Kommentare

Es ist genauso verantwortlich

Es ist genauso verantwortlich zu sagen, ich will bestimmte Diagnosen nicht wissen, die meinem Kind nicht helfen.

Sicher, nur die Realität ist, dass Gesellschaft und "Mitmenschen" nach der Geburt noch weniger Rücksicht als heute nehmen und zunehmend auch Unterstützungsangebote (formal dann aus abnehmender Nachfrage und aus Kostengründen) entfallen lassen werden.

Der Vorwurf "das wäre ja zu vermeiden gewesen" wird dann Mutter und Kind dauerhaft begleiten.

Die einzig richtige Alternative, das absolute Verbot der Diagnose, ist ja schon vergeben. Und so wird nun, Schritt für Schritt, der Weg zum "richtigen, gesunden Kind mit den gewünschten Ausstattungsmerkmalen" folgen.

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Frau Hey hat das sicher nicht so gemeint, wie es klingt - aber "Eltern werden allein gelassen" wäre schon richtiger.

Wir haben uns bei jeder Untersuchung, die angeboten wurde, gefragt "und was sollen wir mit einem Ergebnis, was auch immer herauskommt, anstellen?" - und dann auch einige Vorschläge kategorisch abgelehnt. Aber dazu muss man sich schon ziemlich weitgehend informiert haben und eine Vorstellung haben, worauf man sich einlässt.

Leider werden die werdenden Eltern da auch von denen beraten, die an der Durchführung der Untersuchungen verdienen.

Betroffenheit in allen Ehren...

Ich stimme Frau Hey vollstens zu, was das Recht der Eltern auf Nichtwissen angeht. Was mir nicht gefällt, ist die einseitige Art, wie sie die Diagnose Down-Syndrom schönfärbt. Und nicht alle Kinder mit Down-Syndrom sind so leicht betroffen, wie die Fernseh-Vorzeigefälle. Die Realität so mancher Familie, die sich -pränatal informiert oder uninformiert- um ein Kind mit Down-Syndrom kümmern, sieht oft anders aus. Und Mediziner, so sie nicht hinterher von den Eltern verklagt werden wollen, MÜSSEN die gesamte Bandbreite erklären. Mich ärgert die tendenziöse Darstellung, dass Schwangere (Opfer) von ÄrztInnen (Täter) zu Entscheidungen gezwungen werden. Ganz abgesehen von der Verkürzung "Pränataldiagnostik = Screening gegen Down-Syndrom". Bei manchen Gendefekten ist eine Prognose nämlich durchaus machbar. Es gibt übrigens auch humangenetische und psychosoziale Beratungsstellen, die besorgten werdenden Eltern im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Bürdevolle Entscheidungen

Ich zolle Frau Hey meinen Respekt, denn es gehört sicher viel Mut dazu, sich öffentlich über ein solch persönliches Thema in einem Artikel zu offenbaren.
Gleichwohl habe ich den Eindruck, dass in Vielem was sie sagt Schuldgefühle ob ihrer damaligen Entscheidung mitschwingen, das Kind nicht bekommen zu haben. Es ist sicher eine sehr belastende Entscheidung, aber den Ansatz Diagnosemöglichkeiten auszublenden, um nicht vor die unbequeme Entscheidung gestellt zu werden, halte ich für den falschen Weg. Wichtig ist vielmehr, die Eltern verantwortungsvoll aufzuklären und sie nach einem ausführlichen Prozess des Abwägens in ihrer Entscheidung zu unterstützen.

Mein Credo ist, dass das persönliche Unwohlgefühl von Eltern sich nicht über dem Unwohlgefühl eines Kindes stellen sollte. Jedes Leben ist zweifelsohne Wert gelebt zu werden, das steht außer Frage, aber wie würde ein Kind "sein wollen", wenn man ihm die Frage stellen würde...heute, morgen, nach dem Tod der Bezugspersonen Eltern...?

Enttäuscht??

Bei allem Respekt, aber für mich als jemand vom Fach fällt das unter die Kategorie notorische Nörglerin. Bsp Ultraschall: Eine solche Untersuchung erlaubt es Komplikationen in der Schwangerschaft zu erkennen und die Geburt besser zu planen und ist damit unerlässlich für jede verantwortungsvolle Betreuung.
Es ist also wie Fleisch essen wollen, aber es dürfen keine Tiere geschlachtet werden...
Die moderne Medizin ist eine riesige Errungenschaft und ich werde den Eindruck nicht los, dass der Ethikrat eine ständige Bremse darstellt, die sich akademisch mit sich selber beschäftigt und dabei den Blick für die Realität verliert.
Meine Devise, lasst die Ärzte, die nun wirklich gut ausgebildete Profis sind, ihren Job machen und verbürokratisiert nicht jede Kleinigkeit. Schon gar nicht durch einen Rat, der hoch vom "moralischen Ross" herab Bevormundungen erteilt.

@giselabecker

Recht auf Nichtwissen bedeutet in diesem Fall, dass das Kind am Leben bleiben darf, auch wenn es vielleicht behindert ist . Und das nennen sie Egoismus, und Ihnen bleibt die Spucke weg? Da möchte man als Mutter eines Down-Kindes Ihnen ja nicht begegnen.

Chapeau!

Ich gratuliere zum Mut, die Geschäftemacherei der Schulmedizin durch Instrumentalisieren der Angst so glasklar zu benennen. Und stelle mir einmal mehr die Frage, was wertes und was unwertes Leben ist...

"Mediziner, so sie nicht verklagt werden wollen,

müssen über die ganze Bandbreite informieren."

Es ist nicht die Aufgabe von Medizinern (die hier selten mehr Ahnung haben als Wikipedia) zur Abtreibung zu drängen (was aber de facto häufig passiert). Auch Nicht-Down-Kinder können eine negative Entwicklung haben, an Leukämie erkranken oder hirngeschädigte Frühchen werden , mit schwereren Beeinträchtigungen als Durchschnitts-Down. Muss davor auch gewarnt werden?

Kein Arzt muss Angst vor einer Verurteilung haben, weil er nicht abschreckend genug beraten hat. Die Abtreibung von Down-Kindern ist nur rechtens, wenn schwere Gefahr für die Gesundheit der Mutter besteht. Dies ist praktisch nie der Fall, das wissen die Gerichte. Viel eher sollte sich der Arzt fürchten, der bei stabilen Familienverhältnissen ohne Anhaltspunkte für Depressionen zu einer Abtreibung rät. Wenn die Eltern später klagen, weil sie die übereilte Entscheidung bereuen, stellt sich heraus: die Abtreibung hätte nicht durchgeführt werden dürfen.

"Notorische Nörglerin", @Joffix

Die moderne Medizin kann leider Down in utero nicht heilen, aber das Kind abtreiben, und sie finden es zeugt von einer notorischen Nörglerin, wenn die Mutter meint, sie hätte lieber die Diagnose nicht erfahren?
Wie sensibel.

Ultraschalluntersuchungen: Wenn Sie's schon ansprechen, die werden in den Niederlanden nicht automatisch bei jeder Schwangerschaft gemacht, so wahnsinnig wichtig scheinen sie nicht zu sein.

Tendenziös und an der Realität vorbei

Die Interviewte behauptet tatsächlich, dass Ärzte aus kalter Geschäftemacherei Pränataldiagnostik betreiben. Das wird ihren Gynäkologen aber gar nicht freuen, zumal sie als Privatpatientin über eine Mangelverwaltung richtet, die sie gar nicht kennt.
In jeder Broschüre wird erklärt, dass bei den meisten Auffälligkeiten ein Schwangerschaftsabbruch als einzige Alternative besteht. Tun Sie bitte nicht so, als gäbe es eine Untersuchung ohne Konsequenzen! Die meisten Patienten halten sich für "mündig", solange keine essentiellen Entscheidungen getroffen werden müssen. Dann soll wieder der Doktor den Weg vorgeben.
Insofern ist dieses Interview nur eine persönliche Ansicht mit für verantwortungsvolle Ärzte verachtendem Grundton. Übrigens scheint die "Ethik"-Verantwortliche auch alle zu verachten, die sich gegen ein Leben gefesselt an ein unselbstständiges und behindertes Kind entscheiden. Das - ist unethisch und sinnlos, denn wer sein behindertes Kind nicht annimmt, versorgt es auch nicht...

Sie selbst tragen die Verantwortung!

