Klasse, wenn von 100% arbeitsvertragliche Arbeitszeit 130% durch ständige Überstunden wegen Personalmangel geleistet werden, steigt die Differenz dann von 30 auf 50%.

Die sollen sich den Prämienquatsch schenken und endlich wieder verbindliche Personalschlüssel festlegen, die sich am Arbeitsbedarf orientieren.

@16:58 von Quakbüdel

"...doch die "Zivis" haben spürbare Lücken hinterlassen."

Ja, das haben sie. Dies macht aber nur deutlich, dass die Pflege in Deutschland schon lange in der Krise steckt.
Ich kann mich nur zu gut erinnern, dass ich hin in wieder auch mal eine Doppelschicht einlegen musste, weil sich die einzige examinierte Kollegin der Spätschicht krank gemeldet hatte. Das hieß dann: 6:00 Uhr Arbeitsbeginn und offizielles Ende der zweiten Schicht 22:00 Uhr. Tatsächlich war es dann 23:00 Uhr. Die nächste Schicht begann dann wieder 6:00 Uhr.
Manchmal hieß es auch morgens um 11:00 Uhr: "Geh mal nach Hause, Du musst für die Nachtwache einspringen."
Diese Verhältnisse galten lange als ganz normal. Krankenschwestern haben eben kein Privatleben zu haben.
Ich habe mich nach 10 Jahren umorientiert.

@LiNe..

Ähnlichs erlebe ich als Fachkrankenpfleger in der Geschlossenen..wir bekommen neue Dienstzeiten,kurze Schichten,weniger MA pro Schicht, immer mehr Papierkrieg und Dokumentation am PC..

Man ist heutzutage eigentlich
"Verwaltungsangestellter im Pflegedienst" und kann das, was man ursprünglich gelernt hat,fast nicht mehr umsetzen.

Nah 30 Jahren Dienst lassen meine seelischen Kräfte auch aufgrund von Schicksalsschlägen nach aber es ist kein Ende in Sicht..von Rente keine Rede..

Ob eine Prämie,die man natürlich noch zu versteuern hat,hier was bringt,glaub ich nicht..

@16:59 von Totengräber

"Vielleicht sollten all jene, die diesen schweren und verantwortungsvollen Job seit Jahren -teils seit Jahrzehnten- machen, entsprechend gewürdigt werden. Die 5.000€ wären da als Prämie schon angemessen (netto!)."

Im Universitätsklinikum Hamburg bekommt man zum 40jährigen Dienstjubiläum 500 Euro brutto und einen zusätzlichen freien Tag. Und zwischen zwei Patientenuntersuchungen wird einem dann noch ein Blumenstrauß und eine Urkunde überreicht. Die Worte dazu hat das stellvertretende Vorstandsmitglied von der Urkunde abgelesen. Über Letzteres muss ich heute noch lachen.

@ Anna Selig 16:55 Uhr

"Verlasst euch nicht auf die 'gescheiten Politiker",alles Bla, bla was die erzählen..."
Diese Aussage gilt für JEDEN gewerblichen Arbeitnehmer.

Den größten Mangel

sehe ich in der fehlenden Perspektive für altere Pflegekräfte.

Die Bezahlung ist mies, die Arbeitsbedingungen kaum noch erträglich und das Erreichen des Rentenalters kaum möglich.

Da helfen 5000 Euro Prämie überhaupt nichts für Wiedereinsteiger.

Die Wiedereinführung von Weihnachts- und Urlaubsgeld, zusätzliche freie Tage, kürzere Schichtzeiten, früherer Rentenbeginn und ähnliche Maßnahmen würden helfen. Aber das kostet. Und hier wird noch immer gespart: An der Gesundheit der Pflegenden, als auch der Patienten.

Die umfangreiche Dokumentation, und dadurch noch weniger Zeit für gute Pflege sollte ebenfalls auf den Prüfstand.

Wertschätzung heißt das Zauberwort, sowohl finanziell, von den Arbeitsbedingungen und vom gesellschaftlichen Ansehen.

Eine Würdigung der Lebensarbeitsleistung durch frühere Rente wäre sehr wohl ein klares Signal, dass die Gesellschaft verstanden hat.

@17:38 von 91541matthias

"Ähnliches erlebe ich als Fachkrankenpfleger in der Geschlossenen."

Ich möchte euch noch darauf hinweisen, dass die Gefahrenzulagen im Pflegebereich und in den Funktionsabteilungen im Vergleich zu anderen Berufen lächerlich gering sind... dafür, dass man schon mal zusammengeschlagen oder von einem Tollwutpatienten gebissen wird.

Und in den Funktionsabteilungen wurden von der Psychiatrie häufig Termin abgesagt, weil das Personal keine Zeit für Begleitung hatte. Manchmal wurden die Pat. dann auch alleine losgeschickt, was u.U. große Probleme in den Abteilungen verursachte einschließlich großer Suchaktionen.

