Ihre Meinung zu: Bildungsstudie: Mathe wird nicht besser

18. Oktober 2019 - 14:24 Uhr

Mathematik und Naturwissenschaften: Das Können von Neuntklässlern in diesen Fächern ist laut einer Studie in einigen Bundesländern deutlich schlechter geworden. Besonders betroffen seien Gymnasiasten.

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Kommentare

Worüber wundert man sich ?

Jeder, der die Tür zu einem Gymnasium findet, wird aufgenommen.
Nichtversetzen ist kaum noch möglich - und so werden die mangelhaften Kenntnisse immer weitergeschleppt.
Es gibt eine Menge Baustellen - aber die sind alle hausgemacht.
Und wenn die KMK meint, es gäbe keinen Grund zur Besorgnis, dann ist das wohl die größte Baustelle.

Die Frage stellt sich: und die Lehrer/innen?

Wie ist eigentlich die Ausbildung heute beim Lehrerberuf? Wie steht es um Allgemeinbildung der Lehrer/innen, wie um deren studentische Ausbildung? Ich denke, auch dieses Niveau sinkt seit vielen Jahren ins bodenlose.
.
Und schaue ich mir die Politik mit dem hilflosen Versuch, mit möglichst vielen "Quereinsteigern" das eigene politische Versagen kaschieren zu wollen, scheint es auch mit der Mathematik der Politiker/innen nicht weit her zu sein. Denn jedes Bundesland weiß sehr genau, wie viele Kinder heute geboren und in 6 oder 7 Jahren in die Schule müssen. Das sind alles keine Überraschungen.
.
Wenn also heute viele Lehrer fehlen, dann fehlt es eben auch am Mathematikverständnis der unzähligen Kultusminister in Deutschland.

Vielleicht sollte man es mal mit ausreichend Lehrern versuchen?

OK., das wäre natürlich das Naheliegenste, aber wie soll eine PolitikerIn das erkennen?
Die sind ja noch nicht mal solange im Amt, wie die Lehrerausbildung dauert.

Mich würde da noch eins interessieren: Einschulungsalter

Speilt das eigentlich eine Rolle?
Man vergleicht Klassen, aber das sagt nichts über das Alter der Schüler aus. Es wird angeblich immer früher eingeschult und 6 Monate ist in manchem Alter viel Zeit.

Kein Wunder bei dem Lehrplan

Die pädagogischen Konzepte der letzten Jahre - Kompetenzorientiertes Unterrichten u.ä. sind damit dann mal famos gescheitert. Mathe in der Schule ist halt auch zu 90% Handwerk muss halt einfach mal "gebimst" werden. Starpianisten spielen täglich 2-3 Stunden stupide "Fingerübungen" um die Hände geschmeidig zu bekommen. Eine "Päckchenaufgabe" dagegen gilt in der heutigen Schulrealität aber schon fast als verpönt - es muss "Modellbildung" und eigene Kreativität ausgelebt werden. Das führt dann dazu, dass die Guten nicht viel besser und der Rest eher schlechter wird weil die Sicherheit der Routine verloren geht. - Ein Insider des Bildungssystems

Schuljahrsbedingt?

Bei mir ist es schon lange her, die 9.Klasse. Der Grundstein für den Sroff wurde in der 8. Klasse gelegt, in der ich krankheitsbedingt viel gefehlt habe, dazu musste ich aufgrund eines Umzuges Anfang der 9. die Schule wechseln. Entsprechend schwer fiel mir dann der Unterrichtsstoff, bis ich völlig raus war aus dem Stoff Wer dann nicht mitkommt, geht fachlich unter. Dabei konnte der Lehrer auch nicht helfen.

Wenn es sich bis heute noch nicht geändert hat im Schulsystem, dass nicht auf Schüler eingegangen wird, die den Stoff begreifen möchten, aber ihn nicht verstehen, dann soll sich keiner wundern, dass sich die Durchschnittsleistungen der Schüler nicht verbessern. Klar, die Lehrer sind auch überfordert, verständlich. Aber können die Finanzhaushalte der Kommunen nicht mehr Nachhilfe fördern? Das wäre eine Investition in die Zukunft. Wie sollen diese Schüler denn sonst in die MINT-Berufe einsteigen können, wenn schon in der Schule die Noten nicht stimmen?

was heisst denn " signifikant

was heisst denn " signifikant " oder " deutlich schlechter geworden " ?

