Ihre Meinung zu: Suizid-Serie in Frankreich: Haftstrafen für Ex-Télécom-Manager

20. Dezember 2019 - 16:06 Uhr

Zehn Jahre nach einer Suizid-Serie bei France Télécom sind Ex-Manager zu Haftstrafen verurteilt worden. Der Konzern wurde zu der höchstmöglichen Geldstrafe von 75.000 Euro verurteilt.

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Kommentare

Kapitalismus zeigt sein Gesicht

Im Kommunismus werden die Leute so umgebracht, im Kapitalismus so.

Bei sozialer Marktwirtschaft habe ich das noch nie so gehört.

"zu höchstmöglicher Geldstrafe von 75.000 Euro verurteilt"

Das es gleich die Höchststrafe sein muss? Ist das nicht etwas übertrieben? Das Gericht hätte zuvor bedenken sollen, dass man mit dieser Höchststrafe, immerhin 75 Tausend Euro, die Firma eventuell in den Konkurs treibt und dadurch viele Arbeitsplätze verloren gehen mit menschlichen Tragödien, was man ja genau nicht wollte.

Ähm, 19 Selbstmorde und 12 Selbstmordversuche...

...und dann gibt es 4 Monate Haft mit 15.000 Euro Strafe und die Firma kommt mit 75.000 Euro davon?

Sicherlich alles gesetzlich korrekt abgewickelt und von den teuren Anwälten gut ausgehandelt.

Ich frage mich, welche Strafe sich die Betroffenen vorgestellt haben und wie weit das von dem, was das "Volk" (Gericht) entschieden hat, abweicht.

Kein Wunder gehen die Leute in Frankreich auf die Straße, auch wenn es in Deutschland wohl ähnlich geendet hätte.

Und dann wundern sich die Leute, dass Populisten mit markigen Sprüchen so großen Zulauf bekommen.

Suizid-Serie in Frankreich:Haftstrafen für Ex-Telecom-Manager..

Da müssen ja leckere Arbeitsbedingungen herrschen.
Und "die Angeklagten wiesen die Vorwürfe zurück".
Die sehen das sicher als normal an,"alternativlos",sonst werden die Anleger verprellt.

"Das Gericht begründete sein Urteil wie folgt: Die Angeklagten hätten in den Jahren 2008 und 2009 mit den Mitteln von Druck und Einschüchterung ein Programm zum Abbau von mehr als 20.000 Stellen im Konzern durchgesetzt. In dem Unternehmen habe ein "Management durch Terror" geherrscht, schrieb ein Mitarbeiter Medien zufolge in seinem Abschiedsbrief"

Solche Methoden sind aber in der gesamten globalen Geschäftswelt offensichtlich gang und gäbe, wie man gerade diese Woche einer anderen Meldung entnehmen konnte (tagesschau.de/investigativ/br-recherche/h-und-m-107.html).

Der "Deal" der Vertreter der "Kapitalseite" mit den Arbeitnehmern lautet offenbar wie folgt: Weitestgehende Aufgabe der Menschenwürde und Selbstbestimmung gegen die (mehr oder minder auskömmliche) Gewährleistung des Lebensunterhalts (in Form von Lohn/Gehalt).

man staunt nur noch

10 jahre arbeit der behörden und 75000 kommen raus. gut , daß frau lagarde nun bald für die franzosen richtig geld bereitstellt, gesponsert von freunden/innen/diversen

"Management durch Terror"

Man kann alles übertreiben, in Worten und Taten. Das überhaupt "andere" für den Suizid von Mitarbeitern zur Verantwortung gezogen werden, wer hätte das gedacht und im Ernst, wer würde glauben, das hier ähnliches möglich wäre.
Zusammen sitzen eine hübsches Pfeifchen in der Mittagspause und einen braunen Kecks mit Hanfaroma in der Kaffeepause, so wird ein Schuh draus udn der Leistungsdruck ein wenig abgefedert - aber die Zeit der "Massenentlassungen" dürfte auch für Frankreich zu ende sein, oder wie steht es dort mit den "Fachkräften"?

