Ihre Meinung zu: Australien entschuldigt sich für Missbrauchsfälle: "Schande für uns"

22. Oktober 2018 - 8:49 Uhr

Premierminister Morrison hat sich im Namen des Landes bei Zehntausenden Australiern entschuldigt, die als Kinder in Schulen, Kirchen und Vereinen missbraucht worden waren. Es sei an der Zeit, ihnen Gerechtigkeit zu verschaffen.

Artikel auf tagesschau.de
Bewertung:
3
Durchschnitt: 3 (2 votes)
Schlagwörter der Meldung:
Geo-Schlagwörter der Meldung:

Kommentare

Bleiben da auch die Kirchen-Archive geschlossen?

Gut und richtig, dass die Fehler nicht nur eingeräumt, sondern auch zugegeben werden. Die Schande bleibt, entschuldigen müssen die Opfer. Aber die Frage bleibt doch, wie diese Verfehlungen aufgearbeitet werden. Es hilft in D. überhaupt nicht, wenn die Quellen, also die Kirchenarchive für die "Aufklärer" gar nicht geöffnet werden. Da bleibt vieles verborgen. Und klar, der Staatsanwalt interessiert sich für diese Causa nicht, weil verjährt. Und genau das ist das Bittere für die Opfer - sie werden nicht mal ernst genommen.
---
Zwischenzeitlich hat die kath. Kirche auch alle Toiletten geschlossen: Weil man da austreten kann.

Das zentrale Problem

ist die toxische Kombination von Autorität, Autoritätsgläubigkeit (teilweise auch aus Opportunismus) und dem Wunsch, den eigenen Arbeitgeber oder die Organisation, für die man sich lange engagiert hat, zu schützen. Diese Kombination findet man leider in allen Organisationen, staatlichen Organisationen, die sich mit Kindern abgeben, privaten Schulen, Sportvereinen und Kirchen (alle im Verhältnis gleichermaßen, nicht nur der katholischen). Aber das geht noch weiter: Diese toxische Kombination hat lange z.B. auch den Missbrauch von abhängigen Angestellten ermöglicht. Es ist noch gar nicht solange her, dass Arbeitnehmer vor sexuellem Missbrauch geschützt sind, z.B. die Mägde von Bauern. Die sexuelle Selbstbestimmung von Abhängigen ist etwas, was sich erst langsam kulturell entwickelt, einschließlich der innerhalb der Ehe. Wieviel sexuelle Selbstbestimmung haben junge Frauen/Mädchen gegenüber ihrem Freund? Ist da oft nicht auch viel Druck bei? Es geht um die Selbstbestimmung überhaupt.

Regierung bitte um Verzeihung

Sehr gut! Die Dinge sehen, bewerten, ansprechen, sich entschuldigen. Das ist wichtig! Und fairer Weise wird hier auch berücksichtigt, dass Missbrauch ein Thema ist, dass sich durch alle Schichten und Gruppierungen der Gesellschaft zieht, währen in Deutschland und den USA und sonst wo nur jeweils auf der katholischen Kirche rumgehackt wird, weil diese wohl die einzige Gruppierung ist, die sich des Themas annimmt - das macht ihre Schande und Schuld nicht geringer. Aber es macht die Schande und Schuld all derer größer, die die mit dem Finger auf andere zeigen, ohne selber aufzuarbeiten: Vereine, Schulen, Ärzte und wer auch immer.

Schon früher gab es mal einen Bericht

Da waren es vor allem die Ureinwohner, deren Kinder häufig von Institutionen mißbraucht wurden.

Der Pfad der Schande ging dann so: die Kinder wurden ihren Eltern abgenommen, weil der - weiße - Staat glaubte, die Ureinwohner erziehen ihre Kinder falsch. Und dann waren die den weißen Tätern schutzlos ausgeliefert.

Geht es hier auch und speziell um diese? Oder werden die hier ausgeklammert? Mehr Infos wären nützlich.