Klar gehen die Leistungen

in den Gymnasien zurück.

Zunächst werden viele Kinder auf diese Schulform geschickt, weil die Eltern es aus Zukunftsängsten für die Kinder so wollen.

Dann presst man den Stoff in eine kürzere Lernzeit, weil angeblich die wirtschaft nicht ein Jahr länger warten möchte.

Den Verantwortlichen sollte man eigentlich die politischen und ideologischen Brillen wegnehmen, damit man sich mal wieder auf das wesentliche Konzentriert: Wissen und Know-How für ein eigenverantwortliches Leben zu vermitteln.

15:35 von HSchmidt

Worüber wundert man sich ?

Jeder, der die Tür zu einem Gymnasium findet, wird aufgenommen.
Nichtversetzen ist kaum noch möglich - und so werden die mangelhaften Kenntnisse immer weitergeschleppt.
Es gibt eine Menge Baustellen - aber die sind alle hausgemacht.
Und wenn die KMK meint, es gäbe keinen Grund zur Besorgnis, dann ist das wohl die größte Baustelle.
///
*
*
Aber am Sytem liegt es bestimt nicht.
*
Wer Instandhaltungsrücklagen und neue Kohle sofort in Wertschätzung und Unterichtsverlürzung umrubelt, der kann doch seinen Verstand vermiteln?

@ Tada

Es gibt feste Zeiten in denen ein Kind geboren sein muss, um in die Schule zu kommen. Dabei gibt es eine Art Karrenzzeit, in der ein Kind zur Schule gehen kann, aber nicht muss.

Tatsächlich werden die Kinder aber auf Ihre Schulreife untersucht. Bei den Kindern die können, aber nicht müssen liegt dann das letzte Wort bei den Eltern.

Tatsächlich sind das aber eher wenige Kinder aus einem Jahrgang, aber es scheint zwei Gruppen von Eltern zu geben: Die einen möchten unbedingt, dass Ihr Kind frühestmöglich in die Schule kommt, die anderen wollen Ihr Kind lieber etwas längere Vorbereitungszeit gönnen.

Das abstrakte Denken...

geht allgemein zurück.
Das beobachte ich seit ca 2 Jahrzehnten bei meinen Nachhilfeschülern.

Grammatik und Mathe wird weniger verstanden.

Gewachsen ist die Kreativität und die Phantasie.

Warum das in den Bundesländern unterschiedlich ist, verstehe ich allerdings nicht.

Vielleicht lernt man in manchen Bundesländern in Form von Drill - man lernt auswendig, was man nicht versteht: und schneidet gut ab.

"Besonders betroffen seien Gymnasiasten."

Bei uns gibt es faktisch nicht die Gymnasien, wie früher.
Da die Gesamtschulen "für die Umsetzung ihrer Konzepte" (original) eine bestimmte Schülerzusammensetzung brauchen (teilweise sind es 60% Schüler mit Gymnasialempfehlung) und wir nur noch eine Oberstufenschule haben, die überlaufen ist, mussten mittlerweile Kinder aufs Gymnasium, die lieber Real- oder Hauptschule besuchen würden / sollten, weil sie sonst GAR KEINEN Platz in der Schule vor Ort bekommen hätten.

Deswegen heißt es hier, dass wir trotz Namen nur noch Gesamtschulen haben.

Jetzt gelten sogar schon

Jetzt gelten sogar schon mäßige Verschlechterungen als eine gute und stabile Entwicklung angesichts der sog. "Herausforderungen". Schuld hat natürlich niemand an der Sache. Die KMK und die Schulbehörden machen nie einen Fehler.
Niemand will die Verantwortung für die Spätfolgen der vor 20 Jahren eingeleiteten Schulreformen mit der Kompetenzorientierung übernehmen. Die Fähigkeit zum Schönreden wird immer wichtiger.

