Ihre Meinung zu: Kanada bricht Schweigen über Völkermord an indigenen Frauen

4. Juni 2019 - 13:53 Uhr

Jahrzehntelang wurde der Genozid an Frauen und Mädchen indigener Völker in Kanada totgeschwiegen. Um das Schweigen zu brechen, gab Premier Trudeau einen Untersuchungsbericht in Auftrag. Dieser liegt jetzt vor. Von Georg Schwarte.

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Kommentare

Kanada bricht Schweigen

Respekt!!!
Vor den Opfern und dem Mut der Regierung!
Die USA haben da noch eine Herkulesaufgabe vor sich, diesbezüglich hört man nicht viel in Sachen Amerika first.

@Thai-fun, 15:32

"Respekt!!!
Vor den Opfern und dem Mut der Regierung!"

Wirklich. Endlich ändert sich was. Das wurde allerdings auch allerhöchste Zeit.

"Die USA haben da noch eine Herkulesaufgabe vor sich, diesbezüglich hört man nicht viel in Sachen Amerika first"

Stimmt. Es braucht für den allgemeinen Fortschritt eben immer Mutige, die vorangehen und den Anfang machen.

Respekt

Eine laengst ueberfaellige Sache. Den Frauen ist unglaubliches Unrecht geschehen.

Von Genozid wuerde ich in diesem Zusammenhang allerdings nicht sprechen. Das macht die Verbrechen an den Frauen nicht geringer.

Genozid ist eher zutreffend fuer die Vorfaelle bei denen Kopfgeld auf Ureinwohner ausgesetzt wurde. Viele Dinge sind da noch aufzuarbeiten.

Metis?

Gibt es einen Stamm namens "Metis" ? Ich dachte immer, mit Metis sind Mestizen, also Nachkommen von Weißen und Indianern, abfällig auch als Halbblut bezeichnet, gemeint.

Viel zu wenig Information

Es geht um eine Untersuchung der letzten Jahrzehnte und nicht wie man vermuten könnte um Kolonialzeit.
Völkermord: der Bericht sagt selbst: (CBC) " The inquiry's report acknowledges that there are disagreements over what constitutes genocide and whether it could relate to Canada."
Benutzte Definition ".. acts, including violence against Indigenous women, girls, and 2SLGBTQQIA [two-spirit, lesbian, gay, bisexual, transgender, queer, questioning, intersex and asexual] people, as genocide."

Es geht um indigene Frauen die z.T. aufgrund von Diskriminierung ihre Dörfer verlassen haben und in Städten sexueller Gewalt ausgesetzt waren.

Hauptvorwurf an Behörden: Zwangssterilisation, Kindesentzug, kein Wille Morde aufzuklären.

Verstörend die Tendenz des Reports mögliche Gründe für Morde und Verschwinden von Frauen nicht mit Statistik aufhellen zu wollen. Explizit wird eine Studie, 70% Morde von Partnern, angezweifelt.

Ohne Hintergrund und mehr Details alles nicht nachvollziehbar.

Chapeau

Eigene Fehler aufdecken zu lassen und öffentlich um Vergebung zu bitten... dazu haben die meisten Regierungen und Politiker nicht den Mut. Hut ab vor der Grösse der kanadischen Regierung.

Klingt im Artikel nicht nach Völkermord

Da es sich m.E. nicht so anhört als sei die Sache von oben gesteuert gewesen. Damit würde schlichtweg die Intention fehlen.

Es klingt für mich aber kaum glaubwürdig, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe von allen Behörden konsequent ohne Anweisung so vernachlässigt wird.

Egal ob durch Steuerung von oben oder durch kollektive Vernachlässigung - die Angelegenheit ist bestürzend.

Ich denke nicht, dass die Aufklärung abgeschlossen ist. Aber es ist ein guter Anfang der Mut erforderte. Wenige Länder schaffen es sich zu ihrer historischen Schuld zu bekennen. Noch weniger schaffen es aktuelles Unrecht eines solchen Ausmaßes aufzuklären. Das ist eine große Leistung die ein positives moralisches Beispiel für unsere Zeit ist.

Genozid an Frauen

Jahrzehntelang wurde der Genozid an Frauen und Mädchen indigener Völker in Kanada totgeschwiegen.

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Das ist so abartig, dass mir die Worte fehlen ...

Dazu kommt der Umstand, dass

Dazu kommt der Umstand, dass es nicht nur Frauen sind, sondern dass sie auch indigen sind.

Aber es trifft eben die Frauen.

Das ist Genozid im doppelten Sinn.

20:20 von WiPoEthik Es klingt

20:20 von WiPoEthik

Es klingt für mich aber kaum glaubwürdig, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe von allen Behörden konsequent ohne Anweisung so vernachlässigt wird.

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Für mich klingt das glaubwürdig.

Vernachlässigung geschieht ohne Anweisung dafür durch Einstellung.

