Ihre Meinung zu: Indonesiens Präsident Widodo steht vor klarem Wahlsieg

17. April 2019 - 13:04 Uhr

Bei der Präsidentenwahl in Indonesien zeichnet sich ein klarer Sieg des amtierenden Staatschefs Widodo ab. Nach ersten Hochrechnungen kann er mit 55 Prozent der Stimmen rechnen. Von Holger Senzel.

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Kommentare

Zeichen der Hoffnung

„Bei der Präsidentenwahl in Indonesien zeichnet sich ein klarer Sieg des amtierenden Staatschefs Widodo ab.“

Zur Abwechslung mal wieder eine gute Nachricht.

“Es war ein Wahlkampf mit harten Bandagen, bei dem es um den Anspruch auf den rechten Glauben ging. Präsident Widodo spreche das Hocharabisch des Koran falsch aus - auf dieser Ebene bewegten sich die Vorwürfe“

Die offensichtlich nicht verfangen konnten.

Überall dort, wo sie eine reelle Chance hat, kann sich offensichtlich die Vernunft durchsetzen: "Präsident Widodo (...) gläubiger Muslim, doch Glaube sei Privatsache“.

Zaubern kann er in einer Welt, in deren Wirtschaft das Geld (dessen „Wert“ offensichtlich zuvorderst auf dem „Vertrauen" in die Macht des "Stärkeren“ basiert) letztlich das ausschlaggebende Moment ist, allerdings nicht:
„"Yokowi" hat Indonesien stärker gemacht und Investoren ins Land geholt, aber (...) Parallel dazu geht die indonesische Rupiah in den Keller, was natürlich vor allem die Armen zu spüren bekommen“.

Indonesien ist ein erfreulicher Fremdkörper

In der islamischen Welt weil dort
Demokratie und Menschenrechte beachtet werden. Dass nun Homosexualität verboten werden soll, ist ein trauriges Beispiel für einen schlechten politischen Kompromiss.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit?

Indonesien gehört zu
den G20-Staaten. Inwieweit besteht eine
wirtschaftliche Zusammenarbeit mit
EU-Ländern?

Instrumentalisierung von Religion

Exemplarisch ist hier zu sehen, wie die Gläubigkeit der konservativen Landbevölkerung von der alten Machtelite für ihre ganz weltlichen Interessen instrumentalisiert wird.

Immer und immer wieder.

Glückwunsch

Glückwunsch Präsident Joko Widodo, Glückwunsch Indonesien. Die Prognose ist gut.

Der ruhigere, zurückhaltende Kandidat hat gewonnen. Jokowi weiß um die Macht der Bilder, der Symbole und der Gesten. Er setzt auf Integrität und Bürgernähe, aber auch eine konservative, vorsichtige Politik. Das Wahlticket zusammen mit Ma'ruf Amin als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten war ein kluger, strategischer Schachzug im Wahlkampf.

Erneut nicht genügend Erfolg hatte sein Opponent, Prabowo Subianto, der oft polterig, laut, populistisch auftritt, dabei aber nie ganz den Geruch von Korruption ablegen kann. Seine Versprechen, oft mit der Forderung nach mehr Staatsautorität und Dirigismus gegenüber der Bevölkerung sowie Wirtschaftsliberalität, waren offenbar wieder viel zu durchsichtig.

Gewonnen hat aber auch das indonesische Volk, welches sich offenbar von Schmutzkampagnen, Fake News in den sozialen Medien sowie verführerischen Versprechen nur im ersten Moment hat beeindrucken lassen.

@Koeln 2019:

>>Inwieweit besteht eine
wirtschaftliche Zusammenarbeit mit
EU-Ländern?<<

Ich bin gerade zu faul, nach detaillierteren Antworten zu suchen, deshalb zitiere ich an dieser Stelle einfach mal kurz Wikipedia:
"Seitens Europas erfährt das Land in den letzten Jahren verstärkt Aufmerksamkeit. So unterzeichneten Jakarta und Brüssel im November 2009 ein „Partnership and Cooperation Agreement“ (PCA). Die Debatten über ein weiterführendes Freihandelsabkommen haben bereits begonnen."

Trumpfkarte "Glaube"

17. April 2019 um 13:50 von fathaland Slim

Viele Fraktionen konkurrieren um die Macht in Indonesien. Auf lokaler Ebene wie auf der Ebene der Nation. Darunter natürlich alteingesessene Eliten aber auch ganz neue Wettbewerber, siehe Präsident Jokowi. Natürlich geht es dabei immer um weltliche Interessen.

