Kommentare

Kosenamen des Todes ... Militär Tradition ...

Ja vielleicht die der Etappenhengste oder die unreifer Charaktere bevor das Warten auf die Schlachtbank beginnt.
Krieg hat in den Gräben des ersten und den Ruinen des zweiten Weltkrieges stattgefunden - die Endmoränen haben sich jeweils in den Lazaretten und in den Heimen mit den Schwerversehrten ausgetobt - dazwischen ist Krieg niedlich - muss verniedlicht werden. Und Bomben denen man Namen gibt, fallen ja gemeinhin auf andere.

Widerliche Verniedlichung

Ich würde die militärische Bezeichnung für eine bestimmte Art von Sprengmitteln nicht als "Kosenamen des Todes" bezeichnen, sondern als zynische Verniedlichung von Mordinstrumenten, denn Bomben haben nur diese eine Aufgabe, das morden.

Euphemismen

Dinge, die schlimm, böse, unmoralisch oder was auch immer sind dadurch zu verniedlichen, dass man sich neue harmlose Bezeichnungen dafür ausdenkt, ist weit verbreitet und betrifft nicht nur Bomben.
"Weiche Ziele" oder "Kollateralschäden" sind auch Beispiele, wie man versucht, das Töten (hier von Zivilisten) irgendwie verschämt zu verbergen.
Steht doch einfach zu dem, was ihr tut. Aber es ist natürlich schöner eine Angriffskrieg "Präventivschlag" zu nennen.

Was für ein Halbwissen mal

Was für ein Halbwissen mal wieder "mother of all" ist eine im Englischen gebräuchliche Redewendung.
Mother of all movies.

Mother of all storms.

Daran ist nichts Verniedlichendes, und es bezieht sich auch nicht auf die lebensspendende Mutter, sondern auf Größe, Ausmaß, Gewicht etc., es ist einfach eine Redewendung, völlig unabhängig von Moral oder Zusammenhang.
So wie man im Deutschen sagen würde, das dickste Ding oder ähnlich.

Und bezüglich der angeblichen Tradition der Verniedlichung militärischer Bezeichnungen ist das Gegenteil der Fall, deswegen heißen Angriffssysteme Predator, Stinger, Hornet, Tomahawk usw usf.

Daisy Cutter geht auf den Anwendungsbereich zurück, nämlich im vietnamesischen Dschungel Vegetation weg zu machen.
Genauso wie MOAB (Massive Ordnance Air Blast) eine militärische Bezeichnung ist, die das Anwendungsgebiet bezeichnet.

Pervers

was sich die "Thinktanks" immer so einfallen lassen. Was soll das geben- schöner sterben? Die Medien sollten sich den Quatsch nicht zu eigen machen

Zynismus des Krieges und der Gewalt

Nur: Wenn das Militär diese zynischen Verharmlosungen bei sich einführt, so müssen doch unsere Medien diese Namen noch lange nicht übernehmen und immer wieder wiederholen? Es reichte doch z.B. neulich, von der stärksten nichtatomaren US-Bombe zu schreiben, aber viele Journalisten schienen sich immer wieder dabei zu gefallen, von dieser "Mutter" zu schreiben?

Und was das Vokabular angeht, so war es doch auch interessant zu beobachten, wie das Vorgehen in Aleppo und Mossul jeweils bezeichnet wurde. Oder wie von manchen Mächten eiskalt Zivilisten umgebracht werden, während es bei anderen Mächten im Rahmen ihrer "Aktionen" und "Operationen" oder "Missionen" "Kollateralschäden" gibt ...

@13:55 von tick tack tick tack

Zum Halbwissen kommt noch die Übertreibung bzgl. der Reichweite. Die Daisy Cutter schuf im Dschungel eine Lichtung von der Größe eines Fußballplatzes, die Druckwelle war tödlich im Umkreis von 150 m. Ähnliche Wirkungen hatten britische Luftminen im II. WK. Diese dienten allerdings dazu, Dächer abzudecken, damit die nachfolgenden Stabbrandbomben genügend brennbares Material fanden.

