Ihre Meinung zu: Abtreibungsdebatte: Erbitterter Streit in der Heimat des Papstes

10. Mai 2018 - 16:47 Uhr

In Argentinien tobt ein heftiger Streit um Abtreibungen - diese sind hier bislang nur in Ausnahmefällen erlaubt. Ein neues Gesetze soll das ändern. Doch es ist nicht der erste Versuch. Von Anne Herrberg.

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Kommentare

wie viele Jahrhunderte

müssen eigentlich noch vergehen, bis Menschen über sich selbst bestimmen dürfen? Oder werden wir diesen Zustand niemals erreichen?
Wieviel Arroganz gehört dazu, Frauen vorzuschreiben, dass sie ein Kind auszutragen haben? Wie kann sich jemand überhaupt einbilden, er habe dazu das Recht?
Mir wird immer ganz komisch bei solchen "pro vida"-Aktivisten, irgendwie nehme ich ihnen nicht ab, dass es ihnen um das Leben geht, außer vielleicht in einem streng spirituellen Sinne. Aber für den Schutz der geborenen Kinder fällt ihnen in der Regel nicht viel ein.

Selbstbestimmung ist nur was für Reiche

Abtreibung ist für Reiche kein Thema und auch kein Risiko: Geld macht alles möglich und sichert auch die Gesundheit.

Wenn aber geschätzt 1/2 Million Frauen in Argentinien abtreiben (bei gerade mal 44 Mio Einwohner) und dabei 50.000 einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind, obwohl dies nicht sein müsste, weil es die technischen Möglichkeiten auch dort gibt und diese nicht teuer sind, dann könnte man hier von struktureller Gewalt sprechen.

Den Frauen wird eine simple OP vorenthalten und sie werden in die Kriminalität gedrängt mit all den bekannten Risiken.

Das alles muss heute nicht mehr sein, auch die aktuelle Debatte um das Werbeverbot in D erscheint mir seltsam überholt.

In allen Medien sind wir von einer LGBTQ-Normalität umgeben. Wie kann es da sein, dass 2018 die Selbstbestimmung bei einer Abtreibung noch in Frage gestellt wird?

die selben Argumente wie überall auf der Welt

das Recht auf seinen Körper
und das Recht auf Leben

Selbstbestimmung

Das Recht auf Abtreibung gehört zum Selbstbestimmungsrecht der Frau. Da hat den betroffenen Frauen niemand herein zu reden.

Enkelkinder?

"Die bekannte Schriftstellerin Claudia Piñeiro plädierte an die Politiker: "In ein paar Jahren werdet ihr euren Kindern Enkelkindern in die Augen sehen müssen und Euch fragen lassen müssen: Stimmt es, dass Du gegen legale, kostenfreie und sichere Abtreibung gestimmt hast?"...
...nun, sollte der Schutz für ungeborene Kinder womöglich beendet werden, würde dies bedeuten, dass es dann eben deutlich weniger solche Enkelkinder gibt, die einem noch in die Augen schauen können und dürfen.
In allen Ländern, in denen die Abtreibungsregelungen "liberalisiert" wurden (wobei "liberal" ja nur für die Erwachsenen gilt, die weiterleben dürfen, nicht aber für ungeborene Menschen) stiegen und steigen die Abtreibungszahlen, und damit auch nicht selten lebenslanges Leid und Einsamkeit für die Übriggebliebenen...
Z.b. eine Studie in Finland, veröffentlicht im renomierten "new England journal of medicine" ergab eine um den Faktor 6 gesteigerte Rate an Suiciden nach Abtreibung...

Frosthorn

Ich gebe Ihnen bei allem 100%Recht.

Nur:
"Mir wird immer ganz komisch bei solchen "pro vida"-Aktivisten, "

Das ist nich wirklich "provida" für Leben sondern pro Bevormundung.

Jede Frau hat das Recht über sich selbst zu bestimmen.

Und trotzdessen bin ich für Leben.

Denn auch die Kinder haben ein Recht auf Leben.

Ich sage das aber aus Überzeugung und Liebe zum Leben und nicht um Frauen zu unterdrücken.

Es isz wie bei der Glaubenskriegdebatte.

Die Extremisten tarnen sich als Gläubige, sind es aber nicht. Von der anderen radikalen Seite werden dann alle Gläubige als Islamisten diffamiert.

Leider passiert bei dem Thema genau das gleiche.
Was die Sache noch zusätzlich kompliziert, ist, dass die Tatsachen auch noch so unmittelbar und natürlicherweise in einander zusammenhängen, dass man sie fast nicht auseinander halten kann.

Das sollte man aber wenigsten versuchen.

Gruß

Hier stehen zwei äußert

Hier stehen zwei äußert gewichtige Aussagen gegeneinander.

Und egal wie ein Aussenstehender enzscheiden würde, kann es nur falsch sein.

Letztlich muss die Frau die letzte Entscheidung tragen.

Zusicherung von Unterstützung in jeglicher Hinsicht und das Spenden von guten Gefühlen und Zuversicht, sind jedenfalls unverzichtbar, wenn man Leben retten will!

Aber niemals Vorschriften über anderer Menschen Körper.

18:04 von Thomas Wohlzufrieden

keine Frage !
nur geht es eben auch um die Rechtsgüter anderer ....
wie man die beurteilt bzw. wertet
und da scheint es eben gelegentlich ein Wandel zugeben, in der Einschätzung
die Individualität ist eben momentan hoch im Kurs

Vorschriften oder Schutz?

@frosthorn
Ja, eine gute Frage, eigentlich bei allen Gesetzen. Soll es Gesetze gegen Diebstahl, Vergewaltigung oder Mord geben? Sind nicht Gesetze und Vorschriften manchmal leider sehr, sehr notwendig, um Schwächere zu schützen vor Willkür oder Egoismus oder Schlimmeren?
Wäre nicht das Gegenteil solcher Gesetze Willkür, Anarchie und Chaos? Würden ohne solche Gesetze nicht allein die Stärkeren und Stärksten gewinnen?
Ich glaube, es geht bei den Gesetzen zur Abtreibungen mitnichten darum, Frauen etwas vorzuschreiben oder Selbstbestimmungsrechte über Gebühr zu beschneiden, sondern lediglich den Schwächeren, die ihre Stimme noch nicht erheben können, eine Stimme zu verleihen und für ihren Schutz einzutreten.
Und noch ein Gedanke: Nicht wenige der Pro- life Aktivistinnen sind eben gerade Frauen, die eine Abtreibung hinter sich haben und dies bereuen. Sie können es nicht mehr rückgängig machen, aber versuchen andere Frauen vor solchem Leid zu bewahren. Es geht um Kinder UND Frauen...

@ Thomas Wohlzufrieden

Das Recht auf Abtreibung gehört zum Selbstbestimmungsrecht der Frau.

Und wo bleibt das Recht der Kinder?

Wer wirklich FÜR das Leben

Wer wirklich FÜR das Leben ist, ist FÜR BEIDE Leben.

Der ist FÜŘ das Leben der Mütter GENAUSO wie FÜR
das Leben der Kinder.

Wer FÜR die Selbstbestimmung der Frauen ist, der MUSS auch FÜR deren Kinder sein.

Intetessant ist, dass derjenige, der GEGEN eine der beiden Seiten ist, in der Wirkung langfristig auch gegen die andere Seite agiert. Auch wenn das bewusst gar nicht gewollt ist.

@rowik, 18:05

Z.b. eine Studie in Finland, veröffentlicht im renomierten "new England journal of medicine" ergab eine um den Faktor 6 gesteigerte Rate an Suiciden nach Abtreibung...

Das Argument, man dürfe keine Abtreibungen erlauben, um die Frauen vor seelischen Spätfolgen zu schützen, ist überall auf der Welt sehr beliebt. Käse ist es trotzdem. Es wird nur vorgeschoben.
Die psychischen Folgen einer unterblieben Abtreibung sind ebenfalls untersucht worden, mit dem gleichen Ergebnis: es kann schädlich für die Mutter sein, ein ungewolltes Kind austragen zu müssen.

