Kommentare

Immer mehr getötete Journalisten

Bei dieser Statistik sollte aber auch berücksichtigt werden, dass immer mehr Journalisten und Reporter aus sensationslüsternen, unnormal wissbegierigen, konkurrenzgetriebenen und öffentlichkeits-hungrigen Gründen verdammt viel mehr und undurchdacht viel gefährlichere Wagnisse eingehen. Von Monat zu Monat, Jahr zu Jahr, Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer mehr. Ich vermute, ein Kriegsreporter aus dem ersten oder zweiten Weltkrieg mitten im "Konfliktherd" war nicht lebensmüder als einige heutige Journalisten es sind.

17:41 von WM-Kasparov-Fan

"Bei dieser Statistik sollte aber auch berücksichtigt werden, dass immer mehr Journalisten und Reporter aus sensationslüsternen, unnormal wissbegierigen, konkurrenzgetriebenen und öffentlichkeits-hungrigen Gründen verdammt viel mehr und undurchdacht viel gefährlichere Wagnisse eingehen. "

Im Falle Mexikos trifft dies sicher nicht zu.
Hier werden Medienschaffende mit "schöner Regelmäßigkeit" umgebracht, weil sie versuchen Verbrechen des Staates wie des organisierten Verbrechens aufzuklären, anzuprangern und publik zu machen.
Damit ihrer Hauptaufgabe als 4. Gewalt im Staat nachkommend.

Gruß aus Mx

17:41, WM-Kasparov-Fan

Ach so, die Journalisten sind selbst schuld, wenn sie umgebracht werden.

Na, dann ist ja alles halb so wild.

@ WM-Kasparov-Fan: Was genau wollen Sie sagen?

Sie outen sich ja als Schach-Fan und scheinen viele Aspekte zu durchleuchten. Aber was genau wollen Sie damit sagen? Einfach nur relativieren? Oder sind die Journalisten schließlich selbst schuld? Richtig, wie in vielen Berufen gibt es auch hier Menschen, die mehr oder weniger Risiken eingehen. Aber vielleicht können wir einfach mal festhalten, dass hier häufig Menschen getötet werden, die z.B. kriminelle Machenschaften aufdecken (wollen) und die das sicher nicht ausschließlich für den eigenen Ruhm oder aus "unnormaler Wissbegier" bzw. "Sensationslust" tun, sondern auch bspw. für ihre Mitmenschen und die Verbesserung der Gesellschaft?! Oder unterstellen Sie z. B. auch Ärzten, dass diese Menschen vorzugsweise heilen, um sich zu profilieren? Also bitte klarer ausdrücken!

@fathaland slim

"Ach so, die Journalisten sind selbst schuld, wenn sie umgebracht werden."

Mehr oder weniger JA. Sie wollten diesen Beruf ergreifen und den Gefahren in aller Welt begegnen.

"Na, dann ist ja alles halb so wild."

JA. Es ist alles wie immer. Nie hat sich irgend etwas grundlegend geändert.

17:41 von WM-Kasparov-Fan

Ergänzung:
Im Mexiko und auch anderen lateinamerikanischen Ländern erfolgen die Morde an Journalisten und auch Fotografen in aller Regel nach mehreren zuvor erfolgten "Abmahnungen" und/oder Bestechungsversuchen.
Wird diesen "Zuckerbrot und Peitsche"-Aufforderungen nicht nachgekommen, werden Exempel statuiert: Zum einen wird der "Unbequeme" dadurch im wahrsten Sinne des Wortes mundtot gemacht und zugleich dient es als an Berufskollegen gerichtete Warnung, was ihnen drohen kann, wenn sie nicht "kooperieren".

Dies ist als ergänzende Information zu verstehen und selbstverständlich NICHT als Rechtfertigung oder Relativierung von Verbrechen an Journalisten und sonstigen Medienschaffenden oder jedweder anderen Person.

