Kommentare

and no religion, too!

Wieder einmal zeigt sich, dass fundamentalistische bzw. orthodoxe Auslegungen von Religionen obsolet sind und nicht zu einem freiheitlich demokratischen Rechtsstaat passen.

Dies zeigt sich zur Zeit deutlich an den Problemen mit muslimischen Einwanderern in westlichen Kulturen. Man sollte aber nicht vergessen, dass auch die Überzeugungen und Werte von fundamentalistischen Christen und Juden nicht den Vorstellungen einer aufgeklärten Gesellschaft entsprechen.

Ist es wirklich ein Erfolg?

Und wenn ja, wessen - wenn sich eine Regierung (also ein politisches, säkulares, mit weltlicher Macht ausgestattetes ) gegen diejenigen, die sich mit religiöser Deutungshoheit ausgestattet sehen, durchsetzt.
Ein Erfolg wäre doch wohl eher, wenn die religiösen Führer einen bisherigen Irrtum zugestehen würden, oder eine bisherige Tradition aus der Einsicht, dass diese sich überlebt hat, aufgeben... so ist doch erstmal nur eine weltliche Gewalt eingeschritten und hat eine Religion eingeschränkt - was ist dagegen das Recht von Frauen, an der Klagemauer zu beten, wenn dafür die Gültigkeit des Dogmas von außen willkürlich beschnitten wird. Das ist so, als würde man beim Monopoly willkürlich die Ereigniskarte aus dem Spiel entfernen und das für einen Fortschritt halten.

@ 15. Februar 2016 um 10:42 von Rumpelstielz

Religiöse Deutungshoheit bezieht sich auf geistige oder spirituelle Inhalte, nicht aber auf einen im Staatsbesitz befindlichen (somit weltlichen) Bereich. Anders wäre es, wenn die Klagemauer Eigentum der jüdischen Religionsgemeinschaft wäre. Analogon: Auf einem privaten Grundstück kann der Eigentümer darüber verfügen, wer Zutritt hat und wer nicht.

tja ...

in allen bereichen kämpfen frauen für geschlechtergleichtstand ...
in allen?
leider nein, kommt "religion" ins spiel, kuschen unsere tollen gleichheitskämpferinnen ;-)
ein echt schwaches bild ...
mädels, wacht mal auf, bitte !!!

es gibt nur eine wahre religion - den kategorischen imperativ :-))

@10:42 von Rumpelstielz

Fundamentalisten werden sie nicht mit logischen Argumenten überzeugen können, denn sie sind auch nicht durch logische Argumente zu ihrem Glauben gekommen.
Bei Religionen bringen weltliche Argumente häufig leider wenig. Die Kirchen haben ja auch nicht an Macht verloren, weil sie einsehen, dass sie heute weniger wichtig seien als vor 1000 Jahren.

Eine Mehrheit der nicht-religiösen Juden steht dazu

die Frauen vor Gott endlich gleich zu stellen. Die alten Schriften zu aktualisieren bedeutet nicht, sie zu beschmutzen. Eine etwas modernere Auslegung erwarten wir schließlich auch von den Muslimen, oder? Der Tanach, bzw. die Interpretation wurde übrigens auch in der Vergangenheit schon von Rabbinern überarbeitet, um unter anderem die Rechtsprechung humaner zu gestalten. Und der Midrasch, zu Deutsch eine auf die Gegenwart bezogene Auslegung der Schriften ist ja eigentlich üblich. Provokation ist dafür allerdings nicht nötig, lassen wir den Menschen Zeit, bis sich die Wogen gelegt haben. Ich freue mich jedenfalls auf mein erstes "richtiges" Gebet an der Mauer.

@ 15. Februar 2016 um 13:05 von samech gimel

Nicht-religiöse Juden, gibt's das? Ich dachte, Jude zu sein bedeutet der jüdischen Religion zuzugehören, unabhängig von Nationalität, Rasse, Geschlecht; genauso wie Katholik, Moslem, Hindu, ... .

Drei Anmerkungen

1. Der "heiligste Ort" im Judentum ist nicht der Bereich vor der Klagemauer sondern das Plateau des Tempelbergs.

2. Die Frauen von Women of the Wall gehen immer zum jüdischen Monatsanfang an die Klagemauer zum Gebet. Dieser Tag (Rosch Chodesch) hat im Judentum eine besondere Bedeutung für die Frau.