Bitte nicht dem Extremismus

Bitte nicht dem Extremismus verfallen, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Und über die akuten

Und über die akuten ökonomischen Probleme in Argentinien - Erhöhung des Leitzinses auf 40 Prozent, Hilfeschrei an den IWF - kein Wort? Für die allermeisten Argentinier ist die Auseinandersetzung um das Abtreibungsrecht bestenfalls drittrangig.

UND Die Würde des Menschen

UND

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Auch das Ungeborene verdient Respekt und einen respektvollen und Würdevollen Umgang, auch und erst recht dann, wenn es nicht leben darf!

fake news versus Wissenschaftlichkeit

"Amnesty International schätzt jedoch, dass bis zu einer halben Million Frauen pro Jahr illegal abtreiben und bei jedem zehnten Mal Komplikationen auftreten."
Woher kommen solche Zahlen? Wie sind sie erhoben, sind sie belegt?
Nun ist Amnesty in keinster Weise eine medizinische Organisation und verfügt weder über Fachwissen noch Expertise in dieser Hinsicht. Daher verwundert es, worauf sich Amnesty hier beruft, ob es diese Zahlen belegen kann oder sie einfach ohne jeden Nachweis in den Raum wirft- was man heute zu Recht "fake news" nennt. Interessant ist dazu auch unsere Geschichte: 1974 wurde in Deutschland von Abtreibungsbefürwortern behauptet, dass es 2000000 illegale Abtreibungen in Deutschland gäbe- seriöse Statistiken darüber gab es aber erst ab 1976. Auch die Todeszahlen wurden masslos übertrieben und hätten die Zahl aller Todesfälle junger Frauen insgeamt in der BRD weit überschritten...Aber so ist es mit unseriösen fake news- einmal behauptet ist es schwer, sie zu widerlegen

Verdrehung der Wahrheit

"Es geht um das Recht, selbst über unsere Körper bestimmen zu können. "

Nein, zuallererst geht es hier um die Körper bzw. das Leben ungeborener Menschen, die leider überhaupt kein Mitspracherecht haben.

Kein Mensch hat das Recht, zu entscheiden, ob ein anderer Mensch leben darf. Und sei er auch noch so klein.

@ 17:55 von frosthorn

Sie dürfen ja über das eigene Leben bestimmen. Nur nicht über das anderer. Lesen Sie einfach mal die entsprechenden Urteile des BVerfG durch, um zu verstehen, wo das Problem ist. Der Umstand, dass ein Mensch von mir abhängig ist und sich nicht selbst helfen kann, heißt nicht, dass ich über sein Leben verfügen darf. Denn Ziel der Abtreibung ist ja nicht die Beendigung der Belastung durch die Schwangerschaft, sondern die Beendigung der Belastung durch das Kind selbst - daher lautet der Dienstvertrag mit dem Arzt ja auch auf Tötung des Kindes, nicht auf seine Entfernung aus der Bauch der Mutter.

@rowik: Legalisierung heisst nicht aussterben

Natürlich ist es eine schwierige Debatte. Wann beginnt das Leben und welches Recht hat die Mutter das Leben ihres Fötus zu nehmen?

Aber ich denke, man muss den Tatsachen ins Auge sehen. Schon ewig gab es Engelsmacher(innen). Von daher ist es doch am Besten, wenn man den Frauen legale und damit ärztliche, aber auch psychologische, Hilfe angedeihen lässt. Ich denke auch, dass eine Beratung vor der Abtreibung sinnvoll ist, da es durchaus auch um Schuldgefühle geht.

Zum Thema Suizid nach Schwangerschaftsabbruch wäre die genannte Zahl nur aussagekräftig, wenn man das Suizidrisiko der Frauen gegenüberstellt, die unfreiwillig ihr Kind austragen müssen.