@ um 18:07 von fathaland slim

Wo ist denn dabei das Problem? Von erwachsenen Menschen wird doch auch sonst erwartet, dass sie wissen, worauf sie sich einlassen. Das ist bei Polizisten und Soldaten doch genauso. Die Frage, die sich hier viel eher stellen sollte ist doch, wie gut werden die bezahlt für solche Jobs und wie sehr kümmert sich der Arbeitgeber darum, gute Bedingungen auch zB nach Einsatzverletzungen zB Invalidität, herzustellen (Bezahlung, Versorgung usw), oder gar in Todesfällen eine anständige Versorgung der Hinterbliebenen zu gewährleisten. Sowas ist zB bei Bundeswehrsoldaten nicht so überzeugend, als das ich mich da freiwillig melden oder überhaupt so einer Truppe beitreten würde. Das dürfte für Journalisten auch nicht so toll sein, sonst hätte die ARD bestimmt schon mal davon erzählt, wie es in den angeschlossenen Anstalten mit der Versorgung von im Einsatz zu Schaden gekommenen Journalisten ergeht, wenn sie deswegen ihre Jobs verlieren? ZB auch wenn sie Freiberufler sind, wie heute meist üblich.

@ WM-Kasparow und nie wieder spd

Es gilt zunächst zu differenzieren zwischen Journalisten in Kriegs-/Krisengebieten und anderen, die ihrer Arbeit in nicht zu diesen zählenden Ländern/Regionen nachgehen.

Meinen Kommentar von 18:26 habe ich bewusst als Schilderung ohne inhaltliche Wertung verfasst, um die geäußerte "selbst Schuld"-Einstellung indirekt zu hinterfragen.

Meine Hochachtung und Verneigung gilt diesen mutigen Frauen und Männern, welche trotz Bedrohung ihres Lebens ihre Werte sowie ihre berufliche wie persönliche Integrität weder aufgeben noch verraten noch verkaufen.

Obwohl sie ja die Wahl hatten...
Wie auch die maltesische Journalistin.

Von diesen geradlinigen Menschen gibt es für meinen Geschmack leider viel zu wenige, von den opportunistischen, wertelosen dagegen mehr als hinreichend viele.

@um 18:07 von fathaland slim

Was heißt selber schuld, aber meiner Meinung her sollten die sich auch nicht mit hoch Kriminellen oder ähnlichenSachen beschäftigen, ohne das man einen gewissen Schutz hinter dem Rücken hat, wie Polzei, Bundeswehr, Bodyguard oder eben ähnlichem. Wenn es zu brisant wird, dann sollten die besser die Angelegenheiten an die Staatsanwaltschaft geben, damit dann die Polizei alles nach geht.

Verhältnis zur allgemeinen Mordstatistik

Bei der Berichterstattung über ermordete Journalisten sollte auch das in einem Land vorhandene allgemeine Gewaltniveau berücksichtigt werden. Im Beispiel von Mexiko liegt die Mordrate (gemäss UNODC) bei 21,5 pro 100.000 Einwohner. Gemäss der letzten verfügbaren amtlichen Statistik arbeiten in Mexiko 167.652 im Medienwesen. Bei 13 ermordeten Journalisten ergibt dies eine Mordrate von 21,8, geringfügig mehr als der allgemeine Durchschnittswert.

20:42 von Hackonya2

"...aber meiner Meinung her sollten die sich auch nicht mit hoch Kriminellen oder ähnlichenSachen beschäftigen, ohne das man einen gewissen Schutz hinter dem Rücken hat, wie Polzei, Bundeswehr, Bodyguard oder eben ähnlichem. Wenn es zu brisant wird, dann sollten die besser die Angelegenheiten an die Staatsanwaltschaft geben, damit dann die Polizei alles nach geht."

Wäre es nicht so ernst, eine fast schon lustige Vorstellung. :(
Zumindest in einem Land wie meiner Wahlheimat, wo Verbrechen und Korruption den ganzen Staatsapparat - Exekutive, Legislative und Judikative - wie ein Krebsgeschwür durchsetzen.
An wen soll sich der Journalist also bitte wenden, insbesondere wenn er "Staatsverbrechen" untersucht?

Lesen Sie doch bitte noch einmal die Angaben, welche Länder am meisten betroffen sind.