3. Es heisst über die neue Gebetszone immer wieder, dass dort "gemischtes" (Männer und Frauen) Gebet möglich sei. Die Women of the Wall kämpfen nicht für das Recht der Männer mit ihnen beten zu dürfen, sondern nur darum, es den ultraorthodoxen Männern gleichtun zu dürfen (Gebetsmantel und Gebetsriemen tragen, aus der Torah vorlesen). Interessant daran ist, dass heilige Orte im Reformjudentum eigentlich eine untergeordnete Rolle spielen, auch daran erkennbar, dass Reformjuden ihre Synagogen als Tempel bezeichnen. Reformjüdische Männer scheinen an der Bewegung nicht beteiligt zu sein.

re samech gimel

"Eine Mehrheit der nicht-religiösen Juden steht dazu
die Frauen vor Gott endlich gleich zu stellen."

Wer nicht religiös ist kümmert sich eigentlich nicht darum, wo und wie die Religiösen beten.

Religiöse Juden

werden im Deutschen üblicherweise "ultra-orthodox" genannt, eben die Haredim. Der hierzu verwendete hebräische Ausdruck "dati" bedeutet direkt übersetzt "religiös". Und dieser Ausdruck wird auch in der jüdischen Gemeinschaft als Übersetzung benutzt. Sorry, war vielleicht nicht ganz klar.

Eine Verständnisfrage

"Männer und Frauen, die zusammen an der Klagemauer beten - nach den Regeln des orthodoxen Judentums ist das verboten. Nun hat die israelische Regierung jedoch einen Abschnitt am jüdischen Heiligtum für beide Geschlechter geöffnet...."

Heisst das, dass die Regierung/Verwaltung bisher den Frauen durch offizielle Ordnungskräfte den Zugang verwehrt hat?

Ich überlege gerade, ob es solche Beispiele auch im Christentum gibt? Weil sich das ja nicht mit der Trennung von Staat und Kirche vereinbaren ließe, oder doch?

Und da redet

man von der Einzigen Demokratie in der Region.Eine Demokratie die so von der Religion beeinflusst wird das die Hälfte der Einwohner eingeschränkt wird ist keine

@ pipilampumpf

Ich glaube die wenigsten Nichtgläubigen wollen die Religionen abschaffen. Was man abschaffen möchte ist der Einfluss der jeweiligen Religionen auf das öffentliche Leben. Religion ist Privatsache und sollte beim politischen Diskurs keine Rolle spielen, tut es aber trotzdem leider in jedem Land der Erde.

@ pipilampumpf

Ich glaube die wenigsten Nichtgläubigen wollen die Religionen abschaffen. Was man abschaffen möchte ist der Einfluss der jeweiligen Religionen auf das öffentliche Leben. Religion ist Privatsache und sollte beim politischen Diskurs keine Rolle spielen, tut es aber trotzdem leider in jedem Land der Erde.

Zum Thema / Ray 14:20

"Männer und Frauen, die zusammen an der Klagemauer beten - nach den Regeln des orthodoxen Judentums ist das verboten. Nun hat die israelische Regierung jedoch einen Abschnitt am jüdischen Heiligtum für beide Geschlechter geöffnet...."

Danke für das Zitat. Es ist den Frauen kein Anliegen, auf der Seite der Männer beten zu dürfen. Sie wollen nur selbst bestimmen dürfen, auf welche Weise sie auf ihre Seite beten. Wie an der Klagemauer gebetet werden darf und wie nicht, ist klar geregelt.

Ja, in der Vergangenheit wurde auch versucht, die Frauen am Zugang zur Klagemauer zu hindern, sowohl durch offizielle Ordnungskräfte als auch die Verwaltung der Klagemauer.

Im Übrigen denke ich, dass die "Errungenschaften" der WoW ohne weitere Konsequenzen bleiben werden. Ich sehe den neu einzurichtenden Platz nicht als Wegbereiter für die Anerkennung Nicht-Orthodoxer durch das orthodoxe Oberrabbinat, die die Daumenschrauben eher enger drehen, als dass sie sie lockern würden.

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