Im übrigen erschrecket mich das Frauenbild. Sie suggerieren, dass die Legalisierung zu einer massenhaften Abtreibung führen wird. Gerade so, als wenn ne Frau bei null Bock auf nen dicken Bauch dann mal schnell abtreibt. Natürlich wird es einen Anstieg geben, aber nicht weil mehr Frauen dann abtreiben wollen, sondern weil sie es legal könne

@Autograf, 18:42

Der Umstand, dass ein Mensch von mir abhängig ist und sich nicht selbst helfen kann, heißt nicht, dass ich über sein Leben verfügen darf.

Das hat ja auch niemand behauptet. Aber fragen Sie mal Frauen, die abtreiben, ob der Grund ist, dass sie glauben, über das Leben ihres Kindes entscheiden zu dürfen.
Es ist für mich einer der unerträglichsten Aspekte in dieser Debatte, dass Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen, immer als gewissenlose Monster dargestellt werden, denen die Selbstverwirklichung über das Leben der Kinder geht. Das hat m.E. mit der Realität wenig zu tun.

Worum geht es?

"Wie viele Jahrhunderte müssen eigentlich noch vergehen, bis Menschen über sich selbst bestimmen dürfen?"

Darum geht es nicht. Das Hauptproblem in der Debatte ist, dass jede Seite der anderen vorwirft, an etwas zu glauben, woran sie gar nicht glauben. Es stimmt nicht, dass die meisten Abtreibungsgegner gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frau sind. Sie setzen sich für das ungeborene Leben ein. (Mit dem Argument, das Kind hängt von der Frau ab, könnte man rechtfertigen, auch nach der Geburt "abzutreiben", was bei einigen wenigen tatsächlich der Fall ist.) Umgekehrt sind diejenigen, die Abtreibungen legalisieren wollen, nicht der Meinung, dass Mord in Ordnung ist, sondern sie bestreiten, dass ein Embryo "menschliches Leben" ist. Daran muss sich die Debatte orientieren. Übrigens sind Ausnahmen für Vergewaltigung und Inzest gar nicht logisch: entweder ist Abtreibung Mord und auch dann verboten, oder nicht und im allgemeinen nicht verboten.

und wie sie sonst noch alle heißen, genauso vehement für die Unterstützung von Alleinerziehenden einsetzen würden, wie sie es für ungeborene Kinder tun, dann wäre sicher die eine oder andere werdende Mutter bereit nicht abzutreiben.

Leider sind diesen Organisationen die Kinder nur so lange wichtig, wie sie im Mutterleib heranwachsen. Sind sie dann auf der Welt, muss die Mutter oder auch die Eltern sehen wie sie klar kommt.
Eine Unterstützung wie das deutsche Hartz IV gibt es in den allermeisten Ländern nicht. Da sitzt dann einfach nur ein weiteres Mäulchen, das gestopft werden will, mit am Tisch.

Derweil kümmert sich pro vida inzwischen darum, dass an anderer Stelle noch weitere Mäulchen dazu kommen.

Ein Mensch darf leben und

Ein Mensch darf leben und eine Frau über ihren Körper bestimmen.

Vielleich muss sich einfach JEDER eingestehem, dass es für diesen Konflikt im Zweifel keine gute Lösung gibt.

Aber würdiger würde alles werden, wenn:

Abtreibumgsgegner Frauen ihr Recht auf körperliche Selbstbestimmung endlich zugestehen.

Und Abtreibungsbefürworter
Kinder das Recht auf leben zugestehen.

Denn die einen sprechen Frauen ihr Recht auf Selbstbestimmung ab und die anderen sprechen Kindern das Recht auf Leben ab..

Wie ihr seht, ist keiner von euch besser. Ihr habt alle Unrecht, in dem Konflikt.

Also gesteht jedem alles zu, dann steht ihr moralisch auf der richtigen Seite!

Deshalb sag ich ist es grundfalsch GEGEN eine Seite zu argumentieren.

Hier gibt es nur Fürs!