Ich versuche es dieses mal so auszudrücken:

"Die Ermittler diskreditierten offenbar viele davon, sagen, sie seien alkohol- oder drogenabhängig oder arbeiteten als Prostituierte."

Da findet man im Internet unterschiedliche Aussagen.

Zum einen: Natürlich haben Behörden auch an Morde an Alkohol- oder Drogenabhängigen zu untersuchen und natürlich auch an Prostituierten. Ohne dass die Herkunft einen Einfluss hat. (Meine Meinung.)

Aber ist das Diskreditierung gewesen?

EMMA, 14.11.2014, Prostitution: Kanada bestraft Freier!: "Auch die „Native Women‘s Organisation of Canada“ meldete sich zu Wort, denn in Kanada landen überproportional viele Frauen aus den verarmten und stigmatisierten Communitys der UreinwohnerInnen in der Prostitution."

EMMA ist nicht gerade eine frauenfeindliche Zeitschrift.

Solche Zustände bekommt man nicht weg, indem man sie verschweigt! Damit könnte auch der Kindesentzug zusammenhängen, von dem Marcus2, 18:41, sprach.

Man muss zumindest ansprechen können, warum das so ist.

Tägliche Ungerechtigkeiten

Die Diskriminierung der amerikanischen Ureinwohner ist in den USA leider noch immer kein Kapitel der Vergangenheit, sondern tägliche Praxis. Hier ein Beispiel aus meiner kalifornischen Heimat:

1997 klagte das Volk der Washoe vor Gericht die Rückgabe eines heiligen Ortes am Ufer des Lake Tahoe ein. Sie hatten gute Aussichten, den Prozess zu gewinnen. Doch dann besuchte Präsident Clinton den Lake Tahoe und gab den Washoes in einem präsidialen Akt ihr Land zurück. Klingt gut, oder? Der Hintergrund des grosszügigen Geschenkes war es, den Prozess vor Gericht auszuhebeln. Hätten die Washoe den Prozess gewonnen, hätte dieser Prozess von anderen Völkern als Präzedenzfall genutzt werden können und das Land hätte eine Prozess-Flut vor sich (z.B. die Rückgabe der Black Hills an die Lakota).

Darum: Immer, wenn ein indianisches Volk Aussichten hat, einen Prozess zu gewinnen, macht die Regierung ein Geschenk um sicherzustellen, dass die Indianer vor Gericht nie offiziell Recht bekommen.

@ Bernburger49

Sie haben Recht, die Métis sind Nachfahren europäischer Trapper und indianischer Frauen. Durch die bewegte Geschichte Kanadas (besonders des französisch-sprachigen Teils) haben diese Menschen aber eine eigene Identität, einschliesslich einer eigenen Kultur und Sprache entwickelt (ähnlich etwa wie die Kreolen in der Karibik).

Seit 1982 erkennt Kanada gesetzlich drei Gruppen von Ureinwohner an: Die "First Nations" (Amerikanische Ureinwohner südlich der artischen Regionen), die Inuit (Ureinwohner der artischen Regionen; in Deutschland oft fälschlich als "Eskimos" bezeichnet) und die Métis.

https://de.wikipedia.org/wiki/Métis

Völkermord

Schlimme und Verabscheuungswürdige Verbrechen. Gottseidank wird das jetzt aufgearbeitet. Aber Völkermord?

@ Sasquatch

"Darum: Immer, wenn ein indianisches Volk Aussichten hat, einen Prozess zu gewinnen, macht die Regierung ein Geschenk um sicherzustellen, dass die Indianer vor Gericht nie offiziell Recht bekommen." Am 04. Juni 2019 um 20:48 von Sasquatch

Ich verstehe das nicht.
Warum klagen die anderen nicht trotzdem und schaffen einen Präzedenzfall? Die Chancen zu Gewinnen errechnen sich doch die Anwälte.

@ Tada

"Warum klagen die anderen nicht trotzdem"

Das Klagen ist nicht so einfach. Alle indianischen Völker haben Verträge mit der US-Regierung geschlossen, in denen steht, dass die Regierung in den Reservationen für Schulbildung und medizinische Versorgung sorgt und dass im Gegenzug die indianischen Völker keine Gebietsansprüche ausserhalb der Reservationsgrenzen stellen.

Die US-Regierung hat diese Verträge hunderte Male gebrochen - das letzte Mal erst vor ein paar Wochen, als auf Grund des Government-Shutdown alle Schulen und Krankenhäuser in den Reservationen für sechs Wochen geschlossen wurden - aber von den Indianern verlangt man immer noch die Einhaltung dieser vor 100 Jahren aufgezwungenen "Verträge."

Klagen haben nur Erfolg, wenn es sich um ausgeprochene Heiligtümer handelt. Die Lakota klagen seit Jahren für die Rückgabe der Black Hills. Die Regierung hat mehrfach mit millionenschweren "Abfindungen" versucht, den Prozess abzuwürgen, aber die Lakota werden ihre Berge nie "verkaufen."

