Kommentare

Militante Verweigerer der offenen Gesellschaft

Die immer offener zu Tage tretende Homophobie hat sicherlich viele Ursachen, sind IMO aber auch gesellschaftlich/ politisch bedingt. Die Zunahme der Attacken bedeutet dabei aber nicht unbedingt eine Zunahme der Homophoben insgesamt. Kleinkarierte, rigide und verbohrte Menschen aber haben heute Hochkonjunktur und deshalb trauen sich diese mehr als früher. Sie rotten sich im Netz bei Facebook und Co. zusammen, lassen ihren Frust an Randgruppen aus. Daran haben allerdings auch all jene Schuld, vor allem große Teile der CDU/CSU, die stetig "DEN Fortschritt" propagieren und damit meinen "technischen Fortschritt". Und analog zur kognitiven Weiterentwicklung des Menschen im wachsenden Kontrast zur emotionalen-sozialen Entwicklung ist es auch hier. Außerdem sind weite Teile der Konservativen noch immer tendentiell homophob, auch wenn dies aus wahltaktischen Gründen nicht so laut gesagt wird. Traurig, aber wahr. Wer nämlich nur an Wirtschaft udn Geld glaubt, zahlt einen hohen Preis dafür.

2/3 der Täter sind keine Extremisten!

Wenn 90 von 130 Tätern weder den Rechtsextremen, noch irgendwelchen religiösen Fanatikern zuzuordnen sind, müssen homophobe Agressionen hauptsächlich von den sonst unauffälligen Mitgliedern unserer Gesellschaft ausgehen.

Es wundert mich, dass die seit Jahren zunehmende Toleranz nun wieder auf dem Rückweg sein soll. (Liegt das an der Statistik oder werden wir wieder intoleranter?)

Verharmlosung?

Warum ist hier die Rede von "Homophoben Attacken" ? ...Nicht nur dass das grammatikalisch nicht korrekt ist, es suggeriert auch dass eine Attacke aus Angst heraus geschiegt.
Bei "Fremdenfeindlichen Attacken" oder "rassistischer Gewalt" spricht man ja auch nicht von "Xenophoben" oder "islamophoben" oder was auch immer "Attacken".

Ich sehe im Zusammenhang mit diesem Thema nirgendwo eine Phobie!

Viel Wind im Wahlsommer

Bei so niedrigen Fallzahlen ist hinsichtlich der prozentualen Erhöhung vermutlich nicht einmal statistische Signifikanz gegeben. Ansonsten kann die Erhöhung der Gesamtfallzahl auch allein durch die größere Anzahl bekennender Homosexueller seit der Liberalisierung entsprechender Gesetze (z.B. der Möglichkeit der Eheschließung) begründet werden. Wenn ich von 5 (in Worten: fünf) Sachbeschädigungen in Deutschland pro Halbjahr lese, dann wird doch klar, dass es sich hier eher um einen erneuten Versuch handelt, ein Randthema zum Wahlkampfhit zu machen.

Kommentare aus der Szene

Gibt es bereits Äußerungen der Betroffenen zum Thema? Ich tu mich etwas schwer damit, von einem Zuwachs von Homophobie zu sprechen, wenn der Großteil der Taten scheinbar ohne Motiv passiert ist. Dann könnte es auch ganz normale Erpressung etc. sein, was eher dafür spricht das es insgesamt etwas unschöner in deutschen Landen von Statten geht. Bei so einer statistisch gesehen kleinen Zahl, 130, haben wir es vielleicht auch nur mit einem besonders unglücklichen Jahr für die LGBT-Community zu tun.

In einer Gesellschaft, die

In einer Gesellschaft, die weiter nach rechts rückt, Nationalisten und Fremdenfeindlichkeit wieder salonfähig macht, Abschottung predigt und in der bis zu 10% eine Gruppierung als Alternative wählen könnten, die zu den überkommenen Strukturen der 50er zurück will, wundert mich das nicht. Der Einsatz für Minderheiten und für respektvolle Toleranz in unserer Gesellschaft war schon weiter: daran ändert auch das aus wahltaktischen Gründen schnell durchgepeitschte Projekt "Ehe für alle" nichts.

Sehr traurig und schade :-(

... zeigt aber klar, dass sich Sympathien nicht gesetzlich diktieren lassen.

Grenzenlose Dummheit

Das einzige "Motiv" für Attacken auf Homosexuelle ist grenzenlose Dummheit und Gewaltbereitschaft, denn selbst Intolleranz reicht dafür nicht aus. Und diese Gewaltbereite Art von Dummheit sollte so streng wie möglich bestraft werden.

@RGHD, 12:43

Die Beschäftigung mit den konkreten Zahlen ergibt, dass es im 1. Hj. 2017 hier 130 Straftaten gab, im Vergleichszeitraum 2016 "nur" 102. Da laut Bericht in 90 Fällen kein (!) Motiv und nur in 35 Fällen ein rechtsradikales Motiv festgestellt wurde, kann man doch nicht von einer Zunahme homophob motivierter Gewalt in Deutschland mit seinen 80 Mio. Einwohnern sprechen.

Was ist denn dann eine Fallzahl von 130 im Vergleich zu 102? Eine Stagnation? Ein Rückgang? Und was hat die Einwohnerzahl damit zu tun? 130 wäre auch dann mehr als 102, wenn wir eine Milliarde Einwohner hätten.

ein Sommerlochthema

250 Menschen werden jährlich vom Blitz getroffen ...
130 Übergriffe auf Schwule , wobei die Gründe in der Mehrzahl der Fälle offen sind

das nur mal zur Relation

Liegt es an der Wahl

oder an der Statistik, vielleicht zeigen es jetzt einfach mehr öffentlich oder sind mehr geworden.
Geben tut es so etwas schon viele Tausend Jahre, nur wurde das halt nicht unbedingt in die Öffentlichkeit gestellt.
Das ganze kann also viele Gründe haben, und Fallzahlen sind gemessen an der Bevölkerung sehr klein.
Und wie äußern sich den diese Attacken oder was darf man sich darunter denn vorstellen.
Ich hab so was noch nicht im Umfeld gesehen oder gehört.

Gruß

um 12:30 von Nachfragerin

"Wenn 90 von 130 Tätern weder den Rechtsextremen, noch irgendwelchen religiösen Fanatikern zuzuordnen sind, müssen homophobe Agressionen hauptsächlich von den sonst unauffälligen Mitgliedern unserer Gesellschaft ausgehen."

Im Artikel steht nur, daß sich soundsoviele Taten zuordnen lassen. Über die Motive der Taten, die sich nicht klar zuordnen lassen steht nichts. Weder ist ausgeschlossen, daß es sich um rechtsextreme(die meisten erkennt man nicht unbedingt) Taten handelt, noch um "religiös" motivierte, noch daß es sich um Taten von "Durchschnittsbürgern" mit homophobem und/oder räuberischem Hintergrund handelt. Zu behaupten 2/3 seien keine Extremisten ist also pure Spekulation.

@Sisyphos, 16:28

250 Menschen werden jährlich vom Blitz getroffen ...
130 Übergriffe auf Schwule , wobei die Gründe in der Mehrzahl der Fälle offen sind
das nur mal zur Relation

Kleine Korrektur: das, was Sie schreiben nennt man nicht Relation, sondern Relativierung.

@12:38 von meinensenfbrauc...

"Ansonsten kann die Erhöhung der Gesamtfallzahl auch allein durch die größere Anzahl bekennender Homosexueller seit der Liberalisierung entsprechender Gesetze (z.B. der Möglichkeit der Eheschließung) begründet werden. "
Es ist nicht so, wie Sie es interpretieren.
1. Statistiken zu Attacken auf Schwule und Lesben werden seit einigen Jahrzehnten geführt.
2. Eine Zunahme bekennender Homosexuelle aufgrund der neuen Gesetzgebung (Eheschließung) ist kompletter Blödsinn. Das Bekenntnis setzt einen wesentlich komplexere Auseinandersetzung voraus als eine simple Gesetzgebung. Außerdem wollen jetzt nicht alle Schwulen und Lesben heiraten, nur weil es dieses Gesetz gibt.
3. Schwule und Lesben als Randgruppen zu bezeichnen ist ein vollkommenes Misverständnis des menschlichen Daseins als wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft. Diese Zuordnung impliziert eine Wertigkeit und Normung der Individuen in dieser Gesellschaft und führt genau zu dieser Homophobie.

@12:43 von _differenziert_

"... zeigt aber klar, dass sich Sympathien nicht gesetzlich diktieren lassen."

...aber der Schutz von Betroffenen gesetzlich untermauern lässt.

@ Frosthorn

Wo leben Sie sicherer ?

1. Ein Ort mit 100 Einwohner, in dem 100 Morde begangen werden

2. Eine Stadt mit 5 Mill. Einwohnern, in dem 100 Morde begangen werden

massive Zunahme... aber wo/von wem?

Tja, wer A sagt sollte auch B sagen können.

Von 90 auf 130 ... massiv... na ja?

Mich würde dann schon eher interessieren, wo und von wem die Attacken verübt worden sind. Hmm rechtsextremer Hintergrund... tja ... da denke ich sofort Ost-Deutschland? Aber ob das stimmt ...

Auch die "massive" Anzahl unserer neuen "Mitbürger" mit Migrationshintergrund (Religion... wird ja im Text angesprochen) könnte in der Statistik eine Rolle spielen, oder eben auch nicht.

Wie ist das Verhältnis Deutschland - Europa ( USA) was dieses Thema betrifft.

Ein wenig mehr Erläuterung zu dem Thema wäre wünschenswert.