Das Ausspielen der Karte "Glaube" (hier zunächst egal, ob Islam oder Christentum oder Hinduismus) ist in Indonesien stets ein wichtiger Trumpf. Der Appell an die Werte des Glaubens und religiös begründete Regeln für das gesellschaftliche Zusammenleben, den Alltag, soll den Kandidaten Autorität, Rechtschaffenheit und einen konservativen Anstrich geben. Da über die Werte des Glaubens öffentlich nicht gestritten werden kann (Blasphemie), gibt es keinen Diskurs, keine sachliche Gegenrede.

In Indonesien sticht die Karte "Glaube" im Wahlkampf sowohl auf dem Land als auch in den Städten. Die Dichte von Moscheen und Kirchen ist beachtlich. Die Unterschiede sind tatsächlich minimal.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

17. April 2019 um 13:45 von Koeln 2019

Eine ausführliche Antwort finden Sie z.B. auf der Webseite der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Jakarta.

@ ErebMacar 14:27

Danke, das hatte ich gelesen. Ich wollte meta.tagesschau dazu
anregen, kurz über den Stand der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit zw. EU
und Indonesien 2019
zu berichten.

weil dort Demokratie und Menschenrechte beachtet werden...

Wie unterschiedlich doch die Wahrnehmungen sein koennen... z.B. wird dort Drogenbesitz mit der Todesstrafe geahndet... Ehebrecher werden gesteinigt und Dieben wird die Hand abgehackt... An sich nicht unbedingt zu kritisieren, hier im Forum wird die Thematik aber offensichtlich unterschiedlich bewertet... Was bei den Indonesiern freundlich nur 'bedauert' wird, wird bei deren Nachbarn (den Philippinen) uebelst beschimpft... Trotz nahezu identischem Demokratie- und Rechtsstaatsverstaendnis, sowie wirtschaftlicher Entwicklung...

Indonesien ist nicht gleich den Philippinen

17. April 2019 um 14:58 von Wieauchimmer

Wenn Herr Prabowo Subianto die Präsidentschaft in Indonesien errungen hätte, dann wäre dies ein Staatschef vom Kaliber vergleichbar eines Herrn Rodrigo Duterte (Philippinen) gewesen. Eben deshalb, weil auch ein Großteil der Indonesierinnen und Indonesier dieses Szenario sah, unterlag der Schwiegersohn des ehemaligen Diktators Suharto.

Ansonsten kann ich in den bisherigen Beiträgen keine Vergleiche zwischen Indonesien und den Philippinen entdecken.

Ja, Drogenbesitz und Drogenhandel kann in Indonesien mit der Todesstrafe geahndet werden. Aber nicht mittels nächtlicher willkürlicher Todesschwadronen wie in Manila sondern mittels durchaus ordentlicher Gerichtsverfahren.

Auch war die landesweite Einführung der Strafen der Sharia't Islam, inklusive Steinigungen und Amputationen, ein Wahlversprechen von Herrn Prabowo. Tatsächlich lehnt die Mehrheit der Indonesier die Sharia't Islam klar ab, insbesondere die würdelosen öffentlichen Bestrafungen.

13:43 von zöpfchen

Indonesien ist ein erfreulicher Fremdkörper In der islamischen Welt weil dort
Demokratie und Menschenrechte beachtet werden
.
ist das so ?
woher haben sie denn das

Indonesien: ein Land im Wandel

Mit der Wiederwahl von Präsident Joko Widodo scheint eine Konsolidierung des politischen Systems erreicht zu sein. Schon sein Vorgänger Herr Susilo Bambang Yudhoyono ("SBY"), ex-General und ebenfalls Javaner, gelang die Wiederwahl. Zuvor gab es zwischen 1998 und 2004 mehrere kurze Präsidentschaften.

Indonesien ist ein Land, das mitten in einem starken sozioökonomischen Wandlungsprozess ist. Selbst in Phasen weltweiter Rezession gelingt ein (moderates) Wirtschaftswachstum, das das Land in die Spitzengruppe der G20 geführt hat. Aber der wirtschaftliche Reichtum gelangt nicht zu allen. Die Disparitäten zwischen den jungen, wachsenden Städten und dem ländlichen Raum wachsen. Die gut ausgebildete Jugend wandert in die Städte. Moderne und Tradition, bittere Armut und Reichtum sind überall Nachbarn.

