Kommentare

Was man nicht der Marktwirtschaft überlassen darf...

Es gibt Dinge, die ein Staat solange er irgendwie kann nicht der Martkwirtschaft überlassen sollte. Das gilt für den öffentlichen Personenverkehr genauso wie für das Gesundheitswesen. Allerdings ist die Dimension eine völlig andere, hier geht es tatsächlich um Leben und Tod.

Man kann davon ausgehen dass es hier tatsächlich viele Menschenleben kostet, mindestends die, die auf Wartelisten stehen und dabei sterben, weil andere aufgrund dieser Vorgänge nicht mehr bereit sind ihre Organe zu spenden.
Hier dürfte der Staat nichts unversucht lassen um die Spendenbereitschaft wieder zu erhöhen, was nur passieren wird wenn das Vertrauen in die Vergabe wieder hergestellt wird. Nebenbei kann man so auch Organhandel besser unterbinden - je mehr Organe zu Verfügung stehen, desto schlechter lässt sich mit ihnen viel Geld verdienen.
Im Moment passiert leider das Gegenteil - mehr Menschen verweigern ihre Organe, und mit jedem verweigerten Organ wird es lukrativer mit den verbliebenden zu handeln.

ohne grundlegende Reformen bin ich zu keiner Spende bereit

Ich bin nicht bereit zu spenden, solange Menschen, die selbst nicht bereit zum Spenden waren, eine Organspende bekommen können, solange ein naher Verwandter oder Freund, dem ich meine Organe vermachen würde, im Spendenfall nicht meine Spende erhält oder an die Spitze der Empfängerliste kommt, solange das Organ nicht an die Person mit der längsten Lebenserwartung nach Transplantation geht, solange ein Organspender im Falle eines Unfalls vor allem als potentielle Organquelle statt als Mensch behandelt wird, solange für die Kosten einer einzigen Organtransplantation vielen kranken Menschen ein lebenswürdigeres Dasein ermöglicht werden könnte, …

Kirche im Dorf lassen

Die rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge ist sicher unabdingbar. Das hier angeprangerte Verhalten ist im höchsten Masse unethisch.

Aber:

Es wird immer so getan, als gingen jetzt "tausende" Organe für Menschen auf der Warteliste verloren, weil niemand mehr spendet.

Das ist falsch, denn...

Ein potentieller Organspender muss viele Voraussetzungen erfüllen:

- es muss ein weitgehend isolierter Hirnschaden vorliegen (z.B. Blutung, Verletzung)

- der Schaden muss so groß sein, das er zum Hirntod führt

- es sollten keine schwerwiegenden Begleiterkrankungen vorliegen, inbesondere keine Infektionen

Diese Kombination ist in deutschen Krankenhäusern nicht alltäglich. Sie ist im Gegenteil sehr selten. Bei den meisten Menschen sterben andere Organe (insbesondere das Herz) VOR dem Gehirn.

Und fast alle Organspender, die ich bisher begleitet habe, hatten definitv KEINEN Organspenderausweis! Meist ermitteln Ärzte den "mutmasslichen Willen" in Gesprächen mit nahen Angehörigen.

Dann handeln Sie sehr egoistisch..

..denn Sie handeln nach dem Auge um Auge-Prinzip und sind damit mit ihrem Gerechtigkeitsempfinden 4000 Jahre zurück. Ihren Verwandten können Sie jetzt schon spenden, dass hat mit dem Spenderausweis für den Todesfall nichts zu tun. Und auch hinter den weiteren "solanges" verstecken sich noch viele fadenscheinige ausreden.

Ich verstehe ehrlich gesagt überhaupt nicht, wieso die aktuellen Vergabeskandale die individuelle Spendebereitschaft mancher beeinflusst. Einerseits geht es hier nur um wenige Kliniken. Andererseits werden zwar bestimmt Patienten gegenüber dem offiziellen Vergabesystem bevorzugt, dennoch handelt es sich hier um Menschen, die das Organ dringend benötigen. Ihre persönliche Spende ist also in keinem Fall sinnlos, nur weil sie aufgrund mangelnder Ethik einiger Ärzte weniger Bedürftige erreicht.
Es gibt immer noch Bedürftigere, mit diesem Argument kann man sich aus jedem Akt der Güte herausreden.

Misstrauen

In einem Land in dem, von ganz oben angeordnet, z. B. Statistiken gefälscht werden, und Exzesse diverser Branchen als "Systemimmanent" bezeichnet werden, regiert aus meiner Sicht Macht und Geld.
Im hypothetischen Fall, dass ich einen Spenderausweis besitze und verletzt im Krankenhaus lande, und zur selben Zeit eine hochrangige politische Persönlichkeit dringend ein Spenderorgan benötigt, bedarf es wahrscheinlich nur eines Hakens auf einer Checkliste, um mich für Hirntot zu erklären und auszuschlachten. Systemimmanente Institutionen waren mir vorher auch nicht bekannt, systemimmanente Personen scheinen nur der nächste Schritt zu sein. Von Ehre und Ruhm des Transplanteurs in mediz. und polit. Kreisen mal ganz abgesehen.
Das mögen Sie als irrational oder egoistisch bezeichnen, ist aber schlicht Furcht vor einem, für den Normalbürger, völlig intransparenten Staat.

Von d. Behörden negiert !

Diese verbrecherischen skandale können
NUR daraus resultieren,
daß jemand an entscheidender Stelle einem anderen
i.d. tasche greifen WILL !

Sprich , es geht um Kohle, zusätzlicher Kohle f.d. Personen , die Alles entscheiden .

Manipulation ist Tür u. Tor geöffnet .

Über d. Schwarzkittel in Weiß wissen wir
Bescheid !
Eine Bevorzugung macht nur dann Sinn ,
wenn Kohle dafür fließt , ganz einfache
Schlußfolgerung !
Warum wird das v. d. Behörden negiert ?

Vom Hirntod und anderen Unwahrheiten

Die Definition des Hirntodes als Zeitpunkt, zu dem eine Organentnahme nach derzeitiger Rechtslage zulässig ist, ist höchst umstritten.

De facto werden Organe nicht von Toten, sondern von Sterbenden entnommen, deren Sterbeprozess noch nicht abgeschlossen ist. Hirntote zeigen z. B. noch Schmerz- und andere Symptome, die deutlich machen, das sie eben noch nicht tot sind.

Menschen sind keine lebenden Ersatzteillager und die Praxis der Organentnahme bei Sterbenden ist menschenunwürdig, da der Sterbeprozess durch die traumatisierende Entnahme von Organen auf grausame Weise gestört wird.

Die Menschen, die die gespendeten Organe erhalten, müssen lebenslang giftige Immunsuppressiva einnehmen, damit das verpflanzte Organ nicht abgestoßen wird. Hinzu kommen häufig gravierende psychische Probleme sowohl bei den Angehörigen der Organspender als auch bei den Patienten, denen ein Spenderorgan eingesetzt wird.

Ich bleib dabei....

Besser würde einmal aufgeklärt werden was "Hirntod" überhaupt bedeutet, wie eine Organentnahme abläuft, und warum es nie "genug" Spenderorgane geben kann und wird.

Dann wäre auch interessant den normalen Menschen, die sich nie mit dem Thema ernsthaft beschäftigt haben, zu erklären dass ein Organempfänger immer ein sehr kranker Mensch bleibt und das gespendete Organ über kurz oder lang doch zerstört wird.
Von daher rettet eine Organspende niemals Leben, sie verlängert es höchstens, aber zu welchen Preis.

Interessant finde ich jedenfalls die Tatsache dass immer öfter im Nebenzimmer eines Hirntoten wohl ein potentieller Empfänger liegt (bei dem das Organ auch "passt"), und andere Menschen jahrelang auf das "passende" Organ warten müssen.

man braucht gar nicht viel nachdenken um zu erkennen, ich halte es mal nach William Shakespeare, "Something is rotten in this system"

Mein Spendeausweis

ist fachgerecht per Papiermüll entsorgt worden. Auch habe ich in meine Patientenverfügung eintragen lassen dass ich weder als Spender noch Empfänger in Frage komme!

Die NORMALSTE Sache der Welt:

Es ist doch NORMAL: Sie würden doch alle das gleiche tun wenn Sie Arzt wären;

Ist der Bonze schlecht dran und bezahlt gut für ein neues Organ, klar, dann man geht in ins Nebenzimmer, stellt den Apparat beim armen Schlucker ab, schlachtet ihn aus und baut dem Bonzen ein.
Dafür kassiert man dann gut.

Wohl dem der ein Bonze ist.

By the way, Organspende hat nichts mit (christlicher) Nächstenliebe zu tun, eher mit Gewinnoptimierung für die beteiligten Biomechaniker und vor allem Pharmakonzerne.

Wer überhaupt noch glaubt,

Wer überhaupt noch glaubt, daß es bei Spenderorganen korrekt zugeht, der kann nur naiv, ignorant oder nicht von diesem Planeten sein. Reiche Menschen werden immer versuchen dies für sich auszunutzen, um auf illegale Weise an Spenderorgane heranzukommen und wer dafür ausgeschlachtet wird, ist dann egal.
Wer nennt denn mal diese Menschen Egoisten und nicht die, welche berechtigte Angst haben, daß in diesem Geschäft in vielerlei Hinsicht etwas schief läuft. Meinen Verwandten würde ich jederzeit ein Organ spenden. Aber in dieser Welt der Korruption vertraue ich meinen Körper niemanden an, schon gar nicht, damit ein Reicher denkt, er könne sich alles kaufen u. die Leute, die damit zutun haben auch noch daran verdienen. Daran wird sich auch nichts ändern! Wo nur das Geld regiert, kann es nicht anders sein, alles andere ist Augenwischerei oder verzweifelter Glauben an das Gute aber keine Realität- leider!