@ 19:18 von frosthorn

Für mich ist keine Frau die abtreibt, ein Monster, sondern ein Mensch, der vermutlich selbst große Probleme hat, bei denen niemand hilft. Abtreibung ist einfacher, als bei der Lösung der Probleme zu helfen. Das war genau der Hintergrund der Abtreibungslösung in Deutschland: Erlaubnis der Abtreibung und zugleich umfassende staatliche und gesellschaftliche Hilfe, um die Abtreibung eigentlich überflüssig zu machen. Nur der erste Teil wurde umgesetzt, versteht sich. Nur, warum lautet der Dienstauftrag an den Arzt, das Kind zu töten? Selbst schon lebensfähige behinderte Kinder (ich selbst bin von Geburt an schwerbehindert) dürfen, selbst unter der Geburt, noch getötet werden - zwei Minuten später, geboren, dürfte man es nicht mehr, da wäre es Mord, auf den lebenslänglich steht. Abtreibung ist auch keine Lösung für die Probleme der Frauen. Man vergrößert sie im Ergebnis nur.

Süd- und Mittelamerika ist

Süd- und Mittelamerika ist aufgrund des dort herrschenden Machismus und Patriarchats was die Mädchen- und Frauenrechte bzw. den Feminismus angeht, insbesondere was die Abtreibung betrifft, noch sehr weit zurück. Das zeigen schockierende Nachrichten.

Peru 2017: Stiefvater (30, flüchtig) vergewaltigt Kind (9) bis zu zehnmal am Tag: Sie darf aus religösen Gründen nicht abtreiben und wird gezwungen das Kind ihres Vergewaltigers auszutragen(!)

Paraguay 2015: Stiefvater (42) vergewaltigt Kind (10): Sie durfte aus religösen Gründen nicht abtreiben und wurde gezwungen als 11-jährige das Kind ihres Vergewaltigers auszutragen(!)

Jeden Tag bekommen in Paraguay zwei Mädchen zwischen zehn und 14 ein Kind, aber nicht nur in Paraguay; auch in anderen, v.a. ärmeren Ländern Mittel- & Südamerikas ist Pädokriminalität bzw. Kindervergewaltigung an der Tagessordnung. Handelte es sich um Staaten der 1. Welt, also um westliche wohlhabende Länder, die Empörung wäre groß und die Presse voll davon, aber so..

19:46 von GeMe "Wenn sich all

19:46 von GeMe
"Wenn sich all die Organisationen wie pro vida oder pro life
und wie sie sonst noch alle heißen, genauso vehement für die Unterstützung von Alleinerziehenden einsetzen würden, wie sie es für ungeborene Kinder tun, dann wäre sicher die eine oder andere werdende Mutter bereit nicht abzutreiben."

Richtig!
Das und gegerell bessere Lebensverhältnisse FÜŘ FRAUEN aber eben AUCH FÜR Kinder.

Die sind halt eben nochmal ne ganze Ebene mieser dran.

mir ist völlig klar

dass es in dieser Debatte keine "richtige" Antwort gibt. Der Konflikt zwischen Recht auf Leben des ungeborenen Kindes und Recht der Frau, nicht nur auf Selbstbestimmung, sondern ebenfalls auf ein würdiges Leben ist wohl per se nicht lösbar, und ich bin sehr froh, dass ich noch nie in der Situation war, hier selbst etwas aktiv entscheiden zu müssen.
Ich kenne darüber hinaus mehrere Frauen, die einen oder mehrere Abbrüche hinter sich haben, und weiß sehr genau, dass sie sich in genau diesem Spannungsfeld befunden haben und weiterhin mit ihrer damaligen Entscheidung leben müssen.
Gerade deshalb halte ich aber dafür, den Menschen, die - im Gegensatz zu allen, die es besser zu wissen glauben - davon auf Dauer betroffen sind, diese Entscheidung ganz allein zu überlassen und sie nicht mit der Moralkeule (respektive Strafgesetzkeule) auf die eine oder andere Seite zu zwingen.