Deutschlandweit ist also alles in Ordnung

na, da freuen wir uns doch alle. Deutschlandweit hat auch jeder Bürger einige Hunderttausend Euro auf dem Konto. Trotzdem gibt es ca. 16 Mio Menschen an oder unter der Armutsgrenze.
Es ist eben alles eine Frage der STatistik.
Und da deutschlandweit alles in Ordnung ist mit der Bildung, brauchen wir auch keine Anstrengungen zu unternehmen, um etwas zu verbessern. Wenn einige Bundesländer - gut, fast die Hälfte - also abgehängt sind bei der Bildung, dann ist das auch gut, oder wie ist das gemeint?
So einfach kann man sich Politik machen. Wir reden uns Deutschland schön.

//Die größten Wissens- und

//Die größten Wissens- und Lernverluste hätten die Gymnasiasten in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg.//

Das scheint mir hier in Deutschland nicht mehr verwunderlich. Hört und liest man doch immer wieder – auch hier im Forum: Anderswo ist es noch viel schlechter. Man orientiert sich nach unten und solange man nicht der Letzte ist, ist alles in Butter. Dass diese Butter schon ranzig ist, stört da nicht weiter.

//"Wir sind jetzt im Mittelfeld"
Über das deutsche Bildungssystem wird viel geschimpft. International steht es aber ganz gut da.//

Aua. Dieses Ausmaß an Bescheidenheit kann man auch nur zeigen, wenn man selbst nur noch Mittelmaß ist

>>„Das Können von

>>„Das Können von Neuntklässlern in Mathematik und den Naturwissenschaften ist laut einer Studie in mehreren Bundesländern signifikant zurückgegangen.“
„Trotz dieser Entwicklungen zeigt sich die Kultusministerkonferenz (KMK) insgesamt entspannt.“<<

Was von Beidem ist jetzt die größere Katastrophe?

Deutsches Zwangs-Schulsystem

@Tada: so sehe ich das auch.

Lasst den Kindern endlich wieder ihre Kindheit und zwingt sie nicht für das spätere Leben sinnlose Dinge wie höhere Mathematik zu pauken. Dann werden sich die Kinder ihren Interessen und Begabungen entsprechend einsortieren, gute Abschlüsse machen, nach der Zwangsschule eine kurze Auszeit nehmen um die Welt zu erkunden, dann Studieren und ab Mitte 20 für den Rest des langen Arbeitslebens fleissig zum Bruttosozialprodukt beitragen.

So wie es jetzt ist erzeugen wir bereits in der Schule entweder gleichgeschaltete Wracks die spätestens mit 40 nur noch mit Unterstützung von Therapeuten funktionieren oder demoralisierte Freigeister die ihr eigenes Ding machen.

Einziger Ausweg wie überall bei uns:
Geld! - sprich den eigene Kindern auf Privatschulen etwas Linderung erkaufen...
Aber das geht natürlich nur für einen kleineren erlesenen Kreis.

Testen Sie mal. Lehrer oder Gymnasiasten, Rechnen mangelhaft

Drei Joghurts habe ich gekauft. 69 Cent stand am Regal.
Weil einige Becher aber nur noch eine "Frist" von 6 Tagen bis zum angegebenen Mindeshaltsbarkeitsdatum hatten, war ein Aufkleber auf diesen Bechern.
Minus 50%
Damit zur Kasse.
Die Dame scannte und betätigte Tasten.
Das macht dann 1,72€, sagte sie.
Meinem Einwand, das könne doch nicht stimmen, entgegnete sie mit "wieso?"
Schließlich entdeckte die Dame, dass sie nur den Preis für einen Becher reduziert hatte.
Nun musste eine Kollegin erscheinen, um die Kasse zu korrigieren.

Wie teuer sind denn 3 Joghurts mit den o.g. Preisen, wenn jeweils 50% abgezogen werden?
Ich habe bereits mehrfach Menschen gefragt, mit und ohne Abitur.

Die Chance auf eine richtige Antwort ist gering.