@  15:27 von Illusiontrust

Maß beachten, nicht lachlachhafte Limits.
75.000 bei ABBAU von 20.000 Stellen? Wieviel insgesamt?
75k sind NICHTS
Das ist so deutsch. Situation erfassen. Dann beurteilen.
Aber Begriffe sind einfach.

@ Illusiontrust, um 15:27

So richtig witzig finde ich Ihren offensichtlich ironisch gemeinten Kommentar angesichts der menschlichen und familiären Tragödien, die sich abgespielt haben und sicher bis heute anhalten, trotzdem nicht.
Doch halte auch ich die Höhe der Höchststrafe eher für lächerlich, da fehlen mindestens 2 Nullen, damit die Familien angemessen entschädigt werden können.

Wohl meine ich mich zu erinnern, dass damals sehr wohl die Nachrichten von Selbstmordserien bei der France Télécom berichteten.

@ Nettie (15:36)

>>Solche Methoden ... in der gesamten globalen Geschäftswelt ... Der "Deal" der Vertreter der "Kapitalseite" mit den Arbeitnehmern lautet offenbar wie folgt: Weitestgehende Aufgabe der Menschenwürde und Selbstbestimmung gegen die (mehr oder minder auskömmliche) Gewährleistung des Lebensunterhalts (in Form von Lohn/Gehalt).<<
------
Unsere Gesellschaft so zu beschreiben ist nicht nett. Das ist gemein. Die Arbeitnehmer arbeiten auch für ihren Sozial- und Krankenversicherungschutz. Und es bleibt was für die Steuern übrig, und Urlaub zum erholen, und für Weinachtsgeschenke. Löhne/Gehälter kommen natürlich immer irgendwann auf die "Kapitalseite". Dafür trägt die ein "Existenzrisiko". Was wollen die "Arbeitnehmer" - mehr?

Suizidserie in Frankreich

Das Urteil? Eine Rchts-und Menschenschändung.
Wie kann man sich wundern, wenn Menschen die façon verlieren und Gemetzel anrichten.
75.000 € Strafe für den Konzern Telekom.
Hat man hierbei auch die Angehörigen der Suizidopfer entschädigt?
Ganz einfach eine Schande. Was machen die Gewerkschaften da?
Gibt es noch welche? Was leisten sie auch? Dumme Fragen, n‘est pas? Ob die Franzosen nun endlich nicht eine zweite Revolution veranstalten sollen, damit Zins und Usur endlich aus der Welt für allemal weggeschafft werden? Bevor der Capitalismus uns alle in Kannibale verwandelt.

Grund für das wahrscheinliche Aussterben der Menschheit

Auch wenn es für die meisten Leute abwegig und übertrieben klingen muss, so ist diese Nachricht bloß ein sehr deutliches Beispiel.

Beispiel für was? - Nun, die "Kultur", mit der mehrheitlich um den Globus ge"wirtschaftet" wird, ist bei ehrlich-nüchterner Betrachtung: gnadenlos, ausbeuterisch und das Gegenteil von nachhaltig. Menschen werden ebenso wie Naturgüter verschlissen, um den Gewinn kurzfristig zu maximieren.

Ich wage sogar vorauszusagen, dass diejenigen Diskurse, die zu solchen Unternehmens"kulturen" führen, denen auf Abnehmerseite ein kompromissloses Konsumdenken entspricht, - dass diese Diskurse langfristig eine der wesentlichen Ursachen für nichts Geringeres sein werden als:

Die Ursache, warum es über homo sapiens einmal heissen wird:

Wie abertausende andere Spezies in der Erdgeschichte, hat sich nicht bewährt...

... ist dann halt ausgestorben.

Aber was antwortet der Innere Schweinehund? Quatsch, wird gar nicht so kommen, da geht doch immer noch was...

16:53 von Sonnenmeer ...warum es über homo sapiens...