Völkermord begann schon im 18. Jahrhundert

Der eigentliche Völkermord begann schon im 18. Jahrhundert und dauerte fast 200 Jahre. Die Indianer mussten "verschwinden", um Platz für europäische Siedler zu schaffen. Selbst als Nachbarn wurde diese nicht geduldet.

Das gleiche gilt für die USA: die dortige Rassentrennung wurde bis in die 1960'er durchgesetzt. So durfte bspw. der Komiker 'Sammy Davis Jr' in Las Vegas nie in den Hotels übernachten, wo er am Abend eine Show gab. Nachts ging er dann zu seinem Wohnwagen auf dem Hotelparkplatz.

@ Tada

Um das Thema noch etwas zu vertiefen.

Zu den Washoe: Bei der Klage handelte es sich um Grabstätten am Ufer des Lake Tahoe, die vor längerer Zeit bei einem Erdrutsch unter die Wasseroberfläche gerieten und damit nicht mehr durch das Indianische Grabstättengesetz geschützt waren. Jetzt ist die Reservationsgrenze über das Ufer hinweg erweitert und über den Gräbern darf kein Bootsverkehr stattfinden.

Das war das erste Mal das ein Stück Land (oder See) zurückgegeben wurde - aber eben nicht vor Gericht, sondern durch die "Grosszügigkeit" des Präsidenten. In anderen Fällen hat die Regierung Prozesse durch finanzielle Nachbesserungen ausgehebelt.

Zu den Lakota und den Black Hills: Wind River Reservation in South Dakota ist statistisch der ärmste Ort der USA. Es könnte die reichste Reservation Amerikas sein, wenn die Lakota das "Abfindungs"-Angebot der Regierung akzeptieren würden, aber bisher sagen die Lakota standhaft "Unsere Berge sind nicht zu verkaufen."

Recht haben sie!

Völkermord

Schlimme und Verabscheuungswürdige Verbrechen. Gottseidank wird das jetzt aufgearbeitet. Aber Völkermord?

@ pxslo

"Der eigentliche Völkermord begann schon im 18. Jahrhundert..."

Stimmt! Und in den meisten Fällen war es nicht mal ein direkter Mord, sondern ein indirektes Verdrängen durch die Vernichtung der natürlichen Ressourcen - z. B. das Abholzen der Wälder im Osten Nordamerikas. Im 16. Jahrhundert konnte ein Eichhörnchen theoretisch von der Atlantikküste zum Mississippi von Baum zu Baum hüpfen ohne einmal den Boden zu berühren.

Ein anderer Grund waren Krankheiten. Vor 200 Jahren starben 90% aller kalifornischen Ureinwohner innerhalb von 30 Jahren an Masern und Pocken - die meisten, ohne je einen "Weissen" gesehen zu haben.

Die Inuit im arktischen Norden betonen immer wieder, dass sie nur deswegen einen grossen Teil ihrer Kultur bewahren konnten, weil sie im einzigen Landstrich Amerikas lebten, den kein Weisser haben wollte. Die Vernichtung der Inuit Resourcen besorgt jetzt die Bundesluftwaffe, die ihre Tiefflugübungen traditionell in Kanada macht und damit die Karibu-Herden vertreibt.

darunter eine größere

darunter eine größere Beteiligung der Ureinwohner an Regierung, Justiz und Verwaltung.

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Das ist das absolut Mindeste!

Wie groß ist denn die bisherige Beteiligung der Ureinwohner an Regierung, Justiz und Verwaltung?

22:01 von

22:01 von lesezeichen2705
Völkermord
Schlimme und Verabscheuungswürdige Verbrechen. Gottseidank wird das jetzt aufgearbeitet. Aber Völkermord?

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Es sind sexistische und rassistische Verbrechen.

Rassistische Verbrechen, wenn es eine große Gruppe von Menschen trifft ist Völkermord.

Es ist wichtig Verbrechen zu benennen/zu klassifizieren, damit man sie einordnen kann.

@StöRschall

"Rassistische Verbrechen, wenn es eine große Gruppe von Menschen trifft ist Völkermord."

Vielleicht lesen sie erst mal auf CBC.ca die verfügbaren Informationen.
Die Behörden mögen "rassistisch" motiviert Indigene schlecht behandelt haben. Aber haben niemanden ermordet.
Bei den Verschwundenen weiß man nichts. Da einen Völkermord zu vermuten? Bei den Morden liest sich die Vorveröffentlichung auf CBC gelinde gesagt merkwürdig. Wer die Frauen ermordet haben könnte, wird nicht ausgeführt. Klar ist nur die Mutmaßungen der Behörden werden nicht angenommen, die Aufklärungsquote ist zu gering.
Daraus einen Völkermord zu konstruieren?
Was unangenehm durchscheint ist, dass ganz entgegen englischsprachigem Mediengebahren gezielt der Frage nach den Mördern ausgewichen wird. Vermutlich weil es, wie bei den meisten Morden, Beziehungstaten sind und noch schlimmer es darunter einige indigene Täter gibt.

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