@ 10:10 von Gassi

Dann sollten Sie mal sagen, welche Kirchenarchive denn wirlich geschlossen bleiben. "Aufklärer", die z.B. von der deutschen Bischofskonferenz beauftragt wurden, haben sich beklagt, dass sie an die Archive der Orden nicht rankommen. Das ist aber klar, wer im Auftrag der Bischofskonferenz kommt, kann nicht einfach auf alles zugreifen, weder auf die Archive der Stadt Bonn noch auf die Archive des Ordens XY - denn beide habe nichts mit der Bischofskonferenz zu tun. Die Orden halten ihre Archive aber nicht geschlossen, sie haben aber als unabhängige Institutionen eigene "Aufklärer". So wie alle anderen nicht-katholische Kirchen, Schulen und Sportvereine, auch. Oder nicht? Der australische Premier hat ausdrücklich umfassend sich auf alle Organisationen bezogen, von dem Hauptfeld des Missbrauchs, in den Familien, ganz zu schweigen. Denn Missbrauch ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, dass nur insgesamt angegangen werden kann. Sich einzelne Sündenböcke auszusuchen, schadet nur.

Ich befürchte.....

Nach dem Aufdecken, Entschuldigen, Entschädigen und Ablösen von Tätern wird sich das Ganze nach einer angemessenen Zeit wiederholen, weil gewisse Mechanismen des Verhaltens den Menschen angeboren und anerzogen sind.

10:10 von Gassi

Zwischenzeitlich hat die kath. Kirche auch alle Toiletten geschlossen: Weil man da austreten kann.
.
so weit ich weiß, wird keiner zur Mitgliedschaft dort gezwungen

… und dass die Sachen verjährt sind !
( sonst ist man ja auch für den Rechtsstaat und das ist geltendes Recht)
was erwarten sie von der Staatsanwaltschaft nach 30 …. 50 Jahren,
klar kann man das Verhalten der Geschädigten nachvollziehen, deren Scham,
aber wo kein Kläger da kein Richter und soll der Staat klingeln
und fragen "geschah ihnen in letzten Zeit Unrecht

2018 um 11:05 von Autograf

"Das ist aber klar, wer im Auftrag der Bischofskonferenz kommt, kann nicht einfach auf alles zugreifen..."
Noch klarer ist, dass die katholische Bischofskonferenz in ihrer "Arbeitshilfe Nr. 222" von 1. Jan. 2008 das Zeugnisverweigerungsrecht praktisch allen Personen, die für die Kirche arbeiten nahegelegt hat. Zitat: " Damit der Seelsorger in diesem Grenzbereich nicht allein- gelassen wird, wird dringend empfohlen, stets eine Aussagege- nehmigung des Bischöflichen Generalvikariats/Ordinariats/Or- densoberen einzuholen...". Ausgenommen vom Zeugnisverweigerungsrecht sind in der "Arbeitshilfe" praktisch nur ehrenamtlich Tätige.

In keiner Institution erfahren Vorgesetzte von Missbrauch und können dann staatlich erlaubt die Aufklärung und Strafverfolgung der Verdächtigen selbsttätig unterbinden indem sie alle kirchlich Beschäftigten zur Zeugnisverweigerung auffordern. Täter, die sich staatlich erlaubt selbst vor Strafverfolgung schützen.

Was macht uns Menschen immer

Was macht uns Menschen immer wieder zu solch perversen Viechern? Da müßte in die entsprechende Forschung zur Erlangung der richtigen Erkenntnisse, die gegen dieses Verhalten dann erfolgreich anzuwenden sind, endlich zusammen und weltweit angegangen werden und das dafür notwendige Geld bereit gestellt werden. Hat man eigentlich eine Vorstellung davon, wie solche Traumata solcher einst Betroffener, dann später als Bürger deren Entscheidungen auch auf Gesellschaft und Politik bezogen, beeinflussen werden? Unfassbar, dass das ganze Thema wohl weltweit immer noch weiter zu gehen scheint. Das wird sich zu einer Zeitbombe aufbauen.

