Ihre Meinung zu: Online-Spielsucht in WHO-Katalog aufgenommen

20. Mai 2019 - 15:17 Uhr

Wenn das Daddeln am Computer wichtiger wird als Freunde, Job oder sogar Schlafen - dann sprechen Mediziner von einer Sucht. Die WHO nimmt die Spielsucht nun in ihr Verzeichnis auf. Von Dietrich Karl Mäurer.

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Kommentare

Spielsucht - anerkannte

Spielsucht - anerkannte Krankheit???
Das ist die erste rein vom Menschen hervorgerufene Krankheit, denke ich.
Da sollte man aber die Spielehersteller zur Kasse bitten. Aber wirklich.
Die ersten Spiele (Nintendo) kamen sicherlich aus Japan. Dann aber haben die Amerikaner das Ruder übernommen.
Ich hätte nie gedacht daß ich folgendes einmal sagen würde:
Da hoffe ich auf eine Klage bei einem amerikanischen Gericht. Und da müssen die Hersteller auch einmal Milliarden hinblättern.
Das sollen unsere Kassen jetzt einmal sich von dort zurückholen.
Also ganz echt, wer Millionen scheffelt (ich rede von ganz ganz vielen Millionen) der kann ruhig davon etwas abgeben.

Ich habe jahrelang gespielt,

Ich habe jahrelang gespielt, bin an die 50, es gab sehr schöne Phasen, mit Teamplay wo man mal eine Art "Vereinsgefühl" erleben konnte. Aber ich muss auch sagen, es ist stellenweise auch wie eine Sucht. Auf Youtube kann Eltern in Amerika sehen, die ihren spielsüchtigen Kindern die Apparate zertrümmern, was natürlich krass ist, aber auch zeigt, wie hilflos manche Eltern sind (obwohl ich mich manchmal die Argumente seltsam finde, "hilf in der Küche": was ja nicht gerade überzeugt als Argument, denn Kinder sind nicht da, um in der Küche zu helfen sondern sollen Kind-sein dürfen) "parents destroy"...

Krank-Und-Kränker...

Natürlich werden ganz neue Online/Cyber-Krankheiten entstehen... Die Überzahl studierter Ärzte und Therapeuten warten doch nur auf neue Krankheitsbilder und neue Patienten... Und wohl tatsächlich - neben den üblichen Menschenerkrankungen wird es künftig zusätzlich den dicken SMS-Daumen plus Sehnenscheidenentzündung geben, und - ganz schlimm - das tinnitusähnliche Display-Flimmern auch bei geschlossenen Augen, das einen am geruhsamen Einschlafen hindert... Wobei nachts das Gehör sowieso nicht mehr nur auf wilde Tiere oder Einbrecher instinktiv reagiert, sondern permanent in SMS-Piepton-Alarmbereitschaft ist.
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Aber auch morgens beim Bäcker klingelt es und die Tochter will wissen, warum es denn mit den Croissants so lange dauert, sie müsse doch bald los... Auf weitere Familienbeispiele bis zum Zubettgehen verzichte ich hier...
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Klar ist aber: Das-Alles-Macht-Krank-Und-Kränker...

@th711

„Da sollte man aber die Spielehersteller zur Kasse bitten“

Wieso das denn? Die entwickeln Spiele, aber zwingen ja niemanden, das Spiel zu kaufen und es dann 24 Stunden am Tag zu spielen.
Alkoholiker haben ja auch keinen Anspruch an Brauereien, weil keiner den Kunden zwingt, zwei Kästen Bier am Tag zu trinken.
Jeder Mensch ist für seinen Konsum alleine verantwortlich und wer sich diesbezüglich nicht im Griff hat, sollte halt lieber 10 Stunden am Tag durch den Wald spazieren. Das macht ganz sicher nicht krank

Unglaublich. Vor 18 Jahren

Unglaublich. Vor 18 Jahren war ich als damals Minderjähriger schwerstcomputerspielsüchtig, und die WHO konnte mehr als 2 Jahrzehnte später, nachdem es schon genügend Fälle gab, sich auf abschließende Erkenntnisse einigen (Das gibt nur meine erste, persönliche Reaktion hierzu wieder, in der Nachricht stehen alle Schwierigkeiten auf dem Weg hierhin.) Nach den jetzt festgelegten WHO-Kriterien hätte ich eindeutig zu dieser Kategorie gehört. Aufgrund meiner Erlebnisse kann ich der WHO-Festlegung nur zustimmen. Behandelt habe ich mich übrigens selbst. Schon längst, seit 15 Jahren, kommt keinerlei Computerspiel mehr für mich infrage. Zum Glück - denn anderenfalls hätte das sicher noch Folgen für mein heutiges Leben.

Das war ein Fehler

Genauso könnte man Anfälligkeit für Hypnose als Krankheit darstellen. Damit stellt man dann die Unbeeinflussbarkeit als Normalität hin, was sie aber nicht ist!

Genauso sieht es mit Videospielen aus. Oder ist exzessives Ballsporttreiben dann keine Krankheit? Auch im Sport werden bei Belastung Hormone ausgeschüttet, die einen Sportler süchtig machen können. Vor allem dann, wenn Sporttreibende keine sonstigen Erfolgsrezeptoren stimuliert bekommen, wie Anerkennung beim anderen Geschlecht oder in einer Gruppe!

Alles was dem Hirn zu Grunde liegt kann man von der WHO nicht mehr ernst nehmen. Ärzten, die behaupten, es gäbe ein "gesundes" Maß an menschlichen Verstand, den fehlt Selbiger. Damit meine ich vor allem Psychologen, die mehr sein wollen als gute Gesprächspartner.

