Kommentare

Normale Sorgen

Es ist doch schön zu hören, dass Israel die gleichen Probleme hat wie die meisten Länder in Europa. Diese Normalität unterscheidet dieses Land von allen seinen Nachbarn, deren Regierungen nichts für das Volk tun, die keinerlei Industrie und keinerlei soziale Infrastruktur haben.
Dem Staat und Volk Israel geht es viel besser als den meisten südlichen Mitgliedsländern der EU. Und das Wichtigste ist, dass Israel eine moderne innovative Wirtschaft hat, die den Menschen gut bezahlte Arbeitsplätze bietet. Man kann es nicht oft genug sagen: Dieses Land lebt aus eigener Kraft, trotz aller Bedrohung durch seine Nachbarn, ist von der Finanzkrise nicht betroffen, ist nicht überschuldet, hat einen Lebensstandard, der dem deutschen in etwa entspricht. Bei den hohen Verteidigungsausgaben wahrlich eine anerkennenswerte Leistung. Finanzielle Hilfe bekommt Israel nur für die Verteidigung, fürs Militär. Und sie fällt vergleichsweise gering aus. Es sei allen Kritikern gesagt: Deutschland zahlt nichts!

Nur die Mittelschicht?

Immer wieder hört man(richtigerweise) von der Belastung der Mittelschicht. Der Teil der Bevölkerung der schlechter darsteht, wird in diesen Berichten leider vollkommen ignoriert und das Bürgertum als Hauptleidtragende von Miet- und Preiserhöhunge, sowie Reallohneinbußen stilisiert.

re gattopardo

" Es sei allen Kritikern gesagt: Deutschland zahlt nichts!"

Das ist ja wohl ein Witz.

Rund ein Drittel der Baukosten für israelische U-Boote wird aus der deutschen Staatskasse subventioniert.

@ Gattopardo

Nur zur Berichtigung Ihres letzten Satzes bemühen Sie doch beispielsweise mal hxxp://tagesschau.de/ausland/israel1214.html

Gattopardo

Zitat: "Es ist doch schön zu hören, dass Israel die gleichen Probleme hat wie die meisten Länder in Europa."

Nein, ich verstehe nicht, wieso es überhaupt schön zu hören sein soll, wenn jemand ein Problem hat.

Und ich verstehe auch nicht, was der Kommentar mit dem Thema "Israels Mittelschicht ächzt unter hohen Mietkosten" zu tun hat.

Jedoch kann ich selbst nachfühlen, wie es Itai und seiner Familie geht, und ich wünsche den Israelis viel Erfolg dabei, eine gerechtere Politik zu finden und zu wählen.

re gattopardo

"Diese Normalität unterscheidet dieses Land von allen seinen Nachbarn"

Von seinen Nachbarnb unterscheidet das Land vor allem, dass die Bevölkerung zu einem großen Teil aus Einwanderern besteht, die aus ihren Herkunftsländern eine qualifizierte Ausbildung und Berufserfahrung mitgebracht haben.

Überall werden die Bürger wirtschaftlichen Interessen geopfert!

Die Regierungen jubilieren über gute wirtschaftliche Eckdaten und sind dann plötzlich überrascht, dass es bald Altersarmut, Verelendung und Wohnungsnot gibt.

Auch die "beste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung" lobt sich wegen der niedrigen Arbeitslosenzahl und der hohen Steuereinnahmen.

Dass der Durchschnittsbürger von der Hand in den Mund lebt und keine Chance hat, sich eine bürgerliche Existenz (Familie, WOhneigentum, Altersvorsorge) aufzubauen, wird dabei einfach ignoriert.

Das Medianeinkommen (mittlere Nettoeinkommen) war 2010 NIEDRIGER als 2000!!! Nämlich 1234 EUR!

http://de.wikipedia.org/wiki/Mittleres_Einkommen

Politiker schauen wahrscheinlich auf das Netto-Durchschnittseinkommen, dass 2009 immerhin bei 2706 EUR - also fast doppelt so hoch war.

@karwandler: Ausbildung der Einwanderer / Wahlkampfthemen?