Auf dem Land bleiben die Alten, Armut, Abholzung der Regenwälder zugunsten von Palmöl oder Rohstoffabbau. Die ökologischen Probleme in den Metropolen und in den ländlichen Gegenden sind immens.

@ zöpfchen

Die Homosexualität soll nicht verboten werden. Wakil Presiden (Vizepräsident) Amin wurde als Zugpferd für die muslimischen Wähler nominiert, sein Einfluss ist eher gering.
Im Dezember 2017 haben sich schon konservative Akademiker mit einer Petition an das Mahkamah Konstitusi (Verfassungsgericht) gewand um vorehelichen und homosexsuellen Verkehr mit bis zu fünf Jahren Gefängnis zu bestrafen. Sie wollten also eine Strafgesetzänderung.
Diese Petition wurde mit fünf vs. vier Stimmen abgelehnt.
Der vorsitzende Richter Arief Hidayat sagte, dass dies das Parlament und nicht das Gericht entscheiden kann, aber auch das würde nicht gehen da man dafür die Staatsdoktrin der Pancasila ändern oder aussetzen müsste.
Hidayat hatte übrigens für die Petition gestimmt.
So geht Demokratie, geehrter User Sisyphos 3.

Präsidentenwahl

Die Wahl war diesmal etwas komplizierter, da anders als im Jahr 2014 Präsident und Parlament am gleichen Tag gewählt wurde.
Es wurden fünf verschiedenen farbige Karten verteilt.
Erste Karte, wahl des Präsidenten
Zweite Karte, Parlament
Dritte Karte, Provinz Gouverneur
Vierte Karte, Bürgermeister oder Regierungsbezirkschef (Wali Kota oder Kepala Kabupaten)
Fünfte Karte, Destriktschef (Kepala Kecamatan)

Sogar in meinem sehr konservativen und rückständigen Dorf viel die Wahl folgendermaßen aus, Jokowi 150 zu Prabowo 44.
Und das obwohl Team Prabowo im Vorfeld reichlich Geldgeschenke verteilt hatte, in Indonesien ist das zwar verboten aber üblich.
So bekam mein Schwiegervater vom Team Prabowo 150.000 IDR, was für arme Leute viel Geld ist.
Papa hat aber trotzdem Jokowi gewählt. Früher hat der tatsächlich immer gegen seine Interessen gewählt weil er ja Geld bekam. Aber mein Einfluss hat das jetzt geändert. :D

Indonesien als Seismograph globaler Tendenzen

Wer sich die Vielfalt der Natur und damit gewissermaßen Gottes Schöpfung genau ansieht,der oder die wird zu dem Schluss kommen müssen, dass Gott/Allah/das sich Selbstorganisierende etc. kein kleinkarierter Frömmelnder bzw. Spiesser sein kann.

Nicht umsonst wird das Göttliche mit dem Begriff des Wunders beschrieben,was in gewisser Weise auch was mit dem Begriff der Emergenz in der Physik zu tun hat.

Wenn wir uns heute Indonesien ansehen,dann sind die berichteten Veränderungen eingebettet in globale Entwicklungen des Diskurses unserer Zeit. Und hier zeichnet sich die Tendenz zur Rückkehr in voraufklärerische Zeiten ab.

Was steckt ggf. dahinter? Der Ruf nach strengerem Islam u.a.in Indonesien hat auch etwas mit Angst zu tun, denn mit strengen Regeln und Ritualen kann man Angst bannen,z.B. macht der Klimaw. den Leuten in Indonesien zunehmend Angst.

Alle wichtigen religiösen Texte beschreiben"Gott" als Kraft,die besonders durch Emergenzen in die Welt tritt,aber das verstehen nicht alle.

Indonesien war mal ein Stern

am Himmel der vom Islam geprägten Staaten. Leider ist auch dort der reaktionäre Islam auf dem Vormarsch mit Scharia und allen negativen Zutaten. Passt wohl eigentlich nicht zum Wesen der Bevölkerung, ist aber leider so

Indonesien: Gesellschaft im Umbruch

17. April 2019 um 16:49 von deutlich

Passt sehr wohl zum Wesen der Bevölkerung, denn:

Indonesien ist ein Land im Wandel. Gewachsene soziale Gemeinschaften lösen sich auf, da die junge, gut ausgebildete Generation in die Städte abwandert, welche ein starkes Wachstum verzeichnen (demografischer Wandel und Urbanisierung). Der sozioökonomische Wandel und die bessere Bildung bei insgesamt stabilen wirtschaftlichen wie rechtlichen Rahmenbedingungen bedingen neue Rollenbilder der Geschlechter, neue Verteilungen von Verantwortung und Mitsprache.

