Ihre Meinung zu: GroKo gegen Kinderarmut: Mehr Geld für Familien - reicht das?

11. März 2018 - 3:49 Uhr

Das Thema Kinderarmut steht im Koalitionsvertrag. Insgesamt will die Große Koalition für Familie und Soziales zwölf Milliarden Euro zusätzlich ausgeben. Experten reicht das nicht aus. Von Volker Schwenck.

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Kommentare

Nicht nur Bürokratie

"der Weg durch die Bürokratie ist kompliziert und mühsam."

Problematisch ist vor allem, dass jede Behörde versucht möglichst viel Geld zu sparen und an eine andere Behörde verweist. Es werden auch angebliche Einkünfte oder Leistungen einer anderen Behörde angerechnet, die gar nicht da sind.

Hört sich erstmal sparsam an, aber im Endeffekt erhöht es nur den Bearbeitungsaufwand auf Seiten der Behörden.
Auf Seiten der Antragssteller verärgert es bestenfalls den Vermieter, wenn die Mietzahlung ausbleibt.

"Scham spielt eine Rolle"?

Wohl eher die Behandlung durch manche Sachbearbeiter, die nicht im Umgang mit Menschen geschult werden.

Arbeitende Bevölkerung

Schon als meine Mutter gearbeitet hatte war das so, dass auf Kinder keine Rücksicht genommen wurde.

Meine Mutter bekam Zuschläge für 3 Kinder, ihre Arbeitskollegin für 2.
Dadurch hatte meine Mutter zwar höheren Verdienst, rutschte aber über die Grenze und hatte nach Steuerabzug weniger in der Tasche, als die Kollegin mit 2 Kindern.

Heute gibt es auch Benachteiligung:
Warum ein Selbstständiger keine Zuschüsse für Riester für Kinder bekommt, kann ich nicht nachvollziehen. Die Kinder arbeiten doch selbst nicht, egal ob das Elternteil Selbstständiger ist oder Arbeitnehmer. (Selbständig ist jeder, der sich vom Werkvertrag zum Werkvertrag durchschlägt. Das hat mit Reichtum nichts zu tun.)

In Deutschland werden Kinder nicht wesentlich durch eine ungerechte Gesellschaft oder ein diskriminierendes SChulsystem benachteiligt, sondern in erster Linie durch ihre eigenen Familien. Kinder leiden vor allem unter lieblosen, verantwortungslosen, unfähigen, süchtigen, gestörten, kranken oder sich trennenden Eltern. Was dadurch vor allem in frühester Kindheit angerichtet wird, lässt sich schon im Kindergarten nur noch sehr schwer, in der Grundschule kaum noch und in weiterführenden Schulen praktisch gar nicht mehr reparieren. Nicht unsere Gesellschaft ist ein Problem für durch ihre Eltern benachteiligte Kinder, sondern solche Kinder werden sehr oft zum Problem für unsere Gesellschaft. Will man da gegensteuern, dann hilft es aber nicht, einfach ein paar Milliarden in bestimmte Geldtöpfe zu schieben oder unfähigen Eltern mehr Geld zu geben. Man braucht konkrete Projekte, die Kindern möglichst früh das geben, was ihre Familien ihnen nicht geben können: Liebe, Ermutigung, Anregung.

Wir brauchen staatliche Angebote und notfalls Sanktionen.

Damit unsere Hilfe bei Kindern in wenig förderlichen Elternhäusern wirklich ankommt, sollte es kostenlose staatliche Angebote für Kinder geben. Beispiele wären Schwimmunterricht, Training in Sportvereinen, Unterricht in Musikschulen, Theater und Konzerte für Kinder, Exkursionen in die Natur und natürlich kostenlose Betreuung rund um die Uhr, wann immer sich Eltern nicht selbst um ihre Kinder kümmern können.

Leider nutzen viele Eltern solche Angebote für ihre Kinder nicht, beispielsweise weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind oder weil ihnen Erziehung, Förderung und Bildung ihrer Kinder nicht ausreichend wichtig sind. Dann müsste die Gesellschaft die Kinder abholen und beispielsweise das Jugendamt sich darum kümmern, dass benachteiligte Kinder solche Angebote tatsächlich nutzen. Und warum sollte man nicht die Zahlung staatlicher Unterstützung für die Eltern davon abhängig machen, dass Eltern ihren Kindern staatliche Angebote nicht vorenthalten?

Bildungschancen auch ohne Förderung

An dieser Stelle möchte ich meine persönliche Meinung mit der Allgemeinheit teilen:
Zum Ende des Artikels heißt es, dass 100 Euro kaum ausreichen, um das notwendige Schulmatrial für ein Schuljahr zu besorgen. Dieser Darstellung möchte ich klar wiedersprechen. 100 Euro sind für die Versorgung eines Schulkindes pro Schuljahr mit den Lehrmitteln mehr als ausreichend, ich spreche hier aus eigener Erfahrung.
Im Einzelfall erforderliche Nachhilfe zählt in diesem Fall nicht zu diesen Leistungen, dies ist mir durchaus bewusst. Ich finde es aber realitätsfern, dass in diesem Artikel die Grundversorgung von Schülern als unzureichend dargestellt wird. Ich persönlich habe mit einer wesentlich geringerem Summe pro Schuljahr das Gymnasium in Bayern absolviert. Meine beiden Eltern haben einen Hauptschulabschluss und sind deutlich unterdurchschnittliche Verdiener. Dennoch habe ich es auch ohne finanziellen Förderung geschafft, einen Abschluss mit Auszeichnung zu erreichen.

es reicht nicht mal ansatzweise

genau wie alles andere, was die GroKo vor hat, reichen die Maßnahmen auch in diesem Bereich nicht aus, denn das Grundproblem sind nicht, wieviele Milliarden der Staat dafür ausgibt, sondern wie wenige die Wirtschaft an ihre Angestellten zahlt. Und an dieses Thema will man einfach keine Hand anlegen, nicht die GroKo, und auch keine der anderen derzeit realistischen Regierungskonstellationen.

Legitimationskrise des Sozialstaates

"Kinderarmut in Deutschland heißt nicht, dass Kinder verhungern oder arbeiten müssen, damit die Familie überleben kann, wie es anderswo auf der Welt der Fall ist. "
Die Entwicklung dahin schreitet aber zügig voran, wie Statiken zeigen. Die Armutsrelativierer werden schon ihren Teil zu dieser unsäglichen Entwicklung beitragen. Das meritokratische Aufstiegsversprechen existiert in Deutschland lange nicht mehr. Der Wohlfahrtsstaat verliert somit seine Massenloyalität, es folgt die Legitimationskrise unserer demokratischen Strukturen. Bloß, wer erkennt das von den Sozialstaatsverächtern.

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