Das haben in der Tat viele - aber die Einwanderungswelle nach der Zerfall der UdSSR ist jetzt schon etliche Jahre vorbei, und die aus westlichen Ländern schon lange. Dennoch sprechen viele Menschen sprechen noch immer mehr Russisch als Hebräisch und längst nicht alle können in dem Beruf arbeiten, den sie vor langem mal ganz woanders gelernt hatten. Dafür lernen immer mehr in rel. Schulen kaum noch Mathe, Naturw., Fremdsprachen.

Dass der Protest von 2011 in der Wahl eine Rolle spielt kann ich nicht sehen. Ganz böse: eigentlich sehe ich überhaupt kaum Themen. Alle finden sich damit ab, dass N. wieder Premier wird - einen wirklichen Gegenkandidaten gibt es nicht mal. Die Parteien versuchen nur vorher mögl. viele Mandate zu bekommen - und am besten mitzuregieren!

Ein Zusammenbruch der Regierung irgendwann NACH der Wahl ist doch ein recht trauriges Ziel.

Bemerkenswert

...ist, dass Netanjahu das Haushaltsdefizit vor der Wahl aufgefallen ist. In Mitteleuropa wird das stets erst nach den Wahl(versprech)en bemerkt.

Endweder Krieg oder Leben

Aber beides funtkioniert nicht..die Preise und die Isolation werden weiter steigen. Wenn die radikalen Strömungen weiter die öffentliche Meinung beherschen, wird die Situation für ALLE extrem schlechter und schwieriger..

Spitze in Forschung und Entwicklung

Israelische Bürger sind vor allem in den hervorragenden Unis des eigenen Landes ausgebildet worden. Die sind international Spitze auf vielen Gebieten (Medizientechnik, Speicherchips, Agrar-Technik uvm.). Dass es ein Land ohne jegliche Probleme geben könnte, erscheint mir undenkbar. Nur schön, dass Israel nicht die Probleme Ägyptens hat, oder der Magrab-Staaten. Warum klappt es dort eigentlich nicht mit der Wirtschaft und der Gesellschaft? Alles spätkoloniale Folgen? Oder eigenes Unvermögen?

Ist schon ein Problem

die wachsende Bevölkerung und der fehlende Wohnraum in attraktiver, zentrumsnaher Wohnlage. Man muss bedenken, dass sich die Bevölkerung Israels von 3,25 Mio Einwohner vor 40 Jahren mittlerweile auf 8 Mio mehr als verdoppelt hat.

Hohe Mieten in attraktiven Wohngegenden und fehlende Nachmittagsbetreuung, das kommt mir aus Deutschland nur allzu bekannt vor. Der Kanzlerkandidat der SPD schlägt deshalb ja jetzt eine Deckelung der Mietpreise vor und die Klagen über fehlende Nachmittagsbetreuung kennt auch jeder Kommunalpolitiker, wobei wenn ich es richtig weiß. Ein Ganztagsschulsystem, über das bei uns erbittert gestritten wird, gibt es doch in Israel. schon. Sicherlich müsste man wohl für manches, besonders für Bildung mehr Geld in die Hand nehmen um den hohen Standard am Hightech-Standort Israel (ja den gibt es!) dauerhaft zu erhalten. Gut, dass GER und die USA Israel bei den Sicherheitsausgaben entlasten.

Einfache Lösung

Man nimmt einfach irgendeinem anderen Volk Lebensraum weg ... und baut neue sog "Siedlungen" ... dann wird der Wohnraum langfristig billiger.

Ob das allerdings eine gute Idee ist ... tja!

Asset Price Inflation...

...in Immobilien, Aktien und Gold sind eine Folge der überschiessenden Giralgeldschöpfung. Diese Asset Price Inflation wirkt sich auf die Mieten aus.

Steigen die Löhne nicht gleichermaßen mit, hat man für die Mehrheit der Bevölkerung stagflatorische Zustände, wie wir sie seit ca. 20 Jahren beobachten. Deshalb geht auch die Schere zwischen fleißig und reich immer weiter auseinander.

Die gleichen Tendenzen sind in deutschen Großstädten wie Hamburg, München der Berlin sichtbar.