21:03 von EstebanEscobar

Verhältnis zur allgemeinen Mordstatistik

Bei der Berichterstattung über ermordete Journalisten sollte auch das in einem Land vorhandene allgemeine Gewaltniveau berücksichtigt werden. Im Beispiel von Mexiko liegt die Mordrate (gemäss UNODC) bei 21,5 pro 100.000 Einwohner. Gemäss der letzten verfügbaren amtlichen Statistik arbeiten in Mexiko 167.652 im Medienwesen. Bei 13 ermordeten Journalisten ergibt dies eine Mordrate von 21,8, geringfügig mehr als der allgemeine Durchschnittswert.
////
*
*
Zahlen können Meinung ganz schön stören?
*
Das wird dank Pisa aber weniger, wer kann das noch erkennen, wass man rechnen müsste?

21:03 von EstebanEscobar

"Bei der Berichterstattung über ermordete Journalisten sollte auch das in einem Land vorhandene allgemeine Gewaltniveau berücksichtigt werden. Im Beispiel von Mexiko liegt die Mordrate (gemäss UNODC) bei 21,5 pro 100.000 Einwohner. ..."

Prinzipiell stimme ich Ihnen zu, allerdings mit einer Korrektur.
Die Mordrate in Mx spiegelt nicht das vorhandene "allgemeine Gewaltniveau" des Landes wider, sondern kommt zu weit über 90% durch Tötungsdelikte zwischen den verschiedenen Kartellen sowie Polizei/Militär im Kampf gegen die Kartelle zustande.
Und zu den weit überproportional gefährdeten Personengruppen in Mx zählen aber eben genau auch Politiker und Journalisten.

Außerhalb der genannten Konfliktbereiche ist das Leben in Mx nämlich laut meiner mehr als 5,5-jährigen Erfahrung ganz überwiegend ausgesprochen friedlich.

unerwarteter Gleichstand

"17 in Zentral- und Osteuropa und 17 in Westeuropa und Nordamerika."

Hier hätte ich ein deutliches Gefälle zwischen Ost und West erwartet, da Korruption (zumindest auf lokaler Ebene) eher im östlichen Europa anzutreffen ist und investigative Journalisten mehr Fälle aufdecken können und sich gleichzeitig weniger auf den Schutz durch staatliche Behörden verlassen können.

Pressefreiheit wird zum Auslaufmodell in vielen Ländern

Es ist eine erschreckende Zahl, jedoch zeichnete es sich die letzten Jahre ab.
Ob es nun daran liegt, dass die Journalisten »öffentlichkeits-hungrig und sensationslüstern« sind (wie WM-Kasparov-Fan schreibt) oder daran, dass die Gewalt generell zugenommen hat, ist zwar erst einmal interessant, aber im Grunde sekundär. Denn viel wichtiger ist zu benennen, in wie vielen Staaten der Welt die Pressefreiheit nicht oder nur eingeschränkt gilt - und es werden bedauerlicherweise mehr als weniger. Grob gesagt kann man Nordamerika, z.T. Ozeanien und Teile Europas noch zu den Gebieten zählen, wo (größtenteils) die Pressefreiheit uneingeschränkt besteht, doch wie erwähnt ist diese Entwicklung rückläufig (In Europa beispielsweise Polen und Ungarn).
Eine gefährliche Entwicklung...

21:42 von Nachfragerin

"unerwarteter Gleichstand
"17 in Zentral- und Osteuropa und 17 in Westeuropa und Nordamerika." Hier hätte ich ein deutliches Gefälle zwischen Ost und West erwartet, da Korruption (zumindest auf lokaler Ebene) eher im östlichen Europa anzutreffen ist und investigative Journalisten mehr Fälle aufdecken können und sich gleichzeitig weniger auf den Schutz durch staatliche Behörden verlassen können."

Ziehen Sie von den 17 in Westeuropa und Nordamerika die 13 Mexikaner ab, dann rückt sich Ihr Bild wie erwartet zurecht.

21:18 von träumensollteer..

Danke für die Ergänzung. Es liegt in der Natur von Statistiken, Sachverhalte zu vereinfachen. Und gemäss meiner Erfahrung hier in Südamerika gibt es auch innerhalb des Jouralistenberufs völlig unterschiedliche Gefährdungsgrade. Nur eine Minderheit riskiert tatsächlich Leib und Leben durch brisante Berichterstattung.

ein gutes beispiel war blasberg

natürlich will die ard das unter verschluss halten. aber der man war als krawallreporter mit mördern für ein interview unterwegs.

im auto der mörder, geschützrt von der polizei des IM

Darstellung: