Kommentare

Entscheidet das Wie über das Was?

Ich dachte immer in der Wissenschaft entscheidet der Inhalt über die Qualität einer Arbeit. Scheinbar bedeutet der Abdruck in einer renommierten Fachzeitschrift automatisch ein bestimmtes Renommee.
Am Ende entscheidet die Wissenschaft doch selber darüber wie wertvoll ein Beitrag ist oder war.
"...wertlosen Online-Fachzeitschriften..."?
Eine ziemlich arrogante Eingruppierung.

Problem ist etwas Komplexer

Die grossen "serioesen Verlage" sehen ihre Felle davon schwimmen.
Das sich gerade die "Nobelpreistraeger" darueber eschoffieren ist nicht verwunderlich. Das ganze publizieren in solchen "unserioesen Journalen" ist auch dem geschuldet das die "Grosen" wie Nature und Science nur fuer Leute die in den Mafiöse Strukturen gut fernetzt sind. Es zaehlt fast nur der Name oder wer eben den Chef Editor von Cell, Nature oder so zum Abendessen einlaed. Nature selbst (eigentlich die Bildzeitung der Wissenschaft) steckt voller Fehler und Pseudoveroeffentlichungen. Hab selbst Reviews von diesem Journal gesehen, die lauten "Oh ich kenne den Autor, alles was aus seinem Lab kommt ist toll".

Fuer Jungewissenschaftler, die nicht nur Politik betreiben wollen sind die "high-impact" Journale oft keine Option.

und was ist mit all den...

Studien die, bzw. Pseudostudien, die von der Industrie in Auftrag gegeben werden, wo Wissenschaftler gekauft werden und sich hergeben die Studie so zu gestalten, dass das erwünschte Ergebnis herauskommt? Wie viele anerkannte Studien haben sich denn schnell schon mal als Irrtum herausgestellt? Vielleicht sind die anerkannten Verlage auch damit überfordert, dass Wissenschaft in aller Welt, auch den Schwellenländern wächst und dadurch die Verlage total überfordert sind die eingehenden Studien/Papiere zu bearbeiten. Der Frust bei Wissenschaftlern, die jahrelang auf die Annahme ihrer Papers warten müssen, ist verständlicher Weise gross. Man kann ja nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass Studien in diesen nicht anerkannten Zeitschriften "Fake" sind, oder???? Wer Interesse an einem Sachverhalt/ einer Studie hat, muss sich sicher etwas mehr damit auseinandersetzen als nur das "Ergebnis" am Ende, dass dann ja von anderen Medien gern in Schlagzeilen verarbeitet wird. Wer Bild liesst, sollte wis

ustdigital, 06:32

||Ich dachte immer in der Wissenschaft entscheidet der Inhalt über die Qualität einer Arbeit. Scheinbar bedeutet der Abdruck in einer renommierten Fachzeitschrift automatisch ein bestimmtes Renommee.||

Offensichtlich haben Sie den Artikel nicht (aufmerksam genug) gelesen.Denn sonst wäre Ihnen aufgefallen, dass bei den pseudo-wissenschaftlichen Verlagen eben keine "Qualitätskontrolle" stattfindet.

Eingereichte Studien werden oft binnen Tagen publiziert. Das konnten Reporterinnen und Reporter der beteiligten Medien durch die Einreichung zahlreicher unwissenschaftlicher Texte zeigen

Beteiligte

Als Wissenschaftler mit Publikationsdruck gibt es aber noch einen weiteren "Player". Wenn die "sonstige" Presse aller Art nicht so geil auf Schlagzeilen wäre, und mit jeder kleinen Verbesserung mindestens die Welt gerettet werden muss, wäre schon etwas Publikationsdruck weg.
Was wirklich richtig ist, weiß man in der Regel erst sehr spät - was offensichtlich falsch ist, bemerkt man nach kurzem Nachdenken. Hier liegt das größte Problem - einige Kollegen sind zum Nachdenken nicht in der Lage, Laien sind hierzu in der Regel nicht in der Lage, Journalisten (leider) fast nie; hier habe ich etliche Eigenerfahrung aus allererster Hand!! Die ÖR sind da fast schlimmer als andere Printmedien.

Von Pharmafirmen ist das schon lange bekannt.

Beispiel "Tamiflu-Lüge".
Aber das waren keine Fake-Verlage. Studien, die nicht ins (Verkaufs-) Konzept passen, werden einfach nicht freigegeben.
Versuche, die dem gewünschten Ergebnis widersprechen, werden einfach abgebrochen.
2009 haben Regierungen Milliardenbeträge ausgegeben. Die Manipulationen haben sich also ausgezahlt.

Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 17. 12. 2010 unter dem Titel: "Die Tamiflu-Lüge".

Auch bei den Konkurrenten war es nicht anders: "Überall haben wir Indizien für manipulierte Daten gefunden." Der größte Behandlungsversuch aus den USA, den Glaxo Smith Kline jemals für Relenza durchgeführt hat, habe übrigens keinen Effekt gezeigt, so Jefferson. "Und er wurde nie veröffentlicht."

@ 06:32 von ustdigital

Das hat nichts mit Arroganz zu tun. Wie aus dem Bericht eindeutig hervor geht unterscheiden sich "seriöse" Wissenschaftsverlage von solchen "Fachzeitschriften" dadurch das sie den Inhalt einer Arbeit wissenschaftlich hinterfragen bevor sie sie publizieren. Geschieht dies nicht dann ist eine solche Publikation nicht nur wertlos, sondern im Zweifelsfall auch noch gefährlich da sie eben einen verifizierten wissenschaftlichen Inhalt nur vortäuscht!

06:32, ustdigital

>>Entscheidet das Wie über das Was?
Ich dachte immer in der Wissenschaft entscheidet der Inhalt über die Qualität einer Arbeit. Scheinbar bedeutet der Abdruck in einer renommierten Fachzeitschrift automatisch ein bestimmtes Renommee.
Am Ende entscheidet die Wissenschaft doch selber darüber wie wertvoll ein Beitrag ist oder war.
"...wertlosen Online-Fachzeitschriften..."?
Eine ziemlich arrogante Eingruppierung.<<

Lesen Sie doch bitte den Artikel noch einmal und beschäftigen sich mit dem Begriff "Peer Review", der dort erklärt wird. Dann erkennen Sie vielleicht, was das Problem mit diesen Verlagen ist.

Das Wie hat Einfluss auf die Qualität, nicht auf das Was

Die Wirkung u. Wahrnehmung jeder Nachricht oder veröffentlichte Information, wird durch eine fachliche Prüfung des Wahrheitsgehaltes stark beeinflusst.
Hält die zu veröffentlichende Information der fachlichen, inhaltlichen Prüfung nicht stand, können die Behauptungen der Autoren nicht belegt werden, würde diese Information nicht verbreitet und damit auch keine Wirkung erzielen. Unbewiesener/unbelegter Nonsens würde keinen Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung und Meinung haben.
Ist Fake-Information jedoch ungeprüft einmal veröffentlicht, finden sich immer weitere "Sender" die diese Information für geprüft und "wahr" halten und sie weiterverbreiten.
Mit jedem weiteren "Sender" der Information erhöht sich die Akzeptanz der Fake-Information in der Öffentlichkeit, da, ist die Information einmal durch viele Filter gerutscht, der Wahrheitsgehalt einfach postuliert wird. "Irgendwer wird das schon geprüft haben!" So entstehen Falschnachrichten, die unser Denken und Handeln beeinflussen.

Adieu Glaubwürdigkeit!

Wenn Institutionen, die Fakenews eigentlich entlarfen sollten, aus Profilierungssucht oder Gewinnstreben selber welche produzieren, darf man sich nicht wundern wenn sich die Bevölkerung von ihnen abwendet und die "Wahrheit" lieber in der Facebook-Filterblase sucht! So ein Verhalten ist daher schändlich! Ähnlich verhält es sich mit sensationslüsternem Schmierenjournalismus oder inhaltsleerem Politikergeschwätz!

Publish or perish

Eine der Absurditäten des neoliberalen Umbaus der Hochschulen war der Aufbau des im Artikel genannten Publikationsdrucks. So bekamen die Zeitschrift praktisch die Definitionsmacht über die Wissenschaftlichkeit.

Nachdem die ursprüngliche

Nachdem die ursprüngliche Festanstellung der Wissenschaftler vor 30 Jahren Zeitverträgen geopfert wurden, weil man dachte, so die 'faulen Elfenbeinturmbewohner' aus ihren weltfremden Träumereien zu jährlichen Forschungsergebnissen und damit dann endlich den ruferweiternden Nobelpreisregen hierherzuholen, wurden Verlängerungen von Zeitverträgen nur noch bei möglichst großen Veröffentlichungsnachweisen bzw.-Zahlen vergeben. So ist seither der Wissenschaftler gezwungen auf Deiwel komm raus, mindestens jährlich wissenschaftlich exzellente Ergebnisse zu präsentieren. Wie das gehen soll und vor allem, wie das beim großen Forschungsvorbild USA die ganze Zeit wirklich funktioniert, hat man die ganze Zeit versteckt. Dazu kam auch zur selben Zeit dass man die Finanzierung wissenschaftlicher Projekte immer mehr auf Drittmittel eingeworbene Gelder z.B. von Firmen herunterfuhr, die natürlich nur bei 'Themeninteresse' und 'Erfolgen' sprießen, was immer mehr die wissenschaftliche Freiheit zerstört.

@ustdigital

Sie haben offenbar den Artikel nicht gelesen. Es geht nicht um Renommee, sondern um eine hinreichende Begutachtung der eingereichten Arbeiten und Qualitätssicherung. Wenn ein Review-Prozess nicht stattfindet, kann im Grunde der größte Humbug publiziert werden.

Allen Menschen...

... die einen Einblick in die Welt der Wissenschaft gewinnen möchten sei hier mit der Podcast "methodisch inkorrekt" von zwei Physikern aus dem Ruhrpott empfohlen! Die beiden haben auch recht häufig fundierte Kritik an dem wissenschaftlichen Veröffentlichungswesen.

Ja und Nein!

In einer "renommierten" Fachzeitschrift werden nur Arbeiten veröffentlicht, die zuvor von Wissenschaftlern des selben Forschungsgebiets geprüft wurden. Nur wenn Methoden, Durchführung, Ausführung und Interpretation wissenschaftlichen Standards entsprechen, werden diese gedruckt.
Wenn hingegen jeder alles behaupten kann, was angeblich eine Studie belegt, und diese Studie dann, wie in dem Artikel beschrieben, von sonstwem zitiert wird, um beispielsweise ein Medikament zu rechtfertigen, ist das höchst problematisch. Dieser Selbstschutz der Wissenschaft fällt in diesen unseriösen "Fachzeitschriften" weg. Denn seriöse Wissenschaftler werden solche Studien schlichtweg ignorieren, während außenstehende in der Regel keine Chance haben die Behauptungen zu überprüfen.

Das Wo entscheidet über Vertrauen

ustdigital hat teilweise Recht, die Qualität einer Arbeit ist erstmal unabhängig davon wo sie publiziert wird. Was aber entscheidend ist, ist das Vertrauen, das ich als potentieller nicht-Experte in diese Arbeit stecken kann:
1. Wenn die Arbeit in einem "Raubjournal" veröffentlicht ist, heißt das nicht, dass sie schlecht ist, sie kann auch gut sein. Was es heißt ist, dass sie schlecht sein KANN, weil eben keine unabhängigen Experten drüber gelesen haben.
2. Wenn die Arbeit in einem "renommierten" Journal veröffentlicht ist, heißt das nicht, dass sie GUT sein muss, nur das andere Experten sie für glaubwürdig halten.
Das System "peer review" ist nicht perfekt, aber es ist schonmal deutlich besser als alles, was man so in anderen Bereichen sieht. In sofern "sehen sich die Betroffenen Wissenschaftler [nicht nur] als Opfer" sie sind es meistens auch, weil eben ihre Arbeit immernoch evtl gut ist, aber nicht mehr als solche aufgenommen wird.

Nicht auf der Zeit.

Eine Prüfung, wie der Beitrag es anspricht, gibt es beim Patentamt.
Alles andere ist freiwillig und steht unter Geld- und Zeitdruck.

Betrug ist leicht zu durchschauen.

Ich als Wissenschaftler kriege auch täglich solche Emails, muss aber sagen, dass man schon ziemlich naiv sein muss um da darauf reinzufallen. Ist vergleichbar mit dem nigerianischem Scheich, der einem per Mail schreibt und einem Millionen verspricht, wenn man ihm nur etwas Geld überweist.
Es gibt so viele eindeutige Merkmale, woran man solche Jornale von den seriösen unterscheiden kann (IMPACT Faktor, Bekanntheit, Art der Anfragen, Publikationsarchiv, Verlag, Transparenz, usw.), dass man schon bewusst auf beiden Augen blind sein muss, um den Betrug nicht zu erkennen.

Keine Fehlbeurteilung, sondern gewaltiges Problempotenzial

Da es diesen Verlagen ausschließlich um Gewinnmaximierung geht – Wissenschaftler, die unter Zeitdruck stehen, was ihre Publikationen angeht, sind hier leider ein gefundenes Fressen – und wissenschaftliche Integrität keine Rolle spielt, sind diese Zeitschriften in der Tat aus Sicht der Wissenschaft als wertlos anzusehen. Peer-Reviews sind als Instrument zur Vermeidung der Verbreitung falscher Ergebnisse von entscheidender Wichtigkeit!
Dass dies mitunter trotzdem vorkommt, kann und darf natürlich nicht geleugnet werden. Jedoch handelt es sich hier um Ausnahmen, die die Regel bestätigen, was sich allein schon daran zeigt, dass in solchen Fällen der Aufschrei typischerweise groß ist.

@9:55 Kommentator_02

"Offensichtlich haben Sie den Artikel nicht (aufmerksam genug) gelesen.Denn sonst wäre Ihnen aufgefallen, dass bei den pseudo-wissenschaftlichen Verlagen eben keine "Qualitätskontrolle" stattfindet."

Was wahrscheinlich gemeint ist: auch Publikationen in "renommierten" Journalen können sich als unwahr herausstellen, z.T. sogar, wenn mit bestem Wissen gearbeitet wurde. Der wahre Fortschritt durch eine Arbeit erweist sich erst im Laufe der Zeit, wenn andere Wissenschaftler die Ergebnisse reproduzieren können und dadurch weitere Erkenntnisse angestoßen werden. So verdankt auch Prof. Huber seinen Nobelpreis einer Arbeit in einer weniger renommierten Zeitschrift.

TS und scheinwissenschaftlicher Verlag

Wenn ich auf der TS lese, wer und mit welcher Information alles als Experte bezeichnet wird, dann habe ich den Eindruck, dass manchmal auch die TS zu den scheinwissenschaftlichen Verlagen zu zählen ist.

Vielleicht auch das bedenken .....

"Wird ein Manuskript abgelehnt, heißt dies also nicht zwangsläufig, dass die Studie fehlerhaft ist. Manchmal kennt der Autor den Reviewer nicht; manchmal kennt auch der Reviewer den Autor nicht."

Seriös sieht anders aus. Wenn also eine Arbeit korrekt ist, wird sie trotzdem abgelehnt, weil der Reviewer den Autor nicht kennt? Also gehe ich davon aus, dass es weniger um wissenschaftliche Korrektheit als um politisch gewünschte Ergebnisse geht. Vielleicht sollte man darüber nachdenken? Ich vermute, Einstein würde in der heutigen Zeit scheitern.

Geht es um Verlage oder die Qualität der Texte???

Ich verstehe es nicht ganz: Geht es um die Identifizierung „scheinwissenschaftlicher Verlage“ – oder auch, evtl. sogar vorrangig, um die Frage, ob alles, was in der Neuzeit als Bachelor-, Master-, Doktorarbeit, als von dieser und jener Stelle z.T. mit Steuergeldern gefördertes Projekt – an seriösen Universitäten und Instituten – entsteht, auch wirklich wissenschaftlichen Standards entspricht und die Welt nachweislich/mutmaßlich weiter bringt? Papier/der PC ist geduldig.

Kann es sein, dass der unbestreitbare Druck für Neu-Wissenschaftler und -Akademiker, zu publizieren und Jobs zu finden, auch einigen nicht wertvollen Texten zum Durchbruch verhilft und immer neue Fachbereiche und Institutionen entstehen lässt? Ich sinniere z.B. oft, ob ein moderner Fachgebiets-Titel wie „Gender und Globalisierung“, der genau betrachtet fast alle Themen der Welt (!) abdeckt, nicht in Beliebigkeit endet.

@10:09 fathaland slim

"Lesen Sie doch bitte den Artikel noch einmal und beschäftigen sich mit dem Begriff "Peer Review", der dort erklärt wird. Dann erkennen Sie vielleicht, was das Problem mit diesen Verlagen ist."

Lesen Sie bitte den Beitrag von tettigonia (9:52). Seine / ihre Beschreibungen des Publikationsbetriebes sind absolut zutreffend. Das kann ich Ihnen als noch aktiver Wissenschaftler bestätigen.

Re: Problem ist etwas Komplexer

Naja, auch wenn das stimmt, was Sie sagen, gibt es neben Nature, Science, Cell und den im Artikel angesprochenen Betrügerjournalen sehr, sehr viele Alternativen, die seriös sind aber nicht so abgehoben, dass man als Jungwissenschaftler keine Chance hat. Sie sprechen ein großes Problem in der Wissenschaft an, aber das hat kaum was mit dem Thema des Artikels zu tun. DIe Leute, die in diesen dubiosen Journalen veröffentlichen, haben keine wisssenschaftliche Karriere im Sinn, sondern haben einfach Veröffentlichungsdruck (z. B. um den Doktortitel zu erhalten). Daher interessiert die Cell und Nature gar nicht.

Wissenschaftlich

Hier wird eine Wissenschaft daraus gemacht.
Mein Gott ist das eine Wissenschaft.

Es gibt auch eine andere Seite.

Tatsächlich ist eine anständige Reputation in der Wissenschaft durchaus wichtig in bezug auf mögliche Gelder, die aus einem Projekt generiert werden sollen. Das Verlage sich dort etablieren ist also mehr als in Ordnung, denn schließlich möchte man auch ein wenig vom "Kuchen" profitieren.

Glücklicherweise gibt es allerdings auch wissenschaftliche Gebiete wie die Para-Paläontologie (siehe Elucidarium: Dino-Idiotica), wo direkt klar wird um was für eine wissenschaftliche Position es sich handeln dürfte, nämlich das man diverse Inhalte auch mal mit Humor nehmen darf!

In diesem Sinne, alles möglich!

Betrügerische Verlage müssen bekämpft werden, aber ...

Das klassische Peer Reviewing ist auch keine Garantie für glaubwürdige Publikationen und in den renommiertesten Fachzeitschriften wurde auch schon der größte Mist publiziert. Außerdem wird durch Peer Reviewing das Publizieren enorm verzögert und es ermöglicht das Stehlen von Ideen durch die Reviewer.
Dabei wäre es ganz leicht und nicht einmal teuer für das Bundesforschungsministerium, allen deutschen Wissenschaftlern einen Server zur Verfügung zu stellen, auf den sie ihre fertigen Publikationen hochladen könnten, sobald diese an ein Journal geschickt werden. In der Physik und einigen anderen Disziplinen gibt es dieses PrePrint-System schon lange und im biomedizinischen Bereich könnte es viele Leben retten, denn es würde endlich den Druck erhöhen, neue Erkenntnisse sofort zu publizieren, anstatt erst Patente anzumelden und Folgeexperimente durchzuführen, bevor man seine Ergebnisse publiziert.

Kritische Leser gefragt, heutzutage mehr denn je...

Man kann nur erstaunt sein, wenn führende Wissenschaftler angeblich erst jetzt von diesem Phänomen hören. Diese Verlage und entsprechende (Pseudo-)Veröffentlichungen sind längst nicht mehr abschaffbar, sondern Realität! Zum Teil gibt es da durchaus (schlampige) Qualitätsprüfungen (zum Beispiel das Abstract verbessert, aber der Haupttext einfach unkritisch unkorrigiert abgedruckt). Es kommt eben nicht nur auf die Zahl der Publikationen an, sondern immer auch auf ihre Qualität. Es ist mehr denn je gefragt, dass die Leser die Resultate der Veröffentlichungen kritisch hinterfragen und nicht alles glauben, was publiziert wird. Wenn man Sachverstand hat und die Primärliteratur auch nachschlägt und liest, dann entlarft man die low-quality-papers und journals recht schnell. Man muss sich davon verabschieden, dass alle Verlage selbst die Qualitätssicherung organisieren. Es gibt im Internet schon Listen entsprechender unseriöser und pseudowissenschaftlicher Zeitschriften. Nie dort publizieren!

Nicht zeitgemäßes Publikationssystem

Das Publikationssystem mit den Verlagen beruht auf den technischen Möglichkeiten des 19. Jahrhunderts. Auch viele etablierte Verlage verlangen 500-3000€ für die Veröffentlichung eines Artikels (in der Regel zusätzlich Geld vom Leser/Bibliothek). Korrekturlesen und Layout geschieht auch hier meist in Südostasien, Fachwissen der Korrekturleser oft Fehlanzeige. Der aufwendige Prozess, das Review durch drei andere Wissenschaftler geschieht unentgeltlich, Verlage zahlen hierfür weder an die Editors noch an die Reviewer.

Man kann den "Fake"-Verlagen nicht verbieten, ein Verlag zu sein und ähnliche Gebühren zu erheben, der Leser muss entscheiden was die Zeitschrift wert ist (der Name ist oft sehr ähnlich einer renommierten).
Gerade junge Wissenschaftler sind gezwungen zu publizieren, Zeitverträge sind selten länger als drei Jahre. Solange eine Zeitschriftenpublikation etwas wert ist und hunderte Zitierungen eines öffentlich zugänglichen Manuskripts nicht, wird sich an alledem nichts ändern.

Wer braucht die Qualitätssicherung der Verlage?

Wenn ich als Wissenschaftler seit vielen Jahren in einem bestimmten Forschungsgebiet tätig bin, dann kann ich selbst beurteilen, ob eine Publikation etwas taugt oder nicht. Meistens kann man die Daten gebrauchen, während sich die Interpretationen der Autoren als falsch erweisen. Um die Qualität eines Artikels prüfen zu können, brauchen Kollegen allerdings die methodischen Details und möglichst auch noch die Rohdaten für eigene Auswertungen. Aber das liefern gerade die berühmtesten Journals nicht. Für mich ist deshalb das Peer Reviewing kaum mehr als ein Werbegag der unverschämt teuren Wissenschaftsverlage, die wegen ihrer horrenden Preise von immer mehr Bibliotheken und sogar von ganzen Ländern abbestellt werden.
Es ist an der Zeit, dass Regierungen endlich dafür sorgen, dass jeder Steuerzahler kostenlos lesen kann, was Forscher mit seinem Geld herausgefunden haben. Besonders wichtig wäre das für Ärzte, für die heute der Zugang zum Stand der Forschung unbezahlbar ist.

@E.Cartman 10:12

Sie haben etwas vergessen,
wer behauptet denn, dass die Institutionen die Fakenews entlarfen sollten sich selber profilieren und selbst Fake News profuzieren? Richtig diejenigen die überhaupt erst damit anfangen Fakenews zu produzieren.
Facebook ist ein Seite um in Kontakt mit Menschen zu kommen und mit Freunden zu chatten. Generell ist es nur vernünftig, wenn jegliche Politik aus Facebook verschwindet und Politiker dort nicht mehr Werbung für sich machen können egal ob es jetzt die CDU, die AfD, Trump oder Putin ist. Sowas sollte komplett aus Facebook verschwinden und auch aus Twitter. Jeder der anfängt dort politisch irgendwas zu posten sollte verwarnt werden und bei mehreren Vergehen sollte das Profil gelöscht werden.
Social Media wie Facebook und Twitter sind nicht für politische Zwecke gemacht worden und dazu muss man wieder zurück. Man muss Druck auf Zuckerberg und Co ausüben

Qualitätskontrolle?

Im guten Artikel werden doch auch die Methoden mitveröffentlicht, d.h. jeder darf die Ergebnisse auseinanderreißen, wenn ein methodischer Fehler gefunden wird.
Auch kann der Verfasser des Artikels direkt kontaktiert werden um nachzufragen, wenn etwas unklar ist. Es ist ja nicht geheim, wer was wo gemacht hat. Die Ergebnisse müssen schließlich reproduzierbar sein.

So läuft das halt.

Nun wird es dank Internet auch leichter trotzt vieler Zeitschriften nach Themen zu suchen. Da muss man sich nicht auf einige wenige beschränken.

Ich sehe da also keine Verschlechterung.

An das Geld für die Forschung muss man eh irgendwie rankommen.

Das System scheint mir völlig schief zu laufen

Fake News in der Wissenschaft sind ja keine neue Erscheinung. Gefälschte oder manipulierte Studien gab es doch schon lange, genauso Plagiate. Und Zitierkartelle. Und Beziehungen.
Und dann ist da der Druck, viel zu publizieren, und zwar nicht irgendwo, sondern in den "angesehenen" Medien der elitären Zirkel.
Als weitere Komponente, die den bisher Genannten etwas im Weg steht, kommt der Auftrag hinzu, dass die Wissenschaft der Bevölkerung ja auch was bringen soll, die sie immerhin kräftig alimentiert. Die Leute sollten ja informiert werden. Und das geht aber nicht durch die elitären Fachjargon-Journals, sondern in Alltagssprache. Und dafür braucht es oft erst mal neuere Verbreitungswege. Und somit bietet sich natürlich auch für Scharlatanerie wieder eine einträgliche Option.

Als Wissenschaftler

bekommt man in der Tat mittlerweile täglich mehrere Mails mit der Aufforderung in derartigen Journalen zu publizieren, die man fast reflexartig löscht.

Finde die Problematik hier trotzdem etwas aufgebauscht. Die meisten Artikel in diesen Journalen werden kaum gelesen und zitiert. Auf beim Einwerben von Drittmitteln sind sie eher peinlich als hilfreich. Somit ist der Schaden, der dadurch angericht wir sicherlich viel kleiner als hier suggeriert wird. Wie auch von einigen anderen Kommentatoren angemerkt ist der Zwang zur raschen Publikation zum Joberhalt, dass größere Problem.

Uninteressante Daten in manchen kaum beachteten OA-Medien richten wissenschaftlich sicherlich viel weniger Schaden an, als die Veröffentlichung unvollständiger oder falscher Ergebnisse in Top-Journalen. Allerdings bemühen sich gerade die Nature und Cell Gruppen darum Prozesse transparenter und all Ergebnisse zugänglich zu machen.

Ein strukturell bedingten Pseudoproblem

Ja, es gibt Zeitschriften, die (fast) alles veröffentlichen, wofür man bezahlt. Ja, nicht alle veröffentlichten Artikel sind wissenschaftlich wertvoll, aber das gilt teilweise auch für "renommierte" Zeitschriften.

Das liegt am System. Es gibt in der Wissenschaft keine unabhängigen Gutachter. Eingereichte Manuskripte beurteilen können nur Wissenschaftler, die sich mit der Thematik auskennen -- und die gibt es eben nur in der Wissenschaft selbst. Das "peer reviewing system" hat seine eigenen Probleme: Festschreibung bestehender Meinungen ("Die Erde ist eine Scheibe"), Publikationsdruck (Stellensuche, Zeitverträge, Beantragung von Fördermitteln). Wären z.B. Abgasuntersuchungen bei VW immer objektiv und zuverlässig gewesen, wenn sie von den VW-Mitarbeitern selbst -- oder von Gutachtern aus Konkurrenzunternehmen -- kontrolliert worden wären? Einen unabhängigen TÜV gibt es in der Wissenschaft nicht.

Lösungswege

Aber kann man das Publizieren von "fake"-Ergebnissen wirklich abstellen, wie ein Nobelpreisträger fordert? Im Internet kann jeder den allergrößten Mist veröffentlichen -- und viele tun das leider auch. Das kann "man" derzeit leider nicht verhindern.

Aber es gibt ein Regulativ in der Wissenschaft selbst: Wirklich wichtige und gute Arbeiten finden langfristig stärkere Beachtung als unwichtige und falsche. Und die setzen sich auf Dauer eben durch -- auch bei Berufungensentscheidungen, wo man nicht nur schaut, wieviele Arbeiten jemand irgendwo veröffentlicht hat, sondern auch, welche Arbeiten und wo.

Die Erde ist eben doch keine Scheibe mehr.

Das Desaster ist nicht neu

Eigentlich sollte es niemanden wundern, dass sich das Publikationswesen so entwickelt hat.
Die Tatsache, dass WissenschaftlerInnen schon sowohl ihre Expertise als Autor, aber auch als Lektor und Editor kostenfrei zur Verfügung stellen sollen, ist eine Farce an sich.
In jedem anderen Genre werden Autoren für ihre Leistung entgolten. In der Wissenschaft gibt es dafür nur ein Fleisssternchen und (evtl.) ein Schulterklopfer vom Prof.
Fragen Sie doch mal, die Harry Potter Autorin, ob sie für Ihre Publikation noch bezahlen soll, wenn's auf ein Titelblatt soll (weil wirklich mal lesenswert), gern auch vierstellig.
Wenn dann aber der CEO von Wiley 4 Mio Jahresgehalt bekommt, läuft was schief. Jetzt zu beklagen, dass WissenschaftlerInnen auf andere Verlage ausweichen, ist ein Fingerzeig in die falsche Richtung und diskredittiert auch die Falschen.
Schuld ist ein hochgradig mafiöses und inzestuöses Publikationswesen, nicht die Wissenschaftler, deren Artikel nicht mehr peer-reviewed werden.

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