Ursachen und Lösungsansätze finden sich bei der Radiosendung aus dem Deutschlandfunk:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1968379/

Sehr hörenswerter Beitrag vom Deutschlandfunk!

Nun wollen wir mal raten

Nun wollen wir mal raten, wem die Wohnungen gehören? Na, doch wohl nicht etwa Netanjahu und seinen Parteifreunden? Wenn ja, würden Kampf + Wohnungsmangel die Preise weiter nach oben treiben, so sind nun mal die Gesetze des Marktes. Die Siedlungen sind für die Ultra-Orthodoxen, damit die da mitziehen.

Fehlender Wohnraum

Gerade in Tel Aviv Innenstadt (wo die Mieten wohl am höchsten sind) ist mir aufgefallen: es stehen viele mehr oder minder abbruchreife, "entkernte" oder sonstwie nur halb belegte Gebäude herum. Meine Vermutung: da wird bewusst nicht investiert, weil man die Fläche später teurer verkaufen will.

Auch in Jaffa, dem alten arabischen Zentrum etwas südlich, stehen jede Menge Wohnungen leer. "Herrlicher Altbau" oft, was auch heisst: dringend renovierungsbedürftig.

Nebenbei: auch viele der ca. 5000 Bauhaus-Gebäude, wie man sie in der Konzentration nirgendwo sonst findet, sind in recht beklagenswertem Zustand. Die typischen Fassaden, bröckelnd und schmutzig, sind mit lauter drangeklebten Klimaanlagen und Reklamen bedeckt. Denkmalschutz ist auch dort ein teures Vergnügen.

Dafür viele breite Alleen, mit mehr Raum für Menschen (und Hunde) als Autos!

Globalisierung

Hört sich eigentlich ganz wie bei uns an.
Sind die Immobilien Heuschrecken nun auch über Israel hergefallen oder strömen dort auch so viele Zuwanderer ein wie in Deutschland?

18. Januar 2013 - 11:57 — Gattopardo

Israel wäre aus eigener Kraft wirtschaftlich nicht lebensfähig. Seine Wirtschaft ist eine Transferökonomie, und das ist politisch so gewollt. Israel ist ein Land der ersten Welt das ringsum von Drittweltländern umgeben ist. Daraus resultiert ein Großteil seiner Probleme. Um das zu verstehen, muß man sich einfach mal die europäische Position verdeutlichen. Wir haben, wenn überhaupt, dann nur wenig Grenze zur dritten Welt, und trotzdem müssen wir unsere Grenzen mit militärischen und teilweise unmenschlichen Mitteln gegen den Zustrom der Armutsflüchtlinge sichern. Israel ist ringsum von Armut und Elend umgeben. Daß das zu, teilweise gewalttätigen, Spannungen führt, ist kein Wunder.

Israel ist von großer strategischer Wichtigkeit in der Region für den sogenannten Westen, deswegen wird es ökonomisch unterstützt. Das hat nichts mit der angeblichen Macht der jüdischen Lobby zu tun, es geht hier um knallharte wirtschaftliche Interessen.

Ablenkungsmanöver

Tja. Wenn man innenpolitisch versagt hat, kann man am besten davon ablenken, indem man die Außenpolitik (Iran) immer wieder zum Thema macht. Das hat die Regierung doch prima hinbekommen.

re karwandler

"Von seinen Nachbarnb unterscheidet das Land vor allem, dass die Bevölkerung zu einem großen Teil aus Einwanderern besteht, die aus ihren Herkunftsländern eine qualifizierte Ausbildung und Berufserfahrung mitgebracht haben."

=> woraus sich dann wohl schliessen läßt, das Israel attraktiver für gebildete Menschen ist, als viele andere Länder.

Die Bevölkerung in Israels direkter Umgebung stammt übrigens grösstenteils aus Ägypten (Gaza) und Jordanien (Westbank).

18. Januar 2013 - 14:27 — Einfach Unglaublich

"Sind die Immobilien Heuschrecken nun auch über Israel hergefallen oder strömen dort auch so viele Zuwanderer ein wie in Deutschland?"

Wenn in Deutschland so viele Zuwanderer einströmen würden wie in Israel, dann möchte ich nicht wissen, was hier los wäre.

Wenn Sie die Zuwanderer bei uns schon stören, dann seien Sie froh, daß Sie nicht in Israel leben. Sie würden schreiend die Flucht ergreifen.

@fathaland slim: nicht überlebensf. / von Armut und Elend umg.

Das würde ich so nicht unterschreiben.

Fährt man von Israel nach Jordanien oder umgekehrt, fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt: penible Planung und Ausführung gegenüber arabisch wucherndem Chaos, das trotzdem irgendwie funktioniert. Das hat viel mit Mentalität zu tun. Wo wir etwa über Dreck auf arabischen Straßen klagen, halten die Leute dort andere Dinge für wichtiger, etwa an jeder Ecke erstmal einen Kaffe zu schlürfen und zu plaudern. Elend ist anders!

Israel wäre heute auch ohne Finanzinfusionen lebensfähig. Das ist weder eine Frage der Größe noch der Zugehörigkeit. Neuseeland etwa kann das auch. Aber eine Trennung von westlichen Industriestaaten will hier wie da keiner.

Nebenbei exportiert Israel ja auch einiges - und keineswegs mehr vorwiegend Orangen!

re gattopardo

Vor lauter Lobeshymnen kommen Sie wohl nicht dazu, auf den Vorwurf der Desinformation bzgl. deutscher Finanzhilfe für Israel einzugehen ...

18. Januar 2013 - 15:49 — MyNung

So genannte "Mentalitätsunterschiede" gehörten immer zum rassistischen Repertoire. Ich möchte Ihnen nicht unterstellen ein Rassist zu sein, aber Ihre Beschreibung der Araber deckt sich mit der Beschreibung der schwarzen durch die weißen Amerikaner, der Juden durch die Deutschen, der "Zigeuner" durch die Mitteleuropäer, der "Mittelmeervölker" oder "Südländer" durch die Mitteleuropäer usw.

ich kann Ihnen hier ein Buch empfehlen: "Europa erfindet die Zigeuner" von Klaus-Michael Bogdal. es ist etwas mühsam zu lesen, da mit Fakten vollgestopft, aber es lohnt sich. Sie finden da viele Stereotypika beschrieben, die ich auch in Ihrem Kommentar finde.

Eine Art und Weise, sich verstörendes Elend vom Leibe zu halten, ist dessen Romantisierung.

Es ist überhaupt ein Wunder

das Israel nach den horenden Verteidigungskosten und den ständigen Angriffen von außen überhaupt noch so gut dasteht.

Und das von einem Land,das nicht mal so groß ist wie Hessen und das umgeben ist von Ländern, die das Existenzrecht Israels ständig in Frage stellen.

Das natürlich in diesem Fall auch innenpolitisch einiges vernachlässigt wird, sollte man Isreal nachsehen.

Aber immerhin gibt es in Israel eine starke Bevölkerung und ein demokratisches System, das die Regierung fordert und daher haben sie eben auch die gleiche Probleme wie bei uns.

Bei den Palästinensers sieht es schlecht aus. Die dürfen nicht mal "Piep" sagen, ohne niedergeknüppelt zu werden.

@fathaland slim: verstörendes Elend?

OK, ich denke, ich verstehe, was Sie meinen.

Dennoch: ich war gerade in beiden Ländern (kurz). Dass es Flüchtlingslager und jede Menge Vertrieben, jetzt auch aus Syrien, gibt weiss ich natürlich.

Aber: In Jordanien habe ich nichts gesehen, was ich als Elend bezeichnen würde. Jedenfalls weder in Amman noch Irbid noch vielen Dörfern. Ich glaube nicht, dass ich das romantisiere.

Was also meinen Sie damit? Und inwiefern ist das die Ursache für gewalttätige Spannungen?

Die sehe ich eher darin, dass die Gründung und Existenz Israels notwendigerweise dazu führt (über Gründe, Berechtigung, Existenzrecht, Moral etc. will ich damit nicht reden).

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