Bei älteren Herrschaften mit achtjähriger Volksschulbildung klappt es erstaunlicherweise eher.

Ohne TR oder Smartphone!

Aufklärung bitte

Würde sich bitte jemand bereiterklären, mir zu erläutern, wie die Ergebnisse dieser Studie mit den ständig steigenden Abiturientenquoten und den besseren Durchschnittsnoten zu vereinbaren sind?

Es ist schon beschämend, wenn ein Land, das einstmals reihenweise brilliante Köpfe herausgebracht hat es bei nahezu unterirdischen Geburtenzahlen nicht schafft wenigstens diese paar Kinder vernünftig auszubilden!

In der Bildungspolitik

läuft seit Jahren einiges falsch. Ich hatte Schulabgänger aus allen Schulformen in der Berufsausbildung und war entsetzt über den Ausbildungsstand der jungen Menschen nach Abschluß ihrer Schulausbildung. Sehr viele Schulabgänger waren nicht in der Lage die Theoretische Ausbildung in einem Industrieberuf zu absolvieren. Man hat das Problem gelöst indem man die Anforderungen nach unten geschraubt hat.

Wenn zum Teil nur noch

Filmchen von Physik-und Chemieversuchen gezeigt werden oder Trockenübungen auf dem Papier gemacht werden, dann wundert's mich nicht wenn der Wissensstand immer schlechter wird. Außerdem wird heute im Freizeitbereich viel zu wenig gebastelt und experimentiert, wie soll man da seine Fähigkeiten und Neigungen herausfinden? Mathe ist auch so eine Sache. Zu meiner Zeit vor 50 Jahren waren in Kl. 9 die "Additionssätze von Sinus und Cosinus" Wissensstand, die gibt es heute erst an der Uni. Komplexe Zahlen dito, wurden gleich bei den quadratischen Gleichungen mit aufgespielt. Wer da später als Radio- und Fernseh- Stift (mit Bastel-Vorerfahrung) an einem "Superhet" rumwerkelte dem wurde auf Anhieb klar warum sich der Lehrer dankbarerweise soviel Mühe mit ihm gemacht hatte bei allee Zahlenschinderei.....

Wundert mich nicht.

Es gibt nachweisbare Zusammenhänge zwischen Nutzung digitaler Medien und algebraischen Fähigkeiten, zwischen Smartphonenutzung und Aufmerksamkeitsspanne, zwischen Internetkonsum und Länge der gelesenen Texte.
Leider wird unser Alltag immer mehr von diesen Medien gezeichnet und das betrifft nicht nur unsere Kinder.
Hinzu kommt das inzwischen die Hälfte eines Jahrgangs auf das Gymnasium geht, selbst wenn die Menschen weder dümmer noch schlauer würden, gäbe es diese Tendenz zum Mittelmaß an Gymnasien, aufgrund dieses Faktes.
Mehr noch drängen die Elitekinder an private Schulen oder Spezialschulen. Oftmals sind aber deren Eltern auch die Engagierten die eine Schule nach vorne bringen oder z.B. bei der Kommune Druck machen, auch das fehlt immer mehr.
Der Mangel an Fachkräften tut sein übriges.

Ach, die neunte Klasse, was ist da los

In der neunten Klasse war ich mitten in der Pubertät. Was haben Hormone, Sinnsuche und langweilige Lehrer mit meiner Leistung bzgl. x-te Matheableitung und der Suche nach anderen Unbekannten zu tun gehabt? Damals hatten gerade die Mathelehrer kein Verständnis für meine engen Jeans und langen Haare und auch nicht für das Knutschen auf den Klassenfluren. Ich habe mich ebenso nicht für diese Lehrer und ihrem abstrakten und ziellos erscheinenden Unterricht interessiert. Mathematik habe ich, obwohl Mathe, Physik und Chemie (gute Noten, zeitweise Klassenbester) mich interessierten, nach der 11. Klasse abgewählt. Kriegen Schule und Lehrer diese Dinge bei Schülern zwische 13 und 17 Jahren immer noch nicht hin?