Das kommt

alles aus der Gossensprache der untersten Schichten. In Neuperlach oder den einschlägigen Vierteln in Berlin sagt man ja auch "Milchschnitte essen" für Zähne einschlagen. Traditionsgemäss besteht ja ein direkter Zusammenhang zwischen Gosse und Militär. Intelligente Kreise können Konflikte auch anders lösen- oder gar nicht erst entstehen lassen (Statt Nationalismus- vulgo "Viertel"- eben Internationalismus ohne Grenzen- vulgo Solidarität und Zivilistaion.

Ich mach mir die Welt, so wie sie mir gefällt

Das Millitär möchte uns mit der Verniedlichung von Mordinstrumenten suggestieren das etwas, was so harmlos klingt, ja gar nicht so böse sein kann. Und wenn die Politik dann, nicht etwa von "Krieg" sondern von "Frieden schaffenden Maßnamen" schwafelt, die mit "Chirugischer Nadelstichpräzision" durchgeführt werden, dann verdient das Ganze doch fast schon den Friedensnobelpreis, oder?

14:04, deutlich

>>Pervers
was sich die "Thinktanks" immer so einfallen lassen. Was soll das geben- schöner sterben? Die Medien sollten sich den Quatsch nicht zu eigen machen.<<

Think Tanks, also "Denkfabriken", beschäftigen sich nicht mit solchen Begriffsschöpfungen. Das ist eher das Metier von Werbeagenturen. Eine ganz andere Baustelle.

Googeln Sie mal den Begriff "Think Tank".

Also wenn da stehen würde,

Also wenn da stehen würde, Massenwaffe, "Gemetzelinstrument", womöglich noch "Lass Fetzen", würde das - von Menschen beherrschte - Militär diese Bomben nicht abwerfen können? Interessant das auch mal so zu sehen. Man weiss ja, solche Namen würden niemals dort stehen, aber interessant ist,warum eigentlich nicht. Ich glaube, es ist auch ein bisschen Selbsttäuschung "Friedensbringer" drauf zu schreiben - es ist dann einfacher zu töten

Oder würde eine glasklare zweckerfüllende Beschreibung die Frage stellen lassen, dass prinzipiell jeder Bombenabwurf ohne Gerichtsurteil tötet?

@tick tack tick tack

"Und bezüglich der angeblichen Tradition der Verniedlichung militärischer Bezeichnungen ist das Gegenteil der Fall, deswegen heißen Angriffssysteme Predator, Stinger, Hornet, Tomahawk usw usf."

Es gibt dort unterschiedliche Ansätze.

Mal bezeichnet man Panzer mit Tiger und 2 Generationen später werden sie dann Maus genannt, obwohl die Maus wesentlich größer und schwerer war.
Auch die einige der heutigen Kampfmittel heißen eigenartig, wie Wiesel, Dachs, oder Leguan.
Ich schätze mal man sucht schlicht einen geläufigen Namen, darum glaube ich auch das man MOAB als Mother of all bombs geplant hat und nicht diesen anderen sehr sperrigen Namen. Das sieht schlicht nach einem Wörtersalat aus.

14:53 von ophorus

Lieber ophorus,

Sie unterstellen 'dem Militär' mangelnde Intelligenz und daraus resultierend den Hang, zur Konfliktlösung sehr gerne Waffen einzusetzen. Das ist aber etwas daneben, denn es sind immer noch die Politiker, die ihr Militär in Marsch setzen. Das sollten Sie sich bitte mal durch den Kopf gehen lassen ...

Kilogramm und Pfund

Liebe TS
Eurer bilderdokumentation ist eine Verwechselung von deutschem und imperial Pfund unterlaufen.
5000 kg sind immer noch 10000 Pfund aber ca 11000 pound.
Okay. Ist kleinlich, aber als inschinoer mit internationaler rrisetaetigkeit macht mir sowas mehr Zahnschmerzen als das philosophieren darüber warum jemand etwas wie benennt

re thomas wohlzufrieden

"Das Millitär möchte uns mit der Verniedlichung von Mordinstrumenten suggestieren das etwas, was so harmlos klingt, ja gar nicht so böse sein kann."

Für "Verniedlichung" beim breiten Publikum sind diese Namen kaum geeignet, weil beim breiten Publikum weitgehend nicht geläufig.

Wieviele Leser dieses Artikels haben wohl vorher schon mal was von Daisycutter gehört?

Sehr guter Artikel!

Der Militärjargon hat allerdings noch VIEL mehr Euphorismen zu bieten. Marschflugkörper zum Beispiel....da könnte man ein ganzes Buch drüber schreiben. Der Artikel beschränkt sich alleine auf Bomben. Etwas mehr wäre noch besser gewesen!

Keine Verniedlichung

Spitznamen wie "Little Boy" okay, aber "mother of all bombs" ist beileibe keine Verniedlichung. Die Phrase "mother of all..." wird im Gegenteil verwendet, um auf die Größe eines Ereignisses oder Objekts zu verweisen ("It's the mother of all storms..." etc.).

@Thoregon6

"'dem Militär' mangelnde Intelligenz und daraus resultierend den Hang, zur Konfliktlösung sehr gerne Waffen einzusetzen"
da das ja, wie eben dieser Artikel zeigt, der Wahrheit entspricht, ist es eben KEINE Unterstellung! Warum eigentlich halten Sie "die Politiker" für höher gebildet als die Militärs? Das ist doch, in der Auswirkung, dasselbe. Denn Sonst würden ja ihre hochgeschätzten "Politiker" eben genau diese zynischen Gossennamen verbieten!

Ich habe mit der Verniedlichung kein Problem

Und Morden und Töten sind übrigens im juristischen Sinne zwei verschiedene Dinge.

Verniedlichungen sind Zynismen der untersten Schublade

Also ich sage dazu auch mal ganz klar, dass ich diese Verniedlichungen von solchen Bomben - die ich ebenfalls als perverses Mordinstrument ansehe - wirklich einen Zynismus der alleruntersten Schublade empfinde. Wie kann man nur Atombomben so nennen wie es in Hiroshima und Nagasaki gewesen ist? Wie kann man eine Bombe "Vather of all bombs" oder sowas nennen?? Macht es das Töten harmloser oder was?? Oh man... da kann man sich echt nur ans Hirn langen ueber solche Verblödungen.

Und bei dem hier:

Hinter dem Namen "Deep Throat", also "Tiefe Kehle", verbirgt sich die bunkerbrechende, per Laserstrahl ins Ziel gelenkte Bombe GBU-28.

denke ich eher an eines der us-Spionageprogramme das Edward Snowden enthuellt hat und nicht an so eine Bombe.

Und ich gebe auch zu, dass ich es so sehe, dass England, Russland, Israel und andere solche Atommächte ein fuer alle Male entwaffnet und abgeruestet gehören. Sie sind eine maximale Gefahr fuer die Zukunft!

Tallboy

Hallo,

Die britische Tallboy war speziell zum Brechen von über 5 Meter dicken Bunkerdecken entwickelt worden, als Waffe gegen normale Bebauung uns Städte wurde sie nie eingesetzt, wenn sie in Hamburg eingesetzt wurde dann nur gegen große Bunker (der Urahn im US-Arsenal heißt MOP (Massive Ordonance Penetrator).

Diese neue Bombe sollte

Diese neue Bombe sollte eigentlich "mini-Atombombe" heissen, denn sie tötet auf die gleiche Weise: MASSIVE Druckwelle.

Naja bei der Atombombe kommen noch die Hitze und die Strahlungsschäden hinzu, aber die "üblichen" Bomben explodieren nicht in der Luft und töten durch Schrapnel- oder Trümmerwirkung.