@Morgenman, 16:53

Wo leben Sie sicherer ?
1. Ein Ort mit 100 Einwohner, in dem 100 Morde begangen werden
2. Eine Stadt mit 5 Mill. Einwohnern, in dem 100 Morde begangen werden

In einer Stadt mit 100 Einwohnern ist die Zahl der Morde von 10 auf 20 gestiegen. In einer Stadt mit 5 Millionen Einwohnern ebenfalls von 10 auf 20. In welcher Stadt hat sie sich nicht verdoppelt?

Ich habe auf das Argument geantwortet, man könne von einem Anstieg nicht reden - wegen der Anzahl der Einwohner.

So wenige?

Ich wundere mich, dass es insgesamt so wenige Angriffe sind.

Ich hätte angesichts weit verbreiteter homophober Ansichten in der Gesellschaft mindestens das zehnfache erwartet...

Kann aber auch daran liegen, dass sich viele Homosexuelle als solche in der Öffentlichkeit nicht zu erkennen geben.

wunderbar unsere journalisten

die decken skandale auf und der justizminister bestätigt, daß er noch im amtszimmer sitzt. ist diese meldung ansonsten dem sommerloch oder der wahl geschuldet.?

16:39 von frosthorn

@Sisyphos, 16:28

250 Menschen werden jährlich vom Blitz getroffen ...
130 Übergriffe auf Schwule , wobei die Gründe in der Mehrzahl der Fälle offen sind
das nur mal zur Relation

Kleine Korrektur: das, was Sie schreiben nennt man nicht Relation, sondern Relativierung.
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Sisyphos hat von "Relation" gesprochen.
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"die Beziehung oder Verbindung zwischen zwei beliebigen Größen."
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Relativierung war in seinem Text nur sehr gewollt erkennnbar.
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Relativierung meint, eine Aussage so in ein Verhältnis zu einer anderen Aussage zu setzen, daß sich eine neue Aussage ergibt.

12:30 von Nachfragerin

2/3 der Täter sind keine Extremisten!

Wenn 90 von 130 Tätern weder den Rechtsextremen, noch irgendwelchen religiösen Fanatikern zuzuordnen sind, müssen homophobe Agressionen hauptsächlich von den sonst unauffälligen Mitgliedern unserer Gesellschaft ausgehen.

Es wundert mich, dass die seit Jahren zunehmende Toleranz nun wieder auf dem Rückweg sein soll. (Liegt das an der Statistik oder werden wir wieder intoleranter?)
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Im Umkehrschluss ist festzuhalten, das Rechtsextreme immer noch überpräsentiert sind, die sonstigen 90 Taten aber sicher von den sonst "auch unauffälligen Mitgliedern unserer Gesellschaft" ausgehen.

noch eine realation

seit der letzten erhebung ist unser land schönerweise viel grösser geworden. nicht an fläche, aber hier leben nun ca 2-2,5 mio menschen mehr. die genaue zahl weiss niemand. und dabei sind viele, die noch nie was mit gendern/innen und sehr bunten , lauten frauen/männern zu tun hatten, und deshalb vielleicht ablehnend sind.

@frosthorn, 16:39

Das Herstellen einer Relation nennt man gemeinhin Relativierung.

Weiß jetzt ehrlich gesagt auch nicht, wo das Problem ist.

ich würde keine der beiden Erklärungen ausschließen

im Gegenteil. Es ist durchaus vorstellbar, dass Flüchtlinge / Migranten aus fremden Kulturkreisen einen Anteil an der Steigerung homophober Gewalttaten haben. Und, da bin ich mir sicher, die Erklärung von @andererseits, dass im Zuge der zunehmenden Rechtslastigkeit unserer Gesellschaft auch jene immer mutiger werden, die schon immer schwulenfeindlich eingestellt waren, wie ja ohnehin die Gewaltbereitschaft bei den Rechten in den letzten Jahren jede Menge Futter bekommen hat.
Für blödsinnig hingegen halte ich die Erklärung, dass die Zahl der Taten in dem Maße gestiegen ist, wie sich mehr potentielle Opfer geoutet haben. Das soll wohl die Aufforderung an die Homosexuellen sein, sich wieder in die dunkle Schmuddelecke zurückzuziehen und die "normalen" nicht mehr zu belästigen. Und richtig schlimm sind die Versuche, die Entwicklung zu negieren mit dem Argument, dass die absolute Anzahl der Verbrechen ja so gering sei. Klingt nach "was soll's, mich betrifft es ja nicht."

@rossundreiter, 19:34

Das Herstellen einer Relation nennt man gemeinhin Relativierung.
Weiß jetzt ehrlich gesagt auch nicht, wo das Problem ist.

Das Verharmlosen und Kleinreden untragbarer Zustände nennt man ebenfalls Relativierung. Und das geschieht hier. Das ist mein Problem.

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