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Ein Problem durch Gewerkschaften verursacht.

In praktisch allen Ländern in denen es sehr schwer ist Mitarbeiter zu entlassen gibt es extrem viele befristete Arbeitsverhältnisse, zum Beispiel in Spanien und Italien, wo das Problem schon viele Jahre vor der Krise bestand. Vor allem ist aber in all diesen Ländern die Jugendarbeitslosigkeit extrem groß. Diese Probleme sind vor allem neben Italien und Spanien, auch in Frankreich zu beobachten.

In Spanien kommt es regelmäßig vor, dass Unternehmen Insolvenz anmelden müssen weil sie keine Leute entlassen können oder weil sie so hohe Abfindungen zahlen müssen dass sie sofort insolvent sind.
Die Regierung hat deshalb die Abfindungen gerade erst auf ein Jahresgehalt gesetzlich begrenzt, was sicher noch lange nicht als flexibler Arbeitsmarkt zu bezeichnen ist.

In Italien stellen kleine Unternehmen keine weiteren Mitarbeiter aufgrund des Kündigungsschutzes ein.

Für genau solche Probleme sind ausschließlich die Gewerkschaften verantwortlich.

So etwas muss zwangsläufig in einer Krise enden.

Lösung durch Lehre ist fraglich

Ohne mich mit den Verhältnissen in italienischen Firmen auszukennen vermute ich jedoch, daß die Problematik der "Ausbeutung" junger Arbeitskräft (sowie das Fehlen von akzeptablen Verträgen) durch eine Lehre nicht gelöst werden kann. Ich kann mir sogar gut vorstellen, daß die Lehrlinge gerne anstelle der jungen "Zeitarbeiter" angenommen werden um die Kosten zu senken ohne eine realistische Aussicht auf eine "feste" Stelle nach Abschluß.
Hinsichtlich der besseren Qualifizierung der Jugend könnte das Modell schon Vorteile erbringen aber dies scheint nicht der Kernpunkt dieses Artikels zu sein.

Die These von rex3 hinsichtlich Einfluss/Schuld der Gewerkschaften ist interessant und diskussionswürdig. Generell die Frage von Aufgabe und Nutzen im Vergleich zur eigentlichen Tätigkeit und Zielsetzung von Gewerkschaften in diesem Jahrhundert dürfte so einige Fragen aufwerfen.

Volle Arbeit, aber schlechte Bezahlung

Das gleiche Problem haben wir doch auch in Deutschland. Junge Leute werden nach der Lehrzeit oder dem Studium mit Zeitverträgen bzw, Praktika abgespeist. Eine vernünftige Familienplanung ist doch damit gar nicht mehr möglich. Deshalb ist die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns zwingend notwendig. Deutschland war mit seinem dualen Ausbildungssystem einmal Vorbild, aber das hat sich schon längst geändert. Heute spielt in vielen Firmen nur noch die Rendite eine Rolle. Viele Menschen, besonders die jungen Leute, werden oft schlecht bezahlt? Sie sind trotz eines festen Einkommens auf zusätzliche staatliche Hilfe angewiesen.

nicht paradox aber

Fassen wir zusammen:
In Italien bekommen die Volksvertreter und ihre Bediensteten mehr Geld als in Deutschland.
Italiener haben mehr Sparvermögen als Deutsche!
Italien hat eine Jugendarbeitslosigkeit die einem denkenden Menschen Alpträume bescherrt. Ähnliches gilt in Spanien, Protugal, Griechenland, Irland etwas besser in Frankreich.
In Deutschland ist es aber nicht unbedingt besser. Klar ist der Lebensstandard bei den Meißten höher als vor 20 oder 30 Jahre, aber die gesellschaftlichen Ungleichgewichte sind viel größer. Chancen und Risiken polarisieren sich immer mehr, wobei eben die Chancen nach oben und die Risiken sich nach unten polarisieren.

Diese Krise ist wohl mit Vernunft nicht lösbar, denn gegen Gier hilft kein vernünftiges Argument, sondern nur Wut. Trotz allem heutigen Reichtums geht es bei vielen um die nackte Existens. Denn es gibt einen Unterschied zwischen Überleben und Leben.
Leider verstehen dies noch viel zu Wenige, und das kenn einem schon Angst machen.

Nun, auch bei uns bekommen

Nun, auch bei uns bekommen die jungen meist viel weniger, z.B. weil sie die neuen ERA-Verträge bekommen. Das Ausbildungssystem ist gut, was danach kommt, ist das Problem. Das wird sich in Italien dann auch sicher nicht so schnell ändern.

Zitat: "In praktisch allen

Zitat: "In praktisch allen Ländern in denen es sehr schwer ist Mitarbeiter zu entlassen gibt es extrem viele befristete Arbeitsverhältnisse, zum Beispiel in Spanien und Italien, wo das Problem schon viele Jahre vor der Krise bestand."

Wie sehen sie das in Deutschland? Hier ist es doch recht einfach, Leute zu entlassen, durch betriebsbedingte Kündigungen. Niemand muss insolvent gehen wegen seinen Mitarbeitern. Ist das in Italien und Spanien so viel anders?