Wird es? Man könnte auch annehmen, das Aussterben allzu maßloser Spezies könnte schlicht eine Kollateralereignis ihrer Lieblingsbeschäftigung sein … aber ach, das wäre es dann ja, egal ob Gewalt gegen die äußere Natur oder gegen die eigene gerichtet wird, moralisch würde unser gesammelter Abgang so etwas wie einen kleinen aber gerechte Ausgleich bedeuten. Kommt vielleicht noch, mal sehen.
Aber haben wir nicht immer wieder überlebt, weil wir uns nicht von "Nebensächlichkeiten" haben irritieren lassen, haben wir nicht Mauern, Deiche, ganze Reiche auf den Knochen derjenigen erbaut, die dabei unter die Räder gekommen sind, sind wir nicht immer vorwärts geschritten, über die leichenberge derjenigen die vor uns waren? Nur wirkte das da noch immer "naturwüchsiger" in der "Alternativlosigkeit" des waren Lebens … Management Fehler, das klingt wahrlich vermeidlich und keineswegs so unausweichlich wie das Wort Suizid es scheinen lässt.

15:30 von Bernd Kevesligeti

"" Da müssen ja leckere Arbeitsbedingungen herrschen.
Und "die Angeklagten wiesen die Vorwürfe zurück". ""
#
Das habe ich mir gerade eben beim lesen der Geschichte auch gedacht. Wenn Mitarbeiter derart und Druck sehen und als letzte Mittel zum Suizid entscheiden ? Bei solchen Arbeitsbedingungen sind die Strafen für die Ex - Telecom - Manager viel zu gering meine ich.

Rechtsbeugung ...vom Feinsten !

Es ist zum weinen ....
Für die Eliten werden d. Strafen (fast immer) bis uns Lächerliche herunter-
geschraubt .
Da haben d. Lobbyisten ganze Arbeit geleistet !

Die Angeklagten werden
eine EXTRA-Portion Champus knallen lassen !.

Welch eine Niederlage f.d. Gerechtigkeit !
Man ist nur noch sprachlos ..........

"Management durch Terror"

ein schwieriges Thema !
wo beginnt "Terror" ?
hatte ne Teamleiterin in der Abteilung
die arbeitete bis 22:00, dass ging so weit, dass sich andere Abteilungsleiter schon
bei deren Chef kritisch äußerten ....
man muß sich mal überlegen, die hat 2 mal ihre Hochzeit wegen irgendwelcher
AK Zahlen verschoben !
irgend wann fand sie ihren Lebenspartner in ner Blutlache in der Küche
sie war daraufhin 6 Monate in einer psychiatrischen Anstalt
Unrechtsbewußtsein beim Abteilungsleiter ?
Anderer Fall, da beging ein Teamleiter Suizid, weil er den Druck nicht mehr aushielt
Unrechtsbewußtsein beim Centerleiter ?
.... und ich ?
hatte wenn ich morgens in den Spiegel schaute ein ungutes Gefühl
meine Loyalität der Firma gegenüber schrumpfte rapide
mit meinem Gewissen und meiner Ehre war das nicht mehr vereinbar
und ich kündigte (ok nicht ganz selbstlos - mit goldenem Handschlag)

Diese Mitarbeiter scheinen

Diese Mitarbeiter scheinen Druck nicht besonders gut ausgehalten zu haben. In global agierenden Firmen ist permanente Anpassung an eine sich ändernde Geschäftsumwelt normal. Ziemlich weltfremd, diese französische Rechtsprechung.

Dass ich das noch erleben darf...

Dass ich das noch erleben darf.

Menschen werden in den Suizid getrieben, und die Täter werden tatsächlich zur Rechenschaft gezogen!

Moment, das ganze im Nachbarland natürlich. Doch nicht bei uns.

Was müssten sich gewisse Arbeitgeber oder Jobcenter-Mitarbeiter in Deutschland sonst fürchten...

Deutsche lernen.....

Das was bei der France Telekom damals passiert ist, nehmen sich heute deutsche Konzerne zum Vorbild.
Mitarbeitern wird die Arbeit entzogen, sie werden aufs Abstellgleis gestellt und durch extra eingekaufte Psychologen wird permanent Druck ausgeübt damit die Mitarbeiter freiwillig gehen.

Das.....

.....würden die Vorstände deutscher Konzerne genauso machen. Ich hoffe es kommt mal ans Licht, was in den ehemaligen Staatskonzernen hierzulande passiert.
Das läuft heute nichts anderes als damals in Frankreich und bei dem zu erwartenden Strafmaß haben die Vorstände nicht mal Angst vor einer Bestrafung.