Schäden für Mütter medizinisch belegt

@frosthorn
Sie schreiben "Das Argument, man dürfe keine Abtreibungen erlauben, um die Frauen vor seelischen Spätfolgen zu schützen, ist überall auf der Welt sehr beliebt. Käse ist es trotzdem. Es wird nur vorgeschoben."
Woher wollen Sie wissen, es sei "Käse" und nur vorgeschoben? Ich bin selber Arzt, und kann nur feststellen: Die Rate an (behandlungsbedürftigen!) psychischen Langzeitfolgen ist gut untersucht- sie liegt je nach Untersuchung bei 38-80% und reicht von Depressionen bis eben hin zu Selbstmord. Das als "Käse" zu bezeichnen ist schon recht zynisch- oder soll Ideologie über die Gesundheit der betroffenen Frauen gestellt werden? Hinzu kommt, dass die Beziehung, aus der das betroffene Kind stammt, in 80-100% in die Brüche geht. Ob dies nun die Risiken eines lebenden Kindes übersteigt, muß jeder selber entscheiden. Wenn man diese Risiken als "Käse" bezeichnet oder den betroffenen Frauen verschweigt- ist dies nicht ebenso eine Bevormundung?

gesprochen. Diese sind wesentlich extremistischer als man es sich hier vorstellen kann. Da trifft man Leute, die es für völlig richtig halten, wenn man Abtreibungsärzte erschießt, um ungeborene Kinder zu retten.

Was mich immer besonders irritiert hat, war die Tatsache, dass diese Lebensschützer meist auch rigoros für die Todesstrafe eintreten und zwar nicht nur die, die es für richtig halten, wenn man Abtreibungsärzte tötet, sondern auch ganz gewöhnliche Lebensschützer.

Fragt man nach, dann heißte es meist, dass das ja nicht das Gleiche wäre. Das unschuldige Leben des ungeborene Kindes muss geschützt, aber das verwirkte Leben des Verbrechers muss beendet werden.

schutz von Mutter und Kind...

Vielleicht um bei dieser sehr emotionalen Debatte einen Schlußstrich zu setzen: Wie einige geschrieben haben: Ja, unbedingt müssen die Lebensverhältnisse von Alleinerziehenden Frauen verbessert werden. Und gegen Vergewaltigungen konsequent vorgegangen werden! Und die Not einer Frau oder eines Mädchens, welches ungewollt schwanger geworden ist, darf keinesfalls ignoriert oder bagatellisiert werden! Gleichzeitig sollte aber auch das Leben des ungeborenen Kindes nicht ignoriert oder bagatellisiert werden- denn es hat nur dieses eine Leben. Der erste christliche römische Kaiser ging 318 n.Chr. folgendermaßen gegen die weiterverbreitete Praxis der Abtreibungen und Kindsaussetzungen (über die alleine der Vater des Kindes bestimmte...): Er untersagte diese zum Schutz des Kindes, GLEICHZEITIG aber bestimmt er, dass wann immer jemand aus eigener Not ein Kind nicht versorgen könne und sich an jemand anderen wendete, dieser zur Hilfe und Versorgung verpflichtet sei...

@ rowik

Ich bin selber Arzt, und kann nur feststellen: Die Rate an (behandlungsbedürftigen!) psychischen Langzeitfolgen ist gut untersucht- sie liegt je nach Untersuchung bei 38-80% und reicht von Depressionen bis eben hin zu Selbstmord.

Wenn Sie Arzt sind, wissen Sie aber auch, dass man die Auswirkungen der Abtreibung nicht von den Auswirkungen der ungewollten Schwangerschaft trennen kann. Es ist also niemals eindeutig zu sagen, wie sich eine Abtreibung psychisch auswirkt.

@ Anonymer-User (19:56)

Ich möchte Ihren Beitrag ergänzen:

Dass es für ein Kind nicht gesund ist ein Kind auszutragen, weil es körperlich nun Mal nicht so weit ist, dürfte jedem klar sein. Tiere werden besser behandelt, weil da auf ein Mindestalter gewartet / hingewiesen wird.

Unter 18 haben schwangere Mädchen dieselben Risiken, wie bei Frauen über 36.