@ Artikel Eins 15:47 Uhr

"Die Frage stellt sich: und die Lehrer/innen?"
Die Antwort finden sie bereits beim Besuch als Gast von Hörsälen:
Ein Dozent mit der Fähigkeit auch trockenes Wissen lebendig zu vermitteln spricht vor überfüllten Hörsälen.
Dagegen ein normal sein Programm abspulender Dozent würde mit Minihörsäle auskommen.

Falsche Methodik?

Auch das könnte eine Rolle spielen:

ich habe bei der Nachhilfe schon 3 Hochbegabte gehabt, die in Mathe vieles schon im Kopf ausrechnen konnten.

Da man sie aber zwingt, jeden Schritt aufzuschreiben, versagen sie.
Und sie werden immer schlechter in Mathe.
Sogar ihre Begabung erlischt, weil darauf in der Schule keine Rücksicht genommen wird.

Sie haben andere Methoden im Kopf, die Lösung zu finden - und kommen mit den herkömmlichen Methoden nicht klar.

Nachfrage

Hat sich mal jemand angeschaut auf welchem Niveau in der 9. Klasse Mathematik unterrichtet wird?

Also in nichtakademischen Berufen braucht man das so nie im Leben (z.B. Trigonometrische Gleichungen) und in akademischen vielleicht einer von hundert.

Ob die Schüler damit deshalb ein bisschen schlechter oder besser sind, stört unsere Ökonomie nicht. Oder soll das hier eine Art Olympiade werden?

@ silverbeard 15:54 Uhr

"Vielleicht sollte man es mal mit ausreichend Lehrern versuchen?"
Das - und sogar Fachwissen- nützt wenig wenn die Befähigung zur Schlussfolgerung fehlt:
Wer den Dreisatz (Regeldetrierechnung) beherrscht mag als klug gelten. Er kann korrekt berechnen, dass z.B. die Pyramiden mit der doppelten Menschenmenge in der halben Zeitspanne erbaut werden könnten und alternativ in einer längeren Zeit durch viel Weniger Personen zu erstellen wären.
Gut - mathematisch korrekt aber in der Schlussfolgerung falsch!
Eine gleiche Arbeitsfläche doppelt belegt - da würden sich die Menschen gegenseitig behindern und keineswegs in einer kürzeren Zeit die Pyramide fertigstellen können.
Ebenso wäre korrekt zu berechnen in welcher Zeit ein halber Arbeiter sein Werk erledigen würde - aber wer kennt schon halbe Personen?
Wer also als klug gilt kann durchaus mit einer solch gravierenden Bildungsferne als Unbedarft gelten.
Negative Beispiele im realen Leben gibt es reichlich.

@Artikel Eins - fragwürdige Gedanken

15:47 von Artikel Eins:
"Wie ist eigentlich die Ausbildung heute beim Lehrerberuf? [...] Ich denke, auch dieses Niveau sinkt seit vielen Jahren ins bodenlose."

Worauf basieren Ihre Gedanken?

Glauben Sie wirklich, dass ein angehender Lehrer in seiner mehrjährigen Ausbildung nicht genug Wissen erlernt, um einen Neuntklässler angemessen unterrichten zu können?

An all die Phantasten und Schöngeister

Bei den gefragten mathematischen Fähigkeiten handelt es sich nicht um höhere Mathematik.
Es ist nicht zuviel verlangt einen gewissen Grundstock an Wissen und Können zu haben.
Es geht in den Naturwissenschaften hauptsächlich um das logische Denken nicht um das einzelne mathematische Verfahren. Es geht auch darum Vorgänge in einer Demokratie bewerten zu können und da sollte man auch rechnen können, wissen was Diesel und Glyphosat ist oder was die Halbwertszeit von Plutonium zu bedeuten hat.
Es ist aber auch kein Wunder wenn man sich anschaut welche hanebüchenen Zusammenhänge täglich behauptet werden die weder Kontext noch Logik beinhalten. Wie soll ein junges Gehirn in so einem Umfeld denken lernen, wenn man statt Zusammenhängen und Fakten mit Meinungen und Halbwahrheiten bombardiert wird.
Ich würde so einen Test gerne Mal mit den sogenannten Leistungsträgern unserer Gesellschaft durchführen, ich glaube da sähe es nicht besser aus.