Keine Strafe ohne Gesetz

Gerichte urteilen nun mal nach dem Gesetzbuch. Dass die Strafe so niedrig ausfällt, liegt daran, dass es keinen entsprechenden Straftatbestand "jemanden in den Suizid treiben" gibt. Auch wenn es weh tut - keine Strafe ohne Gesetz. Das ist nun mal so in einem Rechtsstaat. Dass diese Tatsache von einigen hier schon wieder instrumentalisiert wird, um die Segnungen des Populismus zu verherrlichen, ist beschämend.

@harry_up ( 20.12.19, 16:21 Uhr)

"Doch halte auch ich die Höhe der Höchststrafe eher für lächerlich, da fehlen mindestens 2 Nullen, damit die Familien angemessen entschädigt werden können."
.
Kleine Rechtskunde: Geldstrafen, die in einem Strafprozess verhängt werden, gehen in voller Höhe an die Staatskasse.
.
Wenn die Familien der durch Suizid gestorbenen Mitarbeiter vom Unternehmen das fordern wollen, was der Volksmund als Entschädigung bezeichnet, was sich juristisch "Schadensersatz" nennt, dann müssen sie als Privatpersonen ihre Forderungen gegen das Unternehmen stellen und ggf. zivilrechtlich durchsetzen.
.
Wir müssen also zwischen dem Strafrecht und dem bürgerlichen Recht (Zivilrecht) unterscheiden. Im Strafrecht sanktioniert der Staat als Ordnungsmacht Straftaten von Bürgern oder Firmen. Im Zivilrecht versuchen die Bürger und Firmen unter- bzw. gegeneinander ihre Ansprüche durchzusetzen, der Staat ist dabei nicht mehr als ein Schiedsrichter. Das ist in Frankreich nicht anders als in Deutschland.

von Werner40 um 18:50

Hammer.

Zitat "In global agierenden Firmen ist permanente Anpassung an eine sich ändernde Geschäftsumwelt normal."

Selbstmorde gehören also für Sie dazu?
Ich arbeite schon seit 15 Jahren in solchen Unternehmen. Umgebracht hat sich aber da noch keiner.

Da bringen sich mehrere Menschen in einem Unternehmen selbst um und sie schwadronieren naiv aussenstehend von "weltfremd...."

Fragt sich nur, wer weltfremd ist.

Solche Ansichten erfüllen mich mit Abscheu und Trauer.

15:44 von Duzfreund

Als Aussenstehender maßen Sie sich ein ganz schön pietät- und gefühlloses Urteil an.

Gehäufter Suizid hat Ursachen. Da Drogenmissbrauch als Ursache anzuführen ist lächerlich. Wenns so wäre, Drogen sind die erste Stufe der Flucht aus zu viel Druck.
Man kann Menschen psychisch fertig machen. Wenn das jemand aus Profitzwecken tut, ist das der niedrigste Beweggrund schlechthin.

Drogenabhängige gehören unterstützt, nicht verachtet.

re von schiebaer45 18:07

Zustimmung zu Ihrem Kommentar.
Aber es gibt ja auch Gegenbewegung(Arbeitsunrecht.de).

Haben Sie den Kommentar weiter unten gelesen ? "Die Angestellten waren nicht hart genug im aushalten von Druck.Und das sei doch normal".

@ CaptainGreybeard, um 19:35

re @ harry_up, 16:21

Danke für den Crashkurs, das hab ich überhaupt nicht bedacht.

@Ist Wahr, 16:49

„Löhne/Gehälter kommen natürlich immer irgendwann auf die "Kapitalseite". Dafür trägt die ein "Existenzrisiko". Was wollen die "Arbeitnehmer" - mehr?“

Ein tragfähiges „Gleichgewicht“ zwischen beiden Seiten (man könnte es auch als „Fairness“ bezeichnen).

Das ist unter den derzeitigen Verhältnissen nicht einmal ansatzweise gegeben. Mit den mittlerweile bekannten Konsequenzen nicht nur für den gesellschaftlichen Frieden, sondern für unser aller zukünftiges Überleben überhaupt. Denn das setzt „menschengerechte“ ökologische und klimatische Bedingungen auf unserem Planeten voraus.

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