@rowik, 20:19

Ich habe nicht die Rate an behandlungsbedürftigen Langzeitfolgen als Käse bezeichnet, sondern deren Verwendung als Maß für die Richtigkeit des Verbots für Abtreibungen. Und habe das auch mit Gegenargumenten begründet. Das hat nichts mit Ideologie zu tun.
Und: Sie dürfen davon ausgehen, dass diese Problematik den Frauen, die über einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, sehr wohl bekannt ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine signifikante Veränderung an der Zahl von Abtreibungen gäbe, wenn man nur die Frauen davor warnte, dass ihre Entscheidung zu psychischen Problemen führen kann. Das wissen die ganz genau.

...alternativen

noch etwas zum nachdenken: ich habe jahrelang in einer Großklinik in unmittelbarer Flughafennähe gearbeitet. Dort kamen jedes Jahr mindestens 10 Frauen aus Südamerika an, um bei uns ihr Kind zu gebären um es adoptieren zu lassen- und sind dann wieder zurück. Auf ein zu adoptierendes Kind kommen bei uns statistisch 11 Paare mit ungewollter Kinderlosigkeit und Adoptionswunsch, die sich nichts sehnlicher Wünschen als einem Kind ihre Liebe zu schenken- und das betroffene Kind hat überlebt. Einen solchen Flug, auch wenn er oft von den Angehörigen übernommen wurde, kann sich nicht jeder leisten, zeigt aber das es durchaus Alternativen gibt. Und noch etwas zum Thema Frauenrechte: Grundsätzlich werden immer mehr Mädchen als Jungen abgetrieben. Z.B. in Indien "fehlen" jedes Jahr über 500.000 Mädchen, weil sie wegen des "falschen" Geschlechtes abgetrieben wurden. Sollte man sich nicht auch für die ungeborenen Frauen mehr einsetzen?

Wer hier hat schon ein Kind adoptiert?

Würde mich Mal interessieren, weil immer gesagt wird, dass es genug Familien gibt, die Kinder adoptieren möchten, es aber mangels Kinder nicht können.
Komisch nur, dass es selbst in Deutschland noch genug Kinder gibt, die auf Adoption warten. Gut, die sind über 3 oder krank - man will ja schließlich oft genug nur ein gesundes, hübsches Baby, wenn man sich schon als Adoptiveltern "aufopofert"...

Aber ich habe in meinem ganzen Leben nur 2 Personen getroffen und etwas besser kennengelernt, in deren Familien adoptiert würde:
1x nahm ein Paar 2 Kinder auf, die von ihren Eltern mit einem Zettel um den Hals auf der Straße stehen gelassen worden sind ("Fliehen nach Westen, bitte kümmern Sie sich"... das ältere Kind bekam einen Schock und hat lange nicht mehr geredet)
1x jemanden, dessen 2 jüngere Geschwister aus Indien adoptiert haben - nicht im Babyalter (er war ein leibliches Kind)

Wer soll also all die Babys aufnehmen, die wegen der Vorgeschichte bereits irgendwelche Schwierigkeiten haben

Recht auf Leben für einen Fötus???

Wie geht das, dass Hirntoten Organe entnommen werden dürfen, aber das Häufchen Fötuszellen, bei dem das Gehirn nicht einmal ausgebildet ist "ein Recht auf Leben" haben soll?

@ StöRschall

"Und Abtreibungsbefürworter
Kinder das Recht auf leben zugestehen" Am 10. Mai 2018 um 19:49 von StöRschall

Es gibt keine Abtreibungsbefürworter. Niemand will Frauen eine Abtreibung aufschwatzen oder als Verhütungsmittel bezeichnen.

Es gibt nur Befürworter der Selbstbestimmung der Frauen.

20:19 von rowik "Schäden für

20:19 von rowik
"Schäden für Mütter medizinisch belegt
@frosthorn
Sie schreiben "Das Argument, man dürfe keine Abtreibungen erlauben, um die Frauen vor seelischen Spätfolgen zu schützen, ist überall auf der Welt sehr beliebt. Käse ist es trotzdem. Es wird nur vorgeschoben."
Woher wollen Sie wissen, es sei "Käse" und nur vorgeschoben? Ich bin selber Arzt, und kann nur feststellen: Die Rate an (behandlungsbedürftigen!) psychischen Langzeitfolgen ist gut untersucht- sie liegt je nach Untersuchung bei 38-80% und reicht von Depressionen bis eben hin zu Selbstmord"

Das is egal, deshalb hat trotzdem niemand das Recht über die Frau zu bestimmen...