@Barthelmus - Problemkind Prozentrechnung

16:46 von Barthelmus:
"Wie teuer sind denn 3 Joghurts mit den o.g. Preisen, wenn jeweils 50% abgezogen werden? Ich habe bereits mehrfach Menschen gefragt, mit und ohne Abitur. Die Chance auf eine richtige Antwort ist gering."

Die Prozent- und Bruchrechnung sind schon vielen Schülern ein Buch mit sieben Siegeln.

Die wahrscheinlich häufigste Antwort auf Ihre Frage war bestimmt: "Warum soll ich das ausrechnen?!"

PS: 102 oder 105 Cent... je nach Rundung.

@Komplex einfach - Die Anforderungen sinken.

16:48 von Komplex einfach:
"Würde sich bitte jemand bereiterklären, mir zu erläutern, wie die Ergebnisse dieser Studie mit den ständig steigenden Abiturientenquoten und den besseren Durchschnittsnoten zu vereinbaren sind?"
> Die Anforderungen sinken seit vielen Jahren. Und wenn dann mal ein Zentralabitur auf dem alten Niveau gefordert wird, bricht Panik aus.

"Es ist schon beschämend, wenn ein Land, das einstmals reihenweise brilliante Köpfe herausgebracht hat [...]"
> So wie es auch heute noch brilliante Köpfe gibt, gibt es auch heute noch Menschen, die mit wenig Bildung ins Leben starten.

Schulbildung ist überbewertet...

...und das betrifft nicht nur Mathematik.

So kann man z.B. auch ohne angemessene Kenntnisse der deutschen Rechtschreibe- und Grammatik-Regeln jederzeit in Internet-Foren mitkommentieren. Zum Eingeben des Passworts reicht es meistens zudem, wenn man den sechs Seiten eines Würfels eine Zahl zuordnen kann.

@Ist Wahr - Kein Bock auf Schule - was tun?

17:07 von Ist Wahr:
"Kriegen Schule und Lehrer diese Dinge bei Schülern zwische 13 und 17 Jahren immer noch nicht hin?"

Welche Maßnahme hätte Sie denn bei Ihnen helfen können? Ich kenne Schüler, die ihre Null-Bock-Haltung ganz offen ausleben. Und manche kenne ich nicht, weil sie dem Unterricht konsequent fernbleiben. Die sind von einem Fachlehrer mit 90 Minuten pro Woche nicht zu erreichen.

@20:03 von Nachfragerin @Artikel Eins - fragwürdige Gedanken

//15:47 von Artikel Eins:
"Wie ist eigentlich die Ausbildung heute beim Lehrerberuf? [...] Ich denke, auch dieses Niveau sinkt seit vielen Jahren ins bodenlose."

Worauf basieren Ihre Gedanken?

Glauben Sie wirklich, dass ein angehender Lehrer in seiner mehrjährigen Ausbildung nicht genug Wissen erlernt, um einen Neuntklässler angemessen unterrichten zu können?//

Nun, so unberechtigt ist die Frage nach der Ausbildung der Lehrer nicht. Es wird ja weder Lehrern noch Schülern Dummheit unterstellt. Es muss also andere Gründe für das sinkende Bildungsniveau geben. Für den Lehrerberuf reicht umfangreiches Wissen nicht. Die Fähigkeit, Wissen in verständlicher Form weiterzugeben, vor allem aber Interesse bei den Schülern für das jeweilige Fachgebiet zu wecken, haben nun mal nicht alle Lehrer. Vielleicht wird bei der Ausbildung zu wenig auf diese Fähigkeit geachtet.
Ich schreibe bewusst "vielleicht", weil ich es nicht wirklich beurteilen kann.

16:44 von Schanzer

Na, ja. Wir leben in einer Gemeinschaft und es spricht nichts dagegen, dass jeder nach seinen Fähigkeiten zum Bruttosozialprodukt beiträgt. Es hat ja auch jeder was davon.