Vorbilder gibt es genug

Es ist doch sehr deutlich, dass sich die Situation der Arbeitsmärkte in südeuropäischen Ländern von der Situation in Mittel- und Nordeuropa unterscheidet. Dabei spielen die Einflüsse der Gewerkschaften ebenso eine Rolle wie ein anderes Verständnis von Kündigungsschutz - aber auch von politischer Ordnung insgesamt. Das Modell der dualen Ausbildung in Deutschland ist ein Erfolgsmodell, deshalb wird es auch seit Jahren durch die Außenhandelskammern mit Partnern im Ausland zusätzlich angebten. Schon heute ist es bspw. möglich, eine Ausbildung nach hiesigem Vorbild in einigen Betrieben in Portugal und sogar in Ägypten zu absolvieren. Damit wird aber der Misere auf den Arbeitsmärkten nicht passend begegnet. Es müsste vielmehr ein Miteinander der Akteure geben - so wie es auch bei uns zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften im Großen und Ganzen herrscht. Davon scheinen mir aber vor allem die Gewerkschaften in Italien, Frankreich aber selbst in Großbritannien doch weit entfernt zu sein.

@ pkeszler

Wissen sie ueberhaupt, wovon sie reden, wenn sie die Situation der jungen Leute in Italien und Deutschland miteinander vergleichen? Ich wohne seit Jahren in Italien und weiss: das Durchschnittseinkommen eines Italieners liegt bei 800 EUR, dafuer doppelte Lebenshaltungskosten- ein Rechnung, die sicherlich nicht fuer Deutschland gueltig ist.
Sie wissen doch ueberhaupt nicht, wie privilegiert Arbeitnehmer in Deutschland sind im Vergleich zum europaeischen Durchschnitt- und noch immer wird gejammert..

In Spanien gibt es das schon seit langen!

In Spanien nennt sich das FP - Formacion profesional - und wird hier schon seit Jahren praktiziert. Es geht allerdings nur ein JAhr, was vielleicht auch ausreichend ist für Arbeitgeber in Italien. Das komische ist nur, das es den ARbeitsmarkt überhaupt nicht beeinflusst. Es geht doch nur darum, wie man es schafft die Jugendlichen, die nicht auf die Universität gehen können weitere Jahre zu beschäftigen und sie nicht dem verwüsteten ARbeitsmarkt überlässt. Ist auch für die Statistik viel besser. Die ganzen Möglichkeiten mit unbezahlten Praktikas, Zeitarbeitsjobs, u.s.w. haben wir alles unseren Politikern zu verdanken. Das diese Systeme langfristig nichts Gutes bewirken wusste jeder schon bei der Einführung. Arbeitsplätze richte sich nach der Nachfrage und der Arbeiter ist ein Produktionsmittel. Werft doch mal ein Blick in die Schweiz. Praktikas sind dort Zahlungspflichtig, fast wie ein Angestellter. ABer die SChweiz ist ja ein sozialistischer Musterstaat. Eine schöne Krise noch!

Vergleich Deutschland - Südeuropa

@LastGunman

"Wie sehen sie das in Deutschland? Hier ist es doch recht einfach, Leute zu entlassen, durch betriebsbedingte Kündigungen. Niemand muss insolvent gehen wegen seinen Mitarbeitern. Ist das in Italien und Spanien so viel anders?"

Ja!
Aus meinem familiären Umfeld weiß ich, dass in Spanien kaum einer unter 40 Jahren einen festen Job hat. Die Meisten sind beim Staat beschäftigt, oder im eigenen Familienbetrieb. Die große Mehrheit hat befristete Jobs oder schlägt sich von einem zum anderen so durch. Das ist in D nicht ansatzweise so schlimm. Von der Jugendarbeitslosigkeit mal ganz abgesehen.

Wenn bei uns ein kleines Unternehmen erfolgreich ist wächst es und stellt Leute ein. In Italien geschieht das fast nie, aus Angst, dass man die nächste Krise nicht überleben wird, da man kaum entlassen kann. In manchen Bereichen ist es aber wichtig in guten Zeiten wachsen zu können.

Und die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich mit einem Mindestlohn, der für alle gleich ist, spricht Bände.

@agora

Es ist ja vollkommen richtig, dass die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für junge Leute in den südlichen Ländern der EU wesentlich schlechter sind, als in Deutschland. Aber deshalb müssen sie in Deutschland nicht immer schlechter werden.

Für Mindestlohn, aber nicht für alle gleich.

Typisch für alle Länder mit sehr hoher Jugendarbeitslosigkeit und vielen befristeten Arbeitsverträgen ist ein extremer Kündigungsschutz und ein unflexibler Mindestlohn, bei dem ein Berufsanfänger das gleiche bekommen soll wie ein erfahrener Mitarbeiter.

Warum sollte da ein Unternehmen einen Berufseinsteiger einstellen, in den man erst mal invertieren muss und bei dem man nicht genau weiß ob sich das lohnt, ob der für diesen Job überhaupt geeignet ist, wenn der das gleiche Kostet wie einer mit Berufserfahrung?

Ich bin ja auch für Mindestlöhne um einige Auswüchse bei uns zu begrenzen. Aber dass was wir in Südeuropa, und dazu zähle ich in diesem Sinne auch Frankreich mit dazu, sehen schadet nur, vor allem den Jugendlichen.

Ein Mindestlohn und ein Kündigungsschutz muss abhängig von der Qualifikation, Berufserfahrung und anderen Kriterien sein und er muss den Unternehmen einen gewissen Spielraum lassen, sonst profitieren irgendwann nur noch wenige zum schaden der Mehrheit und der Jugend.

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