Frosthorn

"davon auf Dauer betroffen sind, diese Entscheidung ganz allein zu überlassen und sie nicht mit der Moralkeule (respektive Strafgesetzkeule) auf die eine oder andere Seite zu zwingen."

Also zu "zwingen" schon mal gar nicht.
Das verbietet sich von selbst.
Mit der "Strafkeule" hat sich somit auch erledigt.

Mit moralischem Zeigefinger verbietet sich auch aber von der anderen Seite her auf JEDEN Fall...
Sprich: Zuwendung, Hilfe, Mut und Hoffnung machem und natürlich als Stellvertreter für das Kind sprechen, da es ja selbst nicht in der Lage ist für sich zu sprechen.

20:52 von Tada @

20:52 von Tada
@ StöRschall
""Und Abtreibungsbefürworter
Kinder das Recht auf leben zugestehen" Am 10. Mai 2018 um 19:49 von StöRschall

Es gibt keine Abtreibungsbefürworter. Niemand will Frauen eine Abtreibung aufschwatzen oder als Verhütungsmittel bezeichnen.

Es gibt nur Befürworter der Selbstbestimmung der Frauen."

Oh, Glückwunsch!
Grade noch die Kurve gekriegt... ;)

@rowik

"Z.B. in Indien "fehlen" jedes Jahr über 500.000 Mädchen, weil sie wegen des "falschen" Geschlechtes abgetrieben wurden. Sollte man sich nicht auch für die ungeborenen Frauen mehr einsetzen?" Am 10. Mai 2018 um 20:40 von rowik

Nein, nicht einmischen.
In Indien geben die Frauen selbst an, dass sie keine Tochter wollen, weil sie es nicht ertragen würden, dass das eigene Kind dasselbe schlimme Schicksal erleben muss, wie sie selbst.
Eine Frau lebt nur für das Glück ihres Mannes.

21:32 von Tada @rowik ""Z.B.

21:32 von Tada
@rowik
""Z.B. in Indien "fehlen" jedes Jahr über 500.000 Mädchen, weil sie wegen des "falschen" Geschlechtes abgetrieben wurden. Sollte man sich nicht auch für die ungeborenen Frauen mehr einsetzen?" Am 10. Mai 2018 um 20:40 von rowik

Nein, nicht einmischen.
In Indien geben die Frauen selbst an, dass sie keine Tochter wollen, weil sie es nicht ertragen würden, dass das eigene Kind dasselbe schlimme Schicksal erleben muss, wie sie selbst.
Eine Frau lebt nur für das Glück ihres Mannes."

Na das ist doch mal ein klasse Argument:

Quasi ein Stellvertretersuizid.

Und an der Stelle sollt Frau die Augen zukneifen und stillschweigend akzeptieren??

Sehen Sie, das unterscheidet Ihre Weiblichkeit von meiner kollossal grundlegend...

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20:19 von rowik: 38-80% psychischen Langzeitfolgen

Ich habe versucht zu Ihren Zahlen Belege zu finden.

Die einzigen Hinweise, die ich finden konnte, wen hätte es gewundert, gibt es auf Seiten von Abtreibungsgegnern. Seriöse, unabhängige Quellen? Fehlanzeige.

Bei SPIEGEL-Online habe ich zufällig einen Artikel gefunden, der die Probleme der Frauen gut beschreibt.

Für viele Frauen ist nicht der Abbruch das Problem, sondern die Stigmatisierung durch die Gesellschaft, weil eine Abtreibung auf der gleichen Stufe steht wie Totschlag. Sie trauen sich nicht über ihre ungewollte Schwangerschaft zu sprechen. Dieses Geheimhalten und fehlende Unterstützung führen oft zu Problemen.

Hier der Link zum Artikel:
Schwangerschaftsabbruch
Traurigkeit ist keine Krankheit
(Quelle: SPIEGEL-Online 01.02.2016)
https://tinyurl.com/hs6fko7

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