Für seine Arbeit respektiert zu werden ist schließlich etwas schönes. Herumschubsen hat niemand verdient

Und auch Mathe bildet, auch wenn man meint, man hätte später nichts davon. Man sieht aber so manche Statistik und Behauptung kritischer und lässt sich keinen Bären aufbinden.

16:39 von Sausevind

"... - man lernt auswendig, was man nicht versteht..."

Das dürfte/sollte in Fächern wie Mathematik nicht funktionieren. Falls doch, macht man es den Schülern mit der Fragestellung zu leicht.

oje

wie viele hier meckern, dass der Schulstoff angeblich nichts mit dem zu tun habe, was man im späteren Leben an wirklichem Wissen braucht. So habe ich mich damals auch rausgeredet in den Fächern, auf die ich keinen Bock hatte.
In der Schule geht es nur an zweiter Stelle um Wissensvermittlung. Angestrebt wird - jedenfalls von guten Lehrern - die Befähigung zum Denken.
Ich habe Studenten, die können den Pythagoras im Schlaf, aber wehe, die Dreiecksseiten heißen mal nicht a, b und c, sondern R, X und Z. Dann blicke ich in ratlose Gesichter. In physikalischer Optik sagte mir einmal ein Abiturient(!) "das mit dem Sinus Alpha ist mir klar, aber Sinus Beta hatten wir noch nicht."
Denken gilt als uncool, weil Wissen dank des Internet immer und überall verfügbar ist. Meine Studenten halten mich für eine Art Analphabeten, weil ich nichts über Netflix oder den Google App-Store weiß. Sie kapieren nicht, dass Wissen nichts zählt, wenn man nicht begriffen hat, warum etwas so ist, wie es ist.

Das Niveau von Mr. Spock oder

Das Niveau von Mr. Spock oder Data (Star Treck) ist für unsere Lehrer schwerlich zu erreichen. Diese beiden schnappen nicht so schnell ein und sind auch bereit, noch jeden Geniestreich, Mist, Hirngespinst oder Emotionsausbruch zu berechnen und sich auf den Betreffenden (Schüler) einzulassen und auch mit Annäherungswerten die Gefühle zu berücksichtigen und zu spiegeln. Dies können die meisten Lehrer leider nicht. Und fachlich kommen sie mit diesen beiden erst recht nicht mit. Wir werden bestimmt bald solche Lehrerfreunde wie Data in unseren Schulen haben. Künftige Generationen werden wieder mehr Lust und Freude am Lernen haben, auch und gerade im Matheunterricht. Damit will ich nicht sagen, dass alle Lehrer schlecht für Schüler sind. Ich hatte einen in Chemie (5. und 6. Klasse), der ein toller Lehrer und Mensch war.

2019 um 17:11 von Sausevind

"Sie haben andere Methoden im Kopf, die Lösung zu finden - und kommen mit den herkömmlichen Methoden nicht klar."

Dass Lehrer andere Methoden (als die gelehrte) nicht mögen,
gab es wohl schon immer. Ich hatte mir selbst einmal eine schlechte Note eingehandelt, weil ich einen anderen (ebenfalls richtigen) Lösungsweg in der Mathe-Arbeit genutzt hatte. Mein Vater wollte deshalb eine Erklärung vom Lehrer. Der hatte dann erklärt, dass ich wieder einmal nicht zugehört hätte und dafür die schlechte Note bekommen hätte.
War nicht ganz falsch, was der Lehrer da gesagt hatte.

20:47 von frosthorn

"In der Schule geht es nur an zweiter Stelle um Wissensvermittlung. Angestrebt wird - jedenfalls von guten Lehrern - die Befähigung zum Denken."

Genau das.