Die Wirtschaft liebt Einmalzahlungen...

.. besonders wenn die noch vom Steuerzahler übernommen wird.

Nee, mal wieder eine typisch "marktkonforme" (sprich neoliberale) Idee.

Zahlt doch die Leute anständig, mit Altenpflege wird doch genug Geld gemacht, dann sinken halt die Profite ein wenig. Warum sollen dann Altenpfleger weniger verdienen als Krankenpfleger?

Warum die weniger als Banker und Notare?
Was soll der Unsinn mit steuerfinanzierten Einmalzahlungen?

*Das* Geld könnte man gerne dazu nutzen, pflegende Angehörige besser zu finanzieren.
Sonst heißt es doch immer "gleiches Geld für gleiche Arbeit".
Aber wer die eigenen Eltern oder Großeltern pflegt kriegt fast nix. Ein privates Pflegeheim Tausende. Da muss man sich nicht wundern, wenn die die Angehörigen sich veralbert vorkommen. Vielleicht sollte man deren harte Arbeit genauso würdigen und bezahlen. Da hätten alle was davon.
Alte Menschen könnten viel länger da leben wo sie sich wohlfühlen, die Altenheime wären weniger überfüllt, und gerecht wäre es auch

Pflege 1995 und 2018

1995 war ich noch selbst in der Pflege - erst Normalstation, später Intensiv.
Damals hatten wir genug examinierte Kräfte, Patienten lagen so lange im Krankenhaus, bis sie gesund waren.

Jetzt möchte ich nicht mehr im Krankenhaus liegen oder arbeiten... Patienten liegen noch 4 1/2 Tage in der Klinik, weil die Häuser kaputtgespart werden, anstatt mal eine vernünftige politische Planung zu betreiben (ja, liebe Politiker, das ist euer Job). Die Pflegekräfte können sich vom M.A. oder Bachelor bestimmt auch keine besseren Bedingungen kaufen.
Die Ausbildung der jungen Ärzte ist auf dem Stand von "House Of God" gelandet...
... und kein Arzt und keine Schwester ist daran schuld. Die Verantwortung liegt bei fehlendem Geld, fehlender politischer Verantwortung, letztendlich fehlendem Mitgefühl mit Patient und "Health Care Professional"!

@ um 17:46 von BWilaschek

Da habe ich den höchsten Tarif gemeint, der zur Zeit für Pflegekräfte gültig ist. Aber wenn Sie schon den höchsten Tarif im ÖD ins Spiel bringen, gerechtfertigt wäre der auch!

@20:40 von nie wieder spd

@ um 17:46 von BWilaschek

"Aber wenn Sie schon den höchsten Tarif im ÖD ins Spiel bringen, gerechtfertigt wäre der auch!"

Sie meinen es wirklich gut und ich weiß das zu würdigen.
Aber nach diesem höchsten Tarif wurde mein letzter Vorgesetzter in seiner Eigenschaft als Oberarzt bezahlt.
Natürlich sind da die Nebeneinkünfte, die in den Privatsprechstunden erzielt werden nicht eingerechnet.

Aus meiner Sicht sollte die gesamte Pflege den Verhältnissen in z.B. Norwegen angepasst werden.
Nur am Rande: Auch deutsche Krankenhausärzte verdienen aus meiner Sicht zu wenig.

5000 €....

5000€ pauschal für alle die sich in sozialen berufen kaputt arbeiten, so als danke schön, einmal jährlich.... ok träumen darf man ja

Meine Mutter war bis

zu ihrem Tod im Pflegeheim.

Da habe ich bei meinen häufigen Besuchen mit eigenen Augen sehen können, was das Pflegepersonal leistet und wie sich die abgehobenen Verwaltungsmenschen in der Heimleitung aufführen .

Schon so Kleinigkeiten, wie das Füttern meiner Mutter, das Betten oder das Ausführen durch mich und andere Angehörige wurden dankbar angenommen und diese Dankbarkeit auch zum Ausdruck gebracht.

Schätzt diese Leute, die eine Arbeit machen, die die wenigsten übernehmen wollen, gebt ihnen Achtung und Respekt und vor allem, bezahlt sie nach ihrer Leistung, denn die ist enorm.

Das gilt auch für das Krankenhauspersonal.

21:47 von DerVaihinger

Volle Zusprechung zu Ihren Kommentar ! Auch wir meine Frau und ich haben unsere Eltern,also Beide im Pflegeheim bis zu ihren Ableben betreut und haben uns intensiv mit dem Pflegepersonal abgestimmt.Daher sind wir dem Pflegepersonal immer noch sehr dankbar für diese große menschliche Leistung die sie unseren Eltern entgegen gebracht haben.

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