Der "Vorteil" einer solchen Bombe ist, dass Luft quasi überall ist und deshalb die Wirkung auch "um die Ecke" funktioniert. Man müsste also in einem hermetisch abgeschotteten Bunker sein, um dagegen geschützt zu sein ... aber dafür gibt es ja schon die "Bunker-buster".

Krieg MUß für BEIDE SEITEN grausam sein, damit er nur im äußersten Notfall geführt wird. Eine "Unbesiegbarkeit" (= null Gefahr für die Soldaten) wie es die USA inzwischen mit ihren Drohnen und anderen ferngelenkten Waffen besitzen, ist schlecht für die Welt, da es der Gegenseite nur das Mittel des Terrorismus/Anschläge lässt, um dabei mitzuhalten. Dummerweise sieht niemand diesen Zusammenhang.

falsche Antwort

>> 16:47 von fathaland slim <<
"Think Tanks, also "Denkfabriken", beschäftigen sich nicht mit solchen Begriffsschöpfungen."

Falsch.
Auch Militärs unterhalten Denkfabriken und finden verharmlosende Synonyme für unangenehme Tatsachen.
Wie Politiker halt.

re pflasterstein

"Diese neue Bombe sollte eigentlich "mini-Atombombe" heissen, denn sie tötet auf die gleiche Weise: MASSIVE Druckwelle."

Das ist ja wohl genau das Gegenteil von verhübschen: Durch unzutreffende Namen falsche Assoziationen wecken.

"aber die "üblichen" Bomben explodieren nicht in der Luft und töten durch Schrapnel- oder Trümmerwirkung."

Weder eine Bombe noch ein Artilleriegeschoss ist verpflichtet, beim Aufschlag zu explodieren. Alle können mit air burst zünden.

Sie stehen da nicht im Stoff.

Infantilisierung

ist ein bewusst von Militärs eingesetztes Mittel, um Menschen (ja, auch Soldaten sind Menschen) zum Töten zu bewegen. Das Perverse – und gleichzeitig Voraussetzung für ein funktionierendes Militär – ist, dass Menschen möglichst nicht mehr denken sollen. Zumindest nicht mehr, als für ein technisches Ausführen der Befehle nötig ist. Die militärische Ausbildung (die im gewissen Sinne auch eine Hirnwäsche ist) hat in moralischer Hinsicht genau dies zum Ziel. Problematisch dabei ist, dass besonders Jugendliche, die noch keine so besonders gefestigte Persönlichkeit besitzen, genau aus diesem Grunde besonders vom Militär umworben werden.

Und unabhängig davon, soll auch die Bevölkerung möglichst nicht protestieren, wenn das eigene Militär agiert ... Infantilisierung hilft dabei.

Ursprünge?

Diese Verniedlichung hat beim Militär Tradition.

Diese Tradition mag durchaus noch viel weiter zurückreichen. Eine Variante des Stiletts, die lt. Wikipedia seit dem frühen 16. Jahrhundert nachgewiesen ist, wurde mit "Misericordia" (dtsch. "Barmherzigkeit"), im deutschen Sprachraum als "Gnadengeber" oder "Gnadenbringer" bezeichnet.

Im Wikipediaartikel wird diese Waffe v.a. als heimtückische Mordwaffe vorgestellt; m.W. diente sie aber auf den Schlachtfeldern der damaligen Zeit auch dazu, einem schwerverletzten Gegner (der aufgrund der völlig unzureichenden Behandlungsmöglichkeiten ohnehin gestorben wäre) den Gnadenstoß zu geben.

Zumindest in diesem Zusammenhang finde ich die "verniedlichende" Bezeichnung "Gnadengeber" recht zutreffend. "Gnadenstoß" geht ja auch in diese Richtung.

MfG A.

nicht nur den waffen werden wohlklingende namen

gegeben.

auch den kriegshandlungen werden sonderbar verharmlosende aktionsnamen verliehen.

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