Hier vermischt sich die - zum Teil berechtigte - Kritik an Verdiensten im Gesundheitswesen mit der Entscheidung, die Frau Hey oder auch andere werdende Mütter Eltern in Bezug auf Abtreibung treffen.

Frau Hey, Sie sind selbst verantwortlich für die Abtreibung Ihres damals ungeborenen Kindes!Diese moralische Entscheidung, die sie damals getroffen haben,sowohl für den Test als auch für die darauf folgende Abtreibung haben Sie und nicht die Ärzte getroffen. Dafür müssen Sie auch die Verantwortung übernehmen.

Das eine Abtreibung generell ethisch nicht vertretbar sein kann möchte ich hiermit ausdrücklich nicht sagen. Jedoch kann es nicht sein, dass Sie hier versuchen Ihr Gewissen zu Lasten der Ärzte zu erleichtern.

Sicherlich sind einige angesprochenen Punkte bezüglich der Profitgier in der Medizin streitbar. Aber in einem Interview die ganze Verantwortung auf das Gesundheitssystem zu übertragen ist schon eine zweifelhafte Art und Weise mit der Bewertung der eigenen Schuld umzugehen!

Eine wichtige Diskussion

"Was will ich mit den Ergebnissen machen?" Diese Frage sollte vor JEDER Untersuchung stehten.

Meiner Erfahrung nach sind kritisch hinterfragende, wissende Patienten nicht gern gesehen, da sie Zeit für Fragen beanspruchen und "anstrengend" sind. Dies gilt insbesondere für schwangere Frauen. Frau Hey hat ein wichtiges Thema angesprochen, und sie erreicht damit hoffentlich, dass Frauen mehr Verantwortung selbst übernehmen und (sich) nicht mehr den Ärzten überlassen.

Ich verstehe die ganze

Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass diese Untersuchungen genau aus zwei Gründen gemacht werden:

1) Um eventuell abzutreiben, weil man dem Kind ein solches Leben nicht zumuten will.

2) Um eventuell abzutreiben, weil man sich selbst ein solches Leben nicht zumuten will.

Das mag der eine oder andere als unmoralisch bezeichnen, die Natur macht das aber ganz regelmäßig mit Zellhaufen, die sich falsch entwickelt haben. Ich halte das für selbstverständlich.

JCS.

So erlebt!

Danke für das Interview!
Ganz ähnliche Erfahrungen habe ich während meiner Schwangerschaft im letzten Jahr gemacht. Obwohl die Routine-Ultraschalluntersuchungen keine Auffälligkeiten zeigten, hat meine Frauenärztin darauf gedrängt, dass ich zur Feindiagnostik gehen soll. Ich habe bei 3 Terminen in Folge gesagt, dass ich das nicht möchte. Dass eine Abtreibung für mich eh nicht in Frage käme, sollte eine mögliche Behinderung entdeckt werden. Schließlich sagte sie, sie würde mich nicht weiter behandeln, wenn ich die Untersuchung nicht machen lasse. Letzten Endes musste ich etwas unterschreiben und sie hat mich weiterbehandelt, jedoch nicht ohne mir noch einen Überweiungsschein für die Feindiagnostik mitzugeben. Diagnose: Fehlbildungsphobie!
Das war definitiv nicht ich mit der Fehlbildungsphobie, und ich wüsste gern was die Beweggründe der Ärztin waren. Es schockiert mich und macht mich traurig, wie leichtfertig mit dem Leben der Babys umgegangen wird und welchen Druck Eltern erfahren.

Aufklärung??

- Der Arzt muss eine adäquate Diagnostik anbieten, sonst kann er verklagt werden.
- Der Arzt muss den Patienten vollständig aufklären, sowohl über die Untersuchung als auch das Ergebnis. Dazu gehört auch dem Patienten den "worst-case" zu schildern.

Verharmlost er z.B. die Diagnose Trisomie 21, oder bietet bei einer Patientin über 40 keine entsprechende Pränataldiagnostik an, muss er dafür haften.

Wir können von einem Arzt keine Diagnostik verlangen, dann aber nicht mit der Diagnose leben wollen.

Der Arzt liefert die Diagnose, aber die Entscheidung muss letztlich der Patient fällen. Nun alles auf den "bösen" Arzt zu wälzen, der vielleicht zu drastisch in seiner Schilderung war, ist meiner Meinung nach nicht fair.

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