Hauptsache, die Statistik sieht gut aus

„Auch die Neuntklässler aus Mecklenburg-Vorpommern zeigten laut der Studie eine signifikante Verschlechterung in den Fächern Mathematik, Biologie und Chemie. Ihr Fachwissen in Physik ging demnach ebenfalls signifikant zurück - das Lernverhalten in dem Fach blieb hingegen vergleichsweise stabil“

Mehr als unwahrscheinlich, dass die Schüler aus Mecklenburg-Vorpommern plötzlich dümmer geworden sind. Wenn sie heute bei gleichem Lernverhalten ein geringeres Fachwissen haben als früher, wird das wohl daran liegen, dass sich an der Vermittlung des Lernstoffs etwas zum Nachteil geändert hat.

„Trotz dieser Entwicklungen zeigt sich die Kultusministerkonferenz (KMK) insgesamt entspannt. Deutschlandweit seien die Fähigkeiten der Neuntklässler konstant. Das liegt unter anderem daran, dass die Leistungen der Schüler aus den drei (...)“

Bitte? Von dieser „Verrechnerei“ und einem guten Bundesdurchschnitt haben die Schüler, die nach der Schulzeit mit weniger Wissen „auskommen" müssen wirklich nichts.

@ Nachfragerin (20:34)

"Welche Maßnahme hätte denn bei Ihnen helfen können? Ich kenne Schüler, die ihre Null-Bock-haltung ganz offen ausleben."

Ich habe mir selber "geholfen", brauchte keine "Maßnahme", habe immer überdurchschnittliche Lestungen in fast allen Fächern gebracht. In einigen war ich Klassenbester. Der Unterschied war gelegentlich so krass, dass ich absichtlich auch mal schlechte Noten provozierte, um mich nicht von meinen Mitschülern abzusondern (in Kunst eine 6 wegen Leistungsverweigerung, hatte stets eine 1 im Zeugnis, ähnliches in Mathe und Chemie veranstaltet). Ich will damit sagen, das Beziehungs- und Sozialgefüge sind m.M.n. entscheidend für den Lernerfolg und auch die Akzeptanz und Berücksichtigung von Unterschieden. Zum Pauken und zu Disziplin kann fast jede/r gebracht oder ausgesondert werden. Lernen ist für mich etwas anderes. Mir ist schon klar, dass die Schule und ihre Lehrer überfordert sind. Aber es gibt auch schlimmeres.

20:43 von Anna-Elisabeth

<< 16:39 von Sausevind

"... - man lernt auswendig, was man nicht versteht..."

Das dürfte/sollte in Fächern wie Mathematik nicht funktionieren. Falls doch, macht man es den Schülern mit der Fragestellung zu leicht. <<

Es gibt Mathe-Lehrer, die das sogar noch fördern. Sie verlangen, dass man die Daten in die auswendig gelernte Formel einsetzt.
Verstehen muss da niemand was.

Dass das aber im Extrem-Fall tatsächlich nicht funktioniert, haben wir hier im Forum letztes Jahr diskutiert.
Da waren die Mathe-Abiturienten plötzlich überfordert, weil sie Aufgaben-Stellungen bekamen, deren Schema sie nicht kannten.

20:58 von Anna-Elisabeth

<< 2019 um 17:11 von Sausevind

"Sie haben andere Methoden im Kopf, die Lösung zu finden - und kommen mit den herkömmlichen Methoden nicht klar."

Dass Lehrer andere Methoden (als die gelehrte) nicht mögen,
gab es wohl schon immer. <<

Mag sein. Aber ich halte das kein Zeichen für die Flexibilität des Lehrers.

"Ich hatte mir selbst einmal eine schlechte Note eingehandelt, weil ich einen anderen (ebenfalls richtigen) Lösungsweg in der Mathe-Arbeit genutzt hatte. Mein Vater wollte deshalb eine Erklärung vom Lehrer. Der hatte dann erklärt, dass ich wieder einmal nicht zugehört hätte und dafür die schlechte Note bekommen hätte.
War nicht ganz falsch, was der Lehrer da gesagt hatte."

Spricht aber auch nicht für die Qualität dieses Lehrers.
Man kann nicht gezwungen werden, einem Lehrer zuzuhören; schon gar nicht, wenn man selber in der Lage ist, einen Weg zu finden, um zu einer richtigen Lösung zu kommen.

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