Lieber DocAlf, ich werde es

Lieber DocAlf, ich werde es keinem "Doc" überlassen, mich irgendwie für tot zu erklären, bevor ich ausgeschlachtet werde. Dafür werde ich sorgen. Ich glaube, ich kann gar nicht tot im wahrsten Sinne des Wortes sein, wenn man Organe entnehmen will. Auf einmal wird über die Definition "Tod" gestritten-unfassbar. Du schreibst "...rückhaltlose Aufklärung...-Aber..."
Nein nicht "Aber", sondern Punkt!!! Außerdem vermisse ich in Deinem Kommentar Deinen Hinweis auf Forderung empfindlicher Strafen für der Personen, die mit Organen, welche gutgläubige Menschen spenden, dermaßen umgehen, um sich zu bereichern!!!!! Leider traue ich den Doc´s dieser Welt auch nicht allen !!!! Jedenfalls war Dein Beitrag nicht gerade geeignet, selbst einen Optimisten zu beruhigen.

@claireannelage

Am 04. September 2013 um 14:10 von claireannelage :

Es gibt Dinge, die ein Staat solange er irgendwie kann nicht der Martkwirtschaft überlassen sollte. Das gilt für den öffentlichen Personenverkehr genauso wie für das Gesundheitswesen. Allerdings ist die Dimension eine völlig andere, hier geht es tatsächlich um Leben und Tod.

Dem kann man nur zustimmen.

Guter Beitrag von SydB

Der beste Beitrag meiner Meinung nach, der zu diesem Thema eingestellt wurde.
Das Drängen von Ärzten, Politikern u.a. zum Organspenden, finde ich nicht gut, das hat etwas Makaberes!
Es löst bei mir eher einen Widerwillen aus. Bei Lebzeiten würde ich einem Verwandten schon helfen, wenn er das möchte. Aber das Drängen der Befürworter empfinde ich als Drohung. Das Thema ist so sensibel, daß man dieses Bedrängen und schlechtes Gewissen machen lieber sein lassen sollte. Ganz furchtbar finde ich auch die Idee, anstatt sich mit einem Spenderausweis zur Organspende zu bekennen, eine Ablehnung verfassen zu müssen. Ist das überhaupt rechtlich einwandfrei? Mein Körper gehört doch immer noch mir und wenn ich ihn zur Verfügung stellen will, gebe ich mein Einverständnis - so kann es doch nur richtig sein.

Jau

wenn ich meiner Frau oder meinem Bruder helfen könnte mit einer sogenannten "Lebendspende", kein Thema, würde ich machen. Aber "AUSSCHLACHTEN" lassen, NEIN DANKE, niemals.

@Raroke - So war´s auch nicht gemeint!

1000 Zeichen sind schnell weg. Gern hätte ich noch mehr geschrieben!

Ich wollte Sachaufklärung leisten , weil jetzt eine Art "Organmangel-Hysterie" ausgebrochen ist. Das ist m.E. Unsinn.

Über die Definition des "Hirntods" kann man zurecht streiten. Ich habe das auch gar nicht bewertet, sondern nur dargestellt.

Ich wollte auch niemanden "beruhigen". Das ist hier völlig unangebracht.

Ich persönlich halte die moralische Keule ("Organspende rettet leben"...) ohnehin für überzogen.

Menschen werden schwer krank - so ist das schon immer gewesen.

Die Medizin kann sehr viel tun, um diesen Prozess zumindest zu verzögern - dazu gehört auch die Organverpflanzung.

Es ist ein Akt der allerhöchste Wertschätzung verdient, wenn ein Mensch sich zur Organspende entschliesst - aber:

Niemand darf hierzu gezwungen werden, auch nicht indirekt z.B. mit der Widerspruchslösung. Erst redcht nicht nach den jüngsten Vorkommnissen.

Und klar: Die Strafen müssen sehr, sehr hoch sein!

re von kalden

"Im hypothetischen Fall, dass ich einen Spenderausweis besitze und verletzt im Krankenhaus lande, und zur selben Zeit eine hochrangige politische Persönlichkeit dringend ein Spenderorgan benötigt, bedarf es wahrscheinlich nur eines Hakens auf einer Checkliste, um mich für Hirntot zu erklären und auszuschlachten."
Wenn Sie sich in einem solchen mafiösen Staatswesen wähnen, was soll es dann nützen, dass Sie keinen Spenderausweis haben?
Sie führen sich selbst ad absurdum.

re sydb

"Von daher rettet eine Organspende niemals Leben, sie verlängert es höchstens"
Das können Sie auch über eine Blinddarmoperation sagen, stimmt genauso.
Oder über das Einsetzen eines Herzschrittmachers.
Merken Sie nicht, wie absurd der Satz ist?

Organtransplantationen sind

Organtransplantationen sind kostenintensiv - und die anschließende Nachbehandlung auch. Nach dem "Skandal" sind die Spender sehr zurückhaltend geworden und die Zahl der Transplantationen hat sich verringert. Da wundert man sich nicht mehr, wenn die Krankenkassen nun förmlich im "Geld schwimmen". Die Aufarbeitung durch die Justiz ist m.E. auch überaus schwierig: Wenn keine Bestechung erfolgte, ist dem Arzt auch k e i n Vorwurf zu machen.

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