Wie überall auf der Welt führen solche Konstellationen, soziale Transformationen, bei einigen Menschen zu Hinwendungen zur Radikalisierung. In patriarchalisch geprägten Gesellschaften sind dies meistens Männer, die nach Bestätigung überkommener Rollen- und Herrschaftsmodelle suchen: im reaktionären Islam, im Nationalismus, im Militarismus etc.

Insoweit ist die Gesellschaft Indonesiens nicht viel anders als die in Deutschland (Stichwort: AfD).

@"deutlich

Die Shar'ia gilt nur in der teilautonomen Provinz Aceh, die eine eigene Gesetzgebung hat. Deswegen auch "Teilautonom".
Das dies so ist, ist geschichtlich bedingt. So haben selbst die Niederländer diese Provinz nie "befrieden" können. Ab Anfang der 70er ging die achenesische Untergrundorganisation GAM militärisch gegen das Suhartho Regime vor.
Vordergründig ging es um "Identität" und den "richtigen" Glauben, anders als viele Teile Indonesiens ist Aceh nämlich wahabitisch Geprägt.
Tatsächlich ging es, wer hätte es auch anders gedacht, um Profite, da Aceh einer der reichsten Provinzen ist. Dank der riesigen Ölvorkommen vor deren Küste. Also Geld und Steuern von und für "Acehnesen" (die distanzierenden "..." deswegen, weil diese "Ethnie" ein politisches Konstrukt ist).
Erst ab Anfang der 2000er, also nach dem man den faschistischen Kleptokraten Suhartho davon gejagt hat, bekam Aceh die Teilautonomie.
Im restlichen Indonesien gibt es die Shar'ia nicht.

Testfall Aceh

17. April 2019 um 17:25 von Johnny R

Ihr Hinweis auf Aceh, NAD, ist nur bedingt richtig. Zur Eindämmung der GAM hatte die Zentralregierung in Jakarta der Provinzregierung im Jahr 2002 mit Verweis auf den Sonderstatus erlaubt, für bislang nicht durch das Strafgesetzbuch erfasste Tatbestände Qanuns der Sharia einzuführen. Die konservative ältere Generation sollte dadurch einen größeren Einfluss auf die rebellierende Jugend, welche pro GAM war, gewinnen. Ein Alkoholverbot und das Verbot "zu großer Nähe" zwischen unverheirateten Männern und Frauen sowie ein Glückspielverbot kamen prompt. Auch eingeführt wurde die Wilayatul Hisbah, die Religionspolizei. Die Einführung der Sharia war ein Instrument des "Social Engineering": autoritären Druck aufbauen, das Verhalten der Bevölkerung steuern. Bis heute.

Übrigens: der GAM ging es bei ihrer Gründung 1978 nicht um den "rechten Glauben", sondern allein um mehr Anteile am Reichtum der Provinz (Erdöl), der vom Suharto-Regime abgeschöpft wurde.

Scharia in Indonesien

17. April 2019 um 17:25 von Johnny R

Sie schreiben mit Verweis auf die Provinz Aceh: "Im restlichen Indonesien gibt es die Shar'ia nicht."

Das ist richtig und stimmt doch nicht so ganz. Der Dezentralisierungsprozess, die Schaffung von mehr Verwaltungsautonomie, Selbstverantwortung auf Provinz- und lokaler Ebene, führte in hunderten von Gebietskörperschaften zu von der Scharia auf vielerlei Weise geprägten Ortssatzungen:
- Kopftuchpflicht für nicht muslimische Schulmädchen
- Pflicht zur Teilnahme am muslimischen Religionsunterricht auch für Nichtmuslime
- Alkoholverbote
- Restaurantschließungen während des Ramadan
- Schließung von Vergnügungsstätten
- Unterschiedliche Regeln für den Bau von Moscheen und Kirchen
- Verfolgung von Prostitution
- Anti-Pornographiegesetz auf nationaler Ebene

Einzig schade ist, dass die Scharia Korruption und Vetternwirtschaft nicht ahndet bzw. kennt.

Gut ist, dass wenigstens der Jungfräulichkeitstest für Polizeidienstanwärterinnen abgeschafft wurde.

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