Die Spielesucht ist weniger ein Psychologisches als ein Soziales und Kulturelles Thema. Die meisten Menschen wissen es sehr genau, dass man meist nur im Kleinen glücklich werden wird. Da heißt das volle Leben eben anders!

Interessant...

Wer sich mit dem Thema ernsthaft und auch unter Zuhilfenahme wissenschaftlicher Berichte beschäftigt, merkt schnell, daß es sich - wie anderweitig - auch beim IT-Konsum um eine Sucht handelt - erkennbar durch übermäßige Online-Aktivitäten. Sozialwissenschaftlicher sprechen von der Kompensation von Kontaktdefiziten. Das mag nun jeder User hier mal für sich selbst einordnen...
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Möchte jemand und wer hier etwas dazu sagen..?

Wer Glück im Spiel hat, hat auch Geld für die Liebe

Am 20. Mai 2019 um 20:44 von OrwellAG
Ich habe jahrelang gespielt, bin an die 50, es gab sehr schöne Phasen, mit Teamplay wo man mal eine Art "Vereinsgefühl" erleben konnte. Aber ich muss auch sagen, es ist stellenweise auch wie eine Sucht.

Alle Achtung!

Hut ab, dass Sie das hier so schreiben.

Weil der Trugschluss ist:

„Glück im Spiel, Pech in der Liebe“.

Aber so ist es nicht.
Es ist viel mehr:

„Wer Glück im Spiel hat, hat auch Geld für die Liebe.“

20:52 von berelsbutze

ganz unrecht haben sie nicht
da spricht man vom mündigen Bürger
und dann muß man ihn vor sich selber schützen

LAN-Partys und MMOGs

"[...] oder sich das Spielen sogar auf das Schlafen und die Ernährung auswirkt."

Auf den LAN-Partys vor etlichen Jahren war das die Regel: Tiefkühlpizza und Schlafentzug. Allerdings beschränkte sich das auf ein Wochenende.

Die heutige Dauerverfügbarkeit des Internets macht es der Sucht leicht. In meiner Zeit der Online-Spiele habe ich einige Spieler kennengelernt, die nicht nur ihre Lebenszeit, sondern auch noch drei bis vierstellige Beträge innerhalb weniger Wochen verzockten.

@th711 - Einfach mal alle verklagen?!

20:22 von th711:
"Das ist die erste rein vom Menschen hervorgerufene Krankheit, denke ich. Da sollte man aber die Spielehersteller zur Kasse bitten."

Würden Sie auch einen Fahrradhersteller zur Kasse bitten wollen, weil ein Extrem-Fahrer impotent geworden ist? Ich hoffe nicht...

Der Unterschied zu den klassischen Drogen wie Tabak oder Alkohol besteht darin, dass diese spätestens bei kontinuierlichem Konsum schädlich sind. Wer sich täglich eine Stunden vor die Konsole oder eben aufs Fahrrad setzt, tut eher etwas für seine (geistige) Gesundheit.

Mir fehlt mir eine Art

Mir fehlt mir eine Art zeitliche Einordnung.
Ein neues Spiel zockt man eben einige Wochen. Oder ich, im Fall von Grand Turismo IV und Skyrim auch ein paar Jahre (fast) täglich.

Irgendwann hört man damit auf, ist damit durch oder fängt was Neues an.

Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass man tatsächlich keine Zeit für sowas störendes wie schlafen hat. Oder Essen kochen. Aber krank... meiner Meinung nach nicht. Es ist ein Hobby, welches man zeitweise ziemlich exzessiv betreibt.

@ zwicke 21:12: Das war ziemlich witzig :)

Man kann von fast allem süchtig werden

Und Computerspiele verleiten geradezu dazu. Aber manchmal frage ich mich, wer denn überhaupt noch gesund ist.

Wir machen uns selbt kaputt

Wir machen unser Umwelt kaputt und schaffen uns unsere eigenen Krankheiten... Spannend wird dann sein, wenn wir jetzt Spielsüchtige Kinder heranziehen und das eine anerkannte Krankheit ist, ob sie dann schon als Berufsunfähig gelten, ehe sie überhaupt einen Job gelernt haben, da es ja keine Arbeit mehr gibt, bei der keine EDV eingesetzt wird, und man einen Spielsucht-Kranken dann ja nicht mehr an einen Computer etc. setzen darf.
Erschreckend.

@silverfuxx 22:08

Im ICD-11 (dem Klassifikationsmanual der WHO) wird es auf jeden Fall klarere Kriterien geben, als hier dargestellt. Im amerikanischen System, dem DSM 5 ist "Internet Gaming Disorder"schon länger eine (Forschungs-) Diagnose. Hier gibt es neun Kriterien, von denen für eine Diagnose mindestens fünf zwölf Monate lang bestehen müssen.
1.Übermäßige gedankliche Beschäftigung 2.Entzugserscheinungen,
3.Toleranzentwicklung
4.gescheiterte Versuche, mit dem Spielen längerfristig aufzuhören
5.Verlust aller anderen Interessen
6.exzessive Nutzung trotz sozialer Probleme,
7.Lügen/Täuschen, wie viel man spielt 8.Emotionale Ausbrüche, wenn man vom Spielen abgehalten wird
9. Gefährdung wichtiger sozialer Beziehungen, des Jobs/Ausbildung durch das Spielen

Zwar wird ein leidenschaftlicher Gamer hier eventuell auch mal zwei drei Kriterien erfüllen, nicht aber die fünf über 12 Monate am Stück. Wird im ICD 11 sicher etwas anders, aber im Großen und Ganzen vergleichbar aussehen.

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