@Sisyphos3

Verjährung ist Sache des Gesetzes - das habe ich keinesfalls angezweifelt: der Staatsanwalt ermittelt deswegen nicht. Aber Aufklärung ist nicht an Verjährungen gebunden und in diesem Fall ist es moralisch einfach nur geboten, mit aller Demut aufzuklären. Und dazu gehört auch die Einsicht in die Kirchen-Dokumente: nicht für die Öffentlichkeit, aber für glaubwürdige und rechtstreue Untersuchungen. So wie die Kirche die Aufklärung derzeit praktiziert, ist sie nicht demütig und zeigt auch keine wirkliche Reue.

"Schulen, Kirchen und Vereine"

Es geht also auch anders. Statt wie hierzulande nur auf den Kirchen herumzuhacken, nimmt man dort das Problem ganzheitlicher ins Visier. Das wird der Sache gerecht, denn Kindesmissbrauch ist eben kein speziell oder vorwiegend kirchliches Problem, sondern ein gesellschaftliches.

@Gassi

Es hilft in D. überhaupt nicht, wenn die Quellen, also die Kirchenarchive für die "Aufklärer" gar nicht geöffnet werden.

Typisch ... da wird berichtet, dass der australische Premier von " Schulen, Kirchen, Jugendgruppen, Sportvereinen und Kinderheimen" spricht und was passiert: Es wird wieder einseitig auf der Kirche herumgehackt. Sorry, aber damit werden wir dem Problem und seiner gesamtgesellschaftlichen Dimension nicht gerecht. Nur ein Bruchteil aller Mißbrauchsfälle geschah im Raum der Kirchen.

Zwischenzeitlich hat die kath. Kirche auch alle Toiletten geschlossen: Weil man da austreten kann.

Netter Spruch ... zeigt aber nur, dass es Ihnen nicht um eine sachliche Diskussion geht, sondern nur um bauchgesteuerten Kirchenhass ...

Die Verjährung einfach zu

Die Verjährung einfach zu streichen, wäre doch das kleinste Problem. Es handelt sich ja nicht um eine Bagatelle, wie falsch parken. Das wäre mal eine Meldung für die Opfer. Mit Verjährung brauchen die sich keine Hoffnung machen, daß jemand bestraft wird. Ob die entstandenen Traumata auch verjähren? Wohl kaum.

@um 15:04 von BotschafterSarek

Das wird der Sache gerecht, denn Kindesmissbrauch ist eben kein speziell oder vorwiegend kirchliches Problem, sondern ein gesellschaftliches.
---
Richtig. Es gibt aber Institutionen, in denen Kinder besonders ausgeliefert sind.
Dazu gehören alle Vereine, Verbände, sowie Schulen und andere herachiegeleiteten Institutionen.
Auch die Grünen können ein Lied davon pfeifen und dabei galten sie immer als besonders offen und tolerant.
Kindesmissbrauch ist in seiner frühen Entstehung immer ein Missbrauch von Vertrauen, ehe es zu diesen Abscheulichkeiten kommt.
Oftmals geben sich die Täter besonders vertauenswürdig, entweder durch ihr Amt oder durch ihre verbindliche Art.
Es hilft aber nichts, deshalb alle über einen Kamm scheren zu wollen: Nicht jeder Pastor, nicht jeder Erzieher und nicht jeder Lehrer oder Onkel ist daher mit solchen Vorwürfen zu stigmatisieren.
In der Kirche stigmatisiert man aber inzwischen gern, weil die Kirche die Transparenz verfehlte.

@15:04 von BotschafterSarek

"Das wird der Sache gerecht, denn Kindesmissbrauch ist eben kein speziell oder vorwiegend kirchliches Problem, sondern ein gesellschaftliches."

Was? Hier geht es um Missbrauchsfälle, die die Kirche zu verantworten hat und nicht die Gesellschaft. Die Kirche hat in der Gesellschaft einen besonderen Status, weil sie sich als Moralhüterin betrachtet. Und ausgerechnet in der Kirche passier(t)en diese Dinge, die sie nach außen